#16

Auf ein Neues! Ich habe seit dem 4.6. keinen Blog mehr abgeschickt, also wird es jetzt Zeit mal wieder etwas zu schreiben. Heute ist der 17.06. und wir haben gerade Ferien. Das ist auch der Grund warum ich schreibe. Ich hoffe mal, dass ich den Spaß heute fertig schreiben kann, aber wegen den Ferien bin ich komplett faul geworden und hab heute schon den halben Tag mit zocken zugebracht, also bin ich mir gar nicht sicher, ob ich das so hinbekomme…
Naja, die Endzeitstimmung wird immer stärker und ich freue mich immer mehr auf Deutschland, auch wenn ich gar nicht mehr wirklich weiß, wie es dort war. Und sicherlich werde ich mich total erschrecken, wenn ich zurückkomme und alles sehe, aber das ist mir gerade egal, denn ich hab nur das positive vor mir. Besonders freue ich mich auf die Uni und endlich mal wieder lernen zu müssen. Denn ohne Druck fällt mir das ganz schwer! Naja, was gibt es noch. 43 Tage noch bis Josi hier ankommt… Ja, ich habe angefangen zu zählen. Irgendwann in den 60ern ging es los. Ich habe somit schon etwa ein Drittel überstanden, aber die Freude wird immer intensiver. Ich hab jetzt auch schon ein bisschen darüber nachgedacht, wo man hinfahren könnte und ich muss sagen, dass 3,5 Wochen zwar gar nicht wenig sind, aber nicht genug um Ghana ordentlich zu bereisen! Tja, aber da müssen wir beide dann mal durch.

Hm… ich hab jetzt leider einen Tag lang nichts geschrieben, weil ich am Freitag keinen Bock mehr auf Schreiben hatte und der Samstag ziemlich ereignisreich war. Also fange ich einfach nochmal von vorne an und leite aufs Neue ein. Also heute habe ich mich so gefragt, wie sehr ich mich eigentlich verändert habe. Besonders auf Musik bezogen haben sich meine Vorzüge geändert, glaube ich. Gestern Abends habe ich mir zum Beispiel mal deutschen (niveauvolleren) Rap angehört und fand die Hälfte davon echt ganz gut. Früher hätte ich sowas nicht mal angerührt! Dann heute früh hab ich mir über eine Stunde lang Reggea angehört und fand es auch richtig gut. Naja, Dellé ist auch ein sonderfall, denn er ist einer der Leute von Seeed und seine Familie kommt aus Ghana, deswegen hab ich zu dem Ganzen auch eine gewisse Verbindung, aber ich kann mir selbst nicht recht glauben. Durch die Musik habe ich dann darüber nachgedacht, wie sich mein ganzer Charakter verändert haben könnte und ich bin echt mal gespannt, was dann alle so sagen werden. Hihi, ich glaube, dass sich besonders Martin wundern wird, was bei mir geht! Aber genug von solchen Gedanken, auf geht’s zur Beschreibung meiner letzten 2 Wochen.

Am 5.6., ein Sonntag, war ich mit Davida in der Kirche. Ich habe es auch lange genug herausgezögert, aber an diesem Tag musste ich mich überwinden und doch mal gehen. Also sind wir früh losgefahren und haben auf ein Trotro nach Kejetia gewartet, aber das war schier unmöglich, wie immer um die Zeit. Also haben wir dann doch ein Taxi genommen und waren um 7:48 Uhr an dem Bus, der zu Davidas Kirche fährt. Ja, richtig gelesen, diese Kirche hat tatsächlich ihre eigenen Busse. Aber nicht irgendwelche Busse. Metromass! Das heißt: eine Art preiswerter Reisebus. Ich hatte eigenltich mit irgendeinem rostigen Trotro gerechnet, aber das war ein echt netter Service. Hinzu kam dann noch, dass diese Busse wirklich nach Zeit fuhren. Soll heißen: wer nach 7:50 Uhr kommt, kommt zu spät! Nun ja, also haben wir uns da reingesetzt und sind losgefahren. Die Kirche ist ganz in der Nähe von der KNUST, einer der richtig guten Unis in Ghana. Als wir ankamen, konnte ich es echt nicht fassen! Die Kirche war riesig. Das ist eigentlich gar kein Ausdruck für diese Kirche. Ich meine die war mal locker größer als meine Schule in Deutschland. Leider vergaß ich ein Bild von der Kirche zu machen, weil ich einfach so erstaunt war. Als ich Davida darauf ansprach, sagte sie mir auch, dass etwa 6000 Leute zu dieser Kirche gingen! Das muss man sich mla vorstellen! 6000 Leute waren tatsächlich in der Kirche drin! Und etwa 10000 Leute waren in der Kirche registriert. Demnach war sie auch recht gut ausgestattet. Überall Flatscreens auf denen Songtexte zu sehen waren, wie damals auch in Amerika. Dadurch konnt ich auch endlich mal mitsingen. Zwar war es immer das gleiche Gewäsch, aber es war wenigstens nicht mehr so langweilig. Dann kamen wir irgendwie in Gruppen zusammen und redeten über unser Leben und so… keine Ahnung, das gab es in Amerika auch. Ich glaube das haben die Bibelgruppen genannt. Das heißt, erst Bibel studieren und dann über das Leben philosophieren. Ich fand nur lustig, dass unser Vorsitzender irgendwie nur pseudo-freundlich war und immer ein Lächeln im Gesicht hatte, das sagte, „oh Mann, wo bin ich hier nur reingeraten?“ Naja, danach ging es zurück in die Kirche und wir haben noch ein bisschen gesungen und uns einige Termine sagen lassen. Um halb 12 war es endlich vorbei. Genau 3 Stunden. Dann haben wir einen Bus nach Adum genommen und wollten noch ein bisschen shoppen, soll heißen, dass Davida noch einige Sachen kaufen wollte, aber wir waren beide ein wenig müde und deswegen entschieden wir dann doch direkt zum Busbahnhof zu laufen und nach Hause zu fahren. Dann hab ich den Rest des Tages nur noch chillen können.

Dann ging der Schulalltag wieder los. An diesem Montag hatte ich eine ganz normale Englischstunde und am Nachmittag hatte ich wieder Deutsch und Wisdom war mal wieder da. Ich hatte ihn seit unserem kleinen Zusammenstoß nicht mehr gesehen und hab mich an diesem Tag irgendwie entschuldigt und gesagt, dass er machen soll, was er will, aber ich würde ihn immer dabei stoppen, wenn er irgendwelche Schüler schlägt. Das hat er nicht verstanden und wollte noch ein bisschen diskutieren. Aber ich hab es abgebrochen und mit dem Unterricht weitergemacht. Da die Leute keine Lust auf Deutsch hatten und das bei denen sowieso komplett sinnlos ist, habe ich den beiden lieber einen Transformator erklärt, der noch an der Tafel war, den sie aber nicht verstanden hatten. Um wenigstens ein bisschen zu machen, habe ich dann noch etwas Deutsch besprochen und bin gegangen. Alles in Allem fand ich es sogar fast gelungen. Bloß doof finde ich, dass man bei denen einfach nicht richtig Deutsch unterrichten kann, denn man kann ihnen nicht mit schlechten Zensuren oder Strafen drohen, um Disziplin herzustellen. Ich meine ich versteh die vier ja, aber es nervt einfach komplett nicht wirklich ernst genommen zu werden. Unsere Schulleitung ist da aber auch ziemlich lustig. Wie will man denn bitte ein Fach unterrichten, wenn man nur eine einzige 40-minütige Stunde in der Woche hat, bei der die ersten 5 Minuten meistens wegfallen, weil Schulmaterialien geholt werden müssen. Naja, es sind jetzt ja nur noch 3 solcher Stunden von denen sicherlich auch noch eine ausfallen wird, weil keiner da ist. Also was solls… Danach bin ich nach Hause gegangen und hab für den Rest des Tages geschlafen.

Der Dienstag war dann wieder typisch: nur hin- und hergerannt, unterrichtet und zeugs erledigt. Nagut, eine Stunde hab ich zwischendurch mal im Lehrerzimmer geschlafen, aber dennoch war ich nach dem ganzen Stress absolut am Ende, ging nach Hause und schlief den restlichen Tag.

Dann am Mittwoch, hatte ich endlich keine Schule und ging, nachdem ich mit waschen fertig war, mit Andreas zu Andrew und chillte da wie gewohnt. Es gab diesmal echt richtig leckeres Essen. Es war auch total einfach, weil Andreas Vegetarier ist. Er mixte einfach nur Kontomire, Tomate, Zwiebeln und Ei mit einigen Gewürzen und servierte es mit Yam. Sehr nice! Das Gesprächsthema war wie immer Frauen. Dadurch, dass Andreas mit war, war es alles viel lustiger, weil wir ja aus Deutschland gewöhnt waren nur eine Freundin zu haben. Und dann immer wieder von noch einer neuen Freundin von Andrew zu hören, ist dann immer wieder erheiternd. Naja, dann gingen wir zur Uni, aber ich begann arge Magenprobleme zu bekommen und fast wäre es zu spät geworden, aber ich hatte Glück und bin noch nach Hause gekommen und konnte alles klären. Das war schon der zweite Tag an dem ich solche krassen Magenprobleme hatte, nachdem ich von Andrew zur Uni gegangen war… Doof! Tja, zu Hause habe ich dann erstmal gechillt und als Gifty dann auch kam, bot sie an, dass wir doch mal wieder Fufu pounden könnten. Diesmal jedoch mit Ruven. Das war dann ziemlich witzig. Ich hatte erst ein bisschen mit Gifty das Fufu für Kwakye und Gifty gestampft und dann kamen Ruven und ich dran. Ich sollte das Fufu umdrehen und Ruven stampfte. Ruven machte einen guten Job, viel besser als ich gedacht hätte! Eigentlich machte er, nachdem ich ihm ein, zwei Tipps gegeben hatte, alles richtig. Nur ich hatte meine Probleme, denn dieses Umdrehen ist doch schwieriger, als es aussieht. Tja, das heißt einfach nur, dass wir es öfter machen müssen. Und vor allem müssen wir erstmal Woma und Waduro kaufen. Dann können wir nämlich immer selbst entscheiden, wann hier Fufu-Action abgeht! Naja, wir genossen unser Essen dann an einem lustigen kleinen Tisch in der Küche und saßen dazu auf den typischen Schemeln. Das war alles irgendwie geil. Andreas kam dann auch noch eine Runde vorbei und chillte sich zu uns, aber er war so satt, dass bei ihm gar nichts mehr ging, aber mein Bauch hat sich ja mindestens um das 10-fache geweitet, weswegen ich jetzt irgendwie absolut immer essen kann. Den Abend haben wir dann in aller Ruhe mit einer Runde Wizard ausklingen lassen. Dieses Spiel spielen wir in letzter Zeit fast nur noch… es macht aber auch ziemlich viel Spaß! Besonders lustig ist es, wenn es für einen Spieler mal gar nicht gut läuft und sich betreffende Person dann bei allem und jedem beschwert. Zu lustig! 😀

Der Donnerstag war dann irgendwie total komisch. Ich hatte einen total verrückten Traum. Ich träumte in einer Quizshow für Schwer-Kranke zu sein. Dazu wurde uns allen ein Buzzer gegeben, während wir in Krankenhausbetten lagen. Ich lief herum und sah die anderen Teilnehmer. An was ich mich am meisten erinnere, ist eine Querschnittsgelähmte, die an ihren Buzzer nicht herankam. Es war also alles total skurril. Die einzige Frage war auch komisch. Man musste sich ein Bild anschauen, das eine Person zeigte, die offensichtlich getötet wurde. Das Ziel war nun herauszufinden, wie das Gesicht der Person aussieht, denn das Gesicht des Getöteten war abgeschnitten worden und sollte nun irgendwo im Bild zu finden sein. Ich suchte und suchte und irgendwann fand ich es in einem Schrank und ich erkannte mich selbst und wachte auf. Das war alles so beunruhigend, dass ich total off war an diesem Tag. Ich kam zu spät zur Schule, aber glücklicherweise hatte ich erst später Unterricht, wobei ich aber gar keine Lust auf unterrichten hatte. Im Unterricht haben meine Schüler das Essayschreiben auch gar nicht ernst genommen, weswegen ich einfach nur genervt war und Kopfschmerzen bekam. Deswegen war es mir überall zu laut. Zu Hause war Ruven und wusch und mich regte das Geräusch des Wassers auf. Im Lehrerzimmer konnte man alle möglichen Geräusche aus dem Dorf hören, also ging ich nach Hause und ruhte mich aus, laß ein wenig und bereitete den Unterricht für den Nachmittag vor, aber die Stunde lief dann auch nicht so gut. Das Problem ist einfach, dass ich den Leuten beibringen will, wie man Essays schreibt, aber die glauben alle, dass sie es können und nehmen es nicht ernst, wenn ich mir dann die Aufsätze anschaue, ist aber so gut wie jeder Aufsatz totaler Dreck. Aber das merken die immer erst in den End of Term Examen. Naja, danach hatte ich gar keinen Bock mehr und legte mich schlafen, ließ somit das Radio ausfallen. Eigentlich wollte ich gar nichts mehr machen, aber am Abend rief mich Sabrina an, dass ich doch mal rüber kommen sollte, weil Mary wahrscheinlich kommt und Kuchen mit Wein serviert. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Beides war richtig lecker! 😀 es war überhaupt mal wieder krass Weißwein zu trinken und vor allem war der gar nicht mal sooo schlecht. Naja, jetzt mag sich der eine oder andere fragen, warum Mary das gemacht hat. Die Antwort ist simpel: am nächsten Tag war Sabrinas Geburtstag und Mary hatte an diesem Tag keine Zeit, wollte aber trotzdem ein Geschenk schenken. So unterhielten wir uns noch ein wenig, auch Sark kam noch vorbei und bekam sowohl Kuchen als auch Wein (wobei wir ihn hierbei schon fast zwingen mussten…).

Nun ja, der nächste Tag war dann wieder ziemlich lustig, denn es war Sabrinas und Harriets GeburtsDATUM. Und der GeburtsTAG von Sarkodie. Er ist Kofi, also am Freitag geboren und nach der Tradition scheinen die Leute auch den Tag zu feiern. So ganz habe ich es nicht  verstanden, welches nun traditionell gefeiert wird und ob der Geburtstag hier überhaupt eine Rolle spielt, denn so wie sich die meisten Leute verhalten eher nicht. Naja, aber was immer gemacht wird, ist dass die Geburtstagskinder mit Wasser übergossen werden. Normalerweise wird einfach ein Wasserbeutel genommen und langsam über der Person geleert. Das nennt sich dann „Shower of Blessing“, die segenreiche Dusche. Naja, nachdem wir den Schülern im Verlaufe der Vergangenen Woche „Zum Geburtstag viel Glück“ beigebracht hatten, sangen es die Schüler zur Morning Assembly und danach holten zwei Schüler einen 15 Liter Eimer voll mit Wasser und nach einigen Versuchen auszubüxen, stand Sabrina vollkommen nass da. Das war krass und vollkommen lustig. Da auch Sabrina drüber lachen konnte, freuten sich alle und alles war cool. Danach gingen wir zu Harriet und überreichten ihr einen kleinen Kuchen und Sabrina verteilte ein wenig Wasser auf ihr.
Dann gab es ein leckeres Frühstück mit Ei, Tomaten und Kuchen. Das war ziemlich geil. Dann habe ich ein wenig in einem Buch von Andreas gelesen, welches da „Ach, Afrika“ heißt und so allgemein über Sachen in Afrika schreibt. Der Autor hat eine ganze Weile in Afrika recherchiert und hat mit Einwohnern, Despoten und anderen Afrika-Korrespondenten geredet und schrieb seine Meinung nun in dem Buch nieder. Dadurch erfährt man echt viel und lernt mal die Bedeutung von vielen Worten, die man vorher benutzt hat. Zum Beispiel weiß ich, dass Vodún aus Benin kommt. Da gibt es einen Stamm, der Leute verhext und mehr oder weniger über Leben und Tod bestimmt und dabei ganz verrückte Rituale durchzieht. In Deutschland nennt man diese Leute Voodoo-Zauberer. Solche kleinen Informationen zusammen mit Geschichte Afrikas ist echt genial.
Naja, im weiteren Verlaufe des Tages haben wir noch ein bisschen an unserem Rezeptebuch geschrieben und dann zum Mittag ein Fruchtmassaker veranstaltet: Wassermelone, Mango und Ananas. Natürlich alles frisch und lecker. Danach haben wir noch gechillt und ich habe gelesen. Gegen Abend haben wir dann einen Raum für die kleine Feier von Sabrina und Harriet vorbereitet: Wir haben die Boxen aufgebaut und Musik klar gemacht. Eigentlich wollte ich meinen Laptop nicht zur Verfügung stellen, weil ich gerade erst mit den Problemen die ich anfangs hatte, klargekommen war, aber weil nur auf meinem PC wirklich viele afrikanische Musik ist, musste ich meine Ängste überwinden. Irgendwann kamen dann auch einige Leute und das Essen wurde aufgebaut. Auf einmal erschien auch Sangria auf dem Tisch, der ziemlich lecker schmeckte und besonders Harriet haute ordentlich rein. Dann gab es auch endlich etwas zu essen: Reis mit Salat und Hühnerschenkel. Sehr lecker. Zum Nachtisch gab es noch leckeren Kuchen. Nebenbei konnte man schön tanzen, aber eigentlich tanzten nur Harriet, Sarkodie und Sabrina, die anderen freuten sich zu sehen, wie Harriet langsam immer betrunkener wurde. George fühlte sich an dem Abend nicht so gut und deswegen machte er einen auf DJ. Irgendwann kam dann mal Harriets Mann rein und sah total entgeistert aus, als er Harriet da so sah, wie sie durch die Gegend tanzte. Sie war aber auch echt gut drauf! Naja, aber nur so lange, wie die Leute sie nicht vom Feiern abhalten wollten. Denn als der Strom ausgestellt wurde, war sie fuchsteufelswild und zerrte an meinem Laptop rum, nachdem sie ihr Wasserpäckchen direkt daneben abgestellt hatte. Da war es für mich vorbei und ich wollte meinen PC da einfach nur noch weghaben, weil es mir zu bunt wurde. Als ich die Kabel aus der Steckdose zog, wurde ich auch noch von Harriet angemacht und von den anderen die drumherum standen ausgelacht, aber geholfen hat mir keiner. Ich wurde so wütend, dass ich einfach gegangen bin. Wenn ich geblieben wäre, wäre ich unhöflich geworden und darauf hatte ich keine Lust. Dank Ruven ist dann auch nichts schief gegangen. Ich ging mit Gifty nach Hause, zog mich um und ging dann mit den anderen drei in die Bar und wir zockten noch eine Runde Skat und aßen Tilapia.

Der Samstag war dann auch wieder ziemlich entspannt. Das einzige was passiert ist, war, dass wir eine der Lehrerinnen besuchen gingen, weil es auch ihr Geburtstag war, aber sie war total in ihre Arbeit vertieft, deswegen gingen wir auch relativ bald wieder. Aber als sie da so an der Kasse von einer Gasstation arbeitete, kam ein Weißer an und redete fließend Twi mit ihr. Das konnte ich gar nicht fassen und zerfloss vor Neid! 😀
Am Sonntag war dann Sarks richtiger Geburtstag und wir frühstückten mit ihm und seiner Freundin. Das war richtig cool, denn, wenn man ihn in der Schule trifft, ist er meistens eher distanziert, aber bei solchen Sachen, wo man offiziell ausgelassen sein darf, ist er übermäßig sympathisch! Es war auch mal nett mit seiner Freundin zu reden, denn wir haben in den letzten 10 Monaten nur von ihr gehört, aber kein Wort mit ihr gesprochen, außer „Wie geht’s?“ und ähnliches.
Und schon ging es wieder in eine neue Woche voll mit Unterricht. Endlich hatte ich nun auch mal meinen Unterricht am Montag auf den Nachmittag verlegt und konnte die 120 Minuten Twi am Morgen miterleben. Wir schrieben einen Test. Da es aber nur um Grammatik ging, konnte ich alles ganz gut. Nur das Beschreiben von Personalpronomen (Edinnsiananmu) fiel mir gar nicht leicht. Und der eine oder andere Name für Adverben war nicht leicht zu merken, aber sonst lief es ganz gut. 😀 Ich bin relativ zuversichtlich, dass ich Twi ein wenig besser hinbekommen werde. Zwar fehlt mir immer noch extrem viel, aber ich meine dafür, dass ich erst in letzter Zeit intensiv angefangen habe mich auf die Sprache zu konzentrieren, läuft es annehmbar. Zumindest rede ich mir das immer ein… 😀

Der Dienstag darauf war dann ein wenig uncool. Denn ich rief endlich mal bei der Humboldt Uni an, um herauszubekommen, wie das nun laufen würde, aber mir wurde gesagt, dass ich etwas von mir persönliches unterschreieben sollte… Na toll, dachte ich da. Mein letzter Brief nach Deutschland hat 8 Wochen gebraucht und der blöde Anmeldezeitraum ist nur einen Montag lang. Aber wir haben eine Lösung gefunden und das ist das was zählt! Aber ich finde dennoch, dass sich Unis da was für solche Auslandsleute ausdenken sollten, um es leichter zu machen. Naja, dadurch hatte ich aber durchaus anderes im Kopf, als unterrichten, aber ich überwand mich dennoch und brachte dem zweiten Lehrjahr Deutsch bei, nachdem ich erst Boamah Nunu verjagen musste, einen Lehrer, der meine Schüler besetzt hatte. Mir ist es schon einige Male vorher aufgefallen, aber diese Person hat wirklich Probleme, denn er hat extrem oft eine Sonnenbrille auf. Am Anfang des Terms im Staffroom und in letzter Zeit auch immer zum Unterricht. Eine Sonnenbrille beim Unterrichten! Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen! Vor allem kommt in diese Unterrichtsräume auch nur kaum Licht rein. Wir müssen auch immer die Tür aufmachen, damit genug Licht im Raum ist… Und der Typ lässt einfach mal 24/7 die Brille auf. Ich frage mich, ob es Gegenden in Deutschland gibt, wo sowas gehen würde. Ich meine, geht es eigentlich noch lächerlicher? Tja, ich war glücklich, weil Mr. Cool, als ich Englisch in den letzten Unterrichtsstunden unterrichten wollte, verwundert sagte: „Oh, du hast hier schon wieder Unterricht?“ Ich sagte einfach nur: „Ja, das steht auch auf dem verdammten Stundenplan, der hier direkt vor dir im Zimmer hängt, aber mach dir nichts draus, denn wie solltest du das auch sehen mit ner Sonnenbrille auf der Nase?“  Nagut, das hab ich nicht gesagt, aber ich hab es gedacht. Ich ließ ihn „nur 30 Minuten“ meines Unterrichts nehmen, um die letzten Sachen abzuschließen und kam dann für die letzten 5 Minuten rein, um noch ein paar Zettel zu verteilen… -.-  eigentlich war es ja typisch, vorraussehbar und irgendwie lustig, aber ich fand es in dem Zeitpunnkt einfach nur ermüdend und ging home, um mal wieder ein bisschen zu schlafen, aber daraus wurde nichts, denn eine Schulinspektion wurde durchgeführt und dafür musste ich mich in die Bibliothek setzen und so tun, als ob hier wirklich was passieren würde… Ich schlief also 30 Minuten in der Bibo, bis mich Andreas aufweckte, weil die Leute gleich kommen sollten. Sie kamen, sahen und befanden die Bibliothek  als annehmbar. Eine witzige Sache noch: bevor die Leute kamen, wurde extra noch ein Computer dahin geschafft, um ein Bild von Moderne zu schaffen. Ich weiß aber nicht, ob sich irgendwer hat täuschen lassen. Ich fand es jedenfalls komplett sinnlos, aber mich hat ja keiner gefragt… 😀

Am Mittwoch dann hat der Midterm endlich angefangen. Eigentlich wollte ich ja mit Osama gehen und ihn nochmal ordentlich besuchen ohne die ganze Zeit zu pennen, aber wegen den Unis, hatte ich dafür keine Ruhe und blieb erstmal zu Hause. Milicent kam an diesem Tag auch wieder aus dem Krankenhaus und brachte ein kleines Würmchen mit sich, welches da Maame Abena hieß. Also am Dienstag geboren. Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass sie übermäßig süß war! Wir gehen hier auf Babies ja sowieso schon ab, aber so klein und so süß, da kommt nur Serwaa ran, die Tochter von Harriet, meine 10-monatige, ghanaische Freundin 😀

Den Rest des Midterms chillten wir eigentlich nur und ich ging noch einige Male ins Internet, um mich um mein Studium zu kümmern. Wir entdeckten die Ceci’s Fufubar für uns, denn da gab es Fufu in rauen Mengen und dazu Bier zu einem Preis, der seinesgleichen noch finden muss! Am Freitag war ich nach Ceci’s Bar auch noch bei Andrew, konnte ich aber vor lauter Fufu (ich hatte für etwa 2,50 Cedi gegessen, während die anderen nur einen Cedi gegessen hatten) nicht mehr laufen oder mich anderweitig bewegen, also schlief bei ihm fast ein. An diesem Tag hatten wir dann auch nach Ewigkeiten mal wieder von Daniel gehört, der sich 2 Wochen lang nicht mehr gemeldet hatte. Ruven fühlte etwas, das ich mal Angst um ihn nennen würde. Zurecht! Denn Daniel war nach Accra gefahren und es hätte alles passieren können. Der Bus hätte einen übermäßigen Unfall haben können und Daniel hätte tot sein können, ohne dass wir davon mitbekommen hätten. Aber nichts davon ist passiert. Alles ist cool, besser als cool eigentlich, denn seine Firma, die ja Examen entwickelt, arbeitet nun für die Regierung scheinbar ghanaweit. Er hat es noch nicht bestätigt, aber es wäre echt richtig geil für ihn. Das würde vor allem nicht nur seiner Firma finanziell helfen, sondern auch den ghanaischen Schülern, denn es gäbe viel mehr Vergleichsarbeiten, die zeigen können, ob man auf dem Laufenden ist.

Am Samstag bin ich dann endlich mal wieder seit Ewigkeiten Volleyball spielen gewesen. Diesmal im Komfo Anokye Teaching Hospital, dem größten Krankenhaus meiner Region. Ein riesiger Komplex aus mehrstöckigen Häusern, die aber allesamt verkommen sind und an den Rändern schimmeln. Naja, der Sportplatz war ganz nett. Coolerweise waren die Häuser um den Sportplatz mit vielen Fensterscheiben verkleidet. Ziemlich sinnvoll. Etwa ein Viertel der Scheiben war auch schon zerborchen. Wir schafften es auch eine Schreibe zu zerdeppern. Der Ball traf aber auch perfekt und „klirr“… 😀 aber wir ließen uns nicht beirren und spielten weiter. Es machte Spaß, auch wenn ich eine Weile brauchte um wieder reinzukommen. Danach war ich aber ziemlich fertig und hatte auch einige kleine Wehwehchen. Aber ich kaufte danach noch ein bisschen was ein. Das Einkaufen geht jetzt auch fast größtenteils auf Twi, was ziemlich genial ist und die Leute freut. Ich bin zum Beispiel in einen Laden reingegangen und wollte ein Messer kaufen. Ich hatte aber nur noch einen Cedi und davon brauchte ich 40 Pesewas für das Trotro nach Hause. Ein Messer kostet leider auch etwa einen Cedi, also war ich eigentlich auf verlorenem Posten. Tja, bevor ich also in den Laden eintrat, lachte eine Frau die andere aus, weil sie mich gleich bedienen musste und sie dachten, dass ich Englisch sprechen würde. Das ist hier oft ein Grund, dass Leute zu viel Respekt vor einem haben, denn sie sind dieser Sprache nicht mächtig. Tja, da ich aber mit „Ete sen?“ ankam, lachte nun die vorher ausgelachte und als ich nach einem Messer fragte, sagte sie nur „Fa ko!“ („Nimm und geh!“) Ich musste nichts bezahlen und freute mich tierisch.

Der Nachmittag war dann mehr als nur Besonders, denn zum Geburtstag bekam Sabrina von uns ein Mangodinner. Das heißt: Mangosuppe (viel Chilli, Tomten und Mango gemixt und zusammen mit Wasser erhitzt, richtig geil und absolut zu empfehlen!), Mangoreis mit Hühnerschenkel (in Chilli eingelegte unreife Mangowürfel mit Reis in der Pfanne gekocht, lecker) und last but not least Mangosorbet (gemixte, reife Mango mit einer Melonenstückchendecke, absolut einfach, aber unglauchlich lecker). Ach ja, zum Reis wurde ein Salat gereicht: Salatblätter, Zwiebel, Tomate, Mangodressing. Das war alles so verdammt lecker, ich fasse es immer noch nicht! Und letztendlich war es auch gar nicht mal sooo teuer. Ich glaube 22 Cedi. Also etwa 11 Euro. Für 4 Personen…

Verständlich, dass danach gar nichts mehr ging. Ich bin verwundert, dass ich das Abwaschen noch hinbekommen habe, was diesmal echt viel war, da wir wirklich fast jedes Stück aus unserer Küche dreckig gemacht hatten… Naja, danach rollte ich nach Hause und schlief bis spät in den nächsten Morgen. Erst gegen acht wurde ich munter und schleppte mich gegen halb neun zur Schule, um da von ein bisschen Bananenmilkshake begrüßt zu werden. Auch sehr lecker und absolut einfach! 😀

Nach all diesem Gaumenschmaus konnte der Sonntag nicht Besonderes mehr enthalten. Wir chillten und schafften so wenig wie möglich. Auch der Montag danach war kein glorreicher Tag, denn wir hatten immer noch Ferien. Abends machte ich mich dann langsam und unwillig für eine mögliche Unterrichtseinheit bereit, aber eigentlich hatte ich keine Lust und glaube auch nicht daran, dass es wirklcih Unterricht geben würde, denn nach den Ferien dauerte es ja immer ewig, bis endlich mal wieder genug Leute da sind. Ich hatte in dieser Nacht sogar den Albtraum, dass absolut alle Schüler da sind. Schrecklich, nicht wahr?

Naja, letztendlich kam es nicht ganz soweit. Ruven und ich machten die Bibo auf und ließen alle unbeaufsichtigten Schülerlein darin sitzen und ihre Sachen vorbereiten. Aber sehr viele nutzten diese Möglichkeit nicht. Kelvin Osei Enoch kam noch einige Male zu mir und fragte mich nach Vokabeln. Sowieso habe ich diesen Schüler immer wieder gern, denn er ist ruhig, arbeitet fleißig und probiert es wirklich. Er ist zwar nicht der Beste, aber er hat immer ziemlich kluge Ideen. Er wird auf jeden Fall einer derjenigen sein, die ich extrem vermissen werde.

Am Nachmittag hab ich mich dann sogar noch zum Englisch unterrichten überwunden und es lief auch halbwegs zufriedenstellend. Endlich mal wieder!

In dieser Zeit kam auch Albert, der Gründer unserer Schule nach Kumasi und am Abend seiner Ankunft gingen wir zu ihm und unterhielten uns ein wenig über die Schule und Deutschland und alles. Er offerierte Merci, welches total zerschmolzen war, aber da es Schokolade ist, konnte ich mich kein bisschen zurück halten und hörte erst auf die schlemmen, als auch das letzte Stückchen verschwunden war.

Am Mittwoch, den 22.6. hatte ich wieder mal keinen Unterricht und so ging ich mit Ruven zusammen in die Stadt und wir kauften einige Souvenire. Das war ganz witzig und ich bin ganz zufrieden mit dem was wir besorgt haben. Auf dem Rückweg stiegen wir in Ohwimase aus und holten uns noch einen Waduro zum stampfen von Fufu. Endlich hatten wir also unseren eigenen. Jetzt trennte uns nicht mehr viel von der Fufuaktion ohne Ghanaer. Denn unser Plan ist es in Deutschland Fufu zu stampfen und eventuell sogar ein wenig zu verkaufen, aber da wir an diesem Tag keinen Woma bekamen, konnten wir noch nicht beginnen.

Aber am nächsten Tag sollte es dann soweit sein. Doch bevor wir auf die Idee kamen Fufu zu stampfen war erstmal die langersehnte Eröffnung des Kindergartengebäudes neben unserer Schule. Der eigentliche Grund, warum Alber nach Ghana gekommen war. Die Leute hatten schon vor unserer Anreise mit dem Bau begonnen und nun waren sie endlich (fast) fertig. Die beiden Tage zuvor hatten sie noch ohne Unterlass gearbeitet, strichen sogar noch unsere Schule und ebneten die regenzerfressene Straße, die jetzt nicht nur extrem breit, sondern auch schön glatt ist. Aber da wir uns in der Regenzeit befinden, sind schon wieder die ersten paar Furchen zu sehen.

Naja, am Donnerstag jedenfalls, sah alles relativ annehmbar aus. Es wurden am Morgen noch Girlanden aufgehangen und Zelte aufgebaut unter denen die Leute auf Plastikstühlen sitzen würden. Ziemlich festlich! Das Programm war auch recht lustig und da es eine Eröffnung von einem Kindergartengebäude war, spielten Kindergartenkinder eine große Rolle: sie gaben die Eröffnungs- und Schlussgebete zum Besten, sie sangen Lieder und tanzten. Natürlich war nichts perfekt, aber das war, was es so schön machte, weil es endlich mal nicht so zwanghaft war. Wir waren als Platzanweiser eingeteilt, aber da wir nicht wussten, wer wichtig und wer nicht war, hatten wir praktisch nichts zu tun, weil wir die ganze Zeit nur hilflos rumstanden und Programmzettel verteilen wollten. Naja, Albert hatte zwischendurch auch eine schöne. Ergreifende Ansprache, die Spaß machte, sich anzuhören, auch wenn wir nur kaum etwas verstanden, denn es war Twi… 😀

Als die Messen dann halbwegs gesungen waren, gingen Ruven und ich nochmal nach Ohwimase und versuchten an einen Woma ranzukommen, aber es gab nichts. So mussten wir uns erstmal mit dem von Harriet begnügen. Anfangs war es noch ein bisschen durcheinander, weil ich die Erdnusssuppe ein bisschen anders zubereiten wollte, als Ruven, aber als er dann das Ruder in die Hand nahm, ging alles gut. Wir nahmen ein bisschen zu viel Tomate, weswegen die Suppe zu sehr danach schmeckte und wir gaben nicht genug Salz hinzu, aber dafür, schmeckte es am Ende großartig, weil wir wirklich alles selbst gemacht hatten. Das Stampfen war dann ein wenig blöd für Ruven, weil einige Schüler zuschauten und ihn dumm machten. Mir gaben sie glücklicherweise nur konstruktive Hinweise, sodass ich lernte und Ruven… naja, der bekam Blasen. Für jeden Finger eine. Echt krass. Am Ende war der Stampfer auch blutig, aber da wollte er durch. Das Ergebnis war mit Fufu zu vergleichen, aber abgekauft hätte uns das Zeugs sicherlich keiner, da es noch an einigen Ecken und Enden hätte besser zubrereitet werden können. Aber es war uns egal, es schmeckte großartig! Für mich war es natürlich, wie so oft, zu wenig, aber es war geil endlich mal nach so langer Zeit Fufu komplett ohne ghanaische Hände zuzubereiten. Denn normalerweise nehmen sie einem irgendwann den Sitz zum Wenden, oder den Stock zum Stampfen weg. Aber so war es echt geil und ich weiß genau, dass sowas noch öfter passieren wird! Jetzt, einen Tag später, habe ich auch richtig Lust wieder Fufu zu stampfen, aber da Ruvens Hände noch nicht wieder intakt sind, müssen wir wohl noch ein wenig warten… ;D

Und heute ist nun Freitag, der 24.6.2011. Nunr noch 36 Tage bis Josi kommt. Noch 60 Tage, bis ich nach Hause fliege. Und noch 61 Tage bis ich Deutschland wieder sehe. Das sind genau 2 Monate… Ich freu mich auf das, was da noch kommt! 😀

