#12

So, ich habe mich entschieden, dass es mal wieder Zeit zum Schreiben ist! Besonders, weil ich gerade ne ganze Weile geschlafen hab und ich endlich was machen sollte. Außerdem läuft gerade die neue, von Dominik erworbene Musik auf meinem Laptop, da macht das Schreiben doppelt so viel Spaß! Heute ist der erste März und ich hab schon wieder einen Monat nichts geschrieben. Echt krass, wie die Zeit verfliegt!
Es ist wenig passiert aber es hat sich viel verändert, das beschreibt diese letzten paar Wochen eigentlich ganz gut!
Ich gehe einfach mal zur Woche des 8.2. zurück und erzähle, was ich mir aufgeschrieben habe, denn wirklich dran erinnern kann ich mich nicht so recht.
Tja, ich hatte wohl geplant meinen nigerianischen Freund besuchen zu gehen, aber da ich viel zu viel zu tun hatte und ich nach der Schule einfach nur am Ende war, konnte ich weder ihn besuchen, noch irgend so einen Typen, der sich Scott nennt und ein Nachbar von mir ist. Er will wohl auch die anderen Volunteers gekannt haben, aber ich hab ihn bis heute noch nicht besuchen können. Mal sehen. Tja, als ich an dem Tag nach Hause kam, wurde ich von einer riesigen Welle „Gott“ überrollt, wodurch ich gleich gar keine Lust mehr auf irgendwas hatte. Erst Maria hat mich erlöst, weil sie uns besuchen kam, um zwecks ihrer Dissertation mit Kwakye über die German Ghanaian Friendship Organisation zu reden. Das war auch für mich ganz interessant, weil ich schon lange für einen Verein arbeitete, über den ich nicht wirklich Bescheid wusste. So wurde mir erzählt, wie das hier alles begonnen und sich entwickelt hatte. Wir redeten so viel, dass die Zeit nur so verflog und Maria nicht mal die Hälfte ihrer Fragen stellen konnte.
Tja, sie verabredete sich für einen anderen Tag mit Kwakye und ich ging ins Bett.
Der nächste Tag war der absolute Durchschnittsmittwoch. Denn in den letzten Wochen tat ich immer das gleiche: ausschlafen, essen, waschen, zu Andrew laufen, um dort über sein Sportprojekt zu reden und erhoffen, dass es was werden soll. Während wir dann immer so reden, kocht Andrew leckere nigerianische Sachen für mich. Meistens Eba mit einer Soße. Letzte Woche gab es Okrasoße, die bis jetzt die wahrscheinlich Beste war. Einmal gab es extrem leckeres Rindfleisch, das tagelang in Tomatenmark gelagert wurde. Auf das Fleisch komme ich bis heute nicht klar. Es war so lecker, weich und…. Unbeschreiblich! Tja, bleibt nur noch eine Sache zu sagen, denn Eba werden die wenigsten Leute kennen, es ist getrocknetes Maniokpulver, das mit heißem Wasser gemischt wird und zu einem klebrigen Brei wird. Das ganze kann man dann halt super in Soßen dippen. Für jeden Afrika-Reisenden sehr zu empfehlen, finde ich, besonders, weil es echt fix geht und man zumindest für das Eba keine Kochkünste besitzen muss.
Tja, nachdem ich Andrew besucht hatte, ging ich dann wie jede Woche zur Uni, um da zu chatten, aber wie zu fast jeder Verabredung zu spät zu kommen und bei dem Versuch zu versagen, etwas für Andrew gedreht zu bekommen.
Danach ging ich dann wieder nach Hause und chillte den restlichen Tag.
Bis hin zum Wochenende passierte eigentlich auch nichts, außer Unterricht, Fahrradreparaturen und die üblichen Radio- und Twistunden und dem einen oder anderen Bierchen am Abend. Am Freitag eröffnete uns Apau, das wir für ihn die Quittungen in den Computer tippen sollten, was relativ schnell und unkompliziert war.
Tja, nun zum Wichtigen. Am 12.2. begann das letzte Wochenende von Mareike und Cornelius hier in Kumasi. Deswegen entschieden wir uns auch am Samstag noch in den Club zu gehen. Davor spielten wir noch eine Runde Mensch ärgere dich nicht, wobei jeder, der eine 6 würfelt trinken musste, sowie jeder, dessen Spielfigur geschmissen wird. Ich war schnell bei 3,5 Bier, was mehr war, als ich je hier drüben getrunken hatte. Ich entschied mich also schnell einfach die Augen zuzumachen und einzunicken. Cornelius konnte auch nicht mehr, aber er hatte nicht getrunken, sondern hatte Kopfschmerzen. Es ist echt krass, jedes Mal, wenn wir weggehen wollen, wird einer krank. Naja, ich war auch nur noch am rumsteuern als wir auf ein Taxi warteten, setze ich mich auf die Stufen irgendeines Hauses, schlief ein und fiel um, woran ich am nächsten Tag durch relativ große Wunden an meinen Beinen erinnert wurde. Naja, eigentlich hatte ich keinen Bock mehr, noch irgendwas zu tun, aber ich wurde überredet einfach mitzukommen. Eric, ein Basketballfreund von Ruven, führte uns zum Genesis, einem relativ angesehen Club hier in Accra, aber es stellte sich als absolute Pleite heraus. Kein Mensch war da, weil alle auf das Valentinsspecial am nächsten Tag warteten und lieber Geld sparen wollten. Tja, ich hab mir trotzdem einen schönen Abend gemacht und bin ein bisschen durch die Gegend getanzt, während der Rest genervt war. Probleme hat, wer sich Probleme macht! Das habe ich hier bei meinem neuen Hausherrn Kwakye gelernt. Der ist immer entspannt und sieht alles positiv. Unglaublich. Letztens habe ich den Schlüssel verloren und was sagt er: kein Problem, hol ich eben ein neues Schloss. Am Abend gibt er mir also einen neuen Schlüssel für ein neues Schloss.
Tja, der Sonntag war dann ziemlich entspannt. Da ich so lange weg war, entschied ich mich nicht der Kirche auszusetzen, auszuschlafen und mal wieder ein bisschen Computer zu spielen.
Die nächste Woche war dann wieder 0-8-15. Unterricht, Fufu und schlafen. Als besonderes Highlight habe ich mir aufgeschrieben, dass ich beim Waschen mal eine neue Seife ausprobiert habe, die erstaunlich gut funktioniert und gleichzeitig die Haut schont. Das zeigt wie krass ereignisreich der Anfang dieser Woche war -.- Nun ja, dieser Mittwoch war etwas besonderer, da mir offenbart wurde, dass ich noch ein paar Seiten für PK’s Buch abtippen sollte und zwar bis zum nächsten Morgen. Es waren 36 Seiten mit Bildern… Ich dachte ich werd nicht mehr, aber ich riss mich zusammen und am nächsten Tag ging ich nach getaner Arbeit um 5 ins Bett. Um 6 hieß es dann wieder aufstehen, aber ich war so verpennt, dass ich den Wecker nicht ernst nahm und erst um 8 von Gifty geweckt wurde, die mir sagte, dass ich aufzustehen habe. Das Verschlafen war in gewisser Weise ein glücklicher Umstand, da ich dadurch total aufgedreht war und mich beeilen musste, um noch zur rechten Zeit zum Unterricht zu kommen. So konnte ich dann nicht über meine Müdigkeit nachdenken. Der Unterricht war dann auch witzig. Ich war absolut übermüdet, aber habe es doch überstanden. Beide Doppelstunden. Doch jetzt kommt das Beste. Nach all den Strapazen tauchte kein PK auf. Es war echt nicht cool, aber am nächsten Tag war alles gut, denn ich bekam noch ein paar extra Blätter zu abtippen: 39 Seiten Definitionen. Ich schaffte es also innerhalb von Mittwoch bis Montag, mehr als die Hälfte des verdammten Buches abzutippen. Ich bin einfach nur froh, dass es jetzt gedruckt und verteilt ist! Keine Verpflichtungen mehr in dieser Richtung.
