#10

So, endlich bin ich mal wieder da und hab die Lust und Zeit einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Jedoch hab ich diesmal echt Angst davor, denn es ist nun schon über einen Montag her, dass ich das letzte Mal was geschrieben habe… Naja, auf geht’s. Ich habe aufgehört etwas zu schreiben, kurz bevor unsere Examenzeit begonnen hat. In diesem Zeitraum hatte ich auch gar nicht die Möglichkeit auch nur irgendetwas zu schreiben, denn ich musste gefühlte einhundert Examen für jegliche Lehrer abschreiben. Das hat extrem viel Zeit verbraucht. Ich konnte kaum mehr meinen Unterricht vorbereiten und war fast den ganzen Tag in unserem Raum und hab abwechselnd auf den Bildschirm und das Notizheft geschaut. Und wie ich das letzte Mal sicherlich auch geschrieben habe, durfte ich für PK auch noch ein Pamphlet schreiben. Also alles was die Leute so wissen müssen nach 3 Jahren Eletricals… Schon für die eine Hälfte des ersten Teils hab ich locker 8 Stunden gebraucht. Naja, Hauptsache ist doch, dass ich etwas zu tun habe. Kurz vor dem Schreiben der Examen wurde es dann weniger und ich musste nur noch etwa 1,5 Stunden pro Tag schreiben. Am 10.12. fingen die Schüler dann an ihre Examen zu schreiben. Allerdings tangierte uns das wirklich nur peripher, da wir nur uns unseren eigenen Examen aufpassen mussten, sodass wir die ersten Tage der Abschlussexamen ein entspanntes Leben hatten. Am ersten Tag der Examen war auch gleichzeitig Annes letzter Tag in Ghana. Das tolle war, dass sie kurz zuvor herausgefunden hatte, dass sie Malaria hat und somit auf dem letzten Loch gepfiffen hat. An diesem Abend konnte ich sie jedoch nicht nochmal besuchen, da ich, wie so oft in dieser Zeit, Kopfschmerzen hatte. Tja, am nächsten Tag flog Anne dann. Es war ein Samstag und ich glaube, dass ich am Morgen noch ein bisschen Volleyball gespielt habe. Ich glaube das war dann sogar das letzte oder vorletzte Mal ernsthaftes Volleyballspielen im Jahr 2010. Naja, wir warteten dann noch eine ganze Weile, bis Anne uns sagte, dass wir zum Flughafen kommen sollten. Da wir kein teures Taxi für den langen Weg bis zum Flughafen bezahlen wollten (es hätte bestimmt 5 Euro gekostet), entschieden wir uns per Trotro zu fahren, doch das war stressiger als erhofft. Zunächst fuhren wir nach Kwadaso, von da nach Sofoline und ab da sollten wir in ein Trotro zum Flughafen steigen, aber dazu kam es nie. Cornelius wollte einen Ghanaer fragen, wo wir denn ein solches Trotro finden würden. Dieser Ghanaer nahm uns dann aber einfach in seinem großen, teuren, klimatisierten Auto mit. Somit hatten wir eine entspannte Fahrt, während der europäische Musik lief. Es war richtig nice! Der Fahrer Kwasi Appiah stellte sich als in London lebender Ghanaer heraus, der offensichtlich eine Menge Geld zu besitzen schien, denn er bezahlte uns einfach alles und selbst nach Bitten, dass wir gerne irgendwas zurück geben würden, nahm er nur unsere Namen und Emailadressen. Durch diese ganzen Eindrücke war der Weg zum Flughafen auch relativ kurz und plötzlich waren wir da… Aber ich frage mich, ob man das Flughafen nennen darf. Das Flughafengebäude war so groß, wie ein größeres Eigentumshaus. Und das Foyer war gleichzeitig Check-In und Restaurant (das im übrigens absolut überteuert war!). Naja, wir warteten eine Weile auf Sitzen und schauten irgendein Fußballspiel bis Anne dann endlich kam. Das war aber ein eher trauriger Anblick, denn die Gastmutter, mit der sie die letzten 3 Monate verbracht hatte, umarmte sie halbherzig und verließ den Flughafen nach etwa 5 Minuten, also als Anne dann eingecheckt hatte. Dann redeten wir noch eine Weile mit ihr, gaben ihr noch Briefe mit. Sie sah eindeutig noch ziemlich Malaria krank aus, aber sie beteuerte immer wieder, dass sie es locker schaffen würde. Tat sie auch. Zumindest soweit ich das bezeugen kann. Irgendwann kam dann die Zeit, dass sie zum Flugzeug gehen sollte. Das hieß durch einen kurzen Gang aus dem Flughafengebäude hinaus und rein in die warme Luft Ghanas. Dann durften die Passagiere etwa 20 Meter zum Flugzeug laufen und waren verschwunden. Wir warteten noch bis das Flugzeug abgehoben war und dann war auch diese Zeit Vergangenheit. Der Rückweg war eigentlich auch ganz witzig. Zunächst mussten wir dann erstmal vom Flughafengelände weg und hin zum nächsten Kreisverkehr laufen. Dann warteten wir ewig auf ein Trotro, nur um dann ein Taxi nach Sofoline zu nehmen. Danach ging es dann direkt nach Hause. Der nächste Tag war ein Sonntag, da es der letzte Sonntag in der Schulzeit war, gab es einen besonderen Gottesdienst. Also mussten wir den besuchen. Aber wenn ich mich recht erinnere, sind wir glaube ich eine halbe Stunde zu spät gekommen, weswegen es erträglich wurde. Aber es wurden sowieso nur Weihnachtslieder gesungen wodurch es auch halbwegs witzig war. Tja, an den Rest des Tages kann ich mich nicht erinnern. Am 13.12. war dann mein Englischexamen an der Reihe. Ich war gespannt, wie sie wohl abschneiden würden und hatte arge Angst, dass es viel zu einfach geworden sein mag. Aber ich hatte mich (glücklicherweise?) getäuscht. Die beste Zensur war 80 Prozent. Also gerade so eine 1. Nach unten hin war dann ziemlich viel Platz, aber meine Schüler haben außer dem 0-15er Bereich alles halbwegs gleichmäßig abgedeckt. Das ist natürlich nicht so gut, aber nächstes Semester werde ich den Faulenzern versuchen in den Hintern zu treten, sodass ein solches Ergebnis der Vergangenheit angehört. Was an dem ganzen Tag nicht so cool war, war, dass ich gar nicht wusste, dass das Englischexamen schon am Montag geschrieben werden sollte. Ich wachte auf entspannte Art und Weise erst gegen halb acht auf und machte mich für den Tag fertig, dann lief ich ein bisschen draußen rum, um den Schülern bei der Vorbereitung zuzusehen. Da wurde ich plötzlich von einem Lehrer daran erinnert, dass ich doch heute Aufsicht hätte. Ich war komplett perplex und verstand erstmal gar nichts. Doch dann dämmerte es mir. Die Examen begannen ein Tag früher als ich mitbekommen hatte. Naja, im Endeffekt machte es nichts. Ich setzte mich einfach in die Assembly Hall und regelte das. Ich hab 2 Rechtschreibfehler im Examen gehabt. Das ist zwar doof, aber da ich so viel Stress hatte, verzeihe ich mir. Ich wurde interessanter Weise von Anita auch zurechtgestutzt wie es sein kann, dass ich den Schülern nicht beigebracht habe, wie man Worte zählt, denn der zweite Teil des Examens bestand aus zwei Aufsätzen mit mindestens 100 Worten. Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass die Schüler wissen, wie man zählt, aber man wird doch immer wieder überrascht. Naja, den Rest des Tages verbrachte ich dann mit Korrigieren, schaffte aber nur den Multiple Choice Teil. Am nächsten Tag war dann Deutsch angesagt. Das lief ein wenig entspannt, aber die Schüler waren viel zu schnell fertig. Schon nach 30 Minuten, weil wir den Aufsatzteil weg lassen mussten. Tja, die Schüler waren besser in Deutsch als in Englisch, aber noch immer noch nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber an einer Sache hatte ich viel Spaß. Ich hatte nämlich eine Frage in der ich die richtige Antwort zu „Wie geht es dir?“ gesucht habe. Eine der 4 Antwortmöglichkeiten war „Ein roter Elefant.“ Ich war einerseits enttäuscht, aber auch andererseits absolut belustigt, als wirklich einige wenige diese Möglichkeit ankreuzten. Im Nachhinein aber zeigt mir dies, dass es echt welche gab, die absolut überhaupt nicht gelernt haben, denn ich hatte weder Tiere, noch Farben im Unterricht gehabt… Also konnte keiner der Schüler jemals diese Worte an der Tafel oder im Notizheft gelesen haben. Naja, was soll’s, ich korrigierte einige der Arbeiten und begab mich dann mit Mareike auf den Weg nach Kejetia, da wir für unseren Neuankömmling Gregor noch einen Schrank kaufen und Gregor selber abholen wollten. Der Schrank war mit relativ wenigen Problemen verbunden, er war nur etwas teuer. Tja, aber bezahlen mussten wir ihn ja nicht und er war eine dringende Anschaffung, also schauten wir darüber hinweg. Dann war Gregor an der Reihe. Wir liefen Richtung Asafo Market, um dort, wie angemeldet Gregor abzuholen. So wurde es uns zumindest von Sarkodie gesagt. Tja, da warteten wir bis etwa eine Stunde nach seinem angemeldeten Eintreffen. Da wurden wir langsam ungeduldig und schauten uns noch ein wenig weiter um, begannen nachzufragen, versuchten KK anzurufen, aber nichts half auch nur etwas. Deswegen liefen wir zu der Station, an der wir vier damals angekommen waren. Währenddessen versuchten wir immer weiter KK anzurufen, natürlich ohne Erfolg. An der OA Station war Gregor dann auch nicht zu finden. Langsam wurden wir auch etwas grummelig. Es wurde sogar schon dunkel. Dann rief uns irgendwann Gregor an, der durch tausende teure Anrufe nach Deutschland endlich unsere Nummer herausgefunden hatte. Er sagte uns wo er sich aufhielt, also riefen wir ein Taxi und ließen uns dahin fahren. Nur hatten wir die Straße am Telefon falsch verstanden, also wurde aus dem ganzen ein immer größeres Durcheinander. Dann endlich fand Gregor heraus, dass die Station Obuasi Station hieß. Diese kannte der Fahrer und alles war geregelt. Tja, nicht ganz, denn es war ein unglaublicher Stau in Adum. So stieg ich aus und lief schonmal vor zu Gregor, um ihn auf uns vorzubereiten. Da saß er nun, einsam und verlassen. Mit verschnupfter Nase und ganz schon angepisst. Verständlich! Es war schon dunkel geworden und er wartete schon seit 3 Stunden. Ein echt unangenehmer Start. Tja, wir unterhielten uns eine Runde und er konnte seinen ganzen Frust