#16

Auf ein Neues! Ich habe seit dem 4.6. keinen Blog mehr abgeschickt, also wird es jetzt Zeit mal wieder etwas zu schreiben. Heute ist der 17.06. und wir haben gerade Ferien. Das ist auch der Grund warum ich schreibe. Ich hoffe mal, dass ich den Spaß heute fertig schreiben kann, aber wegen den Ferien bin ich komplett faul geworden und hab heute schon den halben Tag mit zocken zugebracht, also bin ich mir gar nicht sicher, ob ich das so hinbekomme…
Naja, die Endzeitstimmung wird immer stärker und ich freue mich immer mehr auf Deutschland, auch wenn ich gar nicht mehr wirklich weiß, wie es dort war. Und sicherlich werde ich mich total erschrecken, wenn ich zurückkomme und alles sehe, aber das ist mir gerade egal, denn ich hab nur das positive vor mir. Besonders freue ich mich auf die Uni und endlich mal wieder lernen zu müssen. Denn ohne Druck fällt mir das ganz schwer! Naja, was gibt es noch. 43 Tage noch bis Josi hier ankommt… Ja, ich habe angefangen zu zählen. Irgendwann in den 60ern ging es los. Ich habe somit schon etwa ein Drittel überstanden, aber die Freude wird immer intensiver. Ich hab jetzt auch schon ein bisschen darüber nachgedacht, wo man hinfahren könnte und ich muss sagen, dass 3,5 Wochen zwar gar nicht wenig sind, aber nicht genug um Ghana ordentlich zu bereisen! Tja, aber da müssen wir beide dann mal durch.

Hm… ich hab jetzt leider einen Tag lang nichts geschrieben, weil ich am Freitag keinen Bock mehr auf Schreiben hatte und der Samstag ziemlich ereignisreich war. Also fange ich einfach nochmal von vorne an und leite aufs Neue ein. Also heute habe ich mich so gefragt, wie sehr ich mich eigentlich verändert habe. Besonders auf Musik bezogen haben sich meine Vorzüge geändert, glaube ich. Gestern Abends habe ich mir zum Beispiel mal deutschen (niveauvolleren) Rap angehört und fand die Hälfte davon echt ganz gut. Früher hätte ich sowas nicht mal angerührt! Dann heute früh hab ich mir über eine Stunde lang Reggea angehört und fand es auch richtig gut. Naja, Dellé ist auch ein sonderfall, denn er ist einer der Leute von Seeed und seine Familie kommt aus Ghana, deswegen hab ich zu dem Ganzen auch eine gewisse Verbindung, aber ich kann mir selbst nicht recht glauben. Durch die Musik habe ich dann darüber nachgedacht, wie sich mein ganzer Charakter verändert haben könnte und ich bin echt mal gespannt, was dann alle so sagen werden. Hihi, ich glaube, dass sich besonders Martin wundern wird, was bei mir geht! Aber genug von solchen Gedanken, auf geht’s zur Beschreibung meiner letzten 2 Wochen.

Am 5.6., ein Sonntag, war ich mit Davida in der Kirche. Ich habe es auch lange genug herausgezögert, aber an diesem Tag musste ich mich überwinden und doch mal gehen. Also sind wir früh losgefahren und haben auf ein Trotro nach Kejetia gewartet, aber das war schier unmöglich, wie immer um die Zeit. Also haben wir dann doch ein Taxi genommen und waren um 7:48 Uhr an dem Bus, der zu Davidas Kirche fährt. Ja, richtig gelesen, diese Kirche hat tatsächlich ihre eigenen Busse. Aber nicht irgendwelche Busse. Metromass! Das heißt: eine Art preiswerter Reisebus. Ich hatte eigenltich mit irgendeinem rostigen Trotro gerechnet, aber das war ein echt netter Service. Hinzu kam dann noch, dass diese Busse wirklich nach Zeit fuhren. Soll heißen: wer nach 7:50 Uhr kommt, kommt zu spät! Nun ja, also haben wir uns da reingesetzt und sind losgefahren. Die Kirche ist ganz in der Nähe von der KNUST, einer der richtig guten Unis in Ghana. Als wir ankamen, konnte ich es echt nicht fassen! Die Kirche war riesig. Das ist eigentlich gar kein Ausdruck für diese Kirche. Ich meine die war mal locker größer als meine Schule in Deutschland. Leider vergaß ich ein Bild von der Kirche zu machen, weil ich einfach so erstaunt war. Als ich Davida darauf ansprach, sagte sie mir auch, dass etwa 6000 Leute zu dieser Kirche gingen! Das muss man sich mla vorstellen! 6000 Leute waren tatsächlich in der Kirche drin! Und etwa 10000 Leute waren in der Kirche registriert. Demnach war sie auch recht gut ausgestattet. Überall Flatscreens auf denen Songtexte zu sehen waren, wie damals auch in Amerika. Dadurch konnt ich auch endlich mal mitsingen. Zwar war es immer das gleiche Gewäsch, aber es war wenigstens nicht mehr so langweilig. Dann kamen wir irgendwie in Gruppen zusammen und redeten über unser Leben und so… keine Ahnung, das gab es in Amerika auch. Ich glaube das haben die Bibelgruppen genannt. Das heißt, erst Bibel studieren und dann über das Leben philosophieren. Ich fand nur lustig, dass unser Vorsitzender irgendwie nur pseudo-freundlich war und immer ein Lächeln im Gesicht hatte, das sagte, „oh Mann, wo bin ich hier nur reingeraten?“ Naja, danach ging es zurück in die Kirche und wir haben noch ein bisschen gesungen und uns einige Termine sagen lassen. Um halb 12 war es endlich vorbei. Genau 3 Stunden. Dann haben wir einen Bus nach Adum genommen und wollten noch ein bisschen shoppen, soll heißen, dass Davida noch einige Sachen kaufen wollte, aber wir waren beide ein wenig müde und deswegen entschieden wir dann doch direkt zum Busbahnhof zu laufen und nach Hause zu fahren. Dann hab ich den Rest des Tages nur noch chillen können.

