#11

Und weiter geht’s…

Den nächsten Tag starteten Gregor, Mareike und ich mit einem Omelette auf dem Dachrestaurant des Guest Houses. Das war zwar ganz lecker und wir hatten eine nette Aussicht, aber es war ein bisschen teuer, weswegen wir später auf die Straße gegangen sind und dort noch eins gekauft haben, was dann nur ein Drittel gekostet hat und auch lecker war. Dann haben wir nur darauf gewartet bis Ruven munter wird, um zu entscheiden was nun passiert. Als es soweit war, entschieden wir uns, wie am Vortag abgemacht, Patrick und Dominik zu besuchen. Die beiden waren so nett, uns aus der Stadt abzuholen, was zu dem Zeitpunkt gar nicht so leicht war, denn es waren unglaublich viele Autos auf der Straße. Außerdem hat Cape Coast ein total verrücktes Straßensystem mit endlos vielen Einbahnstraßen, sodass wir tausende von Umwegen fahren mussten. Naja, auf dem Weg holte sich Dominik noch eine Gospelkassette. Das stellt Dominik auch ganz gut dar, denn er ist einfach ein Mensch, der Sachen macht, die absolut unerwartet kommen. Als wir dann später zu Hause waren, legte er die Kassette in seinen neuen Walkman ein und setzte sich für 10 Minuten auf eine Couch etwas abseits von uns. Das war so komisch, dass wir einfach nur drüber lachen konnten! Aber bevor wir bei den beiden zu Hause ankommen sollten, wollten wir erst noch etwas einkaufen gehen, denn Gregor hatte sich bereit erklärt zu kochen. Es gab Nudeln mit einer ziemlich leckeren Tomatensoße von denen ich so viel aß, dass es eigentlich schon krank war. Tja, aber jetzt mal was zu der Wohnung der zwei: wir haben ja zu viert in einem kleinen Raum gewohnt. Die beiden haben in einem zweistöckigen, nicht allzu großen, aber schön eingerichteten Haus gelebt. Mit geiler Küche und netten Möbeln. Alles vom Mittelrheinischen Sportbund gesponsort. Hinzu kommt, dass sie auch noch einen fetten Bus haben (mit dem sie auch mal irgendwann Trotro spielen wollen) und noch 800 Cedi pro Monat bekommen. Das ist auch alles gerechtfertigt, da sie wichtigere Aufgaben haben, aber es ist schon heftig den Unterschied zwischen uns und den zweien zu sehen! Nach dem Essen liehen Ruven und ich uns die Fahrräder der zwei aus und fuhren damit ein wenig durch die Gegend. Das zeigte uns, dass wir unbedingt Fahrräder brauchten, denn es ist einfach so viel schneller als laufen und macht tausendfach so viel Spaß. Nach dieser Aktion zeigte uns Dominik sein selbst ausgedachtes Spiel. Man befand sich in Ghana und jeder Spieler stellte eine Kommune dar, die um das Ansehen der unterschiedlichen Ministerien ringt. Um ein Ministerium auf seine Seite zu ziehen muss man Punkte für diese sammeln. Das heißt für das Ministry of Education muss man Lehrkrafts- und Institutionspunkte sammeln. Durch ein System, dass auf Multiplikation beruht, errechnet sich dann wer mehr Punkte hat. Dem ganzen lag eine simple, aber intelligente Idee zugrunde: Ohne Lehrer bringen einem tausend Schulen nichts. So konnte man die beste Schule haben, hatte aber immer noch keine Ministerienpunkte, wenn man keine Lehrer hatte. Das klingt jetzt ein wenig verwirrend, aber es war eigentlich ganz lustig. Besonders dafür, dass es einfach mal so ausgedacht war. Naja, an dem Abend haben wir dann noch ganz viel gequatscht und uns die lustigen und peinlichen Geschichten vom letzten Abend erzählt.

Am nächsten Tag waren wir dann alle etwas müde, weil es noch relativ lange ging und so wurde auch nichts aus der Idee das Elmina Castle anzuschauen. Stattdessen fuhren wir direkt nach Hause. Wir hatten auch Glück, denn unser Bus war ziemlich leer und jeder von uns hatte eine ganze Sitzreihe für sich. Doch bevor wir einsteigen konnten, mussten wir erstmal am Fahrkartenverteiler vorbei und das war für mich ein ziemlich unangenehmes Unterfangen. Er war nämlich ziemlich unverschämt dieser Typ und machte sich ungewöhnlicherweise keine Mühe freundlich zu sein, sondern war irgendwie arrogant. Als wir bezahlt hatten und wir schon in den Bus hätten gehen können. Fragte Mareike wie es mit unserem Gepäck aussieht. Das war ein Fehler. Normalerweise hätten wir einfach unser Gepäck mitnehmen können, aber der Arsch witterte Geld und sagte, dass jeder von uns bezahlen müsste. Dann sagte ich, dass das keinen Sinn mache, da wir im Metro Mass sonst nicht bezahlen müssen und da ist er ausgerastet. Hat sich aufgeregt, dass ich ihn so anmache und behaupte, dass er lügen würde. Er riss mir das Ticket für den Bus aus der Hand und kriegte sich kaum ein. Hätte ich ihn zu irgendeiner Zeit angeschrien, hätte ich die Reaktion vielleicht verstanden, aber so kam ich mir einfach nur ungerecht behandelt vor! Ich war so geladen, dass es mir schwer viel auf diplomatische Weise zu sagen, dass er sein Geld bekommt. Aber im Nachhinein habe ich mir gedacht, dass ich einfach hätte gehen sollen und einen teureren Bus nehmen sollen. Damals hab ich mich ungelogen für eine ganze Stunde aufgeregt und bin jetzt beim Schreiben schon wieder auf 180. Ich wünschte ich hätte mir sein Gesicht merken können, sodass ich ihm mal meine Meinung sagen könnte, wenn ich ihn wieder sehen würde. Aber vielleicht ist es auch besser so. Es war nur so unglaublich unverschämt, besonders, wenn man eigentlich nur Gastfreundschaft gewohnt ist. Naja, genug davon! Als wir dann zu Hause angekommen waren, begann eine ziemlich lockere Zeit, da wir nichts so recht zu tun hatten und die Schule erst am 10.1. anfangen sollte.

Diese Zeit war sowieso irgendwie lustig aber komisch. Erst bekam Ruven Malaria, dann ich. Aber es war diesmal überhaupt nicht schlimm, denn wir bemerkten ziemlich früh, dass es uns nicht so gut ging und wir machten einen Test, der positiv ausfiel. Dann kauften wir uns die Medizin und nahmen sie für drei Tage. Nach 4 Tagen war dann so ziemlich alles geklärt. Aber trotzdem war man zwischendurch sehr schwach. Aber das Fieber war dafür ziemlich niedrig. Ich glaube mein Maximum war diesmal nur 38.4 Grad Celsius. So verfiel ich in dieser Zeit also in eine ziemliche Spielsucht und spielte ein Spiel ganz durch und begann sogar es ein zweites Mal durchzuspielen, aber jetzt hab ich mich zum Glück zusammen gerissen und alles ist wieder beim Alten. In der Zeit kamen auch Patrick und Dominik nach Kumasi, aber in der Zeit war ich krank und bekam gar nichts mehr hin, weswegen ich die beiden gar nicht zu Gesicht bekam. Was gibt es dann noch? Wir arbeiteten weiter am Projekt und schickten noch ein paar Mails raus, aber keine von meinen Mails wurde positiv beantwortet. Naja, eine Person sagte, dass sie gerne helfen würde, aber kein Geld geben könnte. Und ich fand heraus, dass die Hälfte der Organisationen, die ich angeschrieben hatte, eigentlich nur entfernt etwas mit Ghana zu tun haben. Das war alles ein wenig niederschmetternd, aber naja… So ist das Spendensammeln nun mal.
In dieser Zeit bevor die Schule losging, waren wir dann auch öfters mal in einer Bar und so passierte es mir, dass ich einmal nach zwei Bier ziemlich gut dabei war, weil ich einfach nichts Fettiges davor gegessen hatte. Tja, was dann passiert ist, war einfach nur dumm, aber eigentlich ist es lustig. Denn ich bin beim Singen in unserem Raum auf eine neu gekaufte Machete von Gregor getreten, da sie an der Wand lehnte und ich sie nicht übersehen hatte. Ich spürte zwar Schmerz, aber lachte mich eigentlich die meiste Zeit selbst aus. Das Problem war nur, dass ich das Zimmer vollblutete, weswegen die anderen mich dann ins Bad geschickt haben, damit ich mein Fuß mal sauber mache. Ich fand es aber lustiger einfach in einen Eimer voll Wasser zu steigen und dann mit dem Kopf gegen die Wand gelehnt dahin zu dösen. Das ging dann so lange bis ich mich entschied ins Bett zu gehen und am nächsten Tag die Lacher auf meiner Seite hatte.