loswerden. Auch in Accra war für ihn einiges schief gelaufen. KK hatte ihn auf traditionell ghanaische Weise um 3 Stunden versetzt und Gregor hatte Glück, dass er von KK noch abgefangen wurde und nicht auf eigene Faust loszog. Und es gab so viele andere Sachen, die in den nächsten Wochen auch langsam aber sicher zum Vorschein kamen. Er war wohl die letzten Monate in Neuseeland gewesen und hatte dort eine extrem gute Zeit. Dann ist er wegen Ghana zurück nach Deutschland geflogen, nur um zu erfahren, dass seine Stelle gestrichen wurde. Natürlich hat er dann den Job an der Schule akzeptiert nur um wenigstens nicht für umsonst zurückgekommen zu sein, denn bezahlt war ja alles. Hier hatte er dann auch relativ wenig zu tun und hatte auch diese ganzen Gedanken im Hinterkopf, weswegen es dann letztendlich dazu kam, dass er hier nicht seinen Zivildienst abschloss, sondern eher seine Pläne für die Zukunft schaffen konnte. Denn dafür hatte er hier viel Zeit, Zeit sich zu besinnen. Und so sollte er uns auch schon wieder am 22.01.2011 verlassen. Was halte ich jetzt von der ganzen Sache? Ich bin hin und her gerissen. Er war in vielerlei Hinsicht so wie ich und in Deutschland hätte es sicherlich ganz gut gepasst. Später, wenn ich wieder zurück bin, werden wir uns sicherlich auch wieder treffen und dann will er mir das Oktoberfest zeigen, denn er kommt aus München und weiß, wie das läuft. Aber er hat wegen seiner Grundeinstellung zum ganzen nie wirklich hier rein gepasst, glaube ich. Er war für Afrika einfach nie richtig bereit. Die vielen Menschen waren zu viel für ihn, die Lautstärke, die Enge, die Hygiene, was und so weiter. Wenn man will kann man die schlechten Seiten Ghanas sehen und unter seinen Umständen verstehe ich, dass er viel mehr von davon gesehen hat, denn es ist für ihn ganz anders gelaufen, als es hätte sollen. Doch genug dazu, es war nicht alles negativ für ihn, das kann man gar nicht sagen, denn wir hatten viel Spaß mit ihm und in den folgenden Wochen waren endlich Ferien, sodass er sogar den Strand Ghanas erleben durfte. Als wir Gregor und seine Unmengen an Gepäck dann endlich ins Taxi verfrachtet hatten, servierten wir ihm auf ghanaische Art und Weise Jolloff Reis. Das schmeckte ihm auch ganz gut. Habe ich erwähnt, dass er angelernter Koch ist? Sicherlich nicht, aber er konnte seine Kochkünste bis jetzt nie richtig beweisen, da gutes Kochen mit viel Geld verbunden ist und das haben wir hier nicht. Aber er mochte den Jolloff Reis und das war doch wenigstens mal etwas in der langen Kette von Missgeschicken am Anfang seines Aufenthalts. Der nächste Tag war dann ganz entspannt, mal abgesehen vom Kontrollieren der Arbeiten, denn da ich Englischlehrer bin, musste ich auch Unmengen von Aufsätzen kontrollieren… das hat wenig Spaß gemacht. Naja, die ersten waren noch ganz interessant, aber da man über ein Hobby schreiben sollte, durfte ich gefühlte 100 Mal lesen wie Fußball funktioniert und wie viel Spaß es doch macht. Wenn die Englischkenntnisse hier etwas besser wären, dann wäre es vielleicht auch interessanter gewesen, aber teilweise wurden Worte ohne Sinn und Zusammenhang zusammengefügt. Es war traurig. Tja, während Ruven und ich noch mit Korrigieren beschäftigt waren, war Cornelius auf einer Art Exkursion mit seiner Klasse, da bei denen in der Grundschule alles schon gegessen war. Aber er verpasste so den Besuch von Abraham und Akosia, zwei Leute der Radiostation. Abraham ist der Manager und Akosia eine Art Sekretärin, glaube ich. Auf jeden Fall haben wir relativ viel mit den zweien zu tun, wenn wir im Radio jede Woche auftreten. Zur Feier des Tages gab es etwas möglichst Deutsches. Am Vortag hatten wir Würstchen und Kartoffeln gekauft und machten somit an diesem besonderen Mittwoch, der übrigens auch Akosias Geburtstag war, Bratkartoffeln und Salat. Anstatt von Speck mussten halt die Wurststückchen herhalten, aber alles in allem war es ganz lecker. Wir unterhielten uns viel über Abrahams Leben und er offenbarte uns, dass er Pläne hatte nach der Uni eine Art Ruheoase aufzubauen. Irgendwo nah an einem Wasserfall mit Bar, ruhiger Musik und Liegeplätzen. Sowas wird in Ghana aber echt gebraucht, denn die Leute, die wirklich den ganzen Tag rotieren, müssen einfach mit Reizen überflutet sein und so eine Oase der Ruhe wäre das was sie gebrauchen könnten. Abraham ist selber so einer, weswegen er auch auf die Idee gekommen war. Da Akosia Geburtstag hatte, schenkten wir ihr zum Nachtisch auch noch eine Toffifee-Torte. Naja, es war eigentlich nur Toffifee, aber egal. Wir steckten einige Kerzen in die Packung und sangen ein deutsches Geburtstagslied. Sie freute sich natürlich riesig! Und verteilte die Toffifees, die sie offensichtlich mehr mochte als die Bratkartoffeln. Hihi. Naja, was dann ein bisschen komisch war, aber vielleicht einfach eine ghanaische Eigenart, war dann das Ende des Festessens. Nachdem das Essen weg war, standen beide auf und sagten, dass sie gehen müssten. Sie gaben noch ein Statement zum Esse ab, in dem sie sagten, wie sie sich freuten und es ihnen geschmeckt hat und dann verließen sie unser bescheidenes Reich. In Deutschland hätte ich das wahrscheinlich als unhöflich aufgefasst, aber hier ist uns diese Art der Verabschiedung schon einige Male aufgefallen. Auch bei Jeff war es damals so. Nachdem das Essen verdrückt war, wurde das Haus fluchtartig verlassen. Wir blieben damals völlig überrumpelt mit nur engsten Verwandten der Familie zurück. Man sieht, wir haben noch viel zu lernen! Der 16.12. war dann der letzte Schultag. Es passierte eigentlich kaum noch etwas. Ich gab die Examen zurück und hatte noch das eine oder andere Gespräch über Zensuren. Ach ja, die Zensuren, das war auch eine witzige Angelegenheit. Das Interessante war, dass Ruven und ich erst am Ende des Semesters gezeigt bekommen haben, welche Art der Zensuren wir aufnehmen sollten. Ich hatte Glück gehabt, weil ich zufälligerweise nur 10 Punkte zu wenig an Punkten in der Klasse aufgenommen hatte. Die gab ich dann extra für jeden und das war auch nötig, um ein halbwegs annehmbares Ergebnis zu erhalten. Aber ich habe gemerkt, dass hier noch ganz schön viel rumgepfuscht wird. Wenn was fehlt, dann soll es wirklich einfach irgendwie gefälscht werden, so dass möglichst überdeckt wird, dass etwas nicht getan wurde. Das wurde mir vom Headmaster gesagt, das muss man sich mal vorstellen! Naja, was soll’s. Diese fragwürdigen Zensuren trugen Ruven und ich dann in die Zeugnisse ein und damit war alles vorbei. Der letzte Schultag war aber sonst eigentlich ganz nett. Alle waren glücklich, weil sie endlich wieder nach Hause fahren durften und ihre Familien wieder sehen konnten. Zwischendurch hatten wir noch unser Abschlussradioprogramm und erzählten von den deutschen Traditionen in dieser Zeit des Jahres, was uns alle, bzw. kann ich für mich selbst sprechen, Deutschland echt vermissen ließ! Am Abend war dann der Abschlussgottesdienst mit Weihnachtstheater und Tanzchoreographien. Es war ganz witzig, besonders, weil man alle Leute nochmal gesehen hat, bevor der Kontakt dann erstmal für eine Weile weg sein sollte. Gleich am nächsten Tag war das Schulgelände halb ausgestorben. Nur noch einige wenige Schüler warteten darauf abgeholt zu werden, oder bis die Sachen getrocknet waren. Aber auch Gregor und Cornelius machten sich auf den Weg. Sie wollten einen Trip in die Voltaregion machen. Die Fahrt bis da rüber sollte wohl so 10 Stunden einnehmen. Naja, hier kann ich ja auch gleich mal erzählen, wie dieser Trip gelaufen ist. Aus dem geplanten Nationalparkaufenthalt wurde dann schnell ein Krankenhausaufenthalt… Sie kamen wie geplant im Dorf an, bloß war Cornelius übel am Zittern. Die beiden sind zunächst davon ausgegangen, dass das an der langen Busfahrt lag, weshalb sie sich nicht zu viel draus machten. Sie fuhren stattdessen mit einem Motorrad zu ihrem Hotel (zwischendurch hatten sie interessanterweise einen kleinen Unfall und kippten einfach um, da sie zu dritt auf einem kleinen Motorrad waren… Tja, zum Glück ist nicht zu viel passiert). Das Hotel war wohl richtig geil, da es sich um eine Art zweistöckige Ferienwohnung handelte, die alles hatte was man sich so wünschen könnte: Küche, Klimaanlage, Platz. Echt bemerkenswert. Aber dann begann alles den Bach runterzugehen. Am nächsten Tag ging es Cornelius richtig schlecht und er entschied sofort ins Krankenhaus zu gehen. Und da stellte sich heraus, dass er Malaria in etwas fortgeschrittener Form hatte. Zu allem Überfluss musste er im Krankenhaus bleiben und keiner der beiden hatte Handyempfang, weswegen Gregor ewig nichts davon wusste, wo Cornelius abgeblieben war. So entschied er sich Cornelius suchen zu gehen und trat den einstündigen Weg in die Stadt an. Dort fand er ihn dann auch glücklicherweise. Gregor checkte die Lage und sah ein, dass Cornelius wohl länger da liegen würde. Am nächsten Tag packte er dann alles zusammen und checkte im Krankenhaus ein, wo er auf einer Matratze zusammen mit Ameisen, Mücken und Kakerlaken auf dem Boden vor Cornelius‘ Bett chillte. Im Krankenhaus sahen sie dann auch noch viel Elend. Ernsthaft Verletzte, um die sich kaum gekümmert wurde, denen nur die wichtigsten Medikamente gegeben wurden. Die Krankenschwestern machten sowieso gegen 22 Uhr Feierabend, weswegen die Nächte sicherlich auch nicht so lustig waren. Sie sollte dort im Krankenhaus bis Mittwoch bleiben, also insgesamt übernachtete Cornelius da 3 Tage. Mit 41.3 Grad Fieber hat er mein Maximum auch souverän überboten. Es muss richtig schlimm gewesen sein. Und Gregor mit seiner sowieso ungeduldigen Grundangepisstheit war da mitten drin. Logisch, dass die beiden sich irgendwann nur noch angifteten, da Gregor nicht richtig eingesehen hat, warum Cornelius nichts unternahm um aus dem Krankenhaus weg zu kommen und Cornelius mit 40 Grad Fieber kein Bock auf gar nichts hatte und sich von Gregor falsch behandelt fühlte. Aber genug davon, bei uns in Denkyemuoso war alles cool. Wir genossen die Zeit, arbeiteten ein bisschen an unserem Sportprojekt und bekamen auch lange Zeit vom Unglück drüben in der Voltaregion wenig mit, da die zwei ja kein Netz hatten. Aber da Gregor dann seine deutsche SIM-Karte benutzte erfuhren wir was los war. Apropos los war. Gregor war dann etwa 150 Euro los, da das telefonieren nach Deutschland und auf unsere Handys gut Geld kostete. 