Dann ging der Schulalltag wieder los. An diesem Montag hatte ich eine ganz normale Englischstunde und am Nachmittag hatte ich wieder Deutsch und Wisdom war mal wieder da. Ich hatte ihn seit unserem kleinen Zusammenstoß nicht mehr gesehen und hab mich an diesem Tag irgendwie entschuldigt und gesagt, dass er machen soll, was er will, aber ich würde ihn immer dabei stoppen, wenn er irgendwelche Schüler schlägt. Das hat er nicht verstanden und wollte noch ein bisschen diskutieren. Aber ich hab es abgebrochen und mit dem Unterricht weitergemacht. Da die Leute keine Lust auf Deutsch hatten und das bei denen sowieso komplett sinnlos ist, habe ich den beiden lieber einen Transformator erklärt, der noch an der Tafel war, den sie aber nicht verstanden hatten. Um wenigstens ein bisschen zu machen, habe ich dann noch etwas Deutsch besprochen und bin gegangen. Alles in Allem fand ich es sogar fast gelungen. Bloß doof finde ich, dass man bei denen einfach nicht richtig Deutsch unterrichten kann, denn man kann ihnen nicht mit schlechten Zensuren oder Strafen drohen, um Disziplin herzustellen. Ich meine ich versteh die vier ja, aber es nervt einfach komplett nicht wirklich ernst genommen zu werden. Unsere Schulleitung ist da aber auch ziemlich lustig. Wie will man denn bitte ein Fach unterrichten, wenn man nur eine einzige 40-minütige Stunde in der Woche hat, bei der die ersten 5 Minuten meistens wegfallen, weil Schulmaterialien geholt werden müssen. Naja, es sind jetzt ja nur noch 3 solcher Stunden von denen sicherlich auch noch eine ausfallen wird, weil keiner da ist. Also was solls… Danach bin ich nach Hause gegangen und hab für den Rest des Tages geschlafen.

Der Dienstag war dann wieder typisch: nur hin- und hergerannt, unterrichtet und zeugs erledigt. Nagut, eine Stunde hab ich zwischendurch mal im Lehrerzimmer geschlafen, aber dennoch war ich nach dem ganzen Stress absolut am Ende, ging nach Hause und schlief den restlichen Tag.