Diese Zeit sollte bald zu Ende gehen, denn der 10.1. lag direkt bevor und eigentlich hatte noch keiner von uns Lust wieder in den Schulalltag zu starten. Besonders dachten wir, dass es losgehen würde, da Albert und Maria (eine weitere Freiwillige) gekommen waren. Aber als ich am 10ten früh aufstand und zur Morning Assembly gehen wollte, war einfach keiner da. Die Schule war absolut ausgestorben. So hatten wir dann doch noch eine Woche mehr um uns auf die Schule einzustellen.
Wir schafften es aber in dieser Zeit die Bibliothek zu streichen, wie schon lange vorgenommen.
Man mag es kaum glauben, aber am Donnerstag dieser Woche waren dann doch genug Leute da, sodass ich eine Englischstunde geben konnte. Aber da es halt doch nur 6 Schüler waren, artete die Stunde in eine Deutschstunde mit Überlänge aus.

Am Freitag kamen wir dann das erste Mal ernsthaft mit Albert zusammen. Erst war da ein Meeting der Lehrer und Albert faltete alle auf freundliche Weise zusammen, die nicht seiner Meinung waren. Der Headmaster sah wie ein Kind aus neben ihm. Ich glaube so ziemlich jeder Lehrer mochte Albert nach diesem Meeting, wie auch nicht. Später am Tag kochten wir für ihn und konnten uns beim Essen so über die ganze Arbeit unterhalten. Für einiges würden wir gerügt, aber letztendlich war alles cool und er hat Geschichten aus seiner Jugend erzählt, mit denen er gezeigt hat, dass jeder Fehler macht. Beim Essen unterhielten wir uns auch darüber, dass der Headmaster unserer Schule eigentlich nicht so kompetent ist und Sarkodie einen viel besseren Job machen könnte. So lag es für einige Tage in der Luft, dass er wirklich entlassen werden könnte, aber dazu kam es nie. Das erlaubten die ghanaischen Regeln nicht, denn man braucht einfach zwei Personen an der Spitze, bei uns sind das Sarkodie und der Headmaster. Tja, schade, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass der Headmaster sich doch ein klein wenig geändert hat. Das ist doch mal was!

Nach dem Essen fuhren wir mit dem Taxi in die Stadt nach Bantama und setzen uns in eine Bar. Das Problem war, dass ich schon die ganze Zeit Geldprobleme hatte, da der letzte Monat einfach viel zu teuer war. Ich riss mich aber zusammen und kam mit. Es war dann letztendlich auch ganz witzig, da wir noch andere Freiwillige trafen. Mit einem von denen unterhielt ich mich ein wenig und fand so heraus, was das für Leute waren und was sie hier taten. Aber abgesehen von dem einen waren die alle nicht so cool drauf. Die Mädchen waren entweder zu ruhig oder bitchy. Auch die eine aus der Green Turtle Lodge war da. Die, von der ich nicht viel halten konnte. Naja, ich unterhielt mich dann noch eine ganze Weile mit Maria und ließ mir von ihr sagen, was sie hier so machte. Dazu muss man wissen, dass Maria nicht so eine 0815 Freiwillige ist, wie wir! Nein, sie ist 28 und arbeitet an ihrer Doktorarbeit und war die letzten drei Wochen in Kamerun. So hatte sie halt auch ganz nette Geschichten zu erzählen.
Der Rückweg wurde durch eine nette Sache eingeleitet. Bei der Taxisuche wollte der erste Fahrer 10 Cedi haben. Erhöhte Preise sind mittlerweile zu erwarten, da die Ölpreise um 30 Prozent erhöht wurden, aber es war uns einfach trotzdem viel zu viel! Naja ich redete dann mit einem anderen Fahrer und probierte einfach mal ein paar Twi-Vokabeln aus und siehe da, für 5 Cedi ging es los. Wir waren dann so dankbar, dass der gute einen Cedi extra bekam.

Der nächste Tag war dann der langerwartete Zahltag, aber Geld bekamen wir leider trotzdem nicht, da Wochenende war… So musste ich als noch bis Montag warten mit nur 2 Euro in der Tasche. Aber letztendlich war es kein Problem, denn der Samstag und Sontag waren relativ ereignislos. Am Samstag besuchten wir am Abend mit George eine Bar, die wohl neu aufgemacht hatte. Die war sogar ziemlich krass, denn sie war an einem extra angelegten Fischteich auf dem man für kleines Geld rumpaddeln durfte. Außerdem waren unter der Bar einige Ställe für unterschiedliche Tiere. Es gab etwa 40 Hühner, 20 Truthähne und noch zwei oder drei Buschratten, die hier drüben extrem wertvoll sind. Im Teich waren Tilapia-Fische, die auch absolut teuer sind. Erst heute habe ich diese Fische eine Nachrichtensendung gelesen und herausgefunden, dass ein kleiner dieser Fische 120 Cedis kostet. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das so ganz stimmt. Wahrscheinlich haben die Leute da 120,000 gemeint und das heißt einfach nur 12 Cedis, was dann schon wieder logischer klingt. Naja, wie auch immer, der Abend war ganz witzig, denn ein Freund von Maria kam mit und erzählte uns von seiner Arbeit und seinem Leben. Er war von der amerikanischen Armee eingestellt worden, um herauszufinden, ob die PCs, die nach Ghana geschickt werden von Ghanaern illegal auf Daten untersucht werden, deren Herauskommen dann problematisch für Amerika sein könnte. Aber er sagt, dass sowas eigentlich gar nicht der Fall ist, sondern die Fragen, die er unterschiedlichen Leuten stellen sollte, wohl die Idee des illegalen Datenverkaufs hervorgebracht hat.
Naja, später haben sich Ruven und Gregor auch mal ein Boot zum Paddeln besorgt, waren davon aber nicht so angetan.

Der Heimweg war dann relativ witzig, da wir die Strecke einfach gelaufen sind, weil so weit abgelegen keine Taxis mehr fahren. Auf diesem Weg hab ich George dann mal nach seiner Geschichte gefragt. Er hat mir erzählt, dass er durch seinen National Service an die Schule gekommen ist. In der Zeit hatte der National Youth Council die Schule geleitet. Dann als der Deutsch-Ghanaische Freundschaftskreis das Ruder wegen Misswirtschaft wieder an sich gerissen hat, wurde George übernommen. George hätte lange gehen können und eine besser bezahlte Stellung annehmen können, aber da er die Challenge mochte, die ihm die Schule stellte, blieb er. Und ich muss auch sagen, dass George neben PK und Sarkodie der dritte Glücksfall für die Schule ist. Denn er zwar hat afrikanische Wurzeln, aber er hat doch eine ganz schön westliche Art der Sichtweise auf Schule. In den meisten Meetings sagt er meistens sinnvollere und mehr durchdachte Sachen als der Headmaster. Naja, mal sehen wie sich das alles entwickelt.

Nun ja, der nächste Tag war wieder mal richtig entspannend und endlich hatte ich dann auch die nötige Lust meinen Unterricht vorzubereiten und leitete somit einen hoffentlich zweiten Term ein.

Und das bestätigte sich auch sofort am Montag. Ich hatte gleich mal eine richtig spaßige Deutschstunde. Ich war eigentlich nicht gut drauf, aber weil meine Schüler so interessiert waren und mitdachten, kam ich nicht umhin, den Rest des Tages nur noch zu lächeln. Naja, dazu kam auch, dass ich endlich ein Fahrrad ausgegraben hab. Es war auch fast intakt. Man musste nur noch die Reifen aufpumpen und schon ging es los. Also fuhr ich gleich mal nach Kwadaso. Das dauerte so nur etwa 10 Minuten und war absolut kostenlos. Problematisch ist nur, dass das Fahrrad so klein ist und man so ziemlich schnell überall Schmerzen hat, aber hey… immerhin haben wir jetzt ein Fahrrad. Am Abend reparierten ich und ein Schüler, Sadat Mohammed, das Fahrrad. Es war perfekt. Fast zumindest… während der nächsten Wochen wurde das Fahrrad dann immer öfter benutzt. Von Schülern, Lehrern und natürlich uns selbst. Dadurch nutzte es sich ganz schön schnell ab. Bald schon war der Sattel locker und bis heute konnte ich ihn nicht reparieren. Außerdem ist der Lenker locker, was richtig doof ist und das Bescheuertste ist, dass das Hinterrad entweder eine 8 drin hat oder auch locker ist. Denn ab dem Moment ab dem man ein wenig schneller fährt wackelt das so krass, das man einfach nur Angst haben muss, dass gleich alles auseinander fällt. Ein bisschen Risiko gehört wohl auch dazu. Ruven ist auch schon gefallen. Aber das lag ein bisschen daran, dass er mit dem Laptop in einer Hand durch die Gegend gerast ist und dann von einem Truck in eine der vielen Rillen gedrückt wurde und dann war es, wie wenn man in Straßenbahnschienen kommt. Keine Chance. Bremsen ist auch nicht angesagt, da die nicht so wirklich gut funktionieren. Er hat eine ziemlich tiefe Wunde im Schienbein, aber was einen nicht umbringt, macht einen bekanntlich stärker!