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#15

So jetzt mach ich mich mal wieder an einen neuen Blogeintrag, denn es ist schon bald wieder einen Monat her, dass ich den letzten Blog online gestellt hab. Allerdings hat Ruven mir geraten vielleicht weniger Zeit zwischen den unterschiedlichen Blogs verstreichen zu lassen. Mal sehen ob ich das jemals hinbekommen werde… Wohl eher nicht, dafür bin ich eindeutig zu faul! Aber los geht’s! Heute ist der 29.5. und damit ist die Ankunft von Josi nur noch 2 Monate weg. Noch 62 Tage. Das zeigt mir, dass meine Zeit abgelaufen ist. Ich werde sicherlich mit diesem Eintrag zusammen nur maximal noch 4 Einträge online stellen. Es ist doch wirklich unglaublich! Tja, dieses Thema steht besonders bei mir und Ruven jetzt immer mehr im Mittelpunkt. Letztens hatte Ruven mal seinen Kalender rausgeholt indem er jeden verstrichenen Tag abgestrichen hatte… Wow, da war echt nicht mehr viel da. Vor allem ist jetzt jede Woche irgendein besonderes Ereignis. Mal hat jemand von uns Geburtstag, dann kommt ein Bekannter, dann sind Midterm-Ferien. Ich muss auch sagen, dass ich mich schon richtig wieder auf Deutschland freue! Durch den Besuch meiner Eltern wurde ich wieder an so viel erinnert. Ich würde das Gefühl aber nicht als Heimweh bezeichnen, denn die Zeit hier fehlt mir jetzt schon, aber ich merke, dass mir der Abschied hier vielleicht nicht so schwer fallen wird, weil ich mich einfach schon auf so viele Sachen im guten alten Deutschland freue. Aber auch über dieses Thema haben wir schon viel geredet und sicherlich idealisiert man hier drüben auch vieles, wie bei so vielem was man nicht hat. Sicherlich wird jedem von uns der Einstieg zurück ins alte Leben auf die eine oder andere Weise sehr schwer fallen. Aber intakte Straßen und Fahrrad fahren werden mir sicherlich von Anfang an sehr gut gefallen! 😀 Naja, noch ist es ja auch noch nicht so weit. Noch hab ich ja die besagten 62 Tage bis Josi kommt und dann sind es ja auch nochmal 3,5 Wochen. Also, wo hab ich beim letzten Blogeintrag aufgehört? Meine Aufzeichnungen verraten mir, dass ich am 9. Mai weitermachen sollte. Hierbei handelt es sich um einen Montag und zwar war dieser Montag der erste halbwegs richtige Schultag. Das heißt aber nur, dass alle Lehrer da waren, aber die Schüler ließen wie gewöhnlich auf sich warten. Ich glaube in meiner Montagmorgenklasse waren 2 von 20 Schülern da. Leicht niederschmetternd, aber da ich diese Klasse abgeben wollte, zuckte es mich nicht so sehr. Warum wollte ich diese Klasse abgeben? Tja, das ist einfach. In der Examenszeit hat es zu viele Beschwerden begeben und ich habe bemerkt, dass ich überhaupt nicht das unterrichtet hab, was eigentlich hätte unterrichtet werden müssen. Aber dafür habe ich einen relativ guten Grund, denn es gibt keinen Unterrichtsplan für mein Fach an unserer Schule und wenn ich nachgefragt hab, was ich unterrichten soll, dann wurde mir nur gesagt, dass ich unterrichten soll, was ich für richtig halte… Toll, das hab ich gemacht, wurde enttäuscht und hab jetzt andauernd ein total schlechtes Gefühl, wenn ich in die Klasse gehe, weil ich mich komplett inkompetent fühle. Also hab ich in dieser Woche dem Headmaster geflüstert, dass ich diese Klasse nicht mehr unterrichten will. Aber soweit sind wir ja noch gar nicht, denn an besagtem Montag beredeten wir einfach nur die End of Term Examinations und redeten so ein bisschen über die Ferien. Eigentlich hätte ich noch Deutsch mit dem dritten Lehrjahr gehabt, aber da Samspon der einzige Schüler war, der da war und dieser auch noch von einem Lehrer zum Arbeiten geschickt wurde, fiel Deutsch aus und ich war angepisst, weil ich wie ein Trottel dastand. Das dritte Lehrjahr ist übrigens halbwegs neu. Das sind die Leute, die letzten Term ihre Attachments, also eine Art Praktika hatten. Jedoch haben die wenigsten die 3 Monate wirklich durchgezogen. Eine hat sogar erst diesen Term ihre Chance bekommen, aber dafür arbeitet sie jetzt in der Cateringabteilung des Golden Tulips, einem selbst für europäische Verhältnisse teuren Hotel. Ich glaube da bezahlt man pro Nacht auch gut und gerne mal über 100 Euro und das sind dann auch eher die dankbaren Zimmer. Auf jeden Fall hat sie echt den Jackpot mit dieser Anstellung geknackt. Naja, den restlichen Tag haben wir dann noch mit Schülern gechillt und uns gefreut, dass wieder mal ein paar von den Leuten da sind! Am Abend war dann, wie um zu beweisen, dass die Schule wieder losgeht, der Strom weg. Allerdings konnte die Schule nichts dafür, denn es war ein dorfweiter Stromausfall, der auch mehr als nur einen Tag hielt. Ich glaube wir hatten erst Mittwoch wieder Strom… Naja, dann ging es auf in den nächsten Tag. Der war dann auch gleich ein bisschen viel für mich. Ich weiß, dass es für europäische Verhältnisse lächerlich ist, sich zu beklagen, aber die 5 Stunden hatten mich schon mitgenommen. Das erste Lehrjahr am Morgen war ja noch relativ entspannt. Dann musste ich aber das zweite Lehrjahr für meine Deutschstunde aus den Betten holen, was mich schon ein bisschen aufregte, aber wenigstens konnten wir dann die Examen besprechen. Hier mal eine kleine Nachricht zwischendurch: mein PC ist gerade wegen Strominsuffizienz ausgegangen und somit habe ich die letzten 15 Minuten Text verloren. Das hat zur direkten Folge, dass die Zeilen, die ich stattdessen schreiben werde nicht so gut sein werden… -.- naja, ghana be dat, right? Also fahren wir fort. Wir hatten also Deutsch und das war schön und gut, obwohl wir nur die Hälfte der Unterrichtszeit wirklich benutzen konnten. Dann war erstmal Pause und ich bereitete mich seelisch und moralisch (zum zweiten Teil der Vorbereitung gehört in letzter Zeit doch einiges…) auf den Unterricht vor. Als es dann soweit war, setzte ich mich in den Klassenraum und wartete. Für 10 Minuten… ohne auch nur eine Spur von meinen Schülern. Also ging ich mal los, um Schüler fangen zu gehen. Und ich wurde auch schnell fündig. Ein Exemplar ruhte sich auf der Tischtennisplatte aus, ohne einen Gedanken an Englisch zu verschwenden. Ist ja so kein Problem, aber nicht wenn ich als Austausch dafür, wie ein Versager alleine im Klassenzimmer sitzen muss. Also redete ich ganz freundlich mit ihm und bat ihn doch bitte die anderen Schülerlein zu holen, damit wir ganz fein lernen können. Er hüpfte dann ganz geschwind los und machte sich auf die Suche nach seinen Artgenossen. Ich ging zurück in mein Klassenzimmer und spielte noch 30 Minuten Versager, bis dann endlich mehr als 0 Schüler in meinem Klassenzimmer waren. Man kann sich vorstellen, dass ich ein wenig von der ganzen Scheiße genervt war, aber, professionell wie ich versuche zu sein, brachte ich einfach alles zu einem schnellen Ende. Kein Problem, wenn die Schüler keine Fragen haben, sich sowieso nicht richtig dafür interessieren, weil sie mit dem Thema Abschlussarbeit abgeschlossen hatten. Und hier mal ein kurzer Abschnitt über Schüler: die haben echt einen Hang dazu sinnlosen Mist zu verzapfen! Wie komme ich zu einer solchen Aussage? Naja, etwa eine Woche später, es waren dann schon mehr als nur 20 Schüler in der Schule, begannen Schüler zu streiken, weil sie immer noch keinen Schulbus, keine Schuluniformen und Sportgeräte hatten, die sie doch schon im Term zuvor bestellt hatten. Es ist aber auch unverschämt, dass sich unsere Schule um solche wichtigen Sachen nicht kümmern kann! So können sich unsere armen Schüler vor ihren Freunden nicht mit vorgetäuschtem Reichtum brüsten. Die Schüler wollten übrigens nicht mal im Ansatz über die Lehrer reden, die noch nicht richtig unterrichtet hatten. Denn sowas wie Wissen ist doch, wie jeder weiß, an Schulen komplett nebensächlich. Schulen sind ein Ort, an dem junge Menschen zusammenkommen, um sich über schwachsinnige Sachen zu unterhalten und… egal, ich höre auf, sonst merkt noch jemand, dass ich hier gerade versuche ironisch zu sein. Eine Sache nur noch: bei all meinen Worten kommt mir sofort einer meiner alten Lehrer in den Sinn, der schon immer predigte, dass Schüler nerven. Und das hat nichts mit Verständnislosigkeit zu tun, das ist schlicht und einfach Empirie (ja, diesmal hab ich es richtig geschrieben! :D). So kam ich also gequält und über den Sinn des Lehrerlebens sinnend nach Hause und legte mich hin und schlief sofort ein. Da der Strom noch immer weg war und es dunkel wurde, entschied ich mich zur Schule zu gehen, weil die interessanterweise Strom hatten. Dort wollte ich auch schön mein Handy aufladen. Also nahm ich mir mein Ladegerät mit und bemerkte beim Aufladeversuch, dass ich irgendwie mein Handy vergessen hatte. Das war gar nicht mal so gut von mir. Aber so schlimm war es im Endeffekt gar nicht, denn so konnte ich mich schön mit Davida und Lucy unterhalten, was ich schon ewig nicht mehr gemacht hatte. Um genau zu sein, hatte ich mit Davida das letzte Mal normal geredet als ich mit ihr, Ruven und Sarkodie zu dem Radiosender gefahren war. Und das ist jetzt schon etwa ein halbes Jahr her. So wurde ich freundlicherweise auch sofort von ihr in die Kirche eingeladen. Dem muss ich wohl oder über nachkommen. Naja, bis jetzt hab ich es schon verhindern können, aber nächste Woche werde ich wohl nicht drumrumkommen… Außer ich bekomme Malaria… hm… das lässt sich regeln 😉 Egal, ich erfuhr sehr interessante Sachen, denn Davida verriet mir, dass sie in einem bestimmten europäischen Land geboren war. Aber ich konnte es ihr einfach nicht glauben. Oder hättet ihr gedacht, dass eine komplett schwarze Person aus Ghana in Russland geboren sein könnte? Ich kam damit gar nicht zurecht und sagte ihr, dass sie lügt. Aber die beharrte so sehr darauf, dass ich mehr erfuhr: ihr Vater war für 4 Jahre da, weil er dort irgendeine Art Business hatte. Das klingt dann schon ein bisschen einleuchtend, aber ich kann es auch heute noch nicht fassen! Aus Russland!!! Eine Ghanaerin! Egal, nebenbei ärgerte ich Lucy noch ein wenig wegen ihrer anstehenden Hochzeit, die am 29.5. stattfinden sollte. Ja, das war heute, aber von dem ganzen Spaß erzähle ich euch lieber, wenn die Zeit gekommen ist. Naja, danach ging ich zu Ruven und wir spielten mit den anderen beiden noch ein wenig Karten und gingen dann schlafen. Der nächste Tag war dann schön und ohne Probleme. Ich hatte keinen Unterricht und konnte mich somit super zurücklehnen. Ruven und ich chillten uns den ganzen Tag in den Staffroom und verhielten uns pubertär. Ich zumindest 😀 Am Abend machte ich dann mal wieder mit Gifty Plamnusssuppe, die wir dann zwei Tage später mit Fufu aßen. Durch diese ganze Entspannung hatte ich dann wieder genug Kraft geschöpft, um den nächsten Tag zu überstehen. Morgens hatte ich erstmal eine absolut krasses Motivationstief. Ich hatte gar keine Lust ins Klassenzimmer zu gehen, aber als ich dann erstmal da stand, ging es schon irgendwie, auch wenn ich mir zwischendurch einfach nur wünschte, mich hinlegen zu dürfen und zu schlafen. Danach richteten wir ein bisschen unsere Bibo ein. Das heißt, ich versuchte nicht komplett auf der Couch einzuschlafen, während Ruven arbeitete. Dann musste ich noch meine letzte Stunde unterrichten. Die verlief eigentlich auch ganz nett, bis dann ein Taxi mit extrem aufgedrehten Boxen an unserem Klassenzimmer vorbeifuhr. Einer meiner Schüler, Baba Seidu, fühlte sich davon beeinflusst mal nach draußen zu gehen und seine Meinung zu der ganzen Sache kundzugeben. Daran ist sicherlich auch nicht so viel falsch, wenn da nicht zwei, nein drei Sachen wären. Erstens sollte er das nicht tun, wenn ich es ihm nicht erlaube. Da die Stunde aber so gut wie vorbei war und ich nur noch schnell die letzen paar Worte an die Tafel kritzeln wollte, war es mir einfach egal, ob er nun rausgeht oder nicht. Zweitens hätte er vielleicht freundliche Worte verwenden sollen und den freundlichen Herren nicht sagen sollen, dass sie sich wie Dorfkinder verhalten. Und drittens ist es doof, wenn es sich nicht um drei freundliche Herren, sondern um drei muskulöse, betrunkene Dorfkinder handelt. Also Kinder waren sie nicht mehr, sondern schon so um die 25 und deswegen ließen sie sich ungern was von einem Schulkind sagen. Heute hatte ich aber herausgefunden, dass Baba schon 22 ist, aber das nur am Rande. Naja, auf jeden Fall merkte Baba, dass es vielleicht unklug war, was er getan hatte und ging zurück in den Klassenraum, aber die Beschimpften folgten ihm und standen da auf einmal in meinem Unterricht und bewarfen Baba mit vielen scharfen Worten. Tja, ab hier wurde es dann interessant. Ich bat sie doch bitte zu gehen, aber die hörten mich nicht mal. Könnte am Unvermögen liegen Englisch zu sprechen, oder daran, dass sie mich nicht ernst genommen haben, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wurde ich ziemlich ungeduldig und hatte auch nicht so richtig Bock auf Stress, sodass ich den aggressivsten der drei ein wenig nach draußen geschubst habe. Der hat mich daraufhin mit einem finsteren Blick bedacht und hätte sicherlich auch bald zugeschlagen. An dieser Stelle wurde ich gerne von meinen Heldentaten erzählen, wie ich die 3 Dorfatzen auf ihre Plätze verwiesen habe oder wenigstens, wie ich zusammengeschlagen wurde, um meinen Schüler zu verteidigen, aber nichts von alledem ist passiert. Daniel Addo, ein Lehrer, kam vorbei, bemerkte, dass es Beef gab und schlug sich denn Bauch voll. Haha nein, nicht witzig,.. -.- er beschwichtigte den ganzen Stress und keiner wurde an diesem Tage verletzt. Das heißt, dass vielleicht noch irgendwer irgendwie irgendwelche Leute zusammengesucht hat, um die andere Seite zusammenschlagen zu lassen. Aber wenn irgendwas in der Richtung passiert ist, dann habe ich davon nichts mitbekommen. Baba, der klein und schmächtig ist, hat aber angedeutet, dass die Leute von eben noch was davon haben werden… Und damit wurde nie wieder über dieses Thema gesprochen. Naja, als ich dann zu Hause war, schlief ich und hoffte, dass ich den Stress des Tages überstanden habe. Tja, da es aber keinen Gott gibt, kam noch mehr: ein Anruf meiner Eltern, dass ich keinen sinnvollen Rückflug nach Deutschland bekomme und wir deswegen einen komplett neuen Flug buchen müssen. Das erste Angebot von British Airlines lag auch nur bei lächerlichen 900 Euro für einen einzelnen Flug. Das ist doch mal ein gerechtfertigtes Angebot, wenn man bedenkt, dass ich fast das gleiche für Hin und Zurück bezahlt hatte… Auf jeden Fall war das alles ein ziemlich harter Schlag ins Gesicht, von dem ich mich nicht so schnell erholte. Tatsächlich schaffte ich es aber noch mich aus der Wut herauszuziehen und nahm noch an der Hälfte des Radioprogramms teil. Danach war dann einfach nur noch Stress angesagt. Ich wollte alles endlich geklärt haben, aber dafür musste ich noch einige Tage warten. Hätte ich am nächsten Tag Unterricht gehabt, dann hätten meine Schüler nicht so viel davon gehabt, da bin ich mir sicher! Stattdessen aber hatte ich an besagten Freitag nichts zu tun, sondern legte mich in den Staffroom um zu merken, dass ich nicht schlafen konnte. Ich versuchte mich auch an einer Runde Blogschreiben, aber alles was dabei herausgekommen war, war das: So, mir ist gerade richtig langweilig. Ich hab es probiert mit einem Film, mit einem Spiel und mit lesen. Nichts von allem hat mich erfüllt. (Arbeit steht natürlich völlig außer Frage, da das Anstrengung bedeuten würde!) Also schreibe ich jetzt einfach ein bisschen Blog, um mir später das Blogschreiben erleichtern zu können und nicht gleich über einen ganzen Monat schreiben zu müssen. Naja… Mal sehen hm hm hm. Also erst vor 5 Tagen hab ich einen Blog online gestellt und fange somit gleich mal am 9.5. an. Dabei handelt es sich um meinen ersten richtigen Schultag nach den Ferien. Zum Staffmeeting letzten Freitag wurde viel besprochen Mehr schaffte ich an diesem Tag auch nicht. Ich ging noch zur Uni, um einige Dinge zu klären, aber danach gab es nur noch eine Option und die hieß Bett. Am nächsten Tag gingen wir dann zur Polytechnic, um Volleyball und Basketball zu spielen. Aber bei mir wollte es einfach nicht so recht laufen. Somit habe ich dann auch einfach den Rest des Tages gechillt und am Abend war dann die Bar angesagt, da haben wir auch Jackson mal wieder getroffen und ich hab mich ne Weile mit ihr unterhalten und dabei herausbekommen, dass ihr Vater die Person ist, die hier im Dorf einen Pharmaziekonzern hat. Naja, war also alles nicht so besonders, aber ich glaube, dass ich an diesem Tag noch von meinem Vater gesagt bekommen habe, dass sie einen preiswerteren Flug haben und von Torsten hab ich einen neuen Flugtermin bekommen, der sich aber nicht mit meinen Plänen deckte. Pech gehabt. Also fliege ich jetzt mit Air Portugal nach Hause. Am 23.08.2011 um 23:45 oder so. Das heißt für mich noch einen extra Tag alleine in Accra… Mal sehen was ich da mache. Sicherlich all mein Geld verprassen und vielleicht mal Keykey besuchen. Accra steht mir offen! Naja, jetzt hab ich auch knallhart fast eine ganze Woche beschrieben und werde erstmal schlafen gehen, weil ich müde bin und es schon echt spät ist: 21:22 Uhr!!! 😀 So ausgeschlafen und weiter geht’s! Der nächste Tag war ein Sonntag und eigentlich hatten wir mit Eric ausgemacht, dass wir mit ihm zusammen in die Kirche gehen. Das Besondere daran ist, dass er ein Zeuge Jehovas ist und das somit recht interessant geworden wäre. Aber seine Freundin ist kurzzeitig krank geworden und er unterrichtete uns davon erst relativ spät. Doch letztendlich waren wir glücklich, weil wir eigentlich gar keinen Bock auf Kirche hatten. Es ist krass, was man da für eine… ja ich würde es fast Angst nennen, entwickelt! Tja, also haben wir stattdessen einfach gechillt und ich hab noch ein wenig gewaschen. Nach einem kleinen, feinen Film bin ich in die Uni gegangen und dann ins Bett. Ein schön entspannter Sonntag also. Auch der nächste Tag war nicht besonders, wie auch, die Schule hatte ja wieder angefangen und alles was man da machen kann, ist unterrichten, abwaschen und vielleicht mal Volleyball spielen gehen. Naja, an diesem Montag musste ich dann doch nochmal die Second Years unterrichten, weil kein Lehrer für die Leute da war. Aber ich hoffte immer noch, dass jemand kommen würde und mich erlösen würde. Deutsch war dann auch eher semiproduktiv, weil Sylvester wieder da war und nervte! Schrecklich! Er weiß einfach nicht wo Schluss ist und wundert sich dann, wenn man mit der Situation unglücklich wird. Mir ist echt lieber, wenn er einfach nicht kommt, da kann man wenigstens ordentlich Unterricht machen, ohne das jemand die ganze Zeit lacht und labert. Naja, an diesem Tag war es nicht so und ich schaffte kaum etwas. Naja, an diesem Tag hatte ich dann auch die Idee, dass ich mal das Glas, was in meinem Zimmer liegt für die Fenster zurechtschneiden sollte. Ich probierte es und nach 30 Minuten an einer einzigen Fensterscheibe gab ich auf, denn es klappte einfach nicht so wie ich es wolle. Besonders weil ich mich bei der einzigen Scheibe, bei der ich was abschneiden konnte, um einen Zentimeter vertan hatte und die ganze Arbeit für umsonst war. Tja, was solls, dachte ich mir und ging zu Andrew und chillte ein bisschen bei ihm. Das war er dann auch wieder, der Tag. Der darauffolgende Dienstag war dann irgendwie richtig nervig. Am Morgen haben die Schüler erstmal gestreikt. Lächerlich! Aber dazu habe ich meine Gedanken ja schon geschrieben, also weiter im Text. Auf jeden Fall ist dadurch die Hälfte meines Unterrichts ausgefallen, wodurch ich dann schon ein wenig ungehalten war und das ließ ich meine Schüler spüren! Ich meine letztendlich bin ich doch genauso glücklich, wie die Schüler, wenn unterricht ausfällt, aber es nervt mich halt um ihretwillen. Aber ich überstand den ganzen Mist ganz gut und bereitete danach noch ein bisschen meinen Unterricht für den restlichen Teil des Tages vor. Deutsch fiel aus, weil meine Schüler nicht aufzufinden waren. Das fand ich nicht cool und ich hätte es sie fast spüren lassen und hätte fast einen Test über das geschrieben, was ich in dieser Stunde drangenommen hätte, aber dann habe ich herausbekommen, dass die meisten von ihren Lehrern für irgendwelche Arbeit eingespannt wurden. Während ich da so saß und ziemlich unglücklich war, dass sich keiner für mich interessiert, kamen Sylvester, Sampson und Ike vorbei und fingen an mich zu belagern. Kein Problem dachte ich mir… Lass sie doch ein wenig von den Süßigkeiten haben, die ich sonst meinem zweiten Lehrjahr gegeben hätte. Kaum hatte ich es gedacht, gab ich jedem auch ein Maoam. Eins, weil ich jedem nur eins geben wollte… Aber ich hatte vergessen, dass es sich um nervige, kleine, zurückgebliebene und selbstgerechte Kinder handelte, also griff Sylvester so dermaßen tief in die Süßigkeitentüte, dass er locker die Hälfte in seinen Händen hatte. Danach steckte er sich diese vollen Hände in die Taschen und lachte mich an. Daraufhin war ich echt kaum noch zu bändigen! Ich meine, wie unverschämt kann man eigentlich sein? Ich krempelte seine Hosentaschen um, sodass alles rausfiel und ich die Maoams nehmen konnte. Währenddessen griffen die anderen beiden natürlich nochmal ordentlich zu. Eine Lektion habe ich gelernt: sowas, wie eine Freude machen zu wollen ist absolut nicht möglich bei denen. Ich meine das waren nur drei und die haben mich trotzdem absolut fertig gemacht. Nach der Englischstunde war ich dann einfach nur noch endgenervt. Ich ging also nach Hause und entspannte mich, aber nur um fertig zu werden mit Harriet Fufu zu pounden. Das war eigentlich nett geplant, aber durch ein paar unglückliche Zufälle poundete ich Fufu für uns alle, aber außer mir hatte dann keiner Hunger. Also blieb ich auch allein auf den Kosten sitzen. Naja, was solls… Ich hab an diesem Tag gepoundet, wie noch nie zuvor, sodass meine Arme richtig gut schmerzten. Deswegen war die Belohnung des Essens danach auch umso großartiger! Die Reste verteilte ich dann an ein paar Schüler und Lehrer… So verkam wenigstens nichts. Da Harriet mich lobte, war ich auch gleich doppelt glücklich, weil sie Fufu-Mama ist und fast jeden Tag Fufu isst und daher echt Ahnung von Fufu hat. Also bin ich jetzt offiziell also Fufupounder ausgebildet und kann mit Ruven zusammen in Deutschland Fufu stampfen! Und vielleicht sogar ein wenig verkaufen! Das wäre es einfach nur! 😀 Aber soweit sind wir noch nicht… Denn am nächsten Tag war ich wieder komplett im Schulalltag und bereitete mein ganzes Schulzeugs vor. Lief immer hin und her, besorgte Zeugs für den einen oder anderen Lehrer, denn die waren aufgeregt, da sie geprüft wurden und damit ihre Ausbildung beendeten. Tja, ich hatte mir hier noch eine „Negativerfahrung“ aufgeschrieben, weiß aber gar nicht was so passiert ist… Sicherlich einfach nur Lehrer, die nerven, weil sie was wollen und man sich nicht schnell genug um sie kümmert, wie es hier so oft der Fall ist. Am Nachmittag hat sich dann Daniel mal wieder gemeldet und nach Geld gefragt, weil er nach Accra gefahren war und dann kurzfristig doch noch eine Woche länger bleiben musste. Also gingen Ruven und ich zur Uni und schickten ihm per Handy 20 Ghana Cedi. Das das überhaupt geht, finde ich schon echt geil! Man hat wohl einfach ein Handykonto und ein Passwort, das man sich selbst ausdenkt und kann da ohne Geldverlust Geld hin und her schieben. Echt nice, weil man immer Geld dabei hat! Dann kam wieder ein Donnerstag und hier hätte ich echt ausrasten können. Bin ich auch, aber erstmal der Grund dazu. Ich habe ja dem Headmaster vor mehr als einer Woche gesagt, dass ich das zweite Lehrjahr nicht mehr unterrichten möchte, aber dieser hat keine Möglichkeit gesehen und gesagt, dass kein Lehrer zur Verfügung steht. Und hat dann gesagt, dass ich besser als gar kein Lehrer wäre. Da ich schon tausendmal gesagt hatte, dass ich die nicht unterrichten will, beließ ich es einfach dabei. Aber ich war außer mir! Ich meine im ersten Term habe ich Englisch auch nicht unterrichtet und da hat es auch geklappt. Jetzt muss ich es aber behalten… Da kann doch was nicht stimmen! Alter, als ich aus dem Headmasterzimmer kam, explodierte ich fast. Dann kam ich aber doch langsam runter und heulte mich bei Ruven lauthals aus, sodass sich alle Ghanaer drumherum wunderten, was ich denn in so aufgeregter Erzählweise loswurde. Den Unterricht kriegte ich auch irgendwie rum, aber ich tat es mit einer ziemlichen Wut und ließ keine Dummheiten zu. Nach dem Unterricht gingen wir wieder, wie immer zum Radio und laberten. Am darauffolgenden Freitag hatte ich eigentlich nichts zu tun und hatte eigentlich keinen bock mich ewig lang auf der Couch im Staffroom zu wälzen, um dann am Nachmittag total müde zu sein, aber ich hatte Glück! Richard Bertino, der Lehrer, der gerne und viel redet, bat mich ihm ein bisschen bei seiner Arbeit zu helfen und einen „kleinen“ Teil seiner Jahresarbeit zu schreiben. Anfangs gab er mir nur zwei fünftel der gesamten Arbeit und als ich fertig war, gab er mir dann den Rest. Es ist einfach zu geil, wie faul Ghanaer werden, wenn sie einen Dummen gefunden haben, der jede Abtipparbeit für sie erledigt. Naja, aber wie gesagt, ich hab ja ein bisschen danach gesucht und da mir Eric gerade frisch Pro Evolution Soccer auf dem PC installiert hatte, konnte man sich schön mit Abtippen und Spielen abwechseln und da Ruven mir half, war es sogar nur halb so schlimm. Als wir dann mit dem ganzen Spaß fertig waren, fuhren wir zur Kpoly und ich spielte ein wenig Volleyball während Ruven schön Basketball zockte. Danach ging natürlich nicht mehr viel und ich fuhr einfach nur noch home und chillte. Am Samstag war dann eigentlich eine Beerdigung und eine Hochzeit angesagt, aber am Freitag wurde mir gesagt, dass eine geile Volleyballaction am Samstag gehen sollte, also bin ich, wie angekündigt, gegen 9 Uhr an der Kpoly aufgetaucht und habe erstmal ein bisschen gewartet. Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, dass die Action wirklich schon um 9 losgeht, deswegen hatte ich mir auch ein bisschen Geld zum Umtauschen mitgenommen, um für diesen Fall für eine Weile was zu tun zu haben. Da nach 30 Minuten wirklich noch absolut keiner da war, lief ich los und suchte mir irgendeine Bank. Dort wartete ich dann in aller Ruhe bis ich dran kam und legte 12 20er vor, um sie in etwas kleinere Scheine wechseln zu lassen, denn 20er kann hier kaum einer Wechseln. Das ist echt so, als ob man mit einem 200er zum Kiosk geht und Kaugummis kauft. Das macht die Verkäufer fertig und man selbst fühlt sich schlecht. Ich hatte mit Zehnern gerechnet und bestenfalls an Fünfer gedacht, aber die nette Bankfrau legte mir locker mal 120 Zweier vor. Ein riesiges Bündel von Scheinen. Und das Beste war, dass ich die alle super benutzen konnte, egal wo ich war. Genial! Davor hab ich versucht große Scheine irgendwie in größeren Läden loszuwerden und hab immer mal was kleines gekauft. Hab immer Abends im Trotro darauf geachtet, ob die Mates viel Geld in der Hand hatten oder eher nicht, wonach ich dann entschieden hatte, ob ich 20, 10 oder 5 hingebe, wobei ich mir die 20 glaube ich nie getraut habe, weil man damit sofort als reicher, angeberischer Weiser gesehen wird. Und da hab ich nicht so viel Bock drauf. Naja, genug über Geld geredet. Ich kam dann irgendwann zum Spielplatz zurück, aber es waren ein vielleicht zwei neue Gesichter zu sehen. Ich wartete und wartete und irgendwann wurde die Sonne auch immer stärker. Dann war auch irgendwann Joshua da und wir spielten uns ein wenig ein. Eigentlich sollte ich in seine Mannschaft kommen, aber nach einem kleinen Durcheinander ging ich dann doch in das Kpolyteam, weil die nur wenige gute Spieler hatten und ich sehr helfen konnte. Durch diese Entscheidung durfte ich das erste Spiel dann aber auch gar nicht spielen und kam dann erst gegen 14:30 Uhr zum Zug. Das war schon krass. Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass ich gegen 10 Uhr spiele, aber da sich Leute verspätet haben kam es dann alles so. Das lustige war dann, dass ich bis gegen 14 Uhr in der Sonne saß und hoffte, dass ich endlich dran kommen würde. Irgendwann spürte ich, wie meine Haut dem ganzen nicht mehr stand hielt und ich legte mich in den Schatten, allerdings war ich kurze Zeit später dann dran mit spielen und stand wieder für 2 Stunden in der Sonne. Ich war echt gut rot! Aber naja, im Nachhinein hat sich nur mein Gesicht gepellt. Tja, nach dem ersten Spiel hat meine Haut echt wehgetan, weil die Sonne an diesem Tag wirklich gut geschienen hatte, also entschied ich mich lieber nach Hause zu gehen. Aber davor bekam ich noch lecker Kenkey mit einer Cola. Da war jeder Schmerz vergessen. Dann merkten unsere Gegner aus Sunyani auch, dass ich Twi sprechen konnte und hatten noch ein bisschen Spaß mit mir. Aber dann war ich auch ein bisschen müde und ging nach Hause. Da war ich dann auch etwa 18:30 Uhr. Zu etwa der gleichen Zeit, wie auch die anderen, die aber eine Hochzeit und eine Beerdigung mitgemacht hatten. Wir redeten noch ein bisschen über unsere Tage und dann ging ich Schlafen, weil ich absolut am Ende und müde war. Am Sonntag dann dachten wir eigentlich, dass uns Eric endlich in seine Kingdom Hall mitnehmen wollte, aber wir hatten Glück und er kam nicht vorbei, sondern musste für seine Schule arbeiten. Also wollte ich waschen, aber Kwakye war schneller als ich und so wurde der Sonntag ein wenig gechillt. Ich sprach zwischendurch mal mit Sarkodie wegen meinem Unterrichtsproblem und überzeugte ihn, dass ich nicht das Beste bin, was dem zweiten Lehrjahr passieren könnte. Aber der Unterton war trotzdem, dass ich es wohl weiter machen darf bis ich zu Hause bin. Mittlerweile hoffe ich zwar immer noch auf eine Besserung, aber glaube gar nicht mehr, dass Sak oder der Headmaster mir helfen wollen. Aber vielleicht sehen sie auch einfach gar keine Möglichkeit. Tja, an dem Tag gab es auch mal wieder seit Ewigkeiten Pancakes, die mit Tomaten und Schmierkäse sehr lecker waren!!! Nachdem ich dann irgendwann gegen 17 Uhr bemerkte, dass ich noch nichts geschafft habe, außer PES zu zocken, zu essen und mich zu entspannen, ging ich dann zu Deborah und sagte ihr, dass ich mal wieder Steven besuchen wollte. Da sie ein sehr guter Freund von Steven ist und ich ihn nicht so gut kenne, wollte ich, dass sie lieber dabei ist, während ich mir von ihm Software, Musik und Videos von ihm kopiere. Ich glaube er war auch ganz zufrieden damit, denn irgendwann begannen die beiden über Beziehungszeug zu reden und Deborah hat verlauten lassen, dass sie nie fremdgehen könnte, weil sie gar nicht wüsste, wie man vor seinem Partner lügt. Aber Steven sagte, dass er es ihr beibringen könnte… 😀 Da musste ich ein bisschen in mich hineinlachen. Aber egal, die Musik und die Videos waren wirklich nett. Denn eins der Videos war „Pound Power“ von Delle. Und dieses Video war so dermaßen Ghana-like, dass ich hätte ausrasten können. Ich hab es gleich mehrere Male geschaut und dann gleich Ruven gezeigt und dann den anderen beiden. Jeder der hier in Ghana war, sollte das mal als Ausklang anschauen. Für mich hat da wirklcih fast jeder Videoausschnitt eine Erinnerungsflut ausgelöst. Und ich weiß, dass es Ruven genauso ging! Einfach zu geil 😀 Ein anderes Lied, was ich jetzt endlich mal bekommen habe, ist „Move Back (Muje Baya)“, was echt in europäischen Clubs gespielt werden könnte! Jetzt wie ich so darüber schreibe, musste ich es sofort an machen, weil es mir das Schreiben extrem erleichtert! 😀 Tja, aber das war es auch schon wieder mit dem Sonntag und eine neue Woche fing an. Es war ein normaler Montag. Erst Englisch, dann nach Hause, um zu waschen und dann habe ich mich nochmal mit dem Headmaster unterhalten, weil das Thema Zweites Lehrjahr immer noch nicht abgeschlossen war. Dann machte das dritte Lehrjahr in meiner Deutschstunde ein bisschen Stress und es dauerte eine Weile, bis wir normal beginnen konnten, weil Wisdom dachte, dass er zu cool4school wäre. Aber ich hab ihn erstaunlicherweise zurechtgestutz und er hat auf mich gehört und auch gut mitgearbeitet. Ich war von mir selbst beeindruckt, aber ich hatte sicherlich einfach nur einen guten Tag von Wisdom erwischt. Naja, an diesem Tag wollte ich nach der Schule direkt ins Internet, aber ich war wieder mal total tot nach der Schule und chillte einfach bei Ruven, bis mich Andreas dazu überredete mit ins Internet zu kommen, wo ich dann ein bisschen skypte und dann Andrew besuchen ging. Ich verpasste eine von Andrews Schnecken nur ganz knapp. Schade, ich hätte gerne mal gewusst, was bei ihm bedeutet: „She dey beautiful-oo!“, denn er hatte mir ja auch mal verraten, dass er es total anziehend findet, wenn die Frauen einen kleinen Bart haben (wie es hier öfters vorkommt…). Tja, dann musste ich das Mädchen anrufen und sie bitten, dass sie doch bitte wieder vorbeikommen soll, sodass ich sie sehen kann (und Andrew ein bisschen Sex bekommt, aber das hat er dann angesprochen lol). Als ich bei ihm war, gab es total leckeres Essen: gestampfte Yam. Das hatte ich noch nie gegessen, ist aber auch eine Fufusorte und schmeckt ein bisschen besser, als das was ich immer esse. Allerdings ist es auch richtig teuer, weil Yam alles andere als preiswert ist. Ich glaube für Yam für 4 Leute bezahlt man schon so 1 bis 2 Euro! Das muss man sich mal vorstellen! Soviel kostet normalerweise das ganze Essen… Nachdem ich richtig voll war, torkelte ich nach Hause und spielte noch ein wenig Karten, um dann seelig zu schlafen. Der nächste Tag sollte mal wieder ein Highlight werden! Aber in erster Linie sind Dienstage ja immer anstrengend ohne Ende und ich zog voll durch. Erst Englischunterricht, dann das Twi des Vortags nachgeholt, was einige Zeit in Anspruch nahm und ich wurde auch nicht annähernd fertig. Ich bereitete dann noch ein wenig Unterricht vor und ging dann nach Hause, um meinen Woma (Stampfer) abzuholen und von Olliver kürzen lassen, weil das Ende schon so sehr ausgefranst war, dass man die ganze Zeit das Holz aus dem Fufu ziehen musste, was sehr nervte! Danach unterrichtete ich Deutsch und Englisch, was beides mehr oder weniger problemlos verlief. Dann wurde ich von Josh angerufen, dass ich doch zum Wesley Girls College kommen sollte, weil dort geile Volleyballaction abgehen sollte, aber nachdem ich zu Hause war, bin ich einfach nur eingeschlafen. Aber mich haben dann die ganze Zeit leute angerufen, sodass ich nicht wirklich dazu kam. Dann war ich von dem ganzen angerufen werden so angepisst, dass ich aufstand und duschen ging, um zur Schule zu gehen und mit den anderen zusammen auf Eric zu warten, weil wir an diesem Abend weggehen wollten und uns Eric den Weg weisen wollte. Er kam auch nur 30 Minuten zu spät und brachte seine Freundin mit. Wir nahmen ein Trotro nach Kejetia, und dann ein Taxi zum Sweet Pub. Aber da war so gut, wie nichts los. Sie übertrugen ein Fußballspiel, aber die Leute hatten da nicht mal ordentliches Bier. Es war total verrückt! Wir unterhielten uns ganz lustig und probierten auch mal ein bisschen Akpeteshie. Und dann gegen 21:30 wurde die Bar geschlossen und wir wurden mehr oder weniger rausgeworfen. Also nahmen wir ein Taxi und ließen uns nach Ohwimase fahren, weil wir noch ein bisschen laufen wollten. Aber anstatt zu laufen, gaben wir dem Taxifahrer noch einen Cedi, sodass er Eric und seine Freundin nach Hause brachte und wir noch in eine andere Bar gehen konnten. Und zwar gingen wir in eine Bar, in der wir mal vor Ewigkeiten mit Milicent waren, als wir noch nicht wussten, dass sie schwanger ist, aber sie zu einem Bier überredeten. Damals sagte sie, dass sie sich im Bezug aufg Alkohol bessern wollte, weil sie zuvor immer viel zu viel getrunken hatte, aber jetzt wissen wir, dass sie ihrem Baby einfach nicht schaden wollte. Zurecht! Naja, der Barmann erinnerte sich noch an Ruven und mich und so plauderten wir noch eine Runde und aßen und tranken noch ein bisschen. An diesem Tag hatten Ruven und ich uns auch gedacht, dass wir uns den Abend nicht von irgendwas zerstören lassen und es hat super geklappt. Aber ich hatte dann doch etwas mehr getrunken als normal. Normalerweise sind mir schon 2 Bier zu viel, aber diesmal war ich dann irgendwie bei 4,5 plus Akpeteshie. Ich war also ziemlich gut unterwegs und hatte eine super Zeit! Ich legte mich dann auch erstmal eine Runde irgendwo hin, während die anderen bezahlten. Da Ruven eine Wette verloren hatte, musste er mir den Abend ausgeben. Jedoch kümmerte ich mich um die Würste und kümmerte mich auch ein bisschen um die Kosten von Eric und seiner Freundin. Der Weg zurück war dann einfach nur überragend! Es wurden viele Bilder geschossen und einige Videos gemacht und die meisten waren ziemlich lustig. Für die anderen, aber ich kann auch drüber lachen! 😀 Als wir dann gegen 1:30 Uhr zu Hause waren, fiel ich sofort in einen tiefen Schlaf und wachte erst spät am nächsten Tag auf, weil dieser Mittwoch African Unity Day war und wir nicht zur Schule mussten. So war ich dann auch erst gegen 9:30 bei den anderen und traf einen ziemlich angepissten Andreas an, der den Morgen mit Hangover gewaschen hatte und deswegen dafür auch besonders viel Kraft aufbringen musste. Als er fertig war, kam dann irgendwann mal ein Schüler auf die Idee, das ganze gemähte Grass neben der Wäscheleine anzuzünden. Da der Rauch in Richtung der Sachen zog, waren Andreas‘ Sachen wiede schon stinkig. Natürlich brachte er den Haufen daraufhin hoch zu den Schülern und ließ sie waschen. Aber das änderte nichts daran, dass er am Morgen sinnloserweise gewaschen hatte. Er hätte es auch gleich den Schülern geben können! Dann irgendwann kam Eric vorbei und wir spielten ein bisschen Pro Evo, aber da ich ja noch das Zeugs für Bertino abtippen musste, hatte ich für den Rest des Tages zu tun. Da die anderen nicht so bescheuert waren und sich Arbeit von faulen Leuten geben lassen haben, war ich ziemlich neidisch auf sie, aber ich konnte nichts mehr dran ändern. Als ich endlich fertig war, bereitete ich noch ein bisschen Schule vor und dann machten wir Konotmirestew mit Reis. Das war ganz lecker und ein gutes Hangoveressen! 😀 Irgendwie ging das Hangover am nächsten Tag noch weiter und ich war immer noch total müde, musste aber trotzdem den Unterricht durchziehen. Hab sogar aus Übermut noch einen großen Test für die nächste Stunde angekündigt und mit Ruven zusammen das Glas, das in meinem Zimmer lag zur Schule gebracht, um es schneiden zu lassen (weil ich ein Trottel bin, sind mir 2 der 8 Scheiben zerbrochen) und dann war ich bereit für die Radioeinheit, bei der ich diesmal aber nichts sagte, weil ich (wie immer) total müde war. Und dann war wieder Freitag und ein entspannter Tag angesagt. Zumindest bis hin zum Mittag. Danach ging ich mit Old Soldia und Kaabi, den beiden ältesten Schülern an der Schule (28 und 34) zu mir nach Hause, sodass die beiden mir den Stampfer ganz machen konnten. Soll heißen: Old Soldia schlug den in Wasser eingeweichten Holzstab für etwa 30 Minuten mit einer bestimmten Technik auf einen Stein, bis er gut zum Fufu stampfen war. Ich wollte den beiden eigentlich irgendwas als Dank anbieten, aber beide lehnten ab. Aber irgendwie werde ich es den beiden zurückzahlen können! Tja, weil wir wieder einen Woma hatten, gab es an diesem Abend auch endlich mal wieder Fufu und ich kam endlich mal wieder zum Stampfen. Aber bevor ich das tat, räumte ich mit Ruven und den Schülern zusammen erstmal den Storeroom aus, sodass dieser in Zukunft vielleicht mal als Klassenzimmer verwendet werden kann. Das war auch ziemlich anstrengend, da wir viele große, sperrige Sachen von A nach B tragen mussten, aber danach fühlten wir uns echt erlöst, denn diese Arbeit schoben wir schon Monate vor uns her und endlich hatten wir es geschafft! Spät am Abend wollten wir dann den Film „Wüstenblume“ schauen, aber da der so schlecht war im Vergleich zum Buch, ging ich nach 15 Minuten nach Hause und schlief fast sofort ein. Der Samstag war dann wieder richtig geil. Ich hab total hart entspannt, bin irgendwann mal zum Essen gegangen, hab dann ein wenig gewaschen, während Ruven und Andreas nach Kejetia gefahren sind, um Zutaten für Bratkartoffeln mit Salat zu holen. Da ich aber Gifty noch beim Kochen helfen sollte, kam ich nicht dazu den anderen zu helfen, aber gegessen hab ich dafür. Ruven hat mich richtigerweise als Schwarzes Loch der Mahlzeiten genannt, weil ich oft erst bei den Leuten esse und dann bei Gifty und manchmal auch noch bei Andrew. Deswegen ist es eigenltich auch kein Wunder, dass ich immer mehr zunehme, aber da ich einfach viel zu gerne esse, ist mir das irgendwie egal 😀 Nach diesem leckeren Essen, gingen wir dann ins Dorf, um das Spiel Barca gegen ManU zu sehen. Das war ein bisschen cool, weil wir eigentlich zu einer Bar gehen wollten, aber ein Bekannter von uns, zum gemeinsamen Fußballabend einlud und wir uns ins Wohnzimmer von irgendwem setzen und Fußball genossen. Genossen ist das richtige Wort, denn was Barca da trieb, war schon ziemlich unglaublich! Und dann kam der 29.5.. An diesem Tag sollten dann endlich Appew und Lucy heiraten und an diesem Tag habe ich auch angefangen diesen Blog zu schreiben. Aber es begann alles ganz entspannt, mit einer Runde Waschen. Das fällt mir in letzter Zeit auch immer weniger schwer, weil ich immer nachlässiger werde, was aber meistens ausreicht, weil man sowieso meistens nur noch den Schweiß rauswaschen muss, weil der Dreck durch das Einweichen verschwindet. Tja, dann machte ich mich fertig und ging zu den anderen, um zur Kirche zu laufen. Aber wir brauchten alle ein wenig länger und wir kamen dann letztenlich er gegen 11:30 Uhr los, obwohl wir 11 Uhr da sein wollten. Aber das lag auch ein Stück weit an George, der mit uns kommen wollte, aber noch ein bisschen brauchte. Er überredete uns dann auch für den kurzen Weg ein Taxi zu nehmen. Schade eigentlich, denn wir kamen immer noch viel zu früh zu der Hochzeit. Also mussten wir uns noch Gottesdienst anhören. Aber naja, diesmal war in dem ganzen irgendwie noch mehr Leben drin und da man so viele Leute kannte, war es irgendwie cool. Wir sollten dann auch ganz viele Bilder machen und tanzen und blablabla. Es war gaz witzig. Zwischendurch lief uns dann auch noch die Tochter von Jeff zu und belagerte erst Ruven und dann mich. Als wir sie dann zurückgeben wollten, wehrte sie sich total und wäre mir fast runtergefallen. Diese Tochter von Jeff weiß echt, was sie will und dabei ist sie sicherlich noch keine 4 Jahre alt. Naja, irgendwann war sie dann wieder bei mir und ich durfte sie halten, bis die Frau von Jeff nach Hause musste. Und diese Tochter ist schwer! Das mag man kaum glauben, aber ich hatte am nächsten Tag noch ordentlich Muskelkater! Tja, nachdem noch mehr Fotos geschossen wurden, ging es dann in die Recreational Party über, wo man Getränke, Wasser und ein bisschen zu Essen bekam. Außerdem wurde auch wieder Geld für das Paar gesammelt. Auf bekannte Art und Weise: „Will irgendwer 50 Cedi spenden? Der komme bitte vor! (und zeige uns wie toll er ist) Keiner? Ihr seid aber schlechte Leute, oh… das ist ja einer, ja, Gott liebt dich dafür! BLABLABLA.“ Dieses ganze Tamtam war mir dann irgendwie zu viel und irgendwie machte mich das ganze Glücklichsein der Leute unglücklich, weil ich endlich wieder bei Josi sein wollte. Irgendwie konnte ich mich da gar nicht mehr aus der Depriphase rausziehen und saß dann einfach nur noch so da. Ich war dann auch happy, als alles vorbei war und wir endlich nach Hause gehen konnten. Gehen trifft es ganz gut, denn das taten wir und es machte viel mehr Spaß als Fahren! Weil ich dann immer noch keinen Bock auf Leute hatte, setze ich mich auf ne Bank im Garten und hörte Musik bis Hannah mit Serwaa vorbei kam. Dann unterhielten wir uns ein bisschen und ich spielte noch ein wenig mit Serwaa, aber da sowohl Serwaa und Hannah müde waren, gingen sie bald wieder. Danach hatte ich mich auch wieder ein wenig gefangen und ich ging zum Essen und dann schlafen. Dann begann die fünfte Schulwoche und damit eine Woche Stress, weil ich eine Woche lang Aufsicht hatte, bzw. habe, denn heute ist erst Mittwoch. Schon der Montag war nicht easy für mich. Eigentlich wollte ich sehr früh aufstehen, blieb dann aber doch beim normalen 5:40 Uhr. Machte mich bereit und ging zur Schule, um den Leuten beim Lernen zuzuschauen. Doch die machten, was sie wollten. Sie liefen überall rum und lernten nicht, obwohl es Morning Prep Zeit war. Naja, ich machte ein bisschen Stress und holte Leute aus dem Bett. Da passierte dann etwas ganz witziges. Ich traf zwei Schüler in einem Zimmer an und fragte sie, warum sie nicht im Klassenzimmer waren. Daraufhin sagte der eine, dass der, der die Glocke läuten sollte, seiner Pflicht nicht nachgekommen sei. Dann schaute ihn der andere Schüler und sagte: Alter, ich HAB die Glocke geläutet und bin seit dieser Zeit auch schon auf den Beinen! Danach musste ich einfach nur schmunzeln und habe sie gebeten am nächsten Tag doch bitte pünktlicher zu sein. Dann bin ich essen gegangen, um direkt danach eine halbwegs entspannte Stunde mit meinem zweiten Lehrjahr zu haben. Wir besprachen einige Themen aus dem Buch und das lief auch halbwegs gut. Dann bereitete ich ein bisschen vor, und holte die verpassten Twi Einheiten nach. Danach ging ich dann Deutsch unterrichten, aber das war dann gar nicht mehr entspannt, denn Wisdom dachte, dass er was Besseres sei und sagte, dass Deutsch unnötig sei und ging aus meinem Unterricht. Ich bat ihn mehrere Male zurück zu kommen, aber er hörte kein bisschen auf mich. Dann bat ich ihn aus lauter Wut, zum Headmaster zu gehen und sich von ihm bestrafen zu lassen. Das war das erste Mal, dass ich wirklich wollte, dass einer meiner Schüler hart bestraft wird, egal auf welche Art und Weise. Tja, aber auch darauf hörte er nicht und so ging ich am nächsten Tag zum Headmaster und fragte ihn, was ich machen sollte. Aber ich hatte dann selbst die Idee, dass der gute Wisdom doch mal das Fußballfeld mähen sollte. Aber da die hier keinen Rasenmäher haben, ist das kein großer Spaß, sondern geht ziemlich auf den Rücken und die Arme, weil die Machete auch irgendwann schwer wird. Später hab ich auch eine gute Bestrafung vom Headmaster gehört: Hinknien, Arme austrecken, Bücher in beide Hände… dann mit dem Schüler reden, warum er so respektlos ist… wenn er die Arme auch nur anäherungsweise runternimmt, dann gibt’s einen kleinen Schlag mit dem Rohrstock gegen die Hände. Als der Headmaster das bei einem unserer Schüler gemacht hatte, hatte dieser sogar zu weinen begonnen, weil es einfach zu viel Belastung war. Willkommen im letzten Jahrhundert, aber es war wirkungsvoll. Besagter Schüler war bis heute nicht wieder respektlos. Tja, bis heute hab ich Wisdom auch nicht mehr wieder gesehen, aber irgendwie will ich ihm noch zeigen, dass man so mit mir nicht umgeht. Auch wenn meine Zeit hier bald vorbei ist! Nach dem Unterricht wollte ich eigentlich im Staffroom chillen, aber dann wurde ich zur Pflicht ermahnt und ich bin zur Assembly Hall gegangen, um den Schülern beim Essen zuzuschauen. Tja, dann war ich wieder müde, aber ich ging trotzdem noch mit Andreas zur Uni, um zu browsen. Da aber die Verbindung schwach war und niemand von Bedeutung online war, wartete ich auf Andreas und ging dann wieder mit ihm nach Hause. Der Dienstag war dann die absolute Hölle! Ich bin früh aufgestanden, hab Schüler überwacht, aber schon da eigentlich keine Kraft und Lust mehr, groß Punishments zu verteilen, obwohl das meine Pflicht gewesen wäre. Dann habe ich gegessen und hatte endlich meinen angekündigten Class Test. Der war ziemlich durcheinander und ich erwischte 3 Schüler beim Spicken. Außerdem kamen einige zu spät und überhaupt war es alles nicht so einfach. Ich war dann auch dementsprechend ko, als ich aus der Klasse rausging. Ich korrigierte die Tests und sah, dass es echt viele gab, die den Spaß nicht ernst genommen haben, tja nicht meine Schuld. Ich hatte es angekündigt und einfachste Aufgaben drangenommen. Mit Ausnahme von vielleicht einer Aufgabe, die aber nur 4 Punkte von 40 eingebracht hat. Naja, auf jeden Fall waren dann einige Schüler ziemlich ungehalten, aber da konnte ich nichts machen. Nach einem kleinen Rundgang, ging ich ins Lehrerzimmer, um dort eine Stunde zu schlafen. Als ich ins Lehrerzimmer kam, war der, der eigentlich auch Aufsicht hatte (Oti Patrick), am Tanzen. Das fand ich schonmal nicht so toll. Aber an diesem Tag sagte ich mal noch nichts, um ihn merken zu lassen, dass er Aufgaben hat. Ich hab sogar rausgefunden, dass er an diesem Tag einfach nur in jede Klasse was zum Abschreiben gegeben hatte. Sich also wirklich gar keine Arbeit machte. Nach dem Schlafen war aber wieder Unterricht dran und ich schleppte mich zur Deutschstunde, wo die Schüler von Oti was abschrieben, obwohl ich da eigentlich schon etwas an die Tafel schreiben wollte. Aber ich machte mir keinen Stress, weil ich dafür keine Kraft hatte. Dann kamen meine Schüler irgendwann, nachdem ich sie erst aufsammeln musste und ich unterrichtete sie ein wenig in Deutscher Sprache, aber da sie sich gar nicht an das angekündigte Diktat erinnerten, zog ich das nicht durch, sondern ließ sie einfach nur auf Zensur lesen. Dann hatte ich Essensaufsicht und bat Ruven etwas von dem Wokye für mich aufzuheben. Dann schloss sich direkt eine Englischstunde an und ich probierte mal was neues mit den Schülern. Nämlich ein Textpuzzle. Denn Sadat hatte am Vortag gefragt, warum wir das nicht machten, aber ich dachte mir schon, dass es zu schwer für die Leute werden würde. Tja, von 14 Leuten verstanden 2 was ich wollte und diese beiden erledigten dann auch die Arbeit für die ganze Klasse, indem sie die Puzzleteile zusammensetzten. Der Text bestand aus 8 Teilen und das Erklären, Lesen und Zusammensetzen brauchte ernsthaft die vollen 80 Minuten. Zwischendurch wurde es ein wenig unruhig, aber alles in allem, lief es annehmbar. Das sie das ganze überhaupt hinbekommen würden, hätte ich nie erwartet! Ich war also schon ein wenig glücklich. Aber auch total fertig. Als ich dann in unseren Raum ging, wartete dort mein Essen auf mich, aber Ruven erzählte mir, dass Anita wieder Stress gemacht hätte, wenn er nicht Lizzy gefragt hätte, ob etwas für mich aufgehoben werden könnte. Denn Anita meinte irgendwas, wie wenn er nicht herkommt, hat er Pech, wenn er nichts zu Essen bekommt. Da hätte ich fast an die Decke gehen können, denn das ist wieder typisch Anita der Küchendrache, der erst redet und nicht nachdenkt. Hauptsache ich hab schulisch was tun und bekomme, weil ich die Schüler nicht alleine im Klassenzimmer sitzen lasse, nichts zu essen. Bescheuert! Naja, danach ging ich zu Andrew und das Essen, das es dort gab, zusammen mit dem Wokye, machte mir solche Bauchschmerzen, dass ich kaum mehr laufen konnte. Ich hatte echt das Gefühl, dass mir mein Bauch aufplatzt. Das hatte noch nicht so oft. Aber dann ging es auch irgendwann wieder. Nachdem ich an der Uni war, ging ich nach Hause, traf dort mal wieder Yaa Serwaa, eine Cousine von Kwakye und fand heraus, dass ich sie vermutlich zum letzten Mal sehen werde, weil sie nach Koforidua fahren würde, während sie Ferien hatte. Man merkt, dass es langsam auf das Ende zugeht :S Und heute ist Mittwoch, der 1.6. – der Internationale Tag des Ostdeutschen Kindes, denn wie ich rausbekommen habe, kennen meine beiden westdeutschen Kollegen diesen Kindertag gar nicht. Aber sonst habe ich an dem heutigen Tag auch nichts accomplished. Nagut, ich habe meinen Blog beendet, was schon nicht schlecht ist 😀 Also, bis zum nächsten Mal… Nein, doch nicht, ich hab noch einen kleinen 3-Tage-Nachtrag, denn heute ist Samstag und da habe ich mir gedacht, dass ich doch endlich mal wieder ins Internet gehen könnte, um Zeugs upzudaten. Also ich fahre mal fort, wo ich aufgehört habe. Mittwoch… da gibt es eigentlich nichts weiter zu sagen… dafür war der Donnerstag irgendwie interessanter, denn seit Ewigkeiten sind wir mal wieder nach Ohwimase gefahren, um dort ein bisschen Eisen zu bewegen, aber mit meinem Schwabbelkörper hab ich natürlich nichts auf die Reihe bekommen. Naja, wir haben vielleicht 30 Minuten was gemacht, aber mit lächerlichen Gewichten, doch da muss ich wohl mal durch… Auf jeden Fall hat es ziemlich viel Spaß gemacht und wenn mal wieder Zeit ist, werden wir da mal wieder hinfahren. Dann kamen wir zurück und ich kümmerte mich um die Frühstücksaufsicht, danach wurde ich dann von einem Lehrer angerufen, der mir noch am Vortag angeboten hat, dass er eine von meinen Stunden nimmt und ich mich zurücklehne, weil er ein Video drehen musste. Da ich eigentlich schon relativ viel geschafft hatte, dachte ich mir, dass ich auf so eine Stunde verzichten konnte. Tja, kurz nachdem die Stunde angefangen hatte, wurde mir dann von Bertino, dem Lehrer vom Vortag gesagt, dass der Videomacher nicht da sei und ich deswegen meine Stunde zurückkriege. Das war dann ziemlich lustig, weil ich mich absolut auf nichts vorbereitet hatte und eigentlich gerade auf dem Weg zum Staffroom war, um mir was auszudenken. Das war dann ziemlich doof, weswegen ich in die Klasse reinging, um denen das Problem zu erklären und bat sie leise zu sein. Tja, dann hab ich also ein bisschen Unterricht vorbereitet und mit Ruven noch ein paar Rezepte geschrieben. Als es dann Zeit wurde für meine Stunde, wurde mir von den Lehrern, die meine erste Stunde geklaut hatten, dass sie 15 Minuten brauchten. Das fand ich nicht so cool, aber es ist nun mal Teil deren Abschlussarbeit und die hatten halt nur diese eine Stunde richtig vorbereitet, also mussten sie das an diesem Tag machen. Sie brauchten eine Stunde und 15 Minuten. Die verbleibenden 15 Minuten hätten sie sich echt sonstwo hinschieben können. Naja, aber heute ist es nicht mehr zu ändern. Danach wollte ich eigentlich ein paar Leute den Fußballpark mähen lassen, weil sie nicht zur Morning Prep erschienen sind, aber es ist natürlich keiner gekommen und ich hatte dann auch einfach keinen Bock mehr mich wegen sowas heiß zu machen. Bestrafungen liegen mir einfach nicht, wie den Ghanaern. Ich meine es ist leicht zu sagen, dass sie die Konsequenzen zu spüren bekommen, aber sie diese dann wirklich spüren zu lassen, ist gar nicht leicht! Tja, dann bin ich also nach Hause gegangen und hab eine halbe Stunde geschlafen, um dann total müde zum Radio zu laufen und dort gesagt zu bekommen, dass es ausfällt. Aber es störte mich gar nicht so sehr, denn ich war einfach nur glücklich, dass ich wieder in mein Bett durfte. Später hab ich dann auch endlich mal meine Fensterscheiben eingesetzt und jetzt ist mein Raum absolut wasserdicht, wenn es regnet. Naja, eigentlich nicht, aber zumindest mehr als vorher 😀 Am Freitag hab ich dann für mich selbst festgestellt, dass ich echt nicht geboren bin, um nach ghanaischem Standard zu erziehen, denn dieses Bestrafen wollen, zehrt mehr an mir, als an den Schülern. Also werde ich mich um sowas jetzt gar nicht mehr kümmern, sondern einfach nur noch meinen Unterricht durchziehen und wenn die Leute da sind, dann sind sie halt da und wenn sie denken besser zu sein, als alles um sie herum, dann lasse ich sie in ihrem Glauben. Muss ja schließlich auch ein nettes Gefühl sein, wenn man so denkt! Der Grund warum ich das schreibe ist wieder mal Wisdom. Denn er hatte mich ja am Montag schon auf die Palme gebracht und am Donnerstag hatte ich ihn mal wieder getroffen und ihn gebeten zu beim Mähen zu helfen, was er natürlich, wie jeder andere, nicht gemacht hat. Nun ja, am Freitag hab dann eine Weile zugesehen, wie er Stephen Bene eine Weile traktiert hat und als ich ihm sagte, dass er es unterlassen sollte, meinte er, dass ich mich darum doch nicht kümmern müsste, weil es „none of my business“ sei. Das hat dann irgendwie einen Schalter in mir umgelegt und ich hab viele dumme Dinge gesagt, die ich jetzt bereue. Tja, danach war ich jedenfalls auf 180 und da hab ich mir gedacht, für wen spielst du dich hier eigentlich so auf? Es gibt keinen Grund! Also scheiß drauf… Lass sie doch machen, wenn es ihnen hilft. Durch all das überwachen und anmeckern müssen, hatte ich dann totale Kopfschmerzen und hatte absolut keinen Bock mehr auf gar nichts. Also legte ich mich zu Hause hin und schlief, während die anderen sich das Spiel von Ghana und Congo live im Kumasistadion anschauten. Jetzt bereue ich es ein wenig, aber gestern war es mir so dermaßen egal. Aber die Tore, die zum 3:1 führten, sah ich dann trotzdem im Fernsehen. Besonders wieder ein typisches Kingson-Tor. Kingson rannte nämlich nach draußen und ließ den verduzten Congolesen einfach ein Tor schießen. Nagut, da war auch sicherlich ein bisschen Pech von Kingson dabei, aber dennoch sah es wirklich lächerlich aus! 😀 Und damit ist mein Blog nun wirklich am Ende! Byebye 😀

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#14

Also hier bin ich wieder und endlich wieder an der Tastatur meines eigenen Computers! Ein erhebendes Gefühl. Nur eine kleine Traurigkeit gibt es zu berichten und die ist, dass ich nicht mit Office schreiben kann, aber davon werdet ihr ja herzlich wenig mitbekommen, wobei… eigentlich schon, denn Word hat für mich immer die kleinen aber feinen Rechtschreibfehler berichtigt, die aufgetreten sind, wenn man viel zu schreiben hat, aber möglichst wenig Zeit dafür verbrauchen will.