Dann am Mittwoch, hatte ich endlich keine Schule und ging, nachdem ich mit waschen fertig war, mit Andreas zu Andrew und chillte da wie gewohnt. Es gab diesmal echt richtig leckeres Essen. Es war auch total einfach, weil Andreas Vegetarier ist. Er mixte einfach nur Kontomire, Tomate, Zwiebeln und Ei mit einigen Gewürzen und servierte es mit Yam. Sehr nice! Das Gesprächsthema war wie immer Frauen. Dadurch, dass Andreas mit war, war es alles viel lustiger, weil wir ja aus Deutschland gewöhnt waren nur eine Freundin zu haben. Und dann immer wieder von noch einer neuen Freundin von Andrew zu hören, ist dann immer wieder erheiternd. Naja, dann gingen wir zur Uni, aber ich begann arge Magenprobleme zu bekommen und fast wäre es zu spät geworden, aber ich hatte Glück und bin noch nach Hause gekommen und konnte alles klären. Das war schon der zweite Tag an dem ich solche krassen Magenprobleme hatte, nachdem ich von Andrew zur Uni gegangen war… Doof! Tja, zu Hause habe ich dann erstmal gechillt und als Gifty dann auch kam, bot sie an, dass wir doch mal wieder Fufu pounden könnten. Diesmal jedoch mit Ruven. Das war dann ziemlich witzig. Ich hatte erst ein bisschen mit Gifty das Fufu für Kwakye und Gifty gestampft und dann kamen Ruven und ich dran. Ich sollte das Fufu umdrehen und Ruven stampfte. Ruven machte einen guten Job, viel besser als ich gedacht hätte! Eigentlich machte er, nachdem ich ihm ein, zwei Tipps gegeben hatte, alles richtig. Nur ich hatte meine Probleme, denn dieses Umdrehen ist doch schwieriger, als es aussieht. Tja, das heißt einfach nur, dass wir es öfter machen müssen. Und vor allem müssen wir erstmal Woma und Waduro kaufen. Dann können wir nämlich immer selbst entscheiden, wann hier Fufu-Action abgeht! Naja, wir genossen unser Essen dann an einem lustigen kleinen Tisch in der Küche und saßen dazu auf den typischen Schemeln. Das war alles irgendwie geil. Andreas kam dann auch noch eine Runde vorbei und chillte sich zu uns, aber er war so satt, dass bei ihm gar nichts mehr ging, aber mein Bauch hat sich ja mindestens um das 10-fache geweitet, weswegen ich jetzt irgendwie absolut immer essen kann. Den Abend haben wir dann in aller Ruhe mit einer Runde Wizard ausklingen lassen. Dieses Spiel spielen wir in letzter Zeit fast nur noch… es macht aber auch ziemlich viel Spaß! Besonders lustig ist es, wenn es für einen Spieler mal gar nicht gut läuft und sich betreffende Person dann bei allem und jedem beschwert. Zu lustig! 😀

Der Donnerstag war dann irgendwie total komisch. Ich hatte einen total verrückten Traum. Ich träumte in einer Quizshow für Schwer-Kranke zu sein. Dazu wurde uns allen ein Buzzer gegeben, während wir in Krankenhausbetten lagen. Ich lief herum und sah die anderen Teilnehmer. An was ich mich am meisten erinnere, ist eine Querschnittsgelähmte, die an ihren Buzzer nicht herankam. Es war also alles total skurril. Die einzige Frage war auch komisch. Man musste sich ein Bild anschauen, das eine Person zeigte, die offensichtlich getötet wurde. Das Ziel war nun herauszufinden, wie das Gesicht der Person aussieht, denn das Gesicht des Getöteten war abgeschnitten worden und sollte nun irgendwo im Bild zu finden sein. Ich suchte und suchte und irgendwann fand ich es in einem Schrank und ich erkannte mich selbst und wachte auf. Das war alles so beunruhigend, dass ich total off war an diesem Tag. Ich kam zu spät zur Schule, aber glücklicherweise hatte ich erst später Unterricht, wobei ich aber gar keine Lust auf unterrichten hatte. Im Unterricht haben meine Schüler das Essayschreiben auch gar nicht ernst genommen, weswegen ich einfach nur genervt war und Kopfschmerzen bekam. Deswegen war es mir überall zu laut. Zu Hause war Ruven und wusch und mich regte das Geräusch des Wassers auf. Im Lehrerzimmer konnte man alle möglichen Geräusche aus dem Dorf hören, also ging ich nach Hause und ruhte mich aus, laß ein wenig und bereitete den Unterricht für den Nachmittag vor, aber die Stunde lief dann auch nicht so gut. Das Problem ist einfach, dass ich den Leuten beibringen will, wie man Essays schreibt, aber die glauben alle, dass sie es können und nehmen es nicht ernst, wenn ich mir dann die Aufsätze anschaue, ist aber so gut wie jeder Aufsatz totaler Dreck. Aber das merken die immer erst in den End of Term Examen. Naja, danach hatte ich gar keinen Bock mehr und legte mich schlafen, ließ somit das Radio ausfallen. Eigentlich wollte ich gar nichts mehr machen, aber am Abend rief mich Sabrina an, dass ich doch mal rüber kommen sollte, weil Mary wahrscheinlich kommt und Kuchen mit Wein serviert. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Beides war richtig lecker! 😀 es war überhaupt mal wieder krass Weißwein zu trinken und vor allem war der gar nicht mal sooo schlecht. Naja, jetzt mag sich der eine oder andere fragen, warum Mary das gemacht hat. Die Antwort ist simpel: am nächsten Tag war Sabrinas Geburtstag und Mary hatte an diesem Tag keine Zeit, wollte aber trotzdem ein Geschenk schenken. So unterhielten wir uns noch ein wenig, auch Sark kam noch vorbei und bekam sowohl Kuchen als auch Wein (wobei wir ihn hierbei schon fast zwingen mussten…).