Am nächsten Tag besorgte ich mir dann einen Schlüssel für den Fahrradcontainer. Da waren immerhin noch 3 annehmbare Fahrräder drin, aber letztendlich blieb das erste für lange Zeit das einzige benutzbare Fahrrad, da wir ewig lang keine Schläuche für die anderen Fahrräder finden konnten. Dann hatte ich wieder eine geniale Englischstunde mit meinen First Years. Ich muss schon sagen, die machen echt Spaß! Sie sind klug und interessiert und vor allem machen sie nicht zu viel sinnlosen Mist. Einer, Jason Tony Frimpong, nervt manchmal ein bisschen, aber ich hab mal mit George und der hat mir geraten was man da macht: einfach einen auf Kumpel machen, so lange, bis man dann akzeptiert wird. Dann sollte man mal ein tieferes Gespräch führen, in welchem man zeigt, dass man sich für den Schüler interessiert und schon hat man den Schüler in der Hand. Denn wenn es soweit ist und der Schüler wieder im Unterricht Spaß macht, dann kann man ihm sagen, dass man es nicht so cool findet, was er da tut und schon hört er auf. Psychologie ist doch was Feines! Warum bin ich da nicht drauf gekommen?
Tja, wie auch immer, die letzten beiden Stunden des Tages fielen dann leider aus, da das Computerlabor von den Electricalleuten mit Stromleitungen verlegt wurde.
Ab dem heutigen Tag sollte sich mein Leben hier auf dem Kopf stellen. Naja, vielleicht eher ab dem Vortag, denn ich hatte in einem Gespräch mit Mareike herausgefunden, dass der Grund für eine gewisse Grundniedergeschlagenheit  in letzter Zeit auf darauf beruhte, dass ich einfach noch nicht genug mit Ghana in Kontakt getreten war. Ich konnte weder Twi, noch hab ich sonderlich viel mit Ghanaern zu tun. Außerdem macht es einfach viel zu viel Spaß mit den anderen Freiwilligen im Zimmer zu chillen und zu reden, weswegen ich mich auch nie so richtig überwinden kann mal rauszukommen. Tja und was kam mir da in den Sinn? Ausziehen! Und zwar bei einer ghanaischen Familie, bloß musste ich dafür zunächst eine finden, also redete ich mal mit Albert. Aber das Umziehen war dann letztendlich nur ein Nebenthema, da er es sinnvoll fand und mir helfen wollte. Aber die restliche Zeit der 2 Stunden redeten wir über die Schule und die Zukunft. Nämlich, dass sie irgendwann mal mit der Uni zusammen arbeiten soll, wenn sie so weiter wächst. Und das tut sie! Mittlerweile sind es sicherlich schon 130 Schüler, die hier täglich Wissen empfangen. Am Abend ging ich dann total beglückt nach Hause und freut mich darauf endlich meine Familie kennen zu lernen, doch darauf musste ich dann noch ein bisschen warten.

Am Mittwoch wollte ich eigentlich mit Gregor nach Kejetia und eine Machete kaufen, aber ich entschied mich lieber zu chillen, mich um den Haushalt zu kümmern und dann das Meeting der Schüler mit Albert anzuschauen. Das war nämlich echt cool. Er erreichte diese nämlich endlich mal. Etwas, was keiner so geschafft hat, wie Albert! Er begab sich auf eine Ebene mit ihnen und schon erzählten sie ihm ihre Probleme. Es war eine Freude das zu sehen. Besonders als ich dann später mit einem Schüler redete, der es ernst meinte, als er sagte, das Albert nun sein Vorbild sei 😀

Am nächsten Tag war dann nach dem Unterricht, wie üblich für Donnerstage, Radio angesagt, aber da Desmond krank war, fiel es aus. Das war doof, aber so kamen wir schneller zu Albert, der uns zum Essen eingeladen hatte. Es ging zum Culture Centre, wo uns eine Mary sehr leckeres Essen servierte. Es gab Reis mit einer Art Gemüsepfanne. Geil! Für Ruven und Cornelius gab es jedoch logischerweise Fufu, da sie sich schon den ganzen Tag drauf gefreut hatten. Tja, wir hatten wieder eine schöne Zeit und Gregor wurde freundlicherweise ein Bedienungsmädchen als Frau angeboten. Ach ja, die Gastfreundschaft der Ghanaer…

Tja, als wir dann nach Hause gekommen sind, setzte ich mich ins Bett und begann etwas am Pamphlet für PK’s Schüler zu arbeiten. Mich packte dann so die Arbeitswut, dass ich bis zum nächsten Morgen um 4:30 Uhr durcharbeitete. Dabei schaffte ich es endlich alles zu schreiben, was mir PK bis zu diesem Datum gegeben hatte. Aber diese Aktion machte sich am nächsten Tag dann auch bemerkbar, denn ich war den ganzen Tag müde und musste mich sehr zusammen reißen normale Gespräche zu führen, ohne einfach einzuschlafen. Ich wurde dann auch gleich einer Härteprüfung unterzogen, denn ich redete mit einer der Personen, mit denen ich einziehen sollte. Und zwar mit der Frau von Kwakye, Gifty. Erst war es ein nettes Gespräch, aber wie so oft driftete der ganze Spaß schnell auf die Religionsebene ab und da ich ein unverbesserlicher Trottel bin, konnte ich nicht widerstehen und habe offenbart, dass ich nicht an Gott glaube, weswegen wir dann gleich mal eine Stunde drüber diskutiert haben. Wenn ich nicht total müde gewesen wäre, hätte ich das vielleicht besser ausgehalten, aber so war es einfach nur tödlich. Denn sie hat um keinen Meter nachgegeben und hat darauf bestanden, dass es Gott gibt und ich bekehrt werden muss. Naja, ich habe es überlebt ohne nun dem Christentum anzugehören. Aber danach hab ich erstmal überlegt, ob das alles so eine gute Idee war mit dem Umziehen-wollen. Aber bevor ich aufgebe, wollte ich ausprobieren, ob es wirklich so schlimm ist.

Tja, danach legte ich mich hin, denn ich war total am Ende. Doch lange konnte ich nicht liegen bleiben, da Gregor und Ruven Essen zubereiteten. Also lief ich ziellos durch die Gegend, um dann herauszufinden, dass ein Treffen der Alumni von GGS mit den wichtigen Leuten der Administration stattfand. Da setzte ich mich eine Weile mit hin und hörte mir an, was einzelne Leute so dazu zu sagen hatten, aber als es dann irgendwann mit Twi losging, ging ich wieder, da ich einfach nichts verstand. Stattdessen spielte ich noch eine Weile Volleyball mit den Schülern und merkte, wie ich abgebaut hatte. Ich hab keine Kraft und Technik mehr. Aber naja, so macht es wenigstens etwas mehr Spaß mit den Schülern zu spielen.

Aber neben diesen Ereignissen war dies auch ein ganz besonderer Tag, denn es war unser letzter Abend mit Gregor, der ja am 22.1. wieder nach Deutschland fahren sollte. Aus diesem Grund bereitete er uns, wie bereits erwähnt, ein sehr leckeres Essen zu. Einen Gemüseeintopf mit Nudeln und einem geilen Salat. Es war einfach zu lecker! Dazu gab es auch Unmengen von Bier, aber ich lehnte ab, da ich so übermüdet war, dass ich schon gegen 21 Uhr schlafend im Bett lag.

Der nächste Tag war dann ganz schön anstrengend, denn ich war trotz langen Schlafens noch total müde, weil kleine Kinder schon morgens die ganze Zeit nervten und Bälle aufgepumpt bekommen wollten. Naja, auf jeden Fall sollten uns Mareike und Cornelius uns an diesem Tag verlassen, da sie für eine Woche in den Norden fahren wollten und dort wohl auch eine schöne Zeit hatten. Sie sahen zahme Krokodile in Paga, hatten einen schönen Tag in Bolgatanga, und einen krassen, tierreichen Aufenthalt in Ghanas größtem Nationalpark Mole. Aber davon bekamen wir nicht viel mit. Stattdessen brachten wir Gregor erst zum Bus und verabschiedeten uns von ihm und redeten noch ein bisschen über die Zukunft. Dann war Gregor weg und bis heute hab ich nichts mehr wirklich von ihm gehört und das ist jetzt immerhin schon über 2 Wochen her. Naja, wenn ich wieder in Deutschland bin. Als wir dann wieder zu Hause waren, wollte ich nach einem angenehmen Bettaufenthalt endlich umziehen. Doch dafür musste ich erst den Schlüssel für mein Zimmer abholen und den hatte Mary. Also bin ich ganz entspannt mit dem Fahrrad losgefahren (nebenbei hätte ich fast ein Kind umgelegt, weil ich von den Pedalen gerutscht bin und die Nicht-Rücktrittbremse die Räder eigentlich kaum blockiert. Aber es ist nicht passiert, ich hab denen wahrscheinlich nur ein bisschen Angst gemacht…) und bin bei Marys Laden vorgefahren. Ich habe sofort eine Cola spendiert bekommen und erkannte dann, dass der einzige Gast in Marys Laden Sarkodie war. Er war aber total abgekämpft, da er einen langen Hochzeitstag hinter sich hatte und so konnte er zunächst kaum reden. Aber dann begann ich ein Gespräch über die Schule und über die ganze Veränderung des Schulsystems in Ghana. So hörte ich mir also das ganze Blabla darüber an, wie schwer es ist ohne Schlagen auskommen zu müssen, aber man merkte, dass er es wirklich versuchen wollte. Naja, dann kamen wir zu etwas anderem: ich begann über Ike zu sprechen und was alles mit ihm passiert ist (Ike war der Schüler, der damals so einen Stress mit der Schule hatte, weil er wohl Sakk und andere Lehrer beleidigt haben sollte). Sarkodie meinte, dass es ihm wohl doch recht geschehen ist, weil er einfach zu wenig Respekt gegenüber dem ganzen Lehrkörper zeigte. Und  diese Art von Respekt ist hier auch sehr wichtig, nicht nur, weil sonst vielleicht kein ordentliches Lernumfeld entstehen würde, sondern, weil diese Art von Bestrafungen einfach von den Eltern gefordert werden. So kamen wir auch auf die Haarschneideaktion von vor Ewigkeiten zu sprechen, die mich damals so mitgenommen hatte. Damals empfand ich es einfach nur als diktatorisch in eine Klasse reinzuplatzen und allen Schülern, die ihre Haare nicht ordentlich gerichtet haben, die Haare zu kürzen. Sakk meinte nun aber, dass er den Schülern schon oft davor gesagt hatte, dass sie ihre Haare in Ordnung bringen sollten, weswegen er sich genötigt sah das zu tun, was er tat. Ich war damals nur zur falschen Zeit am falschen Ort und war zu inkompetent um mit der Situation umgehen zu können. Naja, wenn es jetzt wieder passieren würde, würde ich wahrscheinlich nur lachen.

