Auf ein Neues! Hier bin ich wieder und schreibe mal wieder einen Blogeintrag. Der heutige Tag ist ein Montag und da ich absolut nichts zu tun habe (eigentlich wäre heute die öffentliche Deutschstunde, aber kein Mensch lässt sich blicken…), versuche ich mich erneut am verfassen eines annehmbaren Textes.

Genug gelabert! Zurück zum 15.11. (auch ein Montag)… Da Ruven seinen guten Freund Sebastian aus Accra abholen wollte, musste er sich am Morgen auf nach Accra begeben. Er gab noch eine Mathestunde und ich übernahm seine Deutschklasse, die übrigens sehr viel Spaß gemacht hat, denn diese Senior High Schüler sind absolut interessiert. Sie leiteten sogar den ganzen Unterricht und ließen mich Monate, Wochentage und Jahreszeiten aufschreiben. Da mir das so gut gefiel, unterrichtete ich das gleiche auch bei den Berufsschülern, wobei Torsten mir im Klassenraum bald Gesellschaft leistete. Zunächst dachte ich, dass ich jetzt nur noch stottern und es total versauen würde, aber da ich einen super Tag hatte, zog ich es einfach weiter durch. Am Ende wurde mir nur angekreidet die Schüler zu wenig einbezogen zu haben. Ich rede einfach zu gerne! Aber was soll’s in 40 Minuten ist es halt schwer ein gewisses Maß an Inhalt zu vermitteln und Schüler einzubeziehen, aber das krieg ich auch noch irgendwann hin. Danach entspannte ich mich erstmal eine Weile, denn so viel Unterricht hatte ich noch nie an einem Tag gehabt… Torsten kam im Verlaufe des Nachmittags bei uns vorbei und wir redeten ein wenig über die Schule. Nach einiger Zeit kamen wir dann auf unsere Mülleimer zu sprechen, die immer noch nicht organisiert wurden. Das ganze hatten wir zuvor mit George besprochen und eigentlich hätte er sie besorgen sollen, aber es gab Ungeklärtheiten, denn wir wollten den Spaß bezahlen und George musste wissen, wie viel wir bereit waren zu geben. Durch Torsten begaben wir uns dann endlich mal auf den langen und beschwerlichen Weg zu George, der etwa 30 Meter von unserer Wohnung entfernt lebt. Wir klopften an und hörten eine Frauenstimme und hastige Bewegungen. Hinzu kam, dass noch ein extra Paar Flipflops vor der Tür stand. Irgendwann kam George dann in gerade übergeworfenem Hemd zur Tür und erzählte uns, dass er gerade noch geschlafen hätte… Das haben wir ziemlich lustig gefunden. Wir legten für uns selbst fest, dass es Anita gewesen sein musste, die sich da mit George vergnügt hatte. Endlich mal wieder ein bisschen ernsthafter Klatsch und Tratsch! Das hatte ich schon ewig nicht mehr. Später am Abend kam Torsten auch noch mit zwei Menschen vorbei, die wir nie gesehen hatten: Tassilo und Charlotte. Ebenfalls zwei Freiwillige in Ghana, die Torsten durch Zufall kannte. Charlotte sollte dann vielleicht noch bei uns arbeiten, weil die Stelle, die sie eigentlich hatte bekommen sollen im Nachhinein wohl gar nicht existierte. Aber wir wissen nicht, was später aus ihr geworden ist. Letztendlich ist es wohl besser, dass sie nicht zu uns gekommen ist, denn sonst wäre es echt voll geworden hier! Naja, irgendwann waren wir dann wieder uns selbst überlassen und der Tag fand bald sein Ende.

Am Dienstag war ein muslimischer Feiertag, doch da Ruven noch weg war und wir ihn erwarteten, gingen wir nicht auf einen Trip, sondern chillten einfach entspannt. Am Morgen machten Cornelius und ich Sport. Danach gingen Mareike und Cornelius mit Torsten zum Culture Centre um sich dort irgendwas anzuschauen. Ich blieb zu Hause, um mal ins Internet zu gehen, doch das wurde nichts, denn aus einem unbekannten Grund funktioniert unser freies Internet nicht mehr. Tja, wieder einmal kam ich unverrichteter Dinge von der Uni zurück ohne auch nur irgendwas geschafft zu haben. Nachdem wir dann wieder im Zimmer versammelt waren, bereiteten wir Yam mit Tomatensoße vor, damit Sebi und Ruven nicht hungrig ins Bett gehen mussten. Doch die beiden kamen eine Ewigkeit nicht, sodass wir schon aßen und einen Film schauten. Ach ja… Eine Sache habe ich vergessen. Da Sebi zu uns kam, stellten wir noch ein extra Bett in unser Zimmer und nahmen zwei Stühle raus. So hatten wir eine Art neue Couch bei uns. Das war anfangs ganz nett, aber im Nachhinein war es einfach zu voll! Wir hatten kaum noch Platz bei uns im Zimmer. Aber das war erstmal egal. Denn die beiden Reisenden kamen bald wieder und erzählten uns von ihren Erfahrungen. Ruven, der Glückliche, hatte ein absolut europäisches Frühstück, da er bei den Verwandten von Mareike unterkommen konnte. Also Käse, Salami, Brötchen, alles was das Herz begehrt! Mich zerreißt es übrigens gerade vor unbezwingbarem Neid, aber naja, dafür hatten wir uns Pfannkuchen und Milo (eine Art Kakao mit Wasser anstatt von Milch) gemacht. Sebi fand auch schnell seinen Stammplatz in unserer Gruppe. Schnell lachten und witzelten wir mit ihm, wie wir es die vorangegangenen Monate taten.

Der nächste Tag sollte ein besonderer werden. Wir mussten nicht arbeiten, sondern warteten auf ein Zeichen, dass es losgeht… Wohin? Zur Queen Mother des abgesetzten Chiefs unseres Bezirks. Die hat nämlich auch das ganze Projekt um die Schule nach und nach genehmigt. Und jetzt wollte Torsten sie besuchen, um das Kindergartenprojekt von ihr absegnen zu lassen. Wir durften mitkommen. Doch bevor wir losfuhren, erfuhr ich, dass mein Hemd endlich fertig war und ich trug es den restlichen Tag. Etwa zwei Wochen später kann ich nur sagen, dass dieses Hemd einfach mal richtig genial ist! Es ist zwar verdammt warm, aber es sieht afrikanisch und gut aus. Dann ging es plötzlich los zur Queen. Apau nahm uns in seinem Pickup mit und Torsten fuhr in einem Mercedes mit. Sicherlich extra für den Anlass von Sakkordie organisiert. Wir fuhren durch eine Gegend in der nur teure Häuser standen (die Wege aber dennoch total vom Regen zerfurcht waren). Eins der Häuser gehörte der Queen. Es war sehr europäisch eingerichtet und wir bekamen endlich wieder leckere Softgetränke. Das war schonmal nett. Erst wurde das Projekt besprochen, aber da die meiste Zeit Twi gesprochen wurde, nahm ich mich zurück und kümmerte mich um meine Cola. Als alles geklärt und die wichtigsten Anwesenden glücklich mit allem waren, überreichten wir die Geschenke. Das war auch schneller vorbei und weniger glorreich, als man sich sowas vllt vorstellen kann. Die Leute hier wollen von allem Fotos und Bilder haben, was einen dazu zwingt in einer Haltung für 30 Sekunden stehen zu bleiben, damit auch jeder sein Bild bekommt. Naja, aber am Ende waren alle glücklich und mindestens hundert Mal belichtet worden. Wir bedankten uns ganz herzlich und verließen das Haus der Queen. Zu ihr möchte ich noch sagen, dass sie echt wie eine richtige Mama rüber kam. Unendlich lieb und extrem geduldig. Sie hatte ein sehr freundliches Gesicht und hat selten mal nicht gelächelt.

Naja, auf dem Rückweg haben wir entschieden, dass wir uns das Museum im Manhyia Palace anschauen könnten. Der Palace ist der Sitz des Königs von Kumasi, sowie dem König der Asantés, wobei zur Zeit eine Person beide Titel trägt. Die Führung durch das Museum war ganz interessant, auch wenn man schon vieles vom Besprochenen vorher in Büchern und Texten gelesen hat. Danach war ich ziemlich müde und wir begaben uns auf den Rückweg. Ruven und Cornelius stiegen aber in Kejetia aus um noch einige Sachen einzukaufen. Wir anderen fuhren dann ungerechterweise zu einem Restaurant und speisten zu Kosten Apaus. Dort habe ich bemerkt, dass ich den fritierten Reis Ghanas extrem zu lieben begonnen hatte. Die letzten paar Tage gab es bei mir wenig anderes, aber ich hab schon wieder großen Hunger auf ein wenig Reis! Ich muss mir abgewöhnen den Blog im hungrigen Zustand zu schreiben, aber da ich das eigentlich immer bin, ist das schwierig!

Als wir dann wieder zu Hause waren ging ich dann direkt zum Internet Cafe mit Torsten und unterhielt mich auf Hin und Rückweg mit ihm über die Schule und das Leben. Als ich dann wieder im heimischen Zimmer saß, gab es ein Bier für jeden und ich hörte mir mit Sebi zusammen noch Musik bis in die frühen Morgen.

Der nächste Tag war ein weiterer besonderer Tag, denn es war Cornelius’ Geburtstag. Dafür hatten wir auch schon einiges vorbereitet: Sebi hatte aus Deutschland 2 Milka Caramel mitgebracht. Das ist die Sorte Schokolade, bei der Corneilus immer prophezeit hatte, dass er schwach werden würde und sein Abstinenzgelübde brechen würde.

Naja, wir bereiteten auf jeden Fall ein schönes Frühstück vor und luden ein paar Leute ein. Es gab neben der Schokolade, die Cornelius voller Unglauben entpackte, auch Bofrot. In eins der Boforts taten wir noch eine Geburtstagskerze. Und dazu kam dann noch ein Geburtstagsmilo, bzw für Corny gab es ein Geburtstagstee. Danach unterrichtete in einem sehr müden Zustand, aber es war trotzdem relativ spaßig. Und weil es so gut war, unterrichtete ich noch ein wenig mehr. Am Ende des Schultages gab es ein Meeting mit allen Schülern, Lehrern und wer noch so zur Schule gehört. Es wurden viele Ideen und Regeln vorgestellt. Bei der Regel, dass nicht mehr geschlagen werden durfte, freuten sich die Schüler sehr, aber bei allem was mit Pflichten zu tun hatte, schauten sie gewohnt ausdruckslos drein. Naja, das scheint hier ja wohl normal zu sein. Am Abend des Tages gab es dann noch ein Essen mit einigen Leuten. Es gab Joloffreis. Einfach geil! Dazu gab es auch noch Bier. Es wurde viel gelacht und war ein echt guter Abend. Da der nächste Tag ein Freitag war, konnten wir auch bis in die Puppen wach bleiben, da ja nichts zu tun war. Dementsprechend wenig war dann auch los am Freitag. Zumindest für mich. Der Tag bestand aus Schlafen, Essen und Witze machen. Ich glaube Ruven und Sebi fuhren an diesem Tag mit George nach Kejetia, um Mülleimer zu kaufen.

Der 20.11., ein Samstag, war der Tag an dem wir uns dann ernsthaft mit Torsten zusammen setzten, um über unsere Arbeit und Gefühle hier zu reden. Da wir aber kaum etwas auszusetzen hatten und Torsten uns auch eigentlich nur nahe legen konnte ein wenig mehr auf die Schüler einzugehen und weniger von unserem Geld für die Schule auszugeben, war der ernsthafte Teil schnell beendet und man fing auch wieder an zu schäkern und zu scherzen. Wir erfuhren, dass Torsten nach Dubai ziehen wollte, was uns doch ein wenig überraschte, denn sowas hört man ja nicht so oft. Tja, nach dem Treffen gingen Mareike und ich nach Kejetia um Farben zu kaufen, aber das stellte sich als nicht so leicht heraus. Denn uns wurde gesagt, dass der Farbenfritz irgendwo beim Asafomarkt ist. Tja, den Markt selbst kannten wir, aber der ist natürlich auch nicht so klein. Naja, wir nahmen extra ein Taxi Richtung Asafo, aber wurden schon in Adum rausgelassen und mussten fast den gleichen Weg laufen, als wenn wir mit dem Trotro direkt nach Kejetia gefahren wären. Tja, man kann halt nicht alles haben. Ein kleines Erlebnis hatten wir übrigens kurz bevor wir aus dem Taxi gelassen wurden. Wir fuhren an einem Partyzug von Menschen vorbei und Mareike, die unglücklicherweise auf der umzugnahen Seite saß, bekam die gesamte Kraft verrückter junger Männer ab. Denn als die Partypeople Mareike erblickten, durfte sich Mareike tausend und eine Liebesbekundung anhören. Von absolut jedem, der an ihr vorbei kam! Sie schaute dann auch bald nicht mehr auf die durchdrehenden Männer, was vielleicht auch gar nicht so schlecht war. Ich schaute aber gebannt weiter hin. Dadurch konnte ich auch irgendwann jemanden sehen, der Einfach komplett nackt durch die Gegend tanzte. Naja, als wir am Umzug vorbei waren, konnte man endlos viele Kussspuren auf Mareikes Fenster sehen. Im Nachhinein konnte sie drüber lachen, aber das muss echt krass gewesen sein! Naja, weiter im Text.

Wir suchten also den Weg zum Markt und als wir da waren, fragten wir uns durch, bis endlich jemand wusste, wo man die Farben herbekommt. Dort wurde dann sehr professionell die Cremefarbe gemixt, die wir wollten. Es wurde einfach zusammengeschüttet, was so reingehören könnte, bis uns dann zwei Farbeimer übergeben wurden. Die waren übrigens schwer und hatten einen verdammt dünnen Henkel, der sich unangenehm ins Fleisch schnitt. Die Grundfarbe hatten wir jetzt, aber da wir in die Bibliothek auch noch ein Bild malen wollten, brauchten wir auch noch andere Farben. Wir fragten, wo wir die finden könnten und uns wurde der ungefähre Weg gewiesen mit dem Vorschlag, dass man doch einfach nochmal nachfragen sollte. Das taten wir dann auch. Wir irrten also so etwa 20 bis 30 Minuten durch einen unbekannten Teil Kumasis bis wir endlich Glück hatten und die dünne Schneise hinter einer Hütte entdeckten und in einen total versteckten Hinterhof kamen, wo uns alle Farben verkauft wurden, die wir wollten. Die Leute waren dort alle nett und extrem locker, sodass man sich noch eine Weile unterhielt. Auf dem Rückweg sprach uns ein Mensch an, der in Frankfurt gelebt hatte und er unterhielt sich noch mit Mareike ein wenig über ihre Heimatstadt. Naja, dann gingen wir weiter und kämpften uns noch eine Runde durch den Zentralmarkt und kauften Zutaten für eine leckere Reispfanne. Auf dem Weg stolperten wir förmlich über den Schmuckteil des Marktes und Mareike leistete sich ein Armband. Dann traten wir aber endlich den Heimweg an und nahmen ein Trotro nach Hause. Auf diesem Weg durfte ich ein kleines Kind auf den Schoß nehmen, weil es sonst hätte stehen müssen. Zum Dank hat Mareike dann als wir aussteigen wollten, einen der Farbeimer, der nicht ordentlich verschlossen war, über sich selbst und die Mutter verteilt. Weil das alles aber so lustig war, haben wir den ganzen restlichen Heimweg nur gefeiert und gelacht. Zu Hause hat Mareike sich dann einfach hingesetzt und mit all der Farbe auf ihren Beinen Bilder gemalt. Ich hab sie währenddessen einfach mal eine Runde ausgelacht…

Dann haben wir zu kochen angefangen. Das dauerte eine ganze Weile und zwischendurch kamen dann die anderen drei vom Senatorhotel zurück in welchem sie Championsleague geschaut hatten und sich das ein oder andere Bier reingepfiffen haben. Ich war an dem Abend dann irgendwie die ganze Zeit genervt, weil sie ohne uns angefangen hatten, denn ursprünglich wollten wir am Ende des Abends in einen Club. Im Nachhinein war es total dumm von mir, aber so war ich einfach drauf. Die Schüler hatten einen Entertainmentabend, bei dem sie sich wie Krieger verkleideten und die Mädchen zogen Kleider alter Frauen an. Das war ganz nett, aber ich verkroch mich in meiner Angepisstheit in der Küche und kochte weiter. Naja, dann entschieden wir uns aber doch noch zum Club zu fahren. Sebi, für den wir das eigentlich veranstalteten, kam dann leider nicht mit, weil er Kopfschmerzen hatte.

Wir anderen jedoch, sind dann los gegangen und nahmen uns ein Taxi zu einem Club, den wir nicht kannten, der uns jedoch empfohlen wurde. Auf der Fahrt erfuhr ich, dass der, der uns fuhr, schon einige Male unser Fahrer gewesen ist. Also begann ich mit ihm zu reden. Bevor wir ins Taxi gestiegen sind, hatte ich noch gar keine Lust feiern zu gehen, doch als wir uns so unterhielten, verflog mein Unmut und ich blühte auf. Joseph bot mir dann irgendwann sogar an, mal mit seinem Auto zu fahren, aber das lehnte ich lieber ab, zumindest an diesem Abend… Naja, aber sonst ging es eigentlich größtenteils um sein Leben. Seine Mutter war vor 4 Jahren gestorben, weswegen er sich nun um seine kleinen Geschwister kümmern musste. Das ist auch ein Grund dafür, dass er mit 25 noch ohne Freundin oder Frau dasteht. Das Leben hier ist halt nicht so easy, wie ich es in Deutschland kennen gelernt habe. Naja, nachdem er uns abgeliefert hatte, hätte ich mich ohrfeigen können, seine Nummer nicht genommen zu haben. Aber naja, wir treffen ihn sicherlich irgendwann wieder, denn, wie er mir verraten hatte, er lebt in Techiman, nur wenige Minuten von uns entfernt.

Während ich munter redete, pennten die anderen drei hinten auf dem Rücksitz weg und waren noch relativ benommen, als wir ausstiegen. Dadurch hatten sie auch nicht die Unmengen von Prostituierten gesehen, die am Wegesrand standen. Als wir an ihnen vorbei fuhren, schaute Joseph sogar eine ziemlich lange Zeit lieber zu den Frauen, als auf die Straße… Ich fand es aber eher witzig als gefährlich, denn es war sowieso kaum jemand unterwegs. Ich fragte auch gleich mal nach der Legalität von Prostitution und Joseph erklärte mir, dass es natürlich prinzipiell nicht erlaubt war. Tja, aber wer sollte Frauen von Prostitution abhalten, wenn doch so viele Polizisten und reiche Männer ihre Dienste in Anspruch nehmen…

Tja, genug davon. Wir steigen dann, als wir den Club endlich gefunden hatten, aus und bezahlten die 10 Cedi Eintritt pro Person. Die Einrichtung des Clubs mutete auch sehr europäisch an. Die Musik war mir ein wenig unangenehm, weil es die ganze Zeit nur so Reggae-Zeug war, wozu ich keinen rechten Draht aufbauen kann. Wenigstens haben die Bässe gestimmt. Als wir ankamen, gegen 23:30 Uhr, war natürlich noch nichts los. Also hatten wir Zeit uns alles in aller Ruhe anzuschauen und die Musik in uns aufzunehmen. Für Ruven und Cornelius hat die Musik nämlich wiederum super gepasst! Je später es wurde, desto mehr Leute kamen und begannen zu tanzen. Und mit der Zeit kamen auch die ghanaischen Lieder. So lange bis wir echt kaum mehr Lieder kannten, nur die, die wir manchmal im Taxiradio hörten. Naja, aber dennoch war es recht witzig. Dieser Club erinnerte doch sehr an die amerikanische Variante, da es keine Gruppen gab, sondern ausschließlich zu zweit getanzt wurde. Wir bildeten die Ausnahme. Mareike wurden dann irgendwann mal von einem Libanesen zum Tanz aufgefordert. Also waren wir Jungs dann eher unter uns. Eigentlich wollte ich dann auch mal mit einer Einheimischen tanzen, aber mich plagten Gedanken über Treue doch zu sehr, denn hier tanzte man nicht einfach nur… Tja, später fanden wir dann einen riesigen Spaß daran, dem Libanesen auf Beutejagd zuzuschauen. Denn dieser Libanese war nicht nur extrem klein und durchschnittlich, sondern er hatte es auch unglaublich nötig. Er sprach fast jedes unbeschützte weibliche Wesen an und hing kurz darauf schon am Ohr der nächsten. Ich weiß nicht ob er von den Frauen nicht bekommen hat was er wollte, dass er mit so vielen tanzte, oder ob er eine Wette laufen hatte. Ich hab auch nicht gefragt. Ich weiß nur, dass der Höhepunkt erreicht war, als er einer durchaus hübschen, aber mindestens zwei Köpfe größeren Frau hinterherdackelte. Naja, gegen zwei bis drei verließen wir den Laden dann und fuhren mit dem Taxi nach Hause. Ich war so müde, dass ich mich gar nicht mehr an den Rückweg erinnere.

Da es am Vorabend so spät war, begann der nächste Tag auch nur sehr schleppend. Ich machte kaum etwas außer chillen und essen bis wir irgendwann merkten, dass es schon gegen 13 Uhr war und die Namensgebung von Madame Harietts Baby beginnen sollte. Also machten wir uns schnell fertig, nur um dann zu bemerken, dass natürlich noch niemand da war. Denn wir sind hier in Ghana und in Ghana werden Zeiten nicht eingehalten! Also setzten wir uns in die Assembly Hall, wo die Namensgebung stattfinden sollte und begannen zu lesen, um so die Zeit zu überbrücken, bis endlich alles losging. Die Zeremonie selbst war wieder typisch ghanaisch. Es drehte sich extremst um Geschenke, Geld und Gott. Da mich all diese Dinge mit der Zeit zu nerven beginnen, war auch die Taufe nicht sooo leicht auszuhalten. Besonders als der Pastor merkte, dass Mareike im Raum war. Dann waren wir natürlich im Mittelpunkt und mussten reden und bezahlen und blabla… Nur weil wir weiß sind! Dafür war das Essen und Trinken lecker, denn Lucy bereitete für jeden frittierten Reis mit Hühnchen vor, was sehr lecker war. Hier merkte ich erst, wie lecker ich Reis finde und begann in den Tagen danach immer öfter Reis zu essen. Naja, am Ende der ganzen Sache bekam Mareike noch eine kleine Aufmerksamkeit vom Priester geschenkt. Jenes Geschenk sollte irgendwem im Publikum gegeben werden und es wurde verlost, aber der Verlosung zum Trotz, bekam Mareike den Preis, ohne überhaupt vorher beteiligt zu sein. Das war schon ein starkes Stück! Naja, aber eigentlich witzig, weil es wieder mal zeigt, wie sich fast kein einheimischer Mann dem Bann einer weißen Frau entziehen kann. Ich bin gespannt, wie das wird, wenn wir hier zwei Mädels haben! Tja, das Geschenk war eine tolle analoge Uhr mit Mutter Theresa als Hintergrundbild. Wir hängten sie auf und am nächsten Morgen nahm ich voller Wut die Batterien aus der Uhr raus, denn sie hatte mir eine schlaflose Nacht beschert. Und seit diesem Morgen liegt sie komplett unbenutzt bei uns rum.

Tja, für die nächste Woche gibt es eigentlich nicht mehr so viel zu schreiben, denn da die Sportwoche begann, hatte ich kaum noch Zeit etwas zu machen. Jeden Tag um 15:00 Uhr musste ich einige Volleyballspiele pfeifen, wobei ein Spiel schrecklicher war als das nächste. Aber wenigstens musste ich nicht mitspielen, denn die ganze Diskutiererei ist von der Seitenlinie viel besser zu ertragen, als auf dem Spielfeld. Am Dienstag war um 8:50 ein Staffmeeting mit Torsten, in welchem Torsten den Lehrern die Regeln klar machte: kein Schlagen von Schülern und Pünktlichkeit. Aber da sich die Lehrer so von diesen Punkten angegriffen fühlten und sich sowieso gerne über Bezahlung aufregten, gab es kaum andere Themen. Zwar wurde auch angesprochen, was positiv ist, aber letztendlich drehten wir uns doch die meiste Zeit im Kreis. Besonders, da der Headmaster immer wieder sein Senf dazugeben musste. Und wenn der Senf dazu gibt, dann bezieht sich immer etwa 10 Prozent von dem, was er sagt direkt auf das angesprochene Thema. Der Rest besteht aus Lebensgeschichte und Erfahrungen. Dank diesen Umständen dauerte das Treffen auch etwa 2 Stunden und wie gesagt, am Ende fühlte ich mich nur darin bestätigt, dass ich solche Treffen hasse. Als ich Torsten später darauf ansprach meinte er aber, dass es in Deutschland nicht unbedingt anders sein und es immer welche gibt, die nicht vorwärts kommen wollen. Naja, was soll’s.

Nach diesen ganzen Strapazen gingen Ruven, Sebi und ich noch schnell nach Kejetia, um noch ein wenig einzukaufen. Dabei zeigten wir Sebi den Zentralmarkt. An diesem Tag war die Innenstadt auch wieder absolut überbevölkert, sodass Sebi wirklich die volle Breitseite abbekam. Der Zentralmarkt war extrem geschäftig und ich führte uns einfach ziellos hinein. Naja, ein Ziel gab es schon und wir liefen ständig in diese eine Richtung, aber das wusste Sebi ja nicht so recht. Besonders weil unser Ziel auf der entgegengesetzten Seite von uns lag. Und so dauerte es halt auch 20 bis 30 Minuten bis wir drüben waren. Zwischendurch führte ich ihn schön am Fleischblock vorbei, der absolut ekelhaft roch. Das fand ich witzig, aber nur beim ersten Mal, denn als wir wieder dran vorbei kamen, wurde auch mir davon schlecht.

Naja, ich holte für uns alle ein Eis und alles war wieder gut. Sebi holte sich etwas Stoff, um sich auch ein Hemd schneidern zu lassen und dann wollte ich noch ein wenig nach einer Halskette für mich Ausschau halten. Jedoch fand ich nichts, was mir gefallen hat. Dann mussten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg machen, denn ich musste ja noch das ein oder andere Spiel pfeifen. Doch daraus wurde dann nichts. Kurz vor dem Ende des ersten Satzes holte Lucy fast alle Spieler zu sich und damit war Volleyball vorbei.

Der nächste Tag war der Abreisetag von Torsten. 10 Tage war er da gewesen und bevor er kam, dachten wir immer, dass es noch eine Ewigkeit hin sei, bis er dann endlich komme, aber nun war er schon wieder fast im Flieder zurück. Das war eine komische Erfahrung! Tja, aber es gehört nunmal dazu. Mittlerweile sind schon fast drei Monate um. Einerseits ist schon ganz schön viel passiert, aber andererseits haben wir erst so wenig von Ghana gesehen! Ich bin schon gespannt, was ich dann schreibe, wenn Mareike und Cornelius sich von uns verabschiedet haben. Denn das ist ein Thema, was uns in letzter Zeit oft heimsuchte. Die beiden haben jetzt schon über die Hälfte ihres Aufenthalts hinter sich. Echt komisch! Aber naja, es gibt wohl für Cornelius schon einen Nachfolger, Andreas mit Namen. Ich bin gespannt, wie das alles werden wird mit ihm! Aber wenn er einigermaßen Spaß versteht (und das lassen mich seine Facebookbilder vermuten [für den Fall, dass du das hier lesen solltest Andreas: ja ich habe dich schon fb-gestalkt!]), dann wird das alles hier so feucht-fröhlich weiter gehen, wie bisher.