Nun ja, der nächste Tag war dann wieder ziemlich lustig, denn es war Sabrinas und Harriets GeburtsDATUM. Und der GeburtsTAG von Sarkodie. Er ist Kofi, also am Freitag geboren und nach der Tradition scheinen die Leute auch den Tag zu feiern. So ganz habe ich es nicht  verstanden, welches nun traditionell gefeiert wird und ob der Geburtstag hier überhaupt eine Rolle spielt, denn so wie sich die meisten Leute verhalten eher nicht. Naja, aber was immer gemacht wird, ist dass die Geburtstagskinder mit Wasser übergossen werden. Normalerweise wird einfach ein Wasserbeutel genommen und langsam über der Person geleert. Das nennt sich dann „Shower of Blessing“, die segenreiche Dusche. Naja, nachdem wir den Schülern im Verlaufe der Vergangenen Woche „Zum Geburtstag viel Glück“ beigebracht hatten, sangen es die Schüler zur Morning Assembly und danach holten zwei Schüler einen 15 Liter Eimer voll mit Wasser und nach einigen Versuchen auszubüxen, stand Sabrina vollkommen nass da. Das war krass und vollkommen lustig. Da auch Sabrina drüber lachen konnte, freuten sich alle und alles war cool. Danach gingen wir zu Harriet und überreichten ihr einen kleinen Kuchen und Sabrina verteilte ein wenig Wasser auf ihr.
Dann gab es ein leckeres Frühstück mit Ei, Tomaten und Kuchen. Das war ziemlich geil. Dann habe ich ein wenig in einem Buch von Andreas gelesen, welches da „Ach, Afrika“ heißt und so allgemein über Sachen in Afrika schreibt. Der Autor hat eine ganze Weile in Afrika recherchiert und hat mit Einwohnern, Despoten und anderen Afrika-Korrespondenten geredet und schrieb seine Meinung nun in dem Buch nieder. Dadurch erfährt man echt viel und lernt mal die Bedeutung von vielen Worten, die man vorher benutzt hat. Zum Beispiel weiß ich, dass Vodún aus Benin kommt. Da gibt es einen Stamm, der Leute verhext und mehr oder weniger über Leben und Tod bestimmt und dabei ganz verrückte Rituale durchzieht. In Deutschland nennt man diese Leute Voodoo-Zauberer. Solche kleinen Informationen zusammen mit Geschichte Afrikas ist echt genial.
Naja, im weiteren Verlaufe des Tages haben wir noch ein bisschen an unserem Rezeptebuch geschrieben und dann zum Mittag ein Fruchtmassaker veranstaltet: Wassermelone, Mango und Ananas. Natürlich alles frisch und lecker. Danach haben wir noch gechillt und ich habe gelesen. Gegen Abend haben wir dann einen Raum für die kleine Feier von Sabrina und Harriet vorbereitet: Wir haben die Boxen aufgebaut und Musik klar gemacht. Eigentlich wollte ich meinen Laptop nicht zur Verfügung stellen, weil ich gerade erst mit den Problemen die ich anfangs hatte, klargekommen war, aber weil nur auf meinem PC wirklich viele afrikanische Musik ist, musste ich meine Ängste überwinden. Irgendwann kamen dann auch einige Leute und das Essen wurde aufgebaut. Auf einmal erschien auch Sangria auf dem Tisch, der ziemlich lecker schmeckte und besonders Harriet haute ordentlich rein. Dann gab es auch endlich etwas zu essen: Reis mit Salat und Hühnerschenkel. Sehr lecker. Zum Nachtisch gab es noch leckeren Kuchen. Nebenbei konnte man schön tanzen, aber eigentlich tanzten nur Harriet, Sarkodie und Sabrina, die anderen freuten sich zu sehen, wie Harriet langsam immer betrunkener wurde. George fühlte sich an dem Abend nicht so gut und deswegen machte er einen auf DJ. Irgendwann kam dann mal Harriets Mann rein und sah total entgeistert aus, als er Harriet da so sah, wie sie durch die Gegend tanzte. Sie war aber auch echt gut drauf! Naja, aber nur so lange, wie die Leute sie nicht vom Feiern abhalten wollten. Denn als der Strom ausgestellt wurde, war sie fuchsteufelswild und zerrte an meinem Laptop rum, nachdem sie ihr Wasserpäckchen direkt daneben abgestellt hatte. Da war es für mich vorbei und ich wollte meinen PC da einfach nur noch weghaben, weil es mir zu bunt wurde. Als ich die Kabel aus der Steckdose zog, wurde ich auch noch von Harriet angemacht und von den anderen die drumherum standen ausgelacht, aber geholfen hat mir keiner. Ich wurde so wütend, dass ich einfach gegangen bin. Wenn ich geblieben wäre, wäre ich unhöflich geworden und darauf hatte ich keine Lust. Dank Ruven ist dann auch nichts schief gegangen. Ich ging mit Gifty nach Hause, zog mich um und ging dann mit den anderen drei in die Bar und wir zockten noch eine Runde Skat und aßen Tilapia.