Ich muss diesmal leider zugeben, dass ich gar nicht genau weiß, wann ich aufgehört habe zu schreiben, weil ich das letzte Mal auf Ruvens PC geschrieben habe und der PC ist nirgendwo in meiner Nähe. Glaube ich. Naja, was soll’s ich hab hier einige Aufzeichnungen und die fangen am 7.4.2011 an. Also möchte ich uns nun alle an den siebten Tag des letzten Monats diesen Jahres zurückversetzen und euch teilhaben lassen an Fabians freudenvoller Fahrt durch Ghana. Naja, ich höre mal auf dabei zu versagen stilistische Mittel zu kreieren und sage einfach was passiert ist. Der Tag an dem ich anfangen will zu erzählen war eigentlich kein anstrengender mehr für mich. Alles war korrigiert und Noten waren komplett eingetragen. Ich hatte also quasi schon Ferien. Doch, wie sich ein aufmerksamer Leser erinnern könnte, hatte ich leichte gesundheitliche Probleme ohne bekannte Ursache. Soviel zum Thema “Previously in Ghana”.
Da ich also an diesem sonnigen Donnerstag nichts mehr zu tun hatte, wollte ich eigentlich meine Ferien genießen, aber ich merkte schnell, dass das ganz schön langweilig ist, so lief ich also, nachdem ich genug genossen hatte, zu Milicent ins Büro und half ihr mit nerviger Büroarbeit, die aber zu zweit ein wenig schneller ging. Da aber nicht so viel Arbeit zu tun war, bei der ich helfen konnte, war ich schnell wieder in unserem Zimmer und wartete auf Action. Was ich bekam war aber nicht so geil, also legte ich mich bis um 13 Uhr schlafen. Denn zu diesem Zeitpunkt sollte unser End of Term Meeting stattfinden. Hierbei möchte ich den Leser auf die Schlüsselworte “sollte” und “ZeitPUNKT” aufmerksam machen. Diese beiden Worte passen nämlich so nicht so gut zusammen, wie ich in Ghana sehr intensiv lernen und erleben darf. Überhaupt… ich bin in Ghana, also gibt es keine Zeitpunkte! Gestern habe ich einen Nigerianer nach seinem Alter gefragt. Er sagte mir etwas in der Richtung: “Also… äh… ich bin 1975 geboren. Also dürfte ich so 35 oder 36 sein.” Aber mit diesem Schwank, oder Anekdote, oder was es alles ist, kann ich sicherlich niemanden mehr schocken, denn darüber habe ich, denke ich schonmal geschrieben. Tja, worauf ich hinaus will ist offensichtlich. Punkt um 13 Uhr gibt es nicht. Ich glaube wir haben gegen 14:30 oder 15:00 begonnen uns zu arrangieren. Wie es war wollt ihr jetzt wissen? Nun ja… ich war absolut müde und hatte gar keinen Bock und fand alles besprochene lächerlich, unsinnig und nervig. Aber das war es natürlich nicht… komplett.
Die ersten 10 Minuten diskutierten wir, was davon zu halten sei, dass Deborah, die die offizielle Meetings-Sekretärin ist, noch nicht da ist und dass es gar nicht geht, dass Milicent, die Schulsekretärin das Protokoll des letzen Meetings vorliest, weil das ja Deborah machen sollte. Und das alles sowieso nicht geht. Weil, und, aber! Dann hat ein Beitrag von Albert eine große Rolle gespielt: es soll nicht so viel Zeit für sinnlose Diskussionen verbraten werden. Darüber diskutierten wir dann natürlich erstmal. Um 16:30 hätten Ruven und ich auch zum Radio gemusst, aber da war es noch lange nicht vorbei. Alles was uns bei dem Meeting hielt war eine Versprochene “PARTY”. Das hieß Essen und Trinken. Und es lohnte sich auch wirklich. Das Essen war gut und wirklich ausreichend und für jeden war noch ein Softgetränk dabei. Während wir uns dem Luxus fröhnten, gingen Andreas und Sabrina den Weg zur Uni, nur um herauszufinden, dass die Radiostation geschlossen sei, weil die Belüftung kaputt wäre. Also hatten Ruven und ich alles genau richtig gemacht!
Der nächste Tag war auch befreiend. In gewisser Weise. Am Morgen war die letzte Morning Assembly des Semesters. Doch da es die letzte war, bedeutete das auch, dass es die grauenvollste sein musste. Eine geschlagene Stunde hörten wir uns Tipps für die Schüler an, wie sie ihre Freizeit nutzen sollten. Eine halbe Stunde der Stunde ging für Abschweifungen über Gott drauf. Das Beste waren dann die Vorträge, die in der Mitte den Satz enthielten: “Hiermit bin ich auch schon FAST am Ende”. Ich weiß hierzu noch genau, wie wir in der elften Klasse einen Text von Marcel Reich-Ranicki lasen. Das Thema war: “Wie halte ich einen schlechten Vortrag” und der eben genannte Satz war der zweite Tipp, den Ranicki gab.
Naja, aber danach war der Stress vorbei. Nicht ganz. Die Schüler durften noch ihre letzten paar Arbeiten schreiben und schon war es vorbei das Semester. Alle packten freudig ihre Sachen und waren glücklich bald raus aus der Schule und endlich in Freiheit zu sein. Eigentlich wollte ich mit einigen Schülern noch Fufu machen, aber daraus wurde leider nichts. Sie hatten nicht so richtig Zeit und Lust und auch ich hatte dann keine Zeit mehr, weil ich zur Uni Volleyball spielen gehen wollte. Also verlegten wir es auf den nächsten Tag, weil sie meinten, dass sie da noch alle da sein würden. Was sie natürlich nicht waren. Aber was kümmerte mich das! Ich genoss den freien Tag und bereitete mich auf den nächsten Morgen vor, an dem wir in den Norden fahren wollten. Aber Pustekuchen! Nichts da. Wäre ja noch schöner, wenn ich mal auf einem größeren Trip mitkommen würde. Nein, schon am Samstagabend fühlte ich mich schlecht und bezweifelte, dass ich mitkommen würde und am Sonntag lief dann absolut gar nichts mehr. So hatte ich mir ein paar mehr freie Tage ermöglicht und es wieder einmal geschafft ein Stückchen weniger von Ghana zu sehen. Aber ich hoffe, dass ich diese Versäumnisse am Ende meines Aufenthalts hier nachholen kann. Wenn ich nicht wieder rumpusse und krank werde.
Tja, die anderen hatten viel zu erzählen von ihrer Fahrt in den Norden. Es soll wohl ganz bunt und vor alles heiß gewesen sein. Im Vergleich dazu ist es bei uns langweilig und winterlich kalt. Aber bei 40 Grad im Schatten bleibt halt wirklich kein Auge trocken. Die drei erlebten Mole, Tamale und Bolgatanga und machten von jedem Ort noch ein paar Abstecher woanders hin. Als mir von den ganzen Erlebnissen erzählt wurde, war ich auch schon ziemlich neidisch, aber ändern kann man an alledem nichts mehr, also was solls 😀
Doch was habe ich Großartiges in dieser Zeit erlebt? Es war unglaublich: ich habe viel gesehen, vor allem Filme. Ich habe eine schlechte Serie mit dem Namen “Heroes” ausgegraben und damit locker 20 Stunden tot geschlagen. Wobei, wahrscheinlich eher 30… Und dann an einem Dienstag bin ich zum Onkel Doktor gegangen und der hat mir gesagt, dass sowas mal passieren kann und ich mal chillen soll. Wenn es schlimmer werden sollte, hätte ich ihn ein weiteres Mal besuchen sollen, aber da es nicht schlimmer wurde, sondern ich auf einmal wieder ganz gut und viel aß, fühlte ich mich stärker und stärker, sodass ich am nächsten Tag auch wieder zu Uni ging und dort wieder Volleyball zockte. Aber das Spiel fiel ins Wasser. Nach dem Ende des zweiten Satzes und einem Stand von 1:1 regnete es heftig genug um uns vom Spielen abzuhalten. Fortgesetzt werden konnte das Spiel auch nicht, weil das Feld nass war. Also machten wir ein neues Datum aus. In acht Tagen. Bis dahin wollte ich wieder fit sein, um mein Team ordentlich unterstützen zu können.Also spielte ich fast jeden darauf folgenden Tag. Aber am Abend diesen Tages traf ich mich mit Eric und Daniel und wir hatten eine nette Zeit. Ich lernte die beiden ein bisschen besser kennen und bezahlte dann am Ende die Rechnung, weil es so viel Spaß gemacht hatte. (Ich weiß nicht was in mich gefahren war, ich bin doch sonst so geizig!)
Der Donnerstag meiner Woche als einziger Weißer in Denkyemuoso war auch so ein Durchschnittsding. Ich ging Andrew besuchen und bequatschte mit ihm die aktuelle Lage. Er erzählte, dass einige seiner nigerianischen Schüzlinge für ein Camp im Ausland angenommen wurden und jetzt nach Amerika kommen, wenn sie das Geld zusammen bekommen, aber die Rede von einer ziemlich hohen Summe für Afrikaner, deswegen sagte er: “Oooh… They are in trouble!” (Oh, die haben Probleme) wieder und wieder. Naja, danach ging ich zur Uni, um zu spielen, aber zwei andere Mannschaften spielten und ich spielte den Schiedsrichter. Eine Woche später wurde mir dann offenbart, dass ich für meine Dienste Geld bekommen würde, aber ich lehnte dankend ab. Ich hatte schon für das ins Wasser gefallene Spiel 3 Cedi bekommen, also brauchte ich hierfür nicht auch noch Geld!
Am Samstag kamen Ruven und Andreas dann von ihrem Nordentrip zurück und machten mich eine Runde neidisch. Sabrina blieb noch da oben und schaute sich ein wenig Wa und einen Wasserfall in der Nähe an.
Tja, am nächsten Tag hatte mich Deborah dann zu sich eingeladen, um Fufu zu essen. Das war auch ein ganz witziger Nachmittag. Ich bin nachdem ich zu Hause ein bisschen aufgeräumt hatte und noch ein paar Episoden meiner Serie geschaut hatte, in Richtung Komfo Anokye Teaching Hospital gefahren, weil Gifty mir das so beschrieben hatte. Als ich dann dort war, war Debbie aber nicht zu erreichen, also saß ich dann erstmal für 15 Minuten in der Sonne. Aber ich hatte meine Musik mit und mit afrikanischer Musik macht jede Sonneneinstrahlung Spaß, sei sie noch so hoch! 😀 Naja, dann irgendwann war Deborah auch mit ihrer Kirche fertig und holte mich ab. Wir liefen dann durch eine ghettoartige Gegend und kamen zu Deborah nach Hause. Dort begrüßte mich die Mutter auch sofort mit Namen, wodurch ich mich sofort, wie zu Hause fühlte. Zurecht, denn Deborah ist die Cousine von Kwakye und somit nach afrikanischer Tradition ja Teil meiner Familie. Es war eine lustige Zeit dort. Nebenan war eine riesige Kirche, wo die Leute noch etwa eine Stunde lang durch die Gegend schrien… ähh Gott priesen! lol Naja, da wir draußen kochten, konnte man sich da auch nicht so unterhalten, aber Debbies Mutter, deren Namen ich vergessen habe, testete mich auf meine Twi-Fähigkeiten und brachte mir auch noch einiges bei. Dabei erfuhr ich, dass Giftys Mutter an der gleichen Schule arbeitet, wie Gifty. Lustig, wie hier alle verknüpft sind, wenn man verwandt ist! Naja, ich wollte beim kochen natürlich helfen, aber letztendlich habe ich am besten geholfen, wenn ich einfach nur zuschaute, denn als ich einmal versuchte ein paar Kleinigkeiten zu zerstößeln brauchte ich ewig und verkackte es total… typsich! Beim stampfen durfte ich auch nur zuschauen, weil ich es halt einfach nicht richtig kann. Der kleine Bruder von Deborah, den ich mal letzte Ferien getroffen hatte und mit dem ich in unserem alten Zimmer Kill Bill geschaut hatte, erledigte das stampfen. Allerdings passierte ihm ein kleines Missgeschick. Beim stampfen geriet das obere Ende des Stößels (klingt eigentlich viel zu niedlich für die ghanaischen Stößel!) gegen das Dach, wodurch er abrutschte und den kleinen Finger von Deborahs Mutter zermatschte. Das war nicht ganz so lustig, aber sie reagierte ganz anders, als ich das von Ghanaern kenne. Sie schaute einfach nur ins Gesicht ihres Sohnes ohne gleich zu meckern. Typisch hingegen war, dass sie gar nicht vor Schmerzen schrie, sondern einfach rational die Sachen packte und zum Arzt ging. Das war schon echt ziemlich bemerkenswert, in denn das war nicht nur ein bisschen Blut, was da floss.
Nun ja, das Essen musste ja trotzdem vorbereitet werden, also ersetzte Deborah ihre Mutter beim Wenden der Masse und bald war alles fertig. Mir wurde dann so viel Fufu angedreht, dass ich mich kaum noch bewegen konnte aber da es langsam spät wurde und ich zu Hause noch ein bisschen chillen wollte, entschied ich mich nach Hause zu gehen. Da ich aber einfach kein Trotro bekam, lief ich zum nahe gelegenen Verkehrsknotenpunkt Sofoline, wo man eigentlich immer ein Trotro in unsere Richtung bekommt. Aber als ich dann da war, machte mir das laufen mit Musik in den Ohren so viel Spaß, dass ich noch weiter lief. Insgesamt dauerte der Weg von Bantama nach Denkyemuoso etwa 90 Minuten. Woher ich die Energie hatte, weiß ich nicht so recht, aber ich vermute das Fufu hat mir diese Aktion ermöglicht! Tja, am Abend wollten Ruven, Andreas und ich eigentlich in die Bar, aber leider regnete es und wir blieben alle zu Hause und ich legte mich früh schlafen.
Am nächsten Morgen war dann auf einmal Giftys Mutter in unserem Wohnzimmer. Ich war total überrascht, weil ich sie noch nie gesehen hatte und vermutlich auch nie wieder sehen werde. Aber sie war ganz nett. Ich konnte mich aber leider kaum mit ihr unterhalten. Alles was sie sprach war das Englisch das sie in Nigeria sprechen und Twi. Also hab ich meine paar Sätze auf Twi rausgehauen und dann meni Ding gemacht. Dann sagte mir Gifty, dass sie einkaufen gehen wolle, also ging ich mit ihr um zu helfen. Am Morgen sprühte Gifty noch vor Elan, aber dann wurde sie auf dem Markt recht schnell müde. Zurecht. Wir liefen ja auch nur von Stand zu Stand. Nachdem wir alles hatten, musste sie zu Arzt wegen eines Schwangerschafts-Check-Ups, was dann für mich hieß alles eingekaufte nach Hause zu schleppen und zu Hause dann Giftys Mutter zu erklären, was GIfty, wie haben will.
Das Kochen selbst war dann ganz witzig, weil Giftys Mutter solche Sachen, wie Wasserhahn und Herd nicht richtig kennt und ich es ihr erklären musste. Da sie auf dem Dorf lebt, ist das aber auch nur natürlich. Dennoch war es krass für mich zu sehen, wie sie den Wasserhahn anfangs nicht richtig operieren konnte. Naja, aber dann ging es. Ich half ihr noch ein wenig bei Aufgaben, die man nicht wirklich falsch machen kann und verabschiedete mich dann von ihr um zu Polytechnik zu gehen und da Volleyball zu spielen. Dort sah ich dann seit Ewigkeiten mal wieder Joshua und Fisko, zwei der Prempeh Volleyballer. Die verrieten mir auch, dass sie in naher Zukunft ein Match in Kibi haben würden und ich eingeladen wäre mitzukommen, auch wenn ich nicht groß zum spielen kommen würde. Ich glaube, dass dieses Match so am 7.5. sein wird, aber mal schauen.
Nach dem ganzen Volleyball ging ich mit Eric nach Hause und dann in unsere Bar, wo wir unsere Getränke tranken bis an unserem Nachbartisch eine 5 Liter Weinflasche geöffnet wurde und wir eingeladen wurden auch etwas zu trinken. Aber die meisten von uns lehnten ab, wobei wir aber dennoch ins Gespräch mit den Leuten kamen. Der, der das gnaze arrangiert hatte, hieß Martin und war der Besitzer einer anderen Bar in Kwadaso, der sich diese Bar mal anschauen wollte. Es war alles in allem ganz witzig, aber das es spät war, gingen wir dann auch bald nach Hause.
Der darauffolgende Dienstag war eher entspannt. Ich kümmerte mich noch um die letzten paar Hotels für meine Eltern, die zwei Tage später, also am 21.4 . nach Ghana kommen wollten. Am Morgen bereitete Gifty ein extrem leckeres Frühstück vor, indem sie Möhren, Frühlingszwiebeln, Grüne Paprika und Salatblätter mit Corned Beef mischte und dazu in Fett erhitzte Brotscheiben servierte. Es war so unglaublich lecker. Und über dieses Essen nachzudenken macht mich gerade nur umso hungriger! Alter, war das lecker! Ich glaube ich muss mir erstmal was zu essen besorgen…
So jetzt bin ich wieder da… Also, am nächsten Tag war dann unser letztes Spiel des Volleyballturniers an der Uni, aber ich spielte nicht so gut und wir gewannen nur knapp und hätten, glaube ich jedenfalls einen guten Sieg gebraucht um alles zu gewinnen. Was mir erst später offenbart wurde, ist, dass mit dem Sieg auch noch 30 Cedi Gewinn zusammenhängen. Hier geht es doch wirklich in so vielerlei Sachen nur ums Geld. Ich frage mich, ob das in Deutschland dann auch ähnlich sein wird und ich es vorher nur einfach nie wirklich bemerkt habe.
Tja, wie auch immer, am nächsten Tag ging es dann los. Ich sollte meine Eltern sehen… Dafür stand ich in aller Frühe auf und fuhr zum Asafo Market um ein Minibus nach Accra zu bekommen. Das lief auch alles super und ich war schon kurz nach 12 Uhr im Hotel, in dem ich meine Eltern unterbringen wollte. Einfach zu geil! Auf der Fahrt traf ich dann noch einen Kwame Nkrumah Univiersitäts Student, der sich mit mir, nachdem ich ein paar Twi-Skills ausgepackt hatte, verkündete, dass er Agrarwissenschaften studiert und total fasziniert von dem Fach ist. Es war echt interessant. Er redete gern und viel, aber da sein Fachgebiet wirklich mal interessant war, hörte ich zu. Nachdem wir Nummern ausgetauscht hatten und er mir den Weg geweist hat, haben wir uns getrennt und ich war endlich wieder mal in Accra. Und wieder ist mir aufgefallen, wie anders Accra doch ist. Die Leute sind ganz anders gekleidet und achten viel mehr auf Stil und ähnliches. Auch als ich mit dem aus dem Trotro sprach, merkte ich es wieder: die Leute hier sind stolz auf ihre Heimat und wollen, wenn sie woanders leben immer wieder nach Accra zurück.
Tja, als ich aber im Hotel St. George, das ich für meine Eltern reservieren wollte, ankam, wollte ich mein Zimmer beziehen, doch daraus wurde nichts. Sabian hat es gegeben, aber von einem Fabian hat keiner etwas gehört. Anfangs dachte ich noch, dass mein Name vielleicht wirklcih nicht aufgenommen wurde, aber da dann in jedem folgenden Hotel der Name Sabian auftauchte, wurde mir einiges klar. Tja, was hieß das jetzt aber im Endeffekt für mich und meine Eltern? Ein Zimmer wurde noch mobilisiert. Es war auch gar nicht so schlecht, aber die Klimaanlage war kaputt. Kein Problem dachte ich erst, aber in der Nacht änderte ich meine Meinung dann beim ständigen Aufwachen und Einschlafen vor Hitze. Tja, so ist das Leben! Ich wollte mich, nachdem ich das Hotel klar gemacht hatte, Andreas, der auch gerade in Accra war, treffen, aber da er in einem anderen Stadtteil war und sein Hotel in meiner Nähe, legte ich mich erstmal hin und er wollte dann einfach anrufen, wenn er so weit war. Tja, ich fiel in einen tiefen Schlaf, weil ich wirklich absolut fertig und der Raum trotz nicht funktionierender Klimaanlage angenehm kühl war. Dann rief irgendwann Andreas an, der in einem Restaurant über eine Stunde auf sein Essen gewartet hatte und ich lief raus auf die Straße um dann mit ihm zusammen zum Nkrumah Circle (dem wichtigsten Verkehrsknoten in Accra, finde ich) gegangen um ein Trotro in Richtung Flughafen zu nehmen. Aber der Flughafen war nicht unser Ziel, sondern die nahe gelegene Accra Mall, eine Einkaufsmeile, die es mit deutschen Malls aufnehmen kann. Jedoch war das Publikum hier absolut High-Class! Wie durchgestylt die Leute hier aussahen war echt unglaublich. Ich fühlte mich wieder direkt arm, fast dörfisch! Wir liefen ein wenig durch die Gegend und ich wurde schwach und kaufte mir ein Softeis für unglaubliche 2 Cedi (1 Euro)! Absolut überteuert! Aber das war es wert, irgendwie… 😀
Vor lauter Luxus beschwipst torkelten Andreas und ich dann aus der Mall heraus zu den gewohnten Ständen und kauften erstmal wieder den gewohnten halben Liter Wasserbeutel für 2,5 Cent. Das fühlte sich wieder richtig an. lol Wir steuerten noch eine Weile durch die Gegend, um dann den klugen Entschluss zu fassen zum Flughafen zu laufen, weil wir nichts mehr zu tun hatten. Am Flughafen angekommen waren wir durstig und ein wenig hungrig, doch die Preise waren einfach zu hoch. So hoch, dass ich mich nicht mal mehr erinnern kann, was man für eine Cola bezahlt hätte, aber ich glaube für 0.3 L hätte man tatsächlich 1,5 oder 2 Euro bezahlt!!!! Das muss man sich erstmal vorstellen! ALso entschlossen wir uns zu irgendeiner Billig-Bar an der Straße zu gehen. Aber die war wiederum ziemlich weit weg. Doch wir hatten großes Glück, denn wir fanden eine kleine Bar direkt am Flughafen und genossen Cola und Wurst zum gewohnten Preis von 30 und 75 Cent. Wir unterhielten uns noch eine Weile, aber irgendwann wurde es für Andreas zu spät und er fuhr nach Hause. Ich für meinen Teil setze mich in die Wartehalle (im Freien) und schaute mir schlechte Cartoons auf einem Bildschirm an, der eigentlich für Ankünfte und Abflüge gemacht sein dürfte. Aber so war die Zeit wenigstens nicht so vollkommen langweilig und die 2 Stunden wurden erträglicher. Als dann die Maschiene meiner Eltern gelandet war, begannen sich mehr und mehr Leute an den Ausgang zu stellen um Freunde und Familienmitglieder zu empfangen. Das war wiederum ein bisschen nervig, weil jeder vorne stehen wollte. Ich verweilte einfach auf meinem Platz und wartete ab. Und dann sah ich die beiden endlich! 😀 Ich begrüßte sie, zog sie aus dem Rund der Versammelten und ein eifriger Helfer half uns eifrig. Dann begann die fröhliche Taxisuche. Ich schaute nach einem Taxi, dass nicht komplett schreckliche Preise verlangte und wurde nach etwa 15 Minuten fündig. 8 Cedi, eigentlich wurde mir gesagt, dass 5 ein guter Preis war, weswegen ich das erste Taxi, das mir auch 8 angeboten hatte, ablehnte. Aber am Ende hatte ich es satt immer wieder nach einem Angebot von mir wütende Taxifahrergesichter zu sehen und willigte ein. Der Fahrer war ganz nett und er gab mir auch seine Nummer, falls meine Eltern mal wieder hätten eskortiert werden müssen. Aber dazu kam es nie. Der Rest des Abends verlief eigentlich ganz entspannt. Wir trafen uns mit Andreas in Ruvens und meiner LIeblingsbar, dem Rooftop. Da aßen und tranken wir ein wenig, um dann relativ früh ins Bett zu gehen. Da wir die Nacht nur so schlecht schlafen konnten, standen wir am nächsten Tag sehr früh auf, um möglichst schnell nach Kumasi zu kommen.
Eigentlich war alles entspannt, aber als wir dann an der VIP Station ankamen um unseren Bus zu bekommen und Geld abzuheben, fiel uns zweierlei auf: erstens war der blöde Visaautomat nicht funktionsfähig und Torsten wusste seinen PIN nicht, weil er ihn noch nie in anderen Ländern gebraucht weil, da meistens eine Unterschrift reicht. Zwei Probleme also… Ich lief dann zu einem anderen Automaten nicht weit weg und ließ meine Eltern erstaml an der Busstation mit unseren Sachen warten und hob ein wenig Geld von meiner Karte ab. Letztendlich hätte kein Problem existiert, wenn ich kein Limit auf meiner VISA-Karte gehabt hätte, das nicht zuließ, dass ich mehr als 300 Euro pro Monat abhebe. Tja, es war alles schon ein wenig verzwickt, aber irgendwie sind wir dann doch durchgekommen. Wir stellten uns in die ewig lange Reihe für Leute, die VIP fahren wollten und mussten wirklich nicht allzulange warten, um ein Ticket zu bekommen. Etwa 30 Minuten später fuhren wir dann los. Die Fahrt war ein wenig anstrengend, weil ich noch ein wenig müde war und in dem VIP so viel Federung ist, dass die ersten 2 Stunden über die schlechten Straßen wie eine Schifffahrt waren. Was auch im VIP nervt, ist, dass die Klimaanlage voll aufgedreht wird und es einfach nur zu kalt ist! Wie in Amerika, die Leute wissen einfach nicht, wo Schluss sein sollte mit der Raumkühlung! Später wurde es dann auch nochmal interessant, weil uns ein Laster mit einer relativ lockeren Plane entgegenkam und damit unseren Spiegel traf. Aber er war dann nur etwas locker, was noch behoben werden konnte. Doch irgendwann sind wir dann sicher nach Kumasi gekommen und haben ein Taxi in das Hotel genommen, welches ich für meine Eltern auserkoren hatte. Aber da lief einiges schief. Das Zimmer, was ich eigentlich bestellt hatte, war schon an andere vergeben und das Zimmer, was die zwei dann bekommen sollten, war nicht so, wie sie sich das gewünscht hatten. Das Problem war, dass das Zimmer noch ziemlich dreckig, die sanitären Einrichtungen kaputt waren und das Wasser nicht floss. Nach dem frühen Aufstehen und der Busfahrt, war das einfach zu viel und die beiden zogen in das Senator Hotel um, das 10 Minuten vom ersten Hotel weg war. Dort namen die beiden das beste Zimmer zu einem Spottpreis und waren glücklich. Ich wurde dann von einem Taxifahrer nach Hause gefahren und wir haben noch nett geredet. Zu Hause hab ich mich dann für eine Weile ausgeruht, weil ich absolut am Ende war. All das Hin und Her machte mich etwas müde.
Aber lange blieb ich nicht im Bett. Ich ging die anderen Besuchen und chillte und quatschte noch ein wenig mit ihnen, was sie so erlebt hatten und ähnliches.
Dann holte ich meine Eltern ab und zeigte sie herum: erst Ruven, Andreas, Sabrina, Daniel und Eric, dann Harriot und dann gingen wir endlich wieder nach Hause, wo anstrengenderweise tausende von Höflichkeiten ausgetauscht wurden, aber dann wurde es auch bald menschlicher und wir redeten, bzw ich redete, denn ich übersetzte so ziemlich jedes gesprochene Wort, was in unserem Wohnzimmer gesprochen wurde. Dann gab es leckeres Essen von Gifty. Da meine Eltern wegen der Wärme nicht viel essen konnte, haute ich doppelt rein, weil ich ihr Essen abbekam. Gifty kann aber auch gut kochen! Nachdem sich dann auch ein wenig über meine Essenskünste lustig gemacht wurde, gingen meine Eltern nach Hause und ich ging nochmal zu den anderen, um ein wenig zu quatschen. Daniel hatte einen Sack voller Orangen da gelassen, da die anderen aber am nächsten Tag in die Voltaregion reisen wollten, mussten die verarbeitet werden, also nahm ich sie mit und drückte vor dem zu Bett gehen noch in aller Ruhe eine Stunde Orangen aus und erhielt letztendlich etwa 2 Liter feinen Orangensaft, den tat ich dann ins Tiefkühlfach und wartete auf den nächsten Morgen, um den anderen den guten Stoff auf die Reise mitzugeben.
An diesem Morgen begann auch eine großartige Zeit mit erfüllendem Frühstück! Am ersten Tag gab es wieder mein Gemüse-Corned Beef-Brot Frühstück, das auch meinen Eltern gnaz gut schmeckte, am zweiten Tag wurde dann der Rest davon mit Eis vermischt und wurde als Omelette serviert. Auch mit Brot und auch richtig geil! Am dritten Tag war dann nichts mehr da, also mixte Gifty Ei mit Jollof-Soße und machte Tomatenomelette. Auch extrem gut. Ich sollte aufhören diesen Blog zu schreiben, wenn ich so viel Hunger habe… Mist!
Naja, aber ich höre mal auf und erzähle vom Rest des Tages. Als Gastgeschenk hatten sich Gifty und Kwakye eine Mikrowelle gewünscht, die nicht wirklich eingeführt werden konnte, da das zu teuer gewesen wäre, also entschieden wir uns hier in Ghana eine zu kaufen und den beiden zu geben. Doch das sollte weniger einfach werden, als wir uns das erhofft hatten. Angefangen hatte es eigentlich ganz entspannt. Nach dem Frühstück sind wir zusammen mit Gifty zu einem Malcom’s gefahren, dass ich noch nicht kannte, welches aber größer war, als jenes zu welchem wir immer gegangen sind, wenn wir westliches Zeugs brauchten. Tja, so sind wir also zu dem Laden hingefahren, haben uns einige Mikrowellen angeschaut und entdeckten eine, die gut war. Doch dann ging es um das bezahlen. Meine Eltern hatten kaum noch was von ihrem Geld da und ich hatte auch nichts mitgenommen. Wir fragten, ob es möglich sei mit Euro zu bezahlen, aber das ging natürlich gar nicht. Dann fragten wir, wo wir denn Geld tauschen könnten und uns wurde gesagt, dass es ganz in der Nähe eine Bank gäbe, die uns helfen könnte. So gingen wir da also hin, nur um enttäuscht zu werden… Von der VISA-Karte meines Vaters konnte man nur mit PIN abheben und tauschen ging sowieso nicht. Es war ein bisschen verzwickt! Aber wir entschieden dann einfach in die Stadt reinzufahren und dort nach Möglichkeiten zu suchen Geld zu besorgen. Torsten bekam auch einen Tip für eventuelle PIN-Nummern, welche sich aber alle als falsch herausstellten. Schade, aber am Ende hat es auch so funktioniert. Ich hob einfach Geld von meiner Karte ab und meine Eltern tauschten noch etwas von den verbliebenen Euros zu Cedis. Mit all dem neuerworbenen Geld gingen wir dann zu dem Melcom’s in der Stadt und kauften eine Mikrowelle und bekamen sogar einen 5 Euro Rabatt. Das war gleich mal richtig geil. Was dann nicht sooo geil war, war, dass wir noch auf den Zentralmarkt gehen wollten. Zuerst dachte Gifty, dass sie zur Chorprobe gehen müsse, die eigentlich vor einer halben Stunde angefangen hatte, aber letztendlich brauchten wir noch etwa 100 Minuten auf dem Markt und sie kam dennoch vor dem Beginn der Proben an. Aber was taten wir in diesen ominösen 100 Minuten? Es war unglaublich! Es zu erzählen fehlen mir die Worte, ja der Mut. Doch jetzt habe ich genug gelabert und komme endlich mal zum Punkt. Wir liefen mit der Mikrowelle etwa 10 Minuten zu einer Tante von Gifty, stellten das Ding da ab und liefen in den Zentralmarkt rein. Es war die volle Packung. Meine Eltern bekamen schön was geboten, weil wir wirklich nur die bevölkerten Wege entlang liefen. So war es auch gleich richtig anstrend und die Hitze machte alles nur umso heftiger… So war es auch kein Wunder, dass wir nur kurz im Zentralmarkt blieben und bald wieder herausliefen, Wasser kauften, die Mikrowelle abholten und ein Taxi riefen, welches uns endlich nach Hause fuhr, wo wir uns ausruhen konnten. Meine beiden Parenten gingen nach Hause und ich chillte zu Hause auf eine ziemlich harte Art und Weise. Am späten Nachmittag trafen wir uns wieder und wollten eigentlich in die Stadt fahren und irgendein Restaurant genießen, aber stattdessen blieben wir in Denkyemuoso und kauften uns Teebrot, Softgetränke und Würste, bzw Banku mit Tilapia. In der Bar, wo wir das Banku und die Würste kauften, unterhielt ich mich dann eine ganze Weile mit der Frau des Besitzers. Das Gespräch war echt ganz nett und während ich mich so unterhielt kümmerten sich meine Eltern um die kleine Tochter der Besitzerin. Innerlich musste ich schmunzeln, weil ich mich selbst sah. Anfangs hier in Ghana waren wir auch total fixiert auf die Kinder und spielten und lachten und tralalaten mit ihnen rum, aber jetzt ist es teilweise einfach nur noch anstrengend. Nur noch ganz kleine Kinder machen spaß, weil die süß sind und sich nicht so viel bewegen und deshalb weniger nervig sind. Naja, danach gingen wir nach Hause aßen den Rest des Frühstücks auf. Gifty entdeckte die Würste für sich, weil sie durch den Pepper schön scharf sind und sie das seit ihrer Schwangerschaft mag. Tja, also hat sie mir eine Wurst weggegessen, weswegen ich ihr das Banku und Tilapia wegaß. Ha, aber das hat sie leider nicht interessiert… 😀
Nun ja, wie geht’s weiter? Ich glaube der nächste Tag war unser letzter richtiger Tag in Kumasi. Da wir aber eigentlich alles wichtige schon gesehen hatten, wusste ich nicht mehr so richtig, was ich denn meinen Eltern hätte vorführen können. Also besuchten wir die SChule, sodass die beiden noch ein paar Fotos schießen konnten. Aüßerdem schauten sie sich den Kindergarten an, der jetzt schon echt ordentlich aussah. Er hatte schon eine ordentliche Form und man könnte fast glauben, dass er bis nächsten Monat fertig ist. Aber nachwievor, wir sind hier in Ghana und Dinge ändern sich schnell! Ich war aus irgendeinem Grund an diesem Tage sehr träge und deswegen gingen wir alle dann zu unseren Wohnstätten zurück und ruhten uns aus. Ich für meinen Teil schaute den Baader-Meinhoff Komplexu und schlief danach eine Runde. Später holte ich meine Eltern ab. Da Sonntag und Osterzeit war, wurde auf dem Hof des Senatorhotels groß aufgetafelt und viele hübsch geschmückte Tische waren überall verteilt. Die Musik spielte auch ganz schön laut und ich fragte mich, wie meine Eltern das aushielten. Aber im Zimmer der beiden hörte man von all der Kakophonie nichts mehr. An diesem Tag versteckte der Osterhase auch noch für mich ein tolles Buch mit dem großartigen und vielversprechenden Titel “Anorganische Chemie” ich find auch sofort an die ersten Seiten zu lesen. Aber dann wollten wir los, um mit Kwakye und Gifty in ein ghanaisches Restaurant zu fahren. Doch leider war Gifty nach der Kirche absolut am Ende und hatte gar keinen Bock mehr irgendwas zu machen. Also gingen wir mit Kwakye zusammen los und fuhren in Richtung Confidence Bar, weil es, laut ihm, dort auch zu später Zeit gutes Essen gäbe. Gab es auch, bloß die Abwechslung ließ zu wünschen übrig. Es gab gekochten Reis mit Gemüse und Fisch oder Banku mit unterschiedlichen Soßen und Fisch. Besonders Banku kann extremst lecker sein, aber wir entschieden uns trotzdem noch weiter zu fahren. Da wir eigentlich vorhatten dort zu essen, rief ich vorher Debbie an, weil sie eigentlich direkt neben der Bar wohnt. Und da wir nur kurz in der Bar blieben, kam sie dann auch noch zu unserem nächsten Anlaufpunkt mit. Naja, es waren ja eigentlich mehrere. Zunächst fuhren wir zu Kumasi Catering, wo wir dann auch letztendlich aßen, aber das Essen wa nicht wirklich gut. Und dennoch verhältnismäßig teuer. Aber wir redeten nett und hatten eine gute Zeit bei Essen und Fußball. Aber wer gespielt hat weiß ich gar nicht mehr! Hernach besuchten wir den Asafo Market und die STC Station, wo wir uns nach Fahrten in Richtung Cape Coast umsahen. STC hatte geschlossen, aber bei Asafo wurden wir fündig und wir wussten genau welchen Bus wir am nächsten Tag nehmen würden (zu meinem Glück einen Guten zu annehmbaren Preis… :D). Danach lud Kwakye seine Cousine bei sich zu Hause ab und brachte uns Rest nach Denkyemuoso, wo wir in aller Ruhe schlafen konnten. Was wir auch tun mussten, denn am nächsten Tag wollten wir nach Anomabo fahren.
In meinen Aufzeichnungen steht der nächste Tag als ereignisreichster Tag beschrieben und das war er auch! 😀 Dieser Tag wird wohl in aller unser Gedächtnisse eingebrannt bleiben bis zum Ende. Es war einfach zu krass! Naja, was ist passiert? Morgens wollten wir Frühstück machen, aber es war nichts mehr so richtig da, also holte ich wieder ein paar Eier und es gab erneut Omelette. Extrem einfach, extrem lecker! Nachdem wir dann Kwakye auf Arbeit angerufen hatten, holte er uns ab und brachte uns nach Asafo mit einem kleinen Zwischenstopp bei der nun offenen STC Station. Da wurde uns aber gesagt, dass, weil Ostermontag ist, kein Bus fahren würde. Bevor wir dann weiterfuhren, bastelte Kwakye noch ein bisschen an seinem Auto rum, weil es nicht mehr ordentlich lief. Aber wirklich reparieren konnten wir es leider nicht und er erzählte mir dann auch später, dass das Auto sich nach unserer Abfahrt gar nicht mehr bewegte und er es in eine Werkstatt bringen musste. Doch bis zu unserer Abfahrt half er uns nohc ungemein, indem er vieles für uns arrangierte und mit den Leuten sprach, sodass sie uns nicht zu sehr auf die Nerven gingen. Wir kauften dann unsere Tickets, hatten für das Gepäck ordentlich zu blechen und setzten uns endlich in den Bus, der zwar etwas eng, aber durchaus zum Aushalten war. Kwakye kümmerte sich darum, dass auch keiner unser Zeugs anfasste und zum Abschied überreichte mein Vater ihm noch seine Uhr, denn bisher hatte nur Gifty etwas Lotion aus Deutschland bekommen und da Kwakye einfach eine so freundliche Persönlichkeit ist, wollte mein Vater auch ihm noch etwas schenken. Und dann ging es los… 😀
WIr fuhren und es passierte zunächst nicht viel. Wir redeten, entspannten uns und freuten uns auf das Meer, doch dann kam etwas dazwischen. Wie wir so auf der Straße entlang rasten, kam ein Taxi auf der entgegengesetzten Spur immer näher an uns heran, berührte zunächst die Mittellinie und kam dann unaufhaltsam immer weiter auf unsere Fahrbahn. Hinter dem Taxifahrer war auch direkt ein Trotro, sodass es keinen Weg zum Ausweichen gab. Aber unser Fahrer hatte sein Auto so gut unter Kontrolle, dass er den Bus an den äußersten Rand der Straße lenkte, ohne ganz von der Straße abzukommen. Doch eines war unvermeidlich, das Taxi musste uns rammen. Aber glücklicherweise nicht frontal, sondern er schrammte an unserer vollen Seite entlang und dann zwischen zwei Bäumen hindurch, direkt in die Büsche. Das war schon ein bisschen krass. Als das Taxi den Bus berührte wurden wir ordentlich durchgeschüttelt. Das war schon nicht mehr total lustig. Nach dem Ereignis, hielten wir an und der Busfahrer stieg aus, um sich ein Bild zu machen von dem was passiert war. Und das fast jeder Mensch schaulustig ist, ist fast der ganze Rest im Bus mit ausgestiegen. Der Bus war an der einen Seite ordentlich verbogen und wir hatten Glück, dass die Räder ziemlich weit im Chassis versteckt waren, sonst hätte das Taxi uns am Ende noch die Räder aufgerissen. Das Taxi fanden wir relativ tief im Gebüsch versteckt, aber was mit dem Taxifahrer passiert war, wussten wir einfach noch nicht. Doch dann lief da einer mit Gras im Haar und auf dem Shirt und einer Wunde am Hals, die fein blutete. Außerdem sah er ziemlich verwirrt aus… (Für die langsamen unter euch: das war der Fahrer :D) Er wurde von einer Masse von Menschen, zuvorderst unser Busfahrer, zu unserem Bus gebracht und erstmal angemacht, was das soll und wie kaputt der Bus jetzt ist. Der Taxifahrer allerdings hatte immer nur den gleichen Gesichtsausdruck drauf. Er war absolut apathisch. Alles was er für ihn gab, war seine Wunde, hatte ich das Gefühl. Die sah aber auch eklig aus, auch wenn sie nicht wirklich komplett schlimm war. Tja, wir setzten uns dann alle in den Bus und fuhren zur nächsten Polizeistation, wo wir warteten und warteten, weil der Busfahrer, der Taxifahrer und ein Polizist sich unterhalten mussten, inspizierten und protokollierten. Irgendwann kamen dan zwei neue Busse an. Lustig, sagte ich “neu”? Mit neu meinte ich natürlich nur andere Busse, aber sie waren alles andere als neu! Das waren kleine, verrostete Trotros, die normalerweise nur kurze Strecken fahren. Sowas wollte ich meinen Eltern eigentlich nur mal in einer ruhigen Minute zumuten, aber jetzt mussten wir den Spaß wohl mitmachen… Alles was ich für die beiden noch tun konnte, war sie ganz nach vorne zu setzen, sodass sie die wirkliche Enge des Trotros nicht so hart erleben mussten. Nachdem alle Passagiere des vorhergehenden Busses eingestiegen waren, kamen dann noch extra Passagiere hinzu, die ebenfalls nach Cape Coast wollten, bis das kleine Trotro, ein Hyundai H100 mit 16 Passagieren voll war. Plus einen Fahrer und einen Mate, der das Geld einsammelt. Unser Gepaäck kam dann unter den hinteren Sitz und die Kofferklappe wurde zugeklappt und verschnürt. All das war etwas viel für meinen Vater, wie er mir später erzählte, aber es war nicht schwer seine Angespanntheit von seinem Gesicht abzulesen. Er hatte Bammel wegen unseres Gepäcks, weil er es nicht richtig im Auge hatten, er hatte Bammel, weil er ganz vorne saß und die ghanaischen Fahrer in Action sehen konnte (, denn heute fuhren sie besonders bescheuert, da Feiertag war und alle schnell nach Hause, oder zu vereinbahrten Orten kommen wollten. Dazu kommt auch noch, dass viele der Fahrer gut angetrunken fuhren… Es ist also ein wahres Spektakel :D) und wegen all der Fahrer hatte Bammel um aller unser Leben. Als es das erste Mal knapp wurde, schaute er mich entgeistert an, und auch beim zweiten und dritten Mal lehnte er sich noch zurück, wie um sicher zu gehen, dass ich die Verrückten gesehen hab, aber dann gewöhnte er sich langsam an die ghanaische Fahrweise und schaute einfach nur noch schnurgeradeaus und kämpfte innerlich mit sich, uns nicht alle zum Aussteigen zu bewegen. So kam es mir zumindest vor. Ganz witzig wurde es dann, als wir so durch die Gegend fuhren und wir vor uns einen riesigen Blutfleck auf der Straße hatten. Krass, konnte man sich jetzt denken. War es ja eigentlich auch, aber wenn man hier so auf den Straßen fährt, dann sieht man halt mal die eine oder andere Ziege durch die Gegend fliegen. Aber diese 4 Ziegen sind nicht groß geflogen. Ein Stück der einen Ziege war sogar noch auf der Straße und chillte da ganz hart. Ich weiß nicht welche Art Gedärm es war, aber ich tippe auf Magen. Naja, aber die Ziege ist jetzt im Ziegenhimmel und kümmert sich nicht mehr um ihre fleischlichen Reste… Würde jetzt vielleicht ein Ghanaer sagen 😀
Tja, irgendwann kamen wir an einer Kreuzung Namens Yamoransa Junction an, wo wir in ein Taxi umstiegen und uns ins Resort bringen ließen. Und das Resort war echt nett. Es gab wieder, wie in der Green Turtle Lodge, viele Kokosnüsse zum pflücken und viel Strand, Sonne und Meer. Die Hütten waren auch geiler, als die, die wir in der Green Turtle Lodge hatten. Wir packten aus, freuten uns unseres Lebens, chillten, aßen und schliefen. Ich war auch noch im Wasser, aber ich wurde rausgeholt, weil… ich weiß es bis heute nicht. Vielleicht war es zu spät, vielleicht war die Strömung zu hart.
Der nächste Tag war dann sehr entspannt, denn wir setzten einfach das fort, was wir am Abend zuvor schon taten. WIr chillten, aßen, schliefen und badeten. Dazu kamen dann einige Kokosnüsse… Man sieht, über diesen Tag habe ich eigentlich so gut, wie nichts zu berichten. Aber ich kam ein wenig mehr dazu die “Zeit” zu lesen, die mir meine Eltern mitgebracht hatten und es war durchaus interessant! Ich bin ja eigentlich kein Zeitungsleser, aber diese Zeit hat echt Spaß gemacht und ich habe von vielen interessanten Dingen erfahren, von denen ich so noch nicht wirklich wusste.
Aber der nächste Tag sollte wieder ein erlebnisreicher Tag sein, denn wir fuhren nach Cape Coast, um uns ein wenig die Stadt und das Fort anzuschauen. Eigentlich wollten wir an dem Tag nach Kakum fahren, aber da mein Bauch mir Sorgen machte, wollte ich keinen Trip ins Niemandsland wagen. Wir nahmen also ein Taxi in die Stadt, direkt vor das Caslte und traten ein. Dort bezahlten wir einen erstaunlich hohen Eintrittspreis und wurden direkt ins Museum geschickt. Dort konnte man über die Sklaven lesen und erfuhr zum Beispiel, dass ein drittel aller Skalven aus Afrika nach Brasilien verschifft wurde. Ich muss zugeben, dass ich das so noch nicht wusste. Irgendwann wurden wir dann wieder zurückgerufen, zu einer Gruppe von Leuten, die gerade einen Tour durch das Castle startete. Wir gingen erst in die Zelle ohne wiederkehr, wo Leute hingeschafft wurden, die zu sehr stressten. Sie wurden da etwa drei Tage ohne Wasser und Essen gelassen bis sie tot waren. Kräftige Sklaven mussten die Toten dann über den Hof schleifen und ins Wasser werfen, um allen ein Exempel zu statuieren. Danach gingen wir in die Ankunftshalle der Sklaven, wo sie ihre Brandzeichen bekamen, wenn sie von Doktoren als arbeitsfähig eingestuft wurden. Aber heute wurde dort einfach nur Kunst verkauft… Dann ging es weiter an der alten Garnison der Soldaten vorbei, wo heute Kunst verkauft wird, hinein in das Zimmer des Gouverneurs. Ratet mal was da heute ist! Falsch, keine Kunst! Das war es relativ langweilig. Es war einfach nur ein schöner Raum, in dem uns offenbahrt wurde, dass hier kein länger diensttätig war als 18 Monte. Warum? Tja, bis dahin waren sie alle tot. Africa, the white man’s grave… (Afrika, das Grab des weißen Mannes) Aber mit der Art und Weise, wie die Leute hier Geld verdient haben, habens sie sicherlich nichts viel besseres verdient. Aber eines ist noch wichtig zu erwähnen. Die Sklaven nämlich wurden nicht einfach eingefangen und verschifft! Nein, die Stämme verkauften ihre eigenen Leute für Porzellan und Kleidung an die Weißen. Sicherlich war der Tausch keineswegs gerecht, aber hier muss man einfach sagen, dass zumindest der Anfang dieses ganzen Leidens auch Schuld der damaligen Chiefs war. Das hatte ich zum Beispiel auch gar nicht gewusst. Naja, aber die Weißen haben ihre in Afrika erworbenen Güter ja auch wirklich nicht gut behandelt. An meinem rumgelaber merkt man, wie schwer es mir fällt über das Thema zu reden. Ich fühlte mich in dem Castle so unglaublich schuldig für eine Straftat, die ich nie begangen hatte. Skalverei ist einfach ein ziemlich delikates Thema, besonders, wenn man hört, wie Familien gelitten haben und wie wenig wert die Leute waren. Etwa ein Drittel der Sklaven starben, glaube ich. Jetzt könnte man meinen, warum haben die Leute die Schwarzen nicht besser behandelt, weil sie doch auf die bekannte Art und Weise viel Profit verlieren. Aber sie kauften tausende Sklaven für ein zehntel des Preises, den sie letztendlich verlangen würden. Es interessierte sie also ein Scheißdreck. Das Geschäft boomte und auch ohne die tausenden Toten machten sie noch einen satten Gewinn. Echt krass. Naja, wir gingen dann weiter zum Ausguck, von dem aus man die Türme der anderen Forts im Umkreis sehen konnte, die Probleme signalisierten, so Probleme existierten.
Der nächste Anlaufpunkt war die Kapelle. Hier wurden Halfcasts, also Mischlinge, unterrichtet und Gott nah gebracht. Diese Halfcasts waren oft auch diejenigen, die den Sklaven vorstanden. Direkt unter der Kapelle waren die Kammern der Sklaven. 5 Räume für je 200 Sklaven, die da zusammen mit ihren Exkrementen lebten. In einem Raum war die Mischung aus Blut, Exkrement, und allem anderen Dreck um die 10 Zentimeter hoch. In einem anderen Raum, war die Verbindung der Kammern zum Wasser, wodurch die Skalven damals geführt wurden, um verschifft zu werden. Aber die Engländer mauerten den Gang nach dem Verbot von Sklaven zu, um zu zeigen, dass sie es ernst meinten. Danach gingen wir an Gräbern von Leuten vorbei, die hier im Castle besondere Taten taten. Dabei hörten wir eine Geschichte von einer Frau, die ihren Mann, den damaligen Gouverneur in Afrika besuchte, aber herausfand, dass er eine Affäre mit einer Einheimischen hatte. Wenige Wochen war sie in Afrika und starb an Traurigkeit und sicherlich auch Malaria… Oder so. Ihr verräterischer Mann folgte ihr 3 Monate später ins Grab. So war das Leben. Naja, dann gingen wir zur Vergewaltigungszelle, wo sehr schöne Frauen aufbewahrt wurden, für das kleine Vergnügen zwischendurch. Wenn sie sich dafür bereiterklärten, durften sie duschen, um für den Freier gut zu riechen. Wenn sie schwanger wurden, mussten sie das Kind zur Welt bringen und wurden danach wieder in die Kammer der Frauen gesteckt. Es ist doch echt unglaublich was da ging! Einfach nur krass. Da findet man es doch direkt okay, dass die Soldaten hier nicht lange lebten. Aber sicherlich waren nicht alle so, hoffe ich mal. Die Kammern der Frauen waren insgesamt zwei und in jede Kammer passten 250 Sklavinnen. Eine der Kammern hatte eine direkte Verbindung zum Gouverneursschlafzimmer. Kann sich irgendwer vorstellen, warum? Wollten der Gouverneur vielleicht Gute-Nacht-Geschichten hören? Ach, nein, stimmt ja, er wollte sie vergewaltigen, das Leben aussaugen und wegwerfen. So war das doch… Hab ich euch eigentlich schon erzählt, was mit den Frauen passierte, die unbemerkt schwanger aufs Schiff kamen? Sie wurden natürlich über Bord geworfen, denn wer will schon eine schwangere Sklavin? Das wäre ja noch schöner!
So ich höre am Besten auf darüber zu schreiben, sonst raste ich noch aus. Hm… Danach gingen wir durch das Tor ohne Wiederkehr, das Tor, durch das jeder Sklave aus dem Cape Coast Castle seine Heimat für immer Verließ. Nur die wenigsten hatten die Chance zurückzukehren. Aber meisten verloren sie alles, was sie besaßen, wenn sie die ersten Schritt durch das Tor taten: Ihre Familie, ihren Namen, ihr Eigentum und ihre Würde. Nur ihr Körper blieb ihnen noch und der blieb auch nur bei den wenigsten heil. Aber heute war hinter dem Tor viel los. Kinder spielten, Fischer fischten und alte Herren saßen da und genossen ihre schattigen Plätze. Kein Vergleich zu den damaligen Konditionen. Als wir zurück ins Castle gingen, war da ein Schild über dem Tor: Tor der Wiederkehr. Das wurde angebracht, als die ersten Sklaven ihre Heimat wieder besuchten. Naja, danach war die Tour vorbei und mein Vater und ich schauten uns noch ein bisschen die Burg an. Dann liefen wir noch ein bisschen durch Cape Coast, fanden aber nichts richtiges und fuhren wieder zurück zum Resort, wo wir wieder chillten, aßen und badeten.
Der nächste Tag, war der Tag an dem wer dann doch noch nach Kakum fuhren. Auf dem Rückweg des Vortages redete ich ein bisschen mit dem Taxifahrer Ali und er brachte uns für 40 Cedi nach Kakum und zurück. Im Nachhinein nicht preiswert, glaube ich, aber durchaus annehmbar! So viel gibt es hier eigentlich nicht zu erzählen, denn die Fahrt war relativ ereignislos und Kakum muss man gesehen haben, um es interessant zu finden. Dort haben wir nämlich den Baumkronen-Weg in Angriff genommen und sind in bis zu 40 Metern höhe von Baum zu Baum über 7 Brücken gelaufen. Für mich höhenängstlichen Verlierer war das ganze gar nicht so einfach, aber ich überwand mich und wurde mit einer großartigen Aussicht belohnt. Dann unterhielten wir uns noch ein bisschen mit dem Paar, dass neben uns und dem Führer Frank unterwegs war. Eine Kanadierin und ein Kongolese, die zusammen in Sierra Leone Entwicklungshilfe leisteten und gerade in Ghana ihren Luxusurlaub mit Strom und Wasser machten. Daran sieht man doch, dass Ghana eher ein Einstiegsland für Europäer, die Afrika kennen lernen wollen, ist. Da wir danach alle müde waren, fuhren wir nachdem wir zurück im Camp waren nach Hause und chillten dort wieder eine Runde. Wir waren zwar nur kurz weg, aber es hat schon ganz schön geschlaucht!
Am 29.4. ging es dann wieder zurück nach Accra und es lief eigentlich alles glatt. Am Morgen aßen wir noch unser leckeres Frühstück mit Omelette und Wurst und nahmen dann ein Taxi zur STC Station, wo wir eine Stunde auf dem Bus warten mussten und weitere 3 Stunden später in Accra waren. Die STC Station war genau an der Stelle, an der wir damals mit Patrick und Dominik gesessen hatten und irgendein Fußballspiel schauten an dem Bremen beteiligt war.
In Accra nahmen wir dann gleich wieder ein Taxi und ließen uns von einem netten Taxifahrer, mit dem ich ein wenig über die problematische Politik Ghanas redete, ins Afia African Village fahren. Dort waren alle nett und das Resort war hübsch, aber die Preise waren astronomisch! Tja, es war unser letzter Abend, also ging das schon klar. Eigentlich wollten wir noch in ein anderes Restaurant gehen, aber das stellte sich als geschlossen heraus und so aßen wir durchaus leckere Sachen im Resortrestaurant und gingen nach einer Besichtigung des verdreckten Strandes schlafen.
Und schon war der Tag der Abreise gekommen… Am Morgen jedoch gingen erstmal ein bisschen durch Accra. Doch da wir schon um 8 Uhr unser Resort verließen, war noch nichts los auf den Straßen Accras. Als erstes liefen wir zum Independence Square nicht weit von uns, aber da war nichts zu sehen als der Freiheitsbogen der Ghanaer. Mehr oder weniger bedeutungslos… Also liefen wir wieder zurück in Richtung Nkrumah Memorial Park, der aber noch geschlossen war, weswegen wir dann weiter die Küste entlang liefen, ohne irgendetwas zu finden. Also machten wir eine kleine Runde und liefen durch das Ghetto zurück, aßen und tranken ein klein wenig und gingen dann zum Memorial Park, um uns das Leben des Nationalheldens anzuschauen, der Ghana 1957 unabhängig gemacht hat und die Vision eines geeinten Afrikas hatte, doch dieses Ziel nahm er mit ins Grab, denn soweit sind wir hier noch nicht. Der Park ist ganz hübsch gemacht, viele Bäume, Grünflächen und in der Mitte ein großes, modernes Mausoleum, wo Nkrumah und seine Frau beerdigt sind. Danach gingen wir noch ins Museum und schauten uns die endlos vielen Bilder von ihm und wichtigen Leuten der Geschichte und Politik an. Krass, mit wem er alles zu tun hatte. Aber das ist als Staatsoberhaupt sicherlich normal. Als wir dann gehen wollten, überredete uns eins Hochzeitspaar einige Bilder mit meinen Eltern zu machen. Ich hielt mich raus, weil ich erstens nicht passend angezogen war und zweitens auch nicht so richtige Lust verspürte. Nach diesen Erfahrungen ging es ins Art Center. Dort waren dann die ganzen Rastaleute, die uns ihren Spaß andrehen wollten. Solange man kein Interesse bekundet, wird man eigentlich bestimmt aber freundlich von Laden zu Laden rumgereicht, bis man mal bestimmt aber freundlich sagt, dass man seinen eigenen Weg gehen will. Meine Eltern kauften dann auch noch ein Bild für meine Großeltern, für das ich viel verhandeln musste, aber dennoch für zu viel Geld erstand. Naja, was soll’s. So ist das Leben. Als wir dann gehen wollten, luden uns einige Rastas zu ihrem Laden ein und spielten eine Runde für meine Eltern. Schnell kam dann noch ein anderer hinzu und sie spielten ziemlich nett. Ich glaube es gefiel meinen Eltern ganz gut. Gaby kaufte dann auch noch zwei kleine afrikanische Musikinstrumente für ihre Kinder. Und dann ging es nach Hause. Und das meine ich so, wie ich es schreibe. Ich arrangierte ein Taxi für meine Eltern zum Flughafen und wir bezahlten das Hotel. Dann legten die beiden sich erstmal schlafen und ich nahm mein Rucksack und verschwand nach der Verabschiedung. Ich wollte einfach ein Trotro zur Neoplan Station nehmen und lief deshalb zur nächsten Trotro Station, aber hier wurde ich zur nächsten Station weitergeleitet und ich wurde von einem netten Ghanaer geführt. Wir liefen und liefen. Die nächste Station brachte uns kein Glück und auch an der darauffolgenden fuhren zwar viele Trotros, aber keine, die uns wirklcih helfen würden. Also liefen wir noch ein bisschen weiter. Und hier bekamen wir promt ein Trotro. Wir waren etwa 20 bis 30 Minuten gelaufen und ich war froh endlich Kumasi ein Schritt näher zu kommen. So fuhren wir als bis zur vorhergehenden Station und dann kamen ein paar Polizisten an, meinten, dass unser Trotro zu nah an der Kreuzung gehalten hätte (was nicht stimmte, aber was soll man machen…) und wir alle mussten aussteigen und waren fast wieder am Anfang. Völlig entnervt nahm mein Führer dann einfach ein anderes Trotro, was uns zwar nicht dahin brachte wohin wir wollten, aber der Weg zurück zur Station wäre länger gewesen, als unsere Variante. Warum wir diese Variante nicht von Anfang an gewählt haben bleibt mir auch ein Rätsel! 😀 Naja, aber dann liefen wir noch ein bisschen und ich war an der Kumasi Station. Hier wurde es ein bisschen ungemütlich. Es war Samstag es fuhren zu wenige Trotros, deswegen waren alle Leute am Ausrasten. Ich irrte ein wenig umher und irgendwann fuhr ein leeres Trotro an mir vorbei, welches nahc Kumasi wollte und plötzlich saß ich darin und wartete auf den Fahrer. Aber dieses Einsteigen war natürlich auch mit viel Gedrängel verbunden, weswegen ich einfach nur glücklich war, endlich keinen Stress mehr zu haben. Aber es sollte sich alles ändern! Es ging los und einer von Agya Koo’s tausend Filmen plärrte durch das Trotro und nach einer halben Stunde Fahrt blieb das Trotro stehen und bewegte sich nicht mehr. Erst dachte ich okay, wird schon nicht so schlimm sein, aber nach einer weiteren halben Stunde, war noch nichts so recht passiert. Viele standen um den Motorblock herum, an dem ein Mann arbeitete. Der Fahrer sagte immer, dass wir uns beruhigen sollten, da wir bald weiterfahren würden. Nach einer Stunde regten sich die ersten Leute auf, dass sowas nicht okay sei und dass ein neues Auto arrangiert werden müsse. Mir wurde es im Trotro irgendwann zu heiß und ich stieg aus, um frische Luft zu genießen. Direkt am Straßenrand, wo hunderte von Autos verbeikamen. Haha, frische Luft… -.- naja, ich kam ins Gespräch mit einem Nigerianer, der hier Freunde besuchte und ein wenig von sich erzählte. Danach setzte ich mich in den Schatten und ruhte mich aus. Am Bus unterhielten sich einige Leute und zeigten auf mich und lachten mit Worten einer Sprache, die ich nicht verstand. Einer von ihnen fragte mich, ob ich gerne wüsste, was sie da sagten, als ich mit einem Lächeln nickte, verlangte er Geld und ich war richtig angepisst, weil sie weiter lachten und auf mich zeigten. So fühlt sich also Rassismus an, wenn auch nur in einer subtileren Art. Tja, ich war aber angepisst und als die selben Leute dann nett zu mir sein wollten, tat ich alles um keine Nettigkeiten zu zeigen. Als das Gesrpächsthema dann in Richtung Gott driftete, sagte ich meine Meinung und sagte alles was ich so dazu denke. Alle Leute schauten mich ungläubig an und viele Leute versuchten zu debattieren, aber es war, wie so oft, sinnlos. Naja, aber so konnte ich meine angestaute Wut schüren, indem ich mich über deren Naivität aufregte. Auch was schönes. Nachdem die dritte Stunde des Wartens vergangen war, kam dann endlich ein neuer Bus, der uns ohne weitere Probleme nach Hause brachte. Von Kejetia nahm ich dann ein Trotro nach Tanoso und lief die restlichen 20 Minuten nach Hause, wo ich gegen 24 Uhr ankam. Völlig müde und hungrig. Und ich hatte ein unglaubliches Glück, denn Gifty hatte Banku mit Erdnusssuppe gemacht. Vollgefressen ging ich schlafen und vergaß die anstrengende Fahrt.
Am nächsten Tag musste ich eigentlich waschen, aber dankbarerweise wusch Kwakye und so konnte ich gar nicht waschen, weil die Leinen schon belegt waren. ALso traf ich mich in aller Ruhe mit Andreas, chillte, quatschte und ging wieder nach Hause, um zu schlafen. Im späteren Verlaufe des Tages traf ich mich wieder mit ihm, Eric und Daniel zum Fußball schauen. Ich glaube Arsenal hat gegen ManU gespielt. Zwei der Lieblingsmannschaften der Ghanaer, also redeten die Zuschauer viel und Andreas und ich konnten uns ein klein wenig über das ganze Geschehen lustig machen. Am Abend gingen wir dann noch zum Chillen in die kleine Bar und spielten noch ein bisschen Karten. Dann kamen Ruven, seine Freunde und Sabrina von ihrem Trip zurück und unsere Runde löste sich langsam auf, weil es spät war und alle schlafen wollten.
Dieser Tag war ein Sonntag und gleichzeitig der 1.5.. In Deutschland würde man sagen schade, aber in Ghana wird dann halt einfach am nächsten Tag frei gemacht. Also war der 2.5. auch frei. Ich wusch und wollte danach eigentlich mal Leute anrufen und besuchen, aber letztendlich verendete ich nur in meinem Bett und schaute Filme. Ein richtig schöner Gammeltag also. Am DIenstag dann plante ich eigentlich einen ähnlich trägen Tag zu haben, aber es kam anders. Osama (Osman Iddriss), einer meiner Schüler, rief mich an und erinnerte mich, dass ich ihn besuchen kommen wollte. Also raffte ich mich auf, fuhr nach Sofoline, von da nach Tafo und von da wollte ich nach Ehwiaa, aber ich setzte mich ausversehen ins Trotro nach Nhyiaeso. Also bat ich Osama nach Tafo zu kommen und ich suchte mir ein Trotro zurück. Als ich dann wieder in Tafo war, besuchten wir Osamas Mutter und Großmutter und Osamas Kind, das von der Schwester seiner Mutter umsorgt wurde. Das Kind Osamas, Madjit, war absolut süß und verdammt hellhäutig. Es kam ungelogen fast an mich heran. Naja, dann ging es weiter zu den Großeltern Osamas und dann endlich nach Ehwiaa, wo Osama zusammen mit seinem Vater lebte. Ich ließ mir auch zwischendurch noch erklären, weswegen hier in Ghana Trennungen passierten: wenn die Frau nicht kochen kann, wenn die Frau den Mann nicht genug respektiert oder wenn die Frau fremdgeht. Wenn der Mann fremdgeht, ist das nicht so schlimm, weil das nur zeigt, dass er seine Familie so sehr unter Kontrolle hat, dass er sogar noch woanders rumschwänzeln kann. Tolle Erklärung und sicherlich auch sehr gemütlich für Männer. Und hier muss ich was Böses sagen: ghanaische Muslime halt, aber den Eindruck hatte ich da wirklich. So wie er von Frauen geredet hat und wie er mit ihnen umgegangen ist, so hab ich das bei allen anderen nicht erlebt. Ich hoffe ich habe ein falsches Bild, aber um das richtig zu stellen, muss ich erstmal einen Muslim aus Ghana treffen, der sich anders verhält.
Naja, wie auch immer, irgendwann kamen wir dann bei Osama zu Hause an und ich legte mich erstmal schön schlafen. Bis in den Abend hinein. Dann weckte mich Osama irgendwann und es gab lecker Fufu. Krass, ich hätte jetzt gerade auch richtig Bock auf Fufu! Aber ich reiße mich mal lieber zusammen und schreibe weiter über die letzten paar Tage, die ich noch beschreiben muss…
Am Abend zogen wir noch ein bisschen durch die Gegend und ich lernte Sarkodie und Young Mullah kennen, zwei der besten Freunde von Osama. Wir liefen ein bisschen an der Straße entlang, wo wir ein paar Schuhe und einen Topf auf dem Mittelstreifen sahen. Am Straßenrand wand sich eine Frau scheinbar vor Schmerz und schrie, wie am Spieß um ihr umgefahrenes Kind. Ob es überlebt ist eine gute Frage… Ghana be dat! Naja, auf dem Weg wurde ich unterrichtet und ich lernte einige böse Worte, die Jugendliche hier so verwenden. Bei Sarkodie zu Hause hörten wir eine Runde Musik und gingen dann wiede zurück in eine kleine Bar, wo wir noch ein bisschen saßen und quatschten und dann ins Bett gingen. Ich traf im Verlaufe des Abends noch einige Freunde Osamas, die alle ganz nett waren, aber ein großes Problem mit überschüssiger Coolness hatten. Dann gingen wir schlafen. Und Am nächsten Tag ging es damit weiter! Ich konnte nie wirklich aufstehen. Wir aßen richtig leckeres Essen: Kochbananen und ein Tomaten-Ei-Mus. Echt gut, wobei ich es lieber mit Yam gegessen hätte, aber wer bin ich, dass ich hier so rummäckele… 😀 Danach legte ich mich auf jeden Fall gleich wieder schlafen. Danach schauten wir einen Flim beim Bruder von Osama, wobei ich einschlief. Vom ganzen Schlafen wurde ich immer müder und schlief erstmal. Naja, irgendwann entschied ich mich nach Hause zu fahren und Osama folgte mir noch bis Tafo, wo wir einen Freund von ihm besuchten, dessen Oma sehr lange Zeit in den Vereinigten Staaten war und deswegen auch ein riesiges Hause besaß. Ich wurde eingeladen mal wieder dahin zu kommen und dann ging es endlich nach Hause, denn ich war müde. Aber dazu hatte ich nicht die Möglichkeit, denn ich musste schnell zur Uni, wo wir Schalke gegen ManU schauten und von Schalke bitter enttäuscht wurden! Naja, so ist das Leben.
Der 5.5., ein Donnerstag war dann wieder schön entspannt. Er sollte in die Geschichte als Schlämmertag eingehen, denn wir hatten ein geiles Frühstück: Weißbrot mit Käse und Wurst, außerdem Milo mit Milch, sodass es fast wie echter Kakao schmeckte. Danach war erstmal waschen für mich angesagt… Als ich fertig war, ging ich wieder zurück zur Schule, um Nudeln mit Tomaten-Sahne-Soße vorzubereiten und nachdem alles fertig war, Parmesan in meine Nudeln zu streuen. Boom Baby! Das war geil! Tja, dann ging es auf zur Uni, weil wir endlich mal wieder unser Programm hatten. Wir redeten über Fußball und es war echt mal wieder nett da zu sitzen auch wenn sich viel verändert hatte, da Umbauten im Gange waren. Nach dem Spaß gingen Ruven und ich noch ins Internet und dann zurück nach Hause und ins Bett.
Auch am Freitag hatte ich noch ein bisschen zu waschen, aber machte lieber einen ruhigen. Als ich mich dann entschied zur Schule zu gehen, um mal endlich mit dem Scheme of Work anzufangen. Aber daraus wurde dann nicht viel, denn ich kam gegen 11:15 an und um 11 Uhr sollte ein durch mündliche Nachricht weitergegebenes Staffmeeting statfinden. Also sagte ich fix Ruven bescheid und wir regten uns eine Runde zusammen über den kommenden Schwachsinn auf. Aber letztendlich fand ich es gar nicht so schlimm, weil ich mich diesmal etwas mehr involvierte. Ich sagte meine Meinung zu dem Zu-spät-kommen der Schüler, zu einer Veränderung der Zeugnisse, die bisher immer handschriftlich ausgefüllt wurden, aber meiner Meinung nach digitalisiert werden sollten. Ein Ergebnis habe ich noch nicht, aber die Leute fanden die Idee ganz okay. Und zu einigen anderen Punkten sagte ich noch das eine oder andere kleine Ding. So gingen die 2 Stunden schneller vorbei und ich fühlte mich auch gleich besser. Naja, Ruven war in Gedanken noch ganz bei seinem Blog und hatte keinen Bock auf das Meeting. Tja, danach chillten wir noch eine Weile und dann ging Ruven irgendwann zur Uni weil er sich dort mit seiner Freundin verabredet hatte. Ich ging also nach Hause und stampfte mit Gifty Fufu für vier: Ruven, Gifty, Kwakye und mich. Und diesmal lobte mich Gifty sogar richtig. Ich machte wenig falsch und das Fufu war am Ende auch richtig geil. Naja, ich wartete dann noch ein bisschen auf Ruven und las ein wenig in “Anorganische Chemie” bis er anrief und mir sagte, dass es Fufu-Time sei. Ich schnappte mir die Schalen und freute mich tierisch auf das leckere Essen. Mit der überschüssigen Soße verdrückten wir dann noch die verbleibenden Nudeln vom Schlemmertag. Ach ja, Andreas und Sabrina waren nach Winneba gefahren, weil dort ein Fest gefeiert wurde, das sie sich anschauen wollten. Das war auch der einzige Grund, warum ich für Ruven mitstampfte, weil er ja auch was essen wollte. Für alle drei könnte ich nicht stampfen, da ich schon nach der halben Stunde stampfen für 4 Personen mehrere offene Blasen. Aber ich heule mal lieber nicht rum, weil wie jeder weiß, der diesen Blog ließt, bin ich der letzte, der wegen irgendwas kleinem rumheulen würde 😉
Naja, wir chillten dann noch eine Runde, vertilgten noch eine Mango und wuschen ab. Damit war der Tag gegessen. Der nächste Tag sollte ein richtig geiler werden, denn morgens aßen wir lecker deutsch angehauchtes Frühstück und gingen dann zur Uni. Ich wegen Internet, weil ich schon seit 2 Wochen oder mehr nicht mehr online war und Ruven, weil er Basketball spielen gehen wollte. Naja, beides lief auf jeden Fall gut und so gingen wir glücklich nach Hause und machten uns bereit in die Stadt zu fahren, denn dieser Tag war ein großer Tag. Wir wollten Sachen einkaufen gehen. Alleine würde ich niemals anfangen können zu shoppen, aber dank Ruven wurde es annehmbar erträglich. Wir verhandeltn viel und ich glaube am Ende wurden wir nicht so hart abgezogen, wie es sich die Ghanaer gewünscht hätten. Für umgerechnet weniger als 14 Euro kaufte ich zwei lange Anzughosen, eine kurze Chillerhose und ein Hemd, ach ja und einen echten, gefakten Armanigürtel aus Korea. Als ich all das für so wenig Geld erstanden hatte, war ich absolut glücklich und bereit jederzeit wieder etwas kaufen zu gehen. Es ist natürlich alles Second Hand, aber es sieht geil aus und ist, wenn man ordentlich aufpasst auch noch in einer guten Verfassung. Tja, gegen 4 Uhr waren wir dann wieder zurück und chillten erstmal hart. Als wir dann so bei Ruven saßen, hatten wir etreme Lust auf eine Coke, eine Wurst und einen Film. Also gingen wir los und holten meinen PC ab. Gingen von mir zu Hause aus zum Laden, kauften zwei Colii und dann ging es auf zur Bar, wo wir 3 Würste kauften. Eine für mich, eine für Ruven und eine die Gifty noch bestellt hatte. Als wir wieder zu Hause waren, bauten wir alles auf und genossen die eingekauften Sachen und den Film. Als dann alles durch war, quatschten wir noch für eine Stunde und damit war der Tag gelaufen. Und schon bin ich beim heutigen Tag. Heute war Sonntag, den heute ist schon fast wieder vorbei. Heute war Muttertag und Muttertag in Ghana bedeutet schon recht viel. Fast jedes Restaurant hat ein Muttertagsspecial und im Radio und Fernsehen wird von wenig anderem geredet. Naja, aber das wurde mir alles nur berichtet, weil ich den ganzen Tag an diesem viel zu langen Blog schrieb, meine neu gekauften Sachen wusch und an meinem Arbeitsschema für meine beiden Fächer schrieb. Sabrina und Andreas kamen auch zurück, aber davon bekam ich nicht wirklich etwas mit, weil ich ja arbeitete. Ach ja, Dennis, den Sohn von Milicents Freundin sah ich heute für kurze Zeit wieder, aber da er die Gitarre von Ruven ziemlich verhackstückte, schickte ich ihn lieber schnell weg, bevor Ruven etwas herausfand. Mein neuer Style gefällt mir übrigens ganz gut. Ist zwar sehr an Ghana angepasst, weil hier die meisten gebildeten Leute so rumlaufen, aber was soll’s… 😀
Ich weiß nicht, was ich jetzt noch groß erzählen kann, denn das war’s. Byebye