Jetzt ist schon wieder eine Woche vergangen, ohne dass ich etwas geschrieben habe, oder die Möglichkeit hatte mal wieder ins Internet zu gehen. Also mache ich doch einfach mal da weiter, wo ich aufgehört hatte. Am Tag von Torstens Abreise entschieden sich Sebi und Cornelius in ein Naturgebiet für Vögel zu fahren, also konnten sie Torsten nicht mit verabschieden. Darüber hinaus verpassten sie auch noch leckere Pfannkuchen, die wir extra zu diesem Anlass vorbereitet hatten. Naja, aber gegessen haben wir sie fast alle allein, da Torsten nicht so viel davon wollte. Kurz bevor Sakkordie und Apau ihn abholten, unterhielten wir uns noch ein bisschen darüber wie es nun weiter geht und dann war Torsten auch schon wieder weg. Der Tag war aber noch aus anderen Gründen historisch! Denn wir haben unser Zimmer umgeräumt. Am frühen Nachmittag kamen Schüler an und stellten uns zwei Doppelstockbetten, anstelle der anderen Betten in den Raum. Dadurch vergrößerte sich die Nutzfläche unseres Raumes um gefühlte 100 Prozent! Was wir mittlerweile an Platz in unserem Raum haben ist unglaublich! Naja, am Mittwoch war es noch etwas unausgereift, da wir nur 2 Matratzen für Liegeflächen hatten, weswegen eine große Matratze in die Mitte des Zimmers kam, aber am nächsten Tag bekam Mareike dann unser riesiges Doppelbett, welches Cornelius und ich uns den vergangenen Monat geteilt hatten. Wir bekamen dafür eine kleine Matratze von Mareike und alles war gut. Am Abend dieses Donnerstages war dann unsere richtige Radiopremiere. Davor hatte ich mich total auf den ganzen Spaß gefreut, aber danach fand ich es nicht mehr so toll. Es lief wie folgt: wir hatten einen ghanaischen Moderator, der alles dirigierte, was eigentlich positiv ist, aber da nichts wirklich abgesprochen war, fragte er nach viel zu vielen Vokabeln und es schien alles irgendwie sinnlos. Wir hatten uns nämlich vorgestellt, lieber alles viel langsamer anzugehen, da es total schwer sein muss, Deutsch nur über die Ohren zu lernen. Tja, eigentlich wollten wir auch noch Musik spielen, aber das war auch nicht eingeplant, also fiel es flach. Es lief also nichts wie geplant. Mal sehen, ob das noch besser wird.

Am Freitag trennten wir uns wieder. Ich blieb wegen Geldsorgen in Kumasi, denn ich hatte diesen Montag schon einiges für Souvenirs und so ausgegeben. Ab dem Moment, ab dem die anderen dann losgefahren sind, war für mich eine Zeit der Faulheit angebrochen. Ich lag nur noch rum, kümmerte mich nicht um den Abwasch und machte auch nichts außer Sachen, die Spaß machen, wie Essen, Volleyball, Filme schauen und so weiter. So war auch der Samstag. Mit einer kleinen Ausnahme. Ich wollte ins Internet und zwei Schülerinnen wollten mit mir kommen, um mal eine neue Erfahrung zu machen. Eigentlich ähnlich, wie damals mit Sampson und Ike. Nur diesmal konnte ich einfach nicht ins Internet, auch im Cafe konnte man nicht online gehen, weil der Strom weg war. Also liefen wir Richtung Tanaso, dem nächsten Dorf, aber auch da war kein offenes Internetcafe zu finden. Tja, also liefen wir wieder nach Hause. Auf dem Weg redeten wir natürlich viel und sie erzählten mir ihre Geschichten, wie sie an die German Ghanaian School gekommen waren. Eine der beiden, Gertrude, erzählte mir, dass die Kirche sie sponsorte und sie durch Jeff, der ebenfalls ihre Kirche besucht, auf die GGS gekommen sei. Ich vermute ihre Eltern sind gestorben, oder so, denn sie sprach von einer traurigen Geschichte, die sie lieber nicht erzählen wollte. Aber sowieso haben hier ziemlich viele eine harte Zeit hinter sich. Ich glaube sie ist die vierte Waise von etwa 10 befragten Schülern. Aber aufgrund der hiesigen Situation kommen die Leute damit psychisch auch relativ gut zurecht. Zu Hause aß ich dann noch ein bisschen Brot, da ich für einkaufen zu faul war. Der Sonntag war dann aber wieder ein bisschen besonders. Zwar konnte ich nicht mit den anderen das Monkey Sanctuary, also ein Ort an dem Affen als heilig gelten, besuchen, aber Anne, eine andere Deutsche (jene, die bei der Familie mit Pool wohnt), wollte an diesem Sonntag eine Führung durch Kumasi machen, weswegen ich beschloss mal aufzustehen und mitzukommen. Es war auch ganz cool, mal vom frühen aufstehen abgesehen. Eigentlich dachte ich anfangs, dass wir ein Fest besuchen wollten, aber stattdessen war es ganz anders und vor allem teurer als gedacht. Damit war der Grund meines zu Hause Bleibens auch gleich wieder nichtig. Wie auch immer, was ist passiert? Zuerst wurden wir zum Manhyia Palace geführt. Da waren wir zuvor mit Torsten, Sak und Apau. Daher blieb ich draußen, als Anne durch das Museum schlenderte. Aber ich hatte auch eine entspannte Zeit, denn die Sessel waren bequem und die alten, weißen Leute verhielten sich so, wie typische Touristen. Überhaupt, der Tag war der weißeste Tag seit langem! Es war verrückt, geradezu ungewohnt solche Leute zu sehen. Tja, irgendwann war Anne durch das Museum durch und wir gingen zur eigentlichen Attraktion, denn an diesem Sonntag kamen die Chiefs Kumasis unter der Führung des Asantehene zusammen. Hene ist Twi und bedeutet König. Er ist also der König von der ganzen Asanteregion. Und somit ist er auch sehr angesehen und wichtig für die Leute hier, denn der König spielt eine große Rolle. Er hat zwar nichts mit Politik zu tun (Um genau zu sein darf er das nicht mal, denn der große Bruder des Asantehene, der eigentlich Anspruch auf den Thron gehabt hätte, entschied sich Politiker zu werden und konnte somit nicht den Titel bekommen.), aber er hat seinen eigenen Machtbereich, die Asanteregion. Nebenbei ist er auch noch Chief von Kumasi, aber das nur am Rand. Hmm… bei dem Zusammenkommen der Chiefs, was übrigens alle 40 Tage passiert, waren hauptsächlich Weiße mit Kameras anwesend. Es war so verdammt touristisch, dass es mir unangenehm war. Tja, aber dagegen konnte ich einfach mal nichts machen. Unser Guide, Murphy, gab zu jedem Geschehnis sein Wissen dazu, wodurch alles ein wenig mehr Sinn bekam. Das großartigste war, als der Asantehene dann endlich zum Vorschein kam. Hierzu muss man wissen, dass der König selbst entscheidet, wann er kommt, man also auch durchaus mal länger warten muss. Während der Wartezeit traf ich einen Bekannten wieder. Ein älterer Mann, der mal in Frankfurt gelebt hatte und jetzt darauf ausgebildet war, herauszufinden, wo die Deutschen sind und mit einer Ich-bin-dein-Bruder-Masche gutgläubigen Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei mir hat er das Eis, was er wollte aber leider nicht bekommen… Tja, dafür durfte ich mir dann anhören, dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Tja, dazu muss man noch etwas wissen: wir Jungs haben ihn mal vor dem Supermarkt getroffen und damals wollte er eine Handykarte für 10 Cedi haben, was für ghanaische Verhältnisse echt viel ist (der maximale Betrag einer Guthabenkarte von unserem Netzanbieter beträgt 5 Cedi). Als wir ihm damals schon nichts geben wollten, hatte er den gleichen Spruch gebracht, sich dann aber nicht an mich erinnert, als ich ihn im Manhyia Palace ansprach. Naja, was soll’s.

Nun ja, doch dann kam irgendwann der König. Viele tanzende, verkleidete Menschen kamen vor ihm, wodurch alles einen extrem prunkvollen Anschein bekam. Aber den König selbst hab ich nie gesehen, da er von so vielen Leuten umringt war. Anne hatte versucht ein Foto von ihm zu schießen, aber es war ihr nicht möglich. Naja, dann als er eingelaufen war, wurde alles ein bisschen sinnlos. Denn das ganze „Fest“ drehte sich nur um Begrüßung über Begrüßung. Chiefs, Bekannte und wichtige Leute sagten brav „Hallo“ verbeugten sich, ohne in seine Augen zu schauen, wenn sie zu unwichtig waren, und gingen dann wieder. Wenn da nicht eine weiße Frau gewesen wäre, die ihn unbedingt begrüßen wollte, wäre mir schon viel früher langweilig geworden. Aber auch Anne war bald langweilig, weswegen wir Murphy baten endlich zu gehen. Aber die Frau muss nochmal angesprochen werden. Man muss sich folgendes Vorstellen: eine etwa 50 bis 55 Jährige, die den Klamotten nach innerlich jung geblieben war. Sie hatte eine rote Leggins, einen roten Minirock und ein knallbuntes Top. Natürlich alles hauteng. Und sie hatte rotgefärbte Haare. Und rote Flipflops. Und ein Gesicht das sagte: ich bin besser als die meisten hier. Denn wie sie sich gebärdete vor all den Leuten, als einzige Weiße, war echt abstoßend. Solche Menschen machen unseren Ruf kaputt. Doch sie durfte den König nicht in ihrem fragwürdigen Outfit begrüßen. Stattdessen kaufte sie kurzfristig einen halbwegs traditionellen Stoff, welchen sie verglichen zu den umstehenden Ghanaern einfach nur achtlos umwarf. Als sie dann doch zum König durfte, ihm die Hand reichte und ernsthaft mit ihm sprach, wurde ich sprachlos! Sowas von respektlos würde in Deutschland mit Zelle geahndet werden, aber hier wurde Nachsicht walten gelassen. Der Fakt, dass sie eine Frau war spielte dabei sicherlich eine große Rolle. Naja, man sieht, die Frau hat mich bei der Zeremonie mehr beeindruckt, als irgendwas anderes.

So danach hatten wir Hunger und ich hatte eins der besten Erlebnisse der Welt. Wir gingen zu einer Chop Bar, also einer Imbissbude, bei der man nicht für einen bestimmten Preis bestimmtes Essen bekam, sondern man sagen konnte: für 1 Cedi Reis, für 30 Pesewas Salat und so weiter. Es war vorzüglich und für 3 Cedi war ich absolut satt. Seit dem damaligen Tag fahre ich auch total auf Reis ab. Besonders den aus solchen Chop Bars!

Naja, dann ging es richtig los. Denn eigentlich war der ganze Tag darauf ausgelegt in ein Kente-Dorf zu fahren. Kente ist ein besonderer ghanaischer Stoff, der auf spezielle Art gewebt wird. Den Palast hatten wir vorher besucht um mal so richtig teure Kentestoffe an Menschen zu sehen. Solche Kente-Kleider sind wohl so bis zu 450 Euro wert. Natürlich klingt das jetzt nicht allzu viel, aber wenn man sich vorstellt, dass ein durchschnittliches Montasgehalt so bei 100 bis 200 Euro liegt, dann ist das schon heftig viel für ein paar Klamotten. Tja, und im Kente-Dorf haben wir dann die Webanlagen für diese Stoffe sehen können. Nachdem wir etwas über die ganze Tradition gehört hatten, wurde dann ums Verrecken versucht uns etwas zu verkaufen. Sowohl Anne als auch ich mussten dem Druck nachgeben. Naja, ich glaube in dem Dorf allein hab ich 15 Cedi gelassen.

Danach fuhren wir dann mit dem Taxi in ein weiteres Kente-Dorf. Hier war aber nicht die Webanlage die Hauptattraktion, sondern ein Geschäft von einem älteren, netten Mann, der Bedruckte Kentestoffe verkaufte. Zu horrenden Preisen! Absolut krank. Er erzählte uns auch immer wieder, dass er richtig gut sei im Bedrucken und dass er im Amerika gelernt hatte und dass er den Asantehene belieferte, blablabla… er redete viel gerne. Die Stoffe sahen diesmal aber auch echt europäisch aus. Denn die originalen Stoffe sind nur schwer für das europäische Auge ertragbar, da die buntesten Farben scheinbar wahllos zusammengemixt werden. Naja, kaufen konnten wir bei dem zweiten Dorf nichts, denn das überstieg unser Budget, aber es war nett sich anzuschauen, was man alles kriegen kann.

Danach ging es nach Hause. Auf dem Rückweg redete ich noch ein bisschen mit Murphy, der uns offenbarte, dass er nach Belgien ziehen will, um dort mit seiner Familie zu leben. Er brauchte aber noch eine Geschäftsidee. Und das was er vorhatte, war, einen Afrikashop zu eröffnen und da ganz viele ghanaische Originale zu verkaufen. Ich hoffe mal für ihn, dass das alles klar geht.

Ich kehrte erst spät abends, also gegen 7 Uhr zurück und war absolut fertig. Die anderen waren schon aus Techiman zurückgekehrt und wollten sich austauschen, doch ich konnte nicht mehr so recht. Zwar nickte ich noch brav, aber war eigentlich zu nichts mehr zu gebrauchen. So viel sei aber gesagt: die anderen hatten eine richtig geile Zeit und waren extrem begeistert von den braven Affen.

Der Montag bestand dann aus einer Runde chillen, Blog schreiben und das Leben genießen. Ich hatte zwischendurch noch eine Deutschstunde, aber die ging auch relativ schnell vorbei.

Der Dienstag war für Cornelius, Sebi und Ruven dann wieder aufregender. Sie entschieden sich nämlich nach Obuasi zu fahren, einer Goldstadt. So schauten sie sich Mienen und anderen Spaß an, während Mareike und ich erst arbeiteten und dann nach Kwadaso fuhren, um die Utensilien für Bofrot und Erdnusssuppe zu kaufen. Das Bofrot wurde letztendlich richtig geil. Für die, die sich nicht erinnern: Bofrots sind kleine Teigbälle und schmecken ähnlich wie Donuts. Das letzte Mal hatten wir sie zusammen mit Milicents Mutter zubereitet, aber diesmal machten wir es alleine und es wurde ungelogen besser, als das letzte Mal. Durch Glück mischten wir die richtigen Mengen an Zutaten zusammen und taten noch extra Aroma in den Teig. Das Frittieren war dann wieder etwas problematisch. Beim ersten Versuch plumpste mir ein Teigball in das heiße Fett, sodass ich mit besagtem Fett bespritz wurde. Noch heute, eine Woche später, sind die schwarzen Stellen sichtbar. Naja, das war unangenehm, aber danach ging es dann besser, denn wir bekamen so langsam den Dreh raus. Man musste sich eine Hand voll von dem flüssigen Teig nehmen und in der Hand einschließen, danach wird der ganze Teig möglichst gleichzeitig in das Fett gegeben. Wenn man das nicht richtig macht, entsteht ein langer Schwanz am Bofrot. Aber dadurch sahen die Bofrots dann auch echt witzig aus und wir entschieden zu Weihnachten dann Bofrot gießen zu machen, weil Bleigießen ja kaum möglich sein wird.

Naja, die Erdnusssuppe wurde diesmal auch richtig geil, weil ich nicht so viel Wasser verwendete und die Suppe so richtig lecker nach Erdnuss schmeckte. Die Reisbälle waren dafür nicht so lecker, weil ich viel zu viel Wasser dazugetan hatte… Naja, irgendwann wird das mal was.

Nachdem wir gegessen hatten, kam ein weiteres Highlight. Am Vortag offenbarte mir Sakk nämlich, dass wir eine neue Deutschschülerin bekommen sollten. Und am Dienstag war es dann halt so weit. Kurz nach dem Essen erschien sie und ich unterrichtete sie mit Hilfe eines Buches, das Sebi aus Deutschland mitgebracht hatte. Es lief ganz gut, denke ich. Morgen kommt sie wieder und dann werde ich sehen, was sie so behalten hat. Aber die Person selbst war krasser als der Unterricht. Sie hatte knallhart ein I-Phone, einen extrem leistungsstarken Laptop und auch sonst ziemlich viele teure Accessoires. Ich fand heraus, dass sie Autohändlerin ist und jetzt auch nach Deutschland über ihre Schwester Kontakte knüpfen möchte. Doch dafür braucht sie wohl einige Deutschkenntnisse. Und da kam ihr unsere Schule in den Sinn. Nach dem Unterricht ging es dann aber erst richtig los mit den Bofrots. Das Frittieren war nämlich, wie mir gerade erst einfällt, nach dem Unterricht. Aber wir frittierten nicht nur, wir füllten auch noch vorher erwärmtes Nutella und Pfirsichmarmelade in die Teigbälle. Das war so lecker, dass ich jetzt noch vor Glück explodieren könnte. Wir luden alle unsere Freunde auf dem Campus ein und alle waren begeistert und konnten nicht glauben, was wir hinbekommen hatten. Während dem Essen entschieden wir dann auch an einem Tag mal Bofrots in Kejetia zu verkaufen. So wie es viele Ghanaer machen. Das wird sicherlich richtig geil! Aber das liegt noch in ferner Zukunft.

Und schon wieder fällt mir etwas ein, was ich an diesem Dienstag begonnen hatte. Milicent bat mich ein paar Semesterarbeiten von Lehrern abzutippen. Letztendlich tippte ich dann alle ab und verbrauchte gut 24 Stunden dafür, denn insgesamt waren es 16 Arbeiten. Besonders PK’s Semesterarbeit gab mir den Rest, denn dafür saß ich den ganzen Mittwoch am PC und tippte und zeichnete. Die letzte Aufgabe von PK’s Arbeit bestand aus einer A4 Zeichnung, die ich mit Paint abmalte. Das allein hatte 2 Stunden in Anspruch genommen. Es war unglaublich, dass ich den Mittwoch überhaupt durchhielt, denn am Dienstag hatte ich bis 4:30 morgens noch Arbeiten abgetippt. Aber danach hatte ich ein gutes und erfülltes Gefühl. So gut, dass ich sogar noch die Muße besaß mit Ruven an den Dokumenten für unser Sportplatzprojekt zu arbeiten.

Naja, der Donnerstag war dann wieder etwas entspannter. Zwar gab es noch ein paar Semesterarbeiten zu schreiben, aber es war nicht mehr so viel. Außerdem öffneten wir endlich unsere ersten beiden Adventstürchen und genossen die kühle Schokolade. Nach meinem unangenehmerweise relativ unvorbereiteten Unterricht kam PK vorbei und erzählte mir, dass er entschieden hatte, dass ich für ihn ein Notizbuch abschreiben könnte. Das mindestens dem 10-fachen Umfang des Umfangs seiner Semesterarbeit entsprach. Ich war natürlich geplättet, sagte aber zu. Naja, nach dem Unterricht war dann das langersehnte Fußballspiel zwischen den Lehrern und den Schülern. Es war ein wenig sinnlos, weil die Lehrer einfach nicht verlieren konnten. So war der Schiedsrichter ein Lehrer und pfiff gegen die Schüler. Einige der Lehrer beteiligten sich gar nicht so recht am Spiel, obwohl sie eigentlich auf dem Platz hätten stehen müssen. Am Ende kam ein unverdientes 1:1 heraus. Aber es hätte unter fairen Umständen auch 5:0 stehen können. Naja, danach machten wir uns sofort auf zur Radiostation, um dort wieder Deutschstunden zu geben. Ich kümmerte mich diesmal um die Musik, weswegen ich ziemlich wenig sagte und nur am Konvertieren war. Naja, wegen technischen Schwierigkeiten war die Sendung diesmal aber ein ziemlicher Flopp. Nicht mal Anrufe konnten durchgestellt werden. Naja, nach der Sendung wollte ich eigentlich noch ins Internet, aber das ging natürlich wieder nicht, obwohl Ruven am Morgen online gehen konnte… Tja, Pech gehabt. Am Abend gab es dann wieder Erdnusssuppe und Reisbälle. Wir blieben nicht lange munter, weil es am nächsten Tag nach Winneba gehen sollte. Und dafür mussten wir 3:30 Uhr aufstehen.

Da es aber gerade halb elf ist und ich morgen früh Unterricht habe, schreibe ich lieber morgen früh weiter und gehe jetzt ins Bett. Gute Nacht und bis später.

So, ich bin wieder da, nachdem ich nun wieder einen Tag am Computer gesessen habe und scheinbar endlos viel abgeschrieben habe, widme ich mich doch mal wieder meinem Blog.

Was ich gestern nicht erwähnt hatte, war, dass Sebi am Dienstag allein nach dem Obuasi-Besuch nach Cape Coast weiter gefahren war. Danach wollte er zum nahegelegenen Kakum Nationalpark fahren. Das klappte auch halbwegs, nur war in Kakum kein Platz mehr frei, weswegen in einem der teuren Hotels um den Park herum übernachten musste. Aber wenigstens hatte er es geschafft, doch in den nächsten Tagen ging es dann abwärts. Er wurde immer kränklicher, sodass er natürlich vermuten musste, Malaria bekommen zu haben. Er schaute sich aber noch den Park an und übernachtete die nächste Nacht auch noch in einem Zelt im Park, um Tiere zu sehen, doch das verlief nicht so glücklich. Am Donnerstag ging dann gar nichts mehr und er fuhr in ein Krankenhaus von Cape Coast. Dort wurde ein Test gemacht und er wartete geschlagene neun Stunden, nur um dann gesagt zu bekommen, dass seine Blutprobe verloren gegangen war. Tja, da so viel schief gegangen war, entschied sich Ruven nach Cape Coast zu fahren, um Sebi abzuholen und nach Winneba mitzunehmen, wo wir uns sowieso treffen wollten (Winneba ist etwa eine Stunde von Cape Coast entfernt). Da Cornelius was sehen wollte, ist er mit Ruven mitgekommen, weswegen wir uns bei Kejetia trennen wollten, doch so kam es dann gar nicht. An unserer Haltestelle sind Mareike und ich eingestiegen, um dann zu erfahren, dass Cornelius und Ruven nicht mehr rein passten. So verlief unsere Trennung schneller als erwartet. Aber es lief alles gut. Die beiden waren dann im Endeffekt sogar schneller in Cape Coast, als wir in Winneba waren. Unsere Fahrt nach Winneba war auch eher langweilig. An der Asafo Station (ein großer Busbahnhof in Kumasi) wollten wir eigentlich ein Trotro nach Winneba nehmen, aber das fuhr wohl noch nicht, also mussten wir über Mankessim fahren, was eigentlich kein Umweg, aber ein wenig teurer war.

Im ersten Trotro setzten wir uns auf absolut weiße Art und Weise ganz nach vorne, was aber letztendlich nicht so gut war, denn so hatte ich netterweise einen Radkasten direkt vor meinem Sitzplatz, was mit der Zeit echt unangenehm war.

Was gibt’s noch? Mitten auf der Fahrt hielten wir an einem echten Paradies mit Hängematten, Bambusstühlen, dicken Mamas, die Essen kochten. Naja, mehr haben wir auf der Fahrt nach Mankessim nicht erlebt. Das Umsteigen war dann wieder etwas stressig. Denn wir wurden von einigen Leuten angequatscht, doch in ihr Trotro zu steigen. Letztendlich hatten wir dann ein Trotro bekommen und setzen uns diesmal ganz hinter. In weniger als einer Stunde waren wir dann in Winneba. Sodass die ganze Fahrt etwa 6 Stunden gedauert hat. Dementsprechend Lust hatten wir beide dann auch auf Bullshit. Doch darauf wurde nicht geachtet. Wir kamen aus dem Trotro und sofort wurden unsere Sachen aus dem Trotro in ein Taxi gezogen und wir wurden vollgetextet. Wir hatten eine genaue Idee, wo wir hinwollten. Und nach mehreren Fragen, ob der Fahrer wüsste, was wir meinten und auf nach ebenso vielen Bejahungen, beugten wir uns und ließen den Taxifahrer losfahren. Natürlich fuhr er uns nicht dahin wo wir hinwollten. Nachdem wir dann auf ein Grundstück irgendeines Hotels gefahren waren, erzählten wir ihm nochmal wo wir hinwollten. Diesmal funktionierte es. Doch als wir dann da waren, erfuhren wir, dass es keine Zimmer mehr gab. Wir hatten absolut keinen Bock mehr. Mareike wusste jedoch, wo ein Freund von uns wohnt, den die anderen drei das letzte Mal in Winneba getroffen hatten. So machten wir uns also auf den Weg zu Isaac. Er lebte in einer weniger als halbfertigen, zweistöckigen Villa, die aber viel Charme hatte. Besonders, weil Isaac selbst einfach eine Nummer für sich war. Doch zu ihm später. Er überwies uns zu seinem Bruder auf dem Nebengrundstück, der 2 Ferienwohnungen hatte. Und eine sollten wir 5 uns teilen. Die Wohnung war richtig geil! Wir hatten sogar eine europäisch eingerichtete Küche mit Toaster!!! Dadurch wurde das Frühstück gleich um 100 Prozentpunkte aufgewertet. Richtig geil. Die Umgebung war auch nett. Ein ziemlich großer Garten mit Pavillon und Terrasse. Und das für nur 25 Cedi pro Nacht.

Naja, nachdem wir uns erstmal wieder geduscht und frisch gemacht hatten, gingen wir rüber zu Isaac. Also zu Isaac gibt es einiges zu erzählen… er ist Rastafari. Und verhielt sich absolut klischeegerecht. Er führte ein absolut entspanntes Leben und hatte eine absolut entspannt eingerichtete Wohnung ohne Strom. Der obere Stock war noch ohne Decke, weswegen er nicht bewohnt war und deswegen auch ein wenig verkommen aussah. Tja, aber das eindrücklichste von Isaac war seine Art. Er wirkte einfach dauerbreit! Und das war er sicherlich auch. Denn am ersten Tag erlebten wir etwa 10 Joints, die durch seine Finger glitten. Und alle davon bestanden einhundert Prozent aus Gras und waren absolut prall. Am nächsten Tag zeigte er uns dann mal seinen Vorrat. Von dem für etwa 200 Cedi gekauften hochwertigem Kilo Gras war aber nur noch ein Viertel übrig. Ich will mal nicht anfangen zu vermuten, was so ein Kilo in Deutschland kosten würde…

Wie auch immer, bald entschieden wir uns dann mit Isaac zum Strand zu gehen. Den Strand sollte ich eigentlich gar nicht versuchen zu beschreiben, weil er einfach zu geil war. Am Sandrand waren auf einem etwa 10 Meter breiten Streifen den ganzen Strand entlang Palmen gepflanzt. Der Sand war auch so, wie man sich Sand vorstellt. Es sah einfach so idyllisch aus, dass sich der ganze Stress absolut gelohnt hat. Isaac begrüßte die Hälfte der Leute am Strand auf seine Rasta Art. Total gechillt. Wir trafen dann noch seinen Cousin und einen Kumpel, mit denen wir dann noch mehr zu tun haben sollten. Naja, wir saßen also für eine Weile unter dem Schatten einer Palme im Sand und warteten darauf, dass die anderen endlich nach Cape Coast kommen. Lange mussten wir nicht warten. Während wir warteten, kam ein Bekannter Isaacs vorbei und der krabbelte dann mal ganz entspannt von eine 10 Meter Palme hoch und warf uns ein Paar Kokosnüsse runter. Das war ziemlich geil. Denn diese Koksnüsse waren so frisch, wie wir sie sicherlich nie wieder bekommen. Ach ja, wir hatten es schon richtig gut. Während wir warteten kamen auch 3 Frauen vorbei und begannen mich zu traktieren. Sie fassten mir in die Haare, kitzelten mich und legten sich auf mich drauf, bis Isaac ihnen freundlich aber bestimmt klar machte, dass man sowas nicht macht. Aber es war echt witzig, dass es mal so rum war, denn sonst immer war es Mareike, die von allem und reden angequatscht wird. Das durfte ich auf der Fahrt nach Winneba besonders gut erleben. Jedes Mal, wenn wir einen neuen Schauplatz erreichten, wurde sie erst mal wieder belagert. So hatte sie diesmal gut lachen und ich das Nachsehen. Egal, als Ruven dann anrief, liefen wir zurück zu Isaacs Haus. Als die 3 Reisenden dann zu uns stießen, fackelten sie nicht lange und gingen zum Strand, um zu baden. Mareike und ich waren erstmal bedient und entspannten noch etwas bei Isaac. Auch der Cousin und Julian chillten da. Markus, der Counsin Isaacs, hatte sogar schon Essen angesetzt. Es gab Yam mit Kontumry. Wir hatten es noch nie vorher gegessen, aber es war absolut lecker. Beim Essen erklärten uns die 3 Rastafari dann, warum es das Essen gab. Es war Farmer’s Day, Nationalfeiertag in ganz Ghana. Da die 3 sich als Farmer bezeichneten, mussten sie dem Brauch nach ihre Früchte ernten und genießen. Deswegen gab es nach dem Essen auch gleich 2 Joints, die durch die Runde gingen.