2 Euro pro Minute! Dann begann auch für uns der interessante Teil der Ferien, denn am 20.12. begaben wir restlichen drei Leute uns auf nach Accra. Dafür standen wir natürlich wieder früh auf und nahmen ein Taxi nach Asafo. Dort angekommen begann der Stress. Wie immer redeten gefühlte 100 Leute auf uns ein und wollten wissen wohin wir fahren und was wir wollten. Sie begannen an unseren Gepäckstücken zu ziehen, was uns in unserer Mattheit am Morgen schon ziemlich zusetzte und wir begannen leicht säuerlich auf jede Art von Hilfe zu reagieren. Einer riet uns dann in ein Trotro zu steigen, doch wir dachten, dass es ein preiswerteres und schneller abfahrendes Trotro geben müsste, da das eben gezeigte noch komplett lehr war. Tja, nachdem ich mich noch 5 Minuten von dem Hilfesteller bequatschen ließ, dass wir doch wirklich einsteigen sollten und wir wirklich unverschämt sind, dass wir nicht auf ihn hören und so weiter. Ich war einfach zu fertig um mich dagegen zu wehren. Als dann offensichtlich wurde, dass er recht hatte, war es auch schon zu spät. Mareike und Ruven sprachen mit einem anderen Ghanaer, der aber auch nicht so viel Sinnvolles zu verzapfen schien. Als ich dann zu den beiden aufgeschlossen hatte, war das besagte Trotro schon voll und bereit zur Abfahrt, nach nur etwa 10 Minuten… Aber schnell wurde uns ein neues gezeigt in das wir dann sofort einstiegen. Die Preise waren etwas hoch, aber wir fügten uns, wenn auch mit Widerwillen. So halb angepisst begann also die Fahrt nach Accra. Was das Ganze nicht besser machte, war, dass wir uns wegen den normalerweise viel zu lauten Filmen in die hinterste Reihe des Minibusses gesetzt hatten. Aber da so viel Gepäck unter unsere Sitze geschoben wurde, hatten wir nun kaum Platz. Ich musste 5 Stunden meine Beine in fast der gleichen Position verharren lassen, weil nichts anderes möglich war. Während der Komfort also sehr runter geschraubt war, hatten wir mit den Filmen und dem Sitznachbarn aber mehr Glück. Es liefen zugegebenermaßen schlechte Hollywoodfilme, die aber besser waren als jeder ghanaische Film, in dem in 5 Stunden Zeit nichts wirklich passiert und 50 Prozent der Zeit nur geschrien wird. Der angesprochene Sitznachbar, Ofori, kam aus Accra und wollte seine Familie besuchen. Er besuchte in Kumasi die University of Science and Technology, einer der angesehensten Unis von Ghana. Daraus folgte auch, dass er ziemlich gut Englisch sprechen konnte und einen relativ westliche Einstellung hatte, weswegen ich mich locker 2 Stunden mit ihm unterhalten konnte. Eigentlich wollten wir uns dann in Accra nochmal treffen, aber dazu hatten wir leider keine Zeit und auch bis heute ist es noch nicht dazu gekommen. Naja, ich hab seine Telefonnummer und werde ihn sicherlich bald mal anrufen, um mit ihm und Ruven mal am Wochenende feiern zu gehen. Nun ja, in Accra angekommen trennten sich dann unsere Wege. Ofori nahm ein Taxi zu seiner Familie, Mareike nahm ein Taxi zu ihren Verwandten und Ruven und ich begaben uns auf den Weg zur Straße mit den vielen low budget Hotels. Das hieß, wir liefen einfach los, was auf jeden Fall eine gute Idee war. Zwar waren wir beide halbwegs fertig und hatten eigentlich nicht richtig Bock, aber so konnten wir uns die Innenstadt anschauen. Mit dem Guide in der Tasche verliefen wir uns nur einmal und fanden dann mit freundlicher Hilfe, wenn auch erst beim dritten Versuch unser Ziel, denn zwei der drei befragten Personen gaben uns sicherlich ohne es zu wollen eine falsche Auskunft über unseren Standort… Es gab viele Hotels zur Auswahl und wir entschieden uns für das YMCA, das eine nette Lage hatte und gar nicht weit weg vom Nkrumah Circle in der Mitte Accras ist. Doch zunächst gestaltete sich die ganze Sache etwas problematisch. Wir wollten ein einfaches und vor allem preiswertes Zimmer haben und wurden von einem Angestellten zum Office geführt. Dort warteten wir erstmal eine gefühlte halbe Stunde bis überhaupt mal jemand kam und uns die Tür zu den Sitzgelegenheiten öffnete. Dann warteten wir da nochmal etwa 45 Minuten, um dann letztendlich bedient zu werden. Doch das war wieder alles etwas komisch, denn uns wurde ein Zimmer angeboten, welches 40 kosten sollte. Da wir vorher im Guide gelesen hatten, dass eine Nacht sogar nur 1,30 Cedi kosten konnte, haben wir diese Variante ganz gut gefunden, denn ich bin davon ausgegangen, dass der Angestellte 40.000 meinte, was in der neuen Währung umgerechnet 4 Cedi wäre. Naja, als wir dann bezahlen sollten, hat sich herausgestellt, dass er doch 40 Cedi meinte. Das war uns dann zu viel! Dann verklickerten wir dem guten Mann, dass wir das preiswerteste Zimmer haben wollten und uns Komfort egal war. Also bekamen wir ein Einzelzimmer und kuschelten uns auf 1,20m im Bett zusammen. Der Raum war sonst auch eher klein, aber es war ganz lustig, weil es eigentlich so ziemlich unseren Vorstellungen entsprach. So bezahlten wir auch nur 5 Cedi pro Person und waren nicht unglücklich. Wir ruhten uns noch eine Weile aus und dann gingen wir uns etwas zu essen suchen. Eigentlich wäre mal wieder Fufu an der Reihe gewesen, aber das konnten wir ums Verrecken einfach nicht finden. Stattdessen holten wir uns leckeren Reis, der nach der langen Fahrt echt eine Erlösung war. Dabei kamen wir dann auch schnell in das eine oder andere Gespräch mit Ghanaern, die sich sehr über unsere kläglichen Twi-Kenntnisse freuten. Danach gingen wir wieder zurück ins Zimmer und chillten für die eine oder andere halbe Stunde. Nun waren wir ausgeruht und satt, also bereit für das Nachtleben Accras… Am heutigen Tag waren wir aber doch noch in Relax-Laune, also zogen ich die, während der letzten Tage in Kumasi erworbene bunte Chiller-Hose an, dazu kam dann ein schönes, langes Bob Marley T-Shirt und Ruvens Anglerhut. Ich sah aus, wie nie in meinem Leben. Das widersprach allem, was ich je in Deutschland verkörpert habe oder verkörpern wollte. Naja, dann ging es los. Wir hatten einen Club als Ziel auserkoren, aber da sind wir dann nie angekommen, weil wir ihn nicht gefunden hatten. Stattdessen, als wir so die Straßen entlang schlenderten, wurde Ruven auf einige Lichter aufmerksam, die da auf einem Häuserdach leuchteten. Nach einigem Herumfragen, stellten sich diese Lichter als Dekoration einer Bar namens „Rooftop“. Diese wollten wir natürlich sofort sehen und somit stiegen wir die 4 Etagen nach oben auf das Dach. Wir entspannten bei einer Aussicht, die nicht schön war, aber durch welche wir wenigstens mal Accra von oben sehen konnten. Na gut, aus dem Flieger konnten wir Accra damals auch von oben sehen, aber das zählt nicht! 😀 Tja, wir gönnten uns jeweils ein kühles Bier und quatschten ein wenig. Dann wollten wir aber doch weiter und noch etwas sehen. Also bezahlten wir und liefen in Richtung Nkrumah Circle. Dort schlug der Puls. Es waren noch hunderte von Menschen unterwegs, einige davon waren offensichtlich high auf irgendwelchen Drogen. Einer redete uns auch an und machte in allem, was er sagte einfach keinen Sinn. Es war schon ein wenig beängstigend, aber wir konnten uns glücklicherweise schnell von ihm loseisen. Wir schauten uns die Clubs an, aber da Montag war, hatte nichts offen. Aber eines viel uns auf. Hier waren die Frauen doch anders gekleidet als in Kumasi und am Tage. In Deutschland hätte man sicherlich gesagt schick bis sexy. Aber wie wir später herausfinden sollten, handelte es sich um nahezu 100 Prozent Prostituierte. Aber am ersten Tag wussten wir das nicht, sondern schauten den Mädels einfach nur hinterher und bewerteten. (Sorry Josi ;D) Was man halt so in unserem Alter in einer fremden Stadt mit ein wenig Alkohol im Blut macht. Es war auf jeden Fall lustig und wir hatten viel zu lachen. Jedoch krass waren all die Zigaretten, die hier geraucht wurden! Das waren wir gar nicht mehr gewohnt, weil in Kumasi wirklich keiner auch nur Zigaretten erwähnte. Naja, nach dem ganzen Spaß liefen wir wieder nach Hause und genossen den wohltuenden Schlaf. Der nächste Tag sollte ein Tag der Taten werden. Wir standen zwar erst um 8 oder 9 auf, aber dann holten wir sofort etwas zu essen und zu trinken (Bofrot und Wasser, was sehr lecker war!) geholt. Etwa eine Stunde später brachen wir dann auf, um Accra zu erforschen. Wieder waren wir, bzw. war ich zu geizig Geld für irgendwelche Taxis auszugeben und wir gaben uns den entspannten 30 Minuten Weg zum Strand runter, für den wir mit dem Taxi sicherlich nicht viel weniger Zeit verbraucht hätten, da in diesem Teil Accras echt ein unangenehmer Verkehr herrscht. Tja, uns liefen einige Leute über den Weg und wollten mit uns sprechen. Ich erinnere mich sogar an Hassan, der wollte, dass wir seinen Shop besuchen kommen sollten, was wir dann aber nie taten. Tja, er hat uns sicherlich sowieso, wie die meisten Leute hier in