Der Samstag war dann auch wieder ziemlich entspannt. Das einzige was passiert ist, war, dass wir eine der Lehrerinnen besuchen gingen, weil es auch ihr Geburtstag war, aber sie war total in ihre Arbeit vertieft, deswegen gingen wir auch relativ bald wieder. Aber als sie da so an der Kasse von einer Gasstation arbeitete, kam ein Weißer an und redete fließend Twi mit ihr. Das konnte ich gar nicht fassen und zerfloss vor Neid! 😀
Am Sonntag war dann Sarks richtiger Geburtstag und wir frühstückten mit ihm und seiner Freundin. Das war richtig cool, denn, wenn man ihn in der Schule trifft, ist er meistens eher distanziert, aber bei solchen Sachen, wo man offiziell ausgelassen sein darf, ist er übermäßig sympathisch! Es war auch mal nett mit seiner Freundin zu reden, denn wir haben in den letzten 10 Monaten nur von ihr gehört, aber kein Wort mit ihr gesprochen, außer „Wie geht’s?“ und ähnliches.
Und schon ging es wieder in eine neue Woche voll mit Unterricht. Endlich hatte ich nun auch mal meinen Unterricht am Montag auf den Nachmittag verlegt und konnte die 120 Minuten Twi am Morgen miterleben. Wir schrieben einen Test. Da es aber nur um Grammatik ging, konnte ich alles ganz gut. Nur das Beschreiben von Personalpronomen (Edinnsiananmu) fiel mir gar nicht leicht. Und der eine oder andere Name für Adverben war nicht leicht zu merken, aber sonst lief es ganz gut. 😀 Ich bin relativ zuversichtlich, dass ich Twi ein wenig besser hinbekommen werde. Zwar fehlt mir immer noch extrem viel, aber ich meine dafür, dass ich erst in letzter Zeit intensiv angefangen habe mich auf die Sprache zu konzentrieren, läuft es annehmbar. Zumindest rede ich mir das immer ein… 😀

Der Dienstag darauf war dann ein wenig uncool. Denn ich rief endlich mal bei der Humboldt Uni an, um herauszubekommen, wie das nun laufen würde, aber mir wurde gesagt, dass ich etwas von mir persönliches unterschreieben sollte… Na toll, dachte ich da. Mein letzter Brief nach Deutschland hat 8 Wochen gebraucht und der blöde Anmeldezeitraum ist nur einen Montag lang. Aber wir haben eine Lösung gefunden und das ist das was zählt! Aber ich finde dennoch, dass sich Unis da was für solche Auslandsleute ausdenken sollten, um es leichter zu machen. Naja, dadurch hatte ich aber durchaus anderes im Kopf, als unterrichten, aber ich überwand mich dennoch und brachte dem zweiten Lehrjahr Deutsch bei, nachdem ich erst Boamah Nunu verjagen musste, einen Lehrer, der meine Schüler besetzt hatte. Mir ist es schon einige Male vorher aufgefallen, aber diese Person hat wirklich Probleme, denn er hat extrem oft eine Sonnenbrille auf. Am Anfang des Terms im Staffroom und in letzter Zeit auch immer zum Unterricht. Eine Sonnenbrille beim Unterrichten! Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen! Vor allem kommt in diese Unterrichtsräume auch nur kaum Licht rein. Wir müssen auch immer die Tür aufmachen, damit genug Licht im Raum ist… Und der Typ lässt einfach mal 24/7 die Brille auf. Ich frage mich, ob es Gegenden in Deutschland gibt, wo sowas gehen würde. Ich meine, geht es eigentlich noch lächerlicher? Tja, ich war glücklich, weil Mr. Cool, als ich Englisch in den letzten Unterrichtsstunden unterrichten wollte, verwundert sagte: „Oh, du hast hier schon wieder Unterricht?“ Ich sagte einfach nur: „Ja, das steht auch auf dem verdammten Stundenplan, der hier direkt vor dir im Zimmer hängt, aber mach dir nichts draus, denn wie solltest du das auch sehen mit ner Sonnenbrille auf der Nase?“  Nagut, das hab ich nicht gesagt, aber ich hab es gedacht. Ich ließ ihn „nur 30 Minuten“ meines Unterrichts nehmen, um die letzten Sachen abzuschließen und kam dann für die letzten 5 Minuten rein, um noch ein paar Zettel zu verteilen… -.-  eigentlich war es ja typisch, vorraussehbar und irgendwie lustig, aber ich fand es in dem Zeitpunnkt einfach nur ermüdend und ging home, um mal wieder ein bisschen zu schlafen, aber daraus wurde nichts, denn eine Schulinspektion wurde durchgeführt und dafür musste ich mich in die Bibliothek setzen und so tun, als ob hier wirklich was passieren würde… Ich schlief also 30 Minuten in der Bibo, bis mich Andreas aufweckte, weil die Leute gleich kommen sollten. Sie kamen, sahen und befanden die Bibliothek  als annehmbar. Eine witzige Sache noch: bevor die Leute kamen, wurde extra noch ein Computer dahin geschafft, um ein Bild von Moderne zu schaffen. Ich weiß aber nicht, ob sich irgendwer hat täuschen lassen. Ich fand es jedenfalls komplett sinnlos, aber mich hat ja keiner gefragt… 😀