Sowieso erzählten die 3 ziemlich viel von ihrem Glauben. Und alles was sie erzählten, erzählten sie oft mehr als nur doppelt. Mir ist noch im Kopf geblieben, dass Gott „dreadful“ ist, was wohl in der Bibel steht. Und daraus leiten sie ab, dass Gott Dreadlocks hat. Die Haare sind den Rastafari heilig, denn sie repräsentieren eine Krone. Somit ist jeder ein König. Je größer die Krone, desto besser. Naja, es gab dann noch einiges mehr, aber ich hab nicht alles behalten, weil es doch ein wenig durcheinander auf mich eindrang. Aber naja, bald folgten Mareike und ich den anderen drei und suchten sie am Strand. Den restlichen Tag war nur noch baden und sonnen angesagt. Am Abend trafen wir uns wieder mit Isaac und den beiden anderen. Es wurde wieder gekocht und während wir warteten, wurde getrommelt und noch mehr Weed geraucht. Es ist schon unglaublich, wie sich der menschliche Körper an Gras gewöhnen kann. Von Julian erfuhren wir dann auch, dass Gras stark, klug und alles macht. Sie hatten so viele Ausreden Gras zu rauchen, zum Beispiel auch, dass sie nur durch diese Pflanze ihrem Gott, Jah, nahe kamen, dass er ihnen durch den Rausch Visionen zeigte… Das Beste war ja, dass sie all das wirklich glaubten. Naja, nachdem gegessen, getrommelt und aufgeraucht war, gingen wir dann los zu anderen Freunden von den Rastafari. Eine Sache nebenbei: als mal nur die drei trommelten, waren wir absolut gebannt, denn es klang so gut. Jah sei Dank.

Als wir bei den Freunden angekommen war, wurden mal fix 5 Joints gedreht, angezündet und rumgereicht. Als die dann alle waren, wurde natürlich wie es sich gehört, geredet ohne Unterlass. Aber ich kann mich gar nicht richtig dran erinnern, was die Leute so alle sagten, weil es wieder zu durcheinander war und auch recht stark an meiner Weltvorstellung vorbei war. Naja, irgendwann gingen wir dann auch zum Strand und schauten uns die Wellen für eine lange Zeit an. Und natürlich wurde weiter geredet. Ich bin, je länger wir so dasaßen, immer müder geworden und dann eingeschlafen, weswegen ich auch nicht genau weiß, was noch so passiert ist. Ich wurde aber zwischendurch geweckt und dann gingen wir nach Hause, wo sich dann in das absolut zu kleine Bett gequetscht wurde. Eine fragwürdige, kleine Geschichte des Abends muss aber noch erzählt werden: Isaac packte irgendwann mal das absolut besonders gute Gras aus, was er nur mit ausgewählten Personen teilte. Zum Beispiel seinem Hund. Er zog am Joint und atmete dann in „Jah Live“‘s Gesicht aus. Ich saß am anderen Ende des Tisches und bekam deswegen nur wenig davon mit, aber am nächsten Tag wurde mir dann noch gesagt, wie der Hund erst total ruhig wurde und dann plötzlich aufsprang und wie verrückt in der Gegend herum lief.

Naja, der nächste Tag war dann etwas träge. Wir frühstückten nett mit Toasts und Marmelade und gingen dann zu Isaac rüber. Da wurden natürlich gleich wieder 2 Joints angesteckt. Extra vor dem Essen , damit es „besser schmeckt“, wie Julian gesagt hat. An diesem Tag haben wir auch erfahren, dass er aus Togo kommt. Sein Französisch war aber verdammt schwer zu verstehen. Zwar sind meine Französischkenntnisse nicht mehr das, was sie mal waren, aber trotzdem… Naja, aber er trommelte an dem Morgen nochmal für uns und sang in seiner Sprache, was echt nett klang. Naja, dann verabschiedeten sich Markus und Julien auch bald, denn sie mussten zu einem bestimmten Strand, bei dem sie Geschäfte machen und Spaß haben wollten. Aber sie luden uns ein doch bald mal wieder zu kommen und vielleicht mal mit ihnen zu den „Rockers“ nach Accra zu kommen. Ich glaube dabei handelt es sich um eine Art Rasta-Ghetto. Lust hätte ich schon, aber ich habe schnell gemerkt, dass diese Leute mehr reden als machen, wie es sich halt für echte Kiffer gehört.

Der restliche Tag war richtig geil, aber wenig abwechslungsreich. Ich die meiste Zeit im Wasser und unter der Sonne. Das war auch das erste Mal, dass ich meine Sonnencreme brauchte. Heute, 4 Tage später, bin ich echt glücklich, dass ich Sonnencreme dabei hatte, denn trotz LSF 50+ ist meine Stirn verbrannt. Aber das macht ja nichts. Das war es wert, denn mittlerweile bin ich ordentlich braun. So, wie es sich für einen Afrikareisenden gehört!

Was kann ich dann noch erzählen? Hm… die Wellen waren das Geilste, denn sie waren logischerweise viel höher, als alles, was ich je an der Ostsee erlebt hatte. Sonst hätte ich es im Wasser auch nicht so lange ausgehalten, aber dadurch, dass ich mich immer wieder aufs neue in die Wellen werfen konnte, oder drunter durch tauchen konnte, war alles cool. Irgendwann war ich dann so fertig, dass ich mich einfach an den Strand spülen ließ. Dort angekommen, entdeckte ich, dass, wenn man liegt einen das Meer wieder zu sich hineinzieht, wenn man sich nicht wehrt. Dieses Gefühl des Hin-und-her-gezogen-werdens fand ich so genial, dass ich mich mindestens 30 Minuten durchschütteln ließ. Ich muss wohl ziemlich dämlich dabei ausgesehen haben, wie mir später von Mareike und Cornelius berichtet.

Am Abend aßen wir dann wieder bei Isaac und es gab Red-Red, aber es schmeckte mir nicht soo gut. Natürlich wurde vor dem Essen zum Appetit anregen noch ein Tütchen rumgereicht. Naja, aber der Abend war für uns schnell zu Ende, da der Tag zu anstrengend war. Den ganzen Tag im Wasser hin und her zu springen, macht doch richtig fertig. Also gingen wir schon gegen 22 Uhr nach Hause. Sebi und Cornelius jedoch entschieden sich am Strand zu schlafen, um dann vielleicht Schildkröten zu sehen, oder den Fischern beim Fischen zuzuschauen. Schildkröten gab es nicht, aber dafür einen schönen Sonnenaufgang. Wir andere drei hatten dafür im Gegensatz zum Vortag richtig viel Platz in unserem Zimmer. Das war nett.

Am Sonntag ging es dann leider wieder zurück nach Kumasi. Wir sind nach dem Frühstück direkt an den Strand gegangen, um die letzten Stunden nochmal zu genießen. Isaac gab uns an diesem Tag auch noch ein selbstgeschnitztes Billigbrett zum Wellenreiten. Das mit dem Hinstellen hat natürlich nicht geklappt, aber die Wellen haben einen gut getragen. Ich glaube sonst lief nicht viel an diesem Vormittag. Ein Highlight war dann, als wir in Isaacs Dusche duschen durften. Diese Dusche war nämlich innerhalb von Wänden aus Palmenblättern gebaut. Und man hatte auch eine gute Sicht auf den Strand ohne von umherlaufenden Menschen gestört zu sein. Und zum ersten Mal seit langer Zeit duschte ich endlich mal wieder mit nicht komplett kaltem Wasser, was für mich Warmduscher schon erfüllend war.

Naja, bis wir dann endlich aufbrachen, verging noch einiges an Zeit und Isaac bot uns auch noch einen Joint an. Aber irgendwann konnten Mareike und ich dann genug Stress machen, dass wir endlich losgingen. Isaac ging noch schnell in den zweiten Stock, um uns ein Taxi aus der Höhe zu organisieren. Dieses Taxi fuhr uns dann sogleich zur Bushaltestelle und wir hätten nicht mal etwas bezahlen müssen, gaben dann aber doch 2 Cedi hin.

Nach nur einer Stunde waren wir dann auch schon in Accra. Beim Umsteigen wollte mir dann tatsächlich ein Mensch meinen Ipod aus meiner Tasche klauen, nachdem ich das bemerkt hatte, war er aber auch schon wieder zu weit weg, um etwas zu tun. Ich war auch zu perplex, weil ich nicht darauf klar kam, wie schnell so etwas gehen kann. Naja, der restliche Weg war dann ganz normal: viel Gedränge am Busbahnhof, sowie ein wenig Eis und Süßigkeiten kurz vor dem Verlassen der Station. Angekommen sind wir dann gegen 10 Uhr abends. Dort merkten wir, dass wir die Reisbälle und die Erdnusssuppe von vor 4 Tagen nicht weggeräumt hatten und all das lässig vor sich hin schimmelte.

Ich hätte nie gedacht, dass die Reisbälle so hässlich schimmeln können. Sie waren bedeckt von einem gelben und einem weißen, luftigen Pilz. Es sah ziemlich ekelhaft aus. Die Erdnusssuppe habe ich mir aber nie angeschaut. Dazu kam noch, dass wir vergessen hatten die Jerseys rauszuhängen, sodass unser Zimmer angenehm nach Schweiß roch. Es war nicht so cool. Zum Essen hatten wir natürlich auch nichts außer Brot ohne Belag.

Naja, wir begradigten alles, was man begradigen konnte und gingen dann schlafen, um das alles möglichst gut zu vergessen.

Am Montag war ich dann einfach nur im Arsch. Ich kam nicht richtig aus dem Bett raus und schaffte kaum etwas, außer weitere End of Term Examination Questions abzuschreiben und an meinem Blog zu arbeiten. Es gab aber noch ein Highlight und das war, als wir die Adventstürchen öffneten. So viel Schokolade hatte ich auch lange nicht mehr! Ach ja, und Sebi ist an diesem Montag auch wieder nach Deutschland geflogen, aber das war nicht mit Freude verbunden, denn eigentlich war es ganz cool mit ihm!

Und jetzt bin ich schon beim heutigen Tag. Heute lief auch nicht so viel. Die meiste Zeit war ich am Computer, um Fragen abzuschreiben, PK’s Notizbuch in den Rechner zu hacken und für meine Deutschschülerin das erste Kapitel des Deutschbuches von Ruven abzutippen und zu übersetzen. Tja, ich wünsche euch mal noch viel Spaß, denn es wird jetzt sicherlich noch ne Weile dauern, bis ich mal wieder einen Blog fertig bringe, da ich in 2 Wochen Ferien hab und dann ein wenig reisen werde, um gegen Weihnachten wieder an der Küste zu chillen, diesmal jedoch in einem Ferienparadies mit Namen „Green Turtle Lodge“. In diesem Sinne viel Spaß, Frohe Weihnachten und Guten Rutsch ins neue Jahr. Mein Weihnachten wird sicherlich nicht weiß, sondern ich werde mir einen abschwitzen bei über 35 Grad. Bye

Advertisements
Posted in Uncategorized | Leave a comment

#9

Hallihallo, heute ist der 14.11. und ich konnte mich endlich mal wieder zum Schreiben bewegen. Doch gibt es diesmal einen Grund für die lange bloglose Zeit! Denn es ist durch meine Krankheit einfach kaum etwas passiert… Naja, aber ich erzähl es trotzdem mal.

Am Samstag vor 2 Wochen, dem 30.10., gab es ein Highlight und das war der Besuch bei unserer neuen Freundin Anne. Doch es war erstmal eine witzige Angelegenheit dort hinzukommen. Zunächst fuhren wir einfach nach Kejetia (der Busstation von Kumasi) und kauften ein wenig ein. Dann riefen wir irgendwann ein Taxi und sagten ihm die Wegbeschreibung, die auch wir bekommen hatten: am Golden Tulip (dem eindrucksvollsten Hotel Kumasis, dass ich kenne), nach rechts oder links und dann irgendwann rechts und dann das erste weiße Haus auf der rechten Seite… Toll! Es war ein Wunder, dass wir uns nicht komplett verfuhren. Naja, als wir dann da waren, waren wir uns natürlich auch nichts sicher, ob wir überhaupt an der richtigen Stelle waren. Doch nach kurzer Zeit kam Anne uns abholen und wir durften durch den Hintereingang rein (der Haupteingang wurde uns von der Familie aus verboten, warum auch immer… aber das spiegelte die Einstellung der Familie auch recht gut wider, denn wir bekamen nur die Söhne beim Hund ausführen zu Gesicht).

Das Anwesen der Gastfamilie Annes war übrigens absolut unglaublich! Es bestand aus 3 Häusern, die irgendwie miteinander verbunden waren, hinzu kam dann noch eine relativ große Rasenfläche und ein Pool… ein Pool! Das war das Beste am ganzen! Wir lagen auch die meiste Zeit an diesem Pool und entspannten. Es war richtig schön! Dann spielten wir noch ein wenig Karten und ließen uns teuren Pfirsichsaft und teure Kekse schmecken. Das war es wert! Am besten wurde es dann, als wir in die Küche von Anne schauten: es gab KÄSE! Dazu muss man wissen, dass ich die letzten 6 Wochen nur von Käse geträumt und geschwärmt hatte. Ich machte mir gleich ein Käse, Tomate, Butter Brot und war für den Rest des Tages glücklich. Zum Abendessen gab es einen Tomaten-Zwiebel-Balsamicoessig-Salat zusammen mit Fertignudeln. Es schmeckte vorzüglich, auch wenn es zu wenig war. Kurze Zeit später machten wir uns dann auch auf den Heimweg und der Tag war vorbei.

Am nächsten Tag entspannte ich eigentlich die meiste Zeit, aber am Abend gingen wir nochmal zu PK essen. Eigentlich sollte es Foufou geben, aber dann gab es nur Yam mit einer Tomatensoße. Das war auch lecker, aber wir hatten uns etwas anderes erhofft. Tja, shit happens! Wir saßen letztendlich die ganze Zeit nur da und unterhielten uns. So wie immer. Diesmal war auch Oti da, der sich ziemlich offensiv an Mareike ranmachte. Das war witzig mit anzusehen, aber irgendwie konnte man nicht umhin, dass sie einem leid tat,  denn Oti kannte kein Pardon! ^^

Am Montag dachte ich dann, dass es mir wieder gut geht und ich startete wieder ins Schulleben. Dabei erlebte ich eine großartige Deutschstunde mit Schülern, die wirklich und ernsthaft mitarbeiteten. Es war einfach zu schön um wahr zu sein, denn als die Stunde vorbei war, wollten sie trotzdem mehr wissen.

So, am nächsten Tag sollte dann ein Staffmeeting stattfinden, weswegen ich die Hälfte meiner Englischstunde opfern musste. Doch das stellte sich als positiv heraus, denn ich war absolut fertig. Nach einer halben Stunde hatte ich Probleme zu stehen und ich wollte nicht mehr, aber ich brachte die restlichen Definitionen noch an die Tafel und verabschiedete mich. Das Meeting fand dann aber natürlich nicht statt. Wäre ja auch noch schöner.

Ich für meinen Teil legte mich dann für den Rest des Tages hin, denn die Stunde hatte mir absolut den Rest gegeben. Auch der folgende Tag begann mit einer absoluten Schwächephase. Es gab Pfannkuchen (!!!) und ich konnte nichts davon essen, weil ich einfach keinen Hunger verspürte. Deswegen rieten mir Anita und Daborah, die wir zum Pfannkuchenessen eingeladen hatten, den verlegten Termin des Meetings nicht wahrzunehmen und danach sofort zum Arzt zu gehen. Das tat ich dann auch, obwohl ich die Idee zum Arzt zu gehen total sinnlos fand, weil er nichts tun könnte, als mir gute Ratschläge und Tabletten zu geben. Und das hatte ich nicht so recht nötig. Alles was ich brauchte war Ruhe. Doch da ich am nächsten Tag fit sein wollte, weil wir einen dreitägigen Trip nach Winneba geplant hatten, ging ich trotzdem und wurde vom Arzt nur in meiner Meinung bestätigt. Sein Rat war Cola zu trinken, viel davon, weil ich so endlich mal Flüssigkeit aufnehmen würde und Zucker in meinen Kreislauf kommen würde. Dazu muss man wissen, dass ich die Wochen davor wegen meiner Krankheit nur etwa 400 ml pro Tag getrunken hatte, wenn ich einen guten Tag hatte…

Nun ja, die Cola gönnte ich mir! Und sofort sah ich besser aus, aber war trotzdem noch zu schwach um am nächsten Tag mitzufahren. Eigentlich wollte ich an diesem Donnerstag noch meine Englischstunde halten, doch da es der letzte Schultag war, war die Schule schon nach der ersten Doppelstunde vorbei und ich hatte frei. Ich verabschiedete mich von meinen Kollegen und startete die Tage des harten Chillens. Es stellte sich heraus, dass ich genau das richtige getan hatte. Zwar hatten die anderen eine extrem geile Zeit in Winneba, aber mir ging es mit der Zeit schlechter. Ich lag für drei Tage einfach nur auf der Couch und schaute Filme… Pro Tag etwa 5. Nebenbei kam Debbie vorbei und leistete mir Gesellschaft. Das war ganz nett. Sie schaute auch ein paar Filme mit mir, aber da ich nicht so viele gute englische Filme hatte, war es für sie nicht so cool. Und dank meiner Krankheit war ich auch sonst nicht wirklich unterhaltend. Naja, die Zeit verflog und am Samstag kochten wir dann leckere Contumary-Erdnusssuppe mit Hühnerfleisch. Und kurz bevor die anderen am Sonntag zurück kamen, bereitete Daborah noch den Rest vor, weil ich wieder schwächelte. Es war ein leckeres Essen! Den Rest des Abends haben wir dann noch Erlebnisse ausgetauscht, wobei ich nur eine Sache beisteuern konnte: eines Morgens waren nämlich etwa 20 Ziegen in unserem Hof und fraßen alles kahl. Das war witzig, aber ändern konnte ich nicht wirklich irgendwas, da ich an das Sofa und meinen Film gefesselt war….

Aber die Bilder und Erzählungen der anderen waren wirklich beeindruckend! Um ehrlich zu sein, war ich auch ganz schön neidisch, denn sie haben den ganzen Tag in der Sonne liegen können und allerhand Leute getroffen. Naja, es wäre gelogen, wenn ich sagte, dass ich niemanden kennen gelernt hätte, während ich zu Hause blieb. Daborah stellte mir ihren jüngsten Bruder vor, der dann mit mir Kill Bill schaute und ich traf die Verlobte von Sakkordie, die in der Voltaregion lebt, wenn ich mich recht erinnere. Deswegen haben wir sie auch vorher nie zu Gesicht bekommen, weil diese Region einfach zu weit weg ist.

So, wie auch immer, dann lief die Ferienzeit auch schon wieder langsam aus, der Montag war einfach nur ein Tag an dem man anwesend sein musste und das war ich auch. Doch ich entspannte nur… Ich kann mich nicht erinnern, ob ich vllt mal einkaufen ging oder ähnliches, aber viel passierte eindeutig nicht!

Der Dienstag war dann ein schöner erster Schultag. Von etwa 20 bis 25 meiner Schüler waren nur 10 da. Deswegen hab ich einfach mit ihnen wiederholen wollen, dann sprachen sie ein Thema an, dass ich ihnen beibringen wollte, aber trotz tausend und einem Beispiel haben sie es nicht wirklich verstanden. Naja trotzdem hat die Stunde viel Spaß gemacht, weil sie es wenigstens probierten.

Später am Tag wollte ich Volleyball spielen gehen und ging deshalb zur Uni. So fand ich heraus, dass an Montagen und Dienstagen kein Training mehr stattfindet. Naja, ich regelte das Antivirenprogramm für PK, dass ich eigentlich schon bekommen hatte, aber beim Installieren sprangen die Viren des Computers auf meinen Stick und alles wurde sinnlos. Wie auch immer, nun konnte mich aber diesbezüglich nichts mehr aufhalten.

Am Ende des Abends schauten wir dann Sex and the City… das war ein interessantes Erlebnis, weil in diesem Film die Dekadenz auf härteste Weise zelebriert wird und mich das irgendwie ziemlich geschockt hat.

Wie auch immer, der nächste Tag kam geschwind. Cornelius und ich hatten an diesem Mittwoch vor mal wieder in die Innenstadt von Kumasi zu fahren, weil ich Stoffe für ein Hemd holen wollte und wir mal wieder ein geniales Essen machen wollten und die Zutaten nur aus Adum (einem Stadtteil Kumasis) bekommen konnten.

Das Kaufen der Stoffe war auf jeden Fall eine Erfahrung, weil der Markt das erste Mal extrem voll war, während ich mich dort aufhielt. Tausende Menschen strömten durch die engen Gassen und transportierten alles Denkbare und Undenkbare. Man muss es erlebt haben! Den richtigen Stoffe zu finden war leider nicht so einfach, weil die Stoffe einfach nicht an das europäische Schönheitsverständnis angepasst sind. Am Ende gefiel mir die Trauerkleidung am besten, aber gekauft hab ich sie lieber nicht, weil ich das Hemd ja auch mal so in Ghana tragen wollte.

Ich hab also ewig gebraucht, um an die Stoffe zu kommen, aber letztendlich war ich mit meiner Auswahl sehr zufrieden. Dann gingen wir zum Supermarkt und danach besorgten wir Kartoffeln. Die sind zwar teuer, aber schmeckten im Nachhinein richtig geil! Sonst ist in Kumasi aber nicht viel passiert. Auf dem Rückweg gönnten wir uns natürlich noch eine Kokosnuss und bekamen gleich ein Trotro nach Hause. Zu essen gab es an diesem Abend leckeres Gemüse mit Kartoffeln und Hühnerschenkeln. Das war echt mal gelungen. Den Abend ließen wir dann mit Sex and the City 2 ausklingen, was wirklich schlecht war, denn dieser Film hatte einfach nichts.

Am 11.11. gingen wir am Morgen mit Sakkordie zur MYND FM Radiostation. Dort hatten wir ein nettes Programm. Natürlich war Mareike diesmal das Highlight für den Radiomann und fragte sie immer wieder live Fragen, die sie nicht beantworten konnte, weil diese Fragen sich auf die Schule bezogen und Mareike noch nie bei so einem Programm mit war.

Naja, aber mir persönlich hat es Spaß gemacht, weil es diesmal nur auf Englisch war und man endlich mal hinterher gekommen ist und nicht aus dem Nichts angestupst wird und gebeten wird auf irgendwelche Fragen zu antworten. Naja, danach chillte ich noch eine Weile auf dem Unigelände und besuchte das Internet, wie fast jeden Tag dieser Woche.

Als wir zurückkamen war es schon früher Nachmittag und Cornelius und ich spielten noch ein bisschen Volleyball mit den Schülern. Doch nach einer mehr oder weniger kurzen Zeit hat es mir schon wieder gereicht, weil mir zu viel diskutiert wurde und die Regeln auch absolut ungewohnt waren. Man durfte hier zum Beispiel nicht im oberen Zuspiel annehmen und sowieso schien alles ein wenig willkürlich. Naja, bald darauf entschied ich mich ein bisschen Schiedsrichter zu sein und das war dann ganz witzig, weil man sich die Diskussionen von weit weg anschauen konnte und somit drüber lachen konnte. Dann klingelte es zum Essen und eigentlich wollte ich noch PK besuchen gehen, entschied mich dann aber lieber zu entspannen und das am nächsten Morgen zu regeln.

Und so geschah es dann auch. Morgens um 6 Uhr standen wir auf und machten uns für eine Sporteinheit fertig. Dazu gehörte einerseits nach Ohwimase zu joggen und andererseits dort in Ohwimase bei PK ins „Fitnessstudio“ zu gehen. Das sah dann wie folgt aus: beim Joggen war ich viel zu unkonditioniert, um mit Ruven mithalten zu können. Das hieß also, dass er mir nach kurzer Zeit davon joggte und ich anstatt der geplanten 10 Minuten Joggen 15 Minuten joggte. Und ich pfiff aus dem letzten Loch. Es ging nicht mehr viel! Ich torkelte zum Gym und riss mich zusammen. Ich glaube ich hatte schon mal über das Gym geredet: das waren einfach ein paar Zahnräder, die zusammen mit Eisenstangen zu Gewichten umfunktioniert wurden. Unter freiem Himmel. Das hat echt was, besonders weil man mit ganz vielen absolut durchtrainierten Schwarzen trainiert, vor denen man im Dunkeln auch riesige Angst haben könnte, wenn man nicht wüsste, was ihnen im Kopf rumgeht.

Aber die sind alle cool drauf. Sie scherzen und lachen mit einem und helfen auch gerne mal mit Übungen. Es ist einfach eine sehr entspannte Atmosphäre, auch wenn alle ganz gerne mal mit Muskelmasse angeben, oder sich minutenlang im Spiegel (der übrigens jeden breiter aussehen lässt) betrachtet. Aber das hat eigentlich auch eher Charme als dass es nervig ist.

Nach dem Kraftsport ging ich dann zu PK, von dem ich den Hausschlüssel bekommen hatte und installierte endlich das Antivirusprogramm auf seinem Computer. Es dauerte zwar ewig und drei Tage und zwischendurch machte ich echt schlapp, aber Ruven kam bald nach und beendete den Installationsprozess für mich. Danach nahm ich mir ein Taxi nach Hause und Ruven joggte. Da Freitag war, chillte ich für eine lange Zeit, um dann irgendwann mit Mareike nach Kwadaso zu fahren. Dort wollten wir versuchen endlich den langersehnten Balsamicoessig zu bekommen. Aber wir versagten. Stattdessen holten wir einfach normalen Essig und wollten damit dann ein annehmbares Salatdressing machen. Daneben holten auch wir noch allerhand Gemüse und Gewürze, die es dort im Überfluss gab. Dazu gehörte schwarzer Pfeffer, Curry und ein ganz besonderes Schmankerl: geriebene grüne Paprikaschoten. Es war so giftgrün, dass man fast Angst bekommen konnte. Wir holten es aber einfach wegen seiner Farbe und wollten später rausfinden, wie es schmeckt.