Accra als Geldquelle gesehen und nicht als „Adamfuo“ (Freund). Bald kamen wir dann zu unserem ersten Ziel des Tages: das Art Center. Da gab es wirklich alles Mögliche an Souvenirs, was man sich als Europäer aus Afrika wünschen könnte. Von Schmuck, über kleine Sinnlosigkeiten bis hin zu Trommeln. Aber man hat nie wirklich Spaß an all dem entwickeln können, da einem die Shopbesitzter ohne Ende auf die Nerven gingen. Sie wollten einem jeden möglichen Scheiß andrehen und selbst wenn man sagte, dass man kein Geld oder kein Bock auf kaufen hat, ließen sie einen nicht in Ruhe. Sicherlich hätten wir etwas gekauft, wenn sie uns nicht die ganze Zeit im Nacken gehangen hätten und alles und jedes Kleinod kommentiert hätten. Bei einem Shop hatten wir dann doch etwas mehr Spaß, weil sie nach der auf die Nerven geh Tour erstmal Trommeln auspackten und uns ordentlich was vormachten. Das war ziemlich geil! Aber dann zogen wir weiter, denn eigentlich waren wir nur zum Art Center gegangen, weil Ruven eine bunte Hose, wie ich sie habe, brauchte. Irgendwann stießen wir auf die Textilabteilung des Marktes. Diese war gute 200 Quadratmeter groß. Ich hatte es dann zunächst ganz gut, weil ich jedem nervigen Verkäufer sagen konnte, dass nur Ruven etwas kaufen wollte. So konnte ich mich relativ entspannt umsehen, während Ruven von 5 bis 6 verkaufswütigen Ghanaern umlagert wurde und nur so mit Freundschaftspreisen beworfen wurde. Vor lauter Freundschaft wusste Ruven gar nicht mehr ein und aus. Aber irgendwann fand er dann eine schöne Hose, nachdem er den Leuten um sich lang und breit erklärt hatte, dass er wirklich kein Fußballtrikot brauche. Ich hatte meine Hose damals für 17 Cedi gekauft und 10 bis 15 sind die Hosen wirklich wert. Das erste Angebot, das Ruven für die Hose bekam, war ein super Freundschaftspreis. Da es wirklich guter Stoff war, wie die Verkäufer sagten (war es nicht), musste Ruven auch nur 80 Cedi bezahlen. Das war so absurd, dass wir einfach nur lachen konnten. Für ein solches Angebot hätte man den Verkäufer eigentlich nur stehen lassen sollen und aus Prinzip nicht kaufen dürfen. Aber Ruven gefiel die Hose sehr gut, deswegen blieb er eisern und bekam sie dann für 20 Cedi. Immer noch zu viel, aber was sind schon diese 3-4 Euro, die man hätte einsparen können. Die Ghanaer können damit sowieso mehr anfangen als wir. Nach diesem Erfolg mussten wir aber endlich raus aus dem ganzen Gewusel, weg von den ungnädigen Verkäufern, die einen einfach nicht gehen lassen wollten und immer noch ein „Obruni“ auf Lager hatten. Da wir wussten, dass wir nicht weit vom Strand weg waren, wollten wir uns den berüchtigten Accraer Strand auch mal anschauen. Nachdem wir ihn dann gefunden hatten und natürlich wieder ein Verkäufer an uns dran hing und uns trotz der einhundertsten Ablehnung seine Sachen zeigen wollte, sahen wir den Grund für den Fakt, dass der Strand hier berüchtigt ist. Riesige Müllberge türmten sich vor uns auf in Seen voller Urin und bestückt mit kleinen Inseln aus Exkrementen. Weder Augen noch unsere Nasen konnten dem Panorama stand halten. Aber wir bahnten uns unseren Weg, weil wir doch das Wasser sehen wollten. Wir schossen Bilder davon und gingen schnell wieder zurück. Natürlich nicht ohne den Laden unseres Begleiters gesehen zu haben und unsere Anerkennung zum Verständnis gebracht hatten. Dann merkte Ruven, dass sein Hut weg war, was noch eine Runde Stress bedeutete, aber nach 15-minütiger Rückverfolgung unseres Weges fanden wir ihn dann wieder an einem der Stände. Dann hatte Ruven Lust sich die Haare schneiden zu lassen. Von relativ lang auf einen Milimeterschnitt. Das war dann erstmal schon eine krasse Veränderung, aber jetzt nach einem Monat ist es ganz normal geworden. Mit dem Haarschnitt beendeten wir dann den Besuch des Art Centers und begaben uns zu ruhigeren Gefilden. Wir wollten das Nkrumah Memorial bestaunen (Dr. Kwame Nkrumah ist eine Art Volksheld, der damals zusammen mit den anderen 5 der „Big Six“ Ghana vereinen konnte und für die Gründung eines westafrikanischen Staatenbundes eintrat, das aber nicht durchbringen konnte). Aber irgendwie konnte man da an diesem Tag nicht hin, also ließen wir den Rundgang durch den Park bleiben und schauten uns das ganze einfach über den ein Meter hohen Zaun hinweg an. Das Memorial besteht eigentlich nur aus einem riesigen Klotz mit Nkrumah davor. Es ist nicht besonders schön, aber dafür ein Wahrzeichen Ghanas, also sollte man es wohl gesehen haben. Nachdem wir also auch das hinter uns gebracht hatten, erreichte uns eine Nachricht von Mareike, in der sie uns mitteilte, dass sie heute Plätzchen machen würde, sie aber davor zur Accra Mall fahren würden, um da einzukaufen. Eigentlich wollten wir uns darin treffen, aber Ruven und mir war es zu stressig dahin zu finden, schon nur weil wir vorher noch duschen wollten und dafür erstmal zurück nach Hause hätten laufen müssen. Also schauten wir uns noch ein wenig mehr die Stadt an. Wir befanden uns in der Nähe von Volu, der ehemaligen Arbeitsstelle von Jonas dem fünften Volunteer, der mit uns nach Ghana gekommen ist. Ich hatte mir unter Volu etwas Größeres vorgestellt, also nur ein Gefüge aus Trailers, aber das war es dann nun mal. Einfach ein großer Bungalow. Wir sprachen dann eine Weile mit dem Chef, der uns stolz sein Volu verkaufte, aber da der ganze Hintergrund mit dem Deutsch Ghanaischen Freundschaftskreis vorhanden war, klang alles irgendwie anklagend. Das war ein bisschen komisch, weswegen wir dann auch bald wieder gegangen sind. Gesehen hatten wir aber, was wir wollten, nämlich wo und wie Jonas gelebt hatte. Der Standort selbst war eigentlich ziemlich cool muss ich sagen, denn er hatte alles Wichtige um sich herum. Geklappt hatte es dann ja aber doch nicht, also wie auch immer. Nach diesem Besuch liefen wir dann wieder nach Hause zum YMCA. Auf dem Weg liefen wir durch einige Märkte und hatten das absolute Gewusel um uns herum. Zu Hause sind wir dann auch beide wieder eingepennt, wodurch wir dann auch die Zeit total vergessen haben und uns erst viel zu spät nach Dzorwulu, dem Heimatviertel von Mareikes Verwandten, aufmachten. Der Weg dahin war auch nicht ganz ereignislos, denn ein kleiner iranisch oder pakistanisch aussehender Junge überfiel mich auf dem Nkrumah Circle. Das heißt er kam zu mir und hielt meine Hand, was wir ja eigentlich schon gewohnt waren von den einheimischen Kindern. Allerdings wollen die einen weißen einfach nur berühren, weil es für sie ungewohnt ist. Tja, der kleine Junge hatte aber eine andere Strategie, denn er zeigte mir schnell, dass er Essen oder Geld wollte. Ich sagte ihm „Nein“ auf allen möglichen Sprachen, die mir so einfielen, aber er ließ sich davon nicht beeindrucken und begann meinen Arm immer heftiger zu umschlingen und mich nicht mehr loszulassen. Auch der Gesichtsausdruck wurde immer trauriger und gepeinigter. Ich wusste nicht mehr was ich denken sollte. Dann schüttelte ich ihn ab und er klammerte sich mit all seiner begrenzten Kraft an meinen Körper. Es war so verrückt und absurd. Dann kam die Erlösung als ein Autofahrer den Jungen anschrie, dass er weggehen soll. Ich denke nicht, dass der Junge irgendwas verstanden hatte, aber die Verachtung, die der Autofahrer dem Jungen entgegen brachte war so immens, dass er abhaute. Hätte der Junge das Spiel noch 5 Minuten länger getrieben, dann hätte er sicherlich gewonnen. Denn alles was er da durchgezogen hatte war eine Masche. Und sicherlich kann man damit reiche, weiße Frauen beeindrucken und auch ordentlich was abstauben, weswegen der Junge das auch niemals lassen wird. Es ist so traurig, aber was soll man machen? Ich versuchte diese ganze Sache einfach nur zu vergessen und zu verarbeiten. Naja, danach gingen wir zur Trotro Station am Circle und versuchten ein Gefährt zu bekommen, aber Glück hatten wir nicht so richtig, weswegen wir dann bald ein Taxi riefen und fuhren für teures Geld nach Dzorwulu. Wir stiegen an einer Kreuzung unweit von unserem Ziel entfernt aus. Ab da wusste Ruven weiter, da er ja schon mal hier in Accra gewesen war. Doch bevor wir uns wirklich auf den Weg machen konnten, sprang neben uns auf der Straße ein Taxi nicht mehr an und wir halfen ihm von der Straße zu kommen. Das hieß wir schoben es quer über die Kreuzung und stellten es dann irgendwo ab, wofür wir viel Dank ernteten. Es ist doch immer wieder cool Leuten auf so eine einfache Art eine solche Freude bereiten zu können! Naja, bald darauf waren wir dann vor dem ummauerten Haus. Ein Pförtner öffnete uns und ein Hund bellte uns an. Tja, wir sagten dem Pförtner, dass wir zu Mareike wollten und wir wurden eingelassen. Drin im großen Haus backten wir dann Plätzchen zusammen mit Mareike und ihrer Cousine. Es war witzig sowas nach Ewigkeiten mal wieder in einem fremden Land zu machen. Aber wir hatten unseren Spaß und begutachteten zwischendurch die Wohnanlage. Man kann sich das so vorstellen: die Hälfte des Grundstücks war Garten und in der Mitte dieses mit Palmen und allem möglichen afrikanischen Gewächs bestückten Geländes stand das einstöckige Haus. Es war geschmackvoll eingerichtet und was mich wirklich beeindruckte, war ein Atrium in der Mitte des Hauses mit einem extra Garten auf den man von jedem Zimmer aus durch Glaswände schauen konnte. Die Verwandten beschäftigten etwa 5 bis 6 Angestellte, die sich dann um die Instandhaltung all dieses Luxus kümmerten. Jetzt denkt man sicherlich, krass, die sind echt reich, aber so heftig ist das wohl nicht. Man muss sich das einfach nur mal vorstellen. Beide Elternteile arbeiteten für einen