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#13

So, da bin ich wieder mal. Es hat lange gedauert, aber da ich einige technische Probleme hatte, konnte ich diese Art der Verzögerung nicht verhindern. Was ist also passiert, könnte sich ein interessierter Leser fragen… Ich möchte es gerne erklären: die Tastatur meines Laptops hörte vor etwa 2 Wochen auf zu funktionieren, bzw. einige Tasten gaben einfach so ihren Geist auf. Also gab ich meinen Laptop zu einem guten Freund, der da Daniel heißt. Ich weiß nicht, ob ich ihn schon mal erwähnt habe, wenn nicht werdet ihr ihn im Verlaufe dieses Blogs näher kennen lernen. Tja, nachdem er den Laptop hatte, wollte ich mal wieder Blog schreiben, aber ich hatte meine Aufzeichnungen auf meinem Laptop und ohne diese habe ich keine Ahnung mehr von den vergangenen Wochen. Tja, dann rief mich Daniel zwei Tage später an und fragte: „Yo Charlay (das entspricht dem „Alter“ aus Deutschland), wie viel ist eigentlich so ein Laptop, wie deiner wert?“ Darauf antwortete ich: „Etwa 8 Millionen (alte Ghanawährung).“ „Oh, so viel…? Charlay, wir müssen mal was besprechen, aber lieber nicht am Telefon…“ So als ich das gehört habe, dachte ich mir schon das Schlimmste. Das klang so, als ob er was probiert hätte und der PC jetzt gar nicht mehr geht. 2 Wochen musste ich alle möglichen Ängste durchstehen und hoffte, dass alle meine Daten noch da sein würden. Und das sind sie ja zum Glück auch. Das war das erste Mal, dass ich meinen Laptop umarmt habe… 😀 Tja, es wäre aber auch echt doof gewesen! Aber natürlich war mein Laptop nicht das einzige Thema des letzten Monats.
Wenn ich jetzt aber so über meine Aufzeichnungen fliege, merke ich, dass eigentlich gar nicht so viel passiert ist. Das heißt, dass ich schon gut zu tun hatte, aber es ist wenig passiert, was wirklich erzählenswert ist. Doch ich fange einfach mal an.
Am 8.3., ein Dienstag, habe ich meinen letzten Blog beendet. Aber in dieser Woche ist bis hin zum Freitag nichts besonderes los gewesen. Am Mittwoch wusch ich wie immer, ging wie immer zu Andrew und anschließend ging ich, wie gewohnt ins Internet. Auch der Donnerstag war normal. Aber am Freitag war der letzte Tag von Maria. Naja, zumindest von ihrer regulären Zeit in Kumasi. Am Samstag wollte sie nach Accra fahren, um dort für ihre Diss Nachforschung zu betreiben. Also besuchten wir unsere Lieblingsbar und gönnten uns den einen oder anderen Drink. Auch ein ghanaischer Schnaps war dabei, aber den kann ich ganz und gar nicht weiter empfehlen! Naja… Wir haben viel geredet und gelacht. Ich habe noch einmal in dramatischen Gesten die neuesten Geschehnisse der Fernsehserie „Curse by the Sea“ „Fluch des Meeres“ dargestellt, so wie ich es immer für Maria getan habe, weil sie diese Sendung nicht sehen konnte und ich sie durch Gifty immer sehen muss… 😀
Naja, der nächste Tag war dann relativ träge… Am Morgen sollte ich einige Soßen und Eintöpfe erwärmen und versäumte es anscheinend bei einer Soße das Feuer anzustellen, wodurch diese dann am Abend vergammelt war. Ich habe mich sehr schlecht gefühlt, aber Gifty konnte den Spaß noch retten. Ich verpennte dann auch noch den restlichen Tag und bereitete mich dadurch seelisch und moralisch auf den nächsten Tag vor, da ich versprochen hatte mal wieder mit zur Kirche zu kommen. Es war anstrengend ohne Ende! Der Gottesdienst dauerte einfach mal bis nach 14 Uhr. Das heißt, mehr als 5 unglaubliche Stunden… Danach war ich natürlich komplett am Boden und ruhte mich für den restlichen Tag aus um am Abend Karten spielen zu gehen. Das war so etwa die Zeit in der wir begannen Ruven und Andreas das Skat spielen beizubringen. Aber man merkt, dass die Skatregeln echt nicht einfach zu kapieren sind. Aber jetzt nach etwa einem Monat muss man sagen, dass sich Andreas und Ruven langsam an das Spiel gewöhnen und Ruven hat sogar schon mal geäußert, dass ihm das Spiel langsam sogar auch Spaß macht. 😀
Und dann ging es wieder los… Eine weitere sticknormale Schulwoche. Glaubte ich! Doch falsch geglaubt… Am Montag wurde den Schülern gesagt, dass sie erst wiederkommen sollten, wenn sie ihr Geld bezahlt haben. Da einige von den Schülern etwa 500 Euro schulden, was hier schon echt richtig viel Geld ist, war die Schule danach auch erstmal für lange Zeit ziemlich leer! Da ich mich während dieser Zeit aber in einem Motivationsloch befand, kam mir das äußerst gelegen, da ich in einer Klasse mit einem Schüler nicht zu unterrichten brauchte. Ich fragte ihn einfach, ob er über irgendetwas reden wollte, oder etwas wissen wollte. So redeten wir für 20 Minuten und dann überließ ich ihm seinem Schicksal. So war ich also schön entspannt und kam nach Hause. Da erwartete mich dann Gifty mit einer besonderen kleinen Aufgabe. Ich sollte ein bisschen für sie abtippen. So etwa 40 Seiten eines gedruckten Buches. Mit Bildern. Das fand ich natürlich sehr lustig und ich setzte mich sofort daran es zu beenden. Ich schaffte es auch noch am selben Abend zu später Stunde, weil mir Gifty sagte, dass sie es am Mittwoch brauche. Ich kann nur immer wieder feststellen, dass Ghanaer echt keine Vorstellung davon haben, was sie einem an Extraarbeit aufhalsen. Aber da ich es für Gifty tat, ging das schon klar. Was lustig ist, ist, dass mich Gifty ihre Abschlussarbeit abschreiben ließ. Bloß war diese Arbeit nicht ihre, sondern die eines anderen aus einer Universität aus Cape Coast. Übrigens habe ich den Spaß abgetippt, als die ganze Geschichte mit zu Guttenberg rauskam…
Tja, was soll’s… Giftys Entschuldigung ist, dass sie schwanger ist und gerade sowieso keine Kraft hat irgendwas zu schaffen. Ein Stück weit kann ich sie auch verstehen, wenn diese ganze Tat nicht so grundverwerflich wäre… 😀
Naja, am nächsten Tag arbeitete ich dann noch ein bisschen am Layout des ganzen Projekts und erfuhr den Genuss eines frisch gepressten Orangensaft. Ein Liter für 50 Cent. Das ist doch mal ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis!
Den 16.3. dann begann ich wie gewöhnlich für Mittwoch, mit Waschen und einem anschließenden Gang zu Andrew. Aber diesmal war es dort anders! Denn diesmal warteten dort auch noch seine Kumpels auf ihn. Und das waren allesamt Gangstas. Also ging es die ganze Zeit nur um Frauen, Rap und Geld. Einer von denen konnte sogar ganz gut Rappen, aber die anderen hatten nur irgendwelche schwachen Pop-Texte drauf zusammen mit einer schlechten Melodie. Das Gerede über Frauen hätte jede Emanze an die Decke gebracht! Jeder von den 4 Kollegen hatte mindestens 2 Freundinnen an verschiedenen Orten. Und wir reden hier nur von Kumasi… Wenn die nach Accra gehen, sind da natürlich auch noch ein paar… lol! Das Krasseste war dann, als mir Andrew von seinem Montag erzählte, denn da wollte ihn einer seiner Freundinnen besuchen kommen, aber eine andere kam unvorbereitet vorbei. Er blieb also in seinem Zimmer, tat so als ob er nicht da wäre, rief seinen Kollegen an, der sich dann um dieses Mädchen kümmerte. Und so konnte sich Andrew in aller Ruhe um seine andere Freundin kümmern. Und zwar so wie sich das für einen ghanaischen Macho gehört. Er erklärte mir auch noch warum die Mädchen sich so gerne von ihm verwöhnen lassen und ging dann auf einige seiner Qualitäten ein. Das war auch witzig. Tja, das erinnert mich auch sofort wieder an eine Unterhaltung, die ich mit Gifty hatte. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie wir auf das Thema gekommen sind, aber ich hätte nie gedacht, dass man mit Ghanaerinnen über sowas so einfach reden kann. Das Thema war Penislängen von afrikanischen Männern. Ich sagte etwas, wie: „In Europa gibt es das Klischee, dass schwarze Männer sehr gut bestückt sind“. Heftig zustimmend nickend antwortete sie daraufhin: „Oh jaaaaa!“ Im Verlaufe der nächsten halben Stunde wurde mir dann einiges witziges offenbart. Zum einen nämlich, dass der Großteil der Afrikaner sicherlich nicht allzu helle sei (das kam von ihr, nicht von mir!), aber wenn sie was können, dann ist es, Frauen zu befriedigen. Jedes europäische Mädchen, dass jemals Afrikanisch kosten würde, würde nie wieder wechseln wollen. Das hat sie ganz besonders in Bezug zu Josi gesagt und mir somit ans Herz gelegt, sie hier drüben lieber nicht unbeaufsichtigt rumlaufen zu lassen hihi
Tja, was noch? Ach ja, das andere finde ich eher interessant als witzig. Mir wurde nämlich ebenfalls offenbart, dass sich hier über Leute lustig gemacht wird, die einen zu großen Penis haben! Sowas habe ich noch nie gehört und ich musste so sehr lachen, als ich es hörte! Tja, Ghana be dat! (Das ist Ghana)
So genug Penis-Gerede! 😀 Dieses Gespräch musste ich aber irgendwie festhalten. Sorry, wenn ich irgendwen damit vergnatzt haben sollte!
Also, weiter im Text. Ich war bei Andrew stehen geblieben. Wie immer gab es auch an diesem Mittwoch etwas feines zu essen. Eba und Peppersoup. Das war richtig geil! Ich weiß nicht warum, aber ich konnte davon einfach nicht genug bekommen und so aß und aß ich bis mir mein Bauch, wie so oft, weh tat.
Danach rollte ich dann in aller Ruhe zur Uni und bereitete mich körperlich und moralisch auf mein Spiel vor, denn die Turnierspiele hatten wieder begonnen. Aber leider verloren wir knapp, weil einfach nichts so richtig lief. Nicht alle unserer Spieler waren da und so war auch nichts richtig abgestimmt. Aber was soll’s. Es war schön mal wieder Volleyball spielen zu können!
Donnerstag danach war durchschnittlich und deswegen nicht weiter erwähnenswert, aber dafür war der Freitag umso interessanter! Wir wollten mal wieder nach Winneba fahren, um wieder den wunderbaren Strand zu erleben. Sabrina und Andreas waren schon am Donnerstag vorgefahren und so verblieben nur Ruven und ich an der Schule. Eigentlich wollten wir früh am Morgen losfahren, aber wie immer kommt in Ghana etwas dazwischen. Wir wussten, dass eine Elternversammlung stattfinden sollte, aber wir wussten nicht, dass wir anwesend zu sein hatten. Tja, wir warteten also bis 10 Uhr, als die Versammlung losgehen sollte und warteten dann noch eine Stunde bis es wirklich losging. Es wurde nur Twi geredet und wir verstanden natürlich nichts. Aber wir ließen uns durch nichts aus der Fassung bringen, da wir genug gute Laune am Abend davor getankt hatten, als wir noch in der Bar waren und uns danach noch zum Quatschen in den neuen Kindergarten setzten. Dennoch wurde es uns dann irgendwann zu bunt und wir fragten, ob wir nicht doch gehen konnten, was dann auch glücklicherweise kein Problem mehr war.
Um 15 Uhr waren wir an der Trotro Station, also nur etwa 8,5 Stunden später, als wir gerne da gewesen wären. Das letzte Trotro nach Winneba war auch schon gefahren, also mussten wir den Umweg über Mankesim nehmen. Aber aus irgendeinem Grund ließen wir uns diesmal wirklich gar nicht aus der Ruhe bringen und gingen alles ganz locker an, wir warteten die eine Stunde scherzend bis das Trotro voll war und dann ging es los. In Mankesim angekommen bot uns unserer Fahrer an, uns direkt zur Winneba Junction zu fahren, von welcher man ganz schnell nach Winneba kommt. Das nahmen wir natürlich dankend an. So kamen wir zwar spät aber wenigstens sicher und entspannt in Winneba an. Wir trafen die anderen am Strand und genossen es auch selbst endlich mal wieder da zu sein! Nur ein riesiges Problem hatte ich noch: ich hatte den heftigsten Hunger, aber keine Fressbuden, um den Hunger zu stillen. Tja, da hieß es dann wohl oder übel Zähne zusammen beißen und bis zum nächsten Morgen warten. Da wir alle müde waren, gingen wir also ins von Isaac auserkorene Guest House, welches erstaunlich preiswert und gut eingerichtet war, und schliefen bis zum nächsten Morgen. Um 7 kannte ich dann kein Halten mehr! Ich musste raus und etwas essbares besorgen. Alles was ich wollte, war ein Rogbun, aber das gab es natürlich nicht. Und auf Brot hatte ich auch keine Lust. Die Hälfte des Weges liefen die anderen noch mit, aber als sie dann Früchte und Brot hatten, waren sie befriedigt, aber es reichte mir einfach nicht. So ging ich noch weiter zum Hafen, um dort auch nur zu merken, dass die Auswahl minimal ist. Aber ich holte mir alten Reis und war glücklich. Der Hafen selbst war eigentlich ganz nett. Relativ klein, aber extrem überlaufen. Ich wurde von allen Seiten angequatscht und hatte das eine oder andere längere Gespräch. Der Rückweg führte dann zum Großteil am Meer entlang und ich freute mich schon tierisch darauf endlich in die Wellen zu springen. Und das nahm dann auch den ganzen Tag ein. Wir spielten dann auch noch ein wenig Frisbee und redeten mit der einen oder anderen Person. Auch trafen wir den Schmarotzer aus der Green Turtle Lodge wieder. Der, der sich immer bei anderen durchgefressen hat. Und an seiner Art hatte sich auch nichts geändert. Er lebte bei Isaac und nahm alles an Essen, was ihm angeboten wurde. Bloß hat Isaac nichts gegen solche Besucher. Naja, was ist noch passiert? Ich hatte mich am Morgen gegen Sonnencreme entschieden, da ich mal richtig braun werden wollte, was sich aber als ziemlicher Schwachsinn herausstellte, denn für die nächsten drei Tage genoss ich dann richtig schöne Schmerzen am ganzen Körper. Und ich habe bemerkt, dass so eine Trotro-Fahrt mit Sonnenbrand nicht soo lustig ist 😀 Naja, ich habe definitiv etwas daraus gelernt!
Nun ja, am Abend des Samstags besorgten wir uns dann leckeres Essen: es gab geilen Tomaten-Fisch-Dip mit Red Fish, der für ghanaische Verhältnisse echt teuer war! 1.5 Euro pro Fisch!!! Aber es hat sich echt richtig gelohnt. Nach dem Essen wurde wieder getrommelt und dann auch relativ schnell nach Hause gegangen, denn wir waren danach einfach nur noch bereit für das Bett. Das Einzige, das nervte, war der Typ von der Green Turtle Lodge, denn er fraß sich ohne zu fragen einfach mit durch. Und er aß als erstes und am Meisten. Auch am nächsten Morgen war er der erste, der die Reste verwertete… Er schaute auch direkt genervt, als wir wieder da waren, weil wir ihm sein Essen streitig machen würden.
Aber das war es auch schon wieder mit Winneba. Auf der Rückfahrt trafen wir dann noch ein paar Neuseeländer. Was ich jetzt auch langsam geil finde, ist, wie die Leute schauen, wenn man ihnen sagt, dass man schon sieben Monate hier ist. Nahezu ehrfürchtig! Hihi
Aber sonst passierte nichts mehr an diesem Tag. Gifty und Kwakye nannten mich zwar noch einige Male Broni kokoo, was so viel, wie roter Europäer bedeutet. (Das sagen aber auch einige Leute hier, weil die meisten Europäer ja ziemlich schnell rote werden unter der afrikanischen Sonne!)
Aber nach diesem überaus entspannten Wochenende ging es zurück zur Schule… Naja, eigentlich noch nicht ganz, denn unser Fußball-Mädchen-Team hatte ein Turnier und wir durften mitkommen und zuschauen. Da wir nur so wenige Schüler haben, fiel für alle Schüler die Schule aus und die meisten Schüler kamen auch vorbei und machten Lärm. Sonst war der ganze Tag eigentlich ähnlich, wie das Sportfest. Mit dem Trotro zum Spielplatz. Dann einfach hinsetzen und das Geschehen beobachten. Unsere Mädchen verloren beide ihrer Spiele und dann ging es wieder nach Hause. Auf dieser Rückfahrt setzte ich mich zusammen mit den Schülern auf die Rückbank des Trotros, die nach der Hälfte der Fahrt den Geist aufgab und nachgab und mein Bein unter sich begrub. Es tat richtig gut weh und die nächsten zwei Tage konnte ich nicht richtig laufen und auch heute noch kann ich mich nicht ohne Schmerzen hinhocken, was ziemlich nervt! Naja, damit war der Tag auch schon wieder vorbei. Die anderen gingen noch zu Daniel, weil Ruven extra für ihn Kenkey aus Winneba besorgt hatte und es deswegen ein Festessen geben sollte.
Da am Montag meine Deutschstunde mit dem vierten Lehrjahr ausfiel, holte ich diese am Mittwoch nach und wir redeten über Zahlen. Es macht immer wieder dieses Thema beizubringen, denn es ist einfach und die Schüler checken es manchmal! So, am Donnerstag kam dann Maria von ihrem Accra/Cape Coast Trip wieder, aber ich sollte sie erst am Freitag sehen, denn am Donnerstag hatte ich noch ein Volleyballspiel, was unsere Mannschaft ganz einfach 2-0 gewann. Kein Problem!
Freitag, der 25.3. war Schnitzeltag, weswegen die anderen am Vortag alle Utensilien besorgt hatten und während meiner Volleyballzeit Schnitzel mit Kartoffelsalat vorbereiteten. Ruven war jedoch ziemlich hart am Absacken, denn er begann erste Zeichen von Malaria zu zeigen, die er dann am nächsten Tag von einem Test diagnostiziert bekam.
Aber zurück zum Wichtigen! Schnitzel. Wir mussten leider mit Geflügel vorlieb nehmen, aber es war definitiv besser, als alles, was ich so in letzter Zeit vorgesetzt bekommen hatte. Wir luden dann auch noch einige Ghanaer ein. Gifty war eine davon. Hier fällt mir ein, dass ich glaube ich noch gar nicht erwähnt habe, dass Gifty schwanger ist. Deswegen weckt sie mich öfters mal mit Würge-Geräuschen. Naja, das Essen fand sie zwar ganz nett, aber es war einfach zu anders. Auch die anderen Ghanaer fanden es ganz nett, aber es war einfach nicht so ganz ihre Welt. Aber wir hatten unseren Spaß!
Naja, am nächsten Tag passierte dann wegen all dem Futter in unseren Bäuchen nicht mehr viel. Naja, Daniel holte meinen Laptop noch ab, aber zu dem Thema habe ich ja am Anfang schon gesprochen.
Hmmm… Dann kam der Sonntag und ich Trottel hatte natürlich mal wieder jemandem versprochen mit in das Haus Gottes zu kommen. Die Glückliche war diesmal Bernice Ama, die neue Küchenhilfe. Doch bevor ich mich mit ihr treffen konnte, verabschiedeten sich Andreas und Maria, weil sie nach Wa, in den Norden fahren wollten. Sie sollten am folgenden Donnerstag wieder kommen.
Aber nun zur Kirche. Ich dachte, dass wir in irgendeine kleine Kirche in der Nähe gehen würden, aber Pustekuchen! Wir brauchten knallhart 100 Minuten, um im richtigen Dorf anzukommen. Denn der Priester in besagtem Dorfe hat Bernice den Küchenjob besorgt und deswegen muss sie nun jeden Sonntag in das klein Dorf Nkoransa fahren. Naja, ich wurde im Dorf rumgezeigt und durfte allerhand Hände schütteln. Der Gottesdienst war gewohnt langweilig, bzw. sogar ein Superlativ, denn wir waren erst 14:30 Uhr fertig. Ich dachte echt ich müsste ausrasten! Danach besuchten wir noch ein paar Freunde von Bernice und fuhren wieder nach Hause. Eigentlich wollte ich danach beim Abtippen der End of Term Examinations helfen, aber da mein PC ja nicht wollte, war ich absolut überflüssig und ging schlafen.
Die nächste Woche war dann ziemlich geil eigentlich, denn es war Revisionswoche und ich musste einfach nur alles wiederholen und Übungen machen. Aber der Montag war gleich mal alles andere als entspannt. Eigentlich wollte ich im Computerlabor meine Deutschexamen abtippen, aber dann kam dazu, dass ich Appew, dem Architekt helfen durfte, da Torsten Quittungen brauchte. Das nahm etwa 2 Stunden in Anspruch, dann musste ich unterrichten, das nahm 2 Stunden in Anspruch. Außerdem nervte Milicent die ganze Zeit damit, dass ich ihr ein Examen holen sollte, das wir wohl hätten. Da ich aber die ganze Zeit am Tippen war, bat ich sie, doch bitte zu chillen und zu warten, aber sie nervte mich immer mehr und so ging ich dann doch erst zu unserem Raum, wo ich natürlich nichts finden konnte. Dann ging ich nach Hause, um dort nachzuschauen, aber natürlich wusste ich, dass es dort nicht ist. Dann ging ich zu Milicent ins Büro, offenbarte, dass wir es nicht haben und zog besagtes Buch ohne weitere Worte aus einem Stapel aus Heften und Blättern auf dem Schreibtisch Milicents und ging wieder sinnvolle Arbeit machen. Dann hatte ich endlich Zeit für meine Examen und kam dann endlich um 17 Uhr aus der Schule raus. Das klingt jetzt für normal arbeitende Deutsche eher langweilig, aber wenn man einen sehr entspannten Tagesablauf gewohnt ist, dann war das absolut nicht cool! Tja, was soll’s, ich war wenigstens mit der Arbeit fertig und konnte mich ein wenig zurück lehnen.
Am Abend schauten wir dann den Film Cool Runnings, was ich jedem jederzeit wärmstens weiterempfehlen kann! Es geht um die erste Bobmannschaft Jamaicas und es erinnerte mich in mancherlei Hinsicht an Ghana.
Tja, am nächsten Tag war ich dann relativ müde, aber Eric hatte mich zur Kumasi Polytechnic eingeladen, um dort Volleyball zu spielen, während er Basketball nebenan zocken wollte. Ich war so froh mal wieder rauszukommen und war viel zu früh an der Schule. So wartete ich also eine Stunde und freute mich schon auf nettes Spielen. Aber das wurde dann nichts. Ich kam in eine Mannschaft, die nur zwei halbwegs erfahrene Spieler hatte und ich durfte zu allem Überfluss noch zuspielen. Alter, hatte ich es satt. Jedes Mal sagte ich meiner Mannschaft, dass ich lieber angreifen sollte, aber es wurde dann nur gesagt, dass ich lieber zuspielen solle, weil das kein anderer kann… So verloren wir also drei Spiele hintereinander und dann als die Messen gesungen waren, fragte ich, ob ich nicht endlich mal angreifen könne. Unter viel Gerede und einigen Auseinandersetzungen der Ghanaer durfte ich dann doch mal und siehe da, wir konnten das Spiel an uns reißen. Daraufhin sammelte ich einige Nummern, darunter auch die von Joshua mit dem ich dann später noch ein wenig rumhängen sollte. Naja, aber Volleyball war ja erstmal vorbei und ich folgte Eric zur Wohnung, wo ich duschte und auf die Heimfahrt wartete. Doch daraus wurde nichts, denn an diesem Abend war ein Spiel zwischen Ghana und England und das musste natürlich angeschaut werden! 😀 Ich schlief derweil, weil es echt nicht so großartig war.
Naja, dann war es schon um 9 und wir liefen los um erst noch ein bisschen Reis abzustauben, der echt richtig geil war! Naja, dann fuhren wir nach Tanoso und liefen noch zu Daniel nach Hause, um noch das eine oder andere zu regeln. Da traf ich seine Schwester, die mir natürlich sofort angeboten wurde, aber dann kam schon ihr Ehemann und ich hatte kein Chance mehr lol Glück gehabt!
Der nächste Tag kam dann dem Montag wieder ziemlich nahe, bloß diesmal durfte ich 3600 Stempel auf 1800 Blätter verteilen, damit 100 Schüler später ihre 14 Examen schreiben können.
Den restlichen Schultag verbrachte ich dann nur noch mit Tackern, Tackern, Tackern… Großartig! Da Andrew in Accra war und das Internet schlecht lief, konnte ich mich nur auf Volleyball freuen und danach auf mein Bett.
Den nächsten Tag begann ich voller Tatendrang, aber dann versagte ich beim Reparieren eines Steckers und fügte mir einen ordentlichen Elektroschock zu, weswegen ich dann den Rest des Tages nur noch müde durch die Gegend wandelte und eigentlich nichts so richtig schaffte. Der Unterricht lief nicht so richtig, weil die Schüler anderes im Kopf hatten und am Nachmittag brachten sie mir Twi bei. Danach wollte ich einfach nur noch schlafen. Aber ich musste noch zum Radio und diesmal durfte ich auch selbst moderieren. Das war witzig, auch wenn ich durch das Essen vorher bei Andrew total müde und voller Luft war. Also rülpste ich erstmal gediegen ins Mikro. Aber zum Glück lachte keiner in irgendein Mirko und wir konnten so tun als ob nichts geschehen wäre. Aber Ruven hatte schon arge Probleme sich zusammenzureißen, genau wie ich. Naja, den Rest der Zeit schaffte ich aber ohne Mikrorülpse und so war es letztendlich relativ gelungen. Auch wenn Desmond das ganze Bizz natürlich mehr liegt als mir.
Und dann ging es los. Die Examen! An diesem 31.3. schrieben meine Schüler glücklicherweise schon ihre Englischexamen und so hatte ich viel Zeit, um mich darum zu kümmern! Aber ich war dafür an dem Tag wieder so gar nicht fit. Dazu kam dann auch noch, dass die Schüler meine Fragen nicht verstanden und ich nur am rumrennen war, weil ich Fragen beantworten musste, die ich schon einige Male im Unterricht beantworten musste. Es war ziemlich anstrengend! Und die Schüler sagten mir alle wiederholt, dass ich sie töten würde mit diesen Fragen. Tja, an diesem und am nächsten Tag machte ich mir dann noch richtig viel Gedanken darum und fühlte mich schlecht, besonders, weil mir von den Schülern gesagt wurde, dass ich es alles falsch gemacht hätte, dass ganz andere Fragen gefragt werden müssten und bla bla bla. Als ich mich dann am nächsten Tag mit Gifty darüber unterhielt, sagte sie mir die ganze Zeit, was mögliche Fragen gewesen wären und mir ging es immer schlechter. Wegen all den Sorgen fing ich dann auch erst Samstag an zu korrigieren. Und erst durch ein Gespräch mit Deborah am Sonntag, ging es mir besser, weil sie ja auch Englisch unterrichtet und mir zusicherte, dass, solang ich das abgefragt habe, was ich unterrichtet habe, ich keine Probleme habe. Ich hab dann auch noch mit einigen Schülern geredet und die haben gesagt, dass wir es einfach hinter uns bringen sollten und die Zensuren in der Zukunft vergessen werden würden. Also war ich wieder froh. Aber das war ja nur ein Teil des Wochenendes. Ich gehe nochmal zurück zum Freitag, an dem ich wieder Volleyball spielen ging und ich da Joshua traf, zusammen mit Prince und Fisco. Wir spielten ein bisschen, aber es begann zu regnen und so war der Spielspaß ein wenig eingedämmt. Aber danach wurde ich für den Samstagmorgen eingeladen, um am Prempeh College zu spielen, wo das Niveau dann echt mal höher sein sollte.
Ich erwartete viel von dem Samstagmorgen und das Niveau war auch endlich mal gut und ich war mal wieder, wie gewohnt unter den schlechteren Spielern, aber es wurde einfach so viel Gelabert und bei jeder fragwürdigen Entscheidung des Schiris wurde diskutiert. Es nervte extrem. Man konnte sich kaum auf das Spiel konzentrieren!
Aber das Spielen als solches war halt wirklich nett. Echt hart geschlagenen Bälle von ziemlichen Muskelprotzen, die mindestens doppelt so breit waren, wie ich! Nach Hause wurde ich dann von Ata(qué) gefahren, der in Kwadaso lebt. Und am nächsten Samstag, sprich morgen, wollte ich wieder kommen und mich von Anfang an auf das ganze Geschehen vorbereiten. Seelisch und moralisch!
Am Abend war dann Marias letzter Abschied. Sie sollte nie wieder während unseres Aufenthalts in Ghana nach Kumasi zurück kommen. Mit ihr hatte ich echt eine schöne Zeit, weil sie meine niveaulose Art lustig fand. Dadurch waren die letzen Monate echt witzig, aber naja, so ist das Leben.
Am 3.4. ging ich morgens endlich mal wieder nicht zur Kirche, sondern kam mit Joshua zum Volleyball spielen. Es war aber nicht so großartig, weil wir in der Mittagshitze spielten und ich mich dadurch kaum bewegen konnte und jeder Sprung überflüssig schien… Eigentlich hätte ich danach nach Hause gemusst, um Examen zu korrigieren, aber Joshua lud mich noch zu sich ein, und ich folgte, glücklich, dem Korrigieren entkommen zu sein. So fuhren wir also in Richtung Accra zu der Schule an der er unterrichtet. Nämlich zur KNUST High School. Wenn man hier KNUST sagt, dann bedeutet das schon was, also war ich echt verwundert, einen Lehrer von KNUST kennen gelernt zu haben. Naja, dann gingen wir ein Bierchen trinken und Diehuo essen. Das war ziemlich geil, besonders, weil so etrem hungrig und durstig vom Spielen war. Dann fuhren wir noch weiter raus, zu Joshua nach Hause. Dort lernte ich dann seine baldige Freundin kennen, die echt nicht schlecht aussah… 🙂
Und daraufhin chillten wir eigentlich nur noch, schauten Filme, hörten Musik und bald fuhr ich nach Hause, um mich dann meiner großen Challenge, den Arbeiten zu stellen. Ich schaffte es auch tatsächlich am nächsten Morgen mit dem ersten Lehrjahr abzuschließen und die Examen zu verteilen. Und am nächsten Tag war dann auch das zweite Lehrjahr durch. Aber alle Arbeiten bis auf jeweils eine, waren schrecklich und es machte keinen Spaß den Scheiß zurückzugeben und ich musste auch stark sein nicht jeweils 10 Extrapunkte zu verteilen. Aber so fielen jeweils mehr als zwei Drittel durch. Aber ich hatte wirklich alles mit ihnen wiederholt und auch gesagt, was dran kommen würde, doch meine Schüler wollten einfach nicht hören… Tja, da kann ich nichts machen. Am Montag war ich dann noch beim Arzt, weil ich dachte, dass ich Malaria hätte, aber leider war es keine Malaria und so ging es mir weiter richtig schlecht ohne Erklärung. Nun ja, am Nachmittag wurde ich dann von Ruven überredet mit zum Friseur zu kommen. Diesmal jedoch nicht zu dem in Kwadaso, sondern zum neuen Friseur in Denkyemuoso. Das Besondere bei ihm war, dass er noch nie unsere Art Haar geschnitten hat. So saßen wir also 1.5 Stunden beim Friseur und gaben Ratschläge. Ruven war der erste und schaute am Anfang sehr ängstlich, als der Friseur, Tender mit Name und riesigen Oberarmen, mit dem Rasierapparat nichts auf die Reihe bekam, aber es wurde dann langsam und am Ende sahen wir beide zwar nach Eingezogenen, aber nicht total hässlich aus!
Der Dienstag war dann einfach nur vom Schlafen und Korrigieren der Deutschklausur von Ruvens 55 SHS Schülern überschattet. Sonst passierte eigentlich nichts. Ich kam gegen 2 nach Hause, legte ich mich wenig später hin und wachte dann plötzlich um 19:30 auf und war so müde, dass ich bis zum nächsten Morgen durchschlief. Zu dem Zeitpunkt vermutete ich, dass ich die Schlafkrankheit haben könnte, aber so müde war ich die nächsten Tage dann nicht mehr, also konnte ich es ausschließen. Heute glaube ich, dass ich einen Wurm haben könnte, aber fest steht noch nichts.
Sonst ist bis heute aber auch nicht viel passiert. Am Mittwoch waren dann die Deutschexamen und ich beendete alle meine Arbeit noch am Mittwoch mit Noten eintragen und Zeugnisse mit Noten füllen. Danach war ich einfach nur noch glücklich, weil der Term für mich nun offiziell gelaufen war. Am Donnerstag war dann nur noch ein sinnvolles Staffmeeting angesagt, aber da es am Ende Cola und richtig geiles Essen gab, hatte ich kein Problem mehr gehabt. Auch das Radioprogramm fiel wegen nicht funktionierender AC aus. Also konnte ich in aller Ruhe schlafen gehen und mich auf die nächsten Tage freuen.
Heute habe ich dann den ganzen Tag mit Blog schreiben verbracht und werde demnächst mit den Schülern Fufu stampfen. Tja,… ich hab jetzt auch richtig Hunger! 🙂
Also bis bald! Byebye

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#12

So, ich habe mich entschieden, dass es mal wieder Zeit zum Schreiben ist! Besonders, weil ich gerade ne ganze Weile geschlafen hab und ich endlich was machen sollte. Außerdem läuft gerade die neue, von Dominik erworbene Musik auf meinem Laptop, da macht das Schreiben doppelt so viel Spaß! Heute ist der erste März und ich hab schon wieder einen Monat nichts geschrieben. Echt krass, wie die Zeit verfliegt!
Es ist wenig passiert aber es hat sich viel verändert, das beschreibt diese letzten paar Wochen eigentlich ganz gut!
Ich gehe einfach mal zur Woche des 8.2. zurück und erzähle, was ich mir aufgeschrieben habe, denn wirklich dran erinnern kann ich mich nicht so recht.
Tja, ich hatte wohl geplant meinen nigerianischen Freund besuchen zu gehen, aber da ich viel zu viel zu tun hatte und ich nach der Schule einfach nur am Ende war, konnte ich weder ihn besuchen, noch irgend so einen Typen, der sich Scott nennt und ein Nachbar von mir ist. Er will wohl auch die anderen Volunteers gekannt haben, aber ich hab ihn bis heute noch nicht besuchen können. Mal sehen. Tja, als ich an dem Tag nach Hause kam, wurde ich von einer riesigen Welle „Gott“ überrollt, wodurch ich gleich gar keine Lust mehr auf irgendwas hatte. Erst Maria hat mich erlöst, weil sie uns besuchen kam, um zwecks ihrer Dissertation mit Kwakye über die German Ghanaian Friendship Organisation zu reden. Das war auch für mich ganz interessant, weil ich schon lange für einen Verein arbeitete, über den ich nicht wirklich Bescheid wusste. So wurde mir erzählt, wie das hier alles begonnen und sich entwickelt hatte. Wir redeten so viel, dass die Zeit nur so verflog und Maria nicht mal die Hälfte ihrer Fragen stellen konnte.
Tja, sie verabredete sich für einen anderen Tag mit Kwakye und ich ging ins Bett.
Der nächste Tag war der absolute Durchschnittsmittwoch. Denn in den letzten Wochen tat ich immer das gleiche: ausschlafen, essen, waschen, zu Andrew laufen, um dort über sein Sportprojekt zu reden und erhoffen, dass es was werden soll. Während wir dann immer so reden, kocht Andrew leckere nigerianische Sachen für mich. Meistens Eba mit einer Soße. Letzte Woche gab es Okrasoße, die bis jetzt die wahrscheinlich Beste war. Einmal gab es extrem leckeres Rindfleisch, das tagelang in Tomatenmark gelagert wurde. Auf das Fleisch komme ich bis heute nicht klar. Es war so lecker, weich und…. Unbeschreiblich! Tja, bleibt nur noch eine Sache zu sagen, denn Eba werden die wenigsten Leute kennen, es ist getrocknetes Maniokpulver, das mit heißem Wasser gemischt wird und zu einem klebrigen Brei wird. Das ganze kann man dann halt super in Soßen dippen. Für jeden Afrika-Reisenden sehr zu empfehlen, finde ich, besonders, weil es echt fix geht und man zumindest für das Eba keine Kochkünste besitzen muss.
Tja, nachdem ich Andrew besucht hatte, ging ich dann wie jede Woche zur Uni, um da zu chatten, aber wie zu fast jeder Verabredung zu spät zu kommen und bei dem Versuch zu versagen, etwas für Andrew gedreht zu bekommen.
Danach ging ich dann wieder nach Hause und chillte den restlichen Tag.
Bis hin zum Wochenende passierte eigentlich auch nichts, außer Unterricht, Fahrradreparaturen und die üblichen Radio- und Twistunden und dem einen oder anderen Bierchen am Abend. Am Freitag eröffnete uns Apau, das wir für ihn die Quittungen in den Computer tippen sollten, was relativ schnell und unkompliziert war.
Tja, nun zum Wichtigen. Am 12.2. begann das letzte Wochenende von Mareike und Cornelius hier in Kumasi. Deswegen entschieden wir uns auch am Samstag noch in den Club zu gehen. Davor spielten wir noch eine Runde Mensch ärgere dich nicht, wobei jeder, der eine 6 würfelt trinken musste, sowie jeder, dessen Spielfigur geschmissen wird. Ich war schnell bei 3,5 Bier, was mehr war, als ich je hier drüben getrunken hatte. Ich entschied mich also schnell einfach die Augen zuzumachen und einzunicken. Cornelius konnte auch nicht mehr, aber er hatte nicht getrunken, sondern hatte Kopfschmerzen. Es ist echt krass, jedes Mal, wenn wir weggehen wollen, wird einer krank. Naja, ich war auch nur noch am rumsteuern als wir auf ein Taxi warteten, setze ich mich auf die Stufen irgendeines Hauses, schlief ein und fiel um, woran ich am nächsten Tag durch relativ große Wunden an meinen Beinen erinnert wurde. Naja, eigentlich hatte ich keinen Bock mehr, noch irgendwas zu tun, aber ich wurde überredet einfach mitzukommen. Eric, ein Basketballfreund von Ruven, führte uns zum Genesis, einem relativ angesehen Club hier in Accra, aber es stellte sich als absolute Pleite heraus. Kein Mensch war da, weil alle auf das Valentinsspecial am nächsten Tag warteten und lieber Geld sparen wollten. Tja, ich hab mir trotzdem einen schönen Abend gemacht und bin ein bisschen durch die Gegend getanzt, während der Rest genervt war. Probleme hat, wer sich Probleme macht! Das habe ich hier bei meinem neuen Hausherrn Kwakye gelernt. Der ist immer entspannt und sieht alles positiv. Unglaublich. Letztens habe ich den Schlüssel verloren und was sagt er: kein Problem, hol ich eben ein neues Schloss. Am Abend gibt er mir also einen neuen Schlüssel für ein neues Schloss.
Tja, der Sonntag war dann ziemlich entspannt. Da ich so lange weg war, entschied ich mich nicht der Kirche auszusetzen, auszuschlafen und mal wieder ein bisschen Computer zu spielen.
Die nächste Woche war dann wieder 0-8-15. Unterricht, Fufu und schlafen. Als besonderes Highlight habe ich mir aufgeschrieben, dass ich beim Waschen mal eine neue Seife ausprobiert habe, die erstaunlich gut funktioniert und gleichzeitig die Haut schont. Das zeigt wie krass ereignisreich der Anfang dieser Woche war -.- Nun ja, dieser Mittwoch war etwas besonderer, da mir offenbart wurde, dass ich noch ein paar Seiten für PK’s Buch abtippen sollte und zwar bis zum nächsten Morgen. Es waren 36 Seiten mit Bildern… Ich dachte ich werd nicht mehr, aber ich riss mich zusammen und am nächsten Tag ging ich nach getaner Arbeit um 5 ins Bett. Um 6 hieß es dann wieder aufstehen, aber ich war so verpennt, dass ich den Wecker nicht ernst nahm und erst um 8 von Gifty geweckt wurde, die mir sagte, dass ich aufzustehen habe. Das Verschlafen war in gewisser Weise ein glücklicher Umstand, da ich dadurch total aufgedreht war und mich beeilen musste, um noch zur rechten Zeit zum Unterricht zu kommen. So konnte ich dann nicht über meine Müdigkeit nachdenken. Der Unterricht war dann auch witzig. Ich war absolut übermüdet, aber habe es doch überstanden. Beide Doppelstunden. Doch jetzt kommt das Beste. Nach all den Strapazen tauchte kein PK auf. Es war echt nicht cool, aber am nächsten Tag war alles gut, denn ich bekam noch ein paar extra Blätter zu abtippen: 39 Seiten Definitionen. Ich schaffte es also innerhalb von Mittwoch bis Montag, mehr als die Hälfte des verdammten Buches abzutippen. Ich bin einfach nur froh, dass es jetzt gedruckt und verteilt ist! Keine Verpflichtungen mehr in dieser Richtung.
Am Freitag mussten uns Cornelius und Mareike verlassen. Es war einfach nur komisch die beiden zu verabschieden. Als sie gingen, waren noch ein paar Schüler dabei, darunter Osama und Tony, zwei meiner Lieblingsschüler, die dann die ganze Zeit sagten, dass ich nicht zurück fahren sollte. Ich frag mich wie das wird, wenn ich an Stelle von Mareike und Cornelius bin.
Und dann waren sie weg.
Aber für Ruven und mich ging das Leben weiter. Wir redeten natürlich erstmal eine Weile über das ganze Ghana-Verlassen-Thema und begannen dann den Fahrradcontainer auszuräumen, um Platz für mehr Schrott zu schaffen, der aus einem Storeraum geholt werden sollte, um diesen in ein Klassenzimmer zu verwandeln. Als wir dann alles ausgeräumt hatten, kam die neue Freiwillige, Sabrina, mit dem Taxi an. Wir zeigten sie herum und ließen sie ausräumen und Mitbringsel auspacken. Es war natürlich eine riesige Freude, als Süßigkeiten, Salami und Hautcreme ausgepackt wurde. Besonders die Hautcreme, denn in letzter Zeit beginnt mein Gesicht in das eines 14 jährigen Jungen zu verwandeln, was echt nicht so lustig ist. Naja, hoffentlich hilft der Spaß!