Naja, nach dem Gespräch fand ich dann heraus, dass Mary den gesuchten Schlüssel gar nicht hatte und ich gar nicht umziehen konnte… Das nervte mich natürlich ein wenig, aber sie versicherte mir, dass ich den Schlüssel bis Montag von Keykey bekommen würde.
So war der nächste Tag dann auch vom schnöden Nichtstun geprägt. Ich schrieb ein bisschen am Blog und schaute den einen oder anderen Film. Am späten Nachmittag merkte ich dann, dass ich einfach viel zu wenig geschafft hatte, also überwand ich mich und stand auf, trommelte einige Schüler zusammen und schaffte etwa 140 Betten aus dem Container in einen Lagerraum. Das dauerte locker 1.5 Stunden und danach war ich total durchschwitzt und absolut schwarz (haha), weil der Container von innen so dreckig war. Aber es machte echt Spaß mal wieder ein wenig hart zu arbeiten, vor allem, weil die Schüler so mitmachten. Dafür holte ich ihnen danach dann auch ein Packet Wasser, was sie auf kindische Art und Weise nicht verteilen wollten, aber ich hatte kein Bock Gleichaltrigen zu sagen, wie sie mit solchen Sachen umzugehen haben, also untersuchte ich die Sachen, die sich in dem Container befanden und überließ den Schülern ihrem Streit. Damit war der Tag dann auch wieder vorbei.

Am Montag, dem 24.1. zog ich dann endlich nach einem langen Arbeitstag um. Seit diesem Semester habe ich, wie ich, glaube ich, schon erwähnt habe, endlich mehr Unterricht. So war mein Montag schön vom Unterrichten ausgefüllt. Nach dem Unterricht ging ich mit George zum Internet, um an der Website zu basteln und dann ging es endlich ins neue Haus, da ich den Schlüssel von KK bekommen hatte. Doch das Schloss für mein Zimmer funktionierte überhaupt nicht, weswegen die ganze Warterei eigentlich ziemlich sinnlos gewesen ist. Naja, was soll’s. Die Wohnung ist auf jeden Fall ganz nett. Wir leben im Keller von der Villa von Albert. Aber der Keller ist auch schon recht geräumig. Mein Zimmer ist etwa so groß, wie das Zimmer, was ich mir zuvor noch mit Ruven, Cornelius und Gregor geteilt habe. Ich hab dann später auch noch eine ziemlich fette Matratze bekommen und einen eigenen Schreibtisch. Alles in allem ein echt nettes Zimmer. Der Rest der Wohnung besteht aus einer liebevoll eingerichteten Küche, die irgendwie altmodisch, aber liebevoll eingerichtet aussieht, dann gibt es da einen langen Flur, der bei starken Regenfällen immer geflutet wird, da das Dach nicht richtig abgedichtet ist, außerdem gibt es noch ein echt europäisches Wohnzimmer mit großem Fernseher und geilen Couches. Zuletzt ist dann noch das Zimmer von Kwakye und Gifty, in dem ich aber bis jetzt noch nicht wirklich gewesen bin.

Ich hab auch gleich mal zur Begrüßung Yam mit Palava-Stew bekommen und das war extrem lecker. In Zukunft sollte ich diese Mischung noch öfter bekommen und ich muss sagen, dass das wahrscheinlich neben Bofrots das einzige Essen sein wird, dass ich in Deutschland vermissen werde.
Naja, während dem Essen hat Gifty mir dann auch gleich mal einiges an Twi beigebracht und nach 3 Abenden in meinem neuen zu Hause, hatte ich schon doppelt so viel gelernt, wie bisher. Genau so wie ich es mir erhofft hatte!

Tja, der nächste Tag war dafür nicht so toll, da ich durch den neuen Lehrplan, den ich mir am Vortag vom Headmaster abgeholt hatte, erstmal abchecken musste, was meine Klassen so an Stoff hinter sich hatten. Dadurch war ich dann auch relativ unvorbereitet, weil ich alles hätte unterrichten können müssen. Aber es war ein Anfang und jetzt, 2 Wochen später, hab ich endlich einen Plan und hab nicht mehr so ein unsicheres Gefühl bei dem Zeug was ich unterrichte, weil es wirklich im Lehrplan steht.
Apropos Lehrplan… Der Headmaster gab Ruven und mir auch die Aufgabe einen Lehrplan für Deutsch aufzustellen. Das war irgendwie witzig, da wir überhaupt nicht recht wussten, was genau wir schreiben sollten. Aber wir orientierten uns dann einfach an Ruven’s Deutschbuch und gaben etwas ab, was eigentlich okay war. Naja, unser Lehrplan sieht vor, dass ein Schüler nach 3 Jahren Schulzeit etwa 30 Seiten aus dem Buch bearbeitet hat. Naja, lieber wenig wirklich verstehen, als viel überhaupt nicht checken. Wenn die Schule dann größer und ernster wird, wird der Lehrplan dann sicherlich auch verändert werden.

Wie auch immer, der nächste Tag sollte nach langem mal wieder ein ganz besonderer werden, denn wir wurden auf eine Beerdigung eingeladen und zwar die des Vaters von einem meiner Schüler, Samuel Oppong. Ich überlegte erst, ob ich gehen sollte, weil dadurch mein Unterricht ausgefallen wäre. Aber da es halt einer meiner Schüler ist und ich nicht so viel Lust auf Unterrichten hatte, kam ich einfach mit.
Es sollte früh losgehen, sodass wir um 10 da sein konnten, aber wie es für Ghana so typisch ist, kamen wir dann doch nicht vor halb 9 los, da erst wir ewig nicht fertig wurden und dann die Schüler noch für etwas gebraucht wurden. Aber als es dann los ging, war es ganz witzig, da man endlich mal mit den Schülern außerhalb der Schule zusammen kam und nicht so lehrspezifische Sachen ansprach, sondern sich eher auf die einzelnen Personen konzentrierte. So fanden wir heraus, dass einer meiner Schüler, Owusu Boadi Kwabena schon 34 Jahre alt war und schon eine Familie hatte. Das war schon ein wenig krass. Später lud er mich auch mal zu sich nach Hause ein, worauf ich mich auch schon freue, aber leider hatte ich noch nicht die Zeit mit ihm zu kommen. Naja, Außerdem redete ich auch mit Ebenezer, einem 25-jährigen Schüler, der eine unglaubliche Arroganz ausstrahlt, aber eigentlich ganz nett ist. Man muss sich nur auf seine Art einstellen und schon sieht man auch mal ein Lächeln in seinem Gesicht.
Nun ja, wir fuhren also in aller Ruhe in Richtung Mmampong, wobei wir an vielen Dörfern einzelner Schüler vorbei kamen und so einige Geschichten hörten. Als wir dann endlich da waren (natürlich komplett verspätet), begrüßten wir erstmal fast jede Person. Da wir die einzigen Weißen seit langer Zeit in diesem Dorf waren, schauten natürlich diesmal wirklich alle nur auf uns, was etwas beängstigend war, doch man gewöhnte sich langsam dran. Wir lernten, dass ghanaische Beerdigungen meistens 3 Tage dauern und zu jedem Tag etwas anderes angezogen wird. Mal schwarz, mal weiß, mal beides. Gehört man der Familie an, so trägt man zumindest ein bisschen rot. Da wir so spät kamen mussten wir nur für kurze Zeit da sitzen und uns das Twi-Gerede anhören, denn jeder, der kam, wurde vorgestellt oder stellte sich selbst vor. Dann wurde der Sarg zur Grabstätte gefahren und zwar auf einem Wagen, auf dem normalerweise die Wasserbeutel herumgefahren werden, also schon ein wenig eigenartig. Naja, wir konnten da natürlich nicht mitfahren, sondern liefen zu Fuß. Auf dem Weg unterhielten wir uns ein wenig mit Samuel, der ziemlich geknickt aussah, wenn auch nicht total übertraurig. Dazu muss man wissen, dass sein Vater auch schon vor 3 Monaten gestorben war und erst jetzt die Beerdigung möglich war. Aber so läuft das hier. Manchmal liegen die Toten sogar ein Jahr herum, weil nicht genug Geld und Zeit da ist.
Tja, wir standen bei dem winzigen Friedhof am Straßenrand herum, bis wir zurück liefen. Doch es ging nicht etwa nach Hause, nein, es ging direkt zum zu Hause von Samuel und da wurde gegessen und getrunken, gelacht und gescherzt. Außerdem lernte ich noch einige Worte Twi. Es war eine echt nette Zeit, krass, dass man sowas über eine Beerdigung sagen kann. Tja, nach einer gefühlten Ewigkeit gingen wir dann wieder zu dem Platz zurück an dem alles angefangen hat. Ich erinnere mich gerade, dass ich den Platz noch gar nicht beschrieben hab. Also: es waren etwa 200 bis 300 Leute da, die um ein Rund gesessen haben auf dem der Sarg aufgebaut war und wo sich vorgestellt wurde und die Pastoren sprachen. Tja, aber als wir wieder zurück gekommen waren, war der Sarg weg und dafür stand an einer anderen Stelle ein Zelt mit einer Live-Band darunter. Und die haben gesungen und getanzt und gepredigt. Irgendwann wurden wir dazu gezwungen auch zu tanzen und los ging es. Nach kurzer Zeit wurde ich von einer Frau angetanzt, die locker die Mutter meiner Mutter hätte sein können. Aber ich schaffte es den Tag zu überstehen ohne mit dem „Ich muss gehen“-Argument zu kommen. Dann kam der wichtigste Pastor an und animierte uns noch mehr zum tanzen, sodass wir den komischen Ghanastyle-Dance durchzogen. Tja, dann mussten wir aber doch los, da wir eigentlich noch zum Radioprogramm wollten, aber daraus wurde am Ende nichts. Wir nahmen extra ein Taxi, aber der Fahrer verstand anstatt Uewk (University of Education Winneba-Kumasi) KNUST (Kwame Nkrumah University for Science and Technology), zwei Unis, wie sie in Kumasi nicht weiter auseinander hätten sein können… Also ließen wir uns dann einfach nach Hause bringen und chillten zu Hause noch eine Runde, denn es war schon 17:45 Uhr.