guten deutschen Gehalt. Das heißt, dass sie zusammen vielleicht 4000 Euro pro Monat haben. Das wären 8000 Cedi. Jetzt muss man wissen, dass wir Freiwilligen schon ein gutes Leben mit 300 Cedi pro Monat haben. Die Einheimischen die wir kennen, schaffen es mit 150 bis 200 Cedi über Wasser zu bleiben. Und ein Großteil der Ghanaer lebt von weniger als 1,50 Euro pro Tag. Schon krass, aber so ist das Leben. Tja, später kamen dann auch der Onkel und die Tante von Mareike nach Hause. Man könnte sich jetzt vorstellen, dass die beiden irgendwie abgehoben sein könnten, aber beide waren absolut auf dem Boden geblieben. Es hat Spaß gemacht sich mit ihnen zu unterhalten und beide verstanden Spaß. Als dann das Plätzchenbacken vorbei war und es auch schon relativ spät war, wollte Ruven und ich nach Hause. Da der Rest der Familie noch was einkaufen fahren wollte, nahmen sie uns bis zu nächsten Trotro Station mit. Mit dem zugegebenermaßen ziemlich teuren Trotro (für Ruven und mich zusammen 35 Cent) begaben wir uns dann nach Hause. Wir ruhten uns wieder kurz aus und gingen dann wieder den gleichen Weg wie gestern. Erstmal zum Rooftop und dann zum Nkrumah Circle. Dort angekommen, wollte wir uns in die Bar setzten aber es war kein Tisch mehr frei. Von einem Kellner wurde uns dann ein Tisch angeboten, an dem schon eine Frau saß. Der Kellner verließ uns mit den Worten: redet mal mit ihr, da habt ihr bestimmt Spaß. Hm, das war schon irgendwie ein komischer Kommentar, aber wir dachten uns nichts in unserer jugendlichen Naivität. Nachdem die Nettigkeiten von wegen „Wie geht’s?“ und so ausgetauscht waren, stellte ich die Frage, was sie so mache. Die Antwort war einfach nur episch. Ich habe diese Gesichte schon hunderttausend Mal erzählt, aber sie lässt mich nicht los. Es war einfach zu absurd. Sie sagte: „I’m looking for customers“ also „Ich suche nach Kunden“. Das war ganz schön direkt. Ich hatte mir noch gedacht, okay, sie will sicherlich nur irgendwas verkaufen, aber ich habe mich innerlich dagegen gewehrt, dass sie selbst das Produkt war. Naja, es hatte mir zunächst zu Sprache verschlagen und die nächsten paar Minuten wurde nicht mehr gesprochen. Dann begannen wir uns aber doch wieder zu unterhalten. Sie hieß Rebecca und kam aus der Côte d’Ivoire. Das interessierte uns dann doch wieder etwas und so unterhielten wir uns lange Zeit über das Land und die politische Situation. Ich habe leider das meiste vergessen, aber ich weiß noch, dass ich überrascht war, dass man sich über sowas mit einer Prostituierten unterhalten könnte. Wir erfuhren aber, dass die Leute in der Elfenbeinküste richtig gut Französisch sprechen konnten, da durch die Okkupation von Frankreich ein System eingeführt wurde, in dem die Franzosen kleine Landsmänner aus den afrikanischen Einwohnern machen wollten und somit aktiv in das Schulsystem eingriffen. Später erzählte mir eine andere Freiwillige, dass sie einen Kollegen hatte, der auf Mauritius die Auswirkungen der Aktionen der Franzosen auf Mauritius untersuchte. Und der hatte wohl gesagt, dass in jedem Schulbuch auf der kleinen Insel stand: Die Gallier unsere Vorfahren. Ich frage mich, was bei sowas die beste Reaktion ist. Lach- oder Schreikrampf? Was haben sich die Leute nur gedacht, die diese Bücher schreiben? Was denken sich die Lehrer die jeden Tag mit diesem Arbeitsmittel arbeiten müssen und was denkt sich ein Bildungsminister? Naja, zu viele Europäer sind einfach viel zu arrogant in ihrer ganzen Art, wenn sie den afrikanischen Kontinent besuchen. Aber nichts anderes wird einem in Deutschland unterrichtet. Dass man den armen Afrikaner aus seiner schlimmen Lage befreien soll. Das ist auch richtig, aber sicherlich nicht so! Ich schreibe dies, weil ich mich in den letzten Wochen oft mit diesem Thema beschäftigt habe. In der Green Turtle Lodge haben wir meistens solche Themen besprochen, wenn wir mit anderen geredet haben, wobei man die anderen deutschen Volunteers aber fast alle vergessen konnte, da die meisten offensichtlich nie wirklich über sowas nachdachten oder nachdenken wollten. Aber zu der ganzen Green Turtle Lodge Thematik später! Wieder hin zum Thema: in Deutschland wird uns immer erzählt wie wichtig Entwicklungshilfe ist und dass man die kleinen, sterbenden Kinder nur durch Spenden retten kann. Das Problem ist nur, dass ein Großteil der Spenden an die Organisationen geht, dass sie sich weiterhin finanzieren können. Und wenn dann das Geld da ist, wird es meistens nicht für die richtigen Sachen eingesetzt. Es ist ein heikles Thema und sicherlich betrachte ich das Ganze nicht umfangreich genug, aber fast jeder Freiwillige hier sieht, was wir mit Afrika angestellt haben. Wir haben versucht eine Demokratie einzurichten, die hier einfach nicht richtig funktioniert, weil das Denken noch ganz anders ist. In Europa haben sich die Leute selbst für das Entschieden, was sie erschaffen haben. Den Afrikanern wird all das nur aufgezwungen. So kommt es dann halt auch, dass sich Präsidenten erst selbst das Geld in die Tasche stecken, weil das sich hier Tradition hatte. Denn wenn ein Mensch hier drüben Stammesoberhaupt wurde, dann ging die Hälfte des Geldes an ihn. Natürlich durften die Menschen nicht zu sehr leiden, aber letztendlich brauchte ein Chief nach einer Amtszeit nie wieder Arbeiten, da er sich selbst und anderen so viel Geld in die Tasche gespielt hat, dass es einfach nicht mehr nötig ist. Natürlich klingt das für das europäische Gehör einfach nicht richtig, aber hier ist es normal gewesen und die Einwohner haben es auch akzeptiert. Jetzt wird es nicht mehr wirklich akzeptiert, aber es gibt halt trotzdem noch Männer, die ihre Machtposition ausnutzen. Dabei muss man einfach nur an die Polizei denken, die sich hier fast alles erlauben kann, wenn sie es nur gut genug versteckt, was kein zu großes Problem ist. Aber jetzt habe ich genug darüber geschrieben. Wieder zurück zu Rebecca und ihrer Geschichte. Ihr Hauptverdienst war nicht die Prostitution, natürlich nicht, wenn man pro Service nur 25 Cent bis 2 Euro bekommt. Nein ihr Hauptberuf war Taschen in Ghana zu kaufen und nach Ivorycoast zu exportieren und dort für das Doppelte zu verkaufen. Aber da die Lage da drüben nicht so rosig ist, wollte sie nicht zurück. Sowieso heute weiß ich, dass schon viele Einwohner nach Ghana geflüchtet sind und der Bürgerkrieg wohl kurz bevor steht. Und das in einem Land in welches ich mit dem Bus in 10 Stunden reisen könnte, ein Land das direkt neben meinem Aufenthaltsland liegt. Es ist kaum vorstellbar. Naja im Verlaufe des Abends kam ein Mensch vorbei, der offensichtlich ziemlich betrunken war und glücklich Weiße zu sehen, also spendierte er unserem Tisch noch eine Runde, weswegen wir an diesem Abend dann wieder echt viel tranken. Rebecca kam so auch halbwegs auf ihre Kosten, da wir ihr erst ein Malzbier ausgaben, denn sie mochte Alkohol nicht, und dann noch eins auf Kosten des „London-Manns“ ging, wie sie unseren Wohltäter betitelte. Er arbeite wohl in London und habe somit einfach zu viel Geld, wenn er nach Ghana kommt. Deswegen führen sich dann manche Ghanaer wie Könige auf. Uns war es recht! Somit ging der Abend auch zu Ende. Sie bot uns noch einige ihrer Kolleginnen an, als wir ihnen unbewusst hinterher schauten. Ich glaube sie war dann ein wenig enttäuscht, als wir ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen wollten und sie nicht mit auf unser Hotel einluden. Naja, aber wir werden sie immer in unserem Herzen tragen, denn sie war eindeutig die netteste Prostituierte, der ich je begegnet bin! Auf dem Rückweg erzählte ich Ruven immer wieder wie krass ich es fand, dass wir eine solche Erfahrung gemacht haben, aber meine Freude hatte dann schnell ein Ende, als wir zu Hause waren. Am Vorabend waren wir auch schon zu spät zurück gekommen und kletterten nach wiederholten Klopfversuchen über das Tor des YMCA’s. Dafür wurden wir dann auch sofort angemacht, was wir uns denn erlaubten, dass um 11 Uhr das Tor geschlossen wird, bla bla. Wir sagten auf diplomatische Art und Weise, dass wir davon nichts wussten, doch er sagte nur, dass wir hätten nachfragen sollen. Das machte mich dann doch ein bisschen wütend, denn wie hätten wir eine Frage stellen sollen, von der wir nicht mal wussten, dass sie existiert. Naja, was soll’s. Ich hielt meinen Mund, nickte und ging ins Bett. Aber am nächsten Abend kamen wir noch später nach Hause. Wir klopften und wollten wirklich keinen Ärger, aber es kam einfach niemand, also suchten wir uns eine unbeobachtete Stelle an der einfach bekletterbaren Mauer um das Gelände und kamen doch zum Schlafen. Am nächsten Tag nahmen wir uns dann vor mal in der deutschen Botschaft wegen unserem Plan nach Togo zu fahren nachzufragen und abzuchecken, was man dafür so braucht und was man bezahlen muss. Die Botschaften waren im Viertel direkt neben uns und wir mussten nur 30 Minuten laufen um dahin zu kommen. Aber es war ziemlich ernüchternd. Es war irgendwie cool so durch die Gegend zu laufen und sich alles anzugucken anstatt mit dem Taxi in Windeseile an allem vorbei zu rauschen. Aber erreicht haben wir nichts. Alles was wir erfuhren war, dass wir ein Multiple Entry Visum für Ghana brauchten, um wieder zurück zu kommen und wir brauchten natürlich ein Visum für Togo selbst. Wie viel das alles kosten sollte, fanden wir aber nicht heraus. Also gaben wir auf und einigten uns darauf einfach KK zu fragen, was man da machen könnte, da er sowieso den ganzen Visumskram für uns erledigt. Nach dieser Pleite wollten wir dann aber in Richtung Dzorwulu, denn am Vorabend wurde uns