So ich hab jetzt eine Woche nichts mehr geschrieben und weiß auch gar nicht mehr so richtig was ich alles schon geschrieben hab und was nicht. Also schreibe ich mal wieder einfach drauf los, so wie ich das eigentlich immer tue.
Am Samstag, den 19.02. waren wir morgens mit Eric und Richard, dem Ami, auf dem Sportplatz der Kumasi Polytechnique. Das hieß für mich natürlich erstmal wieder nach Ewigkeiten wieder Volleyball spielen. Es lief auch ganz okay, wenn ich auch echt langsam geworden war. Dabei traf ich auf bekannte Gesichter, denn dieses Team hatte schonmal gegen unser Uni-Team gespielt. So wurde ich auch gleich zu einem Turnier eingeladen, aber ich konnte nicht mitkommen, da ich an diesem Wochenende mit einem Schüler mit nach Hause fahren sollte, aber dazu später mehr.
Tja, als wir nach Hause kamen, waren wir natürlich alle etwas müde und chillten den ganzen restlichen Tag, aber damit sollte dieser Samstag noch nicht vorbei sein, denn Ruven und ich wollten noch mit Eric und einem anderen Basketballkollegen den NBA Allstar Dunking Constest sehen. Dafür mussten wir mitten in der Nacht aufstehen und zur Uni laufen. Um 1:45 waren wir da. Und dann ging es los. Der Fernseher wurde angestellt und noch lief ein Fußballprogramm… Also wollten wir einfach den Sender umstellen, aber so einfach war das nicht, denn die Fernbedienung war nicht zu finden. Eric und Daniel sagten uns, dass wir nur kurz warten sollten, während die beiden sich darum kümmern wollten. Nun ja, nach 30 Minuten war das laufende Fußballspiel zu langweilig, um meiner Müdigkeit stand zu halten, also machte ich es mir auf den Klappstühlen so gemütlich wie möglich und schlief für etwa eine Stunde, dann wechselte ich zu einer herumstehenden Couch und schlief noch 30 Minuten extra. Dann kamen Eric und Daniel herein und sagten, dass sie bei einigen Leuten geklingelt hatten, aber nichts zu finden war. Also gingen wir nach Hause. Das war also absolut großartig! Ich war so müde, dass ich in Ruvens Zimmer eingeschlafen bin und nicht mal bis ganz nach Hause gekommen bin. So bin ich auch ganz lässig der anstehenden Kirche ausgewichen und ermöglichte es mir weiter an PKs Buch zu schreiben.
Am Abend wurde unsere ganze Truppe nun von PK eingeladen und eigentlich freute ich mich auf den Abend. Anfangs war es auch noch ganz nett. Sheriff war auch noch kurze Zeit da und so konnten wir ganz nett reden, während PK sich noch ein wenig das Geschriebene anschaute und ich für ihn berichtigte. Doch dann kamen Maria und Sabrina vom Plätzchen backen mit Mary zu uns. Man darf das nicht falsch verstehen, denn so mit den beiden zu quatschen ist nett, aber die Mischung mit PK hat mir den Rest gegeben. Beide Seiten zickten sich die ganze Zeit gegenseitig an und das Gespräch sah schnell nur noch so aus:
PK: Fickere, fuckere?
M/S: You are so rude. (Du bist so gemein)
PK: It’s not true! You are fine girls, so I have to make you a comfortable stay here. (Gar nicht wahr, Da ihr so hüsche Mädchen seid, muss ich es euch doch gemütlich machen)
M/S: What??? Your words are not comfortable at all! (Was, deine Wortwahl ist aber keineswegs gemütlich!)
Naja, was mich dann noch mehr gestört hat, war, dass die beiden sich dann konsequent auf Deutsch über ihn lustig gemacht haben. Ich war dann schnell so angepisst, dass ich einfach nur noch gegessen hab (es gab „Fante, Fante“, was einfach nur bedeutete, dass frischer Fisch mit dabei war, so erklärte es zumindest PK. War eigentlich ganz lecker).
Tja, ich war dann also ganz froh, als der ganze Stress vorbei war. Schade, dass es so ausging. Beide Parteien fragten mich auch was los sei und als ich es erklärte sah weder PK noch Maria oder Sabrina ein, was denn das Problem gewesen sei, da es doch alles mit einem Lächeln passiert sei. Tja, was soll’s, das nächste Mal, wenn ich zu PK gehe, werde ich sicher gehen, dass keine deutschen Mädchen mitkommen, weil PK mit sowas nicht umgehen kann.
Am Montag haben wir dann endlich das Buch beendet. Es war zwar wieder mit Stress verbunden, weil ich meine Deutschstunde gegen meinen Willen aufgeben musste, aber sonst hätte sich wieder alles um eine Woche verschoben und das hätte sicherlich noch mehr Stress bereitet.
Auf jeden Fall wollten PK und ich so gegen 11 losfahren und mir wurde noch zugesichert, dass wir früh genug zurück kommen würden. Als wir dann gegen 11:45 immer noch kein Trotro bekommen haben, war ich schon etwas unglücklich, aber 5 Minuten später ging es los. Irgendwann waren wir dann an der Schule, wo PK den ganzen Spaß ausdrucken wollte. Aber davor musste ich noch etwa eine Stunde tippen, weil nur noch kleine Sachen fehlten. Eigentlich hab ich ja keine Probleme damit für ihn diesen Spaß zu schreiben, aber dieses ganze „Ja, ist nicht mehr viel. Könntest du noch die paar Zeilen (=10 Seiten) abtippen?“ hat mich dann doch gestört. Aber was beschwere ich mich. Ich bin fertig und muss nicht mehr drüber nachdenken. Ich kam so gegen 14:30 Uhr zurück (2,5 Stunden zu spät) und kümmerte mich um meinen neuen Lese-Nachhilfeschüler. Den restlichen Tag benutzte ich, um endlich mal wieder richtig Computer zu spielen.
Am Dienstag wurde das Buch dann auch verteilt, aber nicht bevor George noch verlauten ließ, dass man das Buch lieber nicht kaufen sollte, weil es einfach nicht gut genug sei. Da hab ich mich innerlich auch ganz doll gefreut, weil es so klang, als ob meine Arbeit für umsonst gewesen zu sein schien.
Aber das ist jetzt egal, da ich wie gesagt, nie wieder über dieses Buch nachdenken muss, das am Ende 150 Seiten hatte, alle höchstselbst von mir abgetippt. Nun ja, der restliche Tag war halbwegs entspannt, da meine letzte Stunde ausfiel, weil die Häuser der Schüler umgeordnet wurden, damit das Sportevent am Freitag auch halbwegs fair sei.
Der Mittwoch war wieder durchschnittlich, das einzige besondere war, dass ich 2 Stunden in der Uni auf Internet wartete, aber ich hatte kein Glück und ging nach diesem viel zu langen Uni-Aufenthalt zu Andrew zurück, um noch ein bisschen zu quatschen. Und herauszufinden, dass er gerne ICT-Unterricht hätte und mich fragte, ob ich ihm helfen könne. Also habe ich nun noch einen Schüler.
Am nächsten Tag fand ich heraus, dass in der nächsten Woche wohl schon der Midterm beginnen sollte, das hieß, so dachte ich, dass Midterm-Examen anstanden, was heißen würde, dass ich wieder etwa 20 Fragebögen abzutippen hätte. Aber dem war zu Glück nicht so, alles was passierte, war, dass mich Schüler fragten, ob wir nicht mal bald einen Test schreiben wollen.
Beim Radioprogramm wurde uns dann erzählt, dass unsere Deutschstunde umgestaltet werden sollte und echte Schüler, die wirklich interessiert an Deutsch sind, mit uns im Studio sitzen sollten. Musik sollte dann keine so große Rolle mehr spielen und es sollte doch mehr ein Unterricht sein. Ich finde diese Idee sehr gut, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass ein Teil des Spaß‘ verloren gehen könnte, aber ich schaue freudig in die Zukunft.
Am Freitag war dann das Sportevent und ich wachte extra um 5:15 Uhr auf, um, wie von mir erwartet um 6 Uhr an der Schule zu sein. Doch natürlich wurde ich wieder enttäuscht. Um 6:20 Uhr kam Samuel, der Sportverantwortliche bei mir vorbei, der, der mich herbeordert hatte mit den Worten: „Aber wirklich um 6!“ und fragte mich doch tatsächlich, was ich hier so früh mache… Nun ja, ich hatte nichts zu tun, obwohl mir am Vortag eine Arbeit zugesichert wurde, also konzentrierte ich mich mehr auf die Schüler und schaute ihnen beim Krach machen zu. Und sie machten wirklich viel Krach. Sie sangen, tanzten und klopften auf Eisenstangen rum. Es war echt eine Freude zu sehen, wie viel Spaß Jugendliche ohne Alkohol haben können. Nach einem Frühstück ging es los. Auf in den Bus mit den laut singenden Schülern. Es war einfach zu geil. Jeder auf der Straße schaute uns nach und in Deutschland wären ordentlich Köpfe geschüttelt worden, wegen solcher Zügellosigkeit, aber hier gehört es wohl irgendwie dazu.
Am Sportplatz angekommen, bereiteten wir das Feld vor und nach etwa einer Stunde ging es dann endlich mit dem ersten Lauf los. Das ganze Sportfest drehte sich nur ums Rennen. 100 bis 5000 Meter. Mir wurde eine rote Fahne in die Hand gedrückt und gesagt, stell dich dort drüben hin (da wo keiner steht und du nichts zu tun haben wirst, bis du dich richtig hart langweilen wirst). Gesagt getan. Meine rote Fahne, die wohl darstellen sollte ob noch irgendwelche Probleme sind, wurde nie gebraucht und war auch vollkommen sinnlos, da ich am wenigsten wusste was abgeht. Ich wartete also immer bis die Läufe vorbei waren und langweilte mich endlos, während ich die Leute singen sehen konnte. Ich war weit genug weg, um nichts mitzubekommen. Wieder mal war ich ziemlich unglücklich und dann kamen diese verdammte Dorfjugend und fing an mich zu rufen. „Obroni, Obroni“ kein Problem dachte ich mir, winkst du eben. Doch dann fingen die an sich über mich lustig zu machen, was mich echt wütend machte, da ich sowieso keinen Bock auf den ganzen Scheiß mehr hatte. Aber glücklicherweise musste ich nur noch eine halbe Stunde aushalten, bis Ruven und ich entscheiden endlich zu gehen und nach Accra zu fahren, um Cornelius und Mareike nun wirklich vollkommen zu verabschieden.
Da ich ewig brauchte um endlich loszukommen und meine Angepisstheit ansteckend war, hatte Ruven auch schon gar keinen Bock mehr, aber wir rissen uns zusammen und alles wurde großartig. Die Fahrt war anstrengend, wenn auch angenehmer als die meisten Fahrten nach Accra. Wir hatten einen sehr impulsiven Fahrer, wodurch die Fahrt nur 4,5 Stunden hätte dauern können. Und das bei strömenden Regen. Kurz zuvor hatte ich erst ein Bild von einem Busunglück gesehen, mit toten Menschen und zermatschten Köpfen. Das sah ich so etwa die Hälfte der Fahrt vor meinem inneren Auge. Aber nichts passierte. Uns zumindest nicht. Auf dem Weg hielten wir einmal an, weil ein anderes Trotro stehen geblieben war und Hilfe brauchte. Und ein zweites Mal hielten wir an, weil ein riesiger Laster mit Streichhölzern umgekippt war. Unglücklicherweise auf einer relativ engen Straße. So gab es auch einen riesigen Stau, da man sich nicht vorwärts oder rückwärts bewegen konnte. Der Lasterfahrer hatte übrigens Glück gehabt. Wäre er auf die andere Seite gekippt, hatte man seine Körperteile von den spitzen Felsen kratzen können, die sich 10 Meter tiefer befanden. Also merke: bei Regen ist es kein Spaß hier durch die Gegend zu fahren. Besonders die Strecke zwischen Kumasi und Accra ist eine viel befahrene und gefährliche Strecke.
Tja, aber irgendwann kamen wir dann doch an, auch wenn es später war, als wir es uns gewünscht hätten. Wir hatte auch noch ein kleines Problem: wir hatten noch keine Unterkunft, also liefen wir auf gut Glück einfach zu unserem Stammhostel, dem YMCA und kamen tatsächlich für 3 Cedis die Nacht unter. Dann fuhren wir mit dem Taxi zu den Verwandten von Mareike und Cornelius und genossen Brot mit Käse. Und natürlich die Anwesenheit unserer bald verschwundenen Kollegen. Wir redeten also über alles was so passiert ist, über Sabrina und natürlich Andreas, der letzen Dienstag angekommen war, aber von dem ich noch nicht so viel mitbekommen habe. Dann kamen der Onkel und die Tante von Mareike von einer Feier zurück und erklärten uns, dass, wenn wir wöllten, es am nächsten Abend erst Fußball und dann ein Grillabend geben würde, wenn wir uns darum kümmern würden. Alles was wir tun mussten, war alles zu holen (was das Bezahlen ausschließt) und vorzubereiten. Wir traten nun also glücklich unsere Rückfahrt an, aber schon an der Türschwelle merkte Ruven, dass seine Brieftasche nicht mehr da war. Und er wusste auch wo sie war: auf dem Hinweg hat es richtig stark geregnet, sodass die Straßen teilweise 10 cm unter Wasser waren. Da wir einen sehr ängstlichen Taxifahrer hatten, mussten wir für eine lange Zeit im Auto warten. Diese Zeit nutzen wir um zu bezahlen. Danach ließ Ruven das Portemonnaie neben sich liegen und vergaß es beim überhasteten Aussteigen. Wir hatten die Hoffnung, dass der Taxifahrer es vielleicht zurück bringen könnte, doch das ist nicht geschehen. Schade.
Am nächsten Morgen unterhielten wir uns erstmal mit zwei Nigerianern, die auch in unserem Zimmer schliefen. Rich und Mike, sie waren nach Ghana gekommen, um eine Möglichkeit zu finden nach Europa abzuhauen. Sie fragten uns auch gleich, ob wir eine Ahnung hätten, ihnen zu helfen, aber was hätten wir schon tun können?
Tja, später suchten Ruven und ich dann etwas zu essen. Wir fanden Mango, die allerdings, wie wir später herausfanden, zu lange in der Sonne gelegen hatte. Außerdem haben wir Frühlingsrollen gefunden, die, wie wir später herausfanden, nach ranzigem Öl schmeckten und interessanterweise ohne Füllung waren. Es war also ein sehr ausgeglichenes und leckeres Frühstück. Nach diesem Hoch suchten wollten wir uns mit Mareike und Cornelius zum Einkaufen treffen, also suchten wir uns ein Trotro. Das dauerte auch nur eine Stunde. Das heißt 20 Minuten sinnlos durch die Gegend irren, uns von einem Ort zum nächsten jagen lassen, dann 20 Minuten an der falschen Haltstelle stehen und nochmal 20 Minuten durch die Gegend irren und alles was sich bewegt fragen, wo es denn nun zur verdammten Accra Mall geht. Dann endlich wurde uns die richtige Richtung gewiesen, nämlich die zur Hauptstation. Dort liefen wir an einem zu heiß gelaufenen Trotro vorbei, welches man nach kurzer Zeit dank dem entstehenden Rauch nicht mehr aus 30 cm Entfernung sehen konnte. Auch die Trotros in dessen Nähe waren in Rausch verhüllt. Ich dachte, dass uns hier sicherlich gleich was um die Ohren fliegt, aber wir hatten Glück, keine Explosion! Für unsere Expedition hieß das, dass wir eigentlich fast da waren. Das Trotro war schon zu sehen und siehe da, 25 Minuten später waren wir auch an der Mall. Und schon erreichte uns eine Nachricht: „Wo seid ihr? Wir sind fertig mit Einkaufen.“ Ruven und ich beeilten uns also und hatten noch was zu lachen, als ein Autofahrer die Anweisungen eines Straßenpolizists nicht beachtete und einfach fuhr. Das Ende der Geschichte war nun, dass dieser Polizist das gar nicht lustig fand und mit aller Kraft eine Delle in die Seite des Autos schlug. Und es war wirklich eine Delle, kein Dellchen! Naja, dann erreichten wir endlich Cornelius und Mareike und ließen uns durch das Einkaufszentrum führen. Es war eine Art Paunsdorfcenter in schön, modern und in teuer.
Dann haben wir das Essen vorbereitet, wobei ich einen Großteil dieser Zeit verschlafen habe, Siedler von Catan gespielt und dann endlich begonnen Bayern gegen Dortmund zu schauen. Da ich da mit 3 fußballinteressierten Menschen saß, wurde ich mitgerissen und fand das Spiel ganz nett. Aber da ich einen richtig starken Hunger hatte, verpasste ich die zweite Halbzeit absichtlich und begann schon zu grilllen. Ich fing auch gleich mit Hühnchenschenkeln an. Ich weiß noch, wie ich vor Amerika auf einer Grillparty war und das gleiche grillen sollte. Das letzte Mal hatte die Hälfte der Leute, die probiert haben eine Magenverstimmung. Doch diesmal ging alles klar, es dauerte nur viel zu lange. Es gab auch wieder Oliven, was mich total glücklich machte. Danach wollten wir dann noch in einen Club gehen, aber da wir alle ein wenig müde waren, reichte es nur für eine Bar, denn weggehen mussten wir auf jeden Fall, da es der letzte Abend in dieser Besetzung sein würde. Accra ist schon ein anderes Pflaster als Kumasi und dementsprechend anders ging es auch in der Bar ab. Besonders, weil ein paar willige, weiße Mädchen die Aufmerksamkeit von den muskulösen, einheimischen Typen suchten und nicht weit weg ein paar Prostituierte ihre Körper beim Tanzen zeigten.
Es war mal wieder zu laut um sich zu unterhalten und schnell begannen betrunkene Ghanaer uns anzusprechen und ein wenig auf die Nerven zu gehen. Später durften wir zusehen, wie ein ziemlich betrunkener Penner, dem ein Paar Flyer aus der Hand gerutscht waren, sich nicht entscheiden konnte, die Flyer aufzuheben oder zu tanzen. Also beugte er sich wiederholt runter bis er fast das Papier erreichte und begann dann sogar relativ lässige Dance-Moves daraus zu machen. Etwa 30 Minuten später zettelte er dann einen Streit an, sodass ein Stuhl auf ihn geworfen wurde und er von einem Kellner zusammengeschlagen und weggeschickt wurde. Wie gesagt, das ist ein anderes Pflaster.
Als wir dann alle bereit waren schlafen zu gehen, sagten wir „Byebye“ zu den beiden anderen und liefen etwa 1,5 Stunden nach Hause. Und es war irgendwie richtig angenehm mit Ruven das letze halbe Jahr nochmal Revue passieren zu lassen.
Tja, am nächsten Tag verabschiedeten wir uns dann, tranken noch eine kühle Cola und tauschten letzte Worte und Versprechen. Außerdem gab ich Cornelius sein „Shantaram“ zurück, an dem ich die letzen 2,5 Monate gelesen hatte. Wenn nicht sogar länger!
Und dann waren wir weg und die beiden machten sich bereit für ihre letzen Tage in Ghana.
Ruven und ich waren ein wenig sehr „weiß“ auf dem Rückweg, weil wir uns die besten Plätze sicherten und in aller Ruhe Kekse aßen. So war die Rückfahrt auch sehr angenehm und wir kamen entspannt in Kumasi an.
Und damit endet eine Ära meines ganzen Ghanaaufenthalts. Die beiden sind nun unwiederbringlich weg und Ruven und ich machen uns jetzt, so wie Cornelius und Mareike, Gedanken, wie es in Deutschland weitergeht und wann wir zurück fliegen. Außerdem habe ich mich durch meinen Umzug merklich von den anderen abgegrenzt. Mit Sabrina und Andreas hab ich zum Beispiel kaum ein Wort gewechselt. Ich weiß noch nicht was ich davon halten soll, aber es ist mir schon irgendwie wichtiger mit Afrikanern zu tun zu haben.
Tja, zurück zum Alltag, oder nicht. Am Montag war ein normaler Schultag, aber etwas besonderes passierte. Ich habe mich ja in das Baby von Harriot, einer Lehrerin hier, verliebt und immer, wenn ich es sehe, habe ich keine Pflichten mehr, sondern nehme es erstmal auf den Arm. Tja, und an diesem Tag also hat sich Milli um das Kind gekümmert, weil sie ja lernen muss, wie es ist „Mame“ zu sein. Also schaute ich ein bisschen bei der Fütterung des Geschöpfs zu und währenddessen erzählte mir Milli ihre Lebensgeschichte. Es hat mir echt die Augen geöffnet. In Hinsicht auf viele Entscheidungen, die Milli getroffen hat und in Hinsicht auf die Art, wie sie sich verhält. Zum Beispiel hält sie nur wenig von Männern und meint, dass für diese Art Lebewesen nur das eine zählt. Diese Meinung vertritt sie zu voller Härte und hat sich damit aber auch schon abgefunden. Deswegen hat sie zum Beispiel auch einen Freund, der sie geschwängert hat und jetzt für 5 Jahre nach Amerika gegangen ist.
Dazu muss man auch wissen, dass sie einige Male fast vergewaltigt worden wäre und sie einmal Geld von einem reichen Mann bekommen hat, nachdem er sie an allen möglichen Stellen berühren durfte. Und das ist natürlich schon ein bisschen verdreht. Alles kann und will ich hier jetzt nicht aufschreiben, aber ich fand es sehr interessant die ganze Geschichte mal zu hören. Es ist schon unglaublich wie viel manche Ghanaer so in ihrer Jugend rumkommen, nur um zur Schule zu kommen und bei Leuten zu leben, die ihnen das bezahlen können.
Naja, dann war es auch bald 2:30. Ich hatte den Schülern versprochen an diesem Tag zusammen mit ihnen Fufu zu stampfen, also kamen die Schüler nun auf mich zu und wollten loslegen. Ich war zwar zu müde, aber ich dachte mir, dass ich da jetzt durch muss. Also ging ich mit Osman Iddriss, aka Osama, einkaufen. Währenddessen kümmerte sich Jacob Gyimah, Gyingy, um Maniok und Kochbanane. Dann ging es los, wir schälten und schnitten alles, was geschnitten und geschält werden musste. Dann brauchten wir einen großen Topf, also gingen wir in die Küche und ab da begann mich das ganze immer mehr zu stören, denn in der Küche wurde ich angemacht, dass die Schüler nichts außerhalb des Schulessens essen dürfen. Naja, wir konnten die Küchenleute dann aber doch überreden uns zu überlassen, was wir brauchen würden, wenn wir ihnen was abgeben würden. Ab da hatte ich dann eigentlich gar nichts mehr zu tun. Die Schüler erledigten alles selbst und ich ärgerte mich, dass jetzt auf einmal 6 Leute mitmachten, obwohl ich nur zwei Schülern versprochen hatte, dass wir Fufu machen. So ging es zwar schneller, aber ich hatte halt nichts zu tun und ich war nur Geldgeber. Naja, als alles fertig war, setzten wir uns zu neunt um eine Schüssel und aßen Fufu. Das war ganz witzig. Witzig war aber nicht, dass das Essen viel zu heiß war. Die Schüler hauten rein, wie sonst was, aber wir Deutschen konnten einfach nichts essen, weil wir uns die Finger verbrannten. Dafür ernteten wir natürlich Gelächter. Nachdem alles aufgegessen war, wuschen die Schüler alles ab. Dann kam Maria nach Hause und bekam sich mit mir in die Haare, weil wir ihr nichts übrig gelassen hatten. Sie war wütend auf mich, weil ich ihr noch was besorgen wollte, aber alles was ich tat war falsch. Ich wurde angemacht, weil die Schüler später einen Eimer aus dem Zimmer der Mädchen zum Wasser holen nahmen und weil eine von Sabrina gekaufte Frucht bei Sabrina und Maria im Zimmer auf dem Boden lag. Weil ich keinen ernsten Streit anfangen wollte, ging ich einfach nach Hause. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass selbst heute, eine Woche später, noch Beef in der Luft ist.
Am nächsten Morgen wurde ich wieder angemacht, weil der Eimer immer noch nicht da war. Glücklicherweise hatte ich die erste Stunde mit meinem ersten Lehrjahr und konnte mit ihnen eine Klassenarbeit schreiben, sonst wäre der Tag echt zu viel gewesen. Ich hatte dann noch ein pseudo-klärendes Gespräch mit Maria, aber wie gesagt, da ist iwie immer noch was in der Luft, ich weiß aber nicht was und sie will es mir auch nicht sagen.
Tja, und an diesem Tag nahmen Cornelius und Mareike ihren Flieger nach Deutschland, um 23:59 Uhr.
Der folgende Tag ist nicht weiter erwähnenswert, aber dafür der 03.03. Donnerstag. Denn an diesem Tag ging es auf ins ferne Land zu Kwabena Owusu Boadi’s Heimtort. Wie gesagt, lud er mich zuvor zu sich ein, aber ich hatte nicht die Möglichkeit, aber nun war es endlich so weit.
Am Mittwoch sagte er mir, dass wir so gegen 10 Uhr fahren würden, aber er klopfte schon um 8 an meiner Tür und meinte, dass er fertig sei.
Also musste ich mich beeilen und letztendlich ging es dann doch erst um 9 los. Sonst hatten wir aber eine entspannte Fahrt von Kumasi nach Nsuta. Abena Pokua, eine meiner Schülerinnen, begleitete uns, da sie im Dorf 10 Minuten von Boadi entfernt wohnt. Nun da ich die Möglichkeit hatte, fragte ich nach der Übersetzung jedes Schriftzugs auf jedem Auto. Es war echt hilfreich. Zwar lernte ich an diesem Wochenende nicht übermäßig viel, aber immerhin mehr als normalerweise. Tja, als wir dann da waren, wurden erstmal gefühlte 1000 Leute begrüßt. Eine Tante hier, eine Mutter da (denn Boadi war der Meinung, dass die Schwester der Mutter, auch eine Mutter ist), ein Kumpel dort. Ich schüttelte viele Hände und erprobte meine Twi-Kenntnisse jedes Mal aufs Neue.
Dann liefen wir erstmal nach Hause und ich konnte meinen Rucksack ablegen. Der Nach-Hause-Weg war auch nur 30 Minuten lang und unter strahlender Mittagssonne. Ich war froh endlich angekommen zu sein. Im Dorf begrüßte ich auch wieder tausende Leute. Dabei fiel mir auf die bekannt Boadi eigentlich ist. Er kannte fast jeden im Dorf mit Spitznamen und hatte selbst auch etwa 10 Spitznamen, zum Beispiel: „Kaabi“ (weil er in Nigeria war. Das Wort ist eine Abkürzung für ein stammessprachliches Wort für „Reicher Mann“), „Colo“ (Columbianer, verstanden hab ich es aber nicht), „Akwaneε“ (Trickser) oder „Akwantuni“ (Reisender, weil er für einige Jahre in Nigeria, Burkina, Elfenbeinküste, Benin, Togo, Mali und Niger war. Eigentlich wollte er auch noch nach Europa, aber das wurde ihm nicht ermöglicht, mal schauen was sich da machen lässt…). Ich werde ihn in Zukunft wohl Kaabi nennen, weil die meisten ihn so genannt haben.
Nun ja, dann liefen wir wieder zurück nach Nsuta, wo wir dann seinen Vater trafen, der wohl schon über 20 Jahre in Deutschland war, also von 1970 bis 1984 um genau zu sein. Er sprach auch ein bisschen mehr Deutsch, als die meisten Ghanaer, die in Deutschland waren. Dort arbeitete er, wie er mir erzählte, für Rowenta und noch irgendeine Firma, ich hab aber vergessen welche. Später erzählte mir Kaabi auch noch, dass sein Vater wohl etwa 15 LKW nach Ghana geholt hatte, die ihm aber von Rawlings wegen Steuerbetrug abgenommen wurden, was natürlich nicht gerechtfertigt war.
Dann liefen Kaabi und ich noch eine Weile durch die Gegend und er entführte mich in eine Bar, wo wir in aller Ruhe Pito tranken. Das ist das ghanaische Pendant für Bier, schmeckt aber nicht sooo lecker. Tja, in der Bar saßen auch allerhand komische Gestalten, die sich aber freuten einen Weißen zu sehen. Später kam dann noch eine Frau dazu, die potenzsteigernde Mittel verkaufen wollte, deren Schachteln mit Hardcore-Porno Bildern versehen waren. Das war nicht so schön für das Auge, aber die Ghanaer drehten total durch: „Schau sein Penis“ und „Schau, der hier hat zwei auf ein Mal“.
Ich fand es einerseits verstörend, aber andererseits war es irgendwie lustig, wie die Leute hier auf sowas abgehen. Tja, die Verkäuferin tat mir ein wenig Leid, aber sie schien geistig behindert zu sein, weswegen sie, so hoffe ich für sie, nicht so viel von den Worten der Männer mitbekam.
Danach liefen wir nach Hause, wo es dann Essen ohne Ende gab. Also man muss eins sagen: gehungert habe ich hier gar nicht. Es gab immer etwa ein Viertel mehr, als ausreichend gewesen wäre. Aber es schmeckte, also zwang ich mich, um nicht unhöflich zu erscheinen, denn für mich wurden ein Schaf und drei Tage später ein Hühnchen geschlachtet. Am Abend sind wir dann noch ein wenig durch das Dorf gelaufen und ich durfte wieder mal kleine Kinder fotografieren. Sowieso, die meiste Zeit in dem Dorf haben wir geredet. Ich war so geistesgegenwärtig meinen Ipod zu Hause zu lassen und so kam ich echt zu vielen Gesprächen, was manchmal anstrengend war, aber eigentlich nett.
Nun ja, der nächste Tag begann sehr entspannt, es gab ordentlich Essen und wir bereiteten uns mental und physisch auf einen längeren Trip vor. Zwei meiner Schülerinnen aus der Gegend, die auch in Owusus Klasse gehen, bzw. gingen, wollten auch mitkommen. Also mussten wir die beiden erst mal abholen. Das hieß eine Runde nach Nsuta laufen. Schon waren 25 Minuten weg. Dann wieder zurück. Nochmal 25 Minuten. Dann liefen wir weiter auf der Straße in die entgegengesetzte Richtung von Nsuta in den Wald hinein, das heißt am Wegesrand konnte man den tollsten afrikanischen, fast unberührten Urwald sehen. Einige Male waren Felder mit Kochbananen, oder anderem Zeugs zu sehen. Aber was mich echt umhaute, war die Sicht die man hatte, als wir in das Tal gingen. Wir sahen Berge und Gestein. Es erinnerte mich so sehr an die Zeit als ich noch jung war und immer mit meinem Vater in die sächsische Schweiz fuhr und wandern ging. Bloß war diesmal der Wald komplett anders und die Felsen waren auch sehr rötlich. Naja, wir liefen also unsere Stunde und kamen dann endlich an einen Ort namens Atwea. Da unser Ziel Atwea Mountains hieß, konnte es auch nicht mehr weit sein. Nur noch 20 Minuten bis zum Dorf am Fuße des Berges und 30 Minuten bis wir oben waren. Es war richtig anstrengend! Oben angekommen konnte ich auch kaum mehr laufen, aber wir zwangen uns einige Sachen anzuschauen. Dank den Mädels, Sophia Appiah und Hannah Antwi, die die ganze Zeit rumheulten, dass sie müde seien, hatte ich dann auch eine Ausrede wieder zurück zu gehen. Was man wissen muss, ist, dass der Berg ein Berg zum Gottesanbeten ist. Das heißt wöchentlich kommen X Ghanaer, um oben zu übernachten und ihrem Gott nah zu sein. Ich war also glücklich, dass ich nur die Aussicht, nicht aber die Kirchen genießen musste. Aber im Nachhinein habe ich auch das Gefühl, dass Kaabi sich den Spaß auch gern entgehen lassen hat. Er scheint fest an Gott, nicht aber an Kirche zu glauben. Angenehmer Typ!
Tja, dann ging es zurück. Auf dem Weg wurden mir dann noch einige Geschichten erzählt. Zum Beispiel war es ein Wunder, dass ich von einem Berg Bilder machen konnte, da andere Weiße auch Bilder davon machen wollten, aber man konnte nichts sehen. Was ich doch für ein Zauberer bin. Die andere Geschichte ist dann wieder ein bisschen härter. Der Onkel von Boamah, ein Neffe von Kaabi, so wurde mir berichtet, sei letztens beim Jagen in der Nacht unglücklich erwischt worden. Ein anderer Jäger schoss ihn an, sodass er rückwärts taumelte und den Berg hinab fiel. Locker 40 bis 50 Meter. Klar, dass es eine Weile dauerte, bis die Familie die Einzelteile aufgesammelt hatte. Schon nur ihn zu finden war nicht leicht, aber als er gefunden wurde, war er schon komplett verschimmelt. Aber ein Prozess wurde nie aufgenommen, da er, wie vermutet wird, einer Marijuana-Farm zu nahe gekommen war und vor dessen Entdeckung eliminiert wurde. Da die Polizei wohl in solche Machenschaften verwickelt ist, kann auch nichts daran geändert werden. Tja, that’s Ghana for you!
Als wir dann endlich zu Hause angekommen waren, wollten die Mädels natürlich nach Hause, also besorgte Kaabi ein Gefährt für sie. Es handelte sich um einen riesigen, ungelogen etwa 3 Meter hohen LKW, der voll mit Steinen beladen war. Die Mädels passten in die Kabine, aber da man sie nicht alleine mit den Leuten lassen konnte, musste Kaabi mit, also kam ich auch mit. Bevor wir losfuhren, dachte ich: „Wie geil, auf der Ladefläche eines solchen Geräts!“, während der Fahrt dachte ich einfach nur noch: „Bist du eigentlich komplett bescheuert?“. Denn es war eine sehr rasante Fahrt. Zum Festhalten hatten wir eine zwei Zentimeter breite Metallschiene und stehen mussten wir auf den wackeligen Steinen. Das ganze Gefährt war sowieso die ganze Zeit am Wackeln, sodass es echt schwer war sich überhaupt da drauf zu halten. Als wir dann auf den ausgewaschenen Straßen fuhren, war es einige Male knapp für mich und einmal musste ich einhändig auskommen. Das ganze klingt auch noch ein wenig heikler, wenn ich erzähle, dass der Fahrer komplett betrunken war. Als die Fahrt zu Ende war, war ich glücklich noch am Leben zu sein, denn wenn ich von der Ladefläche gerutscht wäre, hätte es mich einfach nur zermatscht.
Aber es ist ja nichts passiert und die Erfahrung war es wert. Durch Fehler lernt man ja auch bekanntlich. Tja, wir haben die Mädels dann irgendwann in der Stadt verloren, weil sie irgendwelche Macker getroffen haben, mit denen wir sie lieber allein ließen. Kaabi und ich gingen wieder in unsere Bar und tranken jeweils für 25 Cent. Da ich seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte und es jetzt auch schon gegen 4 war, konnte ich dem Alkohol nichts mehr entgegensetzen. Allerdings mussten wir noch zurück laufen, was sehr anstrengend war, aber dadurch, dass unsere Mundwerke geölt waren, konnten wir uns die Zeit mit Reden vertreiben. Zu Hause legte ich mich natürlich erstmal hin und genoss wenig später mein heiß ersehntes Fufu. Mir wurde die doppelte Menge Fufu vorgesetzt, die ich normalerweise esse, sodass ich mir die letzten Bissen echt reindrängeln musste, aber dann war ich happy. Ich konnte und wollte mich nicht mehr bewegen und ging ins Bett. Aber damit war der Tag noch nicht gegessen. Wie jedes Wochenende gab es eine Beerdigung, also nahm mich Boamah am Abend mit zum Tanzen. Ich hab mich einfach gehen lassen und nicht über Peinlichkeiten nachgedacht. So war es dann auch ganz nett. Aber gegen 12 war es einfach zu viel. Ich war absolut übermüdet und wollte nur noch schlafen. Gesagt getan!
Doch ich übertrieb es ein wenig. Am nächsten Morgen schlief ich locker bis 11 Uhr. Ich wurde zum Frühstück geweckt, dann meinte Kaabi, dass man sich ja noch eine Weile ausruhen könnte und so las und schlief ich bis etwa 15 Uhr. Die Hälfte des Tages war vertan und da ich noch irgendwas machen wollte, liefen wir los, um in Nsuta Schuhe zu kaufen. Da wir keine Lust auf Laufen hatten, warteten wir auf einen Freund von Kaabi, der uns für umsonst mit seinem Taxi nach Nsuta fahren wollte. Beim Warten bekam ich noch ein paar Hochzeitsangebote, aber dann ging es endlich los. Doch in Nsuta wurde ich nicht fündig. Es war schon zu spät! Keine Chance auf die Flipflops, die ich wollte. Naja, so liefen wir also noch ein wenig durch die Gegend, verzichteten dieses Mal sogar auf den Pito und gingen direkt nach Hause, um wieder zu schlafen. Kurz nachdem wir losgelaufen waren, fuhren ein paar Beerdigungsgäste an uns vorbei, die ziemlich am Feiern waren. Vor uns steigen sie dann aus und zückten ihre Alkoholflaschen. Mir wurde dann auch gleich ein Glas Bier angeboten. Da ich die Leute auch noch mit der Übersetzung für „εtwε“ beeindrucken konnte, durften wir dann auch im kleinen Golf mitfahren. Da wir uns zu acht ins das kleine Auto zwangen, wurde es echt kuschelig. Der, auf dessen Schoß ich saß war auch ziemlich betrunken und bot mir noch Gin an. Dann biss er mir in den Rücken. Ich hab meinen Sinneszellen nicht geglaubt! Es war einfach zu lustig! Als wir dann angekommen waren, versuchte er mir noch extra Gin einzuflößen, aber ich konnte mich ganz gut wehren und ließ ihn im glauben, dass ich trinken würde. Tja, als Entschädigung für diese Unannehmlichkeiten bekam ich noch ein Bier zum Abschied und alles war cool. Am Abend redeten wir dann noch eine Runde und einer der Neffen, mit dem Namen Kwabena Boamah, begann seine Englischkenntnisse an mir zu testen. Zwar sprach er nicht sehr gutes Englisch, aber er versuchte es und ich denke, dass ich ihm dadurch in gewisser Weise geholfen habe, öfters mal Englisch zu verwenden. Tja, er war aber auch echt ein korrekter, kleiner Kerl. 16 Jahre alt und nur am rumspaßen. Er hat die Hälfte der Zeit gelacht oder gegrinst. Es war echt eine Freude ihn zu sehen. Sowieso, alle Kinder, die an dem Haus arbeiteten, waren echt cool drauf. Yaa, Ali, Boamah und Boamah und die kleine Francisca. Tja, dann ging ich aber wieder ins Bett, da ich nachwievor absolut übermüdet war.
Am nächsten Tag war Sonntag. Was heißt Sonntag? Kirche… Doch nicht in meinem Fall. Ich hatte ein riesiges Glück, dass Kaabi mich nicht zu Gottes Haus schleppte, sondern stattdessen mit mir zum Heimatort von einigen Schülerinnen fahren wollte. Doch er musste erstmal noch eine Weile auf der Farm arbeiten und ich nahm mich das erste Mal raus, aber im Nachhinein hätte ich mitkommen sollen. Naja, er kam gegen Mittag wieder. Also aßen wir noch und liefen dann nach Nsuta um dort ein Taxi nach Atonsu zu nehmen. Atonsu war ein Dorf, das größer war als Nsuta, aber kein bisschen fortschrittlicher. Die Häuser waren teilweise noch aus Lehm und fließendes Wasser war hier wohl auch eher ein Mythos.
Aber dennoch war es ein sympathisches Dorf. Ein bisschen verstörend war, dass an diesem Sonntag hier über 10 Beerdigungen stattfanden. So mussten sich die Leute verteilen und nirgendwo saßen mehr als 40 Leute. Meistens saßen einfach nur 3 bis 4 Leute auf den Stühlen und hörten sich die Musik an.
Wie auch immer, als erstes führte mich Kaabi zu einem zu Hause von einer Schülerin, ich glaube Hannah Antwi war da zu Hause, aber es könnte auch Sophia gewesen sein können. Die Familienmitglieder begrüßten mich überschwänglich und voller Freude. Gemäß der Tradition bekam jeder erstmal ein Wasser und mir wurde dann sogar noch eine Cola angeboten, aber da die Familie so arm aussah, wollte ich ihnen diese 30 Cent ersparen, denn davon kann man locker mal ein Essen bezahlen. Naja, es wurde dann ziemlich viel geredet und mir wurde freundlicherweise auch das eine oder andere Mal angeboten die eine oder andere Frau zu heiraten. Das gehört dazu, besonders wenn man weiß ist und alle denken, dass man Geld hat. Im Vergleich zu den Leuten hier hab ich das wohl auch. Nun ja, dann sind wir irgendwann weitergezogen und haben auf der Straße Sarah Boateng getroffen. Lustiger weise waren mir alle der Schülerinnen, die ich hier treffen sollte, relativ unangenehm im Unterricht. Weswegen ich dem ganzen anfangs auch eher skeptisch gegenüberstand, aber so außerhalb des Klassenraums waren sie ganz normale Menschen. Unglaublich! Tja, wie auch immer, Sarah musste dann auch bald wieder weg und so gingen wir zu Abena Pokua, die vor 3 Tagen auch mit uns im Trotro gesessen hatte. Das war ein relativ lustiges Erlebnis. Ich durfte natürlich wieder 1001e Person grüßen: die Omas, die Papas, die Mamas, die Freundinnen der Mamas, die Brüder, die Schwestern, und irgendwelche anderen Bekannten. Ich war locker 20 Minuten am Smalltalk führen und Hände schütteln. Tja zwischen durch wollte ich auch ein paar kleinen Kindern die Hand schütteln, aber die sind vor Angst ausgerastet! Also hab ich mir den Spaß erlaubt sie ein bisschen zu jagen, aber dann kam ich mir doch etwas schlecht vor. Tja, dann ging es weiter. Nun war es Zeit Adizatu zu besuchen, eine der Schülerinnen, die ich am wenigsten leiden kann, aber alles war cool. Wir haben gescherzt und gelacht.
Danach ging es zu Sarahs Bar, wo mir nett Fufu serviert wurde. Mit einer Suppe, die ich noch nie probiert hab und die mir auch nicht so gut geschmeckt hat, aber es war einfach zu geil da zu sitzen und so freundlich behandelt zu werden. Als ich mit dem Essen fertig war und eine schöne kühle Coke getrunken hatte, zeigten mir die Mädels dann ein Schwein. Den Sinn hab ich bis jetzt noch nicht so recht verstanden, aber ich kann sagen, dass es ein schönes Schwein war. Ja… 😀
Dann ging es weiter. Ich wurde gefragt, ob ich Pito mag, ich verneinte es nicht. Also setzten wir uns in aller Ruhe auf ein paar Bänke vor einer kleinen Hütte, wonach Sarah uns die traditionellen Gefäße gab und einschenkte. Ich hätte einfach nicht gedacht, dass die Leute hier doch so viel und gerne trinken! Ich dachte ihre Religion verbieten ihnen das. Aber vielleicht sind Gottes Gesetze auf dem Dorf extrem dehnbar. Ich bin mir auch sicher, dass mehr als eine von den Mädels einen Freund hat, auch wenn sie das nicht zugeben wollen.
Nach dem Pito zeigten mir die Mädels dann wie sie ihr Geld verdienen und wovon sie ihre Schulkosten bezahlen müssen. Sie stellten Gari her. Das heißt, dass sie Maniok trocknen, mahlen und dann erhitzen. Das ist eine knallharte Arbeit, besonders für Frauen kann ich mir vorstellen. Schwäche darf nicht gezeigt werden, denn sonst kommt kein Essen auf den Tisch. Krass…
Tja, danach chillten wir zurück zur Hauptstraße und bereiteten uns auf die Heimfahrt vor. Es dauerte locker eine halbe Stunde, bis wir uns an anderen vorbei in ein Taxi zwängen konnten. Und schon ging es wieder in aller Ruhe nach Nsuta. Auch wenn ich das hier nicht richtig habe rüberbringen können, aber es war echt ein cooler Aufenthalt.
Als wir in Nsuta angekommen waren, liefen wir nach Hause und wurden zu Hause auch gleich wieder eine Runde von der einheimischen Jugend überfallen. Ein total verlotterter Kerl war mit einem 5 Liter Kanister Palmwein im Dorf erschienen und jetzt wollten die Leute natürlich, dass ich den Spaß probiere. Ich freute mich, weil ich schon lange nach einer Möglichkeit gesucht hatte Palmwein zu trinken. Und es war ganz lustig. Wir setzen uns in die Dorfbar. Da wurden dann einige Gläser ausgepackt und jeder durfte trinken. Natürlich waren in dem Palmwein nicht nur Palmwein, sondern auch irgendwelche Gräser und Wespen. Die wurden rausgenommen und schon probierte ich den Spaß. Es war ekelhaft. Viel zu süß und warm. Naja, ich werde es wohl mal wieder gekühlt probieren, aber sonst nicht mehr. Am Abend wurde wie immer einfach nur gequatscht und gespaßt. Die kleine Tochter von Kaabi machte mit meiner Kamera mindestens 100 Bilder und war glücklich. Ich aß währenddessen mein Fufu und war auch glücklich. Kaabi war irgendwo bei einem Kumpel oder einer Frau und war sicherlich auch glücklich. Es war also ein entspannter Abend an dem ich mich später auch noch mit Ali, und den beiden Boamahs unterhielt.
Der nächste Tag sollte eigentlich mein letzter Tag hier sein, denn ich wollte am späten Nachmittag wieder zu Hause sein, aber es sollte anders kommen. Nach dem Aufstehen gingen Kaabi und ich zur Farm, wo gemäht werden musste. Natürlich alles nur mit Macheten. Es war nicht einfach nur Gras, was dort wuchs, sondern dünnere Baumstämme, Gräser und Büsche mussten klein gemacht werden, um dann später verbrannt zu werden. Da wir nur eine Machete hatten fing Kaabi an, weil er mir nichts zutraute. Also entschied ich mich eine Runde in den Urwald zu spazieren, weil ich das sowieso schon seit ich hier bin machen will. Es ging die ganze Zeit bergauf und anfangs konnte ich auch einem Weg folgen, aber dann kam ich ins Dickicht. Da hieß es dann sich durchkämpfen. Ich hatte auch schon eine Felsmauer, die ich dann versuchen wollte zu beklettern, aber soweit sollte es nicht kommen, da ich in ein Ameisennest stieg und die Ameisen schnell überall an meinem Körper waren und es überall wehtat. Diese Viecher waren aber auch riesig. Locker mal 2 Zentimeter lang. Ungelogen! Da wollte ich dann einfach nur noch weg, vor allem, weil ich nicht wusste, ob das wirklich nur Ameisen waren. Tja, schade, ich wäre echt gerne weiter gekommen. Wenn ich mal wieder so eine Möglichkeit haben sollte, werde ich mir eine Machete mitnehmen, dann komme ich auch schneller voran.
Naja, als ich dann zurück war, waren auch die anderen Jungs da und mähten schon fleißig. Dann durfte ich auch endlich mal an die Reihe. Es machte echt richtig Spaß, aber ich war viel zu langsam, weil ich zu viel Spaß am zerkleinern hatte. Wir arbeiten etwa 4 Stunden auf dem Feld. Ich arbeitete vielleicht 45 Minuten davon, aber ich hatte schon nette Schwielen an den Händen. Auch wenn es komisch klingt, aber das war eine Sache, die ich unbedingt erleben wollte! Auf dem Weg zurück liefen wir durch die Mittagssonne und ich war fast am Sterben, weil es einfach zu heiß war. Ich wollte eigentlich nur noch nach Hause, aber dann wollten mir die Leute doch noch was Interessantes zeigen. Ein kleiner Pfad führte vom Weg ab, in den Wald. Durch diesen wurde ich dann geführt, bis wir irgendwann zu einer schattigen Oase der Ruhe fanden. Dort saß in aller Ruhe ein alter Mann mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Neben ihm floß ein Bächlein und vor ihm stand ein großes Metallfass auf einem Feuer. Aus dem Metallfass ragte ein Rohr, das zu einem Kondensator im Wasser führte. Aus dem Wasser ragte dann noch ein Rohr aus dem eine Flüssigkeit munter in einen Kanister tropfte. Was sah ich? Eine Palmweindestille. Nett. Und das Flair des ganzen war einfach das geilste. Wie entspannt der alte Mann neben seiner Destille hockte, war einfach das Beste. Später kam dann noch der verlotterte Mann vom Vortag an und trank seinen Palmwein. Von dem dann auch alle außer mir tranken.
Tja, da ich aber nach Hause wollte, drängte ich doch endlich loszugehen. Und so gingen wir nach Hause. Aber zu Hause schlief ich einfach ein. Als ich aufwachte, war es 3 Uhr und ich musste echt los. Dann wurde aber gesagt, dass ich nicht ohne Essen im Magen weg dürfe. Also entschied ich mich doch noch eine Nacht zu bleiben, weil es sonst zu spät werden würde. Am nächsten Tag begann aber die Schule. Tja, es war nicht zu ändern. Nachdem ich lecker gegessen hatte, spielten ich und die Jungs noch eine Runde Spa, das einzige Kartenspiel, das man hier kennt. Da zog ich die Leute natürlich krass ab und alle begannen zu weinen, weil ich sie so demütigte. Nicht. Aber es war echt spaßig und gewonnen hatte ich sogar tatsächlich. Danach begann es langsam dunkel zu werden. Also mussten die Schafe und Ziegen in die Ställe gebracht werden. Und das war so ziemlich eine der geilsten Erfahrungen, die ich hier gemacht hatte. Die Schafe kamen von selbst, aber die Ziegen mussten gefangen werden. So spielten wir also eine Runde Fange mit den Ziegen. 11 Stück mussten wir kriegen, aber als es dann nach 50 Minuten und 10 Ziegen komplett dunkel wurde, mussten wir aufhören. Aber es machte einfach so viel Spaß, weil wir durch das ganze Dorf jagten und die Kinder begannen mir nachzurennen und sich total freuten. Außerdem erinnerte es mich wieder an die Zeit damals bei der DAS, als wir „Capture the flag“ spielten. Zu geil! Naja, wir jagten die Ziegen wirklich überall hin. Zwischen durch rannten wir über den Friedhof, wo man aufpassen musste, nicht in irgendwelche Gräber einzubrechen, denn manche waren schon eingebrochen und man konnte schön die Knochen sehen. Sehr interessant.
Tja, nach der Ziegentreiberei begann es dann übelst zu regnen. Also richtig mit Blitz und Donner. Ich setzte mich auf die überdachte Veranda und schaute mir die Blitze an. Es geil! Danach ging ich zufrieden ins Bett und schlief bis zum nächsten Morgen um 4:30.
Ich quälte mich aus dem Bett, um das erste Trotro nach Kumasi zu bekommen und noch rechtzeitig 7:30 im Klassenraum zu stehen. Aber ich verspätete mich um 45 Minuten. Als ich in den Klassenraum kam, war niemand da… Es war aber nicht wirklich meine Schuld, denn in der ganzen Schule waren erst etwa 10 Schüler. So hatte ich also doch noch einen Tag zum entspannen und ging fröhlich nach Hause, wo ich feststellen musste, dass der Strom am spinnen war. Also konnte ich noch nicht mit dem Aufschreiben meiner Taten beginnen, sondern musste schlafen.
Später kam dann Gifty nach Hause und es war ein freudiges Wiedersehen. Sie erzählte mir, was hier so ging und was ich alles verpasst hatte: sie waren am Independence Day in einem Hotelpool, wo es wohl richtig geil war, außerdem hatten meine Kollegen mit Gifty und Kwakye ein Bankuessen veranstaltet. Schade dachte ich mir, aber ich hatte auch meinen Spaß! 😀
Tja, klar, dass dann erstmal Zeit für Fufu war. Also stampften ich schön das Fufu und wollte nach dem Stampfen eigentlich ins Culture Centre, weil wir Freiwilligen uns da zum Essen verabredet hatten. Aber Gifty meinte, dass ich ruhig jetzt schon essen solle. Nach dem Essen fuhr ich dann endlich zum Culture Centre und schaffte es tatsächlich nicht der Letzte zu sein. Maria zog uns erstmal zu ihrem Trommellehrer, der da mit seiner Tanz-/Trommelgruppe probte. So schauten wir uns das Spektakel also an und tauschten nebenbei Erfahrungsberichte aus.
Das Restaurant hatte als wir hingingen leider schon geschlossen, aber etwas zu essen bekamen wir dann freundlicherweise doch noch. Und dann ging es in eine Bar zum Fußball schauen. Barca gegen Arsenal. Während sich Ruven und Andreas das Spiel anschauten, erzählte ich den Mädels die neuesten Geschehnisse bei „Curse by the Sea“, einer ziemlich schlechten, mexikanischen Seifenoper, die Gifty immer schaut. Es war echt ein lustiger Abend.
Nun ja, dann fuhren wir nach Hause. Auf dem Weg zu meinem Haus, ging ich aber nochmal in den Dormitories der Jungs vorbei, um zu checken ob Kaabi nach schon da war. Das war er nicht, aber ich unterhielt mich noch eine Weile mit den anderen Jungs. Ich zeigte stolz meine Blasen und die Schüler waren beeindruckt. Sowas hätten sie nicht von einem Lehrer-Obroni erwartet! Ich hoffe, dass ich mir dadurch mal ein bisschen mehr Respekt verschaffen konnte. Wir werden sehen, denn nächste Woche gibt es in meiner Problemklasse einen Test 😀
Tja und heute, am 09.03. ist wieder ein ganz durchschnittlicher Mittwoch. Die Lehrer streiken schon seit letzter Woche Donnerstag, weswegen Gifty am heutigen Morgen noch eine Weile da war und richtig geiles Frühstück zubereitet hat. Aber jetzt hab ich wieder Hunger. Also werde ich jetzt rüber zur Schule chillen und schauen, ob ich mir von den anderen das eine oder andere Brot schnorren kann.
Das war es für dieses Mal, bis bald!