Am Freitag mussten uns Cornelius und Mareike verlassen. Es war einfach nur komisch die beiden zu verabschieden. Als sie gingen, waren noch ein paar Schüler dabei, darunter Osama und Tony, zwei meiner Lieblingsschüler, die dann die ganze Zeit sagten, dass ich nicht zurück fahren sollte. Ich frag mich wie das wird, wenn ich an Stelle von Mareike und Cornelius bin.
Und dann waren sie weg.
Aber für Ruven und mich ging das Leben weiter. Wir redeten natürlich erstmal eine Weile über das ganze Ghana-Verlassen-Thema und begannen dann den Fahrradcontainer auszuräumen, um Platz für mehr Schrott zu schaffen, der aus einem Storeraum geholt werden sollte, um diesen in ein Klassenzimmer zu verwandeln. Als wir dann alles ausgeräumt hatten, kam die neue Freiwillige, Sabrina, mit dem Taxi an. Wir zeigten sie herum und ließen sie ausräumen und Mitbringsel auspacken. Es war natürlich eine riesige Freude, als Süßigkeiten, Salami und Hautcreme ausgepackt wurde. Besonders die Hautcreme, denn in letzter Zeit beginnt mein Gesicht in das eines 14 jährigen Jungen zu verwandeln, was echt nicht so lustig ist. Naja, hoffentlich hilft der Spaß!

So ich hab jetzt eine Woche nichts mehr geschrieben und weiß auch gar nicht mehr so richtig was ich alles schon geschrieben hab und was nicht. Also schreibe ich mal wieder einfach drauf los, so wie ich das eigentlich immer tue.
Am Samstag, den 19.02. waren wir morgens mit Eric und Richard, dem Ami, auf dem Sportplatz der Kumasi Polytechnique. Das hieß für mich natürlich erstmal wieder nach Ewigkeiten wieder Volleyball spielen. Es lief auch ganz okay, wenn ich auch echt langsam geworden war. Dabei traf ich auf bekannte Gesichter, denn dieses Team hatte schonmal gegen unser Uni-Team gespielt. So wurde ich auch gleich zu einem Turnier eingeladen, aber ich konnte nicht mitkommen, da ich an diesem Wochenende mit einem Schüler mit nach Hause fahren sollte, aber dazu später mehr.
Tja, als wir nach Hause kamen, waren wir natürlich alle etwas müde und chillten den ganzen restlichen Tag, aber damit sollte dieser Samstag noch nicht vorbei sein, denn Ruven und ich wollten noch mit Eric und einem anderen Basketballkollegen den NBA Allstar Dunking Constest sehen. Dafür mussten wir mitten in der Nacht aufstehen und zur Uni laufen. Um 1:45 waren wir da. Und dann ging es los. Der Fernseher wurde angestellt und noch lief ein Fußballprogramm… Also wollten wir einfach den Sender umstellen, aber so einfach war das nicht, denn die Fernbedienung war nicht zu finden. Eric und Daniel sagten uns, dass wir nur kurz warten sollten, während die beiden sich darum kümmern wollten. Nun ja, nach 30 Minuten war das laufende Fußballspiel zu langweilig, um meiner Müdigkeit stand zu halten, also machte ich es mir auf den Klappstühlen so gemütlich wie möglich und schlief für etwa eine Stunde, dann wechselte ich zu einer herumstehenden Couch und schlief noch 30 Minuten extra. Dann kamen Eric und Daniel herein und sagten, dass sie bei einigen Leuten geklingelt hatten, aber nichts zu finden war. Also gingen wir nach Hause. Das war also absolut großartig! Ich war so müde, dass ich in Ruvens Zimmer eingeschlafen bin und nicht mal bis ganz nach Hause gekommen bin. So bin ich auch ganz lässig der anstehenden Kirche ausgewichen und ermöglichte es mir weiter an PKs Buch zu schreiben.
Am Abend wurde unsere ganze Truppe nun von PK eingeladen und eigentlich freute ich mich auf den Abend. Anfangs war es auch noch ganz nett. Sheriff war auch noch kurze Zeit da und so konnten wir ganz nett reden, während PK sich noch ein wenig das Geschriebene anschaute und ich für ihn berichtigte. Doch dann kamen Maria und Sabrina vom Plätzchen backen mit Mary zu uns. Man darf das nicht falsch verstehen, denn so mit den beiden zu quatschen ist nett, aber die Mischung mit PK hat mir den Rest gegeben. Beide Seiten zickten sich die ganze Zeit gegenseitig an und das Gespräch sah schnell nur noch so aus:
PK: Fickere, fuckere?
M/S: You are so rude. (Du bist so gemein)
PK: It’s not true! You are fine girls, so I have to make you a comfortable stay here. (Gar nicht wahr, Da ihr so hüsche Mädchen seid, muss ich es euch doch gemütlich machen)
M/S: What??? Your words are not comfortable at all! (Was, deine Wortwahl ist aber keineswegs gemütlich!)
Naja, was mich dann noch mehr gestört hat, war, dass die beiden sich dann konsequent auf Deutsch über ihn lustig gemacht haben. Ich war dann schnell so angepisst, dass ich einfach nur noch gegessen hab (es gab „Fante, Fante“, was einfach nur bedeutete, dass frischer Fisch mit dabei war, so erklärte es zumindest PK. War eigentlich ganz lecker).
Tja, ich war dann also ganz froh, als der ganze Stress vorbei war. Schade, dass es so ausging. Beide Parteien fragten mich auch was los sei und als ich es erklärte sah weder PK noch Maria oder Sabrina ein, was denn das Problem gewesen sei, da es doch alles mit einem Lächeln passiert sei. Tja, was soll’s, das nächste Mal, wenn ich zu PK gehe, werde ich sicher gehen, dass keine deutschen Mädchen mitkommen, weil PK mit sowas nicht umgehen kann.
Am Montag haben wir dann endlich das Buch beendet. Es war zwar wieder mit Stress verbunden, weil ich meine Deutschstunde gegen meinen Willen aufgeben musste, aber sonst hätte sich wieder alles um eine Woche verschoben und das hätte sicherlich noch mehr Stress bereitet.
Auf jeden Fall wollten PK und ich so gegen 11 losfahren und mir wurde noch zugesichert, dass wir früh genug zurück kommen würden. Als wir dann gegen 11:45 immer noch kein Trotro bekommen haben, war ich schon etwas unglücklich, aber 5 Minuten später ging es los. Irgendwann waren wir dann an der Schule, wo PK den ganzen Spaß ausdrucken wollte. Aber davor musste ich noch etwa eine Stunde tippen, weil nur noch kleine Sachen fehlten. Eigentlich hab ich ja keine Probleme damit für ihn diesen Spaß zu schreiben, aber dieses ganze „Ja, ist nicht mehr viel. Könntest du noch die paar Zeilen (=10 Seiten) abtippen?“ hat mich dann doch gestört. Aber was beschwere ich mich. Ich bin fertig und muss nicht mehr drüber nachdenken. Ich kam so gegen 14:30 Uhr zurück (2,5 Stunden zu spät) und kümmerte mich um meinen neuen Lese-Nachhilfeschüler. Den restlichen Tag benutzte ich, um endlich mal wieder richtig Computer zu spielen.
Am Dienstag wurde das Buch dann auch verteilt, aber nicht bevor George noch verlauten ließ, dass man das Buch lieber nicht kaufen sollte, weil es einfach nicht gut genug sei. Da hab ich mich innerlich auch ganz doll gefreut, weil es so klang, als ob meine Arbeit für umsonst gewesen zu sein schien.
Aber das ist jetzt egal, da ich wie gesagt, nie wieder über dieses Buch nachdenken muss, das am Ende 150 Seiten hatte, alle höchstselbst von mir abgetippt. Nun ja, der restliche Tag war halbwegs entspannt, da meine letzte Stunde ausfiel, weil die Häuser der Schüler umgeordnet wurden, damit das Sportevent am Freitag auch halbwegs fair sei.