Auf dem Rückweg, ich muss es einfach erwähnen, holten wir uns noch Eis, was extremst lecker war. Auf dem Weg vom Taxi zu unserer Wohnung kamen dann die Schüler an und nahmen mir alle Sachen ab, denn ich trug einige Tüten und einen 15 Kilo Wasserbeutel auf dem Kopf. Aber Mareike wurde knallhart nichts abgenommen… Das stellt den Platz von Frauen in Ghana ganz gut dar. Sie sind absolut angesehen, aber halt zuständig für die Küche und den Einkauf. Männer besorgen scheinbar nur das Geld. Aber da keiner damit Probleme zu haben scheint, regt sich niemand auf. Naja, zu Hause angekommen, offenbarte ich Mareike, dass ich noch Volleyball spielen gehen wollte, was ich dann auch tat. In dieser Zeit bereitete sie schon den Reis für die geplante Reispfanne vor. Als ich dann zurück kam, schnitten wir das Gemüse zurecht und mixten es mit dem Reis, Curry und anderen Gewürzen. Nebenbei regelte ich auch den Tomaten-Zwiebel-Salat und sein Dressing. Am Ende war es echt lecker, aber mit Balsamico noch genialer. Tja, man kann nicht alles haben. Irgendwann waren der Reis und das Gemüse fertig und es sah verdammt lecker aus, doch ich versagte etwas beim Reis… Denn ich gab absolut zu viel dazu, aber das merkte ich erst als ich es probierte. Um den salzigen Geschmack zu überdecken gab ich auch noch Unmengen von Zucker hinzu. Am Ende war es immer noch ziemlich salzig, aber noch im Rahmen. Wie auch immer, mit dem Salat zusammen war es sooooo lecker, dass ich mich absolut überfraß und noch stundenlang Bauchschmerzen hatte, doch das war es wert! ^^

Da Mili am Vorabend Geburtstag hatte, gingen wir diesen Abend mit ihr in eine Bar, denn an jenem Vorabend wurde sie auch noch von ihrem Freund versetzt und ging alleine weg.

Naja, wir entschieden uns für eine Bar in Kwadaso, die recht entspannt war und wo die Getränke erschwinglich waren. Es war ein witziger Abend und wir hörten ein bestimmtes Lied zum Abschied, welches ich in mein Herz geschlossen hab, aber von dem ich weder weiß, wie es heißt, noch von wem es ist. Es klingt aber genial. Doch irgendwann finde ich den Namen raus und habe es auf meinem Ipod!

Zu Hause unterhielten wir uns noch eine Weile und konspirierten. Denn Ruven kam die kluge Idee, dass Mili schwanger sein könnte. Das würde eine solche hastige Hochzeit erklären und warum sie so einen großen Bauch hat. Außerdem wollte sie nichts Alkoholisches trinken. Natürlich kann das auch alles andere Gründe haben, nämlich, dass sie einfach mal nach einer ziemlich alkoholreichen Zeit kürzer treten will und dass ihr Freund bald für 5 bis 6 Jahre nach Amerika reist, aber es macht doch mehr Spaß Gossip in die Welt zu setzten. Dann redeten wir noch ein wenig über die Untreue in Ghana. Darauf sind wir gekommen, als wir über Milis Freund redeten, denn der wird in Amerika sicherlich nicht treu bleiben. Braucht er nach ghanaischen Traditionen auch gar nicht, denn es ist normal. Die, die es sich leisten können, haben mehrere Frauen und die die es sich nicht leisten können haben eine Frau und einige Affären… Doch wieder mal, es ist einfach normal für Ghana und keiner beschwert sich. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich hier die Frauen fühlen müssen, aber wenn man es von Anfang an nicht anders kennt, dann kommt man wohl besser damit zurecht. Mili hat auf jeden Fall durch ihren Vater die Meinung, dass jeder Mann fremdgeht, weil er seine Hormone nicht unter Kontrolle hat, so wie ihr Vater.

Tja, wie auch immer, am Samstag wollte ich dann morgens zur Kirche gehen. Davor jedoch ging ich zum Volleyball und vergaß die Zeit, sodass ich die Treffzeit um 1,5 Stunden verpasste. Naja, ich ging also einfach nach Hause und chillte und schlief noch eine halbe Stunde. Dann war aber schon die Zeit zum Haare schneiden gekommen, denn Cornelius und ich wollten endlich mal wieder weniger ungepflegt um den Kopf herum aussehen. Naja, da Cornelius und Ruven beim Gym einen Friseur kennen gelernt hatten, der in Deutschland an einer Frankfurter Militärkaserne Haare geschnitten hatte. Somit wussten wir also, dass er halbwegs mit unserer Art Haar umgehen konnte. Er gab sich auch extrem viel Mühe, sodass jeder Haarschnitt etwa eine Stunde dauerte… Naja, ich bekam einen Militärschnitt und sehe nun absolut bösartig aus. Aber ich werde mich dran gewöhnen. Cornelius ist mit seinem Schnitt auch nicht unbedingt zufrieden, aber wir werden es beide überleben. Der Friseur war echt freundlich, was es alles relativierte. Am Abend dann machten Ruven und Mareike Red-Red (frittierte, reife Kochbananen mit Bohneneintopf) für Torsten (den, der meine Bewerbung bearbeitet hat und überhaupt ziemlich viel beim Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreis zu sagen hat, weil er Vizepräsident des Vereins ist), der aus München kommen sollte. Doch da sich sein Flieger verspätete, kam er nicht noch bei uns vorbei und so hatten wir eine übergroße Menge an Essen für uns. Doch wir warteten mit Essen bis kurz vor 11. Eine Zeit zu der wir sonst immer schon schliefen. Das war ziemlich anstrengend!

Und jetzt komme ich zum heutigen Tag. Es ist viel passiert! Der Morgen begann schön entspannt. Wir standen sehr spät auf, also so 7:30 Uhr und frühstückten erstmal, während Ruven zur Kirche ging. Dann ereilte uns ein Anruf von einer unbekannten Nummer. Es stellte sich heraus, dass es Torsten war. Er lud uns zu sich sein, denn er wohnte nur um eine Ecke in einem Guest House. Dort redeten wir lange Zeit über Land, Leute und Lebensweise. Wir verglichen Eindrücke und Meinungen. Aber keiner von uns hatte ernsthafte Probleme, sodass wir schnell zur Entwicklung der Tabelle der ersten Bundesliga kamen. Nebenbei aßen wir Trollis aus Deutschland. Mit allen möglichen Bayern München Motiven. Tja, und dann kam der langersehnte Moment, es gab Pakete aus Deutschland. Jeder von uns rastete vor Glück aus. Nur Cornelius hatte kleine Probleme, denn er gelobte keine Süßigkeiten mehr bis zu seiner Abreise zu essen. Und da die Hälfte unserer Pakete aus Süßigkeiten bestand, wurde sein Durchhaltevermögen auf eine harte Probe gestellt. Besonders als Ruven zwei Packungen mit den leckeren American Cookies auspackte. Die mit Schokostückchen. Natürlich wurde eine halbe Packung gleich am Abend vernichtet, jedoch ohne Cornelius. Wie auch immer, bald nach der Paketausgabe gingen wir zurück zu unserem Apartment. Dort gab es dann die Melone, die wir extra für Torsten gekauft hatten. Sehr lecker! ^^

Während wir dann so da saßen, vernichtete ich etwa ein Drittel meiner Süßigkeitenvorräte. Das war sehr lecker und dringend mal wieder nötig! Danach fühlte ich mich zwar nicht so wohl, weil ich es ziemlich übertrieben hatte, aber das ist und war mir egal.

Naja, danach gingen wir dann mit Torsten zu Alberts Haus (das ist der Präsident des Vereins). Das war wirklich mal ein Anblick! Eine absolute Villa. Zweistöckig! Und vor allem sah sie schon fast fertig aus. Normalerweise sieht man hier drüben nur halbfertige Häuser, die eher an Ruinen erinnern, als an alles andere. Hier ist es nämlich so, dass man sein Geld langsam aber sich in sein Haus investiert. So kann es halt auch passieren, dass es, wie bei Albert nach 20 Jahren immer noch nicht fertig ist. In 2 Jahren will Albert dann einziehen. Dann bekommt er deutsche Rente. Ich weiß zwar nicht wie viel er bekommen wird, aber selbst mit 500 Euro pro Monat, kann man es hier echt krachen lassen! Ich meine wir bekommen 150 Euro pro Monat und zusammen mit dem Geld für Reisen sind es vllt 200 bis 220 Euro pro Monat. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass man mehr als doppelt so viel Geld zur Verfügung hat… Ich wüsste nicht was ich täte, denn das ist echt zu viel. Nebenbei sollte mal erwähnt sein, dass Alberts Haus nur 80000 Euro gekostet hat. Torsten sagte, dass das gleiche Haus in Deutschland vielleicht eine halbe Million gekostet hätte. Tja, das ist Ghana.

Danach sind wir dann wieder zurück gegangen und ich hab für 2 Stunden geschlafen. Danach war wieder joggen und Kraftsport angesagt und diesmal joggte ich sogar zurück. Wenn auch viel langsamer als Ruven, aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Wieder zu Hause gab es Essen und die benannten Cookies. Ich war sogar so frei meine zweite Tafel Schokolade zu verteilen, die gute Alpenmilchcreme… Wow, es war echt unglaublich! Jetzt ist der Geschmack noch halb auf meiner Zunge, denn es ist erst zwei Stunden her… Ich glaube ich hole mir noch ein Stück und beende meinen Eintrag hiermit.

Viel Spaß noch und bis später…

Posted in Uncategorized | 1 Comment

#8

So auf geht’s in die neue Runde Blogeintrag. Ich beginne am 14.10.2010, einem Donnerstag. An den kann ich mich jetzt aber gar nicht mehr erinnern. Das einzige Highlight war wohl, wie ich meinen Notitzen entnehmen kann, ein Sportsmeeting. Das erste Sportsmeeting überhaupt. Und hier klärte sich jetzt auch endlich wofür Cornelius und ich eingetragen wurden. Zunächst wurde uns offenbart, dass der November dem Sportgewidmet werden soll. Doch sind im November auch Ferien, was das alles natürlich ein wenig kaputt macht. Naja, nach den Ferien, am 8ten nämlich soll es losgehen mit dem Training für die Spiele zwischen zufällig gewählten Schülergruppen (es gibt zur Morning Assembly 3 Reihen, diese entsprechen nun den Teams). Und eine Woche später soll es dann auch mit den Spielen losgehen: Fußball und Volleyball. Naja, wenn die Zeit gekommen ist, werde ich wohl weiter darauf eingehen. Dieses Konzept auszuarbeiten kostete uns unglaublicher Weise 2 Treffen zu je 45 Minuten. Tja, aber nun steht es und der Trainingsbeginn liegt in naher Zukunft.

Am darauf folgenden Freitag richteten wir endlich unsere Küche ein, in den Tagen davor hatten wir schon einige Sachen, wie Herdplatte und Gas, besorgt. Um das zu feiern und weil wir PK eingeladen hatten, gab es endlich mal wieder lecker Reisbälle mit Erdnusssoße. Und zu allem Überfluss bereitete Ruven auch noch einen feinen, kleinen Milkshake. Es war eine wahre Pracht all das zu essen! Besonders, als ich in den Milkshake noch etwas Kakao tat. Wow! Naja, genug übers Essen geredet.

Denn der nächste Tag harrte unser! Das Highlight war der Wald! Wir gingen also zu einer selbst und zufällig gewählten Zeit los und wanderten die Straße entlang nach Kwadaso, um dann irgendwann einen Seitenweg zu finden und diesen dann zu beschreiten. Nach einiger Zeit stellte sich der Wald einfach nur als riesige Plantage heraus, die in Mitten von riesigen Bäumen angelegt wurde. Wir machten trotzdem viele Bilder. Bald fand ich dann eine witzige kleine Pflanze. Ich glaube man nennt sie Mimose, denn sie zieht sich zusammen, wenn man sie berührt. Und wir haben sie berührt! Multiple Male J Es ist unglaublich wie viel Spaß man mit dieser Pflanze haben kann. Nun ja, bald zogen wir weiter. Cornelius und Ruven sahen eine Wasserschlange, die ich leider nicht zu sehen bekam, aber trauten uns auch nicht so recht sie aufzuscheuchen, weil wir ihre wahre Größe nicht kannten. Nach etwa einer halben Stunde erblickten wir dann mal den ersten Menschen, der aber kein Englisch verstand, weswegen wir schnell weiter gingen. Dann aber trafen wir einen, der sogar mal in Deutschland war und auch sonst sehr intellektuell zu sein schien. Der sagte uns dann auch, dass wir uns auf Government Eigentum befinden und eigentlich eine Berechtigung bräuchten. Aber naja, das ist halt Ghana und es testet einen ja doch keiner. Das hat er zumindest gesagt als er uns zum Abschied winkte. Die nächsten Eindrücke waren malerische Ausblicke auf versteckte Landschaften und ein verwestes Skorpion. Das war ganz nett! Wo ein totes Skorpion ist, muss auch ein lebendiges sein! Nach ewigem Suchen gaben wir dann aber auf, schade! Es wäre aber auch zu schön gewesen.

Bald darauf sind wir den Heimweg angetreten. Doch nicht wieder zurück auf die Straße, sondern diesmal mit Stil durch den Busch. Eigentlich wollten wir da nicht lang, weil man den Weg vor Busch kaum sehen konnte, aber als wir dann erstmal drin waren, war es echt schön und interessant. Wir trafen auch einen Einheimischen, der uns sogar eine Papaya anbot. Naja, durch unseren unglaublichen Orientierungssinn hatten wir genau den Weg genommen, der uns dann direkt zu Schule führte, was mir äußerst gelegen kam, denn ich war absolut abgekämpft von diesem Tag.

Am Sonntag entspannten wir, besuchten das Internet und hatten die tolle Erfahrung einer stockdunklen Nacht, weil der Strom nicht mehr so wollte, wie wir. Tja, dann begann die Woche wieder und der Alltag hatte uns wieder. Ich hatte meine zweite Deutschstunde, die diesmal nicht ganz so einfach lief, aber dafür war die Deutschstunde mit den Lehrern, die ich später auch noch hielt umso netter. Wie auch immer, am Dienstag hatten wir dann unsere erste Twi Lesson, die durchaus interessant und lustig war. Der Mittwoch fiel wegen Nässe aus. Bis um 12 waren nur 3 Lehrer da, die sich trotz Regen raus getraut hatten. Naja, da ich aber sowieso am Mittwoch keinen Unterricht hab, tangierte mich all der Regen nur peripher und ich blieb im Bett.

Dann kam der Donnerstag… Der hat mir nicht so viel Spaß bereitet! Ich hatte mir am Mittwoch extra einen kleinen Test zubereitet, den ich dann am Donnerstag servieren wollte, doch die Schüler wussten ihn nicht zu schätzen. Sie verstanden ja nicht mal die Aufgaben. Dabei wollte ich nur, dass sie aus Sätzen, die ich an die Tafel geschrieben hatte, die Nomen raus schreiben und diese dann je nach Typ (die wir vorher gelernt hatten), markieren sollten. Aber ich musste es erst ewig erklären, sodass der Test, der für 15 bis 20 Minuten geplant war, dummerweise über 70 Minuten dauerte.

Krass! Aber es hilft ja nichts. Die Ergebnisse kann man sich ja vorstellen! Und bei derart schlechten Ergebnissen macht auch das korrigieren keinen Spaß. Ich hab extra Punkte verteilt, wo ich nur konnte. Es war zum Haare raufen. Naja, sonst war ich den ganzen Tag Mädchen für alles und transportierte hier mal einen Schlüssel, holte da mal ein Heft, blablabla. Ich war auf jeden Fall ordentlich gestresst als der Tag vorbei war. Am Abend wollte ich dann eigentlich noch ein wenig mit Ziggy lesen, aber das wurde nichts, weil der nicht kam. Ich war dankbar! Da fällt mir ein. An diesem Abend kam eine Person, die Mareike auf den Blog geschrieben hatte und somit Bekanntschaft gemacht hat, bei uns vorbei. Ihr Name ist Anne und sie besuchte Ghana auf eigene Faust und ist zur Zeit bei einer Familie untergebracht, die sie durch eigene Familie entfernt kennt. Naja, das Treffen war ein wenig träge, da keiner mehr besonders munter war und somit ging sie auch bald schon wieder.

Der nächste Tag war für mich schon schön durchgeplant: ich wollte erstmal schön entspannen, dann fein ein wenig Wäsche waschen, das Internet besuchen und Volleyball spielen. Irgendwo dazwischen sollte dann auch noch nach Kumasi gefahren werden, aber was geschah stattdessen? Sakkordie erklärte uns gegen 8:15, dass Jeffs Frau ab halb neun eine Abschlussfeier an der Uni hätte und wir eine implizierte Anwesenheitspflicht. Toll, toll, toll! Ruven und ich gingen vor, während Mareike und Cornelius ihren Dienst beendeten. Und was war los als wir 10 nach 9 ankamen? Nichts! Zwar waren unzählige Leute da, aber keine Party war am anfangen. Also setzten Ruven und ich uns weit abseits und checkten das Internet. Eine dreiviertel Stunde später mischten wir uns wieder unter das Volk und es ereilte uns eine Nachricht Jeffs: er komme wohl bald und werde uns dann anrufen, sodass wir uns treffen können. Gesagt, getan. Gegen halb 11 trafen wir uns mit Jeff und seinen Sprößlingen: 2 Jungen im Alter von 6 und 8, sowie ein einjähriges, süßes fettes kleines Mädchen. Ruven und ich beschäftigten uns natürlich ausschließlich mit den Kindern und bekamen eigentlich nichts von der Feier mit, denn Jeff war die ganze Zeit Bilder machen, weswegen uns nichts zurück hielt. Nach einiger Zeit rutschte das kleine Mädchen von ihrem Stuhl, schob ihn unter ächzen und stöhnen bei Seite, stellte sich vor mich, und streckte erwartungsvoll die Arme aus. Bei so viel Courage, konnte ich nicht anders, als sie, wie verlangt auf den Schoß zu nehmen. Irgendwann kam dann auch Jeffs Frau zu uns und Jeff wollte sein Tochter zurück haben, doch sie wollte nicht so recht. Weder zu Mama, noch zu Papa. Da fühlte ich mich schlecht! Naja, dann kamen auch bald Cornelius und Mareike hinzu und wir machten ein paar Bilder zusammen. Als dann Jeffs Familie und Freunde Bilder machten, kam der ältere der beiden Brüder zu mir und wollte auch mit mir spielen. Ich erfuhr, dass er Ken William Shaun Jeff David hieß. Ein langer Name! Naja, die werden sich schon was gedacht haben, bei all den Namen. Er war jedenfalls auch sehr verspielt und es hat Spaß gemacht ihn durch die Gegend zu ziehen und zu werfen. Irgendwann ging es dann endlich nach Hause. Fufu essen! Hihi

Doch nicht nur dass, erst wurde uns Wasser, dann PEPSI!!!!!!!!! Und dann Fufu gegeben. Ich konnte kaum glauben dass es Pepsi gab. Ich könnte jetzt noch vor Freunde explodieren! Pepsi! Naja, es war auf jeden Fall lecker. Zum Fufu gab es Fisch, was nicht soo großartig war, aber annehmbar. Bei dem Treffen war auch eine Freundin Debos, mit der wir uns zunächst noch eine Runde unterhielten. Als es um Gras ging, wurde es total lustig, weil sie so tat als rauche sie, während Sakkordie vorbei lief und sie komisch anstarrte. Naja, wir konnten drüber lachen!

Nach dem Essen unterhielten wir uns mit dem Schwager Jeffs, der extra aus Accra gekommen war und sehr interessiert an uns war. Er fand meine Gedanken zu Gott so interessant, dass ich alles erklären sollte. Damit ist er der erste Ghanaer, der mir zumindest nicht sofort gesagt hat, dass ich mich ändern sollte. Na gut, PK ist auch nicht so. Aber egal, mit Nana, so hieß er, haben wir uns so ziemlich die restliche Zeit unterhalten. Und dann ging es auch schon wieder mit dem Trotro nach Hause. Dort war es Zeit Sport zu machen. Endlich mal mit den Schülern. Jetzt konnte ich mal sehen, welches Potential in den Leuten steckt. Ich kann nur sagen: es war schrecklich! Es wurde nur diskutiert, und drei Mal spielen war eine absolute Ausnahme… Als mir dann noch ein Ball abgepfiffen wurde, wegen einer sinnlosen Kleinigkeit, war bei mir alles vorbei. Ich wartete innerlich nur noch auf das Ende und entschied danach nur noch als Trainer zu fungieren, da alles andere zu stressig sein würde.

Nach einer kleinen Leserunde mit Ziggy ging ich dann endlich ins Bett um am nächsten Tag ausgeschlafen zu sein, denn es sollte drunter und drüber gehen!

Um 4:20 Uhr stand ich auf. Dann gab es Frühstück und los ging es auf den Hof, wo einige Schüler schon warteten. Es sollte gejoggt werden. Jeder Schüler musste ran! Und Ruven, Cornelius, sowie meine Wenigkeit sollten ebenfalls mitkommen. Wir joggten für insgesamt fast eine Stunde. Es war der Tod für mich, aber danach war ich munter! Ich duschte und machte mich auf den Weg zum Univolleyball. Nochmal anderthalb Stunden Sport. Es war ein geiler Morgen. Dafür ging den Rest des Tages nichts mehr bei mir. Am Nachmittag kam dann Anne wieder und alle zusammen, mich ausgenommen, weil es mir wirklich nicht gut ging, begaben sich zur Uni, um dort zu browsen und Basketball zu spielen.

Ich kann mich nicht mehr so recht an den Rest des Tages erinnern. Ich glaube es gab noch leckeres Essen und dann ein warmes Bettchen für mich. Tja, mit dem nächsten Tag begann eine anstrengende Zeit. Denn mir ging es von Beginn des Tages an nicht gut, aber ich wusch trotzdem meine Wäsche. Danach war ich so fertig, dass ich wieder einschlief und im Bett blieb, weil ich entdeckte, dass ich Fieber hatte. Ich wollte aber nicht zum Arzt. Auch nicht als ich 39,5 hatte. Es besserte sich auch bald. Doch dann gegen 18 Uhr stieg es von 38,5 auf 40,5 und ich dachte mir, dass ich vielleicht doch mal die Reise antreten sollte. Doch eigentlich wollten wir an diesem Abend zu PK und lecker essen, doch das wurde dann gar nichts. Ich fuhr mit Mareike zu Meister Nase, unserem Arzt (wenn ihr sei n Gesicht sehen könntet, würdet ihr den Namen passend finden), und der gab mir dann Tabletten und einen Tropf, weil ich nicht mehr so recht stehen konnte. Ich sollte dann geilerweise Kekse und Malzbier trinken, aber mit dem Malzzeug kam ich gar nicht zurecht und war zu schüchtern um das zu sagen. Naja, am Ende bekam ich doch noch Cola, aber von dem Malzbier war nur noch die Hälfte da. Und das lernte ich wenig später zu bereuen. Denn als das Taxi uns nach Hause gefahren hatte, gab ich die Kekse und das „Malta“ der Natur unverdaut zurück. Die anderen waren großartigerweise noch bei  PK, also offerierte mir Mereike ihr Bett und sie pennte am Schreibtisch, wovon ich aber nicht wirklich viel mitbekam, denn ich war sofort weg.

Am nächsten Tag, wachte ich auf und mir war bewusst, dass der Arzt mich zurück bestellt hatte, weil heute, am Montag, der Test auf Malaria gemacht werden konnte. Also sind Cornelius und ich hingefahren. Eigentlich wollte ich mit Trotro fahren, doch es ging wirklich nicht. In der Klinik angekommen, die übrigens absolut überfüllt war, wurden uns Stühle zugewiesen, doch das war nichts für mich. Nach kurzer Zeit suchte ich mir eine Ecke und legte mich einfach auf den Boden und begann halb zu schlafen. Die Leute belustigte das ganze natürlich ein wenig: ein Weißer, der gerade in einer afrikanischen Klinik abkackt, ist nichts Normales! Hihi

Tja, durch die Idee mit dem Hinlegen, war ich natürlich auch ziemlich schnell dran. Auch im Arztzimmer war ich nicht voll da. Ich legte mich gleich auf den Tisch und ließ alles über mich ergehen. Dann wurde mir offenbart, dass ich jetzt den Test machen solle. Ich muss zwischendurch nur mal sagen, dass der Arzt wirklich besorgt um mich aussah und war. Er nennt uns die ganze Zeit seine Kinder und kümmert sich auch wirklich ernsthaft um uns! Naja, im Labor dann wurde mir eine Nadel in den Daumen gejagt und das das austretende Blut wurde auf einen Objektträger getan, was dann passiert ist, weiß ich nicht so recht. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mich hinlegen wollte. Ich war dann auf dem Weg nach draußen. Dann bin ich einige Meter weiter wieder halbwegs klar geworden und spürt wie mich 4 starke Hände nach oben auf einen Stuhl zogen. Ab da war dann alles durcheinander. Ich kam in einen Rollstuhl und wurde in ein Taxi kutschiert und ins Taxi reingehoben, wo ich mich dann erstmal hinlegte. Die Fahrt war überaus rasant. Das Taxi hupte die ganze Zeit um einen Notfall anzudeuten irgendwann hörte ich Polizeisirenen, aber ich konnte nichts mehr so richtig zuordnen. Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, dass es sich um ein Polizeiauto handelte, welches uns zum Hospital Geleitschutz gab, weil man als Taxi einfach nicht durch den Berufsverkehr kommt. Der Polizist war ein Freund eines Freundes von PK. Dieser erfuhr aber durch Sheriff, der wohl zufällig am gleichen Ort war und Cornelius sah, dass wir uns in einem Notfallwagen befanden. So ging es auch sehr schnell an die Schule, dass ich nicht so auf der Höhe war. Sie machten sich auch alle riesen Sorgen um mich, weil ich ins größte Krankenhaus Kumasis verfrachtet wurde und die Notaufnahme dort nimmt eigentlich nur wirkliche Ernstfälle an, also Leute die meistens auch sterben. Naja, mein Zustand war aber nicht sooo schlimm. Ich konnte zwar nur noch liegen und hab auch da kaum etwas mitbekommen, aber neben mir lag ein Kind, dass von Kopf bis Fuß mit Wunden übersät war, wohl ein Autounfall. DEM ging es schlecht!

Ich wurde schnell an die Recovery Station des Krankenhauses referiert und sollte dort erst von einem Arzt untersucht werden, doch ich machte wieder schlapp, wollte wieder liegen. Und endlich bekam ich was ich wollte: ein Bett. Und wieder kam ich an den Tropf. Doch am Vortag brauchte die Schwester 6 Anläufe um meine Vene zu treffen (und jeder einzelne Versuch tat tierischst weh, denn die Nadeln sind hier nicht so patientenfreundlich!), am Montag klappte es sofort! Und ich hatte meine Ruhe. Die Leute tanzten zwar noch eine Weile um mich und auch Ruven, Mareike, PK und Sakkordie kamen, aber das bekam ich alles nicht mehr mit. Ich schlief. Doch dadurch, dass ich immer wieder durch irgendwas geweckt wurde, war es leider nicht komplett entspannend. Naja, insgesamt blieb ich über 24 Stunden auf der Krankenstation und kehrte am Abend des Dienstags nach Hause zurück. Die nächsten Tage waren absolut kein bisschen mit Ereignissen gespickt. Nun ja, am Mittwoch kamen mal alle Lehrer in unserem Raum vorbei und beteten zusammen mit mir. Das war ganz süß, aber hat mir hat es gezeigt, dass ich lieber nicht mehr krank werde, denn es war doch um einiges zu stressig! Am Nachmittag des Donnerstags wollte ich dann mal bei PK vorbei und ihm das Antivirussystem installieren, was ich ihm schon lange versprochen hatte, aber ich hab durch Dummheit den Virus, der PKs Computer blockiert, auf meinen Stick drauf bekommen und jetzt geht’s einfach nicht mehr… Naja, es geht trotzdem weiter.

Jetzt ist Freitagabend und durch meine Antibiotika bin ich an den Raum gefesselt, während die anderen zusammen mit George und PK nach Kwadaso in eine Bar gegangen sind. Tja, shit happens! Hihi

In diesem Sinne, bis demnächst und lasst es euch gut gehen.