Der nächste Tag war dann von PC-Arbeiten geprägt, denn wir mussten die Daten alter Schüler bei Excel eintippen und ich musste nebenbei noch was kleines für PK tippen, was ich eigentlich schnell beenden wollte, aber da waren so beschissene Bilder dabei, dass ich bei Paint ewig brauchte um auch nur eins zu zeichnen, also hörte ich nach nur 3 Stunden Arbeit auf und konzentrierte mich auf das Archivieren. Das nahm auch die ganze Schulzeit in Anspruch. Zu Hause baute ich mir dann mein Bett zusammen, sodass ich nicht mehr die ganze Zeit von Mücken zerstochen werde, wie die Nächte zuvor. Außerdem reparierte ich noch fix meine Tür und hatte ab dem Moment dann ein ziemlich perfektes Zimmer: Ein Bett mit gutem Mückennetz, ein Doppelstockbett als Möglichkeit andere übernachten zu lassen und als Kleiderschrankersatz, einen  Schreibtisch und eine funktionierende Tür.
Am Abend ging ich dann mal wieder zu Ruven rüber und erfuhr etwas, wie es großartiger nicht hätte sein können. Er erzählte nämlich, dass bei seinem Vater auf dem Hof ein alter Mann arbeitete, der sein Leben lang einfach gewesen ist und nie viel Geld ausgegeben hat. So ist ihm auch nie aufgefallen, dass das Finanzamt ihm in den letzten Jahren eine Vermögenssteuer berechnet hat, die eigentlich viel zu hoch ist. Da Ruvens Oma das herausgefunden hat, hat sie jetzt überlegt, ob man ihn nicht mal fragen kann, ob er das Geld nicht spenden will. Wenn das klar geht, können wir auf jeden Fall anfangen den Platz zu bauen. So könnten wir zu seiner Fertigstellung vielleicht sogar noch hier sein und die ersten Spiele darauf spielen. Aber erst müssen wir abwarten, Tee trinken und wie die Ghanaer sagen würden, beten. Und das ist auch so eine Sache, ich werde hier extrem der Gehirnwäsche unterzogen, da an fast jedem Tag Religion ein Thema ist. Mal sehen wie lange ich durchhalte bis ich durchdrehe oder wie lange Gifty und Kwakye durchhalten, bis sie merken, dass es nichts bringt mich bekehren zu wollen.

Naja, am Samstag kamen Cornelius und Mareike dann von ihrem Trip zurück. Eigentlich wollte ich früh am Morgen vorbei kommen und sie bei der Ankunft begrüßen, aber dafür genoss ich den Schlaf viel zu sehr. Stattdessen schrieb ich ein bisschen an diesem riesigen Blog. Gegen Nachmittag spielte ich dann eine ganze Menge Tischtennis mit den Schülern bis der Ball kaputt war und kein weiter aufgetrieben werden konnte. Am Abend gingen wir dann nach Bantama, weil Patrick und Dominik wieder in Kumasi waren. Doch zuerst besuchten wir eine neue Bar, schauten nebenbei ein wenig Fußball und unterhielten uns so über dies und das. Ich erzählte Maria zu Beispiel von der schrecklichen Seifenoper, die hier immer geschaut wird: Curse By The Sea. Da ich Twi lernen und mich hier nicht so ausgrenzen will, habe ich mich entschieden immer mit Gifty Fernsehen zu schauen, da sie das die meiste Zeit tut, wenn sie zu Hause ist. Und da gehört dieses mexikanische GZSZ einfach dazu. Tja, danach traten wir den kurzen Weg zur anderen Bar an, wo wir auch die beiden Cape Coast Freiwilligen trafen. Es war wie immer ein lustiger Abend und wir verabredeten uns auch für das nächste Wochenende mit ihnen, da es das letzte Wochenende sein sollte, an dem Patrick für uns erreichbar in Ghana sein sollte.

Wir kamen erst spät nach Hause und ich hatte Gifty und Kwakye zugesichert, dass ich mit in die Kirche kommen wollte, was ich dann auch tat, wenn auch total übermüdet. So war dann auch die Tortur, der ich unterzogen wurde einfach zu viel für mein schwaches Herz. Denn ich musste nicht einfach nur die Strapazen überstehen die ganze Zeit in der Kirche zu sitzen, sondern ich wurde auch noch dem ultra-missionierenden Supergottesdienst unterzogen, in dem mir einfach nochmal der Anfang des Alten Testaments erklärt wurde, den ich aber schon komplett kenne, wodurch es einfach nur langweilig wurde. Dann kam irgendwann Gifty um der alten Frau, die mich unterrichtete, zu helfen. Wenig später kam dann auch der Pastor. So redeten sie dann zu dritt gegen mein steinhartes, kaltes Atheisten-Herz an. Ich glaube der Pastor war der Einzige, der merkte, dass es sinnlos war. Naja, aber bald war es vorbei und ich durfte nach Hause und war absolut am Ende. Da puschte mich ein geiles Frühstück wieder in einen glücklicheren Zustand, aber das dauerte auch locker eine Stunde. Ich war aber dennoch für den restlichen Tag absolut übermüdet. Aber dennoch wollte ich zur Uni fahren und mal wieder im Internet was regeln, doch ich hatte kein Glück: kein Netz. Tja, da rief mich auch schon wieder Andrew, ein Nigerianer an, den ich jetzt schon einige Male getroffen hatte. Er lud mich zu sich ein, weil er mir versprochen hatte, mal etwas zu essen zu präparieren.

Das nahm ich dann auch dankend an: es gab Garri auf nigerianische Art. Da ich nicht mal weiß was das genau ist, kann ich es auch nur ganz schwer beschreiben. Es schmeckt etwas bitter, aber mit genug Zucker und Kondensmilch schmeckte es lecker und süß. Man gab das Garri Pulver also mit Wasser, Zucker und Milch zusammen, goss die überflüssige Flüssigkeit weg und hatte dann eine Art körnigen Brei zum Essen. Da ich Hunger hatte schmeckte es mir richtig gut. Beim Essen erklärte mir Andrew, was er von mir wollte. Er ist ein Trainer für Fußball und will eine Fußballakademie eröffnen. Ich komme jetzt aber nicht etwa als Geldgeber ins Spiel, sondern viel mehr als Kontakt nach Europa. Denn was hilfreich wäre, wäre ein Verein, oder eine Institution, die Leute das Ghana nach Europa holt, weil sie so gut Fußball spielen können. Ich habe mir auch vorgenommen ihm irgendwie zu helfen, bloß weiß ich einfach noch nicht wie ich das regeln soll. Aber ich werde wohl einfach mal rumtelefonieren müssen. Wenn es aber klappt, werde ich vielen Leuten hier ein westlicheres Leben ermöglichen und Andrew wird einen richtig guten Job bekommen, das würde ich ihm echt wünschen! Er erzählte dann auch noch so ein bisschen von sich und seiner Mannschaft in Nigeria. Er erzählte mir, dass er einige Mädchenteams trainierte und besonders die älteren schon einiges erreicht hatten. Außerdem erzählte er, dass er den jüngeren Spielerinnen ans Herz legte, hübscher zu werden, weil sie sonst aus dem Team fliegen. Das fand ich zwar hart, aber irgendwie lustig. Tja, daran merkt man doch, dass das hier Afrika ist!

Mein Aufenthalt bei Andrew war nicht allzu lang, nach etwa 2 Stunden ging ich wieder nach Hause und früh ins Bett.