Am Mittwoch dann hat der Midterm endlich angefangen. Eigentlich wollte ich ja mit Osama gehen und ihn nochmal ordentlich besuchen ohne die ganze Zeit zu pennen, aber wegen den Unis, hatte ich dafür keine Ruhe und blieb erstmal zu Hause. Milicent kam an diesem Tag auch wieder aus dem Krankenhaus und brachte ein kleines Würmchen mit sich, welches da Maame Abena hieß. Also am Dienstag geboren. Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass sie übermäßig süß war! Wir gehen hier auf Babies ja sowieso schon ab, aber so klein und so süß, da kommt nur Serwaa ran, die Tochter von Harriet, meine 10-monatige, ghanaische Freundin 😀

Den Rest des Midterms chillten wir eigentlich nur und ich ging noch einige Male ins Internet, um mich um mein Studium zu kümmern. Wir entdeckten die Ceci’s Fufubar für uns, denn da gab es Fufu in rauen Mengen und dazu Bier zu einem Preis, der seinesgleichen noch finden muss! Am Freitag war ich nach Ceci’s Bar auch noch bei Andrew, konnte ich aber vor lauter Fufu (ich hatte für etwa 2,50 Cedi gegessen, während die anderen nur einen Cedi gegessen hatten) nicht mehr laufen oder mich anderweitig bewegen, also schlief bei ihm fast ein. An diesem Tag hatten wir dann auch nach Ewigkeiten mal wieder von Daniel gehört, der sich 2 Wochen lang nicht mehr gemeldet hatte. Ruven fühlte etwas, das ich mal Angst um ihn nennen würde. Zurecht! Denn Daniel war nach Accra gefahren und es hätte alles passieren können. Der Bus hätte einen übermäßigen Unfall haben können und Daniel hätte tot sein können, ohne dass wir davon mitbekommen hätten. Aber nichts davon ist passiert. Alles ist cool, besser als cool eigentlich, denn seine Firma, die ja Examen entwickelt, arbeitet nun für die Regierung scheinbar ghanaweit. Er hat es noch nicht bestätigt, aber es wäre echt richtig geil für ihn. Das würde vor allem nicht nur seiner Firma finanziell helfen, sondern auch den ghanaischen Schülern, denn es gäbe viel mehr Vergleichsarbeiten, die zeigen können, ob man auf dem Laufenden ist.