Peace out!

Posted in Uncategorized | Leave a comment

#7



So, man sollte meinen ich hätte aus meinen Fehlern gelernt und mittlerweile gemerkt, dass es nicht so klug ist fast 2 Wochen zu warten, um dann einen zweitklassigen Eintrag zu verfassen, aber was soll’s… Hauptsache etwas J

Und es ist viel passiert! Meine erste richtige Schulwoche hat stattgefunden, ich hatte Höhen und Tiefen im Bezug auf das Unterrichten, aber dazu später…

Zunächst nochmal zurück zum Sonntag vor fast 2 Wochen. An diesem Tag entschied ich mich zu Hause zu bleiben, anstatt zu einer Kirche mitzukommen. So hatte ich Zeit mich um kleine Arbeiten zu kümmern, aber ich verpasste eine großartige Zeit in der Kirche. Denn, wie mir später berichtet wurde, gingen meine Kumpanen nicht, wie zuvor erwartet, in die Kirche Milicents, sondern auf eine Riesenveranstaltung der Pentecost Churches im Umkreis. Dort haben sie die verrücktesten Sachen gesehen: Gläubige, die, vom Holy Spirit befallen, ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hatten. Das heißt, sie zuckten, konnten sich nicht mehr bewegen oder rannten einfach schreiend durch die Kante ohne Sinn und Verstand. In allen 3 Fällen wurden betreffende Personen von starken Männern aus der Menge hinaus getragen, wo sie sich wieder besinnen konnten. Das Interessante daran war, dass wirklich alle 5 Minuten jemand fällig war. Tja, andre Länder, andre Sitten…

Am Abend des Sonntags kam es dann endlich dazu, dass wir Foufou aßen, den wir vorher fast selbst gemacht hatten. Soll heißen: wir schauten einigen Schülern zu, wie sie Kasawa und Plantains zermatschten (einige von uns haben es auch ausprobiert, aber wir machten es natürlich falsch). Die Soße haben wir dafür aber allein gekocht. Da uns so viele Menschen geholfen hatten, mussten wir auch ziemlich viel abgeben. Satt wurden wir aber trotzdem. Nur die Schüssel, in welcher wir den Schülern das Foufou überreichten fanden wir erst 12 Tage später wieder.

Tja, dann war Montag. Mein erster Schultag, also ordentlicher Schultag. Ich kann mich aber kaum dran erinnern, soll heißen, dass er wenig eindrucksvoll war. Eigentlich hätte ich zwei Doppelstunden gehabt, aber durch ein Meeting, in welchem uns noch ein paar Sachen erklärt wurden und die SHS Timetables ausgeteilt wurden, fiel meine zweite Stunde aus… Lustig war, dass das Meeting durch einen Regenschauer unterbrochen wurde, weil der Regen so laut auf das Wellblechdach fiel, dass man kein Wort mehr verstehen konnte. Die erste war eher anstrengend, da meine „vorgesetzte“ Lehrerin, Dabora, versuchte herauszufinden, was unsere Schüler schon gelernt hatten, die Schüler kaum Antworten gaben und sich bei Nachfragen heraustellte, dass die Schüler nicht die geringste Ahnung von ihrem Stoff hatten. Naja, es gab ein oder zwei Schüler, die sich bemühten, aber der Rest hatte offensichtlich keine Lust. Als einer von ihnen, Samson, gebeten wurde doch bitte etwas an die Tafel zu schreiben weigerte er sich vehement. Schließlich gab Dabora auf, was hätte man auch sonst machen sollen… Ein extra Assignment geben? Und was dann? Eine schlechte Zensur. Das hätte auch keinen großen Unterschied gemacht. Glücklicherweise ist an unserer Schule seit Kurzem physisches Punishment ungern gesehen, weswegen keiner der Schüler aus dem Unterricht rausgezogen wurde und erstmal einen Schlag in den Nacken bekommen hat.

Tja, wir blieben die meiste Zeit in der Bibliothek und kümmerten uns um die Bücher, brachten Ghanaern UNO bei, zeigten ihnen meinen Kartentrick, der immer wieder die großartigsten Reaktionen hervorrief… Ich konnte von den ungläubigen Blicken und Aufschreien einfach nicht genug bekommen. Ghanaer wundern sich aber auch ziemlich geil! J

Am nächsten Tag hatte ich wieder ein bisschen Unterricht, der diesmal aber erfolgreicher war, denn wir hatten ein drittes Lehrjahr, welches viele Antworten gegeben hat und auch mal für den einen oder anderen Lacher gesorgt hat. Nach der gestrigen Stunde mit dem zweiten Lehrjahr hatten Dabora und ich uns dazu entschieden jeden Tag einige Worte zu diktieren, da die Rechtschreibung echt zu wünschen übrig ließ. Von 20 Worten, waren durchschnittlich 7 bis 8 richtig geschriebene dabei. So musste also auch das dritte Lehrjahr diesen Spaß über sich ergehen lassen. Aber die Leute nahmen ihre Fehler gelassen und machten trotzdem weiter ein paar Scherze. Sonst passierte diesen Tag nicht viel mehr, außer zwei kleinen Sachen. Als ich Cornelius zum Frühstück abholte (wir bekommen nämlich Frühstück und Mittagessen gestellt, was ziemlich geil ist, da so die Ausgaben für Essen extrem eingeschränkt werden), war dieser ziemlich geladen, da er gerade zusehen musste, wie seine Schüler von einer Lehrerin geschlagen wurden: sie mussten ihre Arme austrecken und bekamen ein, zwei, drei, vier Schläge mit einem dünnen Stock auf den Arm, bis sie vor Schmerzen den Arm wegzogen. Danach gab es noch zwei extra Schläge, sodass die Kinder heulend raus rannten und von ihren Klassenkameraden ausgelacht wurden. Nach diesem Erlebnis war Cornelius echt heftig drauf. Als er mit mir zum Essen ging, fand er die unschönsten Bezeichnungen für die Lehrerin und war auch sonst nervlich etwas angekratzt. Aber irgendwann hatte er sich auch wieder gefangen, die Bilder blieben jedoch in seinem Kopf zurück. Am Abend gingen wir in die Uni, um Sport zu machen und Online zu gehen. Auf dem Rückweg merkte Cornelius, dass sein Handy nicht in seiner Tasche war. Ein Anruf auf sein Handy ergab, dass das Handy ausgeschaltet war, ein verdammt schlechtes Zeichen. Cornelius ging trotzdem einfach nochmal zurück zur Uni und kam natürlich ohne Telefon zurück. Da kann man nichts machen. Erst Ruven, dann Cornelius. Mal sehen wer der nächste ist…

Ich weiß nicht wann, aber ich glaube es war noch an dem Tag, an dem Cornelius sein Handy verlor, wurde uns auch offenbart, dass wir für eine Visumsverlängerung monatlich 40 Cedi bezahlen mussten. Ganz toll! Naja, es führt kein Weg herum, wir sollten uns nun also mit Jeff um 10 Uhr an der Uni treffen. Blöd war nur, dass ich einige Tage zuvor den Schlüssel der Bibliothek verloren hatte. Wahrscheinlich ist er mir beim Chatten auf dem Unigelände aus der Tasche gefallen. So musste ich mich also mit Sakkordie auseinanderzusetzen, anstatt zur Uni zu gehen. So trug es sich zu, dass wir 12 Minuten nach 10 ankamen und Jeff war nicht mehr da, sondern beschwerte sich über unsere Unpünktlichkeit. Da konnten wir so direkt nichts Passendes drauf antworten… In Ghana wegen Unpünktlichkeit angeklagt zu werden, ist schon was Besonderes! Wir haben noch viel zu lernen.

Tja, wir gingen zurück und gaben das Geld erstmal Mili, woraufhin sich Jeff wenig später das Geld selbst abholte. Nach der Schule gingen wir an diesem Tag zu PK, einem der Lehrer an unserer Schule, der ganz cool drauf zu sein scheint. Eigentlich wollten wir ihn schon Montag besuchen, aber es kam immer etwas dazwischen. Tja, er führte uns also zu seinem Haus in Ohwimase, was zwischen Kwadaso und Denkyemuoso liegt. Er lebte in einer netten Gegend in einer Einzimmerwohnung, was für einen alleinstehenden Mann ganz normal ist! Doof war nur, dass PK seinen Schlüssel in der Schule vergaß, weswegen er einen Schüler beauftragte besagten Schlüssel zu ihm zu bringen. In der Zwischenzeit zeigte er uns die anliegende Muckibude… Was man halt so Muckibude nennen will… Es handelte sich um einen Hinterhof ohne Dach, in welchem aus alten Metallstangen Geräte zusammengeschweißt wurden und Gewichte aus weiteren Stangen und schweren Zahnrädern gebastelt wurden. Höchst interessant. Wir probierten es auch aus und ich merkte wieder mal, dass ich man wieder etwas für meinen Körper tun sollte, aber das würde ja nur unnötig Zeit kosten J

Tja, irgendwann kam der Schlüssel und wir konnten PK’s Wohnung betrachten: eine Matratze, ein Kühlschrank, ein Ventilator, ein Computer und ein Haufen Zeug. Alles noch sehr spartanisch, doch okay, wenn man bedenkt, dass er dort erst für 2 Wochen wohnte. Tja, bald musste ich wieder los, weil der Mittwoch mein großer Tag werden sollte. Heute sollte ich nämlich irgendein Spiel pfeifen. Doch dazu musste ich erstmal von Ohwimase zur Uni kommen. Ich rechnete so mit einem 40 minütigen Fußweg. Ich hatte mich um vielleicht 10 bis 20 Minuten verschätzt. Es spielte aber keine Rolle, denn nach 15 Minuten Fußweg, wollte ich von 2 Ghanaern den kürzesten Weg zur Uni erfahren. Sie rieten mir, wie zuvor auch PK, am besten ein Taxi zu nehmen. Doch ich hatte mir mit Absicht kein Geld mitgenommen, weil ich vorbeugen wollte, schwach zu werden und doch eins zu nehmen. Also luden die beiden mich ein, mich mitzunehmen. Erst hatte ich mich ein bisschen zickig, aber willigte dann dankbar ein. Wir unterhielten uns und es stellte sich heraus, dass einer der beiden schon für oder vor, ich weiß es nicht genau, 10 Jahre(n) in Deutschland war. Er konnte kaum ein Wort Deutsch, aber das macht ja nichts J

Es machte Spaß dort mit den beiden zu stehen und zu smalltalken. Irgendwann kam eine Straßenverkäuferin vorbei und verkaufte einem der beiden etwas. Wie mir nun erklärt wurde, handelte es sich um geraspelte Kasawa, die in Öl getaucht wurde und dann frittiert wurde. Dazu wurden Kokosstücke gegessen. Es war ein unglaublicher Gaumenschmaus. In Zukunft sollte ich noch viel davon kaufen. Tja, irgendwann waren wir dann an der Uni, aber bedanken konnte ich mich nie bei den beiden. Ich hatte weder mein Handy mit, noch sonst irgendwas. Das fand ich schade, war aber nicht zu ändern. Durch die Taxifahrt war ich schon etwa 20 Minuten zu früh da. Die Mannschaften waren erst eine Stunde nach meiner Ankunft vollständig… Tja, aber vorher konnte ich mich noch ein bisschen mit einem Spieler unterhalten. Er war Lehrer für Woodwork an der Uni und kam ursprünglich aus einer anderen Region, wo man kein Twi sprach, weswegen er es auch nicht sprechen, aber verstehen konnte. Weswegen eine Unterhaltung von ihm und einem Einheimischen recht lustig war. Der Einheimische redete auf Twi und der Lehrer auf Englisch. Von ihm wurde mir später auch noch getrocknete Tigernuss angeboten. Sehr geil! Und nur zu empfehlen J

Dann ging das Spiel los. Ich hatte mir extra für die Gelegenheit ein schwarzes Hemd und meine Jeans angezogen. Und natürlich entpuppte sich der Nachmittag als überaus heiß. So schwitzte ich mich zu Tode, erledigte den Schirijob aber ganz passabel. Nach dem Spiel durfte ich dann auch noch Spielen, was meine Sachen aber nicht so Recht zuließen. Ich spielte aber trotzdem und überbot mich selbst. Diesmal waren auch ziemlich viele gute Spieler dabei, was das ganze Spiel noch geiler gestaltete. Danach ging ich verschwitzt nach Hause und fand eine verschlossene Tür vor. Die anderen waren noch nicht da… Und mein Handy hatte ich großartigerweise hinter der verschlossenen Tür liegen lassen. Also wartete ich erst ein bisschen, um dann die wahnwitzige Idee zu bekommen bei den Schülern duschen zu gehen. Ich tat es nicht, bat sie aber um Hilfe. Samson gab dann irgendwann sein Handy und so konnte ich PK anrufen um die anderen zu bitten nach Hause zu kommen. So bot mir Mareike an, dass ich ja auch ein Handtuch von ihr nutzen könnte und bei ihr duschen könnte. Welch eine Wohltat! Nach der Dusche setzte ich mich zu Mili und Lucy in die Küche und ließ mich vom lustigen und sinnlosen Gelaber berieseln. Nebenbei bekam ich noch Kochbananen mit irgendeiner Soße und ich durfte auch mal von Milis Essen probieren. Das war irgendein Fisch mit sehr scharfer Soße, wie sie sagte. Sie hatte davon auch schon Tränen in den Augen. Da mir dieses Essen zu salzig war, konnte ich aber nicht mehr essen, um mal eine besondere Art von Schärfe zu erleben. Ich weiß nicht mehr worüber wir so geredet haben, es war einfach zu bedeutungslos, doch was sage ich da? Ich wurde von Lucy auf knallharte Weise davon unterrichtet, dass es einen Gott gibt und so folgte ein viertelstündiges Gespräch mit anschließendem halbstündigem Monolog Lucys. Weder Mili noch Lucy konnten verstehen, wie ich nicht an Gott glauben kann. Später erzählte mir Mareike von ihren Erlebnissen. Sie musste sich ebenfalls lange Monologe anhören und als sie dann sagte, dass sie, um zu glauben, irgendeine Art Beweise brauche und es die nicht gebe, wurde sie auf die Bibel hingewiesen. Als Sie sagte, dass das ja nicht vollkommen für voll genommen werden kann, wurde sie damit konfrontiert, dass es aber ein Buch ist und in Büchern die Wahrheit steht. Naja, da gab es keine Kompromisse.

Tja, irgendwann waren dann die anderen da und ich konnte in mein Zimmer. Nunmehr glücklich und zufrieden. Sie erzählten mir, dass auch der Besuch bei PK schön war. Leckeres Essen, schöne Musik und feine Unterhaltung. Mareike musste aber nebenbei nervige kleine Bemerkungen von PK aushalten, zu einem späteren Zeitpunkt sollten ihr diese dann doch sehr auf die Nerven geben.

Nun ja, der nächste Tag war als solches nicht besonders. Während der Schulzeit vergnügte ich mich mit den Lehrern, während Cornelius und Ruven weiter an der Bibo bastelten. Sie schafften es endlich alle Bücher zu codieren. Der Abend jedoch sollte etwas verrückter werden. Wir trafen uns wieder mit PK. Dafür gingen wir irgendwann abends zu ihm und ließen uns wieder das Yam/scharfe-Soße-Gericht vorsetzen und gingen danach in eine Bar. Eigentlich sollte es ein Club werden, aber PK meinte, dass wir es diesen Abend ruhig angehen lassen sollten und dafür dann am Abend vor seinem Bday, nämlich am Sonntag ordentlich krachen lassen sollten. Diesmal gesellte sich ein guter Freund PKs zu uns. Er war ziemlich groß und kam etwas dümmlich rüber, da er relativ aufgepumpt aussah und sonst nicht viel zu kennen schien. Es stellte sich aber heraus, dass er IT Lehrer war. Naja, er lachte auf jeden Fall lächerlich und hatte ein gewisses Verlangen sich durch Männlichkeit zu profilieren. Aber immerhin fuhr er uns zur Bar und zurück. Er war aber der, der am Meisten getrunken hatte. Jedoch war er nach den 3 Bier und den 0,2 Litern Schnaps noch erstaunlich nüchtern, was das ganze etwas relativiert. Sein ganzes Verhalten gefiel mir nicht, aber ich sagte nichts, weil ich keinen Stress wollte. Bei der Bar angekommen, musste ich mich auf einen Abend voll Reggaemusik einstellen. Nach der ersten Runde Bier stieg ich auch schon aus, denn ich konnte und wollte es an diesem Abend nicht übertreiben. Bald jedoch sollte getanzt werden. Natürlich nicht auf einer Tanzfläche, sondern am Tisch. Die ersten waren Ruven und PK, später kamen Big Sheriff (der Freund PKs) und Mareike hinzu. Ich ließ mich noch eine Runde feiern, wurde dann aber doch überredet. Aber wie sollte man zu so einer Musik tanzen? Ich beobachtete einfach ein wenig Big Sheriff, denn der tanzte ausgesprochen komisch. Es war ein Mix aus Elvis Rock’n’Roll (sprich: er bewegte seine Hüften anzüglich), Elektrodance (sah eigentlich ganz cool aus, aber er konnte nur die eine Sache und die machte er immer wieder: es sah aus als ob ein Blitz in seine eine Hand reingeht, er zuckt, während der Blitz durch seinen Körper wandert und schlussendlich zur anderen Hand wieder austritt) und einer undefinierbaren Tanztechnik (er hielt eins seiner Beine nach vorne ausgestreckt und umschloss mit seiner Hand seinen Knöchel, alsbald begann er auf dem zweiten Bein zu hüpfen… ). Es war verrückt! Naja, natürlich ließ PK keine Chance offen Mareike zu berühren. Es hob sie hoch, ließ sich mit ihr fotografieren, blablaba… Sie tat mir schon ein wenig leid. Naja, auf dem Rückweg wurde uns dann offenbart, dass der Wagen noch Benzin bräuchte und die Tankstelle in der Nähe nur für 10 Cedi auffüllt. Die Preisfrage ist nun: wer durfte das bezahlen? Wenn mich etwas stört, dann ist es die Selbstverständlichkeit mit der wir als Geldgeber gesehen werden. Und, dass alle Haken so lange geheim gehalten werden, wie nur möglich. Ich meine ich hab gerne in der Bar für PK und Sheriff bezahlt. Kein Ding! Aber das mit dem Benzin hat mich extrem gestört!

Naja, trotz angetrunkenem Zustand sind wir aber nach Hause gekommen. Es war auch nirgendwo knapp. Ich glaube, dass Sheriff das öfter macht. Am nächsten Tag, Samstag, erzählte PK uns, dass Sheriff meinte, dass man doch gleich nochmal weggehen könnte, oder es halt so einrichten könne, dass man jedes Wochenende zusammen trinken geht. Da hätte ich auch schon wieder rot sehen können! Kann ich mir gut vorstellen, dass Sheriff mit uns trinken gehen will: er kriegt seinen Alkohol, neues Benzin und eine sorgenfreie Zeit, denn alles ist für umsonst.

Macht ja nichts und ist auch egal! Mit etwas Geschick kann ich Sheriff auch leicht aus dem Weg gehen.

Am nächsten Tag war ich am Anfang ein wenig angesäuert, weil uns komplett kurzfristig gesagt wurde, dass Ruven und ich zu einem Radiointerview zur Brong Ahafo Region müssen. Um 11 Uhr sollte es losgehen und wehe wir wären nicht rechtzeitig fertig gewesen! Das wurde uns noch gesagt. Klar, dass es erst eine Stunde später losging. Naja, der Trip entwickelte sich eigentlich als ziemlich interessant. Ab einem bestimmten Zeitpunkt begann die Landschaft echt schön zu werden und wir machten einige Fotos. Dann hatten wir auch die interessante Erfahrung eines Plattens am Auto. Man muss sich das so vorstellen. Wir fahren so dahin… Ruven und ich am lesen. Plötzlich kommt aus dem nichts ein komplett ungewöhnliches Geräusch: klackklackklackklackklack… wir schrecken alle auf und der Fahrer fährt an die Seite der Straße. Erst kann nichts gefunden werden, aber ich entdeckte dann den Schaden. An einen der Reifen ist wohl irgendetwas Scharfes gekommen, weswegen es die obere Schicht des Mantels auf gerissen hat. Glück im Unglück, das hätte auch richtig schief gehen können! Naja, dann haben wir den Reifen gewechselt und haben den Reifen im nächsten Dorf reparieren lassen. Weiter ging die Fahrt. Natürlich übermannte uns auch bald die Müdigkeit, so dass ich total verschlafen war, als wir endlich die Radiostation erreichten. Sie hieß Jeffreyson Fm – The Exclusive Station… Wir warteten eine Weile und dann wurden wir ins Aufnahmezimmer geholt. Auf der Fahrt hatten wir mit Sakkordie besprochen, was wann gesagt werden sollte und dass wir uns keine Sorgen machen müssten, weil wir sowieso erstmal einen Probedurchlauf machen würden. Tja, Pustekuchen von wegen Probedurchlauf. Zum ersten Mal beim Radio und gleich live dabei… Aber wir mussten glücklicherweise nicht viel reden. Sakkordie erledigte das. Wir sagten dann nur manches auf Deutsch und sagten wenige Sätze über uns selbst. Am Ende mussten wir noch die Radiostation auf Deutsch anpreisen, was eigentlich ganz witzig war. Und schon war die Vorstellung vorbei. Nach etwa 4,5 Stunden Fahrt, waren diese 30 Minuten der Grund unseres Herkommens. Halt! Noch nicht ganz. Ruven und ich musste noch etwas sagen wie: Hi, my name is Fabian Hofmann. And everytime I’m visiting Brong Ahafo, I’m listening to Jeffreyson Fm…

Aber eigentlich war das ganze ziemlich witzig. Zum gelungenen Abschluss bekamen wir dann auch noch Foufou von der Schule ausgegeben. Diesmal mit Bushmeat, was neben Chicken das leckerste Fleisch ist, das ich hier drüben gegessen hab. Auf dem Rückweg unterhielt ich mich dann noch eine Runde mit Davidad, die ebenfalls Lehrerin an unserer Schule ist und unterstützend mitgekommen ist. Ich fragte sie, was denn so das schärfste ist, was man hier in Ghana an Gericht bekommen kann. Die Antwort war Kele-Wele oder so. Und wir sollten einfach Lucy fragen, ob sie uns zeigen kann wie es geht. Unglücklicherweise bekam ich in den Tagen danach so krasse Magenbeschwerden, dass ich scharfe Speisen gar nicht herunter bekommen konnte. Naja, so ist das Leben.

Als wir wieder zu Hause waren, erzählte uns Cornelius ganz aufgeregt von seinen Erlebnissen. Er hatte eine Gottesanbeterin beim Fressen sehen und fotografieren können und das Beste: er hatte zusehen dürfen, wie die Schüler eine Katze schlachteten und aßen. Er hatte auch ein Stück probieren dürfen und meinte, dass es eigentlich ganz lecker war. Die Bilder von der Katze würde ich gerne uploaden, aber dazu ist mein Internet zu langsam. Tja, fragt mich einfach mal in einem Jahr wieder.

Und noch etwas trug sich an diesem Abend zu. Jonas, der Volunteer aus Accra kreuzte endlich bei uns auf. Und es gab viel zu erzählen! Er war nämlich kein bisschen glücklich mit seiner Stelle. Es gab Intrigen über Intrigen und nichts bewegte sich. Dadurch kam er auch nicht dazu zu arbeiten, was sich doch sehr auf sein Gemüt auswirkte. Er fühlte sich einfach relativ unnütz. Davor beneidete ich ihn unendlich um seine Stelle, weil er allein war und somit Ghana viel krasser erleben musste. Er sollte eigentlich eine Gastfamilie bekommen, die ihm natürlich Twi und Kochen beigebracht hätte. Aber er lebte nur in einer heruntergekommenen Jugendherberge und in seiner Organisation redeten die wenigsten Twi, wodurch er auch nur 2 bis 3 Worte auf Twi sprechen konnte. Naja, aber immerhin kam er viel zum Reisen, weil er als eine Art Botschafter zu einigen Treffen in ganz Ghana eingeladen war. So zeigte er uns am Samstagabend auch unglaublich viele Fotos von Sehenswürdigkeiten, die wir in einem Jahr nicht sehen würden.

Aber der Subtext von Jonas‘ Erzählungen war doch eher negativ. Besonders als er dann sah, was wir für ein gediegenes Leben hatten und haben.

Der nächste Tag begann mit Kirche… Debora hatte mich und Cornelius nämlich zwei, drei Tage zuvor eingeladen. Also gingen wir mit ihr und Anita zum Campusgelände. Kurz vor der Ankunft wurde uns dann auch offenbart, dass wir uns aufteilen würden, denn Anita und Debora besuchten unterschiedliche Kirchen. Also zog mich Debora ins presbyterische Kirchenzimmer (denn der Gottesdienst fand in Unterrichtsräumen statt) und Cornelius wurde von Anita verschleppt. Naja, in meinem Zimmer war schon eine ziemliche Fete am laufen. Soll heißen, es wurde geklatscht, gesungen und getanzt. Ganz normal also. Mir wurde ein Platz zugewiesen, aber ich setzte mich zurück neben Debo, weil ich sie fragen konnte, wenn ich irgendwas nicht verstanden habe. Zum Gottesdienst selbst kann ich nicht so viel sagen, aber zwischendurch regnete es wieder heftig, weswegen es am Ende der Vorstellung unmöglich war keine komplett durchgeweichten Schuhe zu haben. Sonst gibt es hierzu eigentlich nicht so viel zu erzählen, denn der Gottesdienst hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Aber ein, zwei Vorteile hatte er, denn erstens war er extrem kurz (nur 2 Stunden) und es gab am Ende noch Wein und Oblaten. Zu allem Überfluss gab es bei Anitas Gottesdienst auch Essen und Trinken und auch dahin wurde ich noch eingeladen. Nachdem alle Messen gesungen waren, wollten die Mädels noch Bilder machen. Danach gingen alle außer mir nach Hause, da ich noch etwas auf dem Campusgelände zu tun hatte.

Nun ja, nachdem ich dann auch wieder zu Hause war, einigten wir uns darauf Jonas Kumasi zu zeigen. Leider ist der Sonntag dafür nicht soo sehr geeignet, aber immerhin konnte er mal die Ausmaße des Zentralmarktes kennen lernen. Er zeigte uns auch, wie man Kokosnüsse richtig kauft und danach hatten Cornelius und ich (bis heute) ein ständiges Verlangen nach Kokos. Frisch und etwas gekühlt schmeckt das aber auch zu geil! Naja, als wir dann wieder in Denkyemuoso waren, machten wir uns fertig um zu PK zu gehen. Als wir kurze Zeit später bei ihm waren, mussten wir erstmal etwas zu essen klar machen. Wir kauften die Zutaten für Reis und Tomaten-Ei-Suppe im Dorf und es wurden einige Bierflaschen gekauft, von denen ich aber letztendlich nichts wollte, da mit diesem Sonntag die Phase begann, in der ich die ganze Zeit irgendwie kränklich war. Das Essen war richtig geil und obwohl mir schlecht war, aß ich immer weiter. Am Ende war mir richtig unangenehm schlecht, aber das war es irgendwie auch wert. Und wie ich so darüber schreibe, bekomme ich eine extreme Lust auf Reis mit Tomate-Ei-Soße… Alter, war die lecker!

Abe damit war der Abend für mich gelaufen. Ich bestellte ein Taxi und fuhr nach Hause. Die anderen wollten sich eigentlich noch in einen Club abseilen, aber dazu ist es dann wohl nie gekommen. So ganz hab ich es nicht mehr im Kopf, doch sie sind wohl ewig weit gelaufen ohne etwas zu erleben. Naja Mareike erlebte PK… Denn der war diesmal noch offener. Als sie alle nach Hause kamen, schien Mareike richtig geladen zu sein, deswegen fragte ich auch nicht nach. Mir tat es nur Leid für Jonas, der extra noch den Abend frei genommen hatte, um dann so eine Nacht erleben zu müssen.