Der nächste Tag war relativ entspannt. Aber ich fand heraus, dass PK die Schule verlassen will, da er komplett unglücklich mit der ganzen Situation ist. Er bekommt zu wenig Geld, um sein Leben zu finanzieren und nichts was er tut wird wirklich anerkannt. Als Torsten dann hier seine Meinung zur ganzen Arbeitsweise gesagt hat, hat es wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. Auch andere Lehrer waren nach dem Meeting damals sehr angepisst, aber PK hat es wohl zum Gehen bewegt. Als er mir das alles so erzählte, sagte er mir auch, dass er möglichst bald mit dem Pamphlet für Elektrik fertig wollte, damit seine Schüler noch etwas von ihm haben. Also erklärte ich mich bereit alles Mögliche noch schnell für ihn zu tippen, allerdings stellte sich auch heraus, dass ich in dieser Woche auf Duty bin, das heißt, dass ich die ganze Zeit von früh bis spät in der Schule zu sitzen und aufzupassen hatte. Am Montag tat ich noch nichts, da ich im letzten Term zwar mal auf Duty war, aber mir keiner recht erklären konnte, was ich tun und lassen sollte. Aber die restlichen Tage hatte ich dann gut zu tun und war eigentlich die ganze Woche gestresst, da ich nur hin und her rannte und sich trotzdem jeder beschwerte. Naja, am Nachmittag wurde dann einer der Lagerräume ausgemistet. Da standen etwa 30 extrem alte Nähmaschinen, die in Deutschland ein Vermögen wert gewesen wären, hier aber einfach nur als Schrott zählten, von dem man irgendwie loskommen musste. Außerdem gab es noch einigen anderen Müll, der herausgeholt und auf die Departments verteilt wurde. Also zum Beispiel Holzkleber zu den Schreinern und Rohre zu den Klempnern.

Am nächsten Tag hatte ich wieder wie für Dienstag typisch extrem viel Unterricht und hatte vor der letzten Stunde so gar keine Kraft mehr. Doch ich hatte Glück, denn die Schüler in meiner Klasse waren am Morgen alle nicht zum Essen gekommen und wurden deswegen von Davida damit bestraft, dass sie kein Mittagessen bekommen sollten. Das gab dann so einen Stress, dass George einschreiten musste und ihnen Essen versicherte. Ich klemmte mich an George ran und regelte alles ein bisschen, weil George irgendwann meinte, dass ich lieber übernehmen sollte, weil es für ihn einfach zu emotional wurde und er vielleicht etwas Falsches gesagt hätte. So bekamen die Schüler also doch etwas zu essen und ich bekam meine erhoffte Ruhezeit, da die Stunde nicht stattfand. Aber da ich auf Duty war, war ich dann auch irgendwie die ganze Zeit derjenige, der angeschissen wurde, weil etwas schief lief. Also dachte ich mir am Abend: ihr könnt mich alle mal! Und ging nach einer langen Schreibsession sehr spät ins Bett, um dann sehr früh aufzustehen und die Schüler schon ab 5:30 Uhr zu überwachen. Als ich so da saß und merkte, dass nur sehr wenige Leute da waren, begann ich diejenigen aufzuschreiben, die da waren. Und da war ich sogar noch freundlich! Um 5:45 Uhr ging die Morning Prep los und ab 6 Uhr begann ich Namen aufzuschreiben. Das machte ich dann noch an den anderen beiden Tagen und wertete es dann am Freitag vor den Schülern aus. Aber zurück zum Mittwoch. Ich war also sehr müde und wollte mich eigentlich nur hinlegen, bekam dafür aber nicht so recht die Möglichkeit, da ich nur am hin und her rennen war, um zu checken, ob die Klassen auch einen Lehrer hatten, was oft nicht mal der Fall war und ich musste dem Lehrer Bescheid sagen, oder eine andere Möglichkeit finden, sodass die Schüler beschäftigt werden konnten. Dann beobachtete ich die Schüler beim Frühstücken und holte sogar einen aus seinem Zimmer, weil wohl jeder in der Dining Hall zu sein hat. Dann checkte ich noch die Klassenzimmer, ob auch alle von da zum Essen gegangen waren. Auf meiner Runde durch die Zimmer kam ich am Lehrerzimmer vorbei und sah da Samuel, der mit mir auf Duty war. Er machte mich dann tatsächlich an, weil ich nicht in der Dining Hall war und den Schülern zuschaute. Das fand ich so unglaublich dreist, dass ich einfach nur sagte, sorry und wieder ging. Aber im Kopf hatte ich nur: So ein Arschloch. Ich mache hier die Arbeit und er macht Zeugs, was er genauso gut hätte am Vorabend zu Hause erledigen können. Am Vortag hatte er mich auch angemacht, dass ich wohl angeblich nicht bei der Morning Assembly gewesen wäre, was schonmal nicht stimmte und deswegen keiner die Assembly überwacht habe. Sein Problem war nun, dass er ja extra nicht gekommen wäre, weil er davon ausgegangen ist, dass ich da bin. Mit all diesen unfassbaren Gedanken im Kopf lief ich aus dem Lehrerzimmer und war kurz vorm Ausrasten, weil dieser Mensch sich einfach aufspielte, wie Gott im Himmel. Ich war so wütend und bin es schon wieder. Aber das war noch nicht alles… Danach ging ich nochmal durch die Klassen und regelte noch die eine oder andere Abwesenheit von Lehrern. Dann ging ich nach Hause und wusch meine Sachen, und ging wieder zurück um mit Cornelius an dem Container zu arbeiten und die ganzen Werkzeuge zu ordnen und Zeugs auszumisten. Während wir da so arbeiteten kamen einige Lehrer vorbei und nervten uns immer mal, ob sie sich nicht einiges mitnehmen könnten. Dann kamen kleine Kinder vorbei und brachten auch noch alles ein wenig durcheinander. Und zur Krönung kam dann Samuel vorbei und erklärte uns, dass heute ein Tischtennisturnier sei, bei dem wir zu erscheinen hatten. Lustig, dass wir beide im Sportkomitee sind, aber erst 30 Minuten vor Beginn davon erfuhren. Außerdem verpasste ich durch dieses Turnier eine Skype-Verabredung, wodurch ich komplett angepisst war. Samuel hatte es sich an diesem Tag echt mit mir verschissen, besonders, weil er in der restlichen Woche keinen Finger bezüglich seiner Pflicht tat und mir die ganze Überwachung überließ. Naja, mal sehen was sich da noch so entwickelt. Das schlimmste war, dass während dem ganzen Turnier nur Twi geredet wurde und ich einfach nichts verstand und ich einfach nur auf dem letzten Loch pfiff, weswegen ich dann nach Hause ging und erstmal was aß. Dann ging ich wieder zurück und spielte noch ein wenig Tischtennis mit den Gewinnern, weswegen ich dann total am Ende war. Ich schleppte mich in unser Zimmer und schlief fast ein. Dann unterhielt ich mich noch eine Runde mit Mareike und schleppte mich nach Hause. Aber es dauerte eine Weile bis ich loskam, weil ich einfach keine Lust auf Laufen hatte. Auf dem Weg erbrach ich mich dann und zu Hause legte ich mich sofort, also 18 Uhr hin und schlief bis zum nächsten Morgen um 5 Uhr, weil ich ja wieder zur Aufsicht musste.
An diesem Tag wurde dann der erste Schritt in Richtung Exkursion für die Schule gemacht, denn einige Schüler hatten mich schon darauf angesprochen. Also fragte ich in meiner Klasse, was sie tun wollten und kamen auf ein mögliches Ziel. Das sprach ich dann mit George ab und ihm gefiel es so gut, dass er meinte, dass die ganze Schule gehen sollte. Jetzt hab ich die Arbeit, aber auch den möglichen Ruhm 😀
Im Verlaufe des Tages traf ich dann auch mal PK, der mir noch 40 Buchseiten mit Definitionen zum Abtippen mitgab (was ich absolut nicht großartig fand, aber ich sagte doch „ja“) und ich schaffte an diesem Tag auch etwa die Hälfte, weil ich von 20 bis 24 Uhr durchschrieb. Aber bevor es soweit kam, passierte noch etwas anders. Da PK gehen sollte, hatte er Sakk seine Pläne gesteckt und wurde deswegen dann an diesem Donnerstag, dem 3.2. entlassen. Das schockte dann doch ein bisschen, aber naja, das Leben geht ja bekanntlich weiter. Kurz darauf hatten wir dann die erste ordentliche Twi Stunde mit Sakk, bei der zwar nicht viel Neues vorkam, aber die ganz interessant war. Danach war eigentlich Radio angesagt, aber ich musste nach Hause, da ich einfach nur zu fertig war.

Der nächste Tag begann für mich mit voller Freude, denn endlich konnte ich die ganze Namenaufschreib-Aktion auswerten. Und ich tat es folgendermaßen: bei der Morning Assembly hielt ich eine Ansprache, und fragte die Schüler, was sie echt gerne mal machen wollen würden, da sie nicht das richtige sagten, flüsterte ich Tony zu, dass er Exkursion sagen sollte. Und so erläuterte ich ihnen, dass ich mit George zusammen eine solche Exkursion planen würde. Da waren sie natürlich ganz glücklich.
Und dann schlug ich zu: ich sagte, dass die, die an einem Tag nicht gekommen waren, entschuldigt waren. Die, die zwei Tage nicht gekommen waren, sollten Groundwork machen. Und die, die dreimal nicht zur Morning Prep da waren, durften nicht mit zur Exkursion kommen. Ich war so glücklich, dass mir diese moderate, faire Bestrafung eingefallen war, dass ich den ganzen Tag nur noch grinsen konnte und mich zu meinem Meisterstück beglückwünschte. Natürlich war es eigentlich nichts besonderes, aber ich hatte endlich mal als Lehrer bewiesen, dass ich nicht alles einfach so hinnehme, was falsch ist.