Am Samstag bin ich dann endlich mal wieder seit Ewigkeiten Volleyball spielen gewesen. Diesmal im Komfo Anokye Teaching Hospital, dem größten Krankenhaus meiner Region. Ein riesiger Komplex aus mehrstöckigen Häusern, die aber allesamt verkommen sind und an den Rändern schimmeln. Naja, der Sportplatz war ganz nett. Coolerweise waren die Häuser um den Sportplatz mit vielen Fensterscheiben verkleidet. Ziemlich sinnvoll. Etwa ein Viertel der Scheiben war auch schon zerborchen. Wir schafften es auch eine Schreibe zu zerdeppern. Der Ball traf aber auch perfekt und „klirr“… 😀 aber wir ließen uns nicht beirren und spielten weiter. Es machte Spaß, auch wenn ich eine Weile brauchte um wieder reinzukommen. Danach war ich aber ziemlich fertig und hatte auch einige kleine Wehwehchen. Aber ich kaufte danach noch ein bisschen was ein. Das Einkaufen geht jetzt auch fast größtenteils auf Twi, was ziemlich genial ist und die Leute freut. Ich bin zum Beispiel in einen Laden reingegangen und wollte ein Messer kaufen. Ich hatte aber nur noch einen Cedi und davon brauchte ich 40 Pesewas für das Trotro nach Hause. Ein Messer kostet leider auch etwa einen Cedi, also war ich eigentlich auf verlorenem Posten. Tja, bevor ich also in den Laden eintrat, lachte eine Frau die andere aus, weil sie mich gleich bedienen musste und sie dachten, dass ich Englisch sprechen würde. Das ist hier oft ein Grund, dass Leute zu viel Respekt vor einem haben, denn sie sind dieser Sprache nicht mächtig. Tja, da ich aber mit „Ete sen?“ ankam, lachte nun die vorher ausgelachte und als ich nach einem Messer fragte, sagte sie nur „Fa ko!“ („Nimm und geh!“) Ich musste nichts bezahlen und freute mich tierisch.

Der Nachmittag war dann mehr als nur Besonders, denn zum Geburtstag bekam Sabrina von uns ein Mangodinner. Das heißt: Mangosuppe (viel Chilli, Tomten und Mango gemixt und zusammen mit Wasser erhitzt, richtig geil und absolut zu empfehlen!), Mangoreis mit Hühnerschenkel (in Chilli eingelegte unreife Mangowürfel mit Reis in der Pfanne gekocht, lecker) und last but not least Mangosorbet (gemixte, reife Mango mit einer Melonenstückchendecke, absolut einfach, aber unglauchlich lecker). Ach ja, zum Reis wurde ein Salat gereicht: Salatblätter, Zwiebel, Tomate, Mangodressing. Das war alles so verdammt lecker, ich fasse es immer noch nicht! Und letztendlich war es auch gar nicht mal sooo teuer. Ich glaube 22 Cedi. Also etwa 11 Euro. Für 4 Personen…

Verständlich, dass danach gar nichts mehr ging. Ich bin verwundert, dass ich das Abwaschen noch hinbekommen habe, was diesmal echt viel war, da wir wirklich fast jedes Stück aus unserer Küche dreckig gemacht hatten… Naja, danach rollte ich nach Hause und schlief bis spät in den nächsten Morgen. Erst gegen acht wurde ich munter und schleppte mich gegen halb neun zur Schule, um da von ein bisschen Bananenmilkshake begrüßt zu werden. Auch sehr lecker und absolut einfach! 😀

Nach all diesem Gaumenschmaus konnte der Sonntag nicht Besonderes mehr enthalten. Wir chillten und schafften so wenig wie möglich. Auch der Montag danach war kein glorreicher Tag, denn wir hatten immer noch Ferien. Abends machte ich mich dann langsam und unwillig für eine mögliche Unterrichtseinheit bereit, aber eigentlich hatte ich keine Lust und glaube auch nicht daran, dass es wirklcih Unterricht geben würde, denn nach den Ferien dauerte es ja immer ewig, bis endlich mal wieder genug Leute da sind. Ich hatte in dieser Nacht sogar den Albtraum, dass absolut alle Schüler da sind. Schrecklich, nicht wahr?

Naja, letztendlich kam es nicht ganz soweit. Ruven und ich machten die Bibo auf und ließen alle unbeaufsichtigten Schülerlein darin sitzen und ihre Sachen vorbereiten. Aber sehr viele nutzten diese Möglichkeit nicht. Kelvin Osei Enoch kam noch einige Male zu mir und fragte mich nach Vokabeln. Sowieso habe ich diesen Schüler immer wieder gern, denn er ist ruhig, arbeitet fleißig und probiert es wirklich. Er ist zwar nicht der Beste, aber er hat immer ziemlich kluge Ideen. Er wird auf jeden Fall einer derjenigen sein, die ich extrem vermissen werde.

Am Nachmittag hab ich mich dann sogar noch zum Englisch unterrichten überwunden und es lief auch halbwegs zufriedenstellend. Endlich mal wieder!

In dieser Zeit kam auch Albert, der Gründer unserer Schule nach Kumasi und am Abend seiner Ankunft gingen wir zu ihm und unterhielten uns ein wenig über die Schule und Deutschland und alles. Er offerierte Merci, welches total zerschmolzen war, aber da es Schokolade ist, konnte ich mich kein bisschen zurück halten und hörte erst auf die schlemmen, als auch das letzte Stückchen verschwunden war.