gesagt, dass wir zu einem Grillabend eingeladen waren. EINEM GRILLABEND in GHANA!!! Das war einfach zu geil, deswegen wollten wir keine Zeit verlieren und so viel wie möglich davon auskosten. Davor wollten wir aber noch in ein Internetcafe gehen und besuchten ein riesiges Gebäude mit ungelogen 50 Computern. Das Internet war teuer und langsam und man konnte nicht viel machen, naja, zum chatten hat es gereicht! Diesmal konnten wir ein Trotro Richtung Dzorwulu bekommen, allerdings mussten wir einmal umsteigen. Das war alles ein wenig verwirrend, weil wir an Orte geschickt wurden, die wir vorher nie gesehen hatten. Ich fühlte mich zwischendurch auch nicht ganz sicher, aber letztendlich wurde wieder bewiesen, dass die Ghanaer echt ein korrektes Völkchen sind und uns den richtigen Weg geleitet haben. Bei den Verwandten von Mareike bereiteten wir dann Salate vor, wendeten das Fleisch in der Marinade und machten den Tisch im Garten bereit. Bevor es dann wirklich los gehen sollte, gingen wir noch in den Pool und entspannten uns ein wenig. Beim diesen ganzen Aktivitäten kamen wir ins Gespräch mit den Leuten und wir fanden heraus, was der Onkel von Mareike, Volker mit Namen, tat: er half ghanaischen Einrichtungen sich selbst zu organisieren und versorgte Ghana somit nicht mit Geld, sondern mit Lösungsansätzen. Aber er wusste selbst nicht, ob es so hilfreich ist, was er da tat, denn seiner Meinung nach sollten die afrikanischen Staaten selbst herausfinden, was gut und was schlecht für sie sei. So wie es in Europa auch passiert ist. Von einer Person, ich weiß nicht mehr welcher, habe ich sogar mal die Meinung gehört, dass man die Afrikaner einfach wieder komplett alleine lassen sollte, ohne Hilfe und ohne Geldzuschüsse aus der westlichen Welt. So würden sie vielleicht selbst Ideen entwickeln, denn wer sagt, dass in Afrika keine funktionierende, moderne (wobei hier wieder die Frage ist, wie man „modern“ definiert) Gesellschaft entstehen könne. Durch die heutige Situation wird zumindest Ghana mit endlos vielen Schrottprodukten aus der westlichen Welt geflutet, sodass sich hier einfach keine Produktionsstätten lohnen, da das 10 Jahre alte Auto aus Europa um ein vielfaches preiswerter ist, als das in Ghana hergestellte welche. Außerdem gehen die Autos sowieso innerhalb weniger Monate kaputt. Ich hab erst wenige Luxusautos ohne Kratzer gesehen. Ich drifte schon wieder in diese ganze Entwicklungshilfekritik ab. Doch ich muss sagen, es interessiert mich doch sehr. Naja, Volker erzählte auch andere Geschichten auf mein Drängen hin. Einmal wurde seine Familie nämlich auf dem Grundstück überfallen. Der Wärter wurde gefesselt und geknebelt und danach wurde unter das Haus unter Beschuss genommen und Geld gefordert. Volker war geistesanwesend genug nicht die Hände zu erheben und rauszukommen, sondern verbarrikadierte sich und seine Familie. Er versuchte die Polizei anzurufen und als er endlich durchgekommen war, sagten die ihm, dass keine Einheit verfügbar sei. Er blieb in Kontakt mit ihnen und als dann ein paar Männer zur Verfügung standen, passierte immer noch nichts, da kein Auto verfügbar war. Also musste er einen Taxifahrer mobilisieren und das zur Polizei schicken, um ein paar Polizisten abzuholen. Während der Zeit regelten aber die Nachbarn schon ein wenig und packten ihre Schusswaffen aus und als die Polizei dann da war, konnten sie nur noch ein Protokoll von allem machen. Die Kriminellen aber waren abgehauen, wurden aber einen Monat später geschnappt. Naja, die andere Geschichte war dann wirklich heftig. Es war in der Zeit als er im Kongo gearbeitet hatte. Noch ohne seine Familie vor Ort. Im Kongo geht es ja bekanntlich heiß her und er musste damals evakuiert werden, weil es einfach zu heftig wurde. Eines Tages jedenfalls arbeitete er einfach irgendwo zu Hause und ein betrunkener Soldat kam zur Tür herein und war drauf und dran ihn einfach umzulegen. Lange Zeit hatte er einen Lauf am Schädel. Er konnte sich noch gut erinnern, wie unangenehm kalt dieser Lauf war. Er setzte alles an Überredungskunst ein, was er hatte und der Soldat ließ ihn laufen. Wenig später hörte er im Nachbarhaus einige Schüsse und erfuhr später, dass der betrunkene Soldat 3 Belgier umgebracht hatte. Die Geschichten waren einfach zu hart. Und damit meine ich nicht das was passiert ist, sondern wie er es erzählt hat. Man merkte ihm Therapie und die nie verheilende Narbe in der Seele an. Die Augen sprachen Bände. In Büchern steht sowas oft geschrieben, aber es ist wahr. Er stand dem Tod echt direkt gegenüber und konnte mehr als einmal ausweichen. Naja, die Geschichten wurden eigentlich nicht im Pool oder so erzählt, sondern erst am nächsten Tag, als er uns zurück zum YMCA fuhr, aber es passte irgendwie rein. Wow, jetzt bin ich selbst ein wenig von den Geschichten geschockt. Aber ich will mal fortfahren… Nach dem Pool pressten wir noch frischen Zitronensaft und machten jetzt auch den Grill fit. Langsam kamen dann auch die Leute. Insgesamt waren wir dann zwei Familien mit 2 Kindern und wir 3 Freiwilligen. Auf das Essen will ich eigentlich gar nicht groß eingehen, denn das würde mich nur in Sehnsucht zergehen lassen, aber so viel sei gesagt: es war echt lecker und ich aß unverschämt viel von allem. Ich traute mich sogar an Oliven heran und liebte den Geschmack auch Shrimps ließ ich mir schmecken! Dazu gab es dann auch unterschiedliche Biersorten und alles Mögliche an Softdrinks. Die Gespräche waren dann auch sehr interessant. Der Vater der anderen Familie war offensichtlich der Geldbringer. Er war auch ziemlich von sich eingenommen und hatte viel zu erzählen. Er war alles andere als auf dem Boden geblieben! Und er hatte auch offensichtlich noch mehr Geld als Volkers Familie, was er gerne zeigte. Ich weiß nicht mehr genau was er arbeitete, aber er war wohl für die Bildung in Ghana, Burkina, Togo, Benin und Elfenbeinküste zuständig. Als wir ihm sagten, dass dort die Leute geschlagen werden, war er ganz erstaunt und wollte sich dieses Problems mal annehmen. Das war ja nett von ihm, aber klang nach einer zu großen Nummer! Kein Mensch kann sowas in 5 Jahren Aufenthalt hier drüben regeln, aber soll er mal nur. Wäre auf jeden Fall eine große Hilfe für Ghana. Dann haben wir herausgefunden, dass er für 8 Jahre Botschafter in Tunesien war. Das fand ich dann auch gleich wieder interessant und ließ seine beiden Kinder (beide 20 Jahre) erzählen, wie das für sie war. Denn alle der anderen Jugendlichen waren auf einer Internationalen Schule gewesen. Und waren somit absolut zweisprachig aufgewachsen. Aber sie waren auch irgendwie anders. Jeder der 4 hatte eine sehr enge Beziehung zu seinen Eltern. Also wirklich eng und vertraut! Naja, alle waren im Denken in vielerlei Hinsicht schon weiter hatte ich das Gefühl, aber sie waren auch irgendwie anders als wir. Ich fand es sehr interessant mit ihnen zu reden, schon nur weil sie so viel erlebt hatten, aber keiner von ihnen hatte wirklich ein Zuhause. Weder Ghana, noch Deutschland. Zwar kannten sie beides, aber nichts wirklich. Dafür wussten sie viel mehr was in der ganzen Welt abgeht, da sie mit jeder Art von Nationalität in der Schule zu tun hatten. So wussten sie was gerade in den Charts in China ist, oder so. Ich habe lange überlegt, ob man sie für das alles beneiden oder bemitleiden sollte und ob ich das auch gerne erlebt hätte. Aber eine Antwort habe ich immer noch nicht wirklich gefunden… Was soll’s. Es war ein wirklich netter Abend und als dann der Nachtisch vernichtet und alle gegangen waren, durften wir sogar bei Mareikes Verwandten schlafen, weil der Nachhauseweg unangenehm und teuer geworden wäre. Während wir so unseren Spaß in Dzorwulu hatten, schlugen sich Gregor und Cornelius zu uns nach Accra durch und kamen am Abend auch im YMCA an. Am nächsten Tag gingen wir dann zu den beiden rüber, die sich die 40 Cedi Variante haben andrehen lassen. In deren netten und großen Zimmer mit Balkon tauschten wir dann unsere Geschichten aus. Dann machten wir uns so schnell wie möglich auf nach Tamale und damit zu Green Turtle Lodge. Die Reise war relativ entspannt, aber Cornelius war immer noch am Ende und sah die ganze Zeit aus, als ob er in jedem Moment umkippen würde. Gregor erzählte mir dann wie ihn diese ganze Krankheit von Cornelius ankotzte, aber wir kamen schnell weg von dem Thema auf das ich so diplomatisch wie möglich antwortete. Ich redete ungelogen 3 Stunden, also die ganze Fahrt lang, mit Gregor. Dadurch lernten wir uns dann eigentlich erst kennen und danach waren dann auch öfters mal ein paar persönlichere Gespräche drin. Mareike blieb übrigens in Accra, sodass sie am 24ten mit ihrer Familie feiern konnte um dann von Volker zur Green Turtle Lodge gefahren zu werden, da dieser in der Lodge neben unserer gebucht hatte. Welch ein Zufall! Aber zurück zu uns. In Tamale wurden wir dann zum Trotro nach Bosua geleitet und ab da war Endstation. Keine weiteren Trotros. Das war echt niederschmetternd! Aber wir nahmen dann ein Taxi für 20 Cedi, was uns anfangs viel zu viel vorkam, aber letztendlich zeigte uns der fast einstündige Weg, dass der Preis fair war, denn die Lodge liegt absolut in der Pampa. Der nächste Ort war 15 Minuten zu Fuß entfernt und da gab es nur in den wenigsten Hütten Strom. Es war eigentlich echt geil! Die ganze Lodge wurde durch Solarenergie versorgt und unsere Hütte bot keine Möglichkeit das Handy oder den Musikplayer aufzuladen. Man war gezwungen den wundervollen Strand, blauen Himmel und grünen Palmen zu genießen. Aber das haben wir am Abend alles noch nicht wahrnehmen