Danach bin ich dann zum Arzt gefahren und habe mich mal einen Rundum-Check machen lassen, weil die anderen der Meinung waren, dass ich einfach zu oft in letzter Zeit am kränkeln bin. Der Arzt versicherte mir, dass alles okay ist und nahm mir 60 Cedi ab. Naja, das war es sicherlich wert.
Vom Arzt ging es dann direkt zur Neoplan Station, wo schon Ruven, Mareike und Cornelius auf mich warteten, sodass wir mit dem Bus nach Cape Coast zu Patrick und Dominik fahren konnten.

Die Fahrt war anstrengend und nervig, weil ich die ganze Zeit nicht schlafen konnte und meine Beine weh taten, wie eigentlich immer bei den Busfahrten, nur hatte ich diesmal wirklich gar keine Lust darauf. In Cape Coast angekommen nahmen wir ein Taxi zu einer Bar und trafen da die beiden anderen beim Fußball gucken, Schalke gegen Dortmund, an. Als das langweilige Spiel vorbei war, liefen wir einen gefühlten 100 km Weg nach Hause und besorgten uns auf dem Weg was zum Essen. Bei den beiden zu Hause redeten wir noch eine Weile, dann musste ich aber aufgeben und fiel ins Bett.
Am nächsten Tag ging es schon früh raus, da Dominik und Patrick ein Sportevent für Kinder leiten mussten. Doch bevor wir da aufkreuzten kauften wir noch 300 Liter Wasser, weil die Kinder ja was trinken wollen würden. Wir rechneten mit etwa 60 bis 80 Kindern, aber letztendlich waren locker über 150 Kinder da und wollten bespaßt werden. Das war nicht mehr lustig, denn sie drangen auf uns ein wie Wasser in die Titanic. Schnell merkte ich, dass es zu viel für mich werden würde. Ich entschied mich dann einfach um das Wasser zu kümmern und die vielen Kinder davon abzuhalten, etwas von dem Wasser zu klauen, was gar nicht so einfach war, denn ein Kind schaffte es tatsächlich etwas zu klauen, ohne dass ich es bemerkte. Ein anderes Kind ging mir auch so krass auf den Zeiger, dass ich kurz davor war unüberlegte Sachen zu tun. Da es mich immer wieder verarschte, Wasser wollte und sowieso viel zu arrogant war, sagte ich sogar, dass es aufhören soll so dumm zu sein. Und das ist so ziemlich das schlimmste was man auf Twi sagen kann, aber ich kannte keinen Ausweg und wenigstens hörte es auf die harschen Worte.
Aber dann am Ende sollte das Wasser verteilt werden und das war einfach nur einen Katastrophe, denn wir hatten die Kinder nicht mehr unter Kontrolle. Viele waren einfach nur gekommen, weil sie gehört hatten, dass es kostenloses Wasser gab und belagerten uns jetzt. Eigentlich wollten wir jedem Kind ein Päckchen geben, aber das war einfach nicht mehr möglich. Irgendwann gab ich dann auf und ließ etwa 40, vielleicht 50 Kinder auf meine Wasserbeutel einstürmen. Sie bissen, kratzten und schlugen sich darum, und nach weniger als 15 Sekunden waren mal locker 90 Liter Wasser an 50 manische Kinder verteilt wurden.

Es war uns dann allen zu viel. Ruven war auch kurz vorm Durchdrehen, da ihm ein Trinkpäckchen in der Hand zerdrückt wurde und er komplett eingesaut dastand. Doch als das Wasser dann weg war und die Aufregung vorbei, gingen auch die meisten Kinder und nur die wenigen, die wirklich an uns interessiert waren, blieben noch und halfen uns aufzuräumen. Und bei 600 Trinkpäckchen ist das nicht mal nur so eine luschige Arbeit. Aber irgendwann waren wir fertig und fuhren los. Beim Drehen bemerkten wir, dass wir die Müllsäcke vergessen hatten und blieben nochmal stehen. Dominik holte den Spaß und wir hielten noch ein bisschen die Kinder aus. Sie fragten nach mehr Wasser, Essen und Geld, was wir ihnen natürlich nicht geben konnten. Naja, dann hupte es, quietschte es und dann lag es da, das eine Kind, was voll vom Auto überfahren wurde. Blutend auf der Straße, ohne sich zu bewegen…

Zeit existierte nicht mehr, alles was ich sah war das leblose Bündel auf der Straße. Und in meinem Kopf sah ich das bisschen was ich gesehen hatte immer wieder: ein rasend schnelles Auto kam aus dem Nichts, erwischte das Kind mit der Front, sodass es einige Meter flog und auf beängstigende Weise liegen blieb.
Ich hörte die ferne Stimme von Patrick: „Ach du Scheiße.“ Und ich hörte wie sich eine Tür öffnete. Wie genau alles ablief, weiß ich gar nicht mehr so recht, da ich alles ganz anders aufnahm, als normalerweise. Es war einfach zu unglaublich. Ich hielt die Situation nicht aus, dass ich vielleicht bei einem Unfall mit Todesfolge zugegen bin. Ich drehte mich ziellos umher, hielt mir die Hände vors Gesicht und tat nichts bis die Tür aufgerissen wurde und Patrick das Kind ins Auto legte. Es machte nicht mehr viel, sondern wimmerte nur leise und blutete aus dem Mund. Ich kann nicht auflisten, was mir alles durch den Kopf ging, es war einfach ein Gefühl, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich stieg aus, um dem Kind Platz zu geben und Cornelius kümmerte sich sofort um den Jungen. Dann fuhr der Wagen mit Cornelius, Patrick und Ruven davon. Mareike nahm sich einem Mädchen an, das in Tränen ausbrach und sagte, dass das sein Bruder war. Die anderen Kinder waren kurz leise, aber begannen schnell wieder ihre Lockerheit zurückzugewinnen. Aber ich war noch für die nächsten paar Stunden geschockt. Dominik hatte dann die Idee alle anderen Kinder in ihren Distrikt zu bringen, der nicht weit weg war. Naja, auf dem Weg erzählten wir dann einigen Leuten, was vorgefallen war und die sagten uns, dass wir den Eltern davon erzählen sollten. Doch Mareike war mit der Schwester schon vorgelaufen und hatte sogar schon die Mutter angerufen, die passenderweise auf einer Beerdigung war. Wie uns Mareike dann später erzählte, fiel die Mutter ihr sofort weinend in die Arme, hatte sich dann aber wieder halbwegs gefangen, als wir da waren. Was geholfen hat, war, dass die Mutter halbwegs Englisch sprechen konnte und so waren wir dann auch recht schnell in einem Taxi zum Krankenhaus unterwegs.