Am Mittwoch, den 22.6. hatte ich wieder mal keinen Unterricht und so ging ich mit Ruven zusammen in die Stadt und wir kauften einige Souvenire. Das war ganz witzig und ich bin ganz zufrieden mit dem was wir besorgt haben. Auf dem Rückweg stiegen wir in Ohwimase aus und holten uns noch einen Waduro zum stampfen von Fufu. Endlich hatten wir also unseren eigenen. Jetzt trennte uns nicht mehr viel von der Fufuaktion ohne Ghanaer. Denn unser Plan ist es in Deutschland Fufu zu stampfen und eventuell sogar ein wenig zu verkaufen, aber da wir an diesem Tag keinen Woma bekamen, konnten wir noch nicht beginnen.

Aber am nächsten Tag sollte es dann soweit sein. Doch bevor wir auf die Idee kamen Fufu zu stampfen war erstmal die langersehnte Eröffnung des Kindergartengebäudes neben unserer Schule. Der eigentliche Grund, warum Alber nach Ghana gekommen war. Die Leute hatten schon vor unserer Anreise mit dem Bau begonnen und nun waren sie endlich (fast) fertig. Die beiden Tage zuvor hatten sie noch ohne Unterlass gearbeitet, strichen sogar noch unsere Schule und ebneten die regenzerfressene Straße, die jetzt nicht nur extrem breit, sondern auch schön glatt ist. Aber da wir uns in der Regenzeit befinden, sind schon wieder die ersten paar Furchen zu sehen.

Naja, am Donnerstag jedenfalls, sah alles relativ annehmbar aus. Es wurden am Morgen noch Girlanden aufgehangen und Zelte aufgebaut unter denen die Leute auf Plastikstühlen sitzen würden. Ziemlich festlich! Das Programm war auch recht lustig und da es eine Eröffnung von einem Kindergartengebäude war, spielten Kindergartenkinder eine große Rolle: sie gaben die Eröffnungs- und Schlussgebete zum Besten, sie sangen Lieder und tanzten. Natürlich war nichts perfekt, aber das war, was es so schön machte, weil es endlich mal nicht so zwanghaft war. Wir waren als Platzanweiser eingeteilt, aber da wir nicht wussten, wer wichtig und wer nicht war, hatten wir praktisch nichts zu tun, weil wir die ganze Zeit nur hilflos rumstanden und Programmzettel verteilen wollten. Naja, Albert hatte zwischendurch auch eine schöne. Ergreifende Ansprache, die Spaß machte, sich anzuhören, auch wenn wir nur kaum etwas verstanden, denn es war Twi… 😀

Als die Messen dann halbwegs gesungen waren, gingen Ruven und ich nochmal nach Ohwimase und versuchten an einen Woma ranzukommen, aber es gab nichts. So mussten wir uns erstmal mit dem von Harriet begnügen. Anfangs war es noch ein bisschen durcheinander, weil ich die Erdnusssuppe ein bisschen anders zubereiten wollte, als Ruven, aber als er dann das Ruder in die Hand nahm, ging alles gut. Wir nahmen ein bisschen zu viel Tomate, weswegen die Suppe zu sehr danach schmeckte und wir gaben nicht genug Salz hinzu, aber dafür, schmeckte es am Ende großartig, weil wir wirklich alles selbst gemacht hatten. Das Stampfen war dann ein wenig blöd für Ruven, weil einige Schüler zuschauten und ihn dumm machten. Mir gaben sie glücklicherweise nur konstruktive Hinweise, sodass ich lernte und Ruven… naja, der bekam Blasen. Für jeden Finger eine. Echt krass. Am Ende war der Stampfer auch blutig, aber da wollte er durch. Das Ergebnis war mit Fufu zu vergleichen, aber abgekauft hätte uns das Zeugs sicherlich keiner, da es noch an einigen Ecken und Enden hätte besser zubrereitet werden können. Aber es war uns egal, es schmeckte großartig! Für mich war es natürlich, wie so oft, zu wenig, aber es war geil endlich mal nach so langer Zeit Fufu komplett ohne ghanaische Hände zuzubereiten. Denn normalerweise nehmen sie einem irgendwann den Sitz zum Wenden, oder den Stock zum Stampfen weg. Aber so war es echt geil und ich weiß genau, dass sowas noch öfter passieren wird! Jetzt, einen Tag später, habe ich auch richtig Lust wieder Fufu zu stampfen, aber da Ruvens Hände noch nicht wieder intakt sind, müssen wir wohl noch ein wenig warten… ;D

Und heute ist nun Freitag, der 24.6.2011. Nunr noch 36 Tage bis Josi kommt. Noch 60 Tage, bis ich nach Hause fliege. Und noch 61 Tage bis ich Deutschland wieder sehe. Das sind genau 2 Monate… Ich freu mich auf das, was da noch kommt! 😀

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