Der Mittwoch war wieder durchschnittlich, das einzige besondere war, dass ich 2 Stunden in der Uni auf Internet wartete, aber ich hatte kein Glück und ging nach diesem viel zu langen Uni-Aufenthalt zu Andrew zurück, um noch ein bisschen zu quatschen. Und herauszufinden, dass er gerne ICT-Unterricht hätte und mich fragte, ob ich ihm helfen könne. Also habe ich nun noch einen Schüler.
Am nächsten Tag fand ich heraus, dass in der nächsten Woche wohl schon der Midterm beginnen sollte, das hieß, so dachte ich, dass Midterm-Examen anstanden, was heißen würde, dass ich wieder etwa 20 Fragebögen abzutippen hätte. Aber dem war zu Glück nicht so, alles was passierte, war, dass mich Schüler fragten, ob wir nicht mal bald einen Test schreiben wollen.
Beim Radioprogramm wurde uns dann erzählt, dass unsere Deutschstunde umgestaltet werden sollte und echte Schüler, die wirklich interessiert an Deutsch sind, mit uns im Studio sitzen sollten. Musik sollte dann keine so große Rolle mehr spielen und es sollte doch mehr ein Unterricht sein. Ich finde diese Idee sehr gut, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass ein Teil des Spaß‘ verloren gehen könnte, aber ich schaue freudig in die Zukunft.
Am Freitag war dann das Sportevent und ich wachte extra um 5:15 Uhr auf, um, wie von mir erwartet um 6 Uhr an der Schule zu sein. Doch natürlich wurde ich wieder enttäuscht. Um 6:20 Uhr kam Samuel, der Sportverantwortliche bei mir vorbei, der, der mich herbeordert hatte mit den Worten: „Aber wirklich um 6!“ und fragte mich doch tatsächlich, was ich hier so früh mache… Nun ja, ich hatte nichts zu tun, obwohl mir am Vortag eine Arbeit zugesichert wurde, also konzentrierte ich mich mehr auf die Schüler und schaute ihnen beim Krach machen zu. Und sie machten wirklich viel Krach. Sie sangen, tanzten und klopften auf Eisenstangen rum. Es war echt eine Freude zu sehen, wie viel Spaß Jugendliche ohne Alkohol haben können. Nach einem Frühstück ging es los. Auf in den Bus mit den laut singenden Schülern. Es war einfach zu geil. Jeder auf der Straße schaute uns nach und in Deutschland wären ordentlich Köpfe geschüttelt worden, wegen solcher Zügellosigkeit, aber hier gehört es wohl irgendwie dazu.
Am Sportplatz angekommen, bereiteten wir das Feld vor und nach etwa einer Stunde ging es dann endlich mit dem ersten Lauf los. Das ganze Sportfest drehte sich nur ums Rennen. 100 bis 5000 Meter. Mir wurde eine rote Fahne in die Hand gedrückt und gesagt, stell dich dort drüben hin (da wo keiner steht und du nichts zu tun haben wirst, bis du dich richtig hart langweilen wirst). Gesagt getan. Meine rote Fahne, die wohl darstellen sollte ob noch irgendwelche Probleme sind, wurde nie gebraucht und war auch vollkommen sinnlos, da ich am wenigsten wusste was abgeht. Ich wartete also immer bis die Läufe vorbei waren und langweilte mich endlos, während ich die Leute singen sehen konnte. Ich war weit genug weg, um nichts mitzubekommen. Wieder mal war ich ziemlich unglücklich und dann kamen diese verdammte Dorfjugend und fing an mich zu rufen. „Obroni, Obroni“ kein Problem dachte ich mir, winkst du eben. Doch dann fingen die an sich über mich lustig zu machen, was mich echt wütend machte, da ich sowieso keinen Bock auf den ganzen Scheiß mehr hatte. Aber glücklicherweise musste ich nur noch eine halbe Stunde aushalten, bis Ruven und ich entscheiden endlich zu gehen und nach Accra zu fahren, um Cornelius und Mareike nun wirklich vollkommen zu verabschieden.
Da ich ewig brauchte um endlich loszukommen und meine Angepisstheit ansteckend war, hatte Ruven auch schon gar keinen Bock mehr, aber wir rissen uns zusammen und alles wurde großartig. Die Fahrt war anstrengend, wenn auch angenehmer als die meisten Fahrten nach Accra. Wir hatten einen sehr impulsiven Fahrer, wodurch die Fahrt nur 4,5 Stunden hätte dauern können. Und das bei strömenden Regen. Kurz zuvor hatte ich erst ein Bild von einem Busunglück gesehen, mit toten Menschen und zermatschten Köpfen. Das sah ich so etwa die Hälfte der Fahrt vor meinem inneren Auge. Aber nichts passierte. Uns zumindest nicht. Auf dem Weg hielten wir einmal an, weil ein anderes Trotro stehen geblieben war und Hilfe brauchte. Und ein zweites Mal hielten wir an, weil ein riesiger Laster mit Streichhölzern umgekippt war. Unglücklicherweise auf einer relativ engen Straße. So gab es auch einen riesigen Stau, da man sich nicht vorwärts oder rückwärts bewegen konnte. Der Lasterfahrer hatte übrigens Glück gehabt. Wäre er auf die andere Seite gekippt, hatte man seine Körperteile von den spitzen Felsen kratzen können, die sich 10 Meter tiefer befanden. Also merke: bei Regen ist es kein Spaß hier durch die Gegend zu fahren. Besonders die Strecke zwischen Kumasi und Accra ist eine viel befahrene und gefährliche Strecke.
Tja, aber irgendwann kamen wir dann doch an, auch wenn es später war, als wir es uns gewünscht hätten. Wir hatte auch noch ein kleines Problem: wir hatten noch keine Unterkunft, also liefen wir auf gut Glück einfach zu unserem Stammhostel, dem YMCA und kamen tatsächlich für 3 Cedis die Nacht unter. Dann fuhren wir mit dem Taxi zu den Verwandten von Mareike und Cornelius und genossen Brot mit Käse. Und natürlich die Anwesenheit unserer bald verschwundenen Kollegen. Wir redeten also über alles was so passiert ist, über Sabrina und natürlich Andreas, der letzen Dienstag angekommen war, aber von dem ich noch nicht so viel mitbekommen habe. Dann kamen der Onkel und die Tante von Mareike von einer Feier zurück und erklärten uns, dass, wenn wir wöllten, es am nächsten Abend erst Fußball und dann ein Grillabend geben würde, wenn wir uns darum kümmern würden. Alles was wir tun mussten, war alles zu holen (was das Bezahlen ausschließt) und vorzubereiten. Wir traten nun also glücklich unsere Rückfahrt an, aber schon an der Türschwelle merkte Ruven, dass seine Brieftasche nicht mehr da war. Und er wusste auch wo sie war: auf dem Hinweg hat es richtig stark geregnet, sodass die Straßen teilweise 10 cm unter Wasser waren. Da wir einen sehr ängstlichen Taxifahrer hatten, mussten wir für eine lange Zeit im Auto warten. Diese Zeit nutzen wir um zu bezahlen. Danach ließ Ruven das Portemonnaie neben sich liegen und vergaß es beim überhasteten Aussteigen. Wir hatten die Hoffnung, dass der Taxifahrer es vielleicht zurück bringen könnte, doch das ist nicht geschehen. Schade.
Am nächsten Morgen unterhielten wir uns erstmal mit zwei Nigerianern, die auch in unserem Zimmer schliefen. Rich und Mike, sie waren nach Ghana gekommen, um eine Möglichkeit zu finden nach Europa abzuhauen. Sie fragten uns auch gleich, ob wir eine Ahnung hätten, ihnen zu helfen, aber was hätten wir schon tun können?