Der nächste Tag war dann ziemlich besonders, denn er sollte eine Wendung bringen. Erstmal nämlich ging es Ruven auf einmal richtig schlecht. Er erbrach sich und ging diesen Tag noch ins Krankenhaus. Dort wurde gesagt, dass er wohl Malaria habe… Wow, das war eine Nachricht! Und auch irgendwie Schicksalsschlag. Denn eigentlich war ich es immer, der es drauf angelegt hat. Derjenige, der nie Mückenabwehrmittel verwendet, mal vom Mückennetz abgesehen. Und dann sollte Ruven Malaria haben. Tja, er bekam Tabletten und nach der Behandlung wurde er nochmal getestet und da kam heraus, dass er gar keine Malaria hatte. Aber die Krankheit meine ich mit Wendung gar nicht, denn für mich passierte etwas viel Eindrücklicheres. Diesen Morgen sollte ich nämlich bei dem zweiten Lehrjahr Englischunterricht geben. Jedoch mit Debo zusammen. Also ging ich davon aus, dass sie was vorbereitet hat. Hatte sie bestimmt auch, doch sie wurde zu einem Gespräch mit Sakkordie gerufen, somit wurde ich ins kalte Wasser geworfen und sollte eine Klasse unterrichten ohne auch nur irgendwie vorbereitet zu sein. Naja, ich hatte noch ein Diktat übrig, was ich auch gleich durchzog. Aber da meine Schüler meinen Akzent nur schwer verstehen, war ich oft auf die Hilfe meiner Schüler angewiesen, was das ganze etwas sinnlos gestaltete. Einer der Schüler, Sylvester, zog das Ganze auch recht stark ins lächerliche. Wenn ich ihn um Ruhe und Ernsthaftigkeit bat, ließ er für ein, zwei Sekunden von seinem Unsinn ab und konzentrierte sich. Die Sache ist ja, dass er eigentlich ein kluger Schüler ist und sicherlich der Zweit- oder Drittbeste der Klasse ist und der Beste sein könnte, aber ihm ist es einfach zu egal. Als die Leute dann meine Unsicherheit und Schwäche gelesen hatten, erlaubten sie sich mehr und mehr. Sie redeten auf Twi und als ich um English bat, wurde ich wenig bis gar nicht beachtet. Manche Schüler reagierten auch einfach überhaupt nicht auf mich. Eine Schülerin ließ sich auch nichts sagen, schien angepisst zu sein, wenn persönlich angesprochen. Ich wusste nicht was ich mit ihr anstellen sollte. Sie aufzugeben schien mir am Anfang noch zu einfach, aber nach diesem Tag war es mir dann schon so etwas wie egal. Denn als das Diktat vorbei und korrigiert war, wusste ich nicht mehr worüber ich reden sollte. Fragte also nach einigen Sachen der letzten Stunde, was mir zeigte, dass nicht mal ich davon eine hundertprozentige Ahnung hatte. Auf jeden Fall wurden die Schüler immer unruhiger und ich hoffte immer mehr auf die Rückkehr von Debo. Und dann kam sie irgendwann. Ich war schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil kaum noch englische Worte im Raum schwirrten. Und kurz nach ihr kam Sakkordie und hatte die flotte Idee, sich doch mal Respekt zu verschaffen, indem er allen, die keine ordentlich rasierten Haare hatten (hier ist ein Milimeterschnitt ziemlich normal) die Haare zu verunstalten, sodass sie sie schneiden mussten. Der Einzige, der daran Spaß hatte, war eindeutig Sak. Und ich darf behaupten, dass ich den Schaden hatte. Denn ich verstand weder den Sinn der ganzen Veranstaltung, noch konnte ich die Schüler danach auch nur ansatzweise bändigen. Ich war verzweifelt, denn die Schüler gifteten sich auf Twi an, waren echt kurz dafür einen handgreiflichen Streit anzufangen. Das war zu viel für mich. Debo schlug vor einfach aus dem Raum zu gehen, sodass die Schüler vielleicht merken würden, was sie da eigentlich taten. Danach berichtete ich die Vorfälle Sakkordie und ging zu meinem Zimmer. Als ich außer Reichweite allens war und dort Ruven und Jonas in unserem Zimmer saßen, brach ich hoffnungslos in Tränen aus. Keine Chance aufzuhören. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Die Schüler hatten mein Nervenkostüm durchlöchert, wie Motten. Es dauerte bis zum nächsten Morgen bis ich mich soweit gefangen hatte, dass ich nicht sofort zu weinen begann, wenn ich mit irgendwem sprach. Das war ein interessantes Erlebnis. Im Nachhinein hatte ich eine Rücksprache mit Sakkordie, der mir schilderte, dass seine Aktion absolut nachvollziehbar und sinnvoll wäre und Debo wegen der aus-der-Klasse-geh-Sache rügte. Das war auch wirklich nicht so professionell. Aber für mich war es vielleicht das Beste. Dann hatte ich auch noch mit zwei Schülern der Klasse eine kurze, ungezwungene Rücksprache, in der sie sich unaufgefordert entschuldigten und ihre Probleme darlegten und mir gut zusprachen. Danach ging es mir auf jeden Fall wieder gut. Denn ich wollte die Klasse auf keinen Fall aufgeben, was ich aber musste. Naja, als ich nach der ganzen Aktion bei den Lehrern saß, regten die sich über unbändige Schüler auf, die es nicht besser verdient hätten. Während mir lieb auf die Schulter geklopft wurde. Das fand ich dann auch nicht total toll, aber sie wollten ja nur helfen. Tja, no hard feelings. Am nächsten Tag war eigentlich schon alles vergeben und vergessen, denn ich sollte mit Ruven zusammen wieder als Modepüppchen mit Sakkordie mitkommen. Doch weil Ruven krank war, kam Cornelius mit. Diesmal blieben wir innerhalb der Asante Region. Wir fuhren etwa 1,5 Stunden irgendwo hin. Den Namen des Dorfes hab ich vergessen. Angekommen, liefen wir zum lokalen Informationszentrum und riefen die Attribute unserer Schule aus. Daraufhin sollten einige Leute kommen und Fragen stellen. Cornelius und ich stellten uns eigentlich nur vor und schauten dann Kindern hinterher, weil die die einzigen waren, die sich ernsthaft für uns interessierten. Naja, nachdem wir in dem Zentrum fertig waren, ließen wir uns von unseren Füßen, Sakkordie hinterher tragen. Übrigens war diesmal der Lehrer mit, mit dem ich mein erstes Gespräch über Gott hatte. Er ist ein sehr angenehmer, ruhiger Zeitgenosse. Naja, während Sakkordie und dieser Lehrer eher nach Erwachsenen suchten, die Kinder und Geld haben, suchten wir nach Kindern, mit denen man gut spielen kann. Wer jemals hier gewesen ist, wird wissen, was ich meine. Tja, irgendwann kamen wir dann bei einem Foufoustand an und durften selbst mal ein bisschen zermatschen, machten es aber offensichtlich falsch, denn die Foufoufrau lachte uns aus. Naja, auf dem Rückweg waren wieder Kinder angesagt. Dann fuhren wir ins nächste Dorf. Das war ein bisschen größer, aber der Ablauf war ähnlich. Während Sakkordie Dinge über die Schule verlauten ließ, spielten wir eine Art Verstecken mit den Kindern. Die Kinder mussten versuchen uns zu sehen, ohne dass wir sie sehen. Das war ganz witzig. Und da war auch ein übersüßes kleines Mädchen, das anfangs noch total Angst vor uns hatte und uns nach 20 Minuten schon die Hand gab. In der dritten Stadt gab es dann Foufou für uns. Wir besuchten nämlich den Vater des Lehrers und der hatte extra was für uns vorbereitet. Danach erzählten wir auch hier von unserer Schule. Diesmal aber nicht über Lautsprecher, wie in den beiden Dörfern davor, sondern diesmal auf dem öffentlichen Marktplatz. Das war irgendwie komisch, weil einen da alle angestarrt haben. Naja, als der Spaß dann vorbei war, machte ich noch einige Fotos von einem Mann der Kentestoffe webte und gefühlte tausend Bilder von den Kindern, die auf absolut krasse Art und Weise auf eine Digitalkamera abgehen.

Tja, der Chief der Stadt lud uns auch ein, mal wieder aus Spaß ins Dorf zurück zu kommen und ein anderer gab uns seine Handynummer. Hier wollten wir unbedingt wieder hin. Nicht etwa, weil wir eine so besondere Bindung zu den Menschen aufgebaut hatten, sondern viel mehr wegen der Landschaft. Den umliegenden Wald, da waren Cornelius und ich uns sicher, wollten wir unbedingt mal besuchen!

Naja, dann war nur noch eine Adresse auf unserem Fahrplan, bevor wir nach Hause fahren sollten. Wir besuchten eine Schule und haben den Principal der Schule darum gebeten, einige Schüler seiner Schule an uns weiterzureichen. Er schien ganz froh darüber zu sein und gab Cornelius und mir seine Handynummer, weil er sich mit uns treffen wollte, wenn er mal unsere Schule besuchen kommen sollte.

Danach war der Tag eigentlich auch schon wieder vorbei, denn zu Hause fiel ich einfach nur noch in mein Bett. Auf dieser Fahrt las ich übrigens auch „Wüstenblume“ aus. Ein unglaubliches Buch und überaus zu empfehlen! Es geht um eine somalische Nomadentochter, die über Umwege aus ihrem Leben heraus nach London kommt und dort eine Modelkarriere startet. Es beruht auf dem Lebenslauf der Autorin. Das Buch hat mir gezeigt, wie gut es den Leuten hier geht, im Vergleich zu den aus anderen afrikanischen Ländern.

Tja, am nächsten Tag hatte ich das erste Mal mit dem ersten Lehrjahr Unterricht. Soll heißen ich saß da, während Debo ihren Vortrag hielt. Diesmal ausgesprochen zielstrebig und, anders als sonst, hat sie diesmal kein Wort zugelassen. Deswegen lief der Unterricht ziemlich gut, nur war mir schnell langweilig, da ich nichts zu tun hatte und es auch nicht spannend war, weil ich alles schon in den anderen Klassen gehört hatte. Naja, später haben wir dann endlich mal eine Art Betaversion des Stundenplans bekommen. Da waren noch kleine Fehler, aber das war kein Problem, denn ich war so froh, dass es endlich bald geregelte Bahnen geben würde. Bahnen, in denen man im Voraus planen konnte.

Diesmal hatte ich auf dem Volleyballplatz eine interessante Erfahrung machen dürfen. Denn ich kam zu früh zum Training und nur einer war da. Er lud mich ein mit ihm zu kommen und sich in den Gemeinschaftsraum der Schule zu chillen. Das tat ich natürlich gerne. Die Leute schauten sich gerade ein Fußballspiel an. Chelsea gegen Hearts… Aha, dachte ich. Premier League. Das war es auch, aber halt die ghanaische. Die Hearts sind ein Team aus Accra, die letztes Jahr den Meisterschaftstitel gewonnen hatten. Ich hatte keine Ahnung wo Chelsea herkam, aber die meisten der Leute waren für diese Mannschaft. Die ganze Zeit machten sich die Zuschauer gegenseitig runter. Lachten einander aus, weil die jeweils andere Mannschaft Unglück hatte und ähnliches. Es war einfach zu lustig! Dann kam irgendwann einer der besseren Volleyballspieler und hielt knallhart auf Hearts. Als diese dann ein Tor schossen, flog er förmlich durch den Raum, blieb bei jedem zweiten stehen und machte Witze. Ich fragte mich, wie ein echtes Spiel laufen würde.

Am Abend rief mich eine ehemalige Freiwillige an, Jessica Rex. Sie erzählte mir von einigen Projekten, die sie hier hatte. Zum Beispiel hatte sie einen Schützling, der tatsächlich nicht lesen konnte. Also hatte sie es sich zum Ziel gesetzt, ihm genau das beizubringen. Ich sollte ihre Arbeit nun fortführen, was ich etwa eine Woche später begann. Dann erzählte sie mir auch von einigen Problemkindern der Schule, die zwar gesponsort werden, aber nicht so recht einsehen, warum sie hier sind. Sie riet mir also, doch mal zu versuchen mich um den einen oder anderen zu kümmern. Mal sehen was daraus wird.

Am nächsten Tag hatte ich wieder eine Stunde mit dem zweien Lehrjahr und sie waren wie ausgewechselt, denn Debo zog ihren Unterricht diesmal absolut sauber durch und ließ wieder keine Gespräche zu, die nicht mit dem Unterricht zu tun hatten. Sie schrieb die ganze Zeit. Für deutsche Verhältnisse viel zu frontal, aber die Schüler fanden es gut und hatten ein positives Gefühl danach. Absolut unverständlich. Naja, eigentlich hätte ich danach meine erste richtige Stunde mit dem ersten Lehrjahr gehabt, aber ich wurde von Keykey aus Accra angerufen und der sagte uns, dass unsere Passbilder nicht von der Embassy angenommen wurden und deswegen unsere Visen nicht verlängert werden können, außer wir machen so schnell wie möglich neue. Also stürzten Mareike und ich Hals-über-Kopf nach Kumasi um dort Cornelius und Ruven zu treffen. Doch die beiden waren noch im Krankenhaus wegen Ruvens Malariatest. Also entschied ich erstmal was zu essen. Danach hatte ich ein extrem unangenehmes Bauchgefühl und schnell begann ich von Bauchkrämpfen, hervorgerufen durch ein dringendes Verlangen sich zu erleichtern, gepiesackt zu werden. Also suchten wir beide eine Bedürfnisanstalt, doch das war leichter gesagt als getan. Ich konnte teilweise nicht mehr laufen vor Schmerzen und dachte schon ich würde platzen, doch dann sagte Mareike, dass sie wüsste, dass hier irgendwo in der Nähe eine Toilette sein solle. Also liefen wir dahin, liefen aber in eine falsche Straße und staden ohne Toilette da. Ich dachte ich müsste sterben! Also sprach ich eine Frau an und wollte wissen wo ich mich erleichtern könne. Sie schickte ihre Tochter mit uns und wir ließen uns leiten. Nach einer gefühlten Ewigkeit und etwa 4 Stopps wegen Krämpfen, kamen wir endlich an und die Welt war wieder in Ordnung. Wir schossen die Bilder, ließen uns von unserem persönlichen Straßenverkäufer zur Poststation führen und schickten die Bilder endlich ab. Ach ja, die Bilder wurden nicht etwa in einem Automaten gemacht, sondern auf offener Straße, auf einem Hocker und vor einem weißen Bettlaken. Sie waren vollkommen überbelichtet… Aber egal, Hauptsache Passbilder!

So der nächste Tag war ein Freitag. Also der geilste Tag in der Woche, denn ich habe keinen Unterricht und zukünftig sind Freitage Practicaltage und das heißt, dass es bald etwas zu essen gibt. Naja, ich hab eigentlich ziemlich hart entspannt und mich mit Ruven noch ein wenig um die Bibliothek gekümmert. Dabei haben wir es tatsächlich geschafft, auch die letzten Bücher in die richtige Reihenfolge zu bringen. Endlich! Jetzt fehlte nur noch die Beschriftung an den Schränken. Naja, die Freude war dann schnell vorüber, denn nachdem die ersten Lehrer in der neu arrangierten Bibliothek waren, war die Hälfte wieder durcheinander. Das war nicht so witzig. Aber naja, nachdem die Schule vorbei war, sollte ich mich dann endlich mal dazu zusammenreißen, mich mit Ike und Sampson zusammenzusetzten und mich ums Internet kümmern. Dafür gingen wir zusammen mit noch 4 Schülern zur Uni und ich ließ 5 Schüler beim Volleyballplatz zusammen mit einem Basketball und den Federballschlägern und nahm einen mit mir mit. Ike war der erste. Erstmal wollte er, dass wir seinen Facebookaccount auf Vordermann bringen. Doch der war noch nicht mal richtig eingerichtet. Er musste noch einige Sachen bestätigen, bevor er überhaupt Zugriff auf Facebook hatte. Dann uploadeten wir ein Profilbild und daraufhin gingen wir erstmal offline, denn er wollte eine Nachricht schreiben. Das dauert aber ewig, weil er das Ein-Finger-System verwendet. Und zwar mit Suchfunktion für jeden Buchstaben. Für eine Zeile brauchte er gefühlte 5 Minuten. Vielleicht auch 10… Ich weiß es nicht. Die ganze Nachricht wollte ich mir nicht antun, weswegen ich bald zum Volleyballfeld floh. Doch mittlerweile begann es zu regnen, stark zu regnen! Doch ich kümmerte mich nicht drum. Es fühlte sich großartig an, durch den warmen Regen zu laufen, während das Wasser in Strömen über mich floss. Dann versuchte ich ein bisschen Basketball zu spielen, versagte dabei aber heftigst. Durch den ganzen Regen, war das Spiel unberechenbar. Naja, dann spielte ich erstmal nichts mehr, weil es mir zu dumm wurde. Aus Volleyball wurde natürlich auch nichts. Aber da die anderen Federball spielten, spielte ich ein bisschen mit, aber wegen dem Regen war das relativ gesundheitsgefährdend. Aber es hielt mich für eine lange Zeit unter dem Regen. Bald wurde es etwas windig, wodurch mir ziemlich kalt wurde. Ich war so dumm! Nach etwa 1,5 Stunden kamen Cornelius, Ruven und Ike, was mir sagte, dass ich nun Sampson in Computertechnologie unterrichten sollte. Denn er hatte noch nie vor einem Computer gesessen. Weswegen er auch kaum mit dem ganzen Zeig klar kam. Es stellte meine Geduld sehr auf die Folter. Aber wir richteten ihm einen Emailaccount ein. Ob das so sinnvoll war, weiß ich nicht, aber Sampson war glücklich. Das war auch schon mal was wert. Naja, mir ging es mit der Zeit immer schlechter und ich fühlte mich echt unwohl. Deswegen überzeugte ich Sampson bald nach Hause zu gehen. Damit war eine Woche Krankheit eingeleitet. Der nächste Tag war einfach nur total schlimm! Ich konnte kaum aufstehen und schlief den ganzen Tag. Die anderen gingen nach Kumasi und kauften dort Stoffe für spezialangefertigte Hemden und sie schauten sich noch so ein bisschen um. Naja, ich war zwar traurig wegen den Stoffen, aber ich war froh zu Hause chillen zu können. Am nächsten Tag wurden wir dann wieder zur Kirche eingeladen. Diesmal aber auf dem Schulgelände. Stephen der Mathelehrer war der Priester und Debo hat irgendwie assistiert. Als wir da ankamen, etwa eine halbe Stunde zu spät, tanzten die Schüler schon im Kreis und freuten sich. Naja es war aber sonst nicht weiter spannend und nicht annähernd so professionell, wie in richtigen Kirchen. Danach musste Mareike ins Krankenhaus, denn nachdem sie am Vortrag nach Hause gekommen war, verschwand sie in ihrem Zimmer, ohne zurück zu kehren. Jeff und Ruven begleiteten sie und Cornelius kam bald darauf nach. Ich brauchte Ewigkeiten meine Sachen zu waschen, denn ich hatte wirklich fast alles, was ich mitgenommen hatte, ungewaschen gelassen. Die 4 Stunden waschen, waren also die gerechte Strafe. Aber es sollte noch mehr Strafe kommen. Am Vortrag besuchte uns Prince und sagte uns, dass Ghana in Kumasi gegen Sudan spielen sollte. Er lud uns ein, mit ihm zu kommen, was wir auch unbedingt wollten. Er wollte uns extra Karten besorgen, sodass wir nicht anstehen müssten. Naja, Ruven und Cornelius waren schon in der Stadt und hörten, dass das Spiel schon um 3, anstatt von 5 losgehen sollte. Deswegen hasteten sie zum Stadion und merkten dort, dass es um 5 losgeht. So warfen sie sinnlos das Geld zum Fenster raus, was Prince schon für sie ausgegeben hatte. Naja, irgendwann holte mich Prince ab und wir fuhren in aller Ruhe zum Stadion. Dort trafen wir noch einige Freunde von Prince, die mit uns kommen sollten. Am Stadion verkaufte Prince die Karten auch recht schnell, weil man für die Karten am Schalter nun ewig anstehen musste. Naja, bald gingen wir durch das Tor zum Stadion. Das war schon eine Hatz, denn man musste sich irgendwie durchquetschen und gleichzeitig darauf achten, dass einem nichts geklaut wird. Gar nicht mal so einfach, aber ich hatte Glück. IM Stadion wollte wir uns dann mit Ruven und Cornelius treffen, doch das war einfacher gesagt, als getan, denn das Stadion konnte 45000 Personen fassen und es war schon fast voll. Zwar sahen wir einige weiße Leute, aber es stellte sich heraus, dass die beiden auf der anderen Seite des Stadions waren und ich somit keine Chance hatte zu ihnen zu stoßen. Also blieben Prince und ich auf unserer Seite des Stadions. Während der Verständigung zwischen uns Oburoni ging zu allem Überfluss mein Handyguthaben flöten und im Verlauf der ersten Halbzeit auch meine Akkuladung. Naja, halb so schlimm dachte ich! Denn das Spiel begann und sorgte für viele Eindrücke. Ich dachte aber, dass die Ghanaer mehr abgehen. Es war witzig, sie so zu sehen, aber es war nicht mehr oder weniger als in Deutschland. Tja, was solls. In der ersten Halbzeit fiel kein Tor, also waren alle Leute etwas unruhig, aber es wurde die ganze Zeit versichert, dass man nur warten müsste, da die Ghanaer die stärkere Mannschaft sind. Tja, nach der ersten Halbzeit wollten Prince und ich uns mit den beiden anderen treffen. Also gingen wir aus dem Kessel raus und liefen um das Stadion herum, bis uns ein Tor aufhielt. Doch wir hatten Glück, es sollte geöffnet werden, zwar nur für wenige Personen, aber die wütende Menge, die um das Tor stand, riss selbiges schnell auf und eine Flut Menschen stürzte auf mich ein. Prince kam durch, doch als die Polizisten das Tor wieder schlossen, stand ich noch auf meiner Seite. Es gab scheinbar keinen Weg zu Prince und den beiden anderen zu kommen. Also machten Prince und ich uns aus, dass wir uns nach dem Spiel wieder am Tor treffen würden. Doch ich gab noch nicht ganz auf und heulte einer Polizistin vor, dass ich meinen Fremdenführer verloren hätte, blablabla. Sie wollte mir helfen. Doch nun wurde es richtig verrückt. Die Leute fingen an total durchzudrehen. Sie kletterten über das Tor, doch damit nicht genug, auch Leute von draußen kamen ins Stadion rein, und zwar über die Zäune. Es war einfach nur krank! Naja, dann wurde das Tor auch bald geöffnet, sodass sich keiner verletzen konnte. Der Weg war frei, aber das Ziel verborgen. Ich ging also zur ausgemachten Stelle, aber da war natürlich keiner… Also musste ich sie iwie im Stadion suchen. Doch wie? Denn jetzt waren viel zu viele Leute im Stadion, denn etwa 10 Prozent der Leute, waren jetzt ohne Karte im Stadion, was es schon ordentlich voller erscheinen ließ! Ich hatte kaum Chancen nach oben zu kommen, um dort die weißen Köpfe zu suchen, also ich sie dann gefunden hatte, war es vergebens nach unten klettern zu wollen! Zu viele wütende Gesichter. Also entschied ich mich zunächst dafür auf der Brüstung der Stadionwand zu stehen. Also so, dass ich den Zaun vor mir hab und den Abgrund unter mir, denn nur so konnte ich halbwegs entspannt schauen. Aber nach 3 Minuten waren die 15 Meter unter mir zu viel. Also kletterte ich wieder zurück und suchte mir einen passablen Stehplatz. Letztendlich war ich nur 5 bis 10 Meter von Ruven und Cornelius entfernt, aber ich hatte keine Chance zu kommunizieren. Es war schrecklich, aber naja. Was schrecklicher war, waren die Reaktionen der Menge auf mich, denn sie schrien mich an, lachten, riefen auf Englisch und Twi, doch ich verstand nichts. Das war überaus unangenehm. Naja, dann lief auch bald die zweite Halbzeit. Wieder kein Tor für Ghana. Dafür eine rote Karte für Asamoah Gyan, den Publikumsliebling. Das sorgte natürlich für Wut! Besonders, da kurz zuvor eine Art 11-Meter daneben ging. Eine Wasserschlacht wurde im Publikum entfacht und bald spritzte nicht nur das Wasser durch die Gegend, sondern es flogen auch Wasserpäckchen und Flaschen. Heftig, heftig! Naja, nachdem Gyan vom Platz war, folgten ihm auch bald die ersten Fans. Und nachdem der Schlusspfiff ertönte, wollten alle raus. Ich kam sogar mit fremder Hilfe sehr schnell raus und wartete auf Ruven und Cornelius, denn Prince konnte ich nirgendwo sehen. Wenn das mein ärgstes Problem gewesen wäre, dann wäre alles gut gewesen, doch mit der roten Karte von Gyan begann auch ein Schauer… Am Anfang war es noch ein wenig und kein Problem. Deswegen wartete ich anfangs auch noch direkt vor dem Eingang. Doch dann wurde es mehr und mehr, die Leute begannen panisch durch die Gegend zu stürzen. Ich stellte mich an irgendeine Wand, von der ich trotzdem den Eingang beobachten konnte ohne allzu nass zu werden. Hab ich schon erwähnt, dass es mittlerweile stockfinster war? Auch nicht so 100 Prozent witzig. Ruven und Cornelius ließen sich auch einfach nicht blicken, also gab ich es auf und wollte zumindest Prince treffen. Ich muss sagen, dass ich schon ein wenig angesäuert war, weil ich Ruven und Corny nicht finden konnte, weshalb ich dann einfach durch den Regen mit voller Gelassenheit zum Tor lief. Dort waren natürlich x Ghanaer, aber kein einziger Prince. Ich wartete und beobachtete das ganze Treiben und wurde immer verzweifelter. Ich machte mir sogar schon einen Text zurecht, mit dem ich im Taxi nicht so viel Geld bezahlen müsste. Dann fasste ich einen Entschluss und ging einfach los. Ich sah ein paar Weiße und es zog mich einfach zu ihnen hin, doch sie konnten mir nicht weiterhelfen, denn sie mussten ganz woanders hin. Naja, dann ging ich einfach eine Runde mit der Menge mit. Ich machte noch einen kleinen Abstecher zum Haupteingang, weil ich hoffte einen Freund von Prince zu treffen. Doch da war natürlich keiner seiner Freunde. Aber er selber! Ich weiß nicht, wie ich diese Art Zufall ausdrücken soll, es war einfach zu geil! Von da an machte ich mir keine Sorgen mehr. Er führte den Weg an, nachdem ich ihm erklärt hatte, dass es unmöglich sei Ruven und Corny zu finden. Wir folgten also auch einfach dem Strom der Menschen, während es immer weiter und ohne Gnade schüttete. Schnell waren wir beide natürlich bis auf die Knochen durchweicht. Und da bogen wir in eine Seitengasse ab und waren vorm Regen sicher. Es war traumhaft! Er kannte dort nämlich eine Person, sie war die Freundin seiner Mutter. Diese gab uns dann erstmal ein Dach überm Kopf und später auch noch jeweils einen Pullover und sogar einen Fleischspieß. Das war ziemlicher Luxus, denn das alles geschah aus Nächstenliebe. Beim Umziehen kam ihre Tochter an und beobachtete mich… Naja, wenn sie nicht 9 gewesen wäre, hätte es mich sicherlich gezuckt, aber so konnte ich drüber lachen. Denn sie erzählte dann ganz aufgeregt ihrer Freundin was sie gesehen hatte (Prince übersetzte frei). Naja, irgendwann hörte es endlich auf zu regnen. Und wir gingen los in Richtung Kejetia (ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt hatte, dass so die Gegend um den Busbahnhof heißt). Der Weg war lang und nass, aber uns war ja beiden glücklicherweise wieder etwas wärmer, da wir neue Oberteile anhatten. Zwischendurch sprach mich jemand an: Hey Fabian! How are you?`Are you going back to Denkyemuoso? Wow, hätte ich den Typen gekannt, wäre ich vielleicht nicht so baff gewesen! Aber er musste sich genauso schnell verabschieden, wie er sich gemeldet hatte. So konnte ich nicht weiter nachfragen. Nach etwa 45 bis 60 Minuten Laufen und viel Gespräch kamen wir in Kejetia an. Dort warteten wir dann etwa eine halbe Stunde auf den Bus. Doch der wollte ums Verrecken nicht kommen! Also gingen wir weiter nach Bantama. Nochmal 30 Minuten… Dort fanden wir nach kurzer Zeit ein Taxi, was uns mitnehmen wollte. Welch Glück! Im Taxi erfuhr ich, dass die Person, die neben mir saß, ein Premier League Fußballer war. Und zwar ein Auswechselspieler von Chelsea. Also der Mannschaft, die ich ein paar Tage zuvor im Gemeinschaftsraum der Uni gesehen hatte. Das war schon ziemlich geil. Lustig war auch, dass es sich bei besagtem Spieler um einen guten Freund von Prince handelte. Die Taxifahrt ging leider nur in Richtung Tanoso. Das heißt, wir stiegen an der Uni aus und mussten noch den beschwerlichen Weg nach Hause laufen. Als ich zu Hause war, wurde ich schon erwartet. Es war 22:30 Uhr. Das Spiel hatte 19 Uhr geendet… Ruven und Corny waren schon 1,5 Stunden da. Ich hatte mir also ordentlich Zeit gelassen. Naja, mal von den Erfahrungen abgesehen hatte meine Rückreise nur einen Vorteil gegenüber den beiden, denn ich bezahlte nur einen Cedi anstatt von 3,50 Cedi für die Rückfahrt. War es das wert? Eigentlich schon! J

Als Belohnung hatte ich am nächsten Tag wieder Kopfschmerzen, Fieber und ich war auf Duty. Das heißt um 4:30 aufstehen und die Schüler aus den Betten klingeln. Dann sollte ich die Schüler sowieso die ganze Zeit überwachen, also zu ihrer Hausaufgaben und Lernzeit. Beim ins Bett gehen. Und danach. Soll heißen ich sollte von 4:30 bis 12:00 munter sein. Das wurde am ersten Tag natürlich nichts. Schon nur weil ich nichts von den Aufgaben wusste, nur, dass ich Duty hatte. Und das für einen Woche… Naja, ich stand also rechtzeitig auf und war Teil der Morning Assembly, wo die Schüler beten, singen, zuhören und meistens auch etwas Prügel aushalten müssen. Also mit dem Stock eins auf die Finger, oder so. Vielleicht auch mal auf den Po, je nach Vergehen. Die Lehrer auf jeden Fall stehen zu dieser Methode. Bei der Assembly wird auch eine Motivationsrede gehalten, was eigentlich eine coole Sache ist, wie ich finde! Aber meistens sind die Reden nie so recht vorbereitet, denn der, der sie eigentlich halten sollte, ist gerne mal abwesend, also hatte Stephen, der mit mir auf Duty ist, das für die ersten 3 Tage erledigt und am vierten Tag kam auch Stephen zu spät, also haute ich eine geklaute Geschichte raus. Ich erzählte etwas von zwei Mäusen, die in einem Krug Milch sind. Die erste ertrinkt und die zweite Maus strampelt so lange, bis sie die Milch zu Sahne geschlagen hat. Fazit: Gib niemals auf. Das formulierte ich noch ein wenig aus, fertig ist die Rede. Wer kennt sie? Jeder, der „Catch me, if you can“ gesehen hat. Aber ich fand es einfach lustig, anstatt einem Bibelzitat so eine Parabel einzubauen.