können. Wir bestellten etwas zu essen für viel zu teures Geld, aber daran mussten wir uns gewöhnen, denn 12 Cedi waren einfach ein normaler Preis für ein Abendessen. Es schmeckte aber auch echt gut und europäisch. In der ganzen Zeit in der Lodge aß ich nichts Ghanaisches und es war echt mal wieder angenehm keine Magenprobleme zu haben! Nach dem Essen liefen wir dann zum Wasser und badeten trotz meiner Bedenken doch noch. Es war cool, aber auch irgendwie angsteinflößend, denn man hat kaum etwas gesehen und wurde von sehr starken Wellen weggezogen und gedrückt. Man kam sogar ins Stolpern, wenn man einfach nur so am Wasserrand stand, sodass das Wasser einen umspülte, denn wie gesagt, dass Wasser hatte hier echt Kraft! Passiert ist uns glücklicherweise dennoch nichts. Am nächsten Tag war Weihnachten. Es kam viel zu schnell und bis jetzt hab ich noch nicht wirklich das Weihnachtsgefühl aufbringen können. Wie auch, wenn es die ganze Zeit warm ist und alles an Weihnachtsdeko Lichterketten sind. Aber es war eine interessante Erfahrung, denn diesmal hatte man nicht das durch die Gegend fahren, sondern saß die ganze Zeit am Strand oder trieb durch das Wasser. Jederzeit konnte man sich eine Kokosnuss pflücken, was ich dann ab den nächsten Tagen immer öfter tat und teilweise 6 oder 7 Kokosnüsse pro Tag killte. Einfach weil es schmeckte und was Kostenloses zu trinken war. Ich kratzte mir meine Arme und Beine dabei auch ziemlich heftig auf, aber das war es wert! Die Wellen genossen wir auch, wobei es zu Weihnachten echt heftig krass war! Die Wellen hatten eine Größe und Kraft, wie ich es noch nie erlebt hatte. Man wurde einfach komplett umgerissen, wenn man vor ihnen stand, da sie doppelt so hoch waren als man selbst. Und teilweise auch noch heftiger. Es war echt als ob man immer wieder von einer Mauer aus Wasser umgehauen wurde. An diesem ersten Tag traute ich mir auch nicht der Welle gerade stehend entgegen zu treten. Ich tauchte lieber drunter durch oder duckte mich weg, sodass ich nicht ganz so stark erwischt werde. Das klingt jetzt alles so als ob ich einen Rock anhätte, aber es war unglaublich. Nach dem Tag drehte sich auch meine ganze Welt und wenn ich die Augen schloss befand ich mich mitten in einer Welle und ich glaube die Träume die ich danach hatte, hatten auch ziemlich viel mit Wasser zu tun. Dieser Tag beschreibt den Aufenthalt in der Lodge eigentlich auch ganz gut. Wir hatten auch einigen Kontakt zu anderen Volunteers, aber viele von denen waren anders als wir. Aber wir kamen dennoch immer wieder ins Gespräch mit einigen. Eine Gruppe aus Togo hatte zum Beispiel Motorräder gekauft, für etwa 300 Euro pro Stück, und damit tourten sie jetzt als Ferienbeschäftigung durch Ghana. Das hatte schon richtig Stil! Aber so wie wir blieben die auch eher unter sich. Eine andere Gruppe kam Swedru. Mit denen hatten wir auch eher wenig Kontakt. Nur beim Volleyball spielen oder manchmal beim abendlichen Zusammensitzen. Bei den Swedruleuten waren auch drei Schwedinnen dabei, die doch sehr eigenartig waren. Denn am zweiten Weihnachtsfeiertag betranken sie sich hemmungslos und torkelten den Rest des Tages nur noch sinnlos durch die Gegend und laberten alle ein wenig voll. Es war irgendwie ganz lustig, aber auch unangenehm, denn eine der drei suchte offensichtlich den körperlichen Kontakt. Aber halt bei jedem, der ihr ein wenig zuhörte. Sie erzählte aber auch nur sinnloses Zeug. Dass sie Ghana gar nicht so sehr mochte und sie sich wieder tierisch darauf freute von hier weg zu sein, weil die ghanaischen Männer doch sehr nervten (hier kann ich sie dann wieder verstehen). Naja, sie lief einem an diesem Tag auf jeden Fall öfters über den Weg und es war immer wieder ein Mix aus witzig und lächerlich. Ich bin mir sicher, dass, wenn sie nicht relativ hübsch gewesen wäre, sie an diesem Tag viele Körbe geerntet hätte. So aber ertrug sie jeder und atmete auf, wenn sie weg war. Außerdem lernten wir Emmanuel kennen. Einen Einheimischen, der mich fragte, ob ich Jessica kennen würde und Fabian hieße. Das war auch witzig, weil mich das total aus der Bahn warf. Er erzählte mir dann, dass er Jessica sehr gut kenne und sie auch hier gewesen war und scheinbar viel mit ihm geredet habe. Zum Beispiel hatte sie ihn von der Idee weggezogen Soldat zu werden. Jetzt wollte er Kunst studieren und musste dafür Geld verdienen, was er in der Green Turtle Lodge ermöglichte. Tja, was zeichnete ihn noch aus? Er liebte es mit dem Fahrrad zu fahren und fuhr jeden Morgen mit dem Fahrrad durch den nassen Sand zur Lodge. Wow sag ich da, ich will nicht wissen, was für eine Kraft in seinen Beinen steckt! Er war echt ein lieber Kerl, aber ich wusste nicht so recht worüber ich mit ihm reden sollte. Deswegen entwickelte sich da leider keine richtige Freundschaft, obwohl er echt korrekt war. Schade, aber es ist nicht zu ändern. An einem Tag erforschten wir dann auch mal das Dorf nebenan, das wirklich noch ordentlich oldschool war. Alte Hütten, oft ohne Strom und ohne Wasserzufuhr. Ein typisches Fischerdorf. Und jeden Morgen und jeden Mittag konnte man einige Leute sehen, die riesige Netze aus dem Wasser holten. Aber sonst war das Dorf nicht besonders. Was sehr nervte war, dass jeder nach Geld fragte und horrende Preise verlangt wurden. Sicherlich Obrunipreise. Naja, in dem Dorf war auch Emmanuels Kneipe, die wir dann einige Male besuchten und in der die Preise auch etwas kundenfreundlicher waren. An einem anderen Tag erforschten Mareike und ich mal die Halbinsel am Dorf. Nur wir beide waren unterwegs, da Ruven und Gregor am Tag zuvor auf die Idee gekommen waren und Cornelius sowieso unbrauchbar war, da er geschwächt im Bett lag, den ganzen Tag! Naja dieses erforschen der Insel war auf jeden Fall eine meiner besten Erfahrungen in der Green Turtle Lodge. Man stelle sich eine größere Halbinsel vor, die man bei geradem Gelände in etwa 10 Minuten umrundet hätte. Aber es gab keinen Weg, bzw. hätte man für den bezahlen müssen, worauf ich keine Lust hatte. Es folgten uns zunächst auch noch ein paar Bibinis (Afrikaner), aber wir lehnten deren Hilfe dankend ab. Wir begannen unsere Tour an einer traumhaften Lagune, in der man einfach nur schwimmen gehen wollte, aber wir hatten anderes vor. Zunächst wateten wir durch das Wasser, um dann auf die Steine zu steigen, die die Insel ein einem Kreis einschlossen. Dabei handelte es sich um Steine, die die Größe einer Wassermelone hatten, bis hin zu Steinen, die dreimal so groß waren wie ich. Es war also ein interessanter Weg über die Steine, natürlich mit Flipflops an. Es war eigentlich ziemlich gefährlich, aber es machte einfach zu viel Spaß. Ich weiß nicht ob Mareike an dem ganzen Klettern auch so eine Freude entwickeln konnte, aber ich war für die nächsten 2 oder 3 Stunden 100 Prozent glücklich. Ich entdeckte dann irgendwann eine Stelle, an der man aussuchen und auf die Lagune schauen konnte. Mareike ruhte sich also aus und ich ging erforschen. Zunächst ging ich einen Weg entlang, der mich nur zu einem Drahtzaun führte, also ging ich wieder zurück, aber dann wurde es interessant. Ich folgte einem anderen Weg, der immer höher auf den Gipfel der Insel führte. Und dann kam etwas, das ich gar nicht erwartet hatte: ich traf auf eine kleine, verfallene Burg. Ja, eine Burg. Eine Burg…. Ich konnte es nicht glauben. Einfach so… eine Burg auf dem Gipfel einer afrikanischen Halbinsel. Natürlich war sie von europäischen Besatzern als Aussichtsplattform benutzt worden, aber sowas erwartet man doch nicht! Naja, ich schaute mich dann ein wenig um und erzählte Mareike schnell voller Stolz, was ich entdeckt hatte. Ich muss wie ein kleines Kind gewirkt haben! Ich will die Burg jetzt nicht genau beschreiben, sie war auch eher klein, vielleicht 60 Quadratmeter Grundfläche. Aber sie war ziemlich hoch. Locker mal 10 Meter von ganz unten nach ganz oben. Naja, Mareike hat dann wieder ein bisschen gechillt und ich bin weiter erforschen gegangen und hab einen Weg auf die andere Seite der Insel gesucht und gefunden. Dort waren die Steine aber nicht mehr so leicht zu besteigen. Zwischendurch sah ich dann noch ein Lebewesen, das ein bisschen aussah, wie eine Kakerlake, bloß gelb und rot und etwa so groß wie mein Unterarm. Ich wüsste nicht wie ich mich gefühlt hätte, wenn dieses Vieh näher an mir dran gewesen war. Hihi… Naja, dann war ich irgendwann um die Insel herum geklettert und ging wieder den bekannten Weg zur Burg hoch. Dann zeigte ich Mareike noch schnell den Weg zu anderen Seite und wir chillte noch ein wenig auf den Steinen und schauten den Wellen beim brechen und den Krebsen beim über die Steine ziehen zu. Man konnte von unserem Standort auch die Lodge und manche Kanufahrer sehen. Dann machten wir uns wieder auf den Weg zurück. Übrigens hab ich noch gar nicht gesagt, dass der erste Teil des Steinkreises um die Insel als öffentliche Toilette genutzt wird, weswegen es da ziemlich gestunken hat und man den einen oder anderen Haufen besichtigen durfte. Aber das war es doch wirklich wert! An einem anderen Tag lernten wir Patrick und Dominik kennen, die dann noch eine Rolle ins unserem restlichen Ghanaaufenthalt spielen sollten. Die beiden hatten es richtig klug angestellt: sie waren mit dem Auto gekommen, in welchem sie auch übernachteten. Außerdem aßen sie kaum in der Lodge und somit kostete sie dieser Urlaub nur sehr wenig. Aber wer waren die zwei? Es handelt sich um einen 24-und einen 27-jährigen Volunteer, die mit dem Mittelrheinischen Sportbund nach Ghana gekommen waren und hier für 5 Monate blieben und ein Projekt in die Wege