Tja, später suchten Ruven und ich dann etwas zu essen. Wir fanden Mango, die allerdings, wie wir später herausfanden, zu lange in der Sonne gelegen hatte. Außerdem haben wir Frühlingsrollen gefunden, die, wie wir später herausfanden, nach ranzigem Öl schmeckten und interessanterweise ohne Füllung waren. Es war also ein sehr ausgeglichenes und leckeres Frühstück. Nach diesem Hoch suchten wollten wir uns mit Mareike und Cornelius zum Einkaufen treffen, also suchten wir uns ein Trotro. Das dauerte auch nur eine Stunde. Das heißt 20 Minuten sinnlos durch die Gegend irren, uns von einem Ort zum nächsten jagen lassen, dann 20 Minuten an der falschen Haltstelle stehen und nochmal 20 Minuten durch die Gegend irren und alles was sich bewegt fragen, wo es denn nun zur verdammten Accra Mall geht. Dann endlich wurde uns die richtige Richtung gewiesen, nämlich die zur Hauptstation. Dort liefen wir an einem zu heiß gelaufenen Trotro vorbei, welches man nach kurzer Zeit dank dem entstehenden Rauch nicht mehr aus 30 cm Entfernung sehen konnte. Auch die Trotros in dessen Nähe waren in Rausch verhüllt. Ich dachte, dass uns hier sicherlich gleich was um die Ohren fliegt, aber wir hatten Glück, keine Explosion! Für unsere Expedition hieß das, dass wir eigentlich fast da waren. Das Trotro war schon zu sehen und siehe da, 25 Minuten später waren wir auch an der Mall. Und schon erreichte uns eine Nachricht: „Wo seid ihr? Wir sind fertig mit Einkaufen.“ Ruven und ich beeilten uns also und hatten noch was zu lachen, als ein Autofahrer die Anweisungen eines Straßenpolizists nicht beachtete und einfach fuhr. Das Ende der Geschichte war nun, dass dieser Polizist das gar nicht lustig fand und mit aller Kraft eine Delle in die Seite des Autos schlug. Und es war wirklich eine Delle, kein Dellchen! Naja, dann erreichten wir endlich Cornelius und Mareike und ließen uns durch das Einkaufszentrum führen. Es war eine Art Paunsdorfcenter in schön, modern und in teuer.
Dann haben wir das Essen vorbereitet, wobei ich einen Großteil dieser Zeit verschlafen habe, Siedler von Catan gespielt und dann endlich begonnen Bayern gegen Dortmund zu schauen. Da ich da mit 3 fußballinteressierten Menschen saß, wurde ich mitgerissen und fand das Spiel ganz nett. Aber da ich einen richtig starken Hunger hatte, verpasste ich die zweite Halbzeit absichtlich und begann schon zu grilllen. Ich fing auch gleich mit Hühnchenschenkeln an. Ich weiß noch, wie ich vor Amerika auf einer Grillparty war und das gleiche grillen sollte. Das letzte Mal hatte die Hälfte der Leute, die probiert haben eine Magenverstimmung. Doch diesmal ging alles klar, es dauerte nur viel zu lange. Es gab auch wieder Oliven, was mich total glücklich machte. Danach wollten wir dann noch in einen Club gehen, aber da wir alle ein wenig müde waren, reichte es nur für eine Bar, denn weggehen mussten wir auf jeden Fall, da es der letzte Abend in dieser Besetzung sein würde. Accra ist schon ein anderes Pflaster als Kumasi und dementsprechend anders ging es auch in der Bar ab. Besonders, weil ein paar willige, weiße Mädchen die Aufmerksamkeit von den muskulösen, einheimischen Typen suchten und nicht weit weg ein paar Prostituierte ihre Körper beim Tanzen zeigten.
Es war mal wieder zu laut um sich zu unterhalten und schnell begannen betrunkene Ghanaer uns anzusprechen und ein wenig auf die Nerven zu gehen. Später durften wir zusehen, wie ein ziemlich betrunkener Penner, dem ein Paar Flyer aus der Hand gerutscht waren, sich nicht entscheiden konnte, die Flyer aufzuheben oder zu tanzen. Also beugte er sich wiederholt runter bis er fast das Papier erreichte und begann dann sogar relativ lässige Dance-Moves daraus zu machen. Etwa 30 Minuten später zettelte er dann einen Streit an, sodass ein Stuhl auf ihn geworfen wurde und er von einem Kellner zusammengeschlagen und weggeschickt wurde. Wie gesagt, das ist ein anderes Pflaster.
Als wir dann alle bereit waren schlafen zu gehen, sagten wir „Byebye“ zu den beiden anderen und liefen etwa 1,5 Stunden nach Hause. Und es war irgendwie richtig angenehm mit Ruven das letze halbe Jahr nochmal Revue passieren zu lassen.
Tja, am nächsten Tag verabschiedeten wir uns dann, tranken noch eine kühle Cola und tauschten letzte Worte und Versprechen. Außerdem gab ich Cornelius sein „Shantaram“ zurück, an dem ich die letzen 2,5 Monate gelesen hatte. Wenn nicht sogar länger!
Und dann waren wir weg und die beiden machten sich bereit für ihre letzen Tage in Ghana.
Ruven und ich waren ein wenig sehr „weiß“ auf dem Rückweg, weil wir uns die besten Plätze sicherten und in aller Ruhe Kekse aßen. So war die Rückfahrt auch sehr angenehm und wir kamen entspannt in Kumasi an.
Und damit endet eine Ära meines ganzen Ghanaaufenthalts. Die beiden sind nun unwiederbringlich weg und Ruven und ich machen uns jetzt, so wie Cornelius und Mareike, Gedanken, wie es in Deutschland weitergeht und wann wir zurück fliegen. Außerdem habe ich mich durch meinen Umzug merklich von den anderen abgegrenzt. Mit Sabrina und Andreas hab ich zum Beispiel kaum ein Wort gewechselt. Ich weiß noch nicht was ich davon halten soll, aber es ist mir schon irgendwie wichtiger mit Afrikanern zu tun zu haben.
Tja, zurück zum Alltag, oder nicht. Am Montag war ein normaler Schultag, aber etwas besonderes passierte. Ich habe mich ja in das Baby von Harriot, einer Lehrerin hier, verliebt und immer, wenn ich es sehe, habe ich keine Pflichten mehr, sondern nehme es erstmal auf den Arm. Tja, und an diesem Tag also hat sich Milli um das Kind gekümmert, weil sie ja lernen muss, wie es ist „Mame“ zu sein. Also schaute ich ein bisschen bei der Fütterung des Geschöpfs zu und währenddessen erzählte mir Milli ihre Lebensgeschichte. Es hat mir echt die Augen geöffnet. In Hinsicht auf viele Entscheidungen, die Milli getroffen hat und in Hinsicht auf die Art, wie sie sich verhält. Zum Beispiel hält sie nur wenig von Männern und meint, dass für diese Art Lebewesen nur das eine zählt. Diese Meinung vertritt sie zu voller Härte und hat sich damit aber auch schon abgefunden. Deswegen hat sie zum Beispiel auch einen Freund, der sie geschwängert hat und jetzt für 5 Jahre nach Amerika gegangen ist.
Dazu muss man auch wissen, dass sie einige Male fast vergewaltigt worden wäre und sie einmal Geld von einem reichen Mann bekommen hat, nachdem er sie an allen möglichen Stellen berühren durfte. Und das ist natürlich schon ein bisschen verdreht. Alles kann und will ich hier jetzt nicht aufschreiben, aber ich fand es sehr interessant die ganze Geschichte mal zu hören. Es ist schon unglaublich wie viel manche Ghanaer so in ihrer Jugend rumkommen, nur um zur Schule zu kommen und bei Leuten zu leben, die ihnen das bezahlen können.