Naja, aber zurück zum Montag. Ich hatte endlich mal meine erste Deutschstunde. Und zwar glücklicherweise mit dem ersten Lehrjahr. Die waren ein entspanntes Völkchen. Wir haben viel gelacht, als sie versuchten die deutschen Worte zu formulieren. Es war leider viel zu schnell vorbei, aber ich hab ja noch viele Stunden vor mir.

Den Rest des Tages konnte ich vergessen, da mich die Krankheit langsam aber sicher umhaute. Ich war an der absoluten Spitze der Genervtheit angelangt. Ich konnte kein Geräusch mehr ertragen und schnappte mir Mareikes Zimmerschlüssel (hab ich schon erwähnt, dass sie jetzt endlich neben uns wohnt und wir ordentlich Platz in unserem Zimmer haben? Nein, na dann weißt du es jetzt!) und legte mich auf den Boden, packte die Ohrstöpsel in meine Löffel und deckte die Kreation mit einem Kissen ab. Ich hörte nur noch das Zirpen der Grillen. Das ging mir zwar auch auf die Eier, doch es war immerhin nur ein nerviges Geräusch und nicht eintausend. Und endlich schlief ich für 2 Stunden ein. Danach war das meiste wieder in bester Ordnung. Aber da ich auf dem Boden geschlafen hatte, war ich am nächsten Tag kränker, fiel aber trotzdem 4:30 aus dem Bett um die Menschen zu wecken. Ich bereute es. Denn dafür war ich nicht gemacht. Ich wollte dann eigentlich zum Frühstück aufstehen, doch es ging nicht mehr. Ich schlief bis 12 durch. Und dann ging ich zum Krankenhaus. Der Hinweg war kein Problem. Ich war schnell da, wurde schnell behandelt und bekam 0,7 Liter Salzlösung zum Trinken. Lecker… -.- Und ein paar absolut ekelhafte Tabletten sollte ich auch noch schlucken. In meinem Übermut kaufte ich mir erstmal ein riesiges Bofrot. Das schmeckte zwar extrem lecker, aber war einfach zu fettig. Durch die Salzlösung und das Dessert hätte ich kotzen können. Ich wollte nur noch nach Hause. Doch dafür hätte ich erstmal ein Auto finden müssen, das mich nach Hause bringt. Pustekuchen! Ich durfte eine geschlagene Stunde warten, bis mich ein paar freundliche Ghanaerinnen in ein Taxi hievten und mich zu Hause absetzten. Dann fiel ich ins Bett und der Tag war gelaufen. Die anderen gingen noch zu einer Jazzveranstaltung, die, wie mir im Nachhinein gesagt wurde, ganz TOLL gewesen sein soll, aber das war mir in dem Moment so ziemlich egal! Der Mittwoch darauf war ebenfalls träge. Ich entspannte die meiste Zeit und tat möglichst nichts. Eigentlich wollte ich mit Ziggy, dem Schützling Jessicas noch ein wenig lesen, wie ich es am Montag getan hatte, während Ruven den Lehrern Deutsch beibrachte, aber ich schaffte es gesundheitlich nicht mehr.

Dann kam der Donnerstag. Das ist heute. Und heute war erstmal ein Meeting, nachdem es heiß her ging. Denn nach der Morning Assembly und meiner tollen Rede, entbrannte ein Streit zwischen einem Lehrer und einem Schüler. Danach erfuhr ich, dass der Schüler, Wisdom mit Namen, den Lehrer, der Gemütliche, der damals mit Cornelius, mir und Sakkordie unterwegs war, beleidigt habe. Dafür ging der Lehrer ihm erstmal an die Gurgel, um ihn dann durch die Assembly Hall und über den halben Hof trieb, ihn die ganze Zeit mit dem Stock unaufhörlich schlug und peinigte. Es war kein witziger Anblick. Naja, kurz darauf hatte Ike eine Uneinigkeit mit Milicent. Es passierte ganz schön viel auf einen Haufen. Soooo, danach fand erstmal ein Meeting statt. Aber das liegt nicht an den Vorfällen, aber die Vorfälle wurden mit in das Meeting eingebaut.

Zunächst wurde über die neuen Schüler geredet und dass man sie gut aufnehmen solle. Blabla… ich kann mich auch nicht mehr so genau dran erinnern. Auf jeden Fall wurde dann irgendwann etwas bezüglich den Vorkommnissen geäußert und es entbrannte ein kleiner Kampf. Jeder fühlte sich ungerecht behandelt. Ein Schüler hielt eine erstaunlich gute Rede, dass man doch bitte für voll genommen und nicht als Gegner gesehen werden will. Die Lehrer schossen zurück, es war ein ziemlicher Kindergarten, doch was rede ich davon, das eigentlich schlimme kam dann ja noch. Ike und Wisdom wurden nach vorne gerufen und mussten sich hinknien. Es sah aus, als ob sie gleich geköpft werden würden. Wie in einem schlechten Film, dann wurde über die Vergehen geredet. Ike hatte wohl angeblich einige Lehrer beleidigt, doch ich hatte das Gefühl, dass er einfach nur Kritik geäußert hatte und das etwas emotional. Tja, doch Sakkordie war der Meinung, dass Ike ihn während der Haarschneideaktion beleidigt habe und schon war Ike, nach einem 20 minütigen Monolog Sakkordies, in dem er erklärte wie viel besser als die Schüler er sei, für 3 Wochen suspendiert. Wenn ich ein Schüler gewesen wäre, hätte ich diese Rede nicht ausgehalten. Ich wäre am liebsten rausgegangen , um zu kotzen. Tja, dann ging der Unterricht weiter. Naja, ich sollte eigentlich Englisch unterrichten, aber da fast alle meine Schüler verschollen waren, weil sie elektrische Leitungen verlegen mussten, spielte ich mit den verbleibenden noch eine halbe Stunde lang Hangman. Danach chillte ich den restlichen Tag. Bis jetzt. Und jetzt gibt es essen, also bis später mal… J

Posted in Uncategorized | Leave a comment

#5 & #6

So ich habe gerade gemerkt, dass ich seit 10 Tagen nichts blogmäßiges geschrieben hab, also dürfte alles was jetzt kommt eher in Kurzfassung und etwas durcheinander kommen. Ich weiß noch, dass wir an einem Dienstag zurück gekommen sind und ich jetzt also über einen Mittwoch berichten sollte… Ein Mittwoch an den ich mich jedoch gar nicht erinnern kann! Nun ja, die letzten paar Tage waren auch nicht allzu eindrücklich. Ich erinnere mich noch, dass wir in letzter Zeit oft gut und viel gegessen haben, zum Beispiel Jolloffreis (Tomatenreis mit unterschiedlichem Gemüse). Außerdem haben wir im Laden um die Ecke ein Joghurteis gefunden, welches seinen Zweck mehr als genügend erfüllt, nämlich den Zuckerhaushalt aufrecht zu erhalten. Ach ja, außerdem haben wir am Freitag nach unserer Rückkehr aus Sunyani  etwa 6 Stunden Essen gemacht, mit der freundlichen Unterstützung von Milis Mutter und Mili selbst. Es gab wieder mal Kochbananen mit einer Art Spinatsoße. Diesmal jedoch nahmen wir nicht den Fisch, welcher der Soße Geschmack geben sollte. Denn uns allen schmeckt der ghanaische Fisch nicht so recht. Er sieht auch nicht allzu appetitlich aus, wenn man ihn kaufen will. Naja, dann gab es jedenfalls noch ein Highlight: Bofrot. Darunter kann man sich eine Art Pfannkuchen (also ich meine Berliner, oder wie auch immer…) vorstellen, die jedoch ohne Zuckerglasur oder Marmelade gemacht werden. Es war ein lustiger Nachmittag und Mareike und ich wurden oft wegen unserer Unfähigkeit ausgelacht. Wir aßen an diesem Abend so viel, dass wir, als wir danach in die Bar gingen kaum noch etwas trinken konnten.

Eines Tages wollten wir Bananen und Orangen holen, denn Obst ist zu meiner neuen Süßigkeit geworden, weil sie erschwinglich und lecker zugleich ist. Nun ja, nach kurzer Zeit waren die Kinder wieder um uns versammelt und wir erzählten ihnen von unserem Vorhaben. Das geniale war, dass sich Meawis für uns eingesetzt hat und wir durch sie auf irgendeinen Hinterhof gebracht wurden, auf dem wir dann Bananen für wenig Geld kaufen konnten. Die Verkäuferin hat nebenbei auch noch 2 Jahre in München verbracht. Deswegen kann sie auch das Basic-Deutsch. Das ist eigentlich immer ganz witzig. Auf dem Rückweg wollten wir noch Orangen kaufen. Meawis lief zu einer Tür, die wir vorher nie angerührt hätten, klopfte und wir bekamen 10 Orangen für umgerechnet etwa 50 Cent. Seit diesem Tag kauften wir eigentlich fast jeden Tag. 10 Orangen, etwa 20 Bananen und 10 Packungen Erdnüsse. Klingt viel, ist aber ratzfatz weg!

Am Sonntag nach der Rückkehr gingen wir mit Jeff in die Kirche. Das war alles anstrengender als gedacht. Am Vorabend rief ich Jeff an, um ihm unsere Entscheidung mitzuteilen. Er redete viel und letztendlich teilte ich den anderen mit, dass wir um 9 abgeholt werden sollten. Glücklicherweise stand ich am nächsten Morgen viel zu früh auf und erfuhr, dass wir um 8 abgeholt werden sollten. Sakkordie bestellte uns ein Taxi zur Kirche und wir genossen die Fahrt. Angekommen, liefen wir erstmal in die falsche Kirche. Nach der Aufklärung der Verwechslung gingen wir dann zur riesigen Kirche nebenan, die aber noch nicht annähernd fertig gebaut war, jedoch immerhin ein Dach hatte. Wir erfuhren, dass um 9 der Gottesdienst beginnen würde, wir waren also 30 Minuten zu früh.

Nach einer Stunde kam Jeff mit seiner Tochter, die wirklich unglaublich süß war. Er meinte auch, dass sie süß sei, aber fett J Nun ja, er erklärte uns die Eigenarten der Kirche und übersetzte uns die Predigt, die auf Twi war. Außerdem forderte er uns auf zu tanzen, was wir später auch taten. Alle tanzten! Zwar nicht die ganze Zeit, aber während Lieder gesungen wurden, ging es los…

Unglücklicherweise sollte zu diesem Gottesdienst ein Pastor verabschiedet werden. Es war eine meiner Meinung nach unwürdige Verabschiedung, in der es nur um Geld und Anerkennung ging. Sie erinnerte kein Stück an das Ghana, welches ich kennen gelernt hatte. Aber in einer gewissen Hinsicht, sagte Jeff, ist das wohl Tradition. Naja, nach 5 Stunden Gottesdienst waren wir erledigt und durften nach Hause.

Die nächsten Tage bestanden für mich aus Entspannung. An einem Tag ging ich mit Ruven und Cornelius Basketball spielen. Das zeigte mir, dass ich total aus der Form bin. Naja, vielleicht war ich auch nie genug in Form um ernsthaft Basketball zu spielen. Heute, am Freitag, 17. September, war ich nochmal mit am Basketballplatz, nahm mir aber einen Volleyball mit. Dadurch kam ich endlich mal wieder zum Spielen.

Am Mittwoch hätte eigentlich die Schule beginnen müssen, doch der Schulstart wurde verschoben. Genau, wie der Tag, an dem wir umsonst Internet und ID Cards bekommen sollten. Naja, anders als die beiden Dinge, wird die Schule aber relativ sicher nächste Woche Dienstag beginnen. Wir haben jetzt auch unsere Aufgabenfelder bekommen. Ich werde mehr zu tun haben, als ich erwartet habe. Was sicherlich von Vorteil sein wird, weil so die Zeit schneller vorbei gehen wird. Und ich am Ende auch auf etwas zurückblicken kann, für das ich mich nicht zu schämen brauche.

Gestern waren wir dann noch in Kumasi und haben uns das Kulturzentrum angeschaut. Das war zunächst nicht übermäßig spannend. Wir waren im Prempeh II. Museum, wo wir durch ein Rund geführt wurden und uns zu Ausstellungsstücken, wie Bildern, Trommeln und Gebrauchsgegenstände unterschiedlicher Asantekönige, Geschichten angehört haben.

Später jedoch sind wir auf eine Trommelschnitzerei gestoßen, wo Trommeln selbst gemacht wurden, pro Trommel etwa eine Woche Arbeit. Einfach geil! Dort und im nebenstehenden Souvenirshop haben wir noch lange Zeit verbracht, bevor wir nach einem Einkaufsbummel zurück nach Hause gefahren sind.

Wenn ich mir diesen Blockeintrag so anschaue, dann spiegelt er die letzten Tage ziemlich gut wieder. Es gab ein, zwei kleine Höhepunkte, aber sonst bestand unser Leben nur aus Faulenzerei und Essen (kochen).

Und wieder sind viele Tage vergangen, an denen ich nichts geschrieben habe, jedoch ist es diesmal anders… J Zunächst trug sich nicht viel zu und dann passierte so viel, dass ich entweder keine Zeit oder keine Kraft hatte um wirklich viel zu schreiben.

Heute ist ein Sonntag und ich habe es mir erlaubt nicht mit zur Kirche zu gehen. Dafür erntete ich Unverständnis und misstrauische Blicke von Sakkordie, aber da muss ich wohl durch. Tja, so habe ich wenigstens Zeit mal in aller Ruhe etwas zu schreiben. So, was ist also passiert in den letzten 10 Tagen? Naja, vorletzten Freitag (der 17.9.) war eigentlich das Board Meeting geplant, also warteten wir den ganzen Tag nur darauf… Es fand letztendlich nicht statt, aber das hatte nichts mit ghanaischer Gelassenheit zu tun, sondern viel mehr mit einem unschönen Vorfall. Apau, der Architekt der Schule, erwischte eine Person (ob Schüler, oder Fremder ist uns nicht bekannt) bei einer unschönen Aktion im Badezimmer und schloss ihn daraufhin in selbigem ein. Das wiederum erzürnte dessen Familie so sehr, dass sie Apau zur Polizei schliff… Naja, im Endeffekt war Apau wohl im Recht, aber eben auch den ganzen Tag bei der Polizei. Somit konnte das Treffen nicht stattfinden. Beim eigentlichen Treffen war Apau dann jedoch nicht mal anwesend. Aber ich glaube sowieso, dass wir, was diesen Vorfall angeht einigen Missverständnissen gegenüber stehen. Nun ja, sei es, wie es ist. Samstag wollten wir uns dann endlich mal wieder dem Internet hingeben, doch, oh Schmach, das Internet Cafe wollte immer noch nicht so wie wir es wollten. Freundlicherweise wurden wir zu einem anderen Internet Cafe überwiesen. Mir war aber nach den ersten Minuten online klar, warum Jeff uns nicht in dieses geführt hatte. Nachdem wir alle enttäuscht und etwas frustriert nach Hause gingen, meldete sich aber Milicent und lud uns ein, mit ihr am Abend in eine Bar in Kumasi zu gehen. Was wir natürlich auch taten! Wir schnappten uns also ein Taxi und ein Trotro nach Kumasi und fuhren dann mit Mili zur Bar.

Zunächst setzten wir uns rein, weil es draußen zu kalt war. Hier bestellten wir unsere Getränke und vertieften uns in ein Gespräch. Ich zeigte Mili meinen Kartentrick, woraufhin sie überaus erstaunt war und es einfach nicht fassen konnte, dass ich ihre Karte gefunden habe. Daraufhin haben wir ihr Mau-Mau beibringen wollen. Das hat auch irgendwie geklappt, aber so ganz kapiert hat sie es wohl nicht… hihi Dann jedoch ereilte sie ein Anruf von ihrem Freund, der ihr erklärte, dass seine Mutter unbedingt ins Krankenhaus müsse und sie bitte kommen solle. Natürlich ließen wir sie gehen, nachdem wir ihr beteuerten, dass wir schon allein nach Hause finden würden. Die Stimmung war danach selbstredend bedrückt. Wir bestellten einfach noch etwas zu essen, nach Trinken war uns aber nicht mehr. Nach etwa 15 Minuten kam Mili zurück… Unerwartet! Sie klärte uns auf: ihr Freund sei extrem eifersüchtig, weswegen er ihr die Geschichte über seine Mutter erzählt habe. Schlussendlich, habe er nur abchecken wollen, ob sie wirklich in besagter Bar, mit besagten Leuten sei und sich nicht mit irgendwelchen Kerlen träfe… Sie konnte drüber lachen, aber ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn einer von uns 3 Kerlen, das bei seiner Freundin gemacht hätte.

Wie auch immer, danach haben wir uns dann trotzdem raus gesetzt, weil es drinnen einfach zu schicki micki war… Draußen ging die Post ab, da war eine Live-Band und eine Tanzfläche (auf der aber nur wenige Leute tanzten, aber mit der Zeit, stieg auch der Durchschnitt der tanzenden Personen).

Irgendwann wurden wir von Mili überredet zu tanzen, zunächst zierten wir uns, aber letztendlich fanden wir uns auf der Tanzfläche wieder. Einen der Tänzer muss ich aber noch erwähnen. Er war ziemlich offensichtlich betrunken und tanzte (wenn man das, was er tat, als tanzen bezeichnen möchte) völlig ohne Takt und Ästhetik. Man musste praktisch jedes einzige Mal lachen, wenn man ihn anschaute. Er war klein gewachsen, und hatte riesige Schuhe an. Milicent, der ich so etwas, wie Schadenfreude gar nicht zugetraut hätte, war sogar diejenige, die uns auf ihn hinwies.

Naja, dann war der Abend auch schon bald wieder vorbei und wir fuhren nach Hause.

Zwei Tage später fand dann besagtes Meeting statt. Wir wachten auf und wurden von Sakkordie angehalten uns doch zu beeilen, weil das Meeting gleich anfängt… Bis zu dem Zeitpunkt wussten wir nur, dass es ein Meeting geben sollte. Aber die Zeit wurde uns nie mitgeteilt. Naja, wir kamen natürlich etwas zu spät, so wie auch die meisten.

Aber da das Meeting mit einem Frühstück begann, spielte das keine Rolle. Im Meeting selber ging es eigentlich nur darum, dass uns unsere Rechte und Pflichten auf dem Campus klar gemacht werden, dazu gehörte absolute Gehorsamkeit den Autoritäten gegenüber, Vorbildcharakter für Schüler übernehmen (also keine Unanständigen Sachen tragen, oder tun), der Schule verbunden sein und, und, und… Das Meeting dauerte gute 6 Stunden oder so. Danach war ich für meinen Teil auf jeden Fall am Ende. Denn nach 3 Stunden zuhören, konnte ich mich einfach nicht mehr ernsthaft konzentrieren. Das klingt jetzt alles ziemlich negativ und ein Stück weit war die Umsetzung des Meetings nicht so großartig, aber wenn Jeff geredet hat, kam ein wenig Stimmung in die Bude, weil er alles sehr emotional besprochen hat. Naja, irgendwann war es auf jeden Fall auch wieder vorbei und wir machten uns auf nach Kumasi, weil wir noch einige Sachen brauchten, Briefe abschicken mussten und ein anderes Internetcafe ausprobieren wollten. Wir schafften es gerade so unsere Briefe zur rechten Zeit, kurz bevor die Post schloss, abzugeben, jedoch war die Interneterfahrung daraufhin nicht so positiv. Naja, man kann ja nicht alles haben. Auf dem Rückweg wollte ich partout nicht mehr als 5 Cedi für ein Taxi bezahlen müssen. Aber an ein Trotro war nicht so recht ranzukommen. Also liefen wir den Weg des Trotros, um vielleicht irgendwann mal einen Treffer zu landen. Auf dem Weg fragte uns einer wohin wir wollten. Er wohnte nur 5 Minuten von uns entfernt, weswegen er uns den preiswertesten Weg weisen wollte. Wir kamen also ins Gespräch… Es stellte sich heraus, dass er schon in Deutschland war (sogar in Leipzig!). Dadurch konnte das Gespräch auch halbwegs gut aufrecht erhalten werden. Wir liefen etwa eine halbe Stunde bis hin zum Krankenhaus, um dort doch in ein Taxi einzusteigen. Und zwar zu sechst… Unsere Begleitung war nämlich noch mit einer fülligen Frau unterwegs, weswegen Mareike dann das große, aber witzige Vergnügen hatte, sich mit besagter Frau den Vordersitz zu teilen…

Wie auch immer, Prince und seine Begleitung waren uns allen extrem sympathisch, weswegen wir die Nummern austauschten und uns bald mal wieder treffen wollten.

Am nächsten Tag war ein nationaler Feiertag, also dachten wir uns, dass man doch mal zum See fahren könnte, von dem wir bis dahin viel gehört hatten. Wir fuhren dafür nach Kumasi, von da aus zu einem Dorf und aus dem Dorf fuhren wir mit dem Taxi zum See Bosomtwe. Dieser war in einem absolut idyllischen Tal mit großartigster Fauna und Flora. Es sah aus, wie im Paradies! Anders kann man es einfach nicht beschreiben. Der See hatte gefühlte 30 Grad Temperatur… Aber immerhin, wir konnten endlich mal wieder baden. Und diesmal musste ich mich nicht mal schlecht dabei fühlen, weil noch ganz viele Einheimische mit uns im Wasser waren. Zum Überfluss war an diesem Dienstag auch noch das großartigste Wetter, das man sich wünschen kann (Mareike hatte am Ende des Tages einen kleinen Sonnenbrand). Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen… Wir haben den Tag genossen. Das Problem war nur, dass wir etwa 2,5 Stunden Fahrtzeit für eine Strecke hatten… Das heißt so viel hatten wir von dem See auch wieder nicht. Aber was beklage ich mich J

Die nächsten paar Tage waren extrem arbeitsreich… Am Mittwoch trafen wir uns zunächst mit Kwagye oder Kwakye (wie sein Name nun geschrieben wird, weiß ich nicht so recht, aber gesprochen wird er Quad(t)sche). Er ermöglichte uns endlich die ID Cards zu bekommen, mit denen wir uns hier in Ghana ausweisen können sollten. Dafür mussten wir zunächst erstmal unsere Namen aufschreiben und dann Bilder machen lassen. Am Abend machten wir uns dann mit Kwakye aus, wollten wir zurück kommen und uns endlich das kostenlose Internet zulegen. Doch das lag noch in weiter Ferne! Wieder zu Hause, halfen wir zunächst einmal mit den Treppen. Dafür schoben wir unzählig viele Fuhren Sand mit einer Schubkarre von A nach B. Das war extrem anstrengend, ich glaube ich war selbst nach dem heftigsten Krafttraining nicht so fertig, wie an diesem Tag. Aber mit den Treppen war es nicht getan, dann stand unsere nächste Aufgabe bevor: die Bibliothek. Wir sollten Bücher aus Deutschland in eine Liste eintragen. Klingt erstmal nicht so problematisch, aber es waren halt auch etwa 100 Bücher. Tja, es dauerte etwa zwei Stunden bis wir damit abgeschlossen hatten. Die Sache war nur, dass die existierende Liste unvollständig war und sowieso nicht so hilfreich. Also machten wir uns zur Aufgabe die Bibliothek general zu überholen. Also wollten wir alle 800 Bücher neu in eine Liste aufnehmen, dabei Autor, Titel, Thema, Sprache und Anzahl feststellen. Das nahm dann die nächsten 2 Tage in Anspruch. Nach der Bestandsaufnahme ist es nun unser Ziel, allen Büchern einen Code, basierend auf seine Daten zu geben und somit ein System in die Bibliothek zu bringen. Mittlerweile sind wir beim Code geben und haben schon weit über 10 Stunden daran gearbeitet.