leiten sollten, das die Ausbildung von Trainern vorsieht. Die beiden haben mit Training aber noch relativ wenig zu tun, da sie erstmal das Haus für die Freiwilligen herrichten, ein Auto besorgen und Verträge aushandeln mussten, um mit all dem anzufangen. Davon erfuhren wir aber erst viel später. Am ersten Abend sprach uns Dominik auf seine verpeilt-lustige Art an und wir konnten eine Runde lachen. Erst in den nächsten Tagen redeten wir etwas mehr mit den beiden. Naja, in der Lodge redeten wir eigentlich nicht so viel mit den beiden aber sie luden uns zu sich nach Cape Coast für Silvester ein, was wir dann auch annahmen. Also später mehr von den beiden. Wir haben dann auch noch Volunteers getroffen, die in Kumasi arbeiteten. Eine davon hatte sich sofort in jeglichen Zugang zu mir verscherzt, da ihre ganze Art so aufgesetzt und unangenehm war. In Deutschland war das ein ziemlich girly-girlishes Verhalten. Sie hat oft etwas genommen und nach dem Benutzen gesagt ich nehm mir das mal, okay? Und hat einem ein engelsgleiches Lächeln entgegengeschickt. Dann hat mich noch gestört, dass sie an einem Tag wohl irgendeinen Afrikaner zu sich eingeladen hatte, um ihm ein Handy zu Weihnachten zu schenken und sich dann den Rest des Tages mit ihm rumzubeißen. In Deutschland sicherlich kein Problem, aber das ist Ghana und sowas sieht man hier einfach nicht in der Öffentlichkeit. Und vielleicht wäre es auch nicht so schlimm gewesen, wenn sie dann an einem anderen Tag mit einem Deutschen rumgemacht hätte. Aber sie hat all dies getan und deswegen hatte ich schon gar keinen Bock auf sie ohne je mit ihr geredet zu haben. Das erinnert mich auch gleich noch an eine andere Person. Irgendein alter, reicher, hässlicher, weißer Touri, der sich eine junge Einheimische klar gemacht hatte. Wie viel Liebe da im Spiel war, will ich mal nicht erörtern. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Spaß ohne irgendeine Art von Bezahlung lief. Ich konnte nicht umhin und musste ihn die ganze Zeit böse anstarren, weil es einfach so falsch war. Er tat mir einerseits so leid und andererseits kamen meine Vorurteile gegen die ganze Bagage ins Spiel. Naja, nach einer Übernachtung war er weg. An einem Abend machten dann ziemlich viele der Kumasi-Leute beim „Green Turtle Walk“ mit und wir folgten ihnen einfach. Aber es war schrecklich. An diesem Abend hatte war ich schon ziemlich am Ende und hinkte dem Rest der Gruppe hinterher. Wir liefen und liefen scheinbar ohne Ende. Irgendwann hielten wir dann an und es wurde verkündet, dass man wohl keine Schildkröten sehen würde, für die wir aber eigentlich losgegangen waren. Also drehten wir wieder um, ohne wirklich etwas geschafft zu haben. Der Guide erzählte uns noch etwas über Schildkröten, aber das steht auch alles im Buch. Naja, der Weg zurück war dann komplett für den Arsch. Ich war so müde, dass ich kaum noch gerade laufen konnte! Ich machte dann auch zweimal Pause und legte mich hin und schlief ein wenig. Ich kam natürlich als letzter wieder an und ging dann so ziemlich sofort ins Bett. Eine letzte besondere Person war Elliot. Ein ziemlich gut gelaunter Engländer, der sich mit jedem super verstand. Es machte Spaß mit ihm zu reden und am Abend mit ihm jegliche Art von Spielen zu spielen. An einem Abend lösten wir ganz viele Rätsel, die uns ein Spanier und Elliot stellte. Außerdem brachte Elliot den Beautiful Clean Beach Club ins Leben. Da der Strand abseits des Geländes der Lodge ziemlich vermüllt war, wollte Elliot ein bisschen aufräumen und bat jeglichen Gast der Lodge zu helfen mit aufzuräumen. Am Ende arbeiteten fast 15 Leute für eine Stunde am sauber machen des Strandes. Wir kamen nicht sehr weit, weil einfach so viel Müll überall verteilt war. Das zeigt einfach nur, dass sowas öfter passieren sollte. Als Ausgleich dafür haben wir einen Cocktail ausgegeben bekommen. Aber das Wichtigste an der ganzen Aktion war, dass man mal ein bisschen zusammen gekommen ist und begonnen hat miteinander zu reden. Auch mit dem Besitzer konnte man sich ganz gut unterhalten und er half uns sogar mit Cornelius‘ Problemen fertig zu werden. Er ermöglichte Cornelius ins Krankenhaus für umsonst zu fahren (aber da der Arzt im Urlaub war, brachte das nicht viel) und gab Cornelius dann auch immer mal eine Cola extra, damit er sich erholen konnte. Auch ganz süß war der Sohn und die Tochter des Besitzers, der glaube ich Tom oder so hieß. Der Junge war ein ausgesprochen lustiges Kind, das immer auf dem Hund der Familie hockte, der sich wirklich alles vom kleinen Jungen gefallen ließ. Quasi stündlich wurde der Hund vom Sohn traktiert. Die Tochter war absolut selbstsicher und alle Angestellten kümmerten sich liebevoll um sie. Sowieso muss man sagen, dass wenn in einem Arbeitskreis eine Frau ein Kind hat, dass sich dann alle Männer absolut väterlich um dieses kümmern. Wie ein echter Vater. So weiß man dann auch nie so recht, von wem das Kind ist 😀 Naja, zur Lodge gibt es einfach nicht so viel zu erzählen. Alles in allem war es eine echt witzige und entspannte Zeit. Braun geworden bin ich aber interessanter Weise nicht wirklich. Irgendwie bräunt einen die Sonne hier nicht so. Schade eigentlich! Am letzen Tag bot mir Emmanuel auch noch an mit dem Fahrrad nach Cape Three Points zu fahren und Wale zu sehen, aber ich war so entspannt, dass ich gar keine Lust auf Bewegung hatte. Im Nachhinein könnte ich mir dafür ins Hinterteil treten so dumm gewesen zu sein und dieses Angebot abgelehnt zu haben, aber nun ist es zu spät. Am 31.12 fuhren wir morgens gegen 10 Uhr los. Wir konnten aber kein Trotro nehmen, da wir nicht genug Geld hatten, um unsere Rechnungen zu bezahlen. Also nahm uns ein Fahrer der Lodge für 30 Cedi mit nach Takoradi. Das war zwar unangenehm teuer, aber es war auch Luxus pur. So kamen wir ganz schön schnell nach Cape Coast. In nur etwa 3 Stunden. Naja, letztendlich habe ich übrigens 272 Cedi bezahlt. Eigentlich müsste man noch 12 Cedi abziehen, da ich mir kurz vor der Abfahrt noch eine Pizza aus Prinzip bestellt hab, denn uns wurde gesagt, dass sie hier die Beste haben. Aber so gut war es nicht. Schade eigentlich! In Cape Coast wurden wir dann irgendwie ziemlich ungestüm aus dem Trotro geworfen und standen da auf der Straße. Sofort kam ein Taxifahrer an und nahm uns unsere Rucksäcke weg, bis wir ihm verklickerten, dass es so nicht lief. Letztendlich mussten wir dann aber doch nachgeben und er fuhr uns zum Sammo Guest House, bei dem es sich um einen 4-stöckigen Gebäudekomplex handelt. Die Zimmer waren klein, dreckig und fast preiswert, also eigentlich ganz okay. Über Cape Coast kann man sagen, dass es sich um eine schöne Stadt mit geilem Flair handelt. Außerdem stehen noch richtig viele Häuser aus der Kolonialzeit. Diese Stadt hatte einfach etwas, das Kumasi und Accra nicht hatten. Kumasi ist sehr afrikanisch, durcheinander. Liebenswert auf seine Art und Weise und irgendwie zu meiner zweiten Heimat geworden. Accra ist laut, hektisch und westlich. Eine Stadt in der zwar viele Wahrzeichen Ghanas stehen, aber der es an Tradition zu fehlen scheint. Cape Coast ist einfach wie ein Zuhause. Das ist die beste Beschreibung. Bevor wir uns in das Nachtleben schmeißen wollten, aßen wir erstmal etwas in einer kleinen Chop Bar, dann begaben wir uns in eine Bar und ich entdeckte das ghanaische Castle Bier für mich. Hier handelt es sich um eine lustige Sache: Bier mit Lactose. Es ist relativ würzig und hat einen Caramel-Nachgeschmack. Die anderen lachen mich aus, weil ich es mag, aber es ist echt eine interessante Abwechslung zum wässrigen Starbier. Naja, nachdem wir getrunken hatten, was wir wollten, gingen wir zum Oasis Club, wo wir dann auch auf Dominik und Patrick stoßen sollten. Dieser Club war absolut westlich! Fast nur Weiße waren da und die Preise waren auch wieder gigantisch, sodass ich lieber kein Geld für Getränke dalassen wollte. Wir beobachteten viele Leute. Zum Beispiel eine alter weiße Hippie Frau, die sich mit ihrem jungen, schwarzen Lover einen Joint nach dem nächsten reinzog. Außerdem konnte man sehr gut Leute gucken, wenn man auf die Tanzfläche schaute, weil sich da der eine oder andere gut blamierte. Irgendwann kamen dann Patrick und Dominik, mit denen wir uns dann auch eine lange Zeit unterhielten. Irgendwann war dann Mitternacht und zwei Lagerfeuer wurden angezündet. Man saß ganz gemütlich zusammen und schaute aufs Feuer. Naja, bis hin zu einem bestimmten Punkt zumindest… Denn die Schwedin war wieder da und war betrunkener denn je. Sie schmiss sich so penetrant an jedes männliche Wesen ran, dass es einem schlecht wurde. Das sie jemanden abbekommen würde, stand fest, bloß musste sich der unglückliche erst finden. Bei uns probierte sie es auch einige Male. Sie saß Gregor lange Zeit auf dem Schoß und lud ihn sogar zu sich ins Zimmer ein, aber er lehnte dankend ab. Zu Ruven legte sie sich ein paar Mal ans Feuer und auch neben mich legte sie sich auch. Schnell begann sie mit den Lippen an meinem Hals zu hängen, wodurch ich dann so viel zu reden begann, sodass sie nicht an meine Lippen konnte. Das langweilte sie dann glücklicherweise so sehr, dass sie zum nächsten potentiellen Opfer ging. Bald war ich dann auch ziemlich müde und ging mit Gregor und Mareike nach Hause. Ruven, Dominik und Patrick hatten noch genug Kraft um weiter zu machen. Ruven schleppte sich dann gegen halb 6 ins Bett und die beiden anderen hielten bis um 8 durch.

So, das war es jetzt leider erstmal, aber ich bin dabei mehr zu schreiben. Es ist nur so viel… 🙂

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