Naja, dann war es auch bald 2:30. Ich hatte den Schülern versprochen an diesem Tag zusammen mit ihnen Fufu zu stampfen, also kamen die Schüler nun auf mich zu und wollten loslegen. Ich war zwar zu müde, aber ich dachte mir, dass ich da jetzt durch muss. Also ging ich mit Osman Iddriss, aka Osama, einkaufen. Währenddessen kümmerte sich Jacob Gyimah, Gyingy, um Maniok und Kochbanane. Dann ging es los, wir schälten und schnitten alles, was geschnitten und geschält werden musste. Dann brauchten wir einen großen Topf, also gingen wir in die Küche und ab da begann mich das ganze immer mehr zu stören, denn in der Küche wurde ich angemacht, dass die Schüler nichts außerhalb des Schulessens essen dürfen. Naja, wir konnten die Küchenleute dann aber doch überreden uns zu überlassen, was wir brauchen würden, wenn wir ihnen was abgeben würden. Ab da hatte ich dann eigentlich gar nichts mehr zu tun. Die Schüler erledigten alles selbst und ich ärgerte mich, dass jetzt auf einmal 6 Leute mitmachten, obwohl ich nur zwei Schülern versprochen hatte, dass wir Fufu machen. So ging es zwar schneller, aber ich hatte halt nichts zu tun und ich war nur Geldgeber. Naja, als alles fertig war, setzten wir uns zu neunt um eine Schüssel und aßen Fufu. Das war ganz witzig. Witzig war aber nicht, dass das Essen viel zu heiß war. Die Schüler hauten rein, wie sonst was, aber wir Deutschen konnten einfach nichts essen, weil wir uns die Finger verbrannten. Dafür ernteten wir natürlich Gelächter. Nachdem alles aufgegessen war, wuschen die Schüler alles ab. Dann kam Maria nach Hause und bekam sich mit mir in die Haare, weil wir ihr nichts übrig gelassen hatten. Sie war wütend auf mich, weil ich ihr noch was besorgen wollte, aber alles was ich tat war falsch. Ich wurde angemacht, weil die Schüler später einen Eimer aus dem Zimmer der Mädchen zum Wasser holen nahmen und weil eine von Sabrina gekaufte Frucht bei Sabrina und Maria im Zimmer auf dem Boden lag. Weil ich keinen ernsten Streit anfangen wollte, ging ich einfach nach Hause. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass selbst heute, eine Woche später, noch Beef in der Luft ist.
Am nächsten Morgen wurde ich wieder angemacht, weil der Eimer immer noch nicht da war. Glücklicherweise hatte ich die erste Stunde mit meinem ersten Lehrjahr und konnte mit ihnen eine Klassenarbeit schreiben, sonst wäre der Tag echt zu viel gewesen. Ich hatte dann noch ein pseudo-klärendes Gespräch mit Maria, aber wie gesagt, da ist iwie immer noch was in der Luft, ich weiß aber nicht was und sie will es mir auch nicht sagen.
Tja, und an diesem Tag nahmen Cornelius und Mareike ihren Flieger nach Deutschland, um 23:59 Uhr.
Der folgende Tag ist nicht weiter erwähnenswert, aber dafür der 03.03. Donnerstag. Denn an diesem Tag ging es auf ins ferne Land zu Kwabena Owusu Boadi’s Heimtort. Wie gesagt, lud er mich zuvor zu sich ein, aber ich hatte nicht die Möglichkeit, aber nun war es endlich so weit.
Am Mittwoch sagte er mir, dass wir so gegen 10 Uhr fahren würden, aber er klopfte schon um 8 an meiner Tür und meinte, dass er fertig sei.
Also musste ich mich beeilen und letztendlich ging es dann doch erst um 9 los. Sonst hatten wir aber eine entspannte Fahrt von Kumasi nach Nsuta. Abena Pokua, eine meiner Schülerinnen, begleitete uns, da sie im Dorf 10 Minuten von Boadi entfernt wohnt. Nun da ich die Möglichkeit hatte, fragte ich nach der Übersetzung jedes Schriftzugs auf jedem Auto. Es war echt hilfreich. Zwar lernte ich an diesem Wochenende nicht übermäßig viel, aber immerhin mehr als normalerweise. Tja, als wir dann da waren, wurden erstmal gefühlte 1000 Leute begrüßt. Eine Tante hier, eine Mutter da (denn Boadi war der Meinung, dass die Schwester der Mutter, auch eine Mutter ist), ein Kumpel dort. Ich schüttelte viele Hände und erprobte meine Twi-Kenntnisse jedes Mal aufs Neue.
Dann liefen wir erstmal nach Hause und ich konnte meinen Rucksack ablegen. Der Nach-Hause-Weg war auch nur 30 Minuten lang und unter strahlender Mittagssonne. Ich war froh endlich angekommen zu sein. Im Dorf begrüßte ich auch wieder tausende Leute. Dabei fiel mir auf die bekannt Boadi eigentlich ist. Er kannte fast jeden im Dorf mit Spitznamen und hatte selbst auch etwa 10 Spitznamen, zum Beispiel: „Kaabi“ (weil er in Nigeria war. Das Wort ist eine Abkürzung für ein stammessprachliches Wort für „Reicher Mann“), „Colo“ (Columbianer, verstanden hab ich es aber nicht), „Akwaneε“ (Trickser) oder „Akwantuni“ (Reisender, weil er für einige Jahre in Nigeria, Burkina, Elfenbeinküste, Benin, Togo, Mali und Niger war. Eigentlich wollte er auch noch nach Europa, aber das wurde ihm nicht ermöglicht, mal schauen was sich da machen lässt…). Ich werde ihn in Zukunft wohl Kaabi nennen, weil die meisten ihn so genannt haben.
Nun ja, dann liefen wir wieder zurück nach Nsuta, wo wir dann seinen Vater trafen, der wohl schon über 20 Jahre in Deutschland war, also von 1970 bis 1984 um genau zu sein. Er sprach auch ein bisschen mehr Deutsch, als die meisten Ghanaer, die in Deutschland waren. Dort arbeitete er, wie er mir erzählte, für Rowenta und noch irgendeine Firma, ich hab aber vergessen welche. Später erzählte mir Kaabi auch noch, dass sein Vater wohl etwa 15 LKW nach Ghana geholt hatte, die ihm aber von Rawlings wegen Steuerbetrug abgenommen wurden, was natürlich nicht gerechtfertigt war.
Dann liefen Kaabi und ich noch eine Weile durch die Gegend und er entführte mich in eine Bar, wo wir in aller Ruhe Pito tranken. Das ist das ghanaische Pendant für Bier, schmeckt aber nicht sooo lecker. Tja, in der Bar saßen auch allerhand komische Gestalten, die sich aber freuten einen Weißen zu sehen. Später kam dann noch eine Frau dazu, die potenzsteigernde Mittel verkaufen wollte, deren Schachteln mit Hardcore-Porno Bildern versehen waren. Das war nicht so schön für das Auge, aber die Ghanaer drehten total durch: „Schau sein Penis“ und „Schau, der hier hat zwei auf ein Mal“.
Ich fand es einerseits verstörend, aber andererseits war es irgendwie lustig, wie die Leute hier auf sowas abgehen. Tja, die Verkäuferin tat mir ein wenig Leid, aber sie schien geistig behindert zu sein, weswegen sie, so hoffe ich für sie, nicht so viel von den Worten der Männer mitbekam.
Danach liefen wir nach Hause, wo es dann Essen ohne Ende gab. Also man muss eins sagen: gehungert habe ich hier gar nicht. Es gab immer etwa ein Viertel mehr, als ausreichend gewesen wäre. Aber es schmeckte, also zwang ich mich, um nicht unhöflich zu erscheinen, denn für mich wurden ein Schaf und drei Tage später ein Hühnchen geschlachtet. Am Abend sind wir dann noch ein wenig durch das Dorf gelaufen und ich durfte wieder mal kleine Kinder fotografieren. Sowieso, die meiste Zeit in dem Dorf haben wir geredet. Ich war so geistesgegenwärtig meinen Ipod zu Hause zu lassen und so kam ich echt zu vielen Gesprächen, was manchmal anstrengend war, aber eigentlich nett.