Aber zurück zum Mittwoch… Nach dieser Arbeit war ich also noch geschaffter und hatte eigentlich nur noch Lust auf schlafen. Pustekuchen! Kostenloses Internet lag in der Luft. Also liefen wir zurück zur Uni und ließen an unseren Laptops rumwirtschaften. Nach gefühlten 2 Stunden hatten wir immer noch nicht das gewünschte Ergebnis erreicht. Als wir gerade nach Hause gehen wollten, sah ich, wie einige Leute Badminton spielten, also wollte ich mitmachen. Das tat ich dann auch, jedoch versagte ich, wie auch Cornelius, der später dazu kam, auf ganzer Linie. Aber das war uns egal, weil es trotzdem Spaß machte.

Am Donnerstag passierte nicht viel… Ruven und ich verbrachten den halben Tag der Bibliothek (zwischendurch ließ ich mich im Tischtennis von Schülern abziehen) und am frühen Abend dann besorgten wir für Cornelius und Mareike noch die Zutaten für Red-Red (Bohneneintopf mit fritierten, reifen Kochbananen). Dabei holten wir unter anderem auch Palmenöl, was wir aber unglücklicherweise am Stand liegen ließen, es jedoch nicht bemerkten. Auf dem Rückweg fiel uns ein, dass wir doch noch Antimalariamittel brauchten. Also gingen wir zurück in Richtung Markt, in dessen Nähe eine Apotheke war. Gerade als wir wieder aufbrechen wollten, kam uns die Frau vom Stand entgegen und brachte uns das Palmöl. Einfach so… Es war unglaublich! In Deutschland hätte es keine Sau so sehr gezuckt, dass sie dir hinterher rennt! Es war natürlich verhältnismäßig einfach uns zu finden, denn man musste nur den Broni-rufenden Kindern hinterher laufen, aber es geht auch ums Prinzip! J

Am Freitag beendeten Ruven und ich dann die Liste der Bücher, Zeitungen und Schallplatten (dabei waren auch einige Schätze, die man sicherlich für gutes Geld verkaufen könnte…). Aber es gab hier noch einen kleinen besonderen Zwischenfall… An unserem WC muss das Wasser manuell an und aus gestellt werden, um dann, wenn der Behälter voll ist, spülen zu können. Irgendwie muss ich es vor Müdigkeit am Vorabend vergessen haben, den Hahn zurück zu drehen… So ist es jedenfalls nicht verwunderlich, dass wir am nächsten Morgen etwas ungemütlich von Cornelius geweckt wurden. Denn unsere ganze Wohnung stand unter Wasser… Bzw, wortwörtlich etwa drei Viertel. Und unter der Tür ist das Wasser auch noch nach draußen geflossen und den Gang entlang… Bestimmt 10 Meter. Zum Glück ist es Cornelius relativ früh aufgefallen, sodass wir die Spuren meines Versagens noch Verwischen konnten. Ich fing sogleich an meine Sachen zu Waschen, so fragte auch keiner nach, woher die Wasserlachen vor unserer Tür kamen. Alles in allem ein sehr turbulenter Start in den Tag. Tja, danach und nachdem Ruven und ich in der Bibo fertig waren, begab ich mich dann mit Cornelius zurück zu Uni, um endlich mal das mit dem Internet hinzubekommen. Und es funktionierte natürlich wieder nicht, also gingen wir ganz unverblümt zurück zum Computermenschen (der übrigens übertrieben cool drauf war) und ließen uns sagen, dass es eigentlich funktionieren müsste. Also probierten wir es an einer anderen Stelle aus, und siehe da es lief. Sogar erstaunlich schnell. Fast so schnell, wie in Deutschland! Aber wir probierten es an einer Stelle aus, an der es keinen Strom gab, weswegen der Spaß auch ziemlich genau nach einer Stunde vorbei war, was aber auch gar nichts ausmachte! Denn wir waren neben der Angelegenheit mit dem Internet auch wegen Sport gekommen. Ich wollte sehen, ob ich endlich mal zum Volleyball spielen kommen würde und Cornelius wollte Basketball spielen, denn wie wir vom Badmintonspieler gehört hatten, war jeden Tag ab etwa 4 Uhr Sport bis Sonnenuntergang (also etwa 2 Stunden) angesagt. Also ich zum Feld kam, war dort aber absolut niemand… Also fragte ich nach. Ich wurde von 4 älteren Herren an einen jüngeren überwiesen, der mir anbot bis es losgeht doch bei ihm auf dem Zimmer zu chillen. Da ich nicht so recht wusste, was ich davon halten sollte, sagte ich einfach mal ja. Wir holten noch schnell Cornelius ab, der noch im Internet war und gingen mit besagter Person, deren Name ich leider vergessen habe, mit. Ich fühlte mich unwohl bei dem Gedanken, dass er wusste, dass ich einen Laptop mithabe und dann noch auf seinem Zimmer zu sein. Tja, es stellte sich heraus, dass er selbst einen Laptop hatte und extrem entspannt drauf war. Auch seine Zimmergenossen waren ganz cool drauf und spielten alle Basketball. Naja, irgendwann gingen wir zurück zum Sportplatz und sofort war mein Herz erfüllt von Freude! Da spielten ernsthaft welche Volleyball! Ich stellte mich an, um möglichst bald mitzuspielen. Nach einem Satz, war ich dann dabei. Es spielte keine Rolle, dass ich zunächst versagte, denn es war einfach großartig wieder ordentlich Volleyball zu spielen! Naja, ordentlich ist jetzt die Frage, aber es kamen ganze Spielzüge zustande und es war niveauvoller also das Spielen der meisten Hobbyligen. Am Ende des Trainings hielt der Trainer noch eine kleine Rede und sagte, dass am nächsten Tag um 5:30 Trainingsbeginn sei. Natürlich in der Frühe… Das möge jetzt manchen abschrecken, aber ich freute mich so sehr, dass ich mich am freitäglichen Abend schon um 20:30 ins Bett begab und mich zum Schlafen zwang. Und der nächste Tag war großartig! Zwar waren die ersten, wie es sich für Ghana gehört erst gegen 6 bis 6:30 da, aber das machte nichts, denn so konnte ich mich in aller Ruhe aufwärmen, sodass ich sogar ziemlich gut spielte und extrem viel Spaß mit den ganzen Leuten hatte. Gegen 8:45 wir der ganze Spaß vorbei… glücklicherweise, sonst wäre ich wohl noch umgefallen! Aber es zwischendurch gab es sogar eine kleine Verschnaufpause mit kostenlosem Getränk. Echt luxuriös! Naja, am Ende des Trainings kamen wir nochmal zusammen und stellten uns alle vor. Dann ließ der Trainer verlauten, dass wohl auch Spiele bevor stehen würden. Mitspielen, denke ich werde ich nicht dürfen, weil ich kein Mitglied der Universität bin, aber ich wurde eingeladen, am kommenden Mittwoch Schiedsrichter für ein Freundschaftsspiel zu sein. Das finde ich ganz gelungen! J

Naja, bald darauf bin ich mit Ruven, der später zum Basketballspielen gekommen ist, wieder in Richtung Denkyemuoso gegangen. Als ich dann im Sessel saß, war ich tot! Den Rest des Tages bewegte ich mich nur noch sehr langsam und versuchte viele Pausen einzulegen. Aber ganz ohne Arbeit ging es dann doch nicht, denn die Bibliothek betreute sich nicht von alleine! Und eingekauft und gekocht werden musste auch noch. An diesem Abend hatten wir uns auch mit Prince verabredet. Er wollte vorbei kommen, sodass wir eine Zeit und einen Ort ausmachen könnten. Er kam aber nicht vorbei. Und um 20:30 schließlich rief er dann an, um zu fragen, wann es losgeht… Das hatten wir nicht erwartet, also mussten wir absagen. Schade, aber ich bin ja auch noch ein paar Wochenenden hier J

Eine kleine Sache fällt mir noch zum Samstag ein… Es viel uns nämlich auf, dass wir 120 Cedi, die wir 3 Tage zuvor in die Gemeinschaftskasse eingezahlt hatten, schon wieder zu 2 Dritteln aufgebraucht hatten. Eigentlich sollten die 120 Cedi für eine Woche reichen… Also entschieden wir uns die Ausgaben für das Essen auf ein Minimum zu beschränken. Es gab Reis mit Tomatensoße… Dazu sei gesagt, dass der Reis halbvergammelt war, weil er ja im Wasser übernachtet hatte, die Tomaten waren auch nicht mehr die reifsten und auch die Pfefferschoten hatten schon bessere Tage gesehen. Als Nachtisch verarbeiteten wir kulinarisch komplett schwarz angelaufene Bananen Zusammen mit Milch und Zucker (der natürlich angenehm durchsetzt von Ameisen war) zu einer Art Milkshake. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig unappetitlich, hat aber annehmbar geschmeckt! Und war überaus preiswert! J

Das war es erstmal wieder von mir. Peace out!

Posted in Uncategorized | Leave a comment

#4

Am nächsten Tag dann, sollte ich es dann endlich schaffen den Arzt zu konsultieren. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Am Morgen wollte uns Apau, der Architekt der Schule erst noch über die Eigenarten Ghanas aufklären. Um 10 Uhr sollte das Treffen stattfinden, er war um 11 Uhr da. Typisch Ghana, man kann es hassen oder lieben. Ich tendiere zur Zeit noch zum ersten, weil die deutsche Pünktlichkeit sowas einfach nicht zulässt. Wie auch immer, etwas Neues haben wir bei diesem Treffen nicht wirklich erfahren. Es wurde gesagt, dass, wenn wir reisen wollen sollten, wir den Trip ordentlich planen sollten um sicherzustellen, dass es ein guter wird. Ein guter Rat, wie wir später spüren sollten.
Nach dem Treffen ging es dann in die Stadt. Zum Doktor wie ich dachte. Ich erwartete gegen 2 zurück zu sein, letztendlich war ich dann aber erst nach 6 zurück, weil mir Milicent im Trotro nach Kumasi offenbarte, dass sie für ihren Shop noch Geld bei einer Bank leihen müsste. Das erwies sich schwieriger als gedacht! Zunächst ergab es sich als problematisch entsprechende Bank zu finden, dann ließ der Kontaktmensch ewig auf sich warten, dann wurde das Anliegen abgelehnt. Auf zur nächsten Bank quer durch Kumasi. Dort wurde das Geld zur Verfügung gestellt. Ich musste hier lächerliche 2 Stunden auf einem Stuhl warten. Jedoch schlief ich nach etwa einer Stunde ein.
Irgendwann kamen wir dann doch zum Arzt, der mir sagte, was bereits vermutet wurde. Hitzefrieseln… (Heat rushes) Ich kam mir förmlich ausgelacht vor, als er das diagnostizierte. Ich bekam ominöse Tabletten gegen das Krabbeln, die jedoch nicht helfen sollten. Danach begaben wir uns auf den Heimweg. Da gab es dann Kochbananen, natürlich selbstgemacht! Beim Essen entschieden wir uns dann am Folgetag für 4 Tage nach Sunyani aufzubrechen.
Gesagt, getan! Wir packten unsere Sachen am Morgen und nahmen das nächste Taxi zur Bus Station. Für 4 Leute bezahlten wir etwa 4,50€ für eine über zweistündige Fahrt, klar das wir uns darüber freuten. In Sunyani checkten wir dann im preiswertesten Hotel ein. Doch das Tata stellte sich abgesehen von insgesamt 2 Duschen und 2 Toiletten für alle Gäste, als angenehm dar. Die Betten waren besser als in einer Jugendherberge und ein kleines Omelette zum Frühstück. Naja, 2 Omelettes für 4 Personen, aber der Gedanke zählt! Am Abend unserer Ankunft besuchten wir Sunyani und aßen in einem kleinen Restaurant zum ersten Mal Foufou, ein typisches Gericht unserer Region. Darunter kann man sich eine Art weiße, zähe Masse vorstellen, ein Brei aus gestampften Yams, welche in einer relativ scharfen, aber leckeren Soße zusammen mit Fleisch serviert wurde. Am Fleisch war die Haut noch gut zu erkennen, sodass wir dank den schwarzen Flecken auf weißem Grund auf Rind tippen konnten.
Der Folgetag war Ruvens Geburtstag. Also gab es ein großartiges fruchtiges Frühstück mit Melone, Bananen und geröstetem Mais. Danach zog es uns in die Stadt, die eigentlich nicht viel zu bieten hatte, zumindest nichts, was wir in Kumasi nicht schon gesehen hätten.
Doch als wir über ein Fußballspiel der Dorfjugend stolperten, blieben wir stehen. Das war wirklich mal interessant. Der Schiri war die Hälfte der Zeit am Lachen, bis ihm ein Spieler aus Wut gegen das Bein trat. Klar, dass das Team dieses Spielers verlor!  Es wurde aber insgesamt mit extrem viel Hingabe und Emotion gespielt, wie man es sonst nicht so oft sieht. Es war so interessant, dass wir uns das ganze Spiel ansahen. Danach schauten wir uns weitere Teile Sunyanis an, zwischendurch stolperten wir über einen Laden in dem es Schokoeis gab. Man schmeckte zwar, dass dieses Eis qualitativ eher minderwertig war, aber es schmeckte hervorragend! Bald wurde es dunkel, also gingen wir wieder zu unserem Restaurant, wo wir aber diesmal nicht aßen, sondern tranken. Schon ein Star-Beer, wäre genug gewesen, ich trank aber 3 und noch 2 Shots, weswegen der Rest des Abends ziemlich lustig war. Der nächste Morgen war es aber überhaupt nicht! Ich konnte nicht mal mehr das Omelette genießen… Zu allem Überfluss wollten wir an diesem Tag auch noch zum Bui Nationalpark. Die Busfahrt von Sunyani nach Wenchi war anstrengend und ich musste mehrere Male den Brechreiz unterdrücken. Die Busfahrt von Wenchi nach Bui war schrecklich, da die Straßen schlechter wurden… Es war ein einziges Gewackel, was meinem Magen alles andere als gut tat. Kurz vor unserer Ankunft im Nationalpark wurde uns auch noch offenbart, dass es kein Bus zurück geben werde… Damit hatten wir gar nicht gerechnet! Wir waren so weit ab vom Schuss, dass nicht mal Taxis fuhren. Das war der erste Moment an welchem wir uns an Apaus Worte erinnerten. Doch wir versuchten nicht weiter darüber nachzudenken. Ein Guard kam und wies uns in die Parkregeln ein: 5 Cedi pro Person (Eintrittspreis) + 5 Cedi pro Person (Tourpreis) + 5 Cedi pro Person pro Stunde (Guidepreis). Wir schnappten ordentlich nach Luft, als wir das hörten. Aber wir waren schonmal da und wollten den Park sehen. Also kauften wir noch einige Kekse Verpflegung ein und ließen uns von einem Ranger führen. Die eigentliche Tour sollte nur aus einer Kanufahrt bestehen auf welcher man einige Tiere sehen sollte, darunter, wie unser Reiseführer versprach, 200 Hippos. Vielleicht wäre es eine tolle Tour gewesen, wenn wir nicht zur Regenzeit gekommen wären und deswegen kein einziges Tier sehen konnten. Die Kanufahrt war also extrem langweilig. Das Schlimmste neben diesem absolut zu hohen Preis war jedoch, dass man noch eine Stunde zur Kanustelle laufen musste (und natürlich auch zurück). Diesen Weg ließ sich der Guide auch noch bezahlen. Es war also ein einziger Reinfall. Die Unterkunft, die angeboten wurde, war auch nicht wirklich großartig. Kein Strom, kein Wasser, keine Mückennetze… Wir entschieden uns ein Taxi nach Sunyani zu rufen. Das sollte jedoch ein riesiges Problem werden, da in der Umgebung keine Taxis existierten. Nur Minibusse, die viel teurer sind… Dennoch ließen wir uns einen rufen. Während wir auf den Bus warteten, unterhielten wir uns lange Zeit mit dem Guide. Er wollte einiges über Deutschland wissen und wusste gar nichts von den Vorgängen in Deutschland vor und während des Zweiten Weltkrieges, also redeten wir über die Geschichte Deutschlands und danach über die Ghanas. Bald kam dann der Bus. Der Fahrer verlangte lächerliche 100 Cedi für die Fahrt vom Park nach Wenchi. (Zum Vergleich: auf dem Hinweg haben wir für die gleiche Strecke 12 Cedis bezahlt) Wir konnten den Preis noch auf 60 Cedis runterhandeln, aber es war trotzdem zu viel. Wir wurden extrem verarscht. Denn anstatt dann, wie vorher vom Fahrer versprochen, waren wir dann nicht mal allein im Bus, sondern teilten es mit 4 anderen. Nicht mal der Bus und Fahrer waren der gleiche, wie anfangs ausgemacht. Es war eine ausgemachte Frechheit. Als wir dann in Sunyani waren, wollte ich den Preis noch um einiges kürzen, doch wir waren alle müde, sodass wir nicht die Nerven hatten den Trotz des neuen Fahrers auszuhalten. Er stellte sich taub und wartete auf das Geld. Naja, wenn ich allein gewesen wäre, hätte mir mein Stolz nicht erlaubt aufzugeben.
Es kam aber noch schlimmer. Von Wenchi fuhr (wie eigentlich vorher versprochen!!!) kein Bus zurück nach Sunyani, weswegen wir ein Taxi nehmen mussten. Irgendwann kamen wir dann doch am Hotel an, wir waren um über 200 Cedi leichter, aber glücklich alles hinter uns zu haben. Eigentlich wollte ich sofort schlafen, aber wir gingen dann doch noch ins Restaurant um die Ecke. Für das Essen bezahlten wir diesmal für 4 Leute insgesamt etwa 80 Cent! Das war so wenig, dass wir 1 Cedi (ca. 50 Cent) Trinkgeld gaben, worauf die Bedienung vor Freude durch das Restaurant hüpfte und Cornelius, der das Geld gab später sehr emotional die Hand schüttelte. Das war ein ziemlich eindrücklicher Moment. Ab diesem war uns klar, was so ein Cedi für die Leute hier wert sein muss. Es war unfassbar!
Da ich an diesem Abend so müde war, hatte ich den besten Schlaf seit Ewigkeiten. Ich schlief so fest, dass ich, als ich munter wusste für einige Sekunden wirklich keine Ahnung hatte wo ich war.
Der restliche Tag sollte sich auch als entspannter Tag ergeben. Als wir alle munter waren, fingen wir langsam an zu packen und fuhren mit dem Bus zurück nach Kumasi. Auf der Fahrt hatte ich ein etwa einstündiges Gespräch mit einem Ghanaer über Familie, Deutschland, Ghana und meine Tätigkeit hier. Zu Hause war alles, was wir taten zu entspannen und unsere Erlebnisse niederzuschreiben.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

#3

So, am Montag war ich also im Internetcafe um mal zu bloggen und meine Mails zu checken. Es hat sich aber ergeben, dass die meisten meiner Nachrichten auf Facebook waren. Da ich jedoch versagt habe mich erfolgreich bei Facebook anzumelden, konnte war mein Internetcafeaufenthalt schrecklich langweilig und ich hab mir nur Youtubevideos angeschaut. Wie auch immer, mein Versagen soll nicht Hauptbestandteil meines Blogs sein, also weiter im Text. Am Abend des Montags waren wir nachdem wir Yaams mit scharfer Soße und Hühnerbeinen gegessen haben noch in der Bar um die Ecke. Als wir da ankamen waren wir zunächst die einzigen, weswegen ich mich ein wenig unwohl fühlte. Dennoch bestellten wir ein Bier für jeden: Heinecken, ghanaisches Guinness und Starbeer. Interessanterweise haben mir das Star (Bier aus Kumasi) und Guinness sehr gut geschmeckt, aber die anderen fanden, dass es zu wenig nach Bier geschmeckt hat, verständlich, da zum Beispiel das Guinness irgendwie an Wein erinnerte…
Wie auch immer, später stießen auch der Coach und seine Begleitung ein. Ihr Name war Cecilia und sie war 16, weswegen ich es etwas ominös fand, dass sie mit dem Coach unterwegs war, doch für Spekulationen ist hier kein Platz. Der Coach schlug uns im Verlaufe des Abends noch vor uns am nächsten Tage den Pool zu zeigen, sowie die Volleyballanlage, so freute ich mich also auf den folgenden Tag.
Dieser fing etwas unangenehm an. Denn ich entdeckte Rote Punkte an meinen Händen, die sehr unangenehm krabbelten. Offensichtlich eine Art Allergie, was jedoch weiß und wusste ich nicht. Wie auch immer, am Morgen spielten wir wieder mit den Kindern Fußball und machten uns dann Punkt 12 auf den Weg zum Pool. Der Pool befand sich in einem riesigen und vollkommen unpassenden Hotel. Der Schwimmspaß sollte uns 6 Cedis kosten. Damit waren wir selbstredend nicht einverstanden und verhandelten. Es wurde sich darauf geeinigt, dass wir für einen Monat Poolerlaubnis 12 Cedi bezahlen sollten, was schon besser klang. Naja, der Pool war klein und überchlort. Unangenehm war auch, dass nur wir Weißen es uns leisten konnten in den Pool zu springen, weswegen ich nicht lange im Wasser blieb und mit mir selbst vereinbarte nicht wieder für dieses Erlebnis zu bezahlen. Ein Mitarbeiter, der Rettungsschwimmer, sprach im Verlauf des Poolbesuchs mit mir, weil er nach französisch sprechenden Deutschen suchte. Er war nämlich für ein halbes Jahr zur Elfenbeinküste gezogen und wollte nun seine Sprachkenntnisse ausprobieren. Dafür war ich jedoch eigentlich der falsche, denn in der Schule hatte ich ab der neunten Klasse keinen fruchtbringenden Französischunterricht mehr. Verstehen konnte ich letztendlich aber doch mehr, als ich mir zugetraut hatte. Antworten konnte ich nur mit: Je m’appelle Fabian (Ich heiße Fabian) und ähnlichem… Das Gespräch, was dann bald in Englisch geführt wurde, war jedoch ziemlich interessant. Besagter Rettungsschwimmer hatte sein Ausbildung in Kairo gemacht, was darauf schließen lässt, dass er relativ reich gewesen sein muss. Vielleicht ein Grund dafür, dass er an diesem Hotel mit Pool arbeitete.
Nun ja, irgendwann entschieden wir uns jedoch zu gehen, weil der Coach uns noch seine Mannschaft zeigen wollte, sodass wir sie motivieren sollten. Das klang schon komisch, war es im Endeffekt auch. Ruven erbarmte sich unser anderen und übernahm die peinliche Rede. Gegen Ende kamen wir dann darin überein bald mal mit dem Team zusammen zu spielen.
Bald war auch dieser Tag zu Ende, doch schlafen wurde dank meiner Haut zu einer Qual, da sich die roten Punkte verteilten und höllisch begannen zu jucken. Am folgenden Tag suchte ich dann Milicent auf um sie zu fragen, was das sein könnte. Sie meinte, dass es „Heat rushes“ sind, also Hitzeröteln (keien Ahnung, ob man das in Deutschland auch so nennt). Meine Haut, sagte sie, stelle sich wohl nur auf die Temperaturen Afrikas ein. Sie stellte in Aussicht, dass diese Hautkondition nach 3 bis 4 Tagen weg sein sollte. Beschwingt durch diese Nachricht zogen ich zusammen mit dem Trotro nach Kumasi um mir den Markt anzuschauen. Doch die Fahrt war mehr als ermüdend und so ging es mir schon schlecht, als ich aus dem Trotro ausstieg. Nur bei halben Bewusstsein folgte ich den anderen 3 durch die Menschenmassen, wobei wir wiederholt angesprochen wurden: „broni, buy!“ und „how are you?“ Letztendlich gingen wir nur durch das Textilienabteil des Marktes, welches dennoch riesig groß und absolut dreckig war. Kaufen konnte man alles, was man auch in Deutschland kriegen konnte. Man musste nur danach suchen. Bald entschieden wir nur noch zum Supermarkt zu gehen und dann nach Hause zu fahren. Auf dem Weg dahin verlor ich die anderen, was mir ein Stück weit entgegen kam, weil ich so die Möglichkeit hatte, Kumasi selbst zu erkunden. Ich fand den Supermarkt auch ohne große Umwege.
Nachdem wir wieder zu Hause waren, kochten Corny und ich ein leckers Mahl nach ghanaischer Art. Wie genau es auf Twi heißt, weiß ich nicht mehr, aber es gab Reisbälle mit einer Art Erdnusssoße. Natürlich war Milicent uns eine riesen Hilfe, da sie eigentlich alles für uns machte sodass wir nur zuschauen mussten.
Das Essen reichte sogar noch für den nächsten Morgen, kalt war es nicht so lecker, also erwärmten wir es und aßen somit zum ersten Mal ghanaisch Frühstück. An diesem Tag packte uns dann auch das Verlangen endlich mal wieder Sport zu machen. Nach einigen Kraftübungen gingen wir ein wenig laufen, doch ich musste schon nach der Hälfte der Zeit aussetzen und lief durch die Dörfer nach Hause. Auf dem Weg lief ich durch eines, in welchem viele kleine Kinder auf einem Haufen waren und bei meinem Anblick „broni“ in einer Art Chor zu singen, was einerseits irgendwie lustig war, aber andererseits auch angsteinflößend. Also ich wieder zu Hause ankam, warteten wir noch einige Zeit bis das Orientation Meeting anfangen sollte, bei welchem wir in das Schulleben eingewiesen werden sollten. Uns wurden die Regeln vorgestellt, besonders wurde uns ans Herz gelegt, keine Ghanaer in unser Zimmer einzuladen, kein Alkohol oder Zigaretten auf dem Campusgelände zu konsumieren, sowie etwaige Geschlechtspartner nicht auf dem Campusgelände zu bespaßen. Alles in allem also kein Problem. Außerdem mussten wir für die Visumsverlängerung noch ein Formular ausfüllen. Im Verlaufe der Gespräche wurde uns auch offenbart, dass wir die Möglichkeit haben würden bei einem regionalen Rundfunksender MYND FM, ein eigenes Programm zu erstellen und damit über Deutschland zu informieren.
Nach dem Meeting wurde ich wegen meiner Haut zum Arzt geschickt, weil es nicht besser werden wollte und sich nunmehr auf meinen ganzen Körper ausgebreitet hatte. Ich ging also zu Milicent, die mich begleiten sollte. Jedoch lud sie mich Lucy, die Schulköchin, erstmal zum Essen ein. Nebenbei redete sie viel und schnell, sodass ich kaum ein Wort verstand. Als wir dann losgingen war ich mehr als verwirrt. Auf dem Weg zum Arzt erfuhr ich von Milicent, dass sie nebenbei auch ein „deutsche Kosmetik“-Laden unterhielt und damit einiges an Geld verdiente.
However, der Arzt war nicht anwesend, als wir im Krankenhaus ankamen, also warteten wir noch ein bisschen mehr und so erfuhr ich auch noch via eine Newssendung, dass ghanaische Waisenhäuser von Korruption zerfressen waren. Kinder sterben und Gelder werden veruntreut. Die News erinnerten mich aber ein bisschen an die BILD, weil nur einprägsame Bilder gezeigt wurden und viel mit rethorischen Fragen gearbeitet wurde… Nun ja, als der Arzt dann kam, sagte er, dass ich morgen wieder kommen müsste, weil man Hautprobleme nicht bei Nacht betrachtet. Einfach großartig, aber etwas Gutes hatte es. Da ich mit Milicent unterwegs war, erfuhr ich einige Weisheiten über Ghana, die ich sonst nicht erfahren hätte. Ich erzählte ihr auch, dass es ein komisches Gefühl sei, bei Nacht durch die Gegend zu laufen und all die Menschen um einen herum kaum erkennen zu können. Sie lachte mich aus…

Posted in Uncategorized | Leave a comment