In dieser ganzen Zeit haben wir nichts von dem Jungen mitbekommen, außer einem leisen, andauernden Wimmern, als ich Ruven anrief, um herauszufinden in welchem Krankenhaus sie waren. Es hätte also alles passiert sein können. Er hätte schon längst tot sein können, aber als wir ankamen, saß er da, heulte noch und sah sonst relativ unverletzt aus. Er hatte ein Pflaster auf dem Kopf und einige Schrammen auf der Stirn. Als er seine Mutter dann länger bei sich hatte, wurde er auch langsam ruhiger und wurde von ihr in den Arm genommen. Später bekam er dann auch eine Runde Kekse von Mareike ausgegeben und 2 Tage später erfuhren wir von Patrick, dass der kleine Kojo auch schon wieder draußen rum lief. Dominik sagte uns dann auch später, dass das Auto den Jungen mit gar keiner so großen Geschwindigkeit erwischt hatte und er war der einzige, der es wirklich gut gesehen hatte. Er sagte, dass der Fahrer zwar zu schnell war, aber noch bremsen konnte und den Jungen mit etwa 20 km/h getroffen hatte. Glück im Unglück!
Aber wieder zurück zum Krankenhaus, denn dort ging es drunter und drüber. Die drei, die direkt ins Krankenhaus gefahren waren, erzählten uns später, dass als sie da ankamen und Stress machten, geradezu ausgelacht wurden, weil sie solch einen Radau machten. Sie ließen sich Zeit und nahmen das alles gar nicht so wirklich ernst. Als der Junge nicht aufhören wollte zu weinen, schüttelte ihn die Krankenschwester sogar durch. Sehr professionell… Als Patrick dann eine Röntgenaufnahme beantragte, wurde er zur Ruhe gemahnt und seine Anfrage wurde einfach so abgetan. Später als wir die Medikamente bekommen hatten, fragten wir nochmal nach Röntgen, aber uns wurde offenbart, dass der dafür zuständige Mensch nicht anwesend sei. Immerhin gab man uns seine Nummer, aber er war lange Zeit einfach nicht erreichbar. Und als er dann erreichbar war, sagte er, dass er kommen würde. Beim zweiten Versuch war das Handy aus. Das nenne ich mal Ignoranz und Arbeitsmoral. Wir Weißen kriegten uns fast nicht ein wegen diesen Umständen, aber der Mutter war das erstmal egal. Sie war froh, dass Kojo gesund aussah und wollte nur noch nach Hause. Von inneren Blutungen hatte sie noch nicht so recht gehört offenbar.
Naja aber das war immer noch nicht alles. Als Patrick, Ruven und Cornelius da eine kurze Weile gesessen hatten, wurde ein weiterer Notfallpatient reingebracht. Er hatte eine riesige Platzwunde am Kopf und war bewusstlos. Als wir dann kamen lag er auf einer Liege im Gang mit einem Tropf und einem notdürftigem Pflaster auf der Wunde. Da sein Arm zuckte, wurde der auch bald an der Liege festgebunden. Das war ja alles noch halbwegs okay, wenn auch echt krass, aber dann begann ein Blutstrom unter seinem Pflaster zu quellen. Er floss auf die Liege und tropfte dann auf den Boden bis sich eine gute große Pfütze bildete. Wir bemerkten es und machten die Schwestern drauf aufmerksam, doch die machten nichts. Einfach nichts. Sie guckten bloß. Durch die ganze Scheiße wurde mir dann so schwindelig und schlecht, dass ich Mareike folgte und nach draußen ging, aber nicht den Mareike betreuenden Ruven hin, sondern einfach nur weg. Als ich auf die Straße kam, sog ich die frische Luft ein. Und das erste was ich sah, war ein Taxi, was wie besengt durch die Gegend fuhr und einen Fahrer der wild gestikulierte und offenbar einer Frau hinterherrief, die er nett fand. Auf jeden Fall fuhr er so unkontrolliert, dass er einem stehenden Taxi einen Spiegel abfuhr. Es war einfach zu verrückt. Wenn da ein Kind gelaufen wäre, hätte der Fahrer es nicht mal bemerkt. Er hätte es einfach in voller (und natürlich viel zu schneller) Fahrt mitgenommen und das hätte keine Kekse mehr gegessen. Auch ein Erwachsener hätte da keine Kekse mehr essen können. Und vor kurzem Stand erst etwas über zu viele Verkehrsunfälle in der Zeitung. An diesem Tag wurde einem das echt mal bewusst. Da fällt mir noch eine kleine Sache ein. Auf dem Weg nach Cape Coast hat unser Bus eine Ziege geplättet. Alles was wir hörten war ein „Plock“ und als wir aus dem hinteren Fenster schauten, sahen wir nur eine Ziegenmama, die ein Fleischbündel anstupste.

Das war einfach alles zu viel für mich, sodass ich über die Straße zum Meer ging und mich für eine Zeit da reinstellte und Wasser über meinen Kopf laufen ließ. Dann begann ich langsam wieder ruhig zu werden und entschied mich nach einem Anruf nach Deutschland wieder ins Krankenhaus zugehen und glücklicherweise war der Mensch mit der Platzwunde weg und ich hatte keinen Grund mich zu übergeben.
Und jetzt mal zum Fahrer. Als es passierte, blieb er immerhin stehen, was keine Selbstverständlichkeit bei einem solchen Geschehnis ist, weil es schon vorgekommen ist, dass die Taxifahrer, nachdem sie jemanden zu Tode gefahren haben, aus dem Auto gezogen werden und entweder Tod oder zumindest krankenhausreif geschlagen werden (und wie ihr gerade gelesen habt, kommt Krankenhaus einem wahrscheinlichen Todesurteil gleich). Aber er bewies Courage und schaute sich das Unglück an. Später sah ich einen Torwächter für das Gelände bei ihm einsteigen und wegfahren. Der Fall war für uns klar: der Wächter brauchte Geld und der Fahrer brauchte jemanden, der ihm helfen konnte. Doch wir hatten nicht genug Vertrauen in die Ghanaer, denn der Taxifahrer stellte sich als verantwortungsbewusster Mensch heraus. Wir sahen ihn später im Krankenhaus und er fuhr selbstredend die Familie nach Hause und ging mit zu ihnen. Das erfordert sicherlich einiges an Mut und Selbstvertrauen. Ich sagte ihm auch, dass es mir leid tue, was passiert war und dass er ein respektvoller Mann sei. Denn ich bin mir sicher, dass genauso, wie der Junge dieses Erlebnis nicht so schnell vergessen wird, wird auch der Fahrer nicht so leicht mit all dem fertig werden. Er wahrscheinlich nur gefahren, um vielleicht wirklich ein klein wenig Geld zu bezahlen, um der Polizei zu entgehen und um seinen Bruder als Absicherung zu holen, sodass ihm nichts zustoßen würde, falls die Familie doch wütend werden sollte. Es war also im Endeffekt alles in Butter und bis jetzt, dem Montag danach ist der Junge auch noch nicht an inneren Blutungen gestorben, also wird wohl alles okay sein, hoffe ich. Die Mutter hat sich dann auch noch einige Male über Telefon bedankt.

Auch ich bin froh, dass es so ausgegangen ist, aber es hätte auch anders kommen können. Und vor alles ist mir klar geworden, wie unterentwickelt Ghana doch trotz allem ist. Selbst mit allem Geld der Welt hätte man in dem Krankenhaus nicht viel bewegen können, da einfach nicht das Zeug da gewesen ist, was man gebraucht hätte. Es ist schrecklich, aber offensichtlich haben die Leute sich schon dran gewöhnt. Sonst würden sie nicht total locker und scherzend durch die Gänge laufen, während da einer aus einer wahrscheinlich tödlichen Kopfwunde blutet.
Tod gehört hier wohl einfach dazu.

Danach waren wir natürlich alle total am Ende und brauchten etwas zu essen und Zeit auszuruhen. Ich schlief sogar noch für 30 Minuten, aber dann ging es schon wieder weiter zurück zum Unigelände, wo alles passiert war und rein in die Basketballhalle. Naja, das Basketballatrium. Das war total geil aufgebaut, weil die Körbe in einem Innenhof des Wohnblocks des Studentenwohnheims aufgebaut waren. So schauten ständig einige Leute aus den 6 Stöcken auf das Geschehen. Wenn da Volleyball gewesen wäre hätte ich so meine Freude gehabt! Aber so war es auch cool. Mareike, Patrick und ich schauten den anderen drei beim Training zu und wir lösten währenddessen ein paar Rätsel.

Eins will ich gleich mal hier stellen, weil es so gut ist! Es sieht wie folgt aus:

In einem Raum sind 2 Männer und 2 Frauen. Jeder von ihnen hat eine andere Geschlechtskrankheit und beide Männer wollen mit beiden Frauen schlafen. Keiner will eine extra Geschlechtskrankheit. Das Problem ist aber, dass es nur 2 Kondome gibt. Wie kann man das lösen?
Die Lösung ist durch Logik möglich und hat nichts mit ungeahnten Vorkommnissen zu tun. Ziel ist es also mit nur 2 Kondomen 4 Geschlechtsakte zu vollführen, ohne auch nur eine Krankheit zu übertragen.

Die Auflösung gibt es erst, wenn man mich danach fragt, oder ich in Deutschland bin.

Naja, egal, weiter geht’s im Text. Nach dem Rätseln fuhren wir wieder nach Hause, spielten noch ein bisschen Mensch ärgere dich nicht, was richtig Spaß gemacht hat und gingen dann ins Bett.

Der nächste Tag begann etwas hektisch, da ich mit einem unguten Gefühl im Magen aufwachte, aber dann war eigentlich alles gechillt. Wir räumten noch ein bisschen auf und fuhren dann zurück nach Kumasi. Die Fahrt war wieder nervig, aber sie ist jetzt schon wieder vergessen. Zu Hause haben wir dann nur noch gechillt, gegessen und unsere Erfahrungen aufgeschrieben und ausgewertet. Dieses Wochenende werde ich wohl nicht so schnell wieder vergessen!

Und dann hatte uns der Schulalltag wieder. Alles was heute passierte, war, dass ich mit dem Headmaster ein Gespräch hatte und ich ab heute anfangen werde mit Williams Manu lesen zu üben, so wie ich es vorher mit Enock Opoku gemacht hatte, der aber einfach nicht mehr kommt. Vielleicht muss ich ihn einfach dazu zwingen. Aber ich habe heute schon wieder gemerkt, dass das Lesen sehr, sehr anstrengend ist!

Und das ist es, endlich bin ich mit meinem Blog wieder am aktuellen Tag angekommen. Das letzte Mal, dass das der Fall war, schrieben wir das Datum 7.12.2010 und das ist jetzt exakt 2 Monate her.
Vielleicht lerne ich jetzt j aus dem ganzen Stress, dass ich mich zusammenreißen muss. Ich hab dem Ordner mit meinem Blog darin jetzt auch den Namen „reiß dich zusammen“ gegeben und als Icon ein großes orangenes Ausrufezeichen gewählt, wie es sonst immer bei Virennachriten auftaucht. Ich hoffe das hilft!
Damit war es das jetzt erstmal für die nächsten 2 Wochen würde ich sagen. Byebye

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1 Response to #11

  1. josi says:

    jetzt hab ich mir extra zwei stunden freigenommen und wollte latein lernen. toll… dein blog war mal wieder interessanter! vielleicht erzähle ich dem herrn grabenhorst jetzt was über ghana anstatt von horaz ! :-*

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