Nun ja, der nächste Tag begann sehr entspannt, es gab ordentlich Essen und wir bereiteten uns mental und physisch auf einen längeren Trip vor. Zwei meiner Schülerinnen aus der Gegend, die auch in Owusus Klasse gehen, bzw. gingen, wollten auch mitkommen. Also mussten wir die beiden erst mal abholen. Das hieß eine Runde nach Nsuta laufen. Schon waren 25 Minuten weg. Dann wieder zurück. Nochmal 25 Minuten. Dann liefen wir weiter auf der Straße in die entgegengesetzte Richtung von Nsuta in den Wald hinein, das heißt am Wegesrand konnte man den tollsten afrikanischen, fast unberührten Urwald sehen. Einige Male waren Felder mit Kochbananen, oder anderem Zeugs zu sehen. Aber was mich echt umhaute, war die Sicht die man hatte, als wir in das Tal gingen. Wir sahen Berge und Gestein. Es erinnerte mich so sehr an die Zeit als ich noch jung war und immer mit meinem Vater in die sächsische Schweiz fuhr und wandern ging. Bloß war diesmal der Wald komplett anders und die Felsen waren auch sehr rötlich. Naja, wir liefen also unsere Stunde und kamen dann endlich an einen Ort namens Atwea. Da unser Ziel Atwea Mountains hieß, konnte es auch nicht mehr weit sein. Nur noch 20 Minuten bis zum Dorf am Fuße des Berges und 30 Minuten bis wir oben waren. Es war richtig anstrengend! Oben angekommen konnte ich auch kaum mehr laufen, aber wir zwangen uns einige Sachen anzuschauen. Dank den Mädels, Sophia Appiah und Hannah Antwi, die die ganze Zeit rumheulten, dass sie müde seien, hatte ich dann auch eine Ausrede wieder zurück zu gehen. Was man wissen muss, ist, dass der Berg ein Berg zum Gottesanbeten ist. Das heißt wöchentlich kommen X Ghanaer, um oben zu übernachten und ihrem Gott nah zu sein. Ich war also glücklich, dass ich nur die Aussicht, nicht aber die Kirchen genießen musste. Aber im Nachhinein habe ich auch das Gefühl, dass Kaabi sich den Spaß auch gern entgehen lassen hat. Er scheint fest an Gott, nicht aber an Kirche zu glauben. Angenehmer Typ!
Tja, dann ging es zurück. Auf dem Weg wurden mir dann noch einige Geschichten erzählt. Zum Beispiel war es ein Wunder, dass ich von einem Berg Bilder machen konnte, da andere Weiße auch Bilder davon machen wollten, aber man konnte nichts sehen. Was ich doch für ein Zauberer bin. Die andere Geschichte ist dann wieder ein bisschen härter. Der Onkel von Boamah, ein Neffe von Kaabi, so wurde mir berichtet, sei letztens beim Jagen in der Nacht unglücklich erwischt worden. Ein anderer Jäger schoss ihn an, sodass er rückwärts taumelte und den Berg hinab fiel. Locker 40 bis 50 Meter. Klar, dass es eine Weile dauerte, bis die Familie die Einzelteile aufgesammelt hatte. Schon nur ihn zu finden war nicht leicht, aber als er gefunden wurde, war er schon komplett verschimmelt. Aber ein Prozess wurde nie aufgenommen, da er, wie vermutet wird, einer Marijuana-Farm zu nahe gekommen war und vor dessen Entdeckung eliminiert wurde. Da die Polizei wohl in solche Machenschaften verwickelt ist, kann auch nichts daran geändert werden. Tja, that’s Ghana for you!
Als wir dann endlich zu Hause angekommen waren, wollten die Mädels natürlich nach Hause, also besorgte Kaabi ein Gefährt für sie. Es handelte sich um einen riesigen, ungelogen etwa 3 Meter hohen LKW, der voll mit Steinen beladen war. Die Mädels passten in die Kabine, aber da man sie nicht alleine mit den Leuten lassen konnte, musste Kaabi mit, also kam ich auch mit. Bevor wir losfuhren, dachte ich: „Wie geil, auf der Ladefläche eines solchen Geräts!“, während der Fahrt dachte ich einfach nur noch: „Bist du eigentlich komplett bescheuert?“. Denn es war eine sehr rasante Fahrt. Zum Festhalten hatten wir eine zwei Zentimeter breite Metallschiene und stehen mussten wir auf den wackeligen Steinen. Das ganze Gefährt war sowieso die ganze Zeit am Wackeln, sodass es echt schwer war sich überhaupt da drauf zu halten. Als wir dann auf den ausgewaschenen Straßen fuhren, war es einige Male knapp für mich und einmal musste ich einhändig auskommen. Das ganze klingt auch noch ein wenig heikler, wenn ich erzähle, dass der Fahrer komplett betrunken war. Als die Fahrt zu Ende war, war ich glücklich noch am Leben zu sein, denn wenn ich von der Ladefläche gerutscht wäre, hätte es mich einfach nur zermatscht.
Aber es ist ja nichts passiert und die Erfahrung war es wert. Durch Fehler lernt man ja auch bekanntlich. Tja, wir haben die Mädels dann irgendwann in der Stadt verloren, weil sie irgendwelche Macker getroffen haben, mit denen wir sie lieber allein ließen. Kaabi und ich gingen wieder in unsere Bar und tranken jeweils für 25 Cent. Da ich seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte und es jetzt auch schon gegen 4 war, konnte ich dem Alkohol nichts mehr entgegensetzen. Allerdings mussten wir noch zurück laufen, was sehr anstrengend war, aber dadurch, dass unsere Mundwerke geölt waren, konnten wir uns die Zeit mit Reden vertreiben. Zu Hause legte ich mich natürlich erstmal hin und genoss wenig später mein heiß ersehntes Fufu. Mir wurde die doppelte Menge Fufu vorgesetzt, die ich normalerweise esse, sodass ich mir die letzten Bissen echt reindrängeln musste, aber dann war ich happy. Ich konnte und wollte mich nicht mehr bewegen und ging ins Bett. Aber damit war der Tag noch nicht gegessen. Wie jedes Wochenende gab es eine Beerdigung, also nahm mich Boamah am Abend mit zum Tanzen. Ich hab mich einfach gehen lassen und nicht über Peinlichkeiten nachgedacht. So war es dann auch ganz nett. Aber gegen 12 war es einfach zu viel. Ich war absolut übermüdet und wollte nur noch schlafen. Gesagt getan!
Doch ich übertrieb es ein wenig. Am nächsten Morgen schlief ich locker bis 11 Uhr. Ich wurde zum Frühstück geweckt, dann meinte Kaabi, dass man sich ja noch eine Weile ausruhen könnte und so las und schlief ich bis etwa 15 Uhr. Die Hälfte des Tages war vertan und da ich noch irgendwas machen wollte, liefen wir los, um in Nsuta Schuhe zu kaufen. Da wir keine Lust auf Laufen hatten, warteten wir auf einen Freund von Kaabi, der uns für umsonst mit seinem Taxi nach Nsuta fahren wollte. Beim Warten bekam ich noch ein paar Hochzeitsangebote, aber dann ging es endlich los. Doch in Nsuta wurde ich nicht fündig. Es war schon zu spät! Keine Chance auf die Flipflops, die ich wollte. Naja, so liefen wir also noch ein wenig durch die Gegend, verzichteten dieses Mal sogar auf den Pito und gingen direkt nach Hause, um wieder zu schlafen. Kurz nachdem wir losgelaufen waren, fuhren ein paar Beerdigungsgäste an uns vorbei, die ziemlich am Feiern waren. Vor uns steigen sie dann aus und zückten ihre Alkoholflaschen. Mir wurde dann auch gleich ein Glas Bier angeboten. Da ich die Leute auch noch mit der Übersetzung für „εtwε“ beeindrucken konnte, durften wir dann auch im kleinen Golf mitfahren. Da wir uns zu acht ins das kleine Auto zwangen, wurde es echt kuschelig. Der, auf dessen Schoß ich saß war auch ziemlich betrunken und bot mir noch Gin an. Dann biss er mir in den Rücken. Ich hab meinen Sinneszellen nicht geglaubt! Es war einfach zu lustig! Als wir dann angekommen waren, versuchte er mir noch extra Gin einzuflößen, aber ich konnte mich ganz gut wehren und ließ ihn im glauben, dass ich trinken würde. Tja, als Entschädigung für diese Unannehmlichkeiten bekam ich noch ein Bier zum Abschied und alles war cool. Am Abend redeten wir dann noch eine Runde und einer der Neffen, mit dem Namen Kwabena Boamah, begann seine Englischkenntnisse an mir zu testen. Zwar sprach er nicht sehr gutes Englisch, aber er versuchte es und ich denke, dass ich ihm dadurch in gewisser Weise geholfen habe, öfters mal Englisch zu verwenden. Tja, er war aber auch echt ein korrekter, kleiner Kerl. 16 Jahre alt und nur am rumspaßen. Er hat die Hälfte der Zeit gelacht oder gegrinst. Es war echt eine Freude ihn zu sehen. Sowieso, alle Kinder, die an dem Haus arbeiteten, waren echt cool drauf. Yaa, Ali, Boamah und Boamah und die kleine Francisca. Tja, dann ging ich aber wieder ins Bett, da ich nachwievor absolut übermüdet war.