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#11

Und weiter geht’s…

Den nächsten Tag starteten Gregor, Mareike und ich mit einem Omelette auf dem Dachrestaurant des Guest Houses. Das war zwar ganz lecker und wir hatten eine nette Aussicht, aber es war ein bisschen teuer, weswegen wir später auf die Straße gegangen sind und dort noch eins gekauft haben, was dann nur ein Drittel gekostet hat und auch lecker war. Dann haben wir nur darauf gewartet bis Ruven munter wird, um zu entscheiden was nun passiert. Als es soweit war, entschieden wir uns, wie am Vortag abgemacht, Patrick und Dominik zu besuchen. Die beiden waren so nett, uns aus der Stadt abzuholen, was zu dem Zeitpunkt gar nicht so leicht war, denn es waren unglaublich viele Autos auf der Straße. Außerdem hat Cape Coast ein total verrücktes Straßensystem mit endlos vielen Einbahnstraßen, sodass wir tausende von Umwegen fahren mussten. Naja, auf dem Weg holte sich Dominik noch eine Gospelkassette. Das stellt Dominik auch ganz gut dar, denn er ist einfach ein Mensch, der Sachen macht, die absolut unerwartet kommen. Als wir dann später zu Hause waren, legte er die Kassette in seinen neuen Walkman ein und setzte sich für 10 Minuten auf eine Couch etwas abseits von uns. Das war so komisch, dass wir einfach nur drüber lachen konnten! Aber bevor wir bei den beiden zu Hause ankommen sollten, wollten wir erst noch etwas einkaufen gehen, denn Gregor hatte sich bereit erklärt zu kochen. Es gab Nudeln mit einer ziemlich leckeren Tomatensoße von denen ich so viel aß, dass es eigentlich schon krank war. Tja, aber jetzt mal was zu der Wohnung der zwei: wir haben ja zu viert in einem kleinen Raum gewohnt. Die beiden haben in einem zweistöckigen, nicht allzu großen, aber schön eingerichteten Haus gelebt. Mit geiler Küche und netten Möbeln. Alles vom Mittelrheinischen Sportbund gesponsort. Hinzu kommt, dass sie auch noch einen fetten Bus haben (mit dem sie auch mal irgendwann Trotro spielen wollen) und noch 800 Cedi pro Monat bekommen. Das ist auch alles gerechtfertigt, da sie wichtigere Aufgaben haben, aber es ist schon heftig den Unterschied zwischen uns und den zweien zu sehen! Nach dem Essen liehen Ruven und ich uns die Fahrräder der zwei aus und fuhren damit ein wenig durch die Gegend. Das zeigte uns, dass wir unbedingt Fahrräder brauchten, denn es ist einfach so viel schneller als laufen und macht tausendfach so viel Spaß. Nach dieser Aktion zeigte uns Dominik sein selbst ausgedachtes Spiel. Man befand sich in Ghana und jeder Spieler stellte eine Kommune dar, die um das Ansehen der unterschiedlichen Ministerien ringt. Um ein Ministerium auf seine Seite zu ziehen muss man Punkte für diese sammeln. Das heißt für das Ministry of Education muss man Lehrkrafts- und Institutionspunkte sammeln. Durch ein System, dass auf Multiplikation beruht, errechnet sich dann wer mehr Punkte hat. Dem ganzen lag eine simple, aber intelligente Idee zugrunde: Ohne Lehrer bringen einem tausend Schulen nichts. So konnte man die beste Schule haben, hatte aber immer noch keine Ministerienpunkte, wenn man keine Lehrer hatte. Das klingt jetzt ein wenig verwirrend, aber es war eigentlich ganz lustig. Besonders dafür, dass es einfach mal so ausgedacht war. Naja, an dem Abend haben wir dann noch ganz viel gequatscht und uns die lustigen und peinlichen Geschichten vom letzten Abend erzählt.

Am nächsten Tag waren wir dann alle etwas müde, weil es noch relativ lange ging und so wurde auch nichts aus der Idee das Elmina Castle anzuschauen. Stattdessen fuhren wir direkt nach Hause. Wir hatten auch Glück, denn unser Bus war ziemlich leer und jeder von uns hatte eine ganze Sitzreihe für sich. Doch bevor wir einsteigen konnten, mussten wir erstmal am Fahrkartenverteiler vorbei und das war für mich ein ziemlich unangenehmes Unterfangen. Er war nämlich ziemlich unverschämt dieser Typ und machte sich ungewöhnlicherweise keine Mühe freundlich zu sein, sondern war irgendwie arrogant. Als wir bezahlt hatten und wir schon in den Bus hätten gehen können. Fragte Mareike wie es mit unserem Gepäck aussieht. Das war ein Fehler. Normalerweise hätten wir einfach unser Gepäck mitnehmen können, aber der Arsch witterte Geld und sagte, dass jeder von uns bezahlen müsste. Dann sagte ich, dass das keinen Sinn mache, da wir im Metro Mass sonst nicht bezahlen müssen und da ist er ausgerastet. Hat sich aufgeregt, dass ich ihn so anmache und behaupte, dass er lügen würde. Er riss mir das Ticket für den Bus aus der Hand und kriegte sich kaum ein. Hätte ich ihn zu irgendeiner Zeit angeschrien, hätte ich die Reaktion vielleicht verstanden, aber so kam ich mir einfach nur ungerecht behandelt vor! Ich war so geladen, dass es mir schwer viel auf diplomatische Weise zu sagen, dass er sein Geld bekommt. Aber im Nachhinein habe ich mir gedacht, dass ich einfach hätte gehen sollen und einen teureren Bus nehmen sollen. Damals hab ich mich ungelogen für eine ganze Stunde aufgeregt und bin jetzt beim Schreiben schon wieder auf 180. Ich wünschte ich hätte mir sein Gesicht merken können, sodass ich ihm mal meine Meinung sagen könnte, wenn ich ihn wieder sehen würde. Aber vielleicht ist es auch besser so. Es war nur so unglaublich unverschämt, besonders, wenn man eigentlich nur Gastfreundschaft gewohnt ist. Naja, genug davon! Als wir dann zu Hause angekommen waren, begann eine ziemlich lockere Zeit, da wir nichts so recht zu tun hatten und die Schule erst am 10.1. anfangen sollte.

Diese Zeit war sowieso irgendwie lustig aber komisch. Erst bekam Ruven Malaria, dann ich. Aber es war diesmal überhaupt nicht schlimm, denn wir bemerkten ziemlich früh, dass es uns nicht so gut ging und wir machten einen Test, der positiv ausfiel. Dann kauften wir uns die Medizin und nahmen sie für drei Tage. Nach 4 Tagen war dann so ziemlich alles geklärt. Aber trotzdem war man zwischendurch sehr schwach. Aber das Fieber war dafür ziemlich niedrig. Ich glaube mein Maximum war diesmal nur 38.4 Grad Celsius. So verfiel ich in dieser Zeit also in eine ziemliche Spielsucht und spielte ein Spiel ganz durch und begann sogar es ein zweites Mal durchzuspielen, aber jetzt hab ich mich zum Glück zusammen gerissen und alles ist wieder beim Alten. In der Zeit kamen auch Patrick und Dominik nach Kumasi, aber in der Zeit war ich krank und bekam gar nichts mehr hin, weswegen ich die beiden gar nicht zu Gesicht bekam. Was gibt es dann noch? Wir arbeiteten weiter am Projekt und schickten noch ein paar Mails raus, aber keine von meinen Mails wurde positiv beantwortet. Naja, eine Person sagte, dass sie gerne helfen würde, aber kein Geld geben könnte. Und ich fand heraus, dass die Hälfte der Organisationen, die ich angeschrieben hatte, eigentlich nur entfernt etwas mit Ghana zu tun haben. Das war alles ein wenig niederschmetternd, aber naja… So ist das Spendensammeln nun mal.
In dieser Zeit bevor die Schule losging, waren wir dann auch öfters mal in einer Bar und so passierte es mir, dass ich einmal nach zwei Bier ziemlich gut dabei war, weil ich einfach nichts Fettiges davor gegessen hatte. Tja, was dann passiert ist, war einfach nur dumm, aber eigentlich ist es lustig. Denn ich bin beim Singen in unserem Raum auf eine neu gekaufte Machete von Gregor getreten, da sie an der Wand lehnte und ich sie nicht übersehen hatte. Ich spürte zwar Schmerz, aber lachte mich eigentlich die meiste Zeit selbst aus. Das Problem war nur, dass ich das Zimmer vollblutete, weswegen die anderen mich dann ins Bad geschickt haben, damit ich mein Fuß mal sauber mache. Ich fand es aber lustiger einfach in einen Eimer voll Wasser zu steigen und dann mit dem Kopf gegen die Wand gelehnt dahin zu dösen. Das ging dann so lange bis ich mich entschied ins Bett zu gehen und am nächsten Tag die Lacher auf meiner Seite hatte.

Diese Zeit sollte bald zu Ende gehen, denn der 10.1. lag direkt bevor und eigentlich hatte noch keiner von uns Lust wieder in den Schulalltag zu starten. Besonders dachten wir, dass es losgehen würde, da Albert und Maria (eine weitere Freiwillige) gekommen waren. Aber als ich am 10ten früh aufstand und zur Morning Assembly gehen wollte, war einfach keiner da. Die Schule war absolut ausgestorben. So hatten wir dann doch noch eine Woche mehr um uns auf die Schule einzustellen.
Wir schafften es aber in dieser Zeit die Bibliothek zu streichen, wie schon lange vorgenommen.
Man mag es kaum glauben, aber am Donnerstag dieser Woche waren dann doch genug Leute da, sodass ich eine Englischstunde geben konnte. Aber da es halt doch nur 6 Schüler waren, artete die Stunde in eine Deutschstunde mit Überlänge aus.

Am Freitag kamen wir dann das erste Mal ernsthaft mit Albert zusammen. Erst war da ein Meeting der Lehrer und Albert faltete alle auf freundliche Weise zusammen, die nicht seiner Meinung waren. Der Headmaster sah wie ein Kind aus neben ihm. Ich glaube so ziemlich jeder Lehrer mochte Albert nach diesem Meeting, wie auch nicht. Später am Tag kochten wir für ihn und konnten uns beim Essen so über die ganze Arbeit unterhalten. Für einiges würden wir gerügt, aber letztendlich war alles cool und er hat Geschichten aus seiner Jugend erzählt, mit denen er gezeigt hat, dass jeder Fehler macht. Beim Essen unterhielten wir uns auch darüber, dass der Headmaster unserer Schule eigentlich nicht so kompetent ist und Sarkodie einen viel besseren Job machen könnte. So lag es für einige Tage in der Luft, dass er wirklich entlassen werden könnte, aber dazu kam es nie. Das erlaubten die ghanaischen Regeln nicht, denn man braucht einfach zwei Personen an der Spitze, bei uns sind das Sarkodie und der Headmaster. Tja, schade, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass der Headmaster sich doch ein klein wenig geändert hat. Das ist doch mal was!

Nach dem Essen fuhren wir mit dem Taxi in die Stadt nach Bantama und setzen uns in eine Bar. Das Problem war, dass ich schon die ganze Zeit Geldprobleme hatte, da der letzte Monat einfach viel zu teuer war. Ich riss mich aber zusammen und kam mit. Es war dann letztendlich auch ganz witzig, da wir noch andere Freiwillige trafen. Mit einem von denen unterhielt ich mich ein wenig und fand so heraus, was das für Leute waren und was sie hier taten. Aber abgesehen von dem einen waren die alle nicht so cool drauf. Die Mädchen waren entweder zu ruhig oder bitchy. Auch die eine aus der Green Turtle Lodge war da. Die, von der ich nicht viel halten konnte. Naja, ich unterhielt mich dann noch eine ganze Weile mit Maria und ließ mir von ihr sagen, was sie hier so machte. Dazu muss man wissen, dass Maria nicht so eine 0815 Freiwillige ist, wie wir! Nein, sie ist 28 und arbeitet an ihrer Doktorarbeit und war die letzten drei Wochen in Kamerun. So hatte sie halt auch ganz nette Geschichten zu erzählen.
Der Rückweg wurde durch eine nette Sache eingeleitet. Bei der Taxisuche wollte der erste Fahrer 10 Cedi haben. Erhöhte Preise sind mittlerweile zu erwarten, da die Ölpreise um 30 Prozent erhöht wurden, aber es war uns einfach trotzdem viel zu viel! Naja ich redete dann mit einem anderen Fahrer und probierte einfach mal ein paar Twi-Vokabeln aus und siehe da, für 5 Cedi ging es los. Wir waren dann so dankbar, dass der gute einen Cedi extra bekam.

Der nächste Tag war dann der langerwartete Zahltag, aber Geld bekamen wir leider trotzdem nicht, da Wochenende war… So musste ich als noch bis Montag warten mit nur 2 Euro in der Tasche. Aber letztendlich war es kein Problem, denn der Samstag und Sontag waren relativ ereignislos. Am Samstag besuchten wir am Abend mit George eine Bar, die wohl neu aufgemacht hatte. Die war sogar ziemlich krass, denn sie war an einem extra angelegten Fischteich auf dem man für kleines Geld rumpaddeln durfte. Außerdem waren unter der Bar einige Ställe für unterschiedliche Tiere. Es gab etwa 40 Hühner, 20 Truthähne und noch zwei oder drei Buschratten, die hier drüben extrem wertvoll sind. Im Teich waren Tilapia-Fische, die auch absolut teuer sind. Erst heute habe ich diese Fische eine Nachrichtensendung gelesen und herausgefunden, dass ein kleiner dieser Fische 120 Cedis kostet. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das so ganz stimmt. Wahrscheinlich haben die Leute da 120,000 gemeint und das heißt einfach nur 12 Cedis, was dann schon wieder logischer klingt. Naja, wie auch immer, der Abend war ganz witzig, denn ein Freund von Maria kam mit und erzählte uns von seiner Arbeit und seinem Leben. Er war von der amerikanischen Armee eingestellt worden, um herauszufinden, ob die PCs, die nach Ghana geschickt werden von Ghanaern illegal auf Daten untersucht werden, deren Herauskommen dann problematisch für Amerika sein könnte. Aber er sagt, dass sowas eigentlich gar nicht der Fall ist, sondern die Fragen, die er unterschiedlichen Leuten stellen sollte, wohl die Idee des illegalen Datenverkaufs hervorgebracht hat.
Naja, später haben sich Ruven und Gregor auch mal ein Boot zum Paddeln besorgt, waren davon aber nicht so angetan.

Der Heimweg war dann relativ witzig, da wir die Strecke einfach gelaufen sind, weil so weit abgelegen keine Taxis mehr fahren. Auf diesem Weg hab ich George dann mal nach seiner Geschichte gefragt. Er hat mir erzählt, dass er durch seinen National Service an die Schule gekommen ist. In der Zeit hatte der National Youth Council die Schule geleitet. Dann als der Deutsch-Ghanaische Freundschaftskreis das Ruder wegen Misswirtschaft wieder an sich gerissen hat, wurde George übernommen. George hätte lange gehen können und eine besser bezahlte Stellung annehmen können, aber da er die Challenge mochte, die ihm die Schule stellte, blieb er. Und ich muss auch sagen, dass George neben PK und Sarkodie der dritte Glücksfall für die Schule ist. Denn er zwar hat afrikanische Wurzeln, aber er hat doch eine ganz schön westliche Art der Sichtweise auf Schule. In den meisten Meetings sagt er meistens sinnvollere und mehr durchdachte Sachen als der Headmaster. Naja, mal sehen wie sich das alles entwickelt.

Nun ja, der nächste Tag war wieder mal richtig entspannend und endlich hatte ich dann auch die nötige Lust meinen Unterricht vorzubereiten und leitete somit einen hoffentlich zweiten Term ein.

Und das bestätigte sich auch sofort am Montag. Ich hatte gleich mal eine richtig spaßige Deutschstunde. Ich war eigentlich nicht gut drauf, aber weil meine Schüler so interessiert waren und mitdachten, kam ich nicht umhin, den Rest des Tages nur noch zu lächeln. Naja, dazu kam auch, dass ich endlich ein Fahrrad ausgegraben hab. Es war auch fast intakt. Man musste nur noch die Reifen aufpumpen und schon ging es los. Also fuhr ich gleich mal nach Kwadaso. Das dauerte so nur etwa 10 Minuten und war absolut kostenlos. Problematisch ist nur, dass das Fahrrad so klein ist und man so ziemlich schnell überall Schmerzen hat, aber hey… immerhin haben wir jetzt ein Fahrrad. Am Abend reparierten ich und ein Schüler, Sadat Mohammed, das Fahrrad. Es war perfekt. Fast zumindest… während der nächsten Wochen wurde das Fahrrad dann immer öfter benutzt. Von Schülern, Lehrern und natürlich uns selbst. Dadurch nutzte es sich ganz schön schnell ab. Bald schon war der Sattel locker und bis heute konnte ich ihn nicht reparieren. Außerdem ist der Lenker locker, was richtig doof ist und das Bescheuertste ist, dass das Hinterrad entweder eine 8 drin hat oder auch locker ist. Denn ab dem Moment ab dem man ein wenig schneller fährt wackelt das so krass, das man einfach nur Angst haben muss, dass gleich alles auseinander fällt. Ein bisschen Risiko gehört wohl auch dazu. Ruven ist auch schon gefallen. Aber das lag ein bisschen daran, dass er mit dem Laptop in einer Hand durch die Gegend gerast ist und dann von einem Truck in eine der vielen Rillen gedrückt wurde und dann war es, wie wenn man in Straßenbahnschienen kommt. Keine Chance. Bremsen ist auch nicht angesagt, da die nicht so wirklich gut funktionieren. Er hat eine ziemlich tiefe Wunde im Schienbein, aber was einen nicht umbringt, macht einen bekanntlich stärker!

Am nächsten Tag besorgte ich mir dann einen Schlüssel für den Fahrradcontainer. Da waren immerhin noch 3 annehmbare Fahrräder drin, aber letztendlich blieb das erste für lange Zeit das einzige benutzbare Fahrrad, da wir ewig lang keine Schläuche für die anderen Fahrräder finden konnten. Dann hatte ich wieder eine geniale Englischstunde mit meinen First Years. Ich muss schon sagen, die machen echt Spaß! Sie sind klug und interessiert und vor allem machen sie nicht zu viel sinnlosen Mist. Einer, Jason Tony Frimpong, nervt manchmal ein bisschen, aber ich hab mal mit George und der hat mir geraten was man da macht: einfach einen auf Kumpel machen, so lange, bis man dann akzeptiert wird. Dann sollte man mal ein tieferes Gespräch führen, in welchem man zeigt, dass man sich für den Schüler interessiert und schon hat man den Schüler in der Hand. Denn wenn es soweit ist und der Schüler wieder im Unterricht Spaß macht, dann kann man ihm sagen, dass man es nicht so cool findet, was er da tut und schon hört er auf. Psychologie ist doch was Feines! Warum bin ich da nicht drauf gekommen?
Tja, wie auch immer, die letzten beiden Stunden des Tages fielen dann leider aus, da das Computerlabor von den Electricalleuten mit Stromleitungen verlegt wurde.
Ab dem heutigen Tag sollte sich mein Leben hier auf dem Kopf stellen. Naja, vielleicht eher ab dem Vortag, denn ich hatte in einem Gespräch mit Mareike herausgefunden, dass der Grund für eine gewisse Grundniedergeschlagenheit  in letzter Zeit auf darauf beruhte, dass ich einfach noch nicht genug mit Ghana in Kontakt getreten war. Ich konnte weder Twi, noch hab ich sonderlich viel mit Ghanaern zu tun. Außerdem macht es einfach viel zu viel Spaß mit den anderen Freiwilligen im Zimmer zu chillen und zu reden, weswegen ich mich auch nie so richtig überwinden kann mal rauszukommen. Tja und was kam mir da in den Sinn? Ausziehen! Und zwar bei einer ghanaischen Familie, bloß musste ich dafür zunächst eine finden, also redete ich mal mit Albert. Aber das Umziehen war dann letztendlich nur ein Nebenthema, da er es sinnvoll fand und mir helfen wollte. Aber die restliche Zeit der 2 Stunden redeten wir über die Schule und die Zukunft. Nämlich, dass sie irgendwann mal mit der Uni zusammen arbeiten soll, wenn sie so weiter wächst. Und das tut sie! Mittlerweile sind es sicherlich schon 130 Schüler, die hier täglich Wissen empfangen. Am Abend ging ich dann total beglückt nach Hause und freut mich darauf endlich meine Familie kennen zu lernen, doch darauf musste ich dann noch ein bisschen warten.

Am Mittwoch wollte ich eigentlich mit Gregor nach Kejetia und eine Machete kaufen, aber ich entschied mich lieber zu chillen, mich um den Haushalt zu kümmern und dann das Meeting der Schüler mit Albert anzuschauen. Das war nämlich echt cool. Er erreichte diese nämlich endlich mal. Etwas, was keiner so geschafft hat, wie Albert! Er begab sich auf eine Ebene mit ihnen und schon erzählten sie ihm ihre Probleme. Es war eine Freude das zu sehen. Besonders als ich dann später mit einem Schüler redete, der es ernst meinte, als er sagte, das Albert nun sein Vorbild sei 😀

Am nächsten Tag war dann nach dem Unterricht, wie üblich für Donnerstage, Radio angesagt, aber da Desmond krank war, fiel es aus. Das war doof, aber so kamen wir schneller zu Albert, der uns zum Essen eingeladen hatte. Es ging zum Culture Centre, wo uns eine Mary sehr leckeres Essen servierte. Es gab Reis mit einer Art Gemüsepfanne. Geil! Für Ruven und Cornelius gab es jedoch logischerweise Fufu, da sie sich schon den ganzen Tag drauf gefreut hatten. Tja, wir hatten wieder eine schöne Zeit und Gregor wurde freundlicherweise ein Bedienungsmädchen als Frau angeboten. Ach ja, die Gastfreundschaft der Ghanaer…

Tja, als wir dann nach Hause gekommen sind, setzte ich mich ins Bett und begann etwas am Pamphlet für PK’s Schüler zu arbeiten. Mich packte dann so die Arbeitswut, dass ich bis zum nächsten Morgen um 4:30 Uhr durcharbeitete. Dabei schaffte ich es endlich alles zu schreiben, was mir PK bis zu diesem Datum gegeben hatte. Aber diese Aktion machte sich am nächsten Tag dann auch bemerkbar, denn ich war den ganzen Tag müde und musste mich sehr zusammen reißen normale Gespräche zu führen, ohne einfach einzuschlafen. Ich wurde dann auch gleich einer Härteprüfung unterzogen, denn ich redete mit einer der Personen, mit denen ich einziehen sollte. Und zwar mit der Frau von Kwakye, Gifty. Erst war es ein nettes Gespräch, aber wie so oft driftete der ganze Spaß schnell auf die Religionsebene ab und da ich ein unverbesserlicher Trottel bin, konnte ich nicht widerstehen und habe offenbart, dass ich nicht an Gott glaube, weswegen wir dann gleich mal eine Stunde drüber diskutiert haben. Wenn ich nicht total müde gewesen wäre, hätte ich das vielleicht besser ausgehalten, aber so war es einfach nur tödlich. Denn sie hat um keinen Meter nachgegeben und hat darauf bestanden, dass es Gott gibt und ich bekehrt werden muss. Naja, ich habe es überlebt ohne nun dem Christentum anzugehören. Aber danach hab ich erstmal überlegt, ob das alles so eine gute Idee war mit dem Umziehen-wollen. Aber bevor ich aufgebe, wollte ich ausprobieren, ob es wirklich so schlimm ist.

Tja, danach legte ich mich hin, denn ich war total am Ende. Doch lange konnte ich nicht liegen bleiben, da Gregor und Ruven Essen zubereiteten. Also lief ich ziellos durch die Gegend, um dann herauszufinden, dass ein Treffen der Alumni von GGS mit den wichtigen Leuten der Administration stattfand. Da setzte ich mich eine Weile mit hin und hörte mir an, was einzelne Leute so dazu zu sagen hatten, aber als es dann irgendwann mit Twi losging, ging ich wieder, da ich einfach nichts verstand. Stattdessen spielte ich noch eine Weile Volleyball mit den Schülern und merkte, wie ich abgebaut hatte. Ich hab keine Kraft und Technik mehr. Aber naja, so macht es wenigstens etwas mehr Spaß mit den Schülern zu spielen.

Aber neben diesen Ereignissen war dies auch ein ganz besonderer Tag, denn es war unser letzter Abend mit Gregor, der ja am 22.1. wieder nach Deutschland fahren sollte. Aus diesem Grund bereitete er uns, wie bereits erwähnt, ein sehr leckeres Essen zu. Einen Gemüseeintopf mit Nudeln und einem geilen Salat. Es war einfach zu lecker! Dazu gab es auch Unmengen von Bier, aber ich lehnte ab, da ich so übermüdet war, dass ich schon gegen 21 Uhr schlafend im Bett lag.

Der nächste Tag war dann ganz schön anstrengend, denn ich war trotz langen Schlafens noch total müde, weil kleine Kinder schon morgens die ganze Zeit nervten und Bälle aufgepumpt bekommen wollten. Naja, auf jeden Fall sollten uns Mareike und Cornelius uns an diesem Tag verlassen, da sie für eine Woche in den Norden fahren wollten und dort wohl auch eine schöne Zeit hatten. Sie sahen zahme Krokodile in Paga, hatten einen schönen Tag in Bolgatanga, und einen krassen, tierreichen Aufenthalt in Ghanas größtem Nationalpark Mole. Aber davon bekamen wir nicht viel mit. Stattdessen brachten wir Gregor erst zum Bus und verabschiedeten uns von ihm und redeten noch ein bisschen über die Zukunft. Dann war Gregor weg und bis heute hab ich nichts mehr wirklich von ihm gehört und das ist jetzt immerhin schon über 2 Wochen her. Naja, wenn ich wieder in Deutschland bin. Als wir dann wieder zu Hause waren, wollte ich nach einem angenehmen Bettaufenthalt endlich umziehen. Doch dafür musste ich erst den Schlüssel für mein Zimmer abholen und den hatte Mary. Also bin ich ganz entspannt mit dem Fahrrad losgefahren (nebenbei hätte ich fast ein Kind umgelegt, weil ich von den Pedalen gerutscht bin und die Nicht-Rücktrittbremse die Räder eigentlich kaum blockiert. Aber es ist nicht passiert, ich hab denen wahrscheinlich nur ein bisschen Angst gemacht…) und bin bei Marys Laden vorgefahren. Ich habe sofort eine Cola spendiert bekommen und erkannte dann, dass der einzige Gast in Marys Laden Sarkodie war. Er war aber total abgekämpft, da er einen langen Hochzeitstag hinter sich hatte und so konnte er zunächst kaum reden. Aber dann begann ich ein Gespräch über die Schule und über die ganze Veränderung des Schulsystems in Ghana. So hörte ich mir also das ganze Blabla darüber an, wie schwer es ist ohne Schlagen auskommen zu müssen, aber man merkte, dass er es wirklich versuchen wollte. Naja, dann kamen wir zu etwas anderem: ich begann über Ike zu sprechen und was alles mit ihm passiert ist (Ike war der Schüler, der damals so einen Stress mit der Schule hatte, weil er wohl Sakk und andere Lehrer beleidigt haben sollte). Sarkodie meinte, dass es ihm wohl doch recht geschehen ist, weil er einfach zu wenig Respekt gegenüber dem ganzen Lehrkörper zeigte. Und  diese Art von Respekt ist hier auch sehr wichtig, nicht nur, weil sonst vielleicht kein ordentliches Lernumfeld entstehen würde, sondern, weil diese Art von Bestrafungen einfach von den Eltern gefordert werden. So kamen wir auch auf die Haarschneideaktion von vor Ewigkeiten zu sprechen, die mich damals so mitgenommen hatte. Damals empfand ich es einfach nur als diktatorisch in eine Klasse reinzuplatzen und allen Schülern, die ihre Haare nicht ordentlich gerichtet haben, die Haare zu kürzen. Sakk meinte nun aber, dass er den Schülern schon oft davor gesagt hatte, dass sie ihre Haare in Ordnung bringen sollten, weswegen er sich genötigt sah das zu tun, was er tat. Ich war damals nur zur falschen Zeit am falschen Ort und war zu inkompetent um mit der Situation umgehen zu können. Naja, wenn es jetzt wieder passieren würde, würde ich wahrscheinlich nur lachen.

Naja, nach dem Gespräch fand ich dann heraus, dass Mary den gesuchten Schlüssel gar nicht hatte und ich gar nicht umziehen konnte… Das nervte mich natürlich ein wenig, aber sie versicherte mir, dass ich den Schlüssel bis Montag von Keykey bekommen würde.
So war der nächste Tag dann auch vom schnöden Nichtstun geprägt. Ich schrieb ein bisschen am Blog und schaute den einen oder anderen Film. Am späten Nachmittag merkte ich dann, dass ich einfach viel zu wenig geschafft hatte, also überwand ich mich und stand auf, trommelte einige Schüler zusammen und schaffte etwa 140 Betten aus dem Container in einen Lagerraum. Das dauerte locker 1.5 Stunden und danach war ich total durchschwitzt und absolut schwarz (haha), weil der Container von innen so dreckig war. Aber es machte echt Spaß mal wieder ein wenig hart zu arbeiten, vor allem, weil die Schüler so mitmachten. Dafür holte ich ihnen danach dann auch ein Packet Wasser, was sie auf kindische Art und Weise nicht verteilen wollten, aber ich hatte kein Bock Gleichaltrigen zu sagen, wie sie mit solchen Sachen umzugehen haben, also untersuchte ich die Sachen, die sich in dem Container befanden und überließ den Schülern ihrem Streit. Damit war der Tag dann auch wieder vorbei.

Am Montag, dem 24.1. zog ich dann endlich nach einem langen Arbeitstag um. Seit diesem Semester habe ich, wie ich, glaube ich, schon erwähnt habe, endlich mehr Unterricht. So war mein Montag schön vom Unterrichten ausgefüllt. Nach dem Unterricht ging ich mit George zum Internet, um an der Website zu basteln und dann ging es endlich ins neue Haus, da ich den Schlüssel von KK bekommen hatte. Doch das Schloss für mein Zimmer funktionierte überhaupt nicht, weswegen die ganze Warterei eigentlich ziemlich sinnlos gewesen ist. Naja, was soll’s. Die Wohnung ist auf jeden Fall ganz nett. Wir leben im Keller von der Villa von Albert. Aber der Keller ist auch schon recht geräumig. Mein Zimmer ist etwa so groß, wie das Zimmer, was ich mir zuvor noch mit Ruven, Cornelius und Gregor geteilt habe. Ich hab dann später auch noch eine ziemlich fette Matratze bekommen und einen eigenen Schreibtisch. Alles in allem ein echt nettes Zimmer. Der Rest der Wohnung besteht aus einer liebevoll eingerichteten Küche, die irgendwie altmodisch, aber liebevoll eingerichtet aussieht, dann gibt es da einen langen Flur, der bei starken Regenfällen immer geflutet wird, da das Dach nicht richtig abgedichtet ist, außerdem gibt es noch ein echt europäisches Wohnzimmer mit großem Fernseher und geilen Couches. Zuletzt ist dann noch das Zimmer von Kwakye und Gifty, in dem ich aber bis jetzt noch nicht wirklich gewesen bin.

Ich hab auch gleich mal zur Begrüßung Yam mit Palava-Stew bekommen und das war extrem lecker. In Zukunft sollte ich diese Mischung noch öfter bekommen und ich muss sagen, dass das wahrscheinlich neben Bofrots das einzige Essen sein wird, dass ich in Deutschland vermissen werde.
Naja, während dem Essen hat Gifty mir dann auch gleich mal einiges an Twi beigebracht und nach 3 Abenden in meinem neuen zu Hause, hatte ich schon doppelt so viel gelernt, wie bisher. Genau so wie ich es mir erhofft hatte!

Tja, der nächste Tag war dafür nicht so toll, da ich durch den neuen Lehrplan, den ich mir am Vortag vom Headmaster abgeholt hatte, erstmal abchecken musste, was meine Klassen so an Stoff hinter sich hatten. Dadurch war ich dann auch relativ unvorbereitet, weil ich alles hätte unterrichten können müssen. Aber es war ein Anfang und jetzt, 2 Wochen später, hab ich endlich einen Plan und hab nicht mehr so ein unsicheres Gefühl bei dem Zeug was ich unterrichte, weil es wirklich im Lehrplan steht.
Apropos Lehrplan… Der Headmaster gab Ruven und mir auch die Aufgabe einen Lehrplan für Deutsch aufzustellen. Das war irgendwie witzig, da wir überhaupt nicht recht wussten, was genau wir schreiben sollten. Aber wir orientierten uns dann einfach an Ruven’s Deutschbuch und gaben etwas ab, was eigentlich okay war. Naja, unser Lehrplan sieht vor, dass ein Schüler nach 3 Jahren Schulzeit etwa 30 Seiten aus dem Buch bearbeitet hat. Naja, lieber wenig wirklich verstehen, als viel überhaupt nicht checken. Wenn die Schule dann größer und ernster wird, wird der Lehrplan dann sicherlich auch verändert werden.

Wie auch immer, der nächste Tag sollte nach langem mal wieder ein ganz besonderer werden, denn wir wurden auf eine Beerdigung eingeladen und zwar die des Vaters von einem meiner Schüler, Samuel Oppong. Ich überlegte erst, ob ich gehen sollte, weil dadurch mein Unterricht ausgefallen wäre. Aber da es halt einer meiner Schüler ist und ich nicht so viel Lust auf Unterrichten hatte, kam ich einfach mit.
Es sollte früh losgehen, sodass wir um 10 da sein konnten, aber wie es für Ghana so typisch ist, kamen wir dann doch nicht vor halb 9 los, da erst wir ewig nicht fertig wurden und dann die Schüler noch für etwas gebraucht wurden. Aber als es dann los ging, war es ganz witzig, da man endlich mal mit den Schülern außerhalb der Schule zusammen kam und nicht so lehrspezifische Sachen ansprach, sondern sich eher auf die einzelnen Personen konzentrierte. So fanden wir heraus, dass einer meiner Schüler, Owusu Boadi Kwabena schon 34 Jahre alt war und schon eine Familie hatte. Das war schon ein wenig krass. Später lud er mich auch mal zu sich nach Hause ein, worauf ich mich auch schon freue, aber leider hatte ich noch nicht die Zeit mit ihm zu kommen. Naja, Außerdem redete ich auch mit Ebenezer, einem 25-jährigen Schüler, der eine unglaubliche Arroganz ausstrahlt, aber eigentlich ganz nett ist. Man muss sich nur auf seine Art einstellen und schon sieht man auch mal ein Lächeln in seinem Gesicht.
Nun ja, wir fuhren also in aller Ruhe in Richtung Mmampong, wobei wir an vielen Dörfern einzelner Schüler vorbei kamen und so einige Geschichten hörten. Als wir dann endlich da waren (natürlich komplett verspätet), begrüßten wir erstmal fast jede Person. Da wir die einzigen Weißen seit langer Zeit in diesem Dorf waren, schauten natürlich diesmal wirklich alle nur auf uns, was etwas beängstigend war, doch man gewöhnte sich langsam dran. Wir lernten, dass ghanaische Beerdigungen meistens 3 Tage dauern und zu jedem Tag etwas anderes angezogen wird. Mal schwarz, mal weiß, mal beides. Gehört man der Familie an, so trägt man zumindest ein bisschen rot. Da wir so spät kamen mussten wir nur für kurze Zeit da sitzen und uns das Twi-Gerede anhören, denn jeder, der kam, wurde vorgestellt oder stellte sich selbst vor. Dann wurde der Sarg zur Grabstätte gefahren und zwar auf einem Wagen, auf dem normalerweise die Wasserbeutel herumgefahren werden, also schon ein wenig eigenartig. Naja, wir konnten da natürlich nicht mitfahren, sondern liefen zu Fuß. Auf dem Weg unterhielten wir uns ein wenig mit Samuel, der ziemlich geknickt aussah, wenn auch nicht total übertraurig. Dazu muss man wissen, dass sein Vater auch schon vor 3 Monaten gestorben war und erst jetzt die Beerdigung möglich war. Aber so läuft das hier. Manchmal liegen die Toten sogar ein Jahr herum, weil nicht genug Geld und Zeit da ist.
Tja, wir standen bei dem winzigen Friedhof am Straßenrand herum, bis wir zurück liefen. Doch es ging nicht etwa nach Hause, nein, es ging direkt zum zu Hause von Samuel und da wurde gegessen und getrunken, gelacht und gescherzt. Außerdem lernte ich noch einige Worte Twi. Es war eine echt nette Zeit, krass, dass man sowas über eine Beerdigung sagen kann. Tja, nach einer gefühlten Ewigkeit gingen wir dann wieder zu dem Platz zurück an dem alles angefangen hat. Ich erinnere mich gerade, dass ich den Platz noch gar nicht beschrieben hab. Also: es waren etwa 200 bis 300 Leute da, die um ein Rund gesessen haben auf dem der Sarg aufgebaut war und wo sich vorgestellt wurde und die Pastoren sprachen. Tja, aber als wir wieder zurück gekommen waren, war der Sarg weg und dafür stand an einer anderen Stelle ein Zelt mit einer Live-Band darunter. Und die haben gesungen und getanzt und gepredigt. Irgendwann wurden wir dazu gezwungen auch zu tanzen und los ging es. Nach kurzer Zeit wurde ich von einer Frau angetanzt, die locker die Mutter meiner Mutter hätte sein können. Aber ich schaffte es den Tag zu überstehen ohne mit dem „Ich muss gehen“-Argument zu kommen. Dann kam der wichtigste Pastor an und animierte uns noch mehr zum tanzen, sodass wir den komischen Ghanastyle-Dance durchzogen. Tja, dann mussten wir aber doch los, da wir eigentlich noch zum Radioprogramm wollten, aber daraus wurde am Ende nichts. Wir nahmen extra ein Taxi, aber der Fahrer verstand anstatt Uewk (University of Education Winneba-Kumasi) KNUST (Kwame Nkrumah University for Science and Technology), zwei Unis, wie sie in Kumasi nicht weiter auseinander hätten sein können… Also ließen wir uns dann einfach nach Hause bringen und chillten zu Hause noch eine Runde, denn es war schon 17:45 Uhr.

Der nächste Tag war dann von PC-Arbeiten geprägt, denn wir mussten die Daten alter Schüler bei Excel eintippen und ich musste nebenbei noch was kleines für PK tippen, was ich eigentlich schnell beenden wollte, aber da waren so beschissene Bilder dabei, dass ich bei Paint ewig brauchte um auch nur eins zu zeichnen, also hörte ich nach nur 3 Stunden Arbeit auf und konzentrierte mich auf das Archivieren. Das nahm auch die ganze Schulzeit in Anspruch. Zu Hause baute ich mir dann mein Bett zusammen, sodass ich nicht mehr die ganze Zeit von Mücken zerstochen werde, wie die Nächte zuvor. Außerdem reparierte ich noch fix meine Tür und hatte ab dem Moment dann ein ziemlich perfektes Zimmer: Ein Bett mit gutem Mückennetz, ein Doppelstockbett als Möglichkeit andere übernachten zu lassen und als Kleiderschrankersatz, einen  Schreibtisch und eine funktionierende Tür.
Am Abend ging ich dann mal wieder zu Ruven rüber und erfuhr etwas, wie es großartiger nicht hätte sein können. Er erzählte nämlich, dass bei seinem Vater auf dem Hof ein alter Mann arbeitete, der sein Leben lang einfach gewesen ist und nie viel Geld ausgegeben hat. So ist ihm auch nie aufgefallen, dass das Finanzamt ihm in den letzten Jahren eine Vermögenssteuer berechnet hat, die eigentlich viel zu hoch ist. Da Ruvens Oma das herausgefunden hat, hat sie jetzt überlegt, ob man ihn nicht mal fragen kann, ob er das Geld nicht spenden will. Wenn das klar geht, können wir auf jeden Fall anfangen den Platz zu bauen. So könnten wir zu seiner Fertigstellung vielleicht sogar noch hier sein und die ersten Spiele darauf spielen. Aber erst müssen wir abwarten, Tee trinken und wie die Ghanaer sagen würden, beten. Und das ist auch so eine Sache, ich werde hier extrem der Gehirnwäsche unterzogen, da an fast jedem Tag Religion ein Thema ist. Mal sehen wie lange ich durchhalte bis ich durchdrehe oder wie lange Gifty und Kwakye durchhalten, bis sie merken, dass es nichts bringt mich bekehren zu wollen.

Naja, am Samstag kamen Cornelius und Mareike dann von ihrem Trip zurück. Eigentlich wollte ich früh am Morgen vorbei kommen und sie bei der Ankunft begrüßen, aber dafür genoss ich den Schlaf viel zu sehr. Stattdessen schrieb ich ein bisschen an diesem riesigen Blog. Gegen Nachmittag spielte ich dann eine ganze Menge Tischtennis mit den Schülern bis der Ball kaputt war und kein weiter aufgetrieben werden konnte. Am Abend gingen wir dann nach Bantama, weil Patrick und Dominik wieder in Kumasi waren. Doch zuerst besuchten wir eine neue Bar, schauten nebenbei ein wenig Fußball und unterhielten uns so über dies und das. Ich erzählte Maria zu Beispiel von der schrecklichen Seifenoper, die hier immer geschaut wird: Curse By The Sea. Da ich Twi lernen und mich hier nicht so ausgrenzen will, habe ich mich entschieden immer mit Gifty Fernsehen zu schauen, da sie das die meiste Zeit tut, wenn sie zu Hause ist. Und da gehört dieses mexikanische GZSZ einfach dazu. Tja, danach traten wir den kurzen Weg zur anderen Bar an, wo wir auch die beiden Cape Coast Freiwilligen trafen. Es war wie immer ein lustiger Abend und wir verabredeten uns auch für das nächste Wochenende mit ihnen, da es das letzte Wochenende sein sollte, an dem Patrick für uns erreichbar in Ghana sein sollte.

Wir kamen erst spät nach Hause und ich hatte Gifty und Kwakye zugesichert, dass ich mit in die Kirche kommen wollte, was ich dann auch tat, wenn auch total übermüdet. So war dann auch die Tortur, der ich unterzogen wurde einfach zu viel für mein schwaches Herz. Denn ich musste nicht einfach nur die Strapazen überstehen die ganze Zeit in der Kirche zu sitzen, sondern ich wurde auch noch dem ultra-missionierenden Supergottesdienst unterzogen, in dem mir einfach nochmal der Anfang des Alten Testaments erklärt wurde, den ich aber schon komplett kenne, wodurch es einfach nur langweilig wurde. Dann kam irgendwann Gifty um der alten Frau, die mich unterrichtete, zu helfen. Wenig später kam dann auch der Pastor. So redeten sie dann zu dritt gegen mein steinhartes, kaltes Atheisten-Herz an. Ich glaube der Pastor war der Einzige, der merkte, dass es sinnlos war. Naja, aber bald war es vorbei und ich durfte nach Hause und war absolut am Ende. Da puschte mich ein geiles Frühstück wieder in einen glücklicheren Zustand, aber das dauerte auch locker eine Stunde. Ich war aber dennoch für den restlichen Tag absolut übermüdet. Aber dennoch wollte ich zur Uni fahren und mal wieder im Internet was regeln, doch ich hatte kein Glück: kein Netz. Tja, da rief mich auch schon wieder Andrew, ein Nigerianer an, den ich jetzt schon einige Male getroffen hatte. Er lud mich zu sich ein, weil er mir versprochen hatte, mal etwas zu essen zu präparieren.

Das nahm ich dann auch dankend an: es gab Garri auf nigerianische Art. Da ich nicht mal weiß was das genau ist, kann ich es auch nur ganz schwer beschreiben. Es schmeckt etwas bitter, aber mit genug Zucker und Kondensmilch schmeckte es lecker und süß. Man gab das Garri Pulver also mit Wasser, Zucker und Milch zusammen, goss die überflüssige Flüssigkeit weg und hatte dann eine Art körnigen Brei zum Essen. Da ich Hunger hatte schmeckte es mir richtig gut. Beim Essen erklärte mir Andrew, was er von mir wollte. Er ist ein Trainer für Fußball und will eine Fußballakademie eröffnen. Ich komme jetzt aber nicht etwa als Geldgeber ins Spiel, sondern viel mehr als Kontakt nach Europa. Denn was hilfreich wäre, wäre ein Verein, oder eine Institution, die Leute das Ghana nach Europa holt, weil sie so gut Fußball spielen können. Ich habe mir auch vorgenommen ihm irgendwie zu helfen, bloß weiß ich einfach noch nicht wie ich das regeln soll. Aber ich werde wohl einfach mal rumtelefonieren müssen. Wenn es aber klappt, werde ich vielen Leuten hier ein westlicheres Leben ermöglichen und Andrew wird einen richtig guten Job bekommen, das würde ich ihm echt wünschen! Er erzählte dann auch noch so ein bisschen von sich und seiner Mannschaft in Nigeria. Er erzählte mir, dass er einige Mädchenteams trainierte und besonders die älteren schon einiges erreicht hatten. Außerdem erzählte er, dass er den jüngeren Spielerinnen ans Herz legte, hübscher zu werden, weil sie sonst aus dem Team fliegen. Das fand ich zwar hart, aber irgendwie lustig. Tja, daran merkt man doch, dass das hier Afrika ist!

Mein Aufenthalt bei Andrew war nicht allzu lang, nach etwa 2 Stunden ging ich wieder nach Hause und früh ins Bett.

Der nächste Tag war relativ entspannt. Aber ich fand heraus, dass PK die Schule verlassen will, da er komplett unglücklich mit der ganzen Situation ist. Er bekommt zu wenig Geld, um sein Leben zu finanzieren und nichts was er tut wird wirklich anerkannt. Als Torsten dann hier seine Meinung zur ganzen Arbeitsweise gesagt hat, hat es wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. Auch andere Lehrer waren nach dem Meeting damals sehr angepisst, aber PK hat es wohl zum Gehen bewegt. Als er mir das alles so erzählte, sagte er mir auch, dass er möglichst bald mit dem Pamphlet für Elektrik fertig wollte, damit seine Schüler noch etwas von ihm haben. Also erklärte ich mich bereit alles Mögliche noch schnell für ihn zu tippen, allerdings stellte sich auch heraus, dass ich in dieser Woche auf Duty bin, das heißt, dass ich die ganze Zeit von früh bis spät in der Schule zu sitzen und aufzupassen hatte. Am Montag tat ich noch nichts, da ich im letzten Term zwar mal auf Duty war, aber mir keiner recht erklären konnte, was ich tun und lassen sollte. Aber die restlichen Tage hatte ich dann gut zu tun und war eigentlich die ganze Woche gestresst, da ich nur hin und her rannte und sich trotzdem jeder beschwerte. Naja, am Nachmittag wurde dann einer der Lagerräume ausgemistet. Da standen etwa 30 extrem alte Nähmaschinen, die in Deutschland ein Vermögen wert gewesen wären, hier aber einfach nur als Schrott zählten, von dem man irgendwie loskommen musste. Außerdem gab es noch einigen anderen Müll, der herausgeholt und auf die Departments verteilt wurde. Also zum Beispiel Holzkleber zu den Schreinern und Rohre zu den Klempnern.

Am nächsten Tag hatte ich wieder wie für Dienstag typisch extrem viel Unterricht und hatte vor der letzten Stunde so gar keine Kraft mehr. Doch ich hatte Glück, denn die Schüler in meiner Klasse waren am Morgen alle nicht zum Essen gekommen und wurden deswegen von Davida damit bestraft, dass sie kein Mittagessen bekommen sollten. Das gab dann so einen Stress, dass George einschreiten musste und ihnen Essen versicherte. Ich klemmte mich an George ran und regelte alles ein bisschen, weil George irgendwann meinte, dass ich lieber übernehmen sollte, weil es für ihn einfach zu emotional wurde und er vielleicht etwas Falsches gesagt hätte. So bekamen die Schüler also doch etwas zu essen und ich bekam meine erhoffte Ruhezeit, da die Stunde nicht stattfand. Aber da ich auf Duty war, war ich dann auch irgendwie die ganze Zeit derjenige, der angeschissen wurde, weil etwas schief lief. Also dachte ich mir am Abend: ihr könnt mich alle mal! Und ging nach einer langen Schreibsession sehr spät ins Bett, um dann sehr früh aufzustehen und die Schüler schon ab 5:30 Uhr zu überwachen. Als ich so da saß und merkte, dass nur sehr wenige Leute da waren, begann ich diejenigen aufzuschreiben, die da waren. Und da war ich sogar noch freundlich! Um 5:45 Uhr ging die Morning Prep los und ab 6 Uhr begann ich Namen aufzuschreiben. Das machte ich dann noch an den anderen beiden Tagen und wertete es dann am Freitag vor den Schülern aus. Aber zurück zum Mittwoch. Ich war also sehr müde und wollte mich eigentlich nur hinlegen, bekam dafür aber nicht so recht die Möglichkeit, da ich nur am hin und her rennen war, um zu checken, ob die Klassen auch einen Lehrer hatten, was oft nicht mal der Fall war und ich musste dem Lehrer Bescheid sagen, oder eine andere Möglichkeit finden, sodass die Schüler beschäftigt werden konnten. Dann beobachtete ich die Schüler beim Frühstücken und holte sogar einen aus seinem Zimmer, weil wohl jeder in der Dining Hall zu sein hat. Dann checkte ich noch die Klassenzimmer, ob auch alle von da zum Essen gegangen waren. Auf meiner Runde durch die Zimmer kam ich am Lehrerzimmer vorbei und sah da Samuel, der mit mir auf Duty war. Er machte mich dann tatsächlich an, weil ich nicht in der Dining Hall war und den Schülern zuschaute. Das fand ich so unglaublich dreist, dass ich einfach nur sagte, sorry und wieder ging. Aber im Kopf hatte ich nur: So ein Arschloch. Ich mache hier die Arbeit und er macht Zeugs, was er genauso gut hätte am Vorabend zu Hause erledigen können. Am Vortag hatte er mich auch angemacht, dass ich wohl angeblich nicht bei der Morning Assembly gewesen wäre, was schonmal nicht stimmte und deswegen keiner die Assembly überwacht habe. Sein Problem war nun, dass er ja extra nicht gekommen wäre, weil er davon ausgegangen ist, dass ich da bin. Mit all diesen unfassbaren Gedanken im Kopf lief ich aus dem Lehrerzimmer und war kurz vorm Ausrasten, weil dieser Mensch sich einfach aufspielte, wie Gott im Himmel. Ich war so wütend und bin es schon wieder. Aber das war noch nicht alles… Danach ging ich nochmal durch die Klassen und regelte noch die eine oder andere Abwesenheit von Lehrern. Dann ging ich nach Hause und wusch meine Sachen, und ging wieder zurück um mit Cornelius an dem Container zu arbeiten und die ganzen Werkzeuge zu ordnen und Zeugs auszumisten. Während wir da so arbeiteten kamen einige Lehrer vorbei und nervten uns immer mal, ob sie sich nicht einiges mitnehmen könnten. Dann kamen kleine Kinder vorbei und brachten auch noch alles ein wenig durcheinander. Und zur Krönung kam dann Samuel vorbei und erklärte uns, dass heute ein Tischtennisturnier sei, bei dem wir zu erscheinen hatten. Lustig, dass wir beide im Sportkomitee sind, aber erst 30 Minuten vor Beginn davon erfuhren. Außerdem verpasste ich durch dieses Turnier eine Skype-Verabredung, wodurch ich komplett angepisst war. Samuel hatte es sich an diesem Tag echt mit mir verschissen, besonders, weil er in der restlichen Woche keinen Finger bezüglich seiner Pflicht tat und mir die ganze Überwachung überließ. Naja, mal sehen was sich da noch so entwickelt. Das schlimmste war, dass während dem ganzen Turnier nur Twi geredet wurde und ich einfach nichts verstand und ich einfach nur auf dem letzten Loch pfiff, weswegen ich dann nach Hause ging und erstmal was aß. Dann ging ich wieder zurück und spielte noch ein wenig Tischtennis mit den Gewinnern, weswegen ich dann total am Ende war. Ich schleppte mich in unser Zimmer und schlief fast ein. Dann unterhielt ich mich noch eine Runde mit Mareike und schleppte mich nach Hause. Aber es dauerte eine Weile bis ich loskam, weil ich einfach keine Lust auf Laufen hatte. Auf dem Weg erbrach ich mich dann und zu Hause legte ich mich sofort, also 18 Uhr hin und schlief bis zum nächsten Morgen um 5 Uhr, weil ich ja wieder zur Aufsicht musste.
An diesem Tag wurde dann der erste Schritt in Richtung Exkursion für die Schule gemacht, denn einige Schüler hatten mich schon darauf angesprochen. Also fragte ich in meiner Klasse, was sie tun wollten und kamen auf ein mögliches Ziel. Das sprach ich dann mit George ab und ihm gefiel es so gut, dass er meinte, dass die ganze Schule gehen sollte. Jetzt hab ich die Arbeit, aber auch den möglichen Ruhm 😀
Im Verlaufe des Tages traf ich dann auch mal PK, der mir noch 40 Buchseiten mit Definitionen zum Abtippen mitgab (was ich absolut nicht großartig fand, aber ich sagte doch „ja“) und ich schaffte an diesem Tag auch etwa die Hälfte, weil ich von 20 bis 24 Uhr durchschrieb. Aber bevor es soweit kam, passierte noch etwas anders. Da PK gehen sollte, hatte er Sakk seine Pläne gesteckt und wurde deswegen dann an diesem Donnerstag, dem 3.2. entlassen. Das schockte dann doch ein bisschen, aber naja, das Leben geht ja bekanntlich weiter. Kurz darauf hatten wir dann die erste ordentliche Twi Stunde mit Sakk, bei der zwar nicht viel Neues vorkam, aber die ganz interessant war. Danach war eigentlich Radio angesagt, aber ich musste nach Hause, da ich einfach nur zu fertig war.

Der nächste Tag begann für mich mit voller Freude, denn endlich konnte ich die ganze Namenaufschreib-Aktion auswerten. Und ich tat es folgendermaßen: bei der Morning Assembly hielt ich eine Ansprache, und fragte die Schüler, was sie echt gerne mal machen wollen würden, da sie nicht das richtige sagten, flüsterte ich Tony zu, dass er Exkursion sagen sollte. Und so erläuterte ich ihnen, dass ich mit George zusammen eine solche Exkursion planen würde. Da waren sie natürlich ganz glücklich.
Und dann schlug ich zu: ich sagte, dass die, die an einem Tag nicht gekommen waren, entschuldigt waren. Die, die zwei Tage nicht gekommen waren, sollten Groundwork machen. Und die, die dreimal nicht zur Morning Prep da waren, durften nicht mit zur Exkursion kommen. Ich war so glücklich, dass mir diese moderate, faire Bestrafung eingefallen war, dass ich den ganzen Tag nur noch grinsen konnte und mich zu meinem Meisterstück beglückwünschte. Natürlich war es eigentlich nichts besonderes, aber ich hatte endlich mal als Lehrer bewiesen, dass ich nicht alles einfach so hinnehme, was falsch ist.

Danach bin ich dann zum Arzt gefahren und habe mich mal einen Rundum-Check machen lassen, weil die anderen der Meinung waren, dass ich einfach zu oft in letzter Zeit am kränkeln bin. Der Arzt versicherte mir, dass alles okay ist und nahm mir 60 Cedi ab. Naja, das war es sicherlich wert.
Vom Arzt ging es dann direkt zur Neoplan Station, wo schon Ruven, Mareike und Cornelius auf mich warteten, sodass wir mit dem Bus nach Cape Coast zu Patrick und Dominik fahren konnten.

Die Fahrt war anstrengend und nervig, weil ich die ganze Zeit nicht schlafen konnte und meine Beine weh taten, wie eigentlich immer bei den Busfahrten, nur hatte ich diesmal wirklich gar keine Lust darauf. In Cape Coast angekommen nahmen wir ein Taxi zu einer Bar und trafen da die beiden anderen beim Fußball gucken, Schalke gegen Dortmund, an. Als das langweilige Spiel vorbei war, liefen wir einen gefühlten 100 km Weg nach Hause und besorgten uns auf dem Weg was zum Essen. Bei den beiden zu Hause redeten wir noch eine Weile, dann musste ich aber aufgeben und fiel ins Bett.
Am nächsten Tag ging es schon früh raus, da Dominik und Patrick ein Sportevent für Kinder leiten mussten. Doch bevor wir da aufkreuzten kauften wir noch 300 Liter Wasser, weil die Kinder ja was trinken wollen würden. Wir rechneten mit etwa 60 bis 80 Kindern, aber letztendlich waren locker über 150 Kinder da und wollten bespaßt werden. Das war nicht mehr lustig, denn sie drangen auf uns ein wie Wasser in die Titanic. Schnell merkte ich, dass es zu viel für mich werden würde. Ich entschied mich dann einfach um das Wasser zu kümmern und die vielen Kinder davon abzuhalten, etwas von dem Wasser zu klauen, was gar nicht so einfach war, denn ein Kind schaffte es tatsächlich etwas zu klauen, ohne dass ich es bemerkte. Ein anderes Kind ging mir auch so krass auf den Zeiger, dass ich kurz davor war unüberlegte Sachen zu tun. Da es mich immer wieder verarschte, Wasser wollte und sowieso viel zu arrogant war, sagte ich sogar, dass es aufhören soll so dumm zu sein. Und das ist so ziemlich das schlimmste was man auf Twi sagen kann, aber ich kannte keinen Ausweg und wenigstens hörte es auf die harschen Worte.
Aber dann am Ende sollte das Wasser verteilt werden und das war einfach nur einen Katastrophe, denn wir hatten die Kinder nicht mehr unter Kontrolle. Viele waren einfach nur gekommen, weil sie gehört hatten, dass es kostenloses Wasser gab und belagerten uns jetzt. Eigentlich wollten wir jedem Kind ein Päckchen geben, aber das war einfach nicht mehr möglich. Irgendwann gab ich dann auf und ließ etwa 40, vielleicht 50 Kinder auf meine Wasserbeutel einstürmen. Sie bissen, kratzten und schlugen sich darum, und nach weniger als 15 Sekunden waren mal locker 90 Liter Wasser an 50 manische Kinder verteilt wurden.

Es war uns dann allen zu viel. Ruven war auch kurz vorm Durchdrehen, da ihm ein Trinkpäckchen in der Hand zerdrückt wurde und er komplett eingesaut dastand. Doch als das Wasser dann weg war und die Aufregung vorbei, gingen auch die meisten Kinder und nur die wenigen, die wirklich an uns interessiert waren, blieben noch und halfen uns aufzuräumen. Und bei 600 Trinkpäckchen ist das nicht mal nur so eine luschige Arbeit. Aber irgendwann waren wir fertig und fuhren los. Beim Drehen bemerkten wir, dass wir die Müllsäcke vergessen hatten und blieben nochmal stehen. Dominik holte den Spaß und wir hielten noch ein bisschen die Kinder aus. Sie fragten nach mehr Wasser, Essen und Geld, was wir ihnen natürlich nicht geben konnten. Naja, dann hupte es, quietschte es und dann lag es da, das eine Kind, was voll vom Auto überfahren wurde. Blutend auf der Straße, ohne sich zu bewegen…

Zeit existierte nicht mehr, alles was ich sah war das leblose Bündel auf der Straße. Und in meinem Kopf sah ich das bisschen was ich gesehen hatte immer wieder: ein rasend schnelles Auto kam aus dem Nichts, erwischte das Kind mit der Front, sodass es einige Meter flog und auf beängstigende Weise liegen blieb.
Ich hörte die ferne Stimme von Patrick: „Ach du Scheiße.“ Und ich hörte wie sich eine Tür öffnete. Wie genau alles ablief, weiß ich gar nicht mehr so recht, da ich alles ganz anders aufnahm, als normalerweise. Es war einfach zu unglaublich. Ich hielt die Situation nicht aus, dass ich vielleicht bei einem Unfall mit Todesfolge zugegen bin. Ich drehte mich ziellos umher, hielt mir die Hände vors Gesicht und tat nichts bis die Tür aufgerissen wurde und Patrick das Kind ins Auto legte. Es machte nicht mehr viel, sondern wimmerte nur leise und blutete aus dem Mund. Ich kann nicht auflisten, was mir alles durch den Kopf ging, es war einfach ein Gefühl, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich stieg aus, um dem Kind Platz zu geben und Cornelius kümmerte sich sofort um den Jungen. Dann fuhr der Wagen mit Cornelius, Patrick und Ruven davon. Mareike nahm sich einem Mädchen an, das in Tränen ausbrach und sagte, dass das sein Bruder war. Die anderen Kinder waren kurz leise, aber begannen schnell wieder ihre Lockerheit zurückzugewinnen. Aber ich war noch für die nächsten paar Stunden geschockt. Dominik hatte dann die Idee alle anderen Kinder in ihren Distrikt zu bringen, der nicht weit weg war. Naja, auf dem Weg erzählten wir dann einigen Leuten, was vorgefallen war und die sagten uns, dass wir den Eltern davon erzählen sollten. Doch Mareike war mit der Schwester schon vorgelaufen und hatte sogar schon die Mutter angerufen, die passenderweise auf einer Beerdigung war. Wie uns Mareike dann später erzählte, fiel die Mutter ihr sofort weinend in die Arme, hatte sich dann aber wieder halbwegs gefangen, als wir da waren. Was geholfen hat, war, dass die Mutter halbwegs Englisch sprechen konnte und so waren wir dann auch recht schnell in einem Taxi zum Krankenhaus unterwegs.

In dieser ganzen Zeit haben wir nichts von dem Jungen mitbekommen, außer einem leisen, andauernden Wimmern, als ich Ruven anrief, um herauszufinden in welchem Krankenhaus sie waren. Es hätte also alles passiert sein können. Er hätte schon längst tot sein können, aber als wir ankamen, saß er da, heulte noch und sah sonst relativ unverletzt aus. Er hatte ein Pflaster auf dem Kopf und einige Schrammen auf der Stirn. Als er seine Mutter dann länger bei sich hatte, wurde er auch langsam ruhiger und wurde von ihr in den Arm genommen. Später bekam er dann auch eine Runde Kekse von Mareike ausgegeben und 2 Tage später erfuhren wir von Patrick, dass der kleine Kojo auch schon wieder draußen rum lief. Dominik sagte uns dann auch später, dass das Auto den Jungen mit gar keiner so großen Geschwindigkeit erwischt hatte und er war der einzige, der es wirklich gut gesehen hatte. Er sagte, dass der Fahrer zwar zu schnell war, aber noch bremsen konnte und den Jungen mit etwa 20 km/h getroffen hatte. Glück im Unglück!
Aber wieder zurück zum Krankenhaus, denn dort ging es drunter und drüber. Die drei, die direkt ins Krankenhaus gefahren waren, erzählten uns später, dass als sie da ankamen und Stress machten, geradezu ausgelacht wurden, weil sie solch einen Radau machten. Sie ließen sich Zeit und nahmen das alles gar nicht so wirklich ernst. Als der Junge nicht aufhören wollte zu weinen, schüttelte ihn die Krankenschwester sogar durch. Sehr professionell… Als Patrick dann eine Röntgenaufnahme beantragte, wurde er zur Ruhe gemahnt und seine Anfrage wurde einfach so abgetan. Später als wir die Medikamente bekommen hatten, fragten wir nochmal nach Röntgen, aber uns wurde offenbart, dass der dafür zuständige Mensch nicht anwesend sei. Immerhin gab man uns seine Nummer, aber er war lange Zeit einfach nicht erreichbar. Und als er dann erreichbar war, sagte er, dass er kommen würde. Beim zweiten Versuch war das Handy aus. Das nenne ich mal Ignoranz und Arbeitsmoral. Wir Weißen kriegten uns fast nicht ein wegen diesen Umständen, aber der Mutter war das erstmal egal. Sie war froh, dass Kojo gesund aussah und wollte nur noch nach Hause. Von inneren Blutungen hatte sie noch nicht so recht gehört offenbar.
Naja aber das war immer noch nicht alles. Als Patrick, Ruven und Cornelius da eine kurze Weile gesessen hatten, wurde ein weiterer Notfallpatient reingebracht. Er hatte eine riesige Platzwunde am Kopf und war bewusstlos. Als wir dann kamen lag er auf einer Liege im Gang mit einem Tropf und einem notdürftigem Pflaster auf der Wunde. Da sein Arm zuckte, wurde der auch bald an der Liege festgebunden. Das war ja alles noch halbwegs okay, wenn auch echt krass, aber dann begann ein Blutstrom unter seinem Pflaster zu quellen. Er floss auf die Liege und tropfte dann auf den Boden bis sich eine gute große Pfütze bildete. Wir bemerkten es und machten die Schwestern drauf aufmerksam, doch die machten nichts. Einfach nichts. Sie guckten bloß. Durch die ganze Scheiße wurde mir dann so schwindelig und schlecht, dass ich Mareike folgte und nach draußen ging, aber nicht den Mareike betreuenden Ruven hin, sondern einfach nur weg. Als ich auf die Straße kam, sog ich die frische Luft ein. Und das erste was ich sah, war ein Taxi, was wie besengt durch die Gegend fuhr und einen Fahrer der wild gestikulierte und offenbar einer Frau hinterherrief, die er nett fand. Auf jeden Fall fuhr er so unkontrolliert, dass er einem stehenden Taxi einen Spiegel abfuhr. Es war einfach zu verrückt. Wenn da ein Kind gelaufen wäre, hätte der Fahrer es nicht mal bemerkt. Er hätte es einfach in voller (und natürlich viel zu schneller) Fahrt mitgenommen und das hätte keine Kekse mehr gegessen. Auch ein Erwachsener hätte da keine Kekse mehr essen können. Und vor kurzem Stand erst etwas über zu viele Verkehrsunfälle in der Zeitung. An diesem Tag wurde einem das echt mal bewusst. Da fällt mir noch eine kleine Sache ein. Auf dem Weg nach Cape Coast hat unser Bus eine Ziege geplättet. Alles was wir hörten war ein „Plock“ und als wir aus dem hinteren Fenster schauten, sahen wir nur eine Ziegenmama, die ein Fleischbündel anstupste.

Das war einfach alles zu viel für mich, sodass ich über die Straße zum Meer ging und mich für eine Zeit da reinstellte und Wasser über meinen Kopf laufen ließ. Dann begann ich langsam wieder ruhig zu werden und entschied mich nach einem Anruf nach Deutschland wieder ins Krankenhaus zugehen und glücklicherweise war der Mensch mit der Platzwunde weg und ich hatte keinen Grund mich zu übergeben.
Und jetzt mal zum Fahrer. Als es passierte, blieb er immerhin stehen, was keine Selbstverständlichkeit bei einem solchen Geschehnis ist, weil es schon vorgekommen ist, dass die Taxifahrer, nachdem sie jemanden zu Tode gefahren haben, aus dem Auto gezogen werden und entweder Tod oder zumindest krankenhausreif geschlagen werden (und wie ihr gerade gelesen habt, kommt Krankenhaus einem wahrscheinlichen Todesurteil gleich). Aber er bewies Courage und schaute sich das Unglück an. Später sah ich einen Torwächter für das Gelände bei ihm einsteigen und wegfahren. Der Fall war für uns klar: der Wächter brauchte Geld und der Fahrer brauchte jemanden, der ihm helfen konnte. Doch wir hatten nicht genug Vertrauen in die Ghanaer, denn der Taxifahrer stellte sich als verantwortungsbewusster Mensch heraus. Wir sahen ihn später im Krankenhaus und er fuhr selbstredend die Familie nach Hause und ging mit zu ihnen. Das erfordert sicherlich einiges an Mut und Selbstvertrauen. Ich sagte ihm auch, dass es mir leid tue, was passiert war und dass er ein respektvoller Mann sei. Denn ich bin mir sicher, dass genauso, wie der Junge dieses Erlebnis nicht so schnell vergessen wird, wird auch der Fahrer nicht so leicht mit all dem fertig werden. Er wahrscheinlich nur gefahren, um vielleicht wirklich ein klein wenig Geld zu bezahlen, um der Polizei zu entgehen und um seinen Bruder als Absicherung zu holen, sodass ihm nichts zustoßen würde, falls die Familie doch wütend werden sollte. Es war also im Endeffekt alles in Butter und bis jetzt, dem Montag danach ist der Junge auch noch nicht an inneren Blutungen gestorben, also wird wohl alles okay sein, hoffe ich. Die Mutter hat sich dann auch noch einige Male über Telefon bedankt.

Auch ich bin froh, dass es so ausgegangen ist, aber es hätte auch anders kommen können. Und vor alles ist mir klar geworden, wie unterentwickelt Ghana doch trotz allem ist. Selbst mit allem Geld der Welt hätte man in dem Krankenhaus nicht viel bewegen können, da einfach nicht das Zeug da gewesen ist, was man gebraucht hätte. Es ist schrecklich, aber offensichtlich haben die Leute sich schon dran gewöhnt. Sonst würden sie nicht total locker und scherzend durch die Gänge laufen, während da einer aus einer wahrscheinlich tödlichen Kopfwunde blutet.
Tod gehört hier wohl einfach dazu.

Danach waren wir natürlich alle total am Ende und brauchten etwas zu essen und Zeit auszuruhen. Ich schlief sogar noch für 30 Minuten, aber dann ging es schon wieder weiter zurück zum Unigelände, wo alles passiert war und rein in die Basketballhalle. Naja, das Basketballatrium. Das war total geil aufgebaut, weil die Körbe in einem Innenhof des Wohnblocks des Studentenwohnheims aufgebaut waren. So schauten ständig einige Leute aus den 6 Stöcken auf das Geschehen. Wenn da Volleyball gewesen wäre hätte ich so meine Freude gehabt! Aber so war es auch cool. Mareike, Patrick und ich schauten den anderen drei beim Training zu und wir lösten währenddessen ein paar Rätsel.

Eins will ich gleich mal hier stellen, weil es so gut ist! Es sieht wie folgt aus:

In einem Raum sind 2 Männer und 2 Frauen. Jeder von ihnen hat eine andere Geschlechtskrankheit und beide Männer wollen mit beiden Frauen schlafen. Keiner will eine extra Geschlechtskrankheit. Das Problem ist aber, dass es nur 2 Kondome gibt. Wie kann man das lösen?
Die Lösung ist durch Logik möglich und hat nichts mit ungeahnten Vorkommnissen zu tun. Ziel ist es also mit nur 2 Kondomen 4 Geschlechtsakte zu vollführen, ohne auch nur eine Krankheit zu übertragen.

Die Auflösung gibt es erst, wenn man mich danach fragt, oder ich in Deutschland bin.

Naja, egal, weiter geht’s im Text. Nach dem Rätseln fuhren wir wieder nach Hause, spielten noch ein bisschen Mensch ärgere dich nicht, was richtig Spaß gemacht hat und gingen dann ins Bett.

Der nächste Tag begann etwas hektisch, da ich mit einem unguten Gefühl im Magen aufwachte, aber dann war eigentlich alles gechillt. Wir räumten noch ein bisschen auf und fuhren dann zurück nach Kumasi. Die Fahrt war wieder nervig, aber sie ist jetzt schon wieder vergessen. Zu Hause haben wir dann nur noch gechillt, gegessen und unsere Erfahrungen aufgeschrieben und ausgewertet. Dieses Wochenende werde ich wohl nicht so schnell wieder vergessen!

Und dann hatte uns der Schulalltag wieder. Alles was heute passierte, war, dass ich mit dem Headmaster ein Gespräch hatte und ich ab heute anfangen werde mit Williams Manu lesen zu üben, so wie ich es vorher mit Enock Opoku gemacht hatte, der aber einfach nicht mehr kommt. Vielleicht muss ich ihn einfach dazu zwingen. Aber ich habe heute schon wieder gemerkt, dass das Lesen sehr, sehr anstrengend ist!

Und das ist es, endlich bin ich mit meinem Blog wieder am aktuellen Tag angekommen. Das letzte Mal, dass das der Fall war, schrieben wir das Datum 7.12.2010 und das ist jetzt exakt 2 Monate her.
Vielleicht lerne ich jetzt j aus dem ganzen Stress, dass ich mich zusammenreißen muss. Ich hab dem Ordner mit meinem Blog darin jetzt auch den Namen „reiß dich zusammen“ gegeben und als Icon ein großes orangenes Ausrufezeichen gewählt, wie es sonst immer bei Virennachriten auftaucht. Ich hoffe das hilft!
Damit war es das jetzt erstmal für die nächsten 2 Wochen würde ich sagen. Byebye

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#10

So, endlich bin ich mal wieder da und hab die Lust und Zeit einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Jedoch hab ich diesmal echt Angst davor, denn es ist nun schon über einen Montag her, dass ich das letzte Mal was geschrieben habe… Naja, auf geht’s. Ich habe aufgehört etwas zu schreiben, kurz bevor unsere Examenzeit begonnen hat. In diesem Zeitraum hatte ich auch gar nicht die Möglichkeit auch nur irgendetwas zu schreiben, denn ich musste gefühlte einhundert Examen für jegliche Lehrer abschreiben. Das hat extrem viel Zeit verbraucht. Ich konnte kaum mehr meinen Unterricht vorbereiten und war fast den ganzen Tag in unserem Raum und hab abwechselnd auf den Bildschirm und das Notizheft geschaut. Und wie ich das letzte Mal sicherlich auch geschrieben habe, durfte ich für PK auch noch ein Pamphlet schreiben. Also alles was die Leute so wissen müssen nach 3 Jahren Eletricals… Schon für die eine Hälfte des ersten Teils hab ich locker 8 Stunden gebraucht. Naja, Hauptsache ist doch, dass ich etwas zu tun habe. Kurz vor dem Schreiben der Examen wurde es dann weniger und ich musste nur noch etwa 1,5 Stunden pro Tag schreiben. Am 10.12. fingen die Schüler dann an ihre Examen zu schreiben. Allerdings tangierte uns das wirklich nur peripher, da wir nur uns unseren eigenen Examen aufpassen mussten, sodass wir die ersten Tage der Abschlussexamen ein entspanntes Leben hatten. Am ersten Tag der Examen war auch gleichzeitig Annes letzter Tag in Ghana. Das tolle war, dass sie kurz zuvor herausgefunden hatte, dass sie Malaria hat und somit auf dem letzten Loch gepfiffen hat. An diesem Abend konnte ich sie jedoch nicht nochmal besuchen, da ich, wie so oft in dieser Zeit, Kopfschmerzen hatte. Tja, am nächsten Tag flog Anne dann. Es war ein Samstag und ich glaube, dass ich am Morgen noch ein bisschen Volleyball gespielt habe. Ich glaube das war dann sogar das letzte oder vorletzte Mal ernsthaftes Volleyballspielen im Jahr 2010. Naja, wir warteten dann noch eine ganze Weile, bis Anne uns sagte, dass wir zum Flughafen kommen sollten. Da wir kein teures Taxi für den langen Weg bis zum Flughafen bezahlen wollten (es hätte bestimmt 5 Euro gekostet), entschieden wir uns per Trotro zu fahren, doch das war stressiger als erhofft. Zunächst fuhren wir nach Kwadaso, von da nach Sofoline und ab da sollten wir in ein Trotro zum Flughafen steigen, aber dazu kam es nie. Cornelius wollte einen Ghanaer fragen, wo wir denn ein solches Trotro finden würden. Dieser Ghanaer nahm uns dann aber einfach in seinem großen, teuren, klimatisierten Auto mit. Somit hatten wir eine entspannte Fahrt, während der europäische Musik lief. Es war richtig nice! Der Fahrer Kwasi Appiah stellte sich als in London lebender Ghanaer heraus, der offensichtlich eine Menge Geld zu besitzen schien, denn er bezahlte uns einfach alles und selbst nach Bitten, dass wir gerne irgendwas zurück geben würden, nahm er nur unsere Namen und Emailadressen. Durch diese ganzen Eindrücke war der Weg zum Flughafen auch relativ kurz und plötzlich waren wir da… Aber ich frage mich, ob man das Flughafen nennen darf. Das Flughafengebäude war so groß, wie ein größeres Eigentumshaus. Und das Foyer war gleichzeitig Check-In und Restaurant (das im übrigens absolut überteuert war!). Naja, wir warteten eine Weile auf Sitzen und schauten irgendein Fußballspiel bis Anne dann endlich kam. Das war aber ein eher trauriger Anblick, denn die Gastmutter, mit der sie die letzten 3 Monate verbracht hatte, umarmte sie halbherzig und verließ den Flughafen nach etwa 5 Minuten, also als Anne dann eingecheckt hatte. Dann redeten wir noch eine Weile mit ihr, gaben ihr noch Briefe mit. Sie sah eindeutig noch ziemlich Malaria krank aus, aber sie beteuerte immer wieder, dass sie es locker schaffen würde. Tat sie auch. Zumindest soweit ich das bezeugen kann. Irgendwann kam dann die Zeit, dass sie zum Flugzeug gehen sollte. Das hieß durch einen kurzen Gang aus dem Flughafengebäude hinaus und rein in die warme Luft Ghanas. Dann durften die Passagiere etwa 20 Meter zum Flugzeug laufen und waren verschwunden. Wir warteten noch bis das Flugzeug abgehoben war und dann war auch diese Zeit Vergangenheit. Der Rückweg war eigentlich auch ganz witzig. Zunächst mussten wir dann erstmal vom Flughafengelände weg und hin zum nächsten Kreisverkehr laufen. Dann warteten wir ewig auf ein Trotro, nur um dann ein Taxi nach Sofoline zu nehmen. Danach ging es dann direkt nach Hause. Der nächste Tag war ein Sonntag, da es der letzte Sonntag in der Schulzeit war, gab es einen besonderen Gottesdienst. Also mussten wir den besuchen. Aber wenn ich mich recht erinnere, sind wir glaube ich eine halbe Stunde zu spät gekommen, weswegen es erträglich wurde. Aber es wurden sowieso nur Weihnachtslieder gesungen wodurch es auch halbwegs witzig war. Tja, an den Rest des Tages kann ich mich nicht erinnern. Am 13.12. war dann mein Englischexamen an der Reihe. Ich war gespannt, wie sie wohl abschneiden würden und hatte arge Angst, dass es viel zu einfach geworden sein mag. Aber ich hatte mich (glücklicherweise?) getäuscht. Die beste Zensur war 80 Prozent. Also gerade so eine 1. Nach unten hin war dann ziemlich viel Platz, aber meine Schüler haben außer dem 0-15er Bereich alles halbwegs gleichmäßig abgedeckt. Das ist natürlich nicht so gut, aber nächstes Semester werde ich den Faulenzern versuchen in den Hintern zu treten, sodass ein solches Ergebnis der Vergangenheit angehört. Was an dem ganzen Tag nicht so cool war, war, dass ich gar nicht wusste, dass das Englischexamen schon am Montag geschrieben werden sollte. Ich wachte auf entspannte Art und Weise erst gegen halb acht auf und machte mich für den Tag fertig, dann lief ich ein bisschen draußen rum, um den Schülern bei der Vorbereitung zuzusehen. Da wurde ich plötzlich von einem Lehrer daran erinnert, dass ich doch heute Aufsicht hätte. Ich war komplett perplex und verstand erstmal gar nichts. Doch dann dämmerte es mir. Die Examen begannen ein Tag früher als ich mitbekommen hatte. Naja, im Endeffekt machte es nichts. Ich setzte mich einfach in die Assembly Hall und regelte das. Ich hab 2 Rechtschreibfehler im Examen gehabt. Das ist zwar doof, aber da ich so viel Stress hatte, verzeihe ich mir. Ich wurde interessanter Weise von Anita auch zurechtgestutzt wie es sein kann, dass ich den Schülern nicht beigebracht habe, wie man Worte zählt, denn der zweite Teil des Examens bestand aus zwei Aufsätzen mit mindestens 100 Worten. Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass die Schüler wissen, wie man zählt, aber man wird doch immer wieder überrascht. Naja, den Rest des Tages verbrachte ich dann mit Korrigieren, schaffte aber nur den Multiple Choice Teil. Am nächsten Tag war dann Deutsch angesagt. Das lief ein wenig entspannt, aber die Schüler waren viel zu schnell fertig. Schon nach 30 Minuten, weil wir den Aufsatzteil weg lassen mussten. Tja, die Schüler waren besser in Deutsch als in Englisch, aber noch immer noch nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber an einer Sache hatte ich viel Spaß. Ich hatte nämlich eine Frage in der ich die richtige Antwort zu „Wie geht es dir?“ gesucht habe. Eine der 4 Antwortmöglichkeiten war „Ein roter Elefant.“ Ich war einerseits enttäuscht, aber auch andererseits absolut belustigt, als wirklich einige wenige diese Möglichkeit ankreuzten. Im Nachhinein aber zeigt mir dies, dass es echt welche gab, die absolut überhaupt nicht gelernt haben, denn ich hatte weder Tiere, noch Farben im Unterricht gehabt… Also konnte keiner der Schüler jemals diese Worte an der Tafel oder im Notizheft gelesen haben. Naja, was soll’s, ich korrigierte einige der Arbeiten und begab mich dann mit Mareike auf den Weg nach Kejetia, da wir für unseren Neuankömmling Gregor noch einen Schrank kaufen und Gregor selber abholen wollten. Der Schrank war mit relativ wenigen Problemen verbunden, er war nur etwas teuer. Tja, aber bezahlen mussten wir ihn ja nicht und er war eine dringende Anschaffung, also schauten wir darüber hinweg. Dann war Gregor an der Reihe. Wir liefen Richtung Asafo Market, um dort, wie angemeldet Gregor abzuholen. So wurde es uns zumindest von Sarkodie gesagt. Tja, da warteten wir bis etwa eine Stunde nach seinem angemeldeten Eintreffen. Da wurden wir langsam ungeduldig und schauten uns noch ein wenig weiter um, begannen nachzufragen, versuchten KK anzurufen, aber nichts half auch nur etwas. Deswegen liefen wir zu der Station, an der wir vier damals angekommen waren. Währenddessen versuchten wir immer weiter KK anzurufen, natürlich ohne Erfolg. An der OA Station war Gregor dann auch nicht zu finden. Langsam wurden wir auch etwas grummelig. Es wurde sogar schon dunkel. Dann rief uns irgendwann Gregor an, der durch tausende teure Anrufe nach Deutschland endlich unsere Nummer herausgefunden hatte. Er sagte uns wo er sich aufhielt, also riefen wir ein Taxi und ließen uns dahin fahren. Nur hatten wir die Straße am Telefon falsch verstanden, also wurde aus dem ganzen ein immer größeres Durcheinander. Dann endlich fand Gregor heraus, dass die Station Obuasi Station hieß. Diese kannte der Fahrer und alles war geregelt. Tja, nicht ganz, denn es war ein unglaublicher Stau in Adum. So stieg ich aus und lief schonmal vor zu Gregor, um ihn auf uns vorzubereiten. Da saß er nun, einsam und verlassen. Mit verschnupfter Nase und ganz schon angepisst. Verständlich! Es war schon dunkel geworden und er wartete schon seit 3 Stunden. Ein echt unangenehmer Start. Tja, wir unterhielten uns eine Runde und er konnte seinen ganzen Frust loswerden. Auch in Accra war für ihn einiges schief gelaufen. KK hatte ihn auf traditionell ghanaische Weise um 3 Stunden versetzt und Gregor hatte Glück, dass er von KK noch abgefangen wurde und nicht auf eigene Faust loszog. Und es gab so viele andere Sachen, die in den nächsten Wochen auch langsam aber sicher zum Vorschein kamen. Er war wohl die letzten Monate in Neuseeland gewesen und hatte dort eine extrem gute Zeit. Dann ist er wegen Ghana zurück nach Deutschland geflogen, nur um zu erfahren, dass seine Stelle gestrichen wurde. Natürlich hat er dann den Job an der Schule akzeptiert nur um wenigstens nicht für umsonst zurückgekommen zu sein, denn bezahlt war ja alles. Hier hatte er dann auch relativ wenig zu tun und hatte auch diese ganzen Gedanken im Hinterkopf, weswegen es dann letztendlich dazu kam, dass er hier nicht seinen Zivildienst abschloss, sondern eher seine Pläne für die Zukunft schaffen konnte. Denn dafür hatte er hier viel Zeit, Zeit sich zu besinnen. Und so sollte er uns auch schon wieder am 22.01.2011 verlassen. Was halte ich jetzt von der ganzen Sache? Ich bin hin und her gerissen. Er war in vielerlei Hinsicht so wie ich und in Deutschland hätte es sicherlich ganz gut gepasst. Später, wenn ich wieder zurück bin, werden wir uns sicherlich auch wieder treffen und dann will er mir das Oktoberfest zeigen, denn er kommt aus München und weiß, wie das läuft. Aber er hat wegen seiner Grundeinstellung zum ganzen nie wirklich hier rein gepasst, glaube ich. Er war für Afrika einfach nie richtig bereit. Die vielen Menschen waren zu viel für ihn, die Lautstärke, die Enge, die Hygiene, was und so weiter. Wenn man will kann man die schlechten Seiten Ghanas sehen und unter seinen Umständen verstehe ich, dass er viel mehr von davon gesehen hat, denn es ist für ihn ganz anders gelaufen, als es hätte sollen. Doch genug dazu, es war nicht alles negativ für ihn, das kann man gar nicht sagen, denn wir hatten viel Spaß mit ihm und in den folgenden Wochen waren endlich Ferien, sodass er sogar den Strand Ghanas erleben durfte. Als wir Gregor und seine Unmengen an Gepäck dann endlich ins Taxi verfrachtet hatten, servierten wir ihm auf ghanaische Art und Weise Jolloff Reis. Das schmeckte ihm auch ganz gut. Habe ich erwähnt, dass er angelernter Koch ist? Sicherlich nicht, aber er konnte seine Kochkünste bis jetzt nie richtig beweisen, da gutes Kochen mit viel Geld verbunden ist und das haben wir hier nicht. Aber er mochte den Jolloff Reis und das war doch wenigstens mal etwas in der langen Kette von Missgeschicken am Anfang seines Aufenthalts. Der nächste Tag war dann ganz entspannt, mal abgesehen vom Kontrollieren der Arbeiten, denn da ich Englischlehrer bin, musste ich auch Unmengen von Aufsätzen kontrollieren… das hat wenig Spaß gemacht. Naja, die ersten waren noch ganz interessant, aber da man über ein Hobby schreiben sollte, durfte ich gefühlte 100 Mal lesen wie Fußball funktioniert und wie viel Spaß es doch macht. Wenn die Englischkenntnisse hier etwas besser wären, dann wäre es vielleicht auch interessanter gewesen, aber teilweise wurden Worte ohne Sinn und Zusammenhang zusammengefügt. Es war traurig. Tja, während Ruven und ich noch mit Korrigieren beschäftigt waren, war Cornelius auf einer Art Exkursion mit seiner Klasse, da bei denen in der Grundschule alles schon gegessen war. Aber er verpasste so den Besuch von Abraham und Akosia, zwei Leute der Radiostation. Abraham ist der Manager und Akosia eine Art Sekretärin, glaube ich. Auf jeden Fall haben wir relativ viel mit den zweien zu tun, wenn wir im Radio jede Woche auftreten. Zur Feier des Tages gab es etwas möglichst Deutsches. Am Vortag hatten wir Würstchen und Kartoffeln gekauft und machten somit an diesem besonderen Mittwoch, der übrigens auch Akosias Geburtstag war, Bratkartoffeln und Salat. Anstatt von Speck mussten halt die Wurststückchen herhalten, aber alles in allem war es ganz lecker. Wir unterhielten uns viel über Abrahams Leben und er offenbarte uns, dass er Pläne hatte nach der Uni eine Art Ruheoase aufzubauen. Irgendwo nah an einem Wasserfall mit Bar, ruhiger Musik und Liegeplätzen. Sowas wird in Ghana aber echt gebraucht, denn die Leute, die wirklich den ganzen Tag rotieren, müssen einfach mit Reizen überflutet sein und so eine Oase der Ruhe wäre das was sie gebrauchen könnten. Abraham ist selber so einer, weswegen er auch auf die Idee gekommen war. Da Akosia Geburtstag hatte, schenkten wir ihr zum Nachtisch auch noch eine Toffifee-Torte. Naja, es war eigentlich nur Toffifee, aber egal. Wir steckten einige Kerzen in die Packung und sangen ein deutsches Geburtstagslied. Sie freute sich natürlich riesig! Und verteilte die Toffifees, die sie offensichtlich mehr mochte als die Bratkartoffeln. Hihi. Naja, was dann ein bisschen komisch war, aber vielleicht einfach eine ghanaische Eigenart, war dann das Ende des Festessens. Nachdem das Essen weg war, standen beide auf und sagten, dass sie gehen müssten. Sie gaben noch ein Statement zum Esse ab, in dem sie sagten, wie sie sich freuten und es ihnen geschmeckt hat und dann verließen sie unser bescheidenes Reich. In Deutschland hätte ich das wahrscheinlich als unhöflich aufgefasst, aber hier ist uns diese Art der Verabschiedung schon einige Male aufgefallen. Auch bei Jeff war es damals so. Nachdem das Essen verdrückt war, wurde das Haus fluchtartig verlassen. Wir blieben damals völlig überrumpelt mit nur engsten Verwandten der Familie zurück. Man sieht, wir haben noch viel zu lernen! Der 16.12. war dann der letzte Schultag. Es passierte eigentlich kaum noch etwas. Ich gab die Examen zurück und hatte noch das eine oder andere Gespräch über Zensuren. Ach ja, die Zensuren, das war auch eine witzige Angelegenheit. Das Interessante war, dass Ruven und ich erst am Ende des Semesters gezeigt bekommen haben, welche Art der Zensuren wir aufnehmen sollten. Ich hatte Glück gehabt, weil ich zufälligerweise nur 10 Punkte zu wenig an Punkten in der Klasse aufgenommen hatte. Die gab ich dann extra für jeden und das war auch nötig, um ein halbwegs annehmbares Ergebnis zu erhalten. Aber ich habe gemerkt, dass hier noch ganz schön viel rumgepfuscht wird. Wenn was fehlt, dann soll es wirklich einfach irgendwie gefälscht werden, so dass möglichst überdeckt wird, dass etwas nicht getan wurde. Das wurde mir vom Headmaster gesagt, das muss man sich mal vorstellen! Naja, was soll’s. Diese fragwürdigen Zensuren trugen Ruven und ich dann in die Zeugnisse ein und damit war alles vorbei. Der letzte Schultag war aber sonst eigentlich ganz nett. Alle waren glücklich, weil sie endlich wieder nach Hause fahren durften und ihre Familien wieder sehen konnten. Zwischendurch hatten wir noch unser Abschlussradioprogramm und erzählten von den deutschen Traditionen in dieser Zeit des Jahres, was uns alle, bzw. kann ich für mich selbst sprechen, Deutschland echt vermissen ließ! Am Abend war dann der Abschlussgottesdienst mit Weihnachtstheater und Tanzchoreographien. Es war ganz witzig, besonders, weil man alle Leute nochmal gesehen hat, bevor der Kontakt dann erstmal für eine Weile weg sein sollte. Gleich am nächsten Tag war das Schulgelände halb ausgestorben. Nur noch einige wenige Schüler warteten darauf abgeholt zu werden, oder bis die Sachen getrocknet waren. Aber auch Gregor und Cornelius machten sich auf den Weg. Sie wollten einen Trip in die Voltaregion machen. Die Fahrt bis da rüber sollte wohl so 10 Stunden einnehmen. Naja, hier kann ich ja auch gleich mal erzählen, wie dieser Trip gelaufen ist. Aus dem geplanten Nationalparkaufenthalt wurde dann schnell ein Krankenhausaufenthalt… Sie kamen wie geplant im Dorf an, bloß war Cornelius übel am Zittern. Die beiden sind zunächst davon ausgegangen, dass das an der langen Busfahrt lag, weshalb sie sich nicht zu viel draus machten. Sie fuhren stattdessen mit einem Motorrad zu ihrem Hotel (zwischendurch hatten sie interessanterweise einen kleinen Unfall und kippten einfach um, da sie zu dritt auf einem kleinen Motorrad waren… Tja, zum Glück ist nicht zu viel passiert). Das Hotel war wohl richtig geil, da es sich um eine Art zweistöckige Ferienwohnung handelte, die alles hatte was man sich so wünschen könnte: Küche, Klimaanlage, Platz. Echt bemerkenswert. Aber dann begann alles den Bach runterzugehen. Am nächsten Tag ging es Cornelius richtig schlecht und er entschied sofort ins Krankenhaus zu gehen. Und da stellte sich heraus, dass er Malaria in etwas fortgeschrittener Form hatte. Zu allem Überfluss musste er im Krankenhaus bleiben und keiner der beiden hatte Handyempfang, weswegen Gregor ewig nichts davon wusste, wo Cornelius abgeblieben war. So entschied er sich Cornelius suchen zu gehen und trat den einstündigen Weg in die Stadt an. Dort fand er ihn dann auch glücklicherweise. Gregor checkte die Lage und sah ein, dass Cornelius wohl länger da liegen würde. Am nächsten Tag packte er dann alles zusammen und checkte im Krankenhaus ein, wo er auf einer Matratze zusammen mit Ameisen, Mücken und Kakerlaken auf dem Boden vor Cornelius‘ Bett chillte. Im Krankenhaus sahen sie dann auch noch viel Elend. Ernsthaft Verletzte, um die sich kaum gekümmert wurde, denen nur die wichtigsten Medikamente gegeben wurden. Die Krankenschwestern machten sowieso gegen 22 Uhr Feierabend, weswegen die Nächte sicherlich auch nicht so lustig waren. Sie sollte dort im Krankenhaus bis Mittwoch bleiben, also insgesamt übernachtete Cornelius da 3 Tage. Mit 41.3 Grad Fieber hat er mein Maximum auch souverän überboten. Es muss richtig schlimm gewesen sein. Und Gregor mit seiner sowieso ungeduldigen Grundangepisstheit war da mitten drin. Logisch, dass die beiden sich irgendwann nur noch angifteten, da Gregor nicht richtig eingesehen hat, warum Cornelius nichts unternahm um aus dem Krankenhaus weg zu kommen und Cornelius mit 40 Grad Fieber kein Bock auf gar nichts hatte und sich von Gregor falsch behandelt fühlte. Aber genug davon, bei uns in Denkyemuoso war alles cool. Wir genossen die Zeit, arbeiteten ein bisschen an unserem Sportprojekt und bekamen auch lange Zeit vom Unglück drüben in der Voltaregion wenig mit, da die zwei ja kein Netz hatten. Aber da Gregor dann seine deutsche SIM-Karte benutzte erfuhren wir was los war. Apropos los war. Gregor war dann etwa 150 Euro los, da das telefonieren nach Deutschland und auf unsere Handys gut Geld kostete. 2 Euro pro Minute! Dann begann auch für uns der interessante Teil der Ferien, denn am 20.12. begaben wir restlichen drei Leute uns auf nach Accra. Dafür standen wir natürlich wieder früh auf und nahmen ein Taxi nach Asafo. Dort angekommen begann der Stress. Wie immer redeten gefühlte 100 Leute auf uns ein und wollten wissen wohin wir fahren und was wir wollten. Sie begannen an unseren Gepäckstücken zu ziehen, was uns in unserer Mattheit am Morgen schon ziemlich zusetzte und wir begannen leicht säuerlich auf jede Art von Hilfe zu reagieren. Einer riet uns dann in ein Trotro zu steigen, doch wir dachten, dass es ein preiswerteres und schneller abfahrendes Trotro geben müsste, da das eben gezeigte noch komplett lehr war. Tja, nachdem ich mich noch 5 Minuten von dem Hilfesteller bequatschen ließ, dass wir doch wirklich einsteigen sollten und wir wirklich unverschämt sind, dass wir nicht auf ihn hören und so weiter. Ich war einfach zu fertig um mich dagegen zu wehren. Als dann offensichtlich wurde, dass er recht hatte, war es auch schon zu spät. Mareike und Ruven sprachen mit einem anderen Ghanaer, der aber auch nicht so viel Sinnvolles zu verzapfen schien. Als ich dann zu den beiden aufgeschlossen hatte, war das besagte Trotro schon voll und bereit zur Abfahrt, nach nur etwa 10 Minuten… Aber schnell wurde uns ein neues gezeigt in das wir dann sofort einstiegen. Die Preise waren etwas hoch, aber wir fügten uns, wenn auch mit Widerwillen. So halb angepisst begann also die Fahrt nach Accra. Was das Ganze nicht besser machte, war, dass wir uns wegen den normalerweise viel zu lauten Filmen in die hinterste Reihe des Minibusses gesetzt hatten. Aber da so viel Gepäck unter unsere Sitze geschoben wurde, hatten wir nun kaum Platz. Ich musste 5 Stunden meine Beine in fast der gleichen Position verharren lassen, weil nichts anderes möglich war. Während der Komfort also sehr runter geschraubt war, hatten wir mit den Filmen und dem Sitznachbarn aber mehr Glück. Es liefen zugegebenermaßen schlechte Hollywoodfilme, die aber besser waren als jeder ghanaische Film, in dem in 5 Stunden Zeit nichts wirklich passiert und 50 Prozent der Zeit nur geschrien wird. Der angesprochene Sitznachbar, Ofori, kam aus Accra und wollte seine Familie besuchen. Er besuchte in Kumasi die University of Science and Technology, einer der angesehensten Unis von Ghana. Daraus folgte auch, dass er ziemlich gut Englisch sprechen konnte und einen relativ westliche Einstellung hatte, weswegen ich mich locker 2 Stunden mit ihm unterhalten konnte. Eigentlich wollten wir uns dann in Accra nochmal treffen, aber dazu hatten wir leider keine Zeit und auch bis heute ist es noch nicht dazu gekommen. Naja, ich hab seine Telefonnummer und werde ihn sicherlich bald mal anrufen, um mit ihm und Ruven mal am Wochenende feiern zu gehen. Nun ja, in Accra angekommen trennten sich dann unsere Wege. Ofori nahm ein Taxi zu seiner Familie, Mareike nahm ein Taxi zu ihren Verwandten und Ruven und ich begaben uns auf den Weg zur Straße mit den vielen low budget Hotels. Das hieß, wir liefen einfach los, was auf jeden Fall eine gute Idee war. Zwar waren wir beide halbwegs fertig und hatten eigentlich nicht richtig Bock, aber so konnten wir uns die Innenstadt anschauen. Mit dem Guide in der Tasche verliefen wir uns nur einmal und fanden dann mit freundlicher Hilfe, wenn auch erst beim dritten Versuch unser Ziel, denn zwei der drei befragten Personen gaben uns sicherlich ohne es zu wollen eine falsche Auskunft über unseren Standort… Es gab viele Hotels zur Auswahl und wir entschieden uns für das YMCA, das eine nette Lage hatte und gar nicht weit weg vom Nkrumah Circle in der Mitte Accras ist. Doch zunächst gestaltete sich die ganze Sache etwas problematisch. Wir wollten ein einfaches und vor allem preiswertes Zimmer haben und wurden von einem Angestellten zum Office geführt. Dort warteten wir erstmal eine gefühlte halbe Stunde bis überhaupt mal jemand kam und uns die Tür zu den Sitzgelegenheiten öffnete. Dann warteten wir da nochmal etwa 45 Minuten, um dann letztendlich bedient zu werden. Doch das war wieder alles etwas komisch, denn uns wurde ein Zimmer angeboten, welches 40 kosten sollte. Da wir vorher im Guide gelesen hatten, dass eine Nacht sogar nur 1,30 Cedi kosten konnte, haben wir diese Variante ganz gut gefunden, denn ich bin davon ausgegangen, dass der Angestellte 40.000 meinte, was in der neuen Währung umgerechnet 4 Cedi wäre. Naja, als wir dann bezahlen sollten, hat sich herausgestellt, dass er doch 40 Cedi meinte. Das war uns dann zu viel! Dann verklickerten wir dem guten Mann, dass wir das preiswerteste Zimmer haben wollten und uns Komfort egal war. Also bekamen wir ein Einzelzimmer und kuschelten uns auf 1,20m im Bett zusammen. Der Raum war sonst auch eher klein, aber es war ganz lustig, weil es eigentlich so ziemlich unseren Vorstellungen entsprach. So bezahlten wir auch nur 5 Cedi pro Person und waren nicht unglücklich. Wir ruhten uns noch eine Weile aus und dann gingen wir uns etwas zu essen suchen. Eigentlich wäre mal wieder Fufu an der Reihe gewesen, aber das konnten wir ums Verrecken einfach nicht finden. Stattdessen holten wir uns leckeren Reis, der nach der langen Fahrt echt eine Erlösung war. Dabei kamen wir dann auch schnell in das eine oder andere Gespräch mit Ghanaern, die sich sehr über unsere kläglichen Twi-Kenntnisse freuten. Danach gingen wir wieder zurück ins Zimmer und chillten für die eine oder andere halbe Stunde. Nun waren wir ausgeruht und satt, also bereit für das Nachtleben Accras… Am heutigen Tag waren wir aber doch noch in Relax-Laune, also zogen ich die, während der letzten Tage in Kumasi erworbene bunte Chiller-Hose an, dazu kam dann ein schönes, langes Bob Marley T-Shirt und Ruvens Anglerhut. Ich sah aus, wie nie in meinem Leben. Das widersprach allem, was ich je in Deutschland verkörpert habe oder verkörpern wollte. Naja, dann ging es los. Wir hatten einen Club als Ziel auserkoren, aber da sind wir dann nie angekommen, weil wir ihn nicht gefunden hatten. Stattdessen, als wir so die Straßen entlang schlenderten, wurde Ruven auf einige Lichter aufmerksam, die da auf einem Häuserdach leuchteten. Nach einigem Herumfragen, stellten sich diese Lichter als Dekoration einer Bar namens „Rooftop“. Diese wollten wir natürlich sofort sehen und somit stiegen wir die 4 Etagen nach oben auf das Dach. Wir entspannten bei einer Aussicht, die nicht schön war, aber durch welche wir wenigstens mal Accra von oben sehen konnten. Na gut, aus dem Flieger konnten wir Accra damals auch von oben sehen, aber das zählt nicht! 😀 Tja, wir gönnten uns jeweils ein kühles Bier und quatschten ein wenig. Dann wollten wir aber doch weiter und noch etwas sehen. Also bezahlten wir und liefen in Richtung Nkrumah Circle. Dort schlug der Puls. Es waren noch hunderte von Menschen unterwegs, einige davon waren offensichtlich high auf irgendwelchen Drogen. Einer redete uns auch an und machte in allem, was er sagte einfach keinen Sinn. Es war schon ein wenig beängstigend, aber wir konnten uns glücklicherweise schnell von ihm loseisen. Wir schauten uns die Clubs an, aber da Montag war, hatte nichts offen. Aber eines viel uns auf. Hier waren die Frauen doch anders gekleidet als in Kumasi und am Tage. In Deutschland hätte man sicherlich gesagt schick bis sexy. Aber wie wir später herausfinden sollten, handelte es sich um nahezu 100 Prozent Prostituierte. Aber am ersten Tag wussten wir das nicht, sondern schauten den Mädels einfach nur hinterher und bewerteten. (Sorry Josi ;D) Was man halt so in unserem Alter in einer fremden Stadt mit ein wenig Alkohol im Blut macht. Es war auf jeden Fall lustig und wir hatten viel zu lachen. Jedoch krass waren all die Zigaretten, die hier geraucht wurden! Das waren wir gar nicht mehr gewohnt, weil in Kumasi wirklich keiner auch nur Zigaretten erwähnte. Naja, nach dem ganzen Spaß liefen wir wieder nach Hause und genossen den wohltuenden Schlaf. Der nächste Tag sollte ein Tag der Taten werden. Wir standen zwar erst um 8 oder 9 auf, aber dann holten wir sofort etwas zu essen und zu trinken (Bofrot und Wasser, was sehr lecker war!) geholt. Etwa eine Stunde später brachen wir dann auf, um Accra zu erforschen. Wieder waren wir, bzw. war ich zu geizig Geld für irgendwelche Taxis auszugeben und wir gaben uns den entspannten 30 Minuten Weg zum Strand runter, für den wir mit dem Taxi sicherlich nicht viel weniger Zeit verbraucht hätten, da in diesem Teil Accras echt ein unangenehmer Verkehr herrscht. Tja, uns liefen einige Leute über den Weg und wollten mit uns sprechen. Ich erinnere mich sogar an Hassan, der wollte, dass wir seinen Shop besuchen kommen sollten, was wir dann aber nie taten. Tja, er hat uns sicherlich sowieso, wie die meisten Leute hier in Accra als Geldquelle gesehen und nicht als „Adamfuo“ (Freund). Bald kamen wir dann zu unserem ersten Ziel des Tages: das Art Center. Da gab es wirklich alles Mögliche an Souvenirs, was man sich als Europäer aus Afrika wünschen könnte. Von Schmuck, über kleine Sinnlosigkeiten bis hin zu Trommeln. Aber man hat nie wirklich Spaß an all dem entwickeln können, da einem die Shopbesitzter ohne Ende auf die Nerven gingen. Sie wollten einem jeden möglichen Scheiß andrehen und selbst wenn man sagte, dass man kein Geld oder kein Bock auf kaufen hat, ließen sie einen nicht in Ruhe. Sicherlich hätten wir etwas gekauft, wenn sie uns nicht die ganze Zeit im Nacken gehangen hätten und alles und jedes Kleinod kommentiert hätten. Bei einem Shop hatten wir dann doch etwas mehr Spaß, weil sie nach der auf die Nerven geh Tour erstmal Trommeln auspackten und uns ordentlich was vormachten. Das war ziemlich geil! Aber dann zogen wir weiter, denn eigentlich waren wir nur zum Art Center gegangen, weil Ruven eine bunte Hose, wie ich sie habe, brauchte. Irgendwann stießen wir auf die Textilabteilung des Marktes. Diese war gute 200 Quadratmeter groß. Ich hatte es dann zunächst ganz gut, weil ich jedem nervigen Verkäufer sagen konnte, dass nur Ruven etwas kaufen wollte. So konnte ich mich relativ entspannt umsehen, während Ruven von 5 bis 6 verkaufswütigen Ghanaern umlagert wurde und nur so mit Freundschaftspreisen beworfen wurde. Vor lauter Freundschaft wusste Ruven gar nicht mehr ein und aus. Aber irgendwann fand er dann eine schöne Hose, nachdem er den Leuten um sich lang und breit erklärt hatte, dass er wirklich kein Fußballtrikot brauche. Ich hatte meine Hose damals für 17 Cedi gekauft und 10 bis 15 sind die Hosen wirklich wert. Das erste Angebot, das Ruven für die Hose bekam, war ein super Freundschaftspreis. Da es wirklich guter Stoff war, wie die Verkäufer sagten (war es nicht), musste Ruven auch nur 80 Cedi bezahlen. Das war so absurd, dass wir einfach nur lachen konnten. Für ein solches Angebot hätte man den Verkäufer eigentlich nur stehen lassen sollen und aus Prinzip nicht kaufen dürfen. Aber Ruven gefiel die Hose sehr gut, deswegen blieb er eisern und bekam sie dann für 20 Cedi. Immer noch zu viel, aber was sind schon diese 3-4 Euro, die man hätte einsparen können. Die Ghanaer können damit sowieso mehr anfangen als wir. Nach diesem Erfolg mussten wir aber endlich raus aus dem ganzen Gewusel, weg von den ungnädigen Verkäufern, die einen einfach nicht gehen lassen wollten und immer noch ein „Obruni“ auf Lager hatten. Da wir wussten, dass wir nicht weit vom Strand weg waren, wollten wir uns den berüchtigten Accraer Strand auch mal anschauen. Nachdem wir ihn dann gefunden hatten und natürlich wieder ein Verkäufer an uns dran hing und uns trotz der einhundertsten Ablehnung seine Sachen zeigen wollte, sahen wir den Grund für den Fakt, dass der Strand hier berüchtigt ist. Riesige Müllberge türmten sich vor uns auf in Seen voller Urin und bestückt mit kleinen Inseln aus Exkrementen. Weder Augen noch unsere Nasen konnten dem Panorama stand halten. Aber wir bahnten uns unseren Weg, weil wir doch das Wasser sehen wollten. Wir schossen Bilder davon und gingen schnell wieder zurück. Natürlich nicht ohne den Laden unseres Begleiters gesehen zu haben und unsere Anerkennung zum Verständnis gebracht hatten. Dann merkte Ruven, dass sein Hut weg war, was noch eine Runde Stress bedeutete, aber nach 15-minütiger Rückverfolgung unseres Weges fanden wir ihn dann wieder an einem der Stände. Dann hatte Ruven Lust sich die Haare schneiden zu lassen. Von relativ lang auf einen Milimeterschnitt. Das war dann erstmal schon eine krasse Veränderung, aber jetzt nach einem Monat ist es ganz normal geworden. Mit dem Haarschnitt beendeten wir dann den Besuch des Art Centers und begaben uns zu ruhigeren Gefilden. Wir wollten das Nkrumah Memorial bestaunen (Dr. Kwame Nkrumah ist eine Art Volksheld, der damals zusammen mit den anderen 5 der „Big Six“ Ghana vereinen konnte und für die Gründung eines westafrikanischen Staatenbundes eintrat, das aber nicht durchbringen konnte). Aber irgendwie konnte man da an diesem Tag nicht hin, also ließen wir den Rundgang durch den Park bleiben und schauten uns das ganze einfach über den ein Meter hohen Zaun hinweg an. Das Memorial besteht eigentlich nur aus einem riesigen Klotz mit Nkrumah davor. Es ist nicht besonders schön, aber dafür ein Wahrzeichen Ghanas, also sollte man es wohl gesehen haben. Nachdem wir also auch das hinter uns gebracht hatten, erreichte uns eine Nachricht von Mareike, in der sie uns mitteilte, dass sie heute Plätzchen machen würde, sie aber davor zur Accra Mall fahren würden, um da einzukaufen. Eigentlich wollten wir uns darin treffen, aber Ruven und mir war es zu stressig dahin zu finden, schon nur weil wir vorher noch duschen wollten und dafür erstmal zurück nach Hause hätten laufen müssen. Also schauten wir uns noch ein wenig mehr die Stadt an. Wir befanden uns in der Nähe von Volu, der ehemaligen Arbeitsstelle von Jonas dem fünften Volunteer, der mit uns nach Ghana gekommen ist. Ich hatte mir unter Volu etwas Größeres vorgestellt, also nur ein Gefüge aus Trailers, aber das war es dann nun mal. Einfach ein großer Bungalow. Wir sprachen dann eine Weile mit dem Chef, der uns stolz sein Volu verkaufte, aber da der ganze Hintergrund mit dem Deutsch Ghanaischen Freundschaftskreis vorhanden war, klang alles irgendwie anklagend. Das war ein bisschen komisch, weswegen wir dann auch bald wieder gegangen sind. Gesehen hatten wir aber, was wir wollten, nämlich wo und wie Jonas gelebt hatte. Der Standort selbst war eigentlich ziemlich cool muss ich sagen, denn er hatte alles Wichtige um sich herum. Geklappt hatte es dann ja aber doch nicht, also wie auch immer. Nach diesem Besuch liefen wir dann wieder nach Hause zum YMCA. Auf dem Weg liefen wir durch einige Märkte und hatten das absolute Gewusel um uns herum. Zu Hause sind wir dann auch beide wieder eingepennt, wodurch wir dann auch die Zeit total vergessen haben und uns erst viel zu spät nach Dzorwulu, dem Heimatviertel von Mareikes Verwandten, aufmachten. Der Weg dahin war auch nicht ganz ereignislos, denn ein kleiner iranisch oder pakistanisch aussehender Junge überfiel mich auf dem Nkrumah Circle. Das heißt er kam zu mir und hielt meine Hand, was wir ja eigentlich schon gewohnt waren von den einheimischen Kindern. Allerdings wollen die einen weißen einfach nur berühren, weil es für sie ungewohnt ist. Tja, der kleine Junge hatte aber eine andere Strategie, denn er zeigte mir schnell, dass er Essen oder Geld wollte. Ich sagte ihm „Nein“ auf allen möglichen Sprachen, die mir so einfielen, aber er ließ sich davon nicht beeindrucken und begann meinen Arm immer heftiger zu umschlingen und mich nicht mehr loszulassen. Auch der Gesichtsausdruck wurde immer trauriger und gepeinigter. Ich wusste nicht mehr was ich denken sollte. Dann schüttelte ich ihn ab und er klammerte sich mit all seiner begrenzten Kraft an meinen Körper. Es war so verrückt und absurd. Dann kam die Erlösung als ein Autofahrer den Jungen anschrie, dass er weggehen soll. Ich denke nicht, dass der Junge irgendwas verstanden hatte, aber die Verachtung, die der Autofahrer dem Jungen entgegen brachte war so immens, dass er abhaute. Hätte der Junge das Spiel noch 5 Minuten länger getrieben, dann hätte er sicherlich gewonnen. Denn alles was er da durchgezogen hatte war eine Masche. Und sicherlich kann man damit reiche, weiße Frauen beeindrucken und auch ordentlich was abstauben, weswegen der Junge das auch niemals lassen wird. Es ist so traurig, aber was soll man machen? Ich versuchte diese ganze Sache einfach nur zu vergessen und zu verarbeiten. Naja, danach gingen wir zur Trotro Station am Circle und versuchten ein Gefährt zu bekommen, aber Glück hatten wir nicht so richtig, weswegen wir dann bald ein Taxi riefen und fuhren für teures Geld nach Dzorwulu. Wir stiegen an einer Kreuzung unweit von unserem Ziel entfernt aus. Ab da wusste Ruven weiter, da er ja schon mal hier in Accra gewesen war. Doch bevor wir uns wirklich auf den Weg machen konnten, sprang neben uns auf der Straße ein Taxi nicht mehr an und wir halfen ihm von der Straße zu kommen. Das hieß wir schoben es quer über die Kreuzung und stellten es dann irgendwo ab, wofür wir viel Dank ernteten. Es ist doch immer wieder cool Leuten auf so eine einfache Art eine solche Freude bereiten zu können! Naja, bald darauf waren wir dann vor dem ummauerten Haus. Ein Pförtner öffnete uns und ein Hund bellte uns an. Tja, wir sagten dem Pförtner, dass wir zu Mareike wollten und wir wurden eingelassen. Drin im großen Haus backten wir dann Plätzchen zusammen mit Mareike und ihrer Cousine. Es war witzig sowas nach Ewigkeiten mal wieder in einem fremden Land zu machen. Aber wir hatten unseren Spaß und begutachteten zwischendurch die Wohnanlage. Man kann sich das so vorstellen: die Hälfte des Grundstücks war Garten und in der Mitte dieses mit Palmen und allem möglichen afrikanischen Gewächs bestückten Geländes stand das einstöckige Haus. Es war geschmackvoll eingerichtet und was mich wirklich beeindruckte, war ein Atrium in der Mitte des Hauses mit einem extra Garten auf den man von jedem Zimmer aus durch Glaswände schauen konnte. Die Verwandten beschäftigten etwa 5 bis 6 Angestellte, die sich dann um die Instandhaltung all dieses Luxus kümmerten. Jetzt denkt man sicherlich, krass, die sind echt reich, aber so heftig ist das wohl nicht. Man muss sich das einfach nur mal vorstellen. Beide Elternteile arbeiteten für einen guten deutschen Gehalt. Das heißt, dass sie zusammen vielleicht 4000 Euro pro Monat haben. Das wären 8000 Cedi. Jetzt muss man wissen, dass wir Freiwilligen schon ein gutes Leben mit 300 Cedi pro Monat haben. Die Einheimischen die wir kennen, schaffen es mit 150 bis 200 Cedi über Wasser zu bleiben. Und ein Großteil der Ghanaer lebt von weniger als 1,50 Euro pro Tag. Schon krass, aber so ist das Leben. Tja, später kamen dann auch der Onkel und die Tante von Mareike nach Hause. Man könnte sich jetzt vorstellen, dass die beiden irgendwie abgehoben sein könnten, aber beide waren absolut auf dem Boden geblieben. Es hat Spaß gemacht sich mit ihnen zu unterhalten und beide verstanden Spaß. Als dann das Plätzchenbacken vorbei war und es auch schon relativ spät war, wollte Ruven und ich nach Hause. Da der Rest der Familie noch was einkaufen fahren wollte, nahmen sie uns bis zu nächsten Trotro Station mit. Mit dem zugegebenermaßen ziemlich teuren Trotro (für Ruven und mich zusammen 35 Cent) begaben wir uns dann nach Hause. Wir ruhten uns wieder kurz aus und gingen dann wieder den gleichen Weg wie gestern. Erstmal zum Rooftop und dann zum Nkrumah Circle. Dort angekommen, wollte wir uns in die Bar setzten aber es war kein Tisch mehr frei. Von einem Kellner wurde uns dann ein Tisch angeboten, an dem schon eine Frau saß. Der Kellner verließ uns mit den Worten: redet mal mit ihr, da habt ihr bestimmt Spaß. Hm, das war schon irgendwie ein komischer Kommentar, aber wir dachten uns nichts in unserer jugendlichen Naivität. Nachdem die Nettigkeiten von wegen „Wie geht’s?“ und so ausgetauscht waren, stellte ich die Frage, was sie so mache. Die Antwort war einfach nur episch. Ich habe diese Gesichte schon hunderttausend Mal erzählt, aber sie lässt mich nicht los. Es war einfach zu absurd. Sie sagte: „I’m looking for customers“ also „Ich suche nach Kunden“. Das war ganz schön direkt. Ich hatte mir noch gedacht, okay, sie will sicherlich nur irgendwas verkaufen, aber ich habe mich innerlich dagegen gewehrt, dass sie selbst das Produkt war. Naja, es hatte mir zunächst zu Sprache verschlagen und die nächsten paar Minuten wurde nicht mehr gesprochen. Dann begannen wir uns aber doch wieder zu unterhalten. Sie hieß Rebecca und kam aus der Côte d’Ivoire. Das interessierte uns dann doch wieder etwas und so unterhielten wir uns lange Zeit über das Land und die politische Situation. Ich habe leider das meiste vergessen, aber ich weiß noch, dass ich überrascht war, dass man sich über sowas mit einer Prostituierten unterhalten könnte. Wir erfuhren aber, dass die Leute in der Elfenbeinküste richtig gut Französisch sprechen konnten, da durch die Okkupation von Frankreich ein System eingeführt wurde, in dem die Franzosen kleine Landsmänner aus den afrikanischen Einwohnern machen wollten und somit aktiv in das Schulsystem eingriffen. Später erzählte mir eine andere Freiwillige, dass sie einen Kollegen hatte, der auf Mauritius die Auswirkungen der Aktionen der Franzosen auf Mauritius untersuchte. Und der hatte wohl gesagt, dass in jedem Schulbuch auf der kleinen Insel stand: Die Gallier unsere Vorfahren. Ich frage mich, was bei sowas die beste Reaktion ist. Lach- oder Schreikrampf? Was haben sich die Leute nur gedacht, die diese Bücher schreiben? Was denken sich die Lehrer die jeden Tag mit diesem Arbeitsmittel arbeiten müssen und was denkt sich ein Bildungsminister? Naja, zu viele Europäer sind einfach viel zu arrogant in ihrer ganzen Art, wenn sie den afrikanischen Kontinent besuchen. Aber nichts anderes wird einem in Deutschland unterrichtet. Dass man den armen Afrikaner aus seiner schlimmen Lage befreien soll. Das ist auch richtig, aber sicherlich nicht so! Ich schreibe dies, weil ich mich in den letzten Wochen oft mit diesem Thema beschäftigt habe. In der Green Turtle Lodge haben wir meistens solche Themen besprochen, wenn wir mit anderen geredet haben, wobei man die anderen deutschen Volunteers aber fast alle vergessen konnte, da die meisten offensichtlich nie wirklich über sowas nachdachten oder nachdenken wollten. Aber zu der ganzen Green Turtle Lodge Thematik später! Wieder hin zum Thema: in Deutschland wird uns immer erzählt wie wichtig Entwicklungshilfe ist und dass man die kleinen, sterbenden Kinder nur durch Spenden retten kann. Das Problem ist nur, dass ein Großteil der Spenden an die Organisationen geht, dass sie sich weiterhin finanzieren können. Und wenn dann das Geld da ist, wird es meistens nicht für die richtigen Sachen eingesetzt. Es ist ein heikles Thema und sicherlich betrachte ich das Ganze nicht umfangreich genug, aber fast jeder Freiwillige hier sieht, was wir mit Afrika angestellt haben. Wir haben versucht eine Demokratie einzurichten, die hier einfach nicht richtig funktioniert, weil das Denken noch ganz anders ist. In Europa haben sich die Leute selbst für das Entschieden, was sie erschaffen haben. Den Afrikanern wird all das nur aufgezwungen. So kommt es dann halt auch, dass sich Präsidenten erst selbst das Geld in die Tasche stecken, weil das sich hier Tradition hatte. Denn wenn ein Mensch hier drüben Stammesoberhaupt wurde, dann ging die Hälfte des Geldes an ihn. Natürlich durften die Menschen nicht zu sehr leiden, aber letztendlich brauchte ein Chief nach einer Amtszeit nie wieder Arbeiten, da er sich selbst und anderen so viel Geld in die Tasche gespielt hat, dass es einfach nicht mehr nötig ist. Natürlich klingt das für das europäische Gehör einfach nicht richtig, aber hier ist es normal gewesen und die Einwohner haben es auch akzeptiert. Jetzt wird es nicht mehr wirklich akzeptiert, aber es gibt halt trotzdem noch Männer, die ihre Machtposition ausnutzen. Dabei muss man einfach nur an die Polizei denken, die sich hier fast alles erlauben kann, wenn sie es nur gut genug versteckt, was kein zu großes Problem ist. Aber jetzt habe ich genug darüber geschrieben. Wieder zurück zu Rebecca und ihrer Geschichte. Ihr Hauptverdienst war nicht die Prostitution, natürlich nicht, wenn man pro Service nur 25 Cent bis 2 Euro bekommt. Nein ihr Hauptberuf war Taschen in Ghana zu kaufen und nach Ivorycoast zu exportieren und dort für das Doppelte zu verkaufen. Aber da die Lage da drüben nicht so rosig ist, wollte sie nicht zurück. Sowieso heute weiß ich, dass schon viele Einwohner nach Ghana geflüchtet sind und der Bürgerkrieg wohl kurz bevor steht. Und das in einem Land in welches ich mit dem Bus in 10 Stunden reisen könnte, ein Land das direkt neben meinem Aufenthaltsland liegt. Es ist kaum vorstellbar. Naja im Verlaufe des Abends kam ein Mensch vorbei, der offensichtlich ziemlich betrunken war und glücklich Weiße zu sehen, also spendierte er unserem Tisch noch eine Runde, weswegen wir an diesem Abend dann wieder echt viel tranken. Rebecca kam so auch halbwegs auf ihre Kosten, da wir ihr erst ein Malzbier ausgaben, denn sie mochte Alkohol nicht, und dann noch eins auf Kosten des „London-Manns“ ging, wie sie unseren Wohltäter betitelte. Er arbeite wohl in London und habe somit einfach zu viel Geld, wenn er nach Ghana kommt. Deswegen führen sich dann manche Ghanaer wie Könige auf. Uns war es recht! Somit ging der Abend auch zu Ende. Sie bot uns noch einige ihrer Kolleginnen an, als wir ihnen unbewusst hinterher schauten. Ich glaube sie war dann ein wenig enttäuscht, als wir ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen wollten und sie nicht mit auf unser Hotel einluden. Naja, aber wir werden sie immer in unserem Herzen tragen, denn sie war eindeutig die netteste Prostituierte, der ich je begegnet bin! Auf dem Rückweg erzählte ich Ruven immer wieder wie krass ich es fand, dass wir eine solche Erfahrung gemacht haben, aber meine Freude hatte dann schnell ein Ende, als wir zu Hause waren. Am Vorabend waren wir auch schon zu spät zurück gekommen und kletterten nach wiederholten Klopfversuchen über das Tor des YMCA’s. Dafür wurden wir dann auch sofort angemacht, was wir uns denn erlaubten, dass um 11 Uhr das Tor geschlossen wird, bla bla. Wir sagten auf diplomatische Art und Weise, dass wir davon nichts wussten, doch er sagte nur, dass wir hätten nachfragen sollen. Das machte mich dann doch ein bisschen wütend, denn wie hätten wir eine Frage stellen sollen, von der wir nicht mal wussten, dass sie existiert. Naja, was soll’s. Ich hielt meinen Mund, nickte und ging ins Bett. Aber am nächsten Abend kamen wir noch später nach Hause. Wir klopften und wollten wirklich keinen Ärger, aber es kam einfach niemand, also suchten wir uns eine unbeobachtete Stelle an der einfach bekletterbaren Mauer um das Gelände und kamen doch zum Schlafen. Am nächsten Tag nahmen wir uns dann vor mal in der deutschen Botschaft wegen unserem Plan nach Togo zu fahren nachzufragen und abzuchecken, was man dafür so braucht und was man bezahlen muss. Die Botschaften waren im Viertel direkt neben uns und wir mussten nur 30 Minuten laufen um dahin zu kommen. Aber es war ziemlich ernüchternd. Es war irgendwie cool so durch die Gegend zu laufen und sich alles anzugucken anstatt mit dem Taxi in Windeseile an allem vorbei zu rauschen. Aber erreicht haben wir nichts. Alles was wir erfuhren war, dass wir ein Multiple Entry Visum für Ghana brauchten, um wieder zurück zu kommen und wir brauchten natürlich ein Visum für Togo selbst. Wie viel das alles kosten sollte, fanden wir aber nicht heraus. Also gaben wir auf und einigten uns darauf einfach KK zu fragen, was man da machen könnte, da er sowieso den ganzen Visumskram für uns erledigt. Nach dieser Pleite wollten wir dann aber in Richtung Dzorwulu, denn am Vorabend wurde uns gesagt, dass wir zu einem Grillabend eingeladen waren. EINEM GRILLABEND in GHANA!!! Das war einfach zu geil, deswegen wollten wir keine Zeit verlieren und so viel wie möglich davon auskosten. Davor wollten wir aber noch in ein Internetcafe gehen und besuchten ein riesiges Gebäude mit ungelogen 50 Computern. Das Internet war teuer und langsam und man konnte nicht viel machen, naja, zum chatten hat es gereicht! Diesmal konnten wir ein Trotro Richtung Dzorwulu bekommen, allerdings mussten wir einmal umsteigen. Das war alles ein wenig verwirrend, weil wir an Orte geschickt wurden, die wir vorher nie gesehen hatten. Ich fühlte mich zwischendurch auch nicht ganz sicher, aber letztendlich wurde wieder bewiesen, dass die Ghanaer echt ein korrektes Völkchen sind und uns den richtigen Weg geleitet haben. Bei den Verwandten von Mareike bereiteten wir dann Salate vor, wendeten das Fleisch in der Marinade und machten den Tisch im Garten bereit. Bevor es dann wirklich los gehen sollte, gingen wir noch in den Pool und entspannten uns ein wenig. Beim diesen ganzen Aktivitäten kamen wir ins Gespräch mit den Leuten und wir fanden heraus, was der Onkel von Mareike, Volker mit Namen, tat: er half ghanaischen Einrichtungen sich selbst zu organisieren und versorgte Ghana somit nicht mit Geld, sondern mit Lösungsansätzen. Aber er wusste selbst nicht, ob es so hilfreich ist, was er da tat, denn seiner Meinung nach sollten die afrikanischen Staaten selbst herausfinden, was gut und was schlecht für sie sei. So wie es in Europa auch passiert ist. Von einer Person, ich weiß nicht mehr welcher, habe ich sogar mal die Meinung gehört, dass man die Afrikaner einfach wieder komplett alleine lassen sollte, ohne Hilfe und ohne Geldzuschüsse aus der westlichen Welt. So würden sie vielleicht selbst Ideen entwickeln, denn wer sagt, dass in Afrika keine funktionierende, moderne (wobei hier wieder die Frage ist, wie man „modern“ definiert) Gesellschaft entstehen könne. Durch die heutige Situation wird zumindest Ghana mit endlos vielen Schrottprodukten aus der westlichen Welt geflutet, sodass sich hier einfach keine Produktionsstätten lohnen, da das 10 Jahre alte Auto aus Europa um ein vielfaches preiswerter ist, als das in Ghana hergestellte welche. Außerdem gehen die Autos sowieso innerhalb weniger Monate kaputt. Ich hab erst wenige Luxusautos ohne Kratzer gesehen. Ich drifte schon wieder in diese ganze Entwicklungshilfekritik ab. Doch ich muss sagen, es interessiert mich doch sehr. Naja, Volker erzählte auch andere Geschichten auf mein Drängen hin. Einmal wurde seine Familie nämlich auf dem Grundstück überfallen. Der Wärter wurde gefesselt und geknebelt und danach wurde unter das Haus unter Beschuss genommen und Geld gefordert. Volker war geistesanwesend genug nicht die Hände zu erheben und rauszukommen, sondern verbarrikadierte sich und seine Familie. Er versuchte die Polizei anzurufen und als er endlich durchgekommen war, sagten die ihm, dass keine Einheit verfügbar sei. Er blieb in Kontakt mit ihnen und als dann ein paar Männer zur Verfügung standen, passierte immer noch nichts, da kein Auto verfügbar war. Also musste er einen Taxifahrer mobilisieren und das zur Polizei schicken, um ein paar Polizisten abzuholen. Während der Zeit regelten aber die Nachbarn schon ein wenig und packten ihre Schusswaffen aus und als die Polizei dann da war, konnten sie nur noch ein Protokoll von allem machen. Die Kriminellen aber waren abgehauen, wurden aber einen Monat später geschnappt. Naja, die andere Geschichte war dann wirklich heftig. Es war in der Zeit als er im Kongo gearbeitet hatte. Noch ohne seine Familie vor Ort. Im Kongo geht es ja bekanntlich heiß her und er musste damals evakuiert werden, weil es einfach zu heftig wurde. Eines Tages jedenfalls arbeitete er einfach irgendwo zu Hause und ein betrunkener Soldat kam zur Tür herein und war drauf und dran ihn einfach umzulegen. Lange Zeit hatte er einen Lauf am Schädel. Er konnte sich noch gut erinnern, wie unangenehm kalt dieser Lauf war. Er setzte alles an Überredungskunst ein, was er hatte und der Soldat ließ ihn laufen. Wenig später hörte er im Nachbarhaus einige Schüsse und erfuhr später, dass der betrunkene Soldat 3 Belgier umgebracht hatte. Die Geschichten waren einfach zu hart. Und damit meine ich nicht das was passiert ist, sondern wie er es erzählt hat. Man merkte ihm Therapie und die nie verheilende Narbe in der Seele an. Die Augen sprachen Bände. In Büchern steht sowas oft geschrieben, aber es ist wahr. Er stand dem Tod echt direkt gegenüber und konnte mehr als einmal ausweichen. Naja, die Geschichten wurden eigentlich nicht im Pool oder so erzählt, sondern erst am nächsten Tag, als er uns zurück zum YMCA fuhr, aber es passte irgendwie rein. Wow, jetzt bin ich selbst ein wenig von den Geschichten geschockt. Aber ich will mal fortfahren… Nach dem Pool pressten wir noch frischen Zitronensaft und machten jetzt auch den Grill fit. Langsam kamen dann auch die Leute. Insgesamt waren wir dann zwei Familien mit 2 Kindern und wir 3 Freiwilligen. Auf das Essen will ich eigentlich gar nicht groß eingehen, denn das würde mich nur in Sehnsucht zergehen lassen, aber so viel sei gesagt: es war echt lecker und ich aß unverschämt viel von allem. Ich traute mich sogar an Oliven heran und liebte den Geschmack auch Shrimps ließ ich mir schmecken! Dazu gab es dann auch unterschiedliche Biersorten und alles Mögliche an Softdrinks. Die Gespräche waren dann auch sehr interessant. Der Vater der anderen Familie war offensichtlich der Geldbringer. Er war auch ziemlich von sich eingenommen und hatte viel zu erzählen. Er war alles andere als auf dem Boden geblieben! Und er hatte auch offensichtlich noch mehr Geld als Volkers Familie, was er gerne zeigte. Ich weiß nicht mehr genau was er arbeitete, aber er war wohl für die Bildung in Ghana, Burkina, Togo, Benin und Elfenbeinküste zuständig. Als wir ihm sagten, dass dort die Leute geschlagen werden, war er ganz erstaunt und wollte sich dieses Problems mal annehmen. Das war ja nett von ihm, aber klang nach einer zu großen Nummer! Kein Mensch kann sowas in 5 Jahren Aufenthalt hier drüben regeln, aber soll er mal nur. Wäre auf jeden Fall eine große Hilfe für Ghana. Dann haben wir herausgefunden, dass er für 8 Jahre Botschafter in Tunesien war. Das fand ich dann auch gleich wieder interessant und ließ seine beiden Kinder (beide 20 Jahre) erzählen, wie das für sie war. Denn alle der anderen Jugendlichen waren auf einer Internationalen Schule gewesen. Und waren somit absolut zweisprachig aufgewachsen. Aber sie waren auch irgendwie anders. Jeder der 4 hatte eine sehr enge Beziehung zu seinen Eltern. Also wirklich eng und vertraut! Naja, alle waren im Denken in vielerlei Hinsicht schon weiter hatte ich das Gefühl, aber sie waren auch irgendwie anders als wir. Ich fand es sehr interessant mit ihnen zu reden, schon nur weil sie so viel erlebt hatten, aber keiner von ihnen hatte wirklich ein Zuhause. Weder Ghana, noch Deutschland. Zwar kannten sie beides, aber nichts wirklich. Dafür wussten sie viel mehr was in der ganzen Welt abgeht, da sie mit jeder Art von Nationalität in der Schule zu tun hatten. So wussten sie was gerade in den Charts in China ist, oder so. Ich habe lange überlegt, ob man sie für das alles beneiden oder bemitleiden sollte und ob ich das auch gerne erlebt hätte. Aber eine Antwort habe ich immer noch nicht wirklich gefunden… Was soll’s. Es war ein wirklich netter Abend und als dann der Nachtisch vernichtet und alle gegangen waren, durften wir sogar bei Mareikes Verwandten schlafen, weil der Nachhauseweg unangenehm und teuer geworden wäre. Während wir so unseren Spaß in Dzorwulu hatten, schlugen sich Gregor und Cornelius zu uns nach Accra durch und kamen am Abend auch im YMCA an. Am nächsten Tag gingen wir dann zu den beiden rüber, die sich die 40 Cedi Variante haben andrehen lassen. In deren netten und großen Zimmer mit Balkon tauschten wir dann unsere Geschichten aus. Dann machten wir uns so schnell wie möglich auf nach Tamale und damit zu Green Turtle Lodge. Die Reise war relativ entspannt, aber Cornelius war immer noch am Ende und sah die ganze Zeit aus, als ob er in jedem Moment umkippen würde. Gregor erzählte mir dann wie ihn diese ganze Krankheit von Cornelius ankotzte, aber wir kamen schnell weg von dem Thema auf das ich so diplomatisch wie möglich antwortete. Ich redete ungelogen 3 Stunden, also die ganze Fahrt lang, mit Gregor. Dadurch lernten wir uns dann eigentlich erst kennen und danach waren dann auch öfters mal ein paar persönlichere Gespräche drin. Mareike blieb übrigens in Accra, sodass sie am 24ten mit ihrer Familie feiern konnte um dann von Volker zur Green Turtle Lodge gefahren zu werden, da dieser in der Lodge neben unserer gebucht hatte. Welch ein Zufall! Aber zurück zu uns. In Tamale wurden wir dann zum Trotro nach Bosua geleitet und ab da war Endstation. Keine weiteren Trotros. Das war echt niederschmetternd! Aber wir nahmen dann ein Taxi für 20 Cedi, was uns anfangs viel zu viel vorkam, aber letztendlich zeigte uns der fast einstündige Weg, dass der Preis fair war, denn die Lodge liegt absolut in der Pampa. Der nächste Ort war 15 Minuten zu Fuß entfernt und da gab es nur in den wenigsten Hütten Strom. Es war eigentlich echt geil! Die ganze Lodge wurde durch Solarenergie versorgt und unsere Hütte bot keine Möglichkeit das Handy oder den Musikplayer aufzuladen. Man war gezwungen den wundervollen Strand, blauen Himmel und grünen Palmen zu genießen. Aber das haben wir am Abend alles noch nicht wahrnehmen können. Wir bestellten etwas zu essen für viel zu teures Geld, aber daran mussten wir uns gewöhnen, denn 12 Cedi waren einfach ein normaler Preis für ein Abendessen. Es schmeckte aber auch echt gut und europäisch. In der ganzen Zeit in der Lodge aß ich nichts Ghanaisches und es war echt mal wieder angenehm keine Magenprobleme zu haben! Nach dem Essen liefen wir dann zum Wasser und badeten trotz meiner Bedenken doch noch. Es war cool, aber auch irgendwie angsteinflößend, denn man hat kaum etwas gesehen und wurde von sehr starken Wellen weggezogen und gedrückt. Man kam sogar ins Stolpern, wenn man einfach nur so am Wasserrand stand, sodass das Wasser einen umspülte, denn wie gesagt, dass Wasser hatte hier echt Kraft! Passiert ist uns glücklicherweise dennoch nichts. Am nächsten Tag war Weihnachten. Es kam viel zu schnell und bis jetzt hab ich noch nicht wirklich das Weihnachtsgefühl aufbringen können. Wie auch, wenn es die ganze Zeit warm ist und alles an Weihnachtsdeko Lichterketten sind. Aber es war eine interessante Erfahrung, denn diesmal hatte man nicht das durch die Gegend fahren, sondern saß die ganze Zeit am Strand oder trieb durch das Wasser. Jederzeit konnte man sich eine Kokosnuss pflücken, was ich dann ab den nächsten Tagen immer öfter tat und teilweise 6 oder 7 Kokosnüsse pro Tag killte. Einfach weil es schmeckte und was Kostenloses zu trinken war. Ich kratzte mir meine Arme und Beine dabei auch ziemlich heftig auf, aber das war es wert! Die Wellen genossen wir auch, wobei es zu Weihnachten echt heftig krass war! Die Wellen hatten eine Größe und Kraft, wie ich es noch nie erlebt hatte. Man wurde einfach komplett umgerissen, wenn man vor ihnen stand, da sie doppelt so hoch waren als man selbst. Und teilweise auch noch heftiger. Es war echt als ob man immer wieder von einer Mauer aus Wasser umgehauen wurde. An diesem ersten Tag traute ich mir auch nicht der Welle gerade stehend entgegen zu treten. Ich tauchte lieber drunter durch oder duckte mich weg, sodass ich nicht ganz so stark erwischt werde. Das klingt jetzt alles so als ob ich einen Rock anhätte, aber es war unglaublich. Nach dem Tag drehte sich auch meine ganze Welt und wenn ich die Augen schloss befand ich mich mitten in einer Welle und ich glaube die Träume die ich danach hatte, hatten auch ziemlich viel mit Wasser zu tun. Dieser Tag beschreibt den Aufenthalt in der Lodge eigentlich auch ganz gut. Wir hatten auch einigen Kontakt zu anderen Volunteers, aber viele von denen waren anders als wir. Aber wir kamen dennoch immer wieder ins Gespräch mit einigen. Eine Gruppe aus Togo hatte zum Beispiel Motorräder gekauft, für etwa 300 Euro pro Stück, und damit tourten sie jetzt als Ferienbeschäftigung durch Ghana. Das hatte schon richtig Stil! Aber so wie wir blieben die auch eher unter sich. Eine andere Gruppe kam Swedru. Mit denen hatten wir auch eher wenig Kontakt. Nur beim Volleyball spielen oder manchmal beim abendlichen Zusammensitzen. Bei den Swedruleuten waren auch drei Schwedinnen dabei, die doch sehr eigenartig waren. Denn am zweiten Weihnachtsfeiertag betranken sie sich hemmungslos und torkelten den Rest des Tages nur noch sinnlos durch die Gegend und laberten alle ein wenig voll. Es war irgendwie ganz lustig, aber auch unangenehm, denn eine der drei suchte offensichtlich den körperlichen Kontakt. Aber halt bei jedem, der ihr ein wenig zuhörte. Sie erzählte aber auch nur sinnloses Zeug. Dass sie Ghana gar nicht so sehr mochte und sie sich wieder tierisch darauf freute von hier weg zu sein, weil die ghanaischen Männer doch sehr nervten (hier kann ich sie dann wieder verstehen). Naja, sie lief einem an diesem Tag auf jeden Fall öfters über den Weg und es war immer wieder ein Mix aus witzig und lächerlich. Ich bin mir sicher, dass, wenn sie nicht relativ hübsch gewesen wäre, sie an diesem Tag viele Körbe geerntet hätte. So aber ertrug sie jeder und atmete auf, wenn sie weg war. Außerdem lernten wir Emmanuel kennen. Einen Einheimischen, der mich fragte, ob ich Jessica kennen würde und Fabian hieße. Das war auch witzig, weil mich das total aus der Bahn warf. Er erzählte mir dann, dass er Jessica sehr gut kenne und sie auch hier gewesen war und scheinbar viel mit ihm geredet habe. Zum Beispiel hatte sie ihn von der Idee weggezogen Soldat zu werden. Jetzt wollte er Kunst studieren und musste dafür Geld verdienen, was er in der Green Turtle Lodge ermöglichte. Tja, was zeichnete ihn noch aus? Er liebte es mit dem Fahrrad zu fahren und fuhr jeden Morgen mit dem Fahrrad durch den nassen Sand zur Lodge. Wow sag ich da, ich will nicht wissen, was für eine Kraft in seinen Beinen steckt! Er war echt ein lieber Kerl, aber ich wusste nicht so recht worüber ich mit ihm reden sollte. Deswegen entwickelte sich da leider keine richtige Freundschaft, obwohl er echt korrekt war. Schade, aber es ist nicht zu ändern. An einem Tag erforschten wir dann auch mal das Dorf nebenan, das wirklich noch ordentlich oldschool war. Alte Hütten, oft ohne Strom und ohne Wasserzufuhr. Ein typisches Fischerdorf. Und jeden Morgen und jeden Mittag konnte man einige Leute sehen, die riesige Netze aus dem Wasser holten. Aber sonst war das Dorf nicht besonders. Was sehr nervte war, dass jeder nach Geld fragte und horrende Preise verlangt wurden. Sicherlich Obrunipreise. Naja, in dem Dorf war auch Emmanuels Kneipe, die wir dann einige Male besuchten und in der die Preise auch etwas kundenfreundlicher waren. An einem anderen Tag erforschten Mareike und ich mal die Halbinsel am Dorf. Nur wir beide waren unterwegs, da Ruven und Gregor am Tag zuvor auf die Idee gekommen waren und Cornelius sowieso unbrauchbar war, da er geschwächt im Bett lag, den ganzen Tag! Naja dieses erforschen der Insel war auf jeden Fall eine meiner besten Erfahrungen in der Green Turtle Lodge. Man stelle sich eine größere Halbinsel vor, die man bei geradem Gelände in etwa 10 Minuten umrundet hätte. Aber es gab keinen Weg, bzw. hätte man für den bezahlen müssen, worauf ich keine Lust hatte. Es folgten uns zunächst auch noch ein paar Bibinis (Afrikaner), aber wir lehnten deren Hilfe dankend ab. Wir begannen unsere Tour an einer traumhaften Lagune, in der man einfach nur schwimmen gehen wollte, aber wir hatten anderes vor. Zunächst wateten wir durch das Wasser, um dann auf die Steine zu steigen, die die Insel ein einem Kreis einschlossen. Dabei handelte es sich um Steine, die die Größe einer Wassermelone hatten, bis hin zu Steinen, die dreimal so groß waren wie ich. Es war also ein interessanter Weg über die Steine, natürlich mit Flipflops an. Es war eigentlich ziemlich gefährlich, aber es machte einfach zu viel Spaß. Ich weiß nicht ob Mareike an dem ganzen Klettern auch so eine Freude entwickeln konnte, aber ich war für die nächsten 2 oder 3 Stunden 100 Prozent glücklich. Ich entdeckte dann irgendwann eine Stelle, an der man aussuchen und auf die Lagune schauen konnte. Mareike ruhte sich also aus und ich ging erforschen. Zunächst ging ich einen Weg entlang, der mich nur zu einem Drahtzaun führte, also ging ich wieder zurück, aber dann wurde es interessant. Ich folgte einem anderen Weg, der immer höher auf den Gipfel der Insel führte. Und dann kam etwas, das ich gar nicht erwartet hatte: ich traf auf eine kleine, verfallene Burg. Ja, eine Burg. Eine Burg…. Ich konnte es nicht glauben. Einfach so… eine Burg auf dem Gipfel einer afrikanischen Halbinsel. Natürlich war sie von europäischen Besatzern als Aussichtsplattform benutzt worden, aber sowas erwartet man doch nicht! Naja, ich schaute mich dann ein wenig um und erzählte Mareike schnell voller Stolz, was ich entdeckt hatte. Ich muss wie ein kleines Kind gewirkt haben! Ich will die Burg jetzt nicht genau beschreiben, sie war auch eher klein, vielleicht 60 Quadratmeter Grundfläche. Aber sie war ziemlich hoch. Locker mal 10 Meter von ganz unten nach ganz oben. Naja, Mareike hat dann wieder ein bisschen gechillt und ich bin weiter erforschen gegangen und hab einen Weg auf die andere Seite der Insel gesucht und gefunden. Dort waren die Steine aber nicht mehr so leicht zu besteigen. Zwischendurch sah ich dann noch ein Lebewesen, das ein bisschen aussah, wie eine Kakerlake, bloß gelb und rot und etwa so groß wie mein Unterarm. Ich wüsste nicht wie ich mich gefühlt hätte, wenn dieses Vieh näher an mir dran gewesen war. Hihi… Naja, dann war ich irgendwann um die Insel herum geklettert und ging wieder den bekannten Weg zur Burg hoch. Dann zeigte ich Mareike noch schnell den Weg zu anderen Seite und wir chillte noch ein wenig auf den Steinen und schauten den Wellen beim brechen und den Krebsen beim über die Steine ziehen zu. Man konnte von unserem Standort auch die Lodge und manche Kanufahrer sehen. Dann machten wir uns wieder auf den Weg zurück. Übrigens hab ich noch gar nicht gesagt, dass der erste Teil des Steinkreises um die Insel als öffentliche Toilette genutzt wird, weswegen es da ziemlich gestunken hat und man den einen oder anderen Haufen besichtigen durfte. Aber das war es doch wirklich wert! An einem anderen Tag lernten wir Patrick und Dominik kennen, die dann noch eine Rolle ins unserem restlichen Ghanaaufenthalt spielen sollten. Die beiden hatten es richtig klug angestellt: sie waren mit dem Auto gekommen, in welchem sie auch übernachteten. Außerdem aßen sie kaum in der Lodge und somit kostete sie dieser Urlaub nur sehr wenig. Aber wer waren die zwei? Es handelt sich um einen 24-und einen 27-jährigen Volunteer, die mit dem Mittelrheinischen Sportbund nach Ghana gekommen waren und hier für 5 Monate blieben und ein Projekt in die Wege leiten sollten, das die Ausbildung von Trainern vorsieht. Die beiden haben mit Training aber noch relativ wenig zu tun, da sie erstmal das Haus für die Freiwilligen herrichten, ein Auto besorgen und Verträge aushandeln mussten, um mit all dem anzufangen. Davon erfuhren wir aber erst viel später. Am ersten Abend sprach uns Dominik auf seine verpeilt-lustige Art an und wir konnten eine Runde lachen. Erst in den nächsten Tagen redeten wir etwas mehr mit den beiden. Naja, in der Lodge redeten wir eigentlich nicht so viel mit den beiden aber sie luden uns zu sich nach Cape Coast für Silvester ein, was wir dann auch annahmen. Also später mehr von den beiden. Wir haben dann auch noch Volunteers getroffen, die in Kumasi arbeiteten. Eine davon hatte sich sofort in jeglichen Zugang zu mir verscherzt, da ihre ganze Art so aufgesetzt und unangenehm war. In Deutschland war das ein ziemlich girly-girlishes Verhalten. Sie hat oft etwas genommen und nach dem Benutzen gesagt ich nehm mir das mal, okay? Und hat einem ein engelsgleiches Lächeln entgegengeschickt. Dann hat mich noch gestört, dass sie an einem Tag wohl irgendeinen Afrikaner zu sich eingeladen hatte, um ihm ein Handy zu Weihnachten zu schenken und sich dann den Rest des Tages mit ihm rumzubeißen. In Deutschland sicherlich kein Problem, aber das ist Ghana und sowas sieht man hier einfach nicht in der Öffentlichkeit. Und vielleicht wäre es auch nicht so schlimm gewesen, wenn sie dann an einem anderen Tag mit einem Deutschen rumgemacht hätte. Aber sie hat all dies getan und deswegen hatte ich schon gar keinen Bock auf sie ohne je mit ihr geredet zu haben. Das erinnert mich auch gleich noch an eine andere Person. Irgendein alter, reicher, hässlicher, weißer Touri, der sich eine junge Einheimische klar gemacht hatte. Wie viel Liebe da im Spiel war, will ich mal nicht erörtern. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Spaß ohne irgendeine Art von Bezahlung lief. Ich konnte nicht umhin und musste ihn die ganze Zeit böse anstarren, weil es einfach so falsch war. Er tat mir einerseits so leid und andererseits kamen meine Vorurteile gegen die ganze Bagage ins Spiel. Naja, nach einer Übernachtung war er weg. An einem Abend machten dann ziemlich viele der Kumasi-Leute beim „Green Turtle Walk“ mit und wir folgten ihnen einfach. Aber es war schrecklich. An diesem Abend hatte war ich schon ziemlich am Ende und hinkte dem Rest der Gruppe hinterher. Wir liefen und liefen scheinbar ohne Ende. Irgendwann hielten wir dann an und es wurde verkündet, dass man wohl keine Schildkröten sehen würde, für die wir aber eigentlich losgegangen waren. Also drehten wir wieder um, ohne wirklich etwas geschafft zu haben. Der Guide erzählte uns noch etwas über Schildkröten, aber das steht auch alles im Buch. Naja, der Weg zurück war dann komplett für den Arsch. Ich war so müde, dass ich kaum noch gerade laufen konnte! Ich machte dann auch zweimal Pause und legte mich hin und schlief ein wenig. Ich kam natürlich als letzter wieder an und ging dann so ziemlich sofort ins Bett. Eine letzte besondere Person war Elliot. Ein ziemlich gut gelaunter Engländer, der sich mit jedem super verstand. Es machte Spaß mit ihm zu reden und am Abend mit ihm jegliche Art von Spielen zu spielen. An einem Abend lösten wir ganz viele Rätsel, die uns ein Spanier und Elliot stellte. Außerdem brachte Elliot den Beautiful Clean Beach Club ins Leben. Da der Strand abseits des Geländes der Lodge ziemlich vermüllt war, wollte Elliot ein bisschen aufräumen und bat jeglichen Gast der Lodge zu helfen mit aufzuräumen. Am Ende arbeiteten fast 15 Leute für eine Stunde am sauber machen des Strandes. Wir kamen nicht sehr weit, weil einfach so viel Müll überall verteilt war. Das zeigt einfach nur, dass sowas öfter passieren sollte. Als Ausgleich dafür haben wir einen Cocktail ausgegeben bekommen. Aber das Wichtigste an der ganzen Aktion war, dass man mal ein bisschen zusammen gekommen ist und begonnen hat miteinander zu reden. Auch mit dem Besitzer konnte man sich ganz gut unterhalten und er half uns sogar mit Cornelius‘ Problemen fertig zu werden. Er ermöglichte Cornelius ins Krankenhaus für umsonst zu fahren (aber da der Arzt im Urlaub war, brachte das nicht viel) und gab Cornelius dann auch immer mal eine Cola extra, damit er sich erholen konnte. Auch ganz süß war der Sohn und die Tochter des Besitzers, der glaube ich Tom oder so hieß. Der Junge war ein ausgesprochen lustiges Kind, das immer auf dem Hund der Familie hockte, der sich wirklich alles vom kleinen Jungen gefallen ließ. Quasi stündlich wurde der Hund vom Sohn traktiert. Die Tochter war absolut selbstsicher und alle Angestellten kümmerten sich liebevoll um sie. Sowieso muss man sagen, dass wenn in einem Arbeitskreis eine Frau ein Kind hat, dass sich dann alle Männer absolut väterlich um dieses kümmern. Wie ein echter Vater. So weiß man dann auch nie so recht, von wem das Kind ist 😀 Naja, zur Lodge gibt es einfach nicht so viel zu erzählen. Alles in allem war es eine echt witzige und entspannte Zeit. Braun geworden bin ich aber interessanter Weise nicht wirklich. Irgendwie bräunt einen die Sonne hier nicht so. Schade eigentlich! Am letzen Tag bot mir Emmanuel auch noch an mit dem Fahrrad nach Cape Three Points zu fahren und Wale zu sehen, aber ich war so entspannt, dass ich gar keine Lust auf Bewegung hatte. Im Nachhinein könnte ich mir dafür ins Hinterteil treten so dumm gewesen zu sein und dieses Angebot abgelehnt zu haben, aber nun ist es zu spät. Am 31.12 fuhren wir morgens gegen 10 Uhr los. Wir konnten aber kein Trotro nehmen, da wir nicht genug Geld hatten, um unsere Rechnungen zu bezahlen. Also nahm uns ein Fahrer der Lodge für 30 Cedi mit nach Takoradi. Das war zwar unangenehm teuer, aber es war auch Luxus pur. So kamen wir ganz schön schnell nach Cape Coast. In nur etwa 3 Stunden. Naja, letztendlich habe ich übrigens 272 Cedi bezahlt. Eigentlich müsste man noch 12 Cedi abziehen, da ich mir kurz vor der Abfahrt noch eine Pizza aus Prinzip bestellt hab, denn uns wurde gesagt, dass sie hier die Beste haben. Aber so gut war es nicht. Schade eigentlich! In Cape Coast wurden wir dann irgendwie ziemlich ungestüm aus dem Trotro geworfen und standen da auf der Straße. Sofort kam ein Taxifahrer an und nahm uns unsere Rucksäcke weg, bis wir ihm verklickerten, dass es so nicht lief. Letztendlich mussten wir dann aber doch nachgeben und er fuhr uns zum Sammo Guest House, bei dem es sich um einen 4-stöckigen Gebäudekomplex handelt. Die Zimmer waren klein, dreckig und fast preiswert, also eigentlich ganz okay. Über Cape Coast kann man sagen, dass es sich um eine schöne Stadt mit geilem Flair handelt. Außerdem stehen noch richtig viele Häuser aus der Kolonialzeit. Diese Stadt hatte einfach etwas, das Kumasi und Accra nicht hatten. Kumasi ist sehr afrikanisch, durcheinander. Liebenswert auf seine Art und Weise und irgendwie zu meiner zweiten Heimat geworden. Accra ist laut, hektisch und westlich. Eine Stadt in der zwar viele Wahrzeichen Ghanas stehen, aber der es an Tradition zu fehlen scheint. Cape Coast ist einfach wie ein Zuhause. Das ist die beste Beschreibung. Bevor wir uns in das Nachtleben schmeißen wollten, aßen wir erstmal etwas in einer kleinen Chop Bar, dann begaben wir uns in eine Bar und ich entdeckte das ghanaische Castle Bier für mich. Hier handelt es sich um eine lustige Sache: Bier mit Lactose. Es ist relativ würzig und hat einen Caramel-Nachgeschmack. Die anderen lachen mich aus, weil ich es mag, aber es ist echt eine interessante Abwechslung zum wässrigen Starbier. Naja, nachdem wir getrunken hatten, was wir wollten, gingen wir zum Oasis Club, wo wir dann auch auf Dominik und Patrick stoßen sollten. Dieser Club war absolut westlich! Fast nur Weiße waren da und die Preise waren auch wieder gigantisch, sodass ich lieber kein Geld für Getränke dalassen wollte. Wir beobachteten viele Leute. Zum Beispiel eine alter weiße Hippie Frau, die sich mit ihrem jungen, schwarzen Lover einen Joint nach dem nächsten reinzog. Außerdem konnte man sehr gut Leute gucken, wenn man auf die Tanzfläche schaute, weil sich da der eine oder andere gut blamierte. Irgendwann kamen dann Patrick und Dominik, mit denen wir uns dann auch eine lange Zeit unterhielten. Irgendwann war dann Mitternacht und zwei Lagerfeuer wurden angezündet. Man saß ganz gemütlich zusammen und schaute aufs Feuer. Naja, bis hin zu einem bestimmten Punkt zumindest… Denn die Schwedin war wieder da und war betrunkener denn je. Sie schmiss sich so penetrant an jedes männliche Wesen ran, dass es einem schlecht wurde. Das sie jemanden abbekommen würde, stand fest, bloß musste sich der unglückliche erst finden. Bei uns probierte sie es auch einige Male. Sie saß Gregor lange Zeit auf dem Schoß und lud ihn sogar zu sich ins Zimmer ein, aber er lehnte dankend ab. Zu Ruven legte sie sich ein paar Mal ans Feuer und auch neben mich legte sie sich auch. Schnell begann sie mit den Lippen an meinem Hals zu hängen, wodurch ich dann so viel zu reden begann, sodass sie nicht an meine Lippen konnte. Das langweilte sie dann glücklicherweise so sehr, dass sie zum nächsten potentiellen Opfer ging. Bald war ich dann auch ziemlich müde und ging mit Gregor und Mareike nach Hause. Ruven, Dominik und Patrick hatten noch genug Kraft um weiter zu machen. Ruven schleppte sich dann gegen halb 6 ins Bett und die beiden anderen hielten bis um 8 durch.

So, das war es jetzt leider erstmal, aber ich bin dabei mehr zu schreiben. Es ist nur so viel… 🙂

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