Am nächsten Tag war Sonntag. Was heißt Sonntag? Kirche… Doch nicht in meinem Fall. Ich hatte ein riesiges Glück, dass Kaabi mich nicht zu Gottes Haus schleppte, sondern stattdessen mit mir zum Heimatort von einigen Schülerinnen fahren wollte. Doch er musste erstmal noch eine Weile auf der Farm arbeiten und ich nahm mich das erste Mal raus, aber im Nachhinein hätte ich mitkommen sollen. Naja, er kam gegen Mittag wieder. Also aßen wir noch und liefen dann nach Nsuta um dort ein Taxi nach Atonsu zu nehmen. Atonsu war ein Dorf, das größer war als Nsuta, aber kein bisschen fortschrittlicher. Die Häuser waren teilweise noch aus Lehm und fließendes Wasser war hier wohl auch eher ein Mythos.
Aber dennoch war es ein sympathisches Dorf. Ein bisschen verstörend war, dass an diesem Sonntag hier über 10 Beerdigungen stattfanden. So mussten sich die Leute verteilen und nirgendwo saßen mehr als 40 Leute. Meistens saßen einfach nur 3 bis 4 Leute auf den Stühlen und hörten sich die Musik an.
Wie auch immer, als erstes führte mich Kaabi zu einem zu Hause von einer Schülerin, ich glaube Hannah Antwi war da zu Hause, aber es könnte auch Sophia gewesen sein können. Die Familienmitglieder begrüßten mich überschwänglich und voller Freude. Gemäß der Tradition bekam jeder erstmal ein Wasser und mir wurde dann sogar noch eine Cola angeboten, aber da die Familie so arm aussah, wollte ich ihnen diese 30 Cent ersparen, denn davon kann man locker mal ein Essen bezahlen. Naja, es wurde dann ziemlich viel geredet und mir wurde freundlicherweise auch das eine oder andere Mal angeboten die eine oder andere Frau zu heiraten. Das gehört dazu, besonders wenn man weiß ist und alle denken, dass man Geld hat. Im Vergleich zu den Leuten hier hab ich das wohl auch. Nun ja, dann sind wir irgendwann weitergezogen und haben auf der Straße Sarah Boateng getroffen. Lustiger weise waren mir alle der Schülerinnen, die ich hier treffen sollte, relativ unangenehm im Unterricht. Weswegen ich dem ganzen anfangs auch eher skeptisch gegenüberstand, aber so außerhalb des Klassenraums waren sie ganz normale Menschen. Unglaublich! Tja, wie auch immer, Sarah musste dann auch bald wieder weg und so gingen wir zu Abena Pokua, die vor 3 Tagen auch mit uns im Trotro gesessen hatte. Das war ein relativ lustiges Erlebnis. Ich durfte natürlich wieder 1001e Person grüßen: die Omas, die Papas, die Mamas, die Freundinnen der Mamas, die Brüder, die Schwestern, und irgendwelche anderen Bekannten. Ich war locker 20 Minuten am Smalltalk führen und Hände schütteln. Tja zwischen durch wollte ich auch ein paar kleinen Kindern die Hand schütteln, aber die sind vor Angst ausgerastet! Also hab ich mir den Spaß erlaubt sie ein bisschen zu jagen, aber dann kam ich mir doch etwas schlecht vor. Tja, dann ging es weiter. Nun war es Zeit Adizatu zu besuchen, eine der Schülerinnen, die ich am wenigsten leiden kann, aber alles war cool. Wir haben gescherzt und gelacht.
Danach ging es zu Sarahs Bar, wo mir nett Fufu serviert wurde. Mit einer Suppe, die ich noch nie probiert hab und die mir auch nicht so gut geschmeckt hat, aber es war einfach zu geil da zu sitzen und so freundlich behandelt zu werden. Als ich mit dem Essen fertig war und eine schöne kühle Coke getrunken hatte, zeigten mir die Mädels dann ein Schwein. Den Sinn hab ich bis jetzt noch nicht so recht verstanden, aber ich kann sagen, dass es ein schönes Schwein war. Ja… 😀
Dann ging es weiter. Ich wurde gefragt, ob ich Pito mag, ich verneinte es nicht. Also setzten wir uns in aller Ruhe auf ein paar Bänke vor einer kleinen Hütte, wonach Sarah uns die traditionellen Gefäße gab und einschenkte. Ich hätte einfach nicht gedacht, dass die Leute hier doch so viel und gerne trinken! Ich dachte ihre Religion verbieten ihnen das. Aber vielleicht sind Gottes Gesetze auf dem Dorf extrem dehnbar. Ich bin mir auch sicher, dass mehr als eine von den Mädels einen Freund hat, auch wenn sie das nicht zugeben wollen.
Nach dem Pito zeigten mir die Mädels dann wie sie ihr Geld verdienen und wovon sie ihre Schulkosten bezahlen müssen. Sie stellten Gari her. Das heißt, dass sie Maniok trocknen, mahlen und dann erhitzen. Das ist eine knallharte Arbeit, besonders für Frauen kann ich mir vorstellen. Schwäche darf nicht gezeigt werden, denn sonst kommt kein Essen auf den Tisch. Krass…
Tja, danach chillten wir zurück zur Hauptstraße und bereiteten uns auf die Heimfahrt vor. Es dauerte locker eine halbe Stunde, bis wir uns an anderen vorbei in ein Taxi zwängen konnten. Und schon ging es wieder in aller Ruhe nach Nsuta. Auch wenn ich das hier nicht richtig habe rüberbringen können, aber es war echt ein cooler Aufenthalt.
Als wir in Nsuta angekommen waren, liefen wir nach Hause und wurden zu Hause auch gleich wieder eine Runde von der einheimischen Jugend überfallen. Ein total verlotterter Kerl war mit einem 5 Liter Kanister Palmwein im Dorf erschienen und jetzt wollten die Leute natürlich, dass ich den Spaß probiere. Ich freute mich, weil ich schon lange nach einer Möglichkeit gesucht hatte Palmwein zu trinken. Und es war ganz lustig. Wir setzen uns in die Dorfbar. Da wurden dann einige Gläser ausgepackt und jeder durfte trinken. Natürlich waren in dem Palmwein nicht nur Palmwein, sondern auch irgendwelche Gräser und Wespen. Die wurden rausgenommen und schon probierte ich den Spaß. Es war ekelhaft. Viel zu süß und warm. Naja, ich werde es wohl mal wieder gekühlt probieren, aber sonst nicht mehr. Am Abend wurde wie immer einfach nur gequatscht und gespaßt. Die kleine Tochter von Kaabi machte mit meiner Kamera mindestens 100 Bilder und war glücklich. Ich aß währenddessen mein Fufu und war auch glücklich. Kaabi war irgendwo bei einem Kumpel oder einer Frau und war sicherlich auch glücklich. Es war also ein entspannter Abend an dem ich mich später auch noch mit Ali, und den beiden Boamahs unterhielt.
Der nächste Tag sollte eigentlich mein letzter Tag hier sein, denn ich wollte am späten Nachmittag wieder zu Hause sein, aber es sollte anders kommen. Nach dem Aufstehen gingen Kaabi und ich zur Farm, wo gemäht werden musste. Natürlich alles nur mit Macheten. Es war nicht einfach nur Gras, was dort wuchs, sondern dünnere Baumstämme, Gräser und Büsche mussten klein gemacht werden, um dann später verbrannt zu werden. Da wir nur eine Machete hatten fing Kaabi an, weil er mir nichts zutraute. Also entschied ich mich eine Runde in den Urwald zu spazieren, weil ich das sowieso schon seit ich hier bin machen will. Es ging die ganze Zeit bergauf und anfangs konnte ich auch einem Weg folgen, aber dann kam ich ins Dickicht. Da hieß es dann sich durchkämpfen. Ich hatte auch schon eine Felsmauer, die ich dann versuchen wollte zu beklettern, aber soweit sollte es nicht kommen, da ich in ein Ameisennest stieg und die Ameisen schnell überall an meinem Körper waren und es überall wehtat. Diese Viecher waren aber auch riesig. Locker mal 2 Zentimeter lang. Ungelogen! Da wollte ich dann einfach nur noch weg, vor allem, weil ich nicht wusste, ob das wirklich nur Ameisen waren. Tja, schade, ich wäre echt gerne weiter gekommen. Wenn ich mal wieder so eine Möglichkeit haben sollte, werde ich mir eine Machete mitnehmen, dann komme ich auch schneller voran.
Naja, als ich dann zurück war, waren auch die anderen Jungs da und mähten schon fleißig. Dann durfte ich auch endlich mal an die Reihe. Es machte echt richtig Spaß, aber ich war viel zu langsam, weil ich zu viel Spaß am zerkleinern hatte. Wir arbeiten etwa 4 Stunden auf dem Feld. Ich arbeitete vielleicht 45 Minuten davon, aber ich hatte schon nette Schwielen an den Händen. Auch wenn es komisch klingt, aber das war eine Sache, die ich unbedingt erleben wollte! Auf dem Weg zurück liefen wir durch die Mittagssonne und ich war fast am Sterben, weil es einfach zu heiß war. Ich wollte eigentlich nur noch nach Hause, aber dann wollten mir die Leute doch noch was Interessantes zeigen. Ein kleiner Pfad führte vom Weg ab, in den Wald. Durch diesen wurde ich dann geführt, bis wir irgendwann zu einer schattigen Oase der Ruhe fanden. Dort saß in aller Ruhe ein alter Mann mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Neben ihm floß ein Bächlein und vor ihm stand ein großes Metallfass auf einem Feuer. Aus dem Metallfass ragte ein Rohr, das zu einem Kondensator im Wasser führte. Aus dem Wasser ragte dann noch ein Rohr aus dem eine Flüssigkeit munter in einen Kanister tropfte. Was sah ich? Eine Palmweindestille. Nett. Und das Flair des ganzen war einfach das geilste. Wie entspannt der alte Mann neben seiner Destille hockte, war einfach das Beste. Später kam dann noch der verlotterte Mann vom Vortag an und trank seinen Palmwein. Von dem dann auch alle außer mir tranken.
Tja, da ich aber nach Hause wollte, drängte ich doch endlich loszugehen. Und so gingen wir nach Hause. Aber zu Hause schlief ich einfach ein. Als ich aufwachte, war es 3 Uhr und ich musste echt los. Dann wurde aber gesagt, dass ich nicht ohne Essen im Magen weg dürfe. Also entschied ich mich doch noch eine Nacht zu bleiben, weil es sonst zu spät werden würde. Am nächsten Tag begann aber die Schule. Tja, es war nicht zu ändern. Nachdem ich lecker gegessen hatte, spielten ich und die Jungs noch eine Runde Spa, das einzige Kartenspiel, das man hier kennt. Da zog ich die Leute natürlich krass ab und alle begannen zu weinen, weil ich sie so demütigte. Nicht. Aber es war echt spaßig und gewonnen hatte ich sogar tatsächlich. Danach begann es langsam dunkel zu werden. Also mussten die Schafe und Ziegen in die Ställe gebracht werden. Und das war so ziemlich eine der geilsten Erfahrungen, die ich hier gemacht hatte. Die Schafe kamen von selbst, aber die Ziegen mussten gefangen werden. So spielten wir also eine Runde Fange mit den Ziegen. 11 Stück mussten wir kriegen, aber als es dann nach 50 Minuten und 10 Ziegen komplett dunkel wurde, mussten wir aufhören. Aber es machte einfach so viel Spaß, weil wir durch das ganze Dorf jagten und die Kinder begannen mir nachzurennen und sich total freuten. Außerdem erinnerte es mich wieder an die Zeit damals bei der DAS, als wir „Capture the flag“ spielten. Zu geil! Naja, wir jagten die Ziegen wirklich überall hin. Zwischen durch rannten wir über den Friedhof, wo man aufpassen musste, nicht in irgendwelche Gräber einzubrechen, denn manche waren schon eingebrochen und man konnte schön die Knochen sehen. Sehr interessant.
Tja, nach der Ziegentreiberei begann es dann übelst zu regnen. Also richtig mit Blitz und Donner. Ich setzte mich auf die überdachte Veranda und schaute mir die Blitze an. Es geil! Danach ging ich zufrieden ins Bett und schlief bis zum nächsten Morgen um 4:30.
Ich quälte mich aus dem Bett, um das erste Trotro nach Kumasi zu bekommen und noch rechtzeitig 7:30 im Klassenraum zu stehen. Aber ich verspätete mich um 45 Minuten. Als ich in den Klassenraum kam, war niemand da… Es war aber nicht wirklich meine Schuld, denn in der ganzen Schule waren erst etwa 10 Schüler. So hatte ich also doch noch einen Tag zum entspannen und ging fröhlich nach Hause, wo ich feststellen musste, dass der Strom am spinnen war. Also konnte ich noch nicht mit dem Aufschreiben meiner Taten beginnen, sondern musste schlafen.
Später kam dann Gifty nach Hause und es war ein freudiges Wiedersehen. Sie erzählte mir, was hier so ging und was ich alles verpasst hatte: sie waren am Independence Day in einem Hotelpool, wo es wohl richtig geil war, außerdem hatten meine Kollegen mit Gifty und Kwakye ein Bankuessen veranstaltet. Schade dachte ich mir, aber ich hatte auch meinen Spaß! 😀
Tja, klar, dass dann erstmal Zeit für Fufu war. Also stampften ich schön das Fufu und wollte nach dem Stampfen eigentlich ins Culture Centre, weil wir Freiwilligen uns da zum Essen verabredet hatten. Aber Gifty meinte, dass ich ruhig jetzt schon essen solle. Nach dem Essen fuhr ich dann endlich zum Culture Centre und schaffte es tatsächlich nicht der Letzte zu sein. Maria zog uns erstmal zu ihrem Trommellehrer, der da mit seiner Tanz-/Trommelgruppe probte. So schauten wir uns das Spektakel also an und tauschten nebenbei Erfahrungsberichte aus.
Das Restaurant hatte als wir hingingen leider schon geschlossen, aber etwas zu essen bekamen wir dann freundlicherweise doch noch. Und dann ging es in eine Bar zum Fußball schauen. Barca gegen Arsenal. Während sich Ruven und Andreas das Spiel anschauten, erzählte ich den Mädels die neuesten Geschehnisse bei „Curse by the Sea“, einer ziemlich schlechten, mexikanischen Seifenoper, die Gifty immer schaut. Es war echt ein lustiger Abend.
Nun ja, dann fuhren wir nach Hause. Auf dem Weg zu meinem Haus, ging ich aber nochmal in den Dormitories der Jungs vorbei, um zu checken ob Kaabi nach schon da war. Das war er nicht, aber ich unterhielt mich noch eine Weile mit den anderen Jungs. Ich zeigte stolz meine Blasen und die Schüler waren beeindruckt. Sowas hätten sie nicht von einem Lehrer-Obroni erwartet! Ich hoffe, dass ich mir dadurch mal ein bisschen mehr Respekt verschaffen konnte. Wir werden sehen, denn nächste Woche gibt es in meiner Problemklasse einen Test 😀
Tja und heute, am 09.03. ist wieder ein ganz durchschnittlicher Mittwoch. Die Lehrer streiken schon seit letzter Woche Donnerstag, weswegen Gifty am heutigen Morgen noch eine Weile da war und richtig geiles Frühstück zubereitet hat. Aber jetzt hab ich wieder Hunger. Also werde ich jetzt rüber zur Schule chillen und schauen, ob ich mir von den anderen das eine oder andere Brot schnorren kann.
Das war es für dieses